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Digital

In eigener Sache

Ich habe ges­tern beim Ent­sor­gen von Spam­kom­men­ta­ren ver­se­hent­lich (die­se Haken, die sich immer sel­ber irgend­wo set­zen) zwölf bis 15 rich­ti­ge Kom­men­ta­re ent­sorgt. Das tut mir leid.

Da ich aber noch alle Benach­rich­ti­gun­gen im Post­ein­gang habe, wer­de ich die Kom­men­ta­re jetzt hän­disch rekon­stru­ie­ren. Wenn Sie die E‑Mail-Benach­rich­ti­gung für neue Kom­men­ta­re akti­viert haben, wer­den Sie gleich einen ziem­li­chen Rutsch von Kom­men­ta­ren unter mei­nem Namen erhal­ten, die ich danach umfor­ma­tie­ren muss.

Ich bit­te die Unan­nehm­lich­kei­ten zu ent­schul­di­gen, in ein paar Stun­den soll­te wie­der alles in Ord­nung sein.

Nach­trag, 11:34 Uhr: Jetzt soll­te wie­der alles da sein. Gehäs­sig­kei­ten und Geläch­ter bit­te in den Kom­men­ta­ren, wüs­te Beschimp­fun­gen nur per E‑Mail.

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Musik Rundfunk

Warum tut denn niemand was?

Es gibt Pres­se­mit­tei­lun­gen, die hin­ter­las­sen nichts als Angst und Schre­cken.

Hier die High­lights der ver­gan­ge­nen Tage:

Der Count­down auf der Söh­ne Mann­heims-Web­site kün­digt es an: in weni­gen Tagen ist es soweit – ab dem 08.08.08 ist die neue Sin­gle „Das Hat Die Welt Noch Nicht Gese­hen“ der Söh­ne end­lich im Han­del und als Down­load erhält­lich.

(Löwen digi­tal, Digi­ta­les Pro­dukt­ma­nage­ment)

Unter dem Titel „Der Dativ ist dem Geni­tiv sein Tod“ prä­sen­tiert das WDR Fern­se­hen drei Fol­gen der BASTIAN-SICK-SCHAU. Nach­dem der Jour­na­list und Best­sel­ler-Autor Bas­ti­an Sick mit sei­ner wit­zi­gen Mischung aus Lesung, Deutsch­stun­de und Gram­ma­tik-Come­dy seit län­ge­rem schon die größ­ten Hal­len füllt, bekommt Deutsch­lands bekann­tes­ter Sprach­pfle­ger nun end­lich sei­ne eige­ne Fern­seh­show: Das Bes­te aus sei­nen Büh­nen­pro­gram­men, kom­bi­niert mit Sket­chen, hoch­ka­rä­ti­gen Gäs­ten und einem klei­nen „Deutsch-Quiz“.

(WDR Fern­se­hen)

Die­se Nach­richt dient dem Ver­such, tech­ni­sche Pro­ble­me beim email-Ver­sand zu lösen.
Vie­len Dank für Ihr Ver­ständ­nis und freund­li­che Grü­ße
ZDF-Pres­se­stel­le

(ZDF, nach meh­re­ren Mona­ten jetzt offen­bar end­lich gelöst)

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Musik

Listenpanik 07/​08

Die Ankün­di­gun­gen, was für Alben in die­sem Jahr noch so alles erschei­nen sol­len, machen mir ein biss­chen Angst. Im August geht’s los und es wird erst zur gro­ßen Best-Of-Live-und-Rari­tä­ten-Wel­le im Dezem­ber nach­las­sen. Davor lag aber noch der Juli, der jetzt nicht soooo viel Alben und Songs ange­spült hat, dafür aber eini­ge rich­tig gute. Und für zwei gewohnt sub­jek­ti­ve und unvoll­stän­di­ge Top-Five-Lis­ten reicht das alle­mal:

Alben
1. She & Him – Volu­me One
Die übli­chen Kli­scheesät­ze über sin­gen­de Schau­spie­le­rin­nen (inkl. Ver­weis auf „Ban­dits“) kön­nen Sie sich ja selbst aus­den­ken: „She“ ist Zooey Descha­nel, die Sie aus „Almost Famous“, „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“ oder der drit­ten Staf­fel von „Weeds“ ken­nen, „Him“ ist M. Ward, einer der ganz Gro­ßen im US-Indie-Folk. Fräu­lein Descha­nel singt aber nicht nur gut, sie spielt auch eini­ge Instru­men­te und hat fast alle Songs selbst geschrie­ben. Her­aus­ge­kom­men ist ein char­man­tes Album zwi­schen Folk und Six­ties Pop, für des­sen per­fek­te Rezep­ti­on sich irgend­wie Cabrio­fahr­ten durch wei­te Land­schaf­ten anbie­ten.

2. The Hold Ste­ady – Stay Posi­ti­ve
Ich muss ja zuge­ben, dass ich bis zu die­sem Jahr noch nie von The Hold Ste­ady gehört hat­te. Aber irgend­wie tauch­ten sie dann in allen von mir kon­su­mier­ten Musik­me­di­en auf und die CD stand an pro­mi­nen­ten Stel­len im Laden. Die Band kommt aus Brook­lyn, NY und sieht sich mit ihrer Rock­mu­sik in der Tra­di­ti­on von Hüs­ker Dü und Bruce Springsteen. Außer­dem klingt’s für mei­ne Ohren noch nach The Clash, R.E.M. und Ben Folds Five und da sehen Sie sehr schnell, war­um mir das Album gefällt. Eigent­lich han­delt es sich um 14 Pop­songs, die aber unter einer leich­ten Schmutz­schicht aus über­dreh­ten Gitar­ren ver­steckt sind – bis auf die Stel­len, wo sich die Schmutz­schicht löst und dar­un­ter zum Bei­spiel ein Harp­s­ichord (oder ein ähn­lich baro­ckes Instru­ment) zum Vor­schein kommt. Stel­len Sie sich die Coun­ting Crows zu „August And Ever­y­thing After“-Zeiten und Weezer zu „Pinkerton“-Zeiten gemein­sam auf einem Album vor und Sie sind nah dran. Ach, hören Sie es sich ein­fach an!

