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Das Trinkfest

Ich muss ja zuge­ben: Für einen Moment dach­te ich: „Da hat die ‚Rhei­ni­sche Post‘ aber mal ein schö­nes Syn­onym für ‚Kar­ne­val‘ gefun­den!“

Dinslaken: Aktionswoche Alkohol

Es ging dann aber doch um ganz was ande­res

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Ich bin nur zugezogen, holt mich hier raus!

Die pein­li­che Absa­ge der Love­pa­ra­de, die die­ses Jahr eigent­lich in Bochum statt­fin­den soll­te, bestimmt in den letz­ten Tagen die Lokal­pres­se:

Nein, von einem Image­scha­den kön­ne kei­ne Rede sein, gab Stadt­rat Paul Aschen­bren­ner (SPD) zu Pro­to­koll. „Weil wir eine ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Ent­schei­dung getrof­fen haben.“

(„Ruhr­nach­rich­ten“)

Gut, dass Bochum kein Image hat, was zu Scha­den kom­men könn­te. Und wen inter­es­sie­ren schon jun­ge Men­schen, die Krach hören und Rausch­gift kon­su­mie­ren?

Die SPD jeden­falls nicht:

So hat­te etwa der SPD-Orts­ver­ein Bochum-Ham­me, der schon Wolf­gang Cle­ment poli­tisch weit­ge­hend über die Klin­ge sprin­gen ließ, einen Antrag für den Rat vor­be­rei­tet, wegen dro­hen­der Ver­mül­lung der Anlie­ger­stra­ßen vom Raver-Tanz­ver­gnü­gen ganz abzu­las­sen.

In dem Antrag vom 31. Juli 2008 heißt es wört­lich: „Der SPD-Orts­ver­ein Bochum-Ham­me sieht in der Aus­rich­tung der Love­pa­ra­de 2009 in Bochum kei­nen kul­tu­rel­len bzw. nach­hal­ti­gen Bei­trag zur Ver­bes­se­rung des Images des Ruhr­ge­bie­tes bzw. für das Kul­tur­haupt­stadt­jahr 2010. Die im Rah­men der Orga­ni­sa­ti­on ent­ste­hen­den Kos­ten und Nach­fol­ge­schä­den ste­hen in kei­nem Ver­hält­nis zum Nut­zen die­ser Ver­an­stal­tung und sind öffent­lich nicht ver­tret­bar.” Bochum sol­le des­halb die Ver­an­stal­tung zurück­ge­ben.

(„WAZ“)

Aber die sehr end­li­che Kom­pe­tenz der SPD mani­fes­tiert sich bis ins kleins­te Detail:

Im Som­mer 2008 ver­ab­schie­de­te der Orts­ver­ein den Antrag an den Rat, die Love­pa­ra­de in Bochum abzu­bla­sen, wegen Gefahr der Ver­mül­lung und ande­rer Schä­den. Zwar wur­de der Antrag nie abge­schickt, doch in den SPD-Gre­mi­en wie Rats­frak­ti­on und Unter­be­zirks­par­tei­tag sicker­te die Ableh­nung gleich­wohl durch.

(Noch mal die „WAZ“)

Ent­spre­chend gut lässt sich die­ser Eier­tanz kom­men­tie­ren:

Wie eine Nach­ge­burt kom­men nun Ein­schät­zun­gen zu Tage, die dar­auf hin­wei­sen, dass die Macher der Bochu­mer Poli­tik mit der Love­pa­ra­de wenig am Hut hat­ten. Statt­des­sen ging die Sor­ge um, das The­ma spal­te und kön­ne im Super­wahl­jahr 2009 Wäh­ler­stim­men kos­ten.

Das aller­dings ist nicht von der Hand zu wei­sen. Zu auf­fäl­lig, wie ein­drucks­voll und wort­mäch­tig sich Bochu­mer Poli­ti­ker über Kon­zert­haus­bau, Cross-Bor­der-Deal und Gott und die Welt ver­brei­tet haben, das The­ma Love­pa­ra­de aber fast gänz­lich mie­den. […]

Und dann die Kos­ten: 130 000 Euro allein durch den Ein­satz der Feu­er­wehr und Ret­tungs­diens­te. Ganz zu schwei­gen von hun­der-ten Extrabus­sen. Und der befürch­te­ten Ver­mül­lung. Das wirkt doch sehr wie ein run­des bestell­tes Gut­ach­ten. Von Leu­ten, die nicht wirk­lich wol­len.