3. Black Kids – Par­tie Trau­ma­tic
Und schon wie­der so eine Indie­band. Was die Black Kids von den meis­ten ande­ren Bands, die in die­ser Serie schon zu Gast waren und längst wie­der ver­ges­sen sind, unter­schei­det ist die Tat­sa­che, dass sie aus Flo­ri­da kom­men. Ihr Debüt­al­bum haben sie aber unter der Regie von Ber­nard But­ler in Groß­bri­tan­ni­en auf­ge­nom­men, wes­we­gen sie auch eher bri­tisch klin­gen (ver­mut­lich taten sie das auch vor­her schon, aber so kommt eins zum ande­ren). „Par­tie Trau­ma­tic“ hat einen Über­hit („I’m Not Going To Teach Your Boy­fri­end How To Dance“, s.u.) auf der Haben­sei­te und ver­fügt über neun wei­te­re char­man­te Indiepop­schla­ger. In einem hal­ben Jahr ver­ges­sen, aber heu­te genau das rich­ti­ge.

4. Dir­ty Pret­ty Things – Romance At Short Noti­ce
Carl Barât ist der Paul McCart­ney der Liber­ti­nes: der net­te, weni­ger ver­rück­te, der ohne die komi­sche Frau. Eben nicht Pete Doh­erty. Und so, wie ich vie­les von McCart­ney bes­ser fand als die Len­non-Sachen, mag ich auch die Dir­ty Pret­ty Things mehr als die Babysham­bles. Auf ihrem zwei­ten Album klin­gen sie nach Mad­ness, The Clash und dann mal wie The Kooks in span­nend. Oder: etwas span­nen­der.

5. Beck – Modern Guilt
Sei­en wir ähn­lich: Beck lebt (ein biss­chen wie Oasis) von dem Ruf, eini­ge der bes­ten Alben der Neun­zi­ger auf­ge­nom­men zu haben. Nach dem phan­tas­ti­schen „Sea Chan­ge“ vor sechs Jah­ren kamen zwar zwei Stu­dio­al­ben und ein Remix­al­bum, aber die klan­gen irgend­wie so, wie Beck halt klingt. Was bei Oasis nicht wei­ter ins Gewicht fällt, ist bei einem wie Beck schon fata­ler – immer­hin war sein Sound mal inno­va­tiv und neu. Vor die­sem Hin­ter­grund sind dann auch die Songs, die man vor zehn Jah­ren ver­mut­lich urst cool gefun­den hät­te, heu­te eher noch okay. Aber weil ich im Juli nicht so vie­le neue Alben gehört habe, soll’s mal gera­de noch für die Lis­te rei­chen.

Songs
1. Black Kids – I’m Not Going To Teach Your Boy­fri­end How To Dance
Offen­bar soll es jetzt jedes Jahr den gro­ßen The-Cure-Gedächt­nis­hit geben. Was letz­tes Jahr den Shout Out Louds gelang, ist die­ses Jahr den Black Kids vor­be­hal­ten. Was für eine rie­si­ge Indie-Hym­ne, die jede Tanz­flä­che zum Bers­ten brin­gen dürf­te!

2. She & Him – This Is Not A Test
Wären die Beach Boys die Beach Girls gewe­sen, hät­ten sie so geklun­gen: „Baaaaaaaa“, gepfleg­tes Geschun­kel und ein Hauch von Melan­cho­lie hin­ter dem som­mer­li­chen Froh­mut. Der ver­mut­lich bes­te Song auf einem tol­len Album (s.o.)

3. Get Cape. Wear Cape. Fly – Wai­ting For The Mons­ter To Drown
Bei Get Cape. Wear Cape. Fly steht für mich das Album irgend­wie immer über den Songs. Vom Debüt könn­te ich kaum ein ein­zel­nes Lied benen­nen, das Gesamt­kunst­werk Album über­strahlt alles. Aber beim Wie­der­hö­ren des zwei­ten Albums (s. Lis­ten­pa­nik 03/​08) muss­te ich fest­stel­len, dass „Wai­ting For The Mons­ter To Drown“ ein Ham­mer­song ist. Big­beat, Strei­cher und „Baba“-Chöre, so schreibt man Hits. Also ein­fach: noch mal rein­hö­ren, Wahn­sinns­song!

4. Weezer – Heart Songs
Ange­regt durch die­sen Kom­men­tar habe ich mich dann doch noch mal näher mit der roten Weezer-Plat­te beschäf­tigt und sie­he da: „Heart Songs“. Nicht unbe­dingt ein ein­gän­gi­ger Rock­song, aber ein unglaub­lich anrüh­ren­der. Rivers Cuo­mo arbei­tet sämt­li­che Ein­flüs­se von Cat Ste­vens über Bruce Springsteen bis zur Erwe­ckung durch Nir­va­na und den Start der eige­nen Kar­rie­re ab und jeder Mensch, des­sen Ado­les­zenz durch Rock­mu­sik geprägt war (also unge­fähr jeder Mensch), weiß, wovon der Mann singt.

5. Fotos – Explo­die­ren
Von Fotos krie­ge ich irgend­wie immer nur die Sin­gles mit. Vor zwei Jah­ren zum Bei­spiel das gigan­ti­sche „Gigan­ten“, die­ses Jahr eben „Explo­die­ren“. Ein biss­chen Peter­Licht, ein biss­chen Ster­ne, ein biss­chen Super­punk. Ein sym­pa­thi­scher klei­ner Rock­song, in jedem Fall bes­ser als Madsen (was aller­dings auch ein ziem­li­cher Gemein­platz ist).

[Lis­ten­pa­nik – Die Serie]

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Digital

Die Top-Themen von „RP Online“ (2)

"Schöne Sienna ist wieder solo" / "Sienna Miller ist wieder Single"

Kei­ne Angst, es han­delt sich natür­lich um zwei ver­schie­de­ne Arti­kel über … Sien­na Mil­ler, die wie­der solo ist.

Emp­feh­lens­wert ist aber auch der Arti­kel in der Mit­te, der mit sie­ben Bil­der­ga­le­rien bestückt ist, dar­un­ter eine, die selbst für „RP Online“-Verhältnisse ein wenig extra­va­gant ist.

[mehr „RP Online“]

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Musik Digital

Über das Saugen (Over The Rainbow)

Die MCPS-PRS Alli­ance, das bri­ti­sche Äqui­va­lent zur GEMA, hat gemein­sam mit dem ame­ri­ka­ni­schen Markt­for­schug­nsun­ter­neh­men Big­Cham­pa­gne eine Stu­die über das Down­load­ver­hal­ten der User beim letz­ten Radio­head-Album „In Rain­bows“ her­aus­ge­ge­ben. Und die kommt zu inter­es­san­ten Ergeb­nis­sen.

Wir erin­nern uns: Radio­head hat­ten im ver­gan­ge­nen Okto­ber ihr Album „In Rain­bows“ für zwei Mona­te zum Down­load ange­bo­ten und die Hörer konn­ten dafür so viel Geld bezah­len, wie sie woll­ten – auch nichts. Weil Radio­head sich immer noch aus­schwei­gen, wie vie­le Leu­te das Album auf der offi­zi­el­len Sei­te her­un­ter­ge­la­den haben, kann Big­Cham­pa­gne nur Zah­len zu den Tor­rent-Down­loads prä­sen­tie­ren: 2,3 Mil­lio­nen Mal wur­de das Album zwi­schen dem 10. Okto­ber und dem 3. Novem­ber 2007 dort (ille­gal) her­un­ter­ge­la­den, 400.000 Mal allein am ers­ten Tag. Ande­re Alben nam­haf­ter Künst­ler kom­men auf Wer­te von bis zu 150.000 pro Woche.

Bei der „taz“ hat man die Stu­die ent­we­der nicht ganz gele­sen oder falsch ver­stan­den, denn der Arti­kel zur Stu­die ist mit „Expe­ri­ment geschei­tert“ über­schrie­ben. Klar: Wenn die Leu­te das Album lie­ber Klau­en, als es geschenkt zu neh­men, könn­te man das so sehen.

Die Macher der Stu­die Stu­die aller­dings wol­len das längst nicht so ver­stan­den wis­sen:

[A]nyone who has made it to the end of this paper and assu­mes that the pro­ject was a fail­ure has missed two cri­ti­cal points: first­ly, lots of peo­p­le bought the album in any one of its three for­mats and lots of peo­p­le went to see the show – and the word ‚lots‘ is robust no mat­ter which com­pa­ra­ti­ve mea­su­re you use. Second­ly, the wider pur­po­se of this paper is in many ways echo­ing the tone of the recent artic­le in The Eco­no­mist: ‚Pira­cy is a bad thing. But some­ti­mes com­pa­nies can use it to their advan­ta­ge‘.

[Der „Vor­teil“ war unter ande­rem, dass die Band ein zusätz­li­ches Kon­zert im Lon­do­ner Vic­to­ria Park anset­zen muss­te, weil der Andrang der Fans so groß war.]

Als Grund, war­um die Leu­te das Album lie­ber per Tor­rent gezo­gen haben als von der offi­zi­el­len Sei­te, gibt die Stu­die neben den tech­ni­schen Pro­ble­men am ers­ten Tag (Ser­ver­aus­fall, etwas umständ­li­cher Bestell­vor­gang) vor allem einen wei­te­ren an: die Leu­te ken­nen ihre Tor­rent­tra­cker, weil sie sie täg­lich nut­zen, und kamen gar nicht auf die Idee, es woan­ders zu ver­su­chen (auch wenn bzw. gera­de weil es das Album auch auf offi­zi­el­lem Weg für umsonst gab).

It is even less popu­lar to use phra­ses like ‚brand repu­ta­ti­on‘ when tal­king about the same sites the music indus­try cha­rac­te­ri­ses as shady, fly-by-night, and out­right cri­mi­nal. Make no mista­ke: The Pira­te Bay is a powerful brand with a ster­ling repu­ta­ti­on in the minds of mil­li­ons of young music fans.

Die Autoren zie­hen dann die Nine Inch Nails hin­zu, die ihr letz­tes Album „The Slip“ eben­falls zum kos­ten­lo­sen Down­load ange­bo­ten hat­ten – aller­dings in bes­se­rer Qua­li­tät und mit einem viel ein­fa­che­ren Pro­ze­de­re als Radio­head. Und sie­he da: die Mehr­heit der Leu­te lud das Album von der offi­zi­el­len Sei­te her­un­ter, nicht als Tor­rent. Das heißt also: Wenn man mit den bekann­ten Sys­te­men kon­kur­rie­ren will, muss man vor allem leicht zu bedie­nen sein – was im Übri­gen für das Prin­zip iTu­nes sprä­che.

Der span­nends­te Absatz der Stu­die indes sagt noch etwas ganz ande­res aus:

Fre­quent­ly, music indus­try pro­fes­sio­nals sug­gest that an increase in legi­ti­ma­te sales must neces­s­a­ri­ly coin­ci­de with a com­men­su­ra­te reduc­tion in pira­cy, as if this were a fact. Yet, the com­pa­ny Big­Cham­pa­gne has made no such con­sis­tent obser­va­ti­on in near­ly a deca­de of ana­ly­sing the­se data. Rather, it finds that pira­cy rates fol­low awa­re­ness and inte­rest. In other words, if you do a good job cul­ti­vat­ing a legi­ti­ma­te sales sto­ry, you must also expect a simi­lar up-tick in grey mar­ket acti­vi­ty. The big­gest sel­ling albums and songs are near­ly always the most wide­ly-pira­ted, regard­less of all the ‚anti-pira­cy‘ tac­tics employ­ed by music com­pa­nies.

Gut, dafür hät­te es jetzt nicht unbe­dingt eine Stu­die gebraucht, aber dass die­se Fak­ten mal in einer Ver­öf­fent­li­chung ste­hen, die die MCPS-PRS Alli­ance unter „Inde­pen­dent Stu­dies“ ver­öf­fent­licht (und an der ihr Chef-Öko­nom Will Page mit­ge­schrie­ben hat), das ist doch mal zumin­dest ein biss­chen inter­es­sant.