(Kom­men­tar in der „WAZ“)

Ins­ge­heim dürf­ten spä­tes­tens seit dem Erfolg der Love­pa­ra­de in Essen klar gewe­sen sein: Bochum ist dem nicht gewach­sen. Da das nie­mand sagen will, fehl­te nur ein Grund für die Absa­ge.

Zum Glück gibt es die Gleis­bau­ar­bei­ten der Bahn.

(Kom­men­tar in den „Ruhr Nach­rich­ten“)

Der publi­zis­ti­sche Todes­stoß kam aller­dings aus der alten Hei­mat der Love­pa­ra­de. Ein Pro­vinz­por­trät in zwei­ein­halb Sät­zen:

Her­bert Grö­ne­mey­er hat Bochum groß gemacht, aber nicht groß genug. Die Love­pa­ra­de – Älte­re wer­den sich erin­nern – kann dort in die­sem Jahr man­gels Kapa­zi­tät nicht statt­fin­den: Bahn­hof zu klein, Miet­toi­let­ten aus­ge­bucht, zu wenig Papier­kör­be, so etwa.

(„Der Tages­spie­gel“)

Der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de im Bochu­mer Stadt­rat wird von der „WAZ“ übri­gens wie folgt zitiert:

Es wur­de der Ein­druck erweckt, als wären nur Dep­pen am Werk.

Wie jetzt? „Ein­druck“? „als“?

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Uschi Blum macht Lokalredakteure schwach

Hape Ker­ke­lings neue Komö­die „Ein Mann, ein Fjord“ läuft am 21. Janu­ar um 20:15 Uhr im ZDF. Für den Film hat der Komi­ker ein alte Rol­le reak­ti­viert, die auch schon in „Kein Par­don“ zu sehen war: die der Schla­ger­sän­ge­rin Uschi Blum.

Weil man das eben heut­zu­ta­ge so macht, bekam Uschi Blum eine Art Viral­kam­pa­gne spen­diert. Das ist zwar bei einem kos­tü­mier­ten Pro­mi­nen­ten ein wenig albern, aber mit eige­nem MySpace-Pro­fil, offi­zi­el­ler und Agen­tur-Web­site (vor dem Ankli­cken die Laut­spre­cher run­ter­dre­hen!) durch­aus auf­wen­dig und mit … äh: Lie­be zum Detail gemacht.

Natür­lich hat man auch an eine fik­ti­ve Bio­gra­phie gedacht und die besagt, dass Uschi Blum als Hil­de­gard Ster­c­zinski in Dins­la­ken gebo­ren wur­de, sie 1978 4. bei der Wahl zur „Miss Dins­la­ken“ war und sie eini­ge Jah­re das Hun­de-Nagel­stu­dio „Uschi’s Pföt­chen-Salon“ in der Din­kel­gas­se in Dins­la­ken betrieb.

Nun ist es offen gestan­den nur so mit­tel­ab­surd, ein Schla­ger­stern­chen aus­ge­rech­net aus Dins­la­ken kom­men zu las­sen, wenn doch schon der König des Pop­schla­gers dort zuhau­se ist. Aber als inof­fi­zi­el­ler Stadt­blog­ger Dins­la­kens habe ich natür­lich trotz­dem ver­sucht, über sein Manage­ment Kon­takt mit Hape Ker­ke­ling auf­zu­neh­men. Dass der im Moment flei­ßig Pro­mo macht und nicht auf die Anfra­gen jedes Feld‑, Wald- und Wie­sen­blog­gers reagiert, kann ich durch­aus ver­ste­hen. Offen­bar ist es aber auch den Kol­le­gen in der Lokal­re­dak­ti­on der „Rhei­ni­schen Post“ (für die ich frü­her geschrie­ben habe) nicht gelun­gen, eige­ne O‑Töne des belieb­ten Komi­kers zu bekom­men, wes­we­gen man dort den Helb­sei­ter, der wohl unbe­dingt in die Sams­tags­aus­ga­be soll­te, irgend­wie anders fül­len muss.

Sie kön­nen den Arti­kel ger­ne selbst mit der offi­zi­el­len „Bio­gra­phie“ und den wei­te­ren Pro­mo­tex­ten ver­glei­chen, ich hab Ihnen aber die wich­tigs­te Eigen­krea­ti­on des Autors hier mal kurz rüber­ko­piert:

Die [Inter­net­sei­te] von Uschi ist der Ham­mer.