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Digital

Mehr Selbstreferentialität kann ich nicht

Für ihre Juni-Aus­ga­be ihres Maga­zins hat­ten mir (und drei ande­ren Medi­en­schaf­fen­den) die Redak­teu­re des Medi­en­ma­ga­zins „Insight“ die Fra­ge „Wie stop­fen Sie das Som­mer­loch? gestellt“

Damals hielt ich fol­gen­de Ant­wort für wit­zig:

Da ich viel über Medien schreibe, gibt es bei mir kein Sommerloch. Die zahlreichen "lustigen" Reportagen und Schalten, mit denen Zuschauer und Leser so qequält werden, bieten genug Stoff bis September. Und falls ich doch ein Sommerloch verspüre, erzähle ich einfach dem nächsten Reporter, ich hätte einen Pottwal im Baggerloch gesehen, und warte ab.

Ich wür­de die Fra­ge heu­te anders beant­wor­ten.

Unter Bezug­nah­me auf mei­nen Ein­trag von letz­ter Woche und nach loser Rück­spra­che mit mir ver­öf­fent­lich­te die Pres­se­stel­le der Stadt Dins­la­ken am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag fol­gen­de Pres­se­mit­tei­lung:

Dins­la­ken in den Medi­en
Selbst­iro­nie ist gefragt – auch Gelas­sen­heit

Dinslaken/​München/​Frankfurt. Pünkt­lich zur Rei­se­zeit erschien kürz­lich in der renom­mier­ten Süd­deut­schen Zei­tung (SZ) unter „Hip­pen­stocks Stra­te­gien“ ein Car­toon: Vor der Rezep­ti­on eines offen­bar über­buch­ten Hotels ein Ehe­paar mit Kof­fern. Der Por­tier dahin­ter zu den Tou­ris­ten: „In der ers­ten Woche tei­len Sie Ihr Zim­mer mit einem Ehe­paar aus Dins­la­ken – ich den­ke, des­halb der Rabatt.“

In der aktu­el­len Aus­ga­be des Sati­re­ma­ga­zins „Tita­nic“ geht es in einem ande­ren Car­toon auch um die­se Stadt. Der hier gebo­re­ne Lukas Hein­ser, der­zeit in Bochum woh­nend, befürch­tet, durch die bun­des­weit kurz hin­ter­ein­an­der ver­brei­te­ten Kari­ka­tu­ren sei Dins­la­ken in der Medi­en­land­schaft offen­bar „end­gül­tig irgend so ein hin­ter­wäld­le­ri­sches Kaff“ gewor­den.

Der jun­ge Mann, der in sei­nem Block (www.coffeeandtv.de) gele­gent­lich aus und über sei­ne Hei­mat­stadt schreibt, teil­te der Stadt­pres­se­stel­le über­dies mit, Wet­ter­ex­per­te Jörg Kachelm­ann und TV-Plau­de­rer Roger Wil­lem­sen hät­ten sich läs­ternd über die Stadt im Grü­nen aus­ge­las­sen. Unter ande­rem soll Wil­lem­sen die Star-Sopra­nis­tin San­dra Schwarz­haupt gefragt haben, war­um sie in New York und nicht zum Bei­spiel in Dins­la­ken stu­diert habe.

Was Jörg Kachelm­ann, der Inten­dant der Dins­la­ke­ner Burg­hof­büh­ne und ich dazu zu sagen haben, kön­nen Sie drü­ben bei Ste­fan in den Kom­men­ta­ren lesen.

Ich war­te der­weil auf einen Anruf auf­ge­reg­ter Lokal­re­dak­teu­re, die ein gro­ßes Por­trät über mich brin­gen wol­len. Ist ja Som­mer­loch.

PS: Ich bin gar nicht in Dins­la­ken gebo­ren.

Nach­trag, 9. August: Mehr Selbst­re­fe­ren­tia­li­tät kann ich wohl

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Leben Unterwegs

Der Weg ist das Ziel (2)

Ich muss an mei­nem Timing arbei­ten. Meis­tens läuft es so: Ich rege mich über man­geln­den Ser­vice eines ehe­ma­li­gen Staats­be­triebs auf, tip­pe schon mal den Blog­ein­trag, möch­te aber auch noch die Gegen­sei­te hören. Also schrei­be ich eine E‑Mail an die Pres­se­stel­le, den­ke nach vier ant­wort­lo­sen Arbeits­ta­gen, dass dar­auf nie­mand mehr reagie­ren wird 1 und stel­le den Bei­trag online. Und dann kommt kur­ze Zeit spä­ter die Ant­wort des Unter­neh­mens.

Das war im Mai bei DHL so (Teil 1, Teil 2) und es ist auch jetzt bei der Deut­schen Bahn wie­der so.

Lesen Sie also erst, wor­über ich mich dies­mal auf­ge­regt habe, und dann die Ant­wort des „Zen­tra­len Kun­den­dia­logs“ 2:

Sehr geehr­ter Herr Hein­ser,

vie­len Dank für Ihre E‑Mail vom 28. Juli die­ses Jah­res an Herrn […]. Wir wur­den gebe­ten, Ihnen zu ant­wor­ten.

Es tut uns leid, dass Ihre Rei­se nach Ams­ter­dam und zurück nicht rei­bungs­los ver­lief. Die inter­na­tio­na­le Ver­bin­dung Frank­furt – Ams­ter­dam wird von Fahr­zeu­gen bedient, die beson­de­re tech­ni­sche Eigen­schaf­ten haben müs­sen, damit sie auch im Aus­land ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Die­se Fahr­zeu­ge sind auf das für den plan­mä­ßi­gen Betrieb unter Ein­rech­nung von Reser­ven erfor­der­li­che Maß begrenzt. In Aus­nah­me­fäl­len kann es jedoch vor­kom­men, dass durch kurz­fris­ti­ge Fahr­zeug­aus­fäl­le nicht mehr alle Zug­leis­tun­gen gefah­ren wer­den kön­nen. In sol­chen Fäl­len kom­men Ersatz­maß­nah­men zum Tra­gen wie z. B. vor­zei­ti­ges Wen­den von Zügen in Utrecht oder Arn­hem inklu­si­ve Benen­nung von alter­na­ti­ven Fahr­mög­lich­kei­ten. Hier han­delt es sich um Aus­nah­men, die nicht jede Woche auf­tre­ten und inso­fern men­gen­mä­ßig schlecht quan­ti­fi­zier­bar sind.

Die bei­den Fäl­le, die zeit­lich dicht bei­ein­an­der lagen, ereig­ne­ten sich in einer Pha­se mit erhöh­tem Fahr­zeug­schad­stand. Am 23. Juli war der vor­ge­se­he­ne Trieb­zug bei Bereit­stel­lung in Ams­ter­dam nicht ein­satz­fä­hig und konn­te erst zwei Stun­den spä­ter ein­ge­schränkt ver­wen­det wer­den. Die Fahrt am 25. Juli konn­te erst in Arn­hem begin­nen, weil an die­sem Tag ein Fahr­zeug weni­ger zur Ver­fü­gung stand.

Sehr geehr­ter Herr Hein­ser, Sie kön­nen sicher sein, dass die­se bei­den Vor­fäl­le Aus­nah­men und nicht die Regel dar­stel­len. Gemäß unse­ren Pas­sa­gier­rech­ten haben Sie bei Ver­spä­tung eines Fern­ver­kehrs­zu­ges von über 60 Minu­ten Anspruch auf einen Gut­schein im Wert von 20 Pro­zent des Fahr­kar­ten­wer­tes. Falls Sie dies noch nicht in Anspruch genom­men haben, bit­ten wir um eine kur­ze Mit­tei­lung und Über­sen­dung einer Kopie Ihrer Fahr­kar­te an die unten genann­te Adres­se (ger­ne
auch per Fax oder E‑Mail), wir wer­den Ihnen dann einen ent­spre­chen­den Gut­schein zusen­den.

Wir freu­en uns, wenn unse­re Aus­füh­run­gen die Hin­ter­grün­de ver­deut­li­chen konn­ten und hof­fen, dass Ihre zukünf­ti­gen Rei­sen so ver­lau­fen, wie Sie und auch wir uns dies wün­schen – ange­nehm und pünkt­lich.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Das ist ja nett und auf­schluss­reich. Für mich als Lai­en fas­zi­nie­rend ist, dass ein Fahr­zeug weni­ger offen­bar schon zu so einem rie­si­gen Cha­os füh­ren kann. Aber das ist ja irgend­wie auch ver­ständ­lich: die­se Züge sind sicher sehr teu­er in der Anschaf­fung, unge­nutz­te Züge kos­ten dop­pelt und falls man doch mal einen Ersatz­zug über hat, dann ver­mut­lich am ande­ren Ende der Repu­blik. Man kennt das ja aus dem eige­nen Haus­halt.

Sprach­lich inter­es­sant fin­de ich übri­gens die Bin­nen­an­re­de im vor­letz­ten Absatz. Ich hab sowas noch nie gele­sen – außer im Schrei­ben von DHL. Ver­mut­lich han­delt es sich dabei um einen über Jahr­zehn­te ent­wi­ckel­ten und erprob­ten Tipp aus dem „Rat­ge­ber für Kun­den­be­schwich­ti­gungs­brie­fe“.

  1. Ich bin ja auch nicht so grö­ßen­wahn­sin­nig und erwar­te das allen Erns­tes – ich hal­te es nur für ein Gebot der Fair­ness, ihnen die Mög­lich­keit einer Stel­lung­nah­me ein­zu­räu­men.[]
  2. Ist das nicht ein wun­der­ba­rer Name? Wolf Schnei­der echauf­fiert sich immer über den „Ser­vice Point“ der Deut­schen Bahn. Dass das sel­be Unter­neh­men einen „Zen­tra­len Kun­den­dia­log“ hat/​beschäftigt/​führt, ver­schweigt er jedes Mal.[]
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Musik

Some Kind Of Bad Idea

Metallteil mit der Aufschrift \"Heavy Metal\"

In Sachen Pro­mo­ti­on las­sen sich Plat­ten­fir­men ger­ne aus­ge­fal­le­ne Sachen ein­fal­len. Je grö­ßer die Ver­zweif­lung, des­to krea­ti­ver ist meist ihr Vor­ge­hen. Musik­re­dak­teu­re erin­nern sich ger­ne an den Eimer Kunst­blut, der einst bei der Pro­mo-CD irgend­ei­ner Metal­band mit­ge­lie­fert wur­de, und auch die Idee, im Herbst 2001 – auf dem Höhe­punkt der Anthrax-Panik – mit wei­ßem Pul­ver befüll­te Brief­um­schlä­ge zu ver­schi­cken, ist (nicht nur wegen der dar­aus resul­tie­ren­den rie­si­gen Saue­rei in den Redak­tio­nen) unver­ges­sen. Im Gegen­satz übri­gens zu der Band, die damit bewor­ben wer­den soll­te.

Ich bin kein gro­ßer Metal­li­ca-Fan. Irgend­wie fehl­te mir dafür immer der älte­re Bru­der und auch zum Gitar­re­spie­len hat mich nicht Kirk Ham­mett gebracht, son­dern Andy Dun­lop von Tra­vis. Wenn es um ame­ri­ka­ni­sche Rock­mons­ter geht, grei­fe ich lie­ber zu Guns N‘ Roses, und am Bes­ten gefällt mir von Metal­li­ca immer noch das Album „Load“, das von ech­ten Fans soweit ich weiß nicht sehr gemocht wird. Aber im Fern­se­hen sehe ich mir Metal­li­ca ger­ne mal an, sei es bei „Rock am Ring“ oder in der unglaub­lich beein­dru­cken­den Doku­men­ta­ti­on „Some Kind Of Mons­ter“, die einem die Band aller­dings nicht unbe­dingt wei­ter sym­pa­thisch macht.