Nun ist es viel­leicht etwas ande­res, ob man eine (fik­ti­ve) Künst­ler­bio­gra­phie in wei­ten Tei­len für einen redak­tio­nel­len Text über­nimmt, oder ein­fach Wer­be­tex­te für Unter­neh­men abschreibt (wie „RP Online“ das ja schon mal macht).

Trotz­dem hat der Arti­kel aus der „Rhei­ni­schen Post“ in mei­nen Augen wenig mit Jour­na­lis­mus zu tun. Sein Autor Ralf Schrei­ner ver­säumt es, auch nur ein Mal auf die Pres­se­info hin­zu­wei­sen. Nach einer Ein­lei­tung, in der Ker­ke­lings Ver­klei­dung erklärt, folgt über sechs Absät­ze der leicht modi­fi­zier­te Pro­mo­text. Sowas kann man machen, wenn man Kon­zer­te von Berg­ar­bei­ter­chö­ren oder Nach­wuchs­bands ankün­di­gen will – aber nicht, wenn man aus eige­nem Antrieb ein gro­ßes Por­trät für die Sams­tags­aus­ga­be schreibt.

Die „Neue Rhein Zei­tung“, das ande­re Blatt mit Dins­la­ke­ner Lokal­re­dak­ti­on, hat am Sams­tag eben­falls einen gro­ßen Arti­kel über Uschi Blum gebracht – der aller­dings im Super-Duper-Online­por­tal Der Wes­ten nicht zu fin­den ist. Dort steht im Wesent­li­chen das Sel­be drin (Dins­la­ken, „Miss Dins­la­ken“, „Uschi’s Pföt­chen-Salon“), aber wesent­lich kür­zer und sogar anmo­de­riert:

Außer­dem hat Uschi im Inter­net ihren lesens­wer­ten Lebens­lauf ver­öf­fent­licht. Dar­aus:

Auch dass die „NRZ“ bei der Kon­takt­auf­nah­me mit Ker­ke­ling geschei­tert ist, erfährt der Leser. Ver­packt in einen Info­kas­ten, der zumin­dest eine nähe­re Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Gegen­stand nahe­legt:

Warum ausgerechnet Dinslaken? Im vergangenen Jahr ließen ein Ehepaar, das sich mit einem anderen aus Dinslaken ein Hotelzimmer teilen musste und dafür Rabatt bekam (Cartoon "Hippenstocks Strategen", Süddeutsche Zeitung), ein weiterer Cartoon und eine Äußerung von Roger Willemsen die Frage aufkommen: Warum ausgerechnet Dinslaken? Hat Dinslaken einen lustigen Klang? Steht Dinslaken für etwas Besonderes? Für das Nirgendwo? Das Kleinstädtische? Das Geheimnisvolle? Oder für das Ende der Welt? Zumindest Hape Kerkeling konnte es uns nicht beantworten. Er sei bis Ende 2010 zu ausgebucht, um derartigen Anfragen nachzukommen, teilte sein Büro mit.

Ich glau­be, ich soll­te mich bei Roger Wil­lem­sen ent­schul­di­gen

Mit Dank auch an Micha­el M. für den Hin­weis und an mei­ne Mut­ter für den Scan!

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Digital

Geht die Welt heute unter, geht sie ohne mich

Ges­tern Nach­mit­tag wur­de in der Bochu­mer Innen­stadt eine Zehn-Zent­ner-Bom­be aus dem zwei­ten Welt­krieg ent­deckt. Die Gegend (inklu­si­ve des Bermuda3ecks) wur­de eva­ku­iert, Stra­ßen und Bahn­stre­cken gesperrt.

Gera­de woll­te ich mich mal infor­mie­ren, ob die Ent­schär­fung denn inzwi­schen wenigs­tens vor­bei sei und alles gut geklappt hat:

Bombenfund: Klinik und Altenheim evakuiert. Bei Ausschachtungsarbeiten für die neue Kanalisation an der Viktoriastraße in unmittelbarer Nähe der Marienkirche entdeckte heute, 20. Oktober, gegen 15.30 Uhr ein 43 Jahre alter Baggerfahrer einen Blindgänger, der in den Abendstunden entschärft werden soll. mehr... WAZ Bochum, 20.10.2008, Norbert Schmitz

„Der Wes­ten“, das Por­tal der WAZ-Grup­pe, das so ger­ne „RP Online“ als füh­ren­des Regio­nal­zei­tungs­por­tal ablö­sen wür­de, war­tet im Bochu­mer Lokal­teil mit einer unda­tier­ten Mel­dung von irgend­wann ges­tern Nach­mit­tag auf, außer­dem gibt es eine eben­so unda­tier­te Mel­dung mit Agen­tur­ma­te­ri­al auf der Start­sei­te.