Zur Vor­ab-Pro­mo­ti­on des neu­en Metal­li­ca-Albums „Death Magne­tic“ (es gibt nicht vie­le Bands, die im Jahr 2008 ihr Album ernst­haft so nen­nen dür­fen) hat sich Ver­ti­go FM, unter des­sen Label nach etli­chen Umstruk­tu­rie­run­gen bei Uni­ver­sal Music „Death Magne­tic“ offen­bar in Deutsch­land erschei­nen wird, dazu ent­schie­den, ein „Ger­man Tri­bu­te To Metal­li­ca“ auf­zu­le­gen, bei der fünf deut­sche Bands aus dem Ver­ti­go-Lager alte Metal­li­ca-Hits covern. Bereits an die­ser Stel­le wäre wohl die Fra­ge berech­tigt, ob James Het­field und vor allem Lars Ulrich eigent­lich wis­sen, auf was für kran­ke Ideen ihr deut­sches Label so kommt, denn Metal­li­ca sind ja nun nicht unbe­dingt die Band, die man dem Publi­kum noch mit cra­zy Aktio­nen vor­stel­len müss­te.

Eröff­net wird der Rei­gen – und jetzt wird’s fatal – aus­ge­rech­net mit mei­nem Metal­li­ca-Lieb­lings­song „Hero Of The Day“, geco­vert aus­ge­rech­net von mei­nen guten Freun­den, den Kili­ans. Und das ist, bei aller Freund­schaft, wirk­lich gewöh­nungs­be­dürf­tig: Die Stro­phen sind so nah am Ori­gi­nal, dass sich der direk­te Ver­gleich mit aller Bru­ta­li­tät auf­drängt – und da hat Simon den Har­togs im Ver­gleich zu James Het­field ein­fach noch zu wenig Jah­re auf dem Buckel und zu wenig Whis­key in der Keh­le. Im Refrain wagt die Band dann mehr, setzt auf ihren eige­nen Sound und schafft es mit etwas gutem Wil­len immer­hin noch bis zum Qua­li­täts­ur­teil „nett“. Trotz­dem bleibt es ein Fall für die Kate­go­rie „Obskur, aber unnö­tig“.

Wenn aller­dings schon die sonst so guten Kili­ans an Metal­li­ca schei­tern, bin ich mal gespant, was bei den ande­ren Bands her­um­kom­men soll. Die wer­den im Moment noch geheim­ge­hal­ten, aber von den anony­mi­sier­ten Fotos auf der Web­site wür­de ich mal davon aus­ge­hen, dass Muff Pot­ter auf alle Fäl­le auch noch mit dabei sind. Viel­leicht klappt’s ja bei denen.

Unter tribute-to-metallica.de muss man sich für ein paar News­let­ter anmel­den, dann kann man „Hero Of The Day“ von den Kili­ans und alle zukünf­ti­gen Songs kos­ten­los her­un­ter­la­den.

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Heucheln wird olympisch

Ich lie­be es, Sport im Fern­se­hen zu gucken. Ich sel­ber betrei­be außer Trep­pen­stei­gen gar kei­nen Sport, aber ande­ren dabei zuzu­se­hen, macht mir Spaß. Gera­de die Olym­pi­schen Spie­le, bei denen man so außer­ge­wöhn­li­che Dis­zi­pli­nen wie Ton­tau­ben­schie­ßen, Drei­sprung oder (im Win­ter natür­lich) Cur­ling zu sehen bekommt, begeis­tern mich immer wie­der. Außer­dem wer­den sie meis­tens von Sport­re­por­tern kom­men­tiert und nicht von Stef­fen Simon, Bela Réthy oder Rein­hold Beck­mann.

In die­sem Jahr weiß ich echt nicht, ob ich mir die Olym­pi­schen Spie­le im Fern­se­hen anse­hen soll. Nicht nur, weil sie wegen der Zeit­ver­schie­bung zu etwas anstren­gen­den Zei­ten über­tra­gen wer­den, die gan­ze Akti­on kommt mir von vor­ne bis hin­ten miss­glückt vor.

Da ist zunächst ein­mal Chi­na, von dem ich ger­ne glau­be, dass es ein tol­les, span­nen­des Land ist, das aber auch von einem völ­lig indis­ku­ta­blen Regime geführt wird. Hin­zu kommt das Inter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Komi­tee, bei dem ich mich mitt­ler­wei­le fra­ge, ob man dort eigent­lich nur Mit­glied wer­den kann, wenn man sei­nen letz­ten Rest Selbst­ach­tung vor­her an der Gar­de­ro­be abge­ge­ben hat. Aller­spä­tes­tens, als die inter­na­tio­na­len Jour­na­lis­ten (ent­ge­gen vor­he­ri­ger Zusa­gen) kei­nen frei­en Zugang zum Inter­net erhiel­ten, hät­te es ein Don­ner­wet­ter geben müs­sen – doch das IOC zuck­te nur mit den Schul­tern und die Jour­na­lis­ten arbei­te­ten unter Pro­test wei­ter.

Den Ath­le­ten sind wäh­rend der Spie­le nicht nur poli­ti­sche Äuße­run­gen, son­dern auch jeg­li­che kom­mer­zi­el­le und jour­na­lis­ti­sche Tätig­keit ver­bo­ten – ein im Prin­zip ehren­wer­ter Gedan­ke, sozu­sa­gen der letz­te Rest der olym­pi­schen Idee von Pierre de Cou­ber­tin. Lei­der wirkt das eini­ger­ma­ßen ver­lo­gen vor dem Hin­ter­grund, dass die olym­pi­schen Spie­le in Peking eine ein­zi­ge poli­ti­sche Demons­tra­ti­on des Gast­ge­ber­lan­des waren, sind und sein wer­den, und die Spie­le selbst ein Mil­li­ar­den­schwe­res Mar­ke­ting­pro­dukt sind.

Ja, sagt dann das IOC, aber ohne die Spon­so­ren wären doch die schö­nen Olym­pi­schen Spie­le gar nicht mög­lich. Das stimmt natür­lich auch. Es geht ja auch gar nicht um die Spon­so­ren, es geht dar­um, dass das IOC mit erschüt­tern­der Vehe­menz die Son­der­rol­le sei­ner Spie­le ver­tei­digt und so tut, als han­de­le es sich dabei um ein Event mit einem höhe­ren ethi­schen Wert als jedes ande­re kom­mer­zi­el­le Groß­ereig­nis.

Zuge­ge­ben: „Wir tref­fen uns hier alle vier Jah­re, nicht immer in Län­dern, in denen wir ger­ne selbst leben wür­den, wir machen Wer­bung für unge­sun­des Fast Food und tota­li­tä­re Regimes, ein paar von uns wer­den wie­der ver­su­chen zu beschei­ßen (und womög­lich damit durch­kom­men), aber wir wol­len mal sehen, das wir das Bes­te draus machen und ein biss­chen Spaß haben“ ist ein etwas mit­tel­präch­ti­ger Wahl­spruch, aber bei „Rock am Ring“ faselt doch auch nie­mand vom „musi­ka­li­schen Geist“.

Von den Sport­jour­na­lis­ten ist lei­der nichts zu erwar­ten, wie Chris­ti­an Zasch­ke (selbst Sport­jour­na­list) in sei­nem sehr emp­feh­lens­wer­ten Arti­kel für die „Süd­deut­sche Zei­tung“ fest­stellt. Wer bei den letz­ten bei­den Fuß­ball­groß­ereig­nis­sen glei­cher­ma­ßen man­tra­haft und orgi­as­tisch immer­zu vom „Som­mer­mär­chen“ fasel­te, wird jetzt wohl kaum plötz­lich kri­ti­sche Fra­gen stel­len.

Aber wür­de sich irgend­was ändern, wenn ich, wenn Mil­lio­nen nicht ein­schal­ten wür­den? Ich wür­de den Olym­pia­sie­ger im Bogen­schie­ßen nicht ken­nen­ler­nen, obwohl er und sei­ne Kol­le­gen die Auf­merk­sam­keit sicher wenigs­tens ein­mal in vier Jah­ren ver­dient hät­ten. ARD und ZDF wür­den wohl nicht ein­mal dar­über nach­den­ken, ob man wirk­lich Unsum­men von Gebüh­ren­gel­dern in eine sol­che Rie­sen­ver­an­stal­tung inves­tie­ren muss, oder ob das kom­plett Wer­be­fi­nan­zier­te Pri­vat­fern­se­hen nicht eher der natür­li­che Lebens­raum für der­ar­ti­ges Event-TV wäre. Olym­pi­sche Spie­le gehö­ren für sie zur Grund­ver­sor­gung – auch so ein heh­res Wort.

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Leben Unterwegs

Der Weg ist das Ziel

Arnhem Central

Ich war ja in Ams­ter­dam. Das Hin­kom­men war aller­dings ein biss­chen kniff­lig, das Weg­kom­men noch mehr.

Und das kam so:

Am Mitt­woch, 23. Juli Uhr bestieg ich um 09:35 Uhr in Ober­hau­sen den ICE Inter­na­tio­nal 226 nach Ams­ter­dam – dort soll­te er aller­dings nie ankom­men, da kurz vor Utrecht allen Fahr­gäs­ten per Durch­sa­ge mit­ge­teilt wur­de, der Zug wer­de heu­te nur bis Utrecht fah­ren. Etli­che Leu­te muss­ten mit ihrer Arbeit auf­hö­ren, die sie sich für die 110-minü­ti­ge Fahrt vor­ge­nom­men hat­ten (ich nur mit dem Gucken von DVDs), die Fami­lie am Neben­tisch, die sich auf einem Tages­aus­flug nach Ams­ter­dam befand, begann ihr Besuchs­pro­gramm im Geis­te zusam­men­zu­strei­chen. In Utrecht wur­de unser Zug sofort nach Ein­fahrt zu einem ICE nach Frank­furt (Main) umde­kla­riert, der aller­dings auch schon eini­ges an Ver­spä­tung hat­te. Außer­dem hät­te er eigent­lich aus Ams­ter­dam abfah­ren sol­len und eben nicht aus Utrecht. Wir aber stie­gen in einen nie­der­län­di­schen Inter­ci­ty (was unge­fähr unse­ren Regio­nal­ex­pres­sen ent­spricht) und kamen mit etwa 25 Minu­ten Ver­spä­tung in Ams­ter­dam an.

Am Frei­tag, 25. Juli soll­te der ICE Inter­na­tio­nal Rich­tung Frank­furt um 18:34 Uhr in Ams­ter­dam Cen­tr­a­al los­fah­ren. Eine drei­spra­chi­ge Durch­sa­ge infor­mier­te mich und die ande­ren Fahr­gäs­te dar­über, dass der Zug heu­te erst ab Arn­hem fah­ren wer­de – wir mögen bit­te mit dem Inter­ci­ty um 18:22 Uhr bis dort fah­ren. Man mach­te sich Sor­gen, ob wir den ICE denn in Arn­hem über­haupt errei­chen wür­den – erst spät kamen Durch­sa­gen, dass der ICE dort auf uns war­ten wür­de.

Er hät­te nicht war­ten brau­chen, denn wir erreich­ten Arn­hem so, dass ein Wech­sel in den dort für 19:37 Uhr ein­ge­plan­ten ICE pro­blem­los mög­lich gewe­sen wären – allein der ICE war nicht da. Er wen­de gera­de, erklär­te das eben­falls war­ten­de DB-Bord­per­so­nal. Schließ­lich konn­ten wir ihn alle sehen, aber er kam nicht, weil vor­her noch meh­re­re Regio­nal- und Güter­zü­ge den Bahn­steig pas­sie­ren muss­ten. Müt­ter bra­chen vor ihren Fami­li­en in Trä­nen aus, Stu­den­ten mit Inter­rail­ti­ckets (für die es sich offen­bar aus­zahlt, mit den Leh­ren des Zen-Bud­dhis­mus ver­traut zu sein) über­schlu­gen grob, ob sie Salz­burg noch vor der Wie­der­kehr Chris­ti errei­chen wür­den.

Als der Zug schließ­lich ein­fuhr gab es tumult­ar­ti­ge Sze­nen, wie man sie sonst nur aus Zom­bie­fil­men der 1970er Jah­re kennt. Mit vier­zig Minu­ten Ver­spä­tung fuhr der ICE schließ­lich aus Arn­heim los – und kam nach weni­gen Minu­ten wie­der zum Ste­hen. Von den ers­ten vier­zig Minu­ten nach der Abfahrt ver­brach­ten wir ins­ge­samt 24 Minu­ten auf offe­ner Stre­cke ste­hend, weil die lang­sa­men Güter­zü­ge, die wir im Bahn­hof Arn­hem noch hat­ten an uns vor­bei­fah­ren sehen, nun direkt vor unse­rem ICE waren. Ich begann zu ahnen, dass die wirk­lich anspruchs­vol­len Auf­ga­ben der Diplo­ma­tie eher mit grenz­über­grei­fen­dem Schie­nen­ver­kehr zu tun hat­ten und weni­ger mit Atom­bom­ben und Gefan­ge­nen­aus­tau­schen.