Ganz anders die Lokal­sei­te der „Ruhr Nach­rich­ten“:

Aufatmen in der südlichen Innenstadt: Die 500-Kilo-Bombe ist entschärft
BOCHUM Der Bombenalarm in der Bochumer Innenstadt ist aufgehoben. Experten des Kampfmittelräumdienstes haben die 500-Kilo-Bombe am Montagabend um 23 Uhr entschärft. Nach dem Fund des Blindgängers am Nachmittag war die südliche Innenstadt im Umkreis von einem halben Kilometer rund um den Fundort evakuiert worden. 6000 Menschen waren hiervon betroffen, der Verkehr brach zusammen. mehr...

Die hat einen Arti­kel von 23:23 Uhr, der es mit etwas Glück noch in die Print-Aus­ga­be schafft und in den ers­ten zwei Sät­zen des Vor­spanns alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen lie­fert:

Der Bom­ben­alarm in der Bochu­mer Innen­stadt ist auf­ge­ho­ben. Exper­ten des Kampf­mit­tel­räum­diens­tes haben die 500-Kilo-Bom­be am Mon­tag­abend um 23 Uhr ent­schärft.

Ach, und auf der Start­sei­te von ruhrnachrichten.de ist es im Moment die Top-Mel­dung.

Nach­trag, 08:14 Uhr: Den Arti­kel im über­re­gio­na­len Teil hat „Der Wes­ten“ jetzt durch eine dpa-Mel­dung mit der geist­rei­chen Über­schrift „Bom­ben­fund: 6000 Men­schen in Bochum eva­ku­iert“ ersetzt.

Auf der Bochu­mer Sei­te sieht es immer noch so aus wie heu­te Nacht. Ver­mut­lich ist die Lokal­re­dak­ti­on der „WAZ“ ein­fach mit­eva­ku­iert wor­den und seit­dem hat dort kein Mit­ar­bei­ter mehr einen Com­pu­ter gefun­den.

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Lokalredaktionsrunde

Sven Gös­mann, Chef­re­dak­teur der „Rhei­ni­schen Post“, erklärt im Inter­view mit dem Düs­sel­dorf Blog, war­um sei­ne Zei­tung gera­de neue Lokal­re­dak­tio­nen auf­ge­macht hat (was sonst eher sel­ten pas­siert), und erklärt ganz neben­bei das Erfolgs­ge­heim­nis des „mit Abstand erfolg­reichs­ten natio­na­len Online­por­tals einer deut­schen Regio­nal­zei­tung“ (gemeint ist „RP Online“):

Nur BILD, Süd­deut­sche und FAZ lie­gen mit ihren Online-Auf­trit­ten vor rp-online. Wie wol­len Sie sich online behaup­ten bzw. Ihre Posi­ti­on noch ver­bes­sern und die Zahl der Page Impres­si­ons (PI’s) von der­zeit 51 Mio. monat­lich stei­gern?

Sven Gös­mann: Durch gute Inhal­te, eine kon­ti­nu­ier­li­che tech­ni­sche und jour­na­lis­ti­sche Ent­wick­lung, eine intel­li­gen­te Bewer­bung des Auf­tritts in der Zei­tung (wie auf den neu­en Lokal­sei­ten). Online ist kein Kon­kur­rent der Zei­tung, son­dern bei­de Kanä­le ergän­zen sich.

In wel­che Rich­tung die kon­ti­nu­ier­li­che Ent­wick­lung gehen soll, hat er frei­lich nicht gesagt.

[via Medi­en­le­se]

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Digital

Überraschende Klickstreckenverweigerung

In Dins­la­ken fin­den zur Zeit die „DIN-Tage“ statt, das Stadt­fest in Dins­la­ken. Da ich aus gutem Grund nicht in Dins­la­ken bin,1 woll­te ich mich im Inter­net bzw. bei den bei­den füh­ren­den Lokal­zei­tungs­por­ta­le der Regi­on, ach was: Deutsch­lands2 ein wenig dar­über infor­mie­ren, was im Welt­zen­trum der Selbst­iro­nie so „geht“.3

Die „Neue Rhein Zei­tung“ beant­wor­tet die­se Fra­ge mit einer 79-teil­i­gen Bil­der­ga­le­rie, die vor allem durch ihre unkon­ven­tio­nel­le Sor­tie­rung und eine gewis­se Läs­sig­keit besticht: Hard­rock, Shan­ty- und Kin­der­chor wech­seln sich auf ver­stö­ren­de Wei­se ab,4 die sowie­so mehr als halb­her­zi­ge Betex­t­ung reißt mit­ten­drin ein­fach ganz ab.

Natür­lich nicht, ohne vor­her noch die Gren­zen des tech­nisch Mach­ba­ren auf­ge­zeigt zu haben:

Din Tage 2008 , Achim [...] machte seiner großen Liebe, Ramona [...] auf der Bühne am Neutorplatz Foto:Heinz Kunkel Honorarpflichtig

Was Achim Ramo­na dort mach­te, kann der Leser lei­der nur erra­ten. Der Blu­men­strauß auf dem dazu­ge­hö­ri­gen Foto legt aller­dings nahe, dass es sich um einen Hei­rats­an­trag gehan­delt haben könn­te.

Dann fol­gen wie­der Trö­del- und Mit­tel­al­ter­markt, Kir­mes, ange­hei­ter­te Her­ren­run­den und Fra­gen Sie mich nicht, ich habe kei­ne Ahnung, was das mit den Toten­köp­fen sein soll in mun­te­rer Rei­hen­fol­ge. Das alles ist zwar etwas wüst und halb­gar,5 aber die­se 79 Bil­der vom Sams­tag las­sen kei­nen Zwei­fel: in Dins­la­ken herrscht das, was man „Volks­fest­stim­mung“ nennt.

Kom­men wir nun zu „RP Online“, bzw. zur Lokal­re­dak­ti­on der „Rhei­ni­schen Post“: dort gibt es einen Arti­kel aus der gest­ri­gen Print-Aus­ga­be, der auf den Frei­tag zurück­schaut:

Mit dem fai­ren Kul­tur­ca­fé und dem Kaba­rett-Duo „The­ken­tratsch“ im Burg­in­nen­hof sowie einem Senio­ren-Nach­mit­tag mit Wie­ner Kaf­fee­haus­mu­sik im Dach­stu­dio star­te­ten ges­tern die 34. DIN-Tage.

Dazu gibt es eini­ge Fotos6, die ich hier ger­ne voll­stän­dig und in Ori­gi­nal­grö­ße wie­der­ge­ben möch­te:

Im Dachstudio gab es Kaffeehaus-Atmosphäre und Operettenmelodien. Im Kulturcafé gab es fair gehandelten Kaffee und Kuchen. Luftballons statt Fassanstich: Auf dem Altmarkt ließen Kinder gestern zur DIN-Tage-Eröffnung mit Bürgermeisterin Sabine Weiss bunte Luftballons mit ihren Wünschen für das Wochenende in Richtung Himmel fliegen. RP-Fotos (3): Kazur

Als wäre man selbst dabei­ge­we­sen, nech?

Ande­rer­seits will ich nicht meckern: auf der Dins­la­ke­ner Start­sei­te hat „RP Online“ dann doch noch so eini­ges an Bil­der­ga­le­rien im Ange­bot. Zum Bei­spiel den nur acht Wochen alten Klas­si­ker „Toter in Sack gefun­den“.

Nach­trag, 23:28 Uhr: Naja. Zu früh gelobt, irgend­wie:

  1. Dort fin­den näm­lich zur Zeit die „DIN-Tage“ statt – außer­dem bin ich da eh schon oft genug. []
  2. Der Welt! []
  3. i.e. Wie vie­le Jugend­li­che wur­den bereits mit Alko­hol­ver­gif­tung in die ört­li­chen Kran­ken­häu­ser ver­bracht? Wer hat die tra­di­tio­nel­le Teckel­zucht­schau auf dem Schul­hof mei­nes frü­he­ren Gym­na­si­ums gewon­nen? Fin­de ich pein­li­che Fotos von jeman­dem, den ich ken­nen könnte/​sollte? []
  4. Ich kann das lei­der nicht direkt ver­lin­ken, in die­ser Bezie­hung liegt der „Wes­ten“ weit hin­ter „RP Online“ zurück. []
  5. „Nicht schön, aber sel­ten“, wie mei­ne Mut­ter sagen wür­de. []
  6. Noch mal zur Erin­ne­rung: Wir spre­chen von „RP Online“! []
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Kunst im Alltag: Lokalredaktion Bochum „Überschriften“