In den Durch­sa­gen wur­de den Rei­sen­den vage in Aus­sicht gestellt, dass ihre Anschluss­zü­ge auf sie war­ten könn­ten – was eine völ­li­ge Spren­gung des Fahr­plans in halb Mit­tel­eu­ro­pa zur Fol­ge gehabt hät­te. Auf Deutsch und Hol­län­disch (scha­de für die vie­len Ame­ri­ka­ner) wur­de schließ­lich ange­kün­digt, dass es für jeden Fahr­gast ein kos­ten­lo­ses alko­hol­frei­es Getränk gebe. Bis Ober­hau­sen schaff­te es unser Zug noch auf beein­dru­cken­de 73 Minu­ten Ver­spä­tung – bei 110 Minu­ten geplan­ter Rei­se­zeit, wohl­ge­merkt.

Man muss sich fol­gen­des noch mal vor Augen hal­ten:

  • Der ICE nach Ams­ter­dam fuhr am Mitt­woch Mit­tag nur bis Utrecht.
  • Der ICE aus Ams­ter­dam fuhr am Mitt­woch Mit­tag erst ab Utrecht.
  • Der ICE aus Ams­ter­dam fuhr am Frei­tag Abend erst ab Arn­hem.
  • Der ICE nach Ams­ter­dam fuhr am Frei­tag Abend offen­bar nur bis Arn­hem.

Bei die­ser Sum­me von Ein­zel­fäl­len inner­halb eines sehr über­schau­ba­ren Zeit­rah­mens klopft natür­lich schon die Fra­ge an, ob es eigent­lich eher die Aus­nah­me oder die Regel ist, dass die ICEs auf die­ser Stre­cke bis zu ihrem geplan­ten Ziel bzw. von ihrem geplan­ten Start fah­ren.

Bei der Deut­schen Bahn AG war man bis­her nicht Wil­lens und/​oder in der Lage, mir die­se Fra­ge zu beant­wor­ten hat man aus­führ­lich auf mei­ne Fra­ge geant­wor­tet. Nach­zu­le­sen hier.

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Digital

Links liegengelassen

Dass zoomer.de, das angeb­lich ach so zweinul­li­ge Nach­rich­ten­por­tal der Holtz­brinck-Grup­pe, aus­ge­rech­net sei­ne Inter­net- und Com­pu­ter­the­men bei Golem.de ein­kauft raus­ko­piert, könn­te man natür­lich ein biss­chen pein­lich fin­den. Aber bes­ser, man holt sich exter­nes Fach­wis­sen, als man dilet­tiert intern.

Schon etwas pein­li­cher ist es da, im Arti­kel über das rund­erneu­er­te del.icio.us kon­se­quent auf einen Link zu der bespro­che­nen Sei­te zu ver­zich­ten – anders übri­gens als im Ori­gi­nal­ar­ti­kel bei Golem.

Wie 2.0 zoomer.de – und vor allem sei­ne Leser­schaft – wirk­lich ist, kann man schön an den Kom­men­ta­ren zu die­sem Arti­kel über Twit­ter able­sen.

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Musik Digital

Warum Fran Healy so gut schläft

Ich bin seit Jah­ren gro­ßer Fan von Tra­vis. Nicht nur, dass die Musik (bei­na­he) immer toll ist, Fran Hea­ly sagt auch von Zeit zu Zeit sehr klu­ge Sachen, von denen man sich wünscht, es wür­den die betref­fen­den Leu­te zuhö­ren.

Zum Bei­spiel aktu­ell zu einem Fall, den man bei torrentfreak.com nach­le­sen kann: Tra­vis hat­ten zur Ver­brei­tung des neu­en Songs „J. Smith“ per MP3 auf­ge­ru­fen – wie man das eben heut­zu­ta­ge so macht. Plötz­lich mel­de­te sich die IFPI, die Inter­na­tio­nal Fede­ra­ti­on of the Pho­no­gra­phic Indus­try, bei Kevin, der den Song in sei­nem Blog So Much Silence gehos­tet hat­te, und for­der­ten ihn zur Löschung auf. (Das heißt: genau genom­men for­der­ten sie ihn auf, einen Song von Her­cu­les And Love Affair zu löschen, weil sie sich da wohl irgend­wie mit der Zuord­nung ver­tan hat­ten.) Kevin schrieb Fran Hea­ly an, der prompt reagier­te und klar stell­te, dass der Song wei­ter ver­brei­tet wer­den soll. Die IFPI, die ja angeb­lich im Namen der Künst­ler gegen das Unrecht in der Welt kämpft, muss­te zuge­ben, von einer sol­chen Geneh­mi­gung nichts mit­be­kom­men zu haben.

Und auf Anfra­ge von torrentfreak.com leg­te Fran dann rich­tig los:

With a view to music, the inter­net is like radio. The only major dif­fe­rence is that, at the moment, I don’t get a PRS pay­ment ever­y­ti­me my song is lis­ten­ed to.

The pro­blem is, the busi­ness is try­ing to fit old rules on a new model. Like try­ing to fit the squa­re peg in the round hole. I think someone has to sit down and re-wri­te the rules for the new model.

[…]

As far as ille­gal file­sha­ring goes. The­re are peo­p­le who will buy albums and peo­p­le who will record them off fri­ends. If you took away the Inter­net this would still hap­pen so I don’t lose any sleep. Good­night.

Jetzt müss­te er das nur noch irgend­wie sei­nen Plat­ten­bos­sen ver­kli­ckern.

Ach, und run­ter­la­den kön­nen Sie „J. Smith“ jetzt hier – ganz legal und mit Ein­wil­li­gung des Künst­lers. (Das Album „Ode To J. Smith“ kön­nen Sie sich bei Gefal­len dann ab dem 26. Sep­tem­ber kau­fen.)