Bochum ist mit dem gesam­ten Ruhr­ge­biet Teil der Kul­tur­haupt­stadt 2010. Eine klei­ne Grup­pe von Sprach­akro­ba­ten möch­te sich dar­an mit ihrem Lite­ra­tur­pro­jekt betei­li­gen, das sie „Über­schrif­ten“ nennt.

Ers­te Kost­pro­ben ihres Kön­nens wer­den der­zeit im Kunst­ma­ga­zin „WAZ (Lokal­teil Bochum)“ abge­druckt und sol­len auch hier ange­mes­sen gewür­digt wer­den:

Da gibt es infor­ma­ti­ve Kurz­pro­sa mit ver­stö­ren­den Satz­an­fän­gen, die nur wenig län­ger ist als ein Arti­kel in der Regio­nal­pres­se zum sel­ben The­ma:

Opel plant am Standort Bochum ab 2010 eine Kapazität bis zu 260 000 Wagen pro Jahr:
Aber England baut den neuen Astra-Caravan früher

Es gibt humo­ris­ti­sche Spie­le­rei­en mit Prä­po­si­tio­nen:

Polizisten im Einsatz am Bordell verletzt

Und es gibt (über der Metah­pern- und Ver­glei­che­rei­chen Par­odie auf das jour­na­lis­ti­sche Gen­re des Kom­men­tars) Klein­ode, die in der Tra­di­ti­on der japa­ni­schen Hai­kus ste­hen:

Jacke mit Luft

Hal­ten Sie die Augen offen für wei­te­re Arbei­ten des Künst­ler­kol­lek­tivs „Lokal­re­dak­ti­on Bochum“. Unvor­stell­bar, was pas­sie­ren wür­de, wenn die­se krea­ti­ven Köp­fe auch noch die Mög­lich­kei­ten des Inter­nets für sich ent­deck­ten!

[mehr Kunst im All­tag]

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Alea iacta est

Ich woll­te nicht mehr so viel über Dins­la­ken blog­gen. Wirk­lich, ich woll­te mich lösen. Roger Wil­lem­sen hat­te ja eh alles gesagt.

Aber dann pas­sier­te das hier:

Bei einer Inven­tur stell­te die Stadt vor Kur­zem fest, dass ein rie­si­ges Kunst­werk, das seit sie­ben Jah­ren im Stadt­park mit­ten in der Stadt hing, ver­schwun­den war. Man ging an die Pres­se, befürch­te­te Dieb­stahl.

Ges­tern stell­te sich her­aus: Der Wür­fel aus Edel­stahl­roh­ren war vor grob einem hal­ben Jahr bei einem Unwet­ter abge­stürzt, von den Mit­ar­bei­tern der städ­ti­schen Ent­sor­gungs­be­trie­be ein­ge­sam­melt und sicher weg­ge­schlos­sen wor­den. Sogar das Hin­weis­schild wur­de abmon­tiert. Seit Febru­ar oder März war nie­man­dem das Feh­len des Objekts auf­ge­fal­len und auch bei den Ent­sor­gern hat­te nie­mand mehr dar­an gedacht. Der Moment, als der Chef des Betriebs in der Zei­tung von dem ver­schwun­de­nen Wür­fel las, muss ein gro­ßer gewe­sen sein.

(Und wie beson­ders anstren­gen­der und iro­ni­scher Lokal­jour­na­lis­mus geht, zei­gen Ihnen heu­te mal die Kol­le­gen von der „NRZ“.)

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Die ungelegten Blues-Eier des Milchkaffee-Gedächtnisses

Wer auch immer den Sack mit den Stil­blü­ten in der Dins­la­ke­ner Lokal­re­dak­ti­on der „Rhei­ni­schen Post“ ver­ges­sen hat: er soll­te ihn schleu­nigst abho­len!

Der Umzug des Stadtarchivs ins Johannahaus hätte sicher Charme. Die historische Bedeutung des Gemäuers, das noch dazu im Herzen der Altstadt und in unmittelbarere Nähe zum städtischen Museum Voswinckelshof liegt, passte hervorragend für die Unterbringung des „städtischen Gedächtnisses“. Doch noch handelt es sich bei dieser Lösung um ein völlig ungelegtes Ei.

 Dinslaken (RP) Tango schmeckt nach Sommer und duftet nach bitter-süßem Milchkaffee, zumindest wenn „Quadro Nuevo“ ihn spielen. Bei der Fantastival-Jazznacht im Burginnenhof lud das Quartett zu einer sinnlichen Reise durch Europa ein.  In Polen hat die Sonne den Blues. Sie ist müde, und so schwermütig, dass der anschließende Spaziergang durch die engen Gassen Neapels im beinahe verklungenen Italien der 20er Jahre geradezu verträumt daher kommt, federleicht, warm, zärtlich.

Dis­clo­sure: Genau dort habe ich mei­ne ers­ten jour­na­lis­ti­schen Geh­ver­su­che unter­nom­men.

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Die „Rheinische Post“ schafft Fakten

Ste­fan sagt mir regel­mä­ßig, ich sol­le mich nicht so inten­siv mit „RP Online“ beschäf­ti­gen, das sei unge­sund. Und dann schreibt er sol­che Ein­trä­ge

In den Kom­men­ta­ren fin­det sich der Ver­such einer Rela­ti­vie­rung, der ich mich als ehe­ma­li­ger frei­er RP-Lokal­schrei­ber eigent­lich ger­ne anschlie­ßen wür­de:

Was dort über das Gesche­hen in Kaarst-Bütt­gen, Erkrath oder Tie­fen­broich bei RP-Online zu fin­den ist, hat sicher kein “New York Times”-Niveau, ist aber ganz nor­ma­ler Lokal­jour­na­lis­mus.

Aber dann bin ich bei einem kur­zen Besuch bei „RP Online“ ver­se­hent­lich über einen Lokal-Arti­kel aus Düs­sel­dorf gestol­pert. Es geht um die Tra­di­ti­ons­gast­stät­te „Uel“ in der ich auch schon geses­sen und Bier etwas getrun­ken habe:

 Düsseldorf (RP) Gerüchte um das Traditionslokal „Uel“ auf der Ratingerstraße im Herzen der Altstadt: Gäste befürchten, dass ihr Stammlokal, in dem schon der Dichter Theodor Fontane und der Künstler Joseph Beuys verkehrten, im kommenden Jahr dicht machen wird.

Dem bis­he­ri­gen Wirt ist sein Ver­trag nicht ver­län­gert wor­den, er fürch­tet, dass nach sei­nem Abgang die „Bal­ler­mann-Sze­ne“ in die tra­di­ti­ons­rei­che Ratin­ger Stra­ße schwap­pen wird.

Ande­rer­seits:

Hauseigentümer Schöneborn beruhigt: „Natürlich bleibt der Name „Uel“. Ich bin aber aus verschiedenen Gründen unzufrieden mit dem bisherigen Pächter. Herrn Sudhoff hat im übrigen selbst angedeutet, dass er sich über kurz oder lang zurückziehen will.“  Mit einem neuen Pächter ist schon einen Vorvertrag abgeschlossen worden. Schöneborn: „Ein ganz hervorragender Gastronom. Wir werden einige Dinge verbessern und verschönern. Aber es kommt hier kein Schickimicki-Lokal rein. Der Stil des Traditionslokals bleibt auf jeden Fall erhalten.“

Stand der Din­ge ist also: der aktu­el­le Wirt muss raus und fürch­tet um den Ruf des Tra­di­ti­ons­hau­ses, der Eigen­tü­mer sagt, es soll im Wesent­li­chen alles erhal­ten blei­ben. Und Gäs­te „befürch­ten“, dass das Lokal ganz schlie­ßen kön­ne.

Wie also, glau­ben Sie, wird die­ser Sach­ver­halt in einer Über­schrift zusam­men­ge­fasst? Also, bei „RP Online“ bzw. der „Rhei­ni­schen Post“?

Kla­ro:

Angst um Stimmung auf der Ratinger: Traditionslokal "Uel" schließt

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Klappe zu, Affe tot

Düs­sel­dorfs Ober­bür­ger­meis­ter Joa­chim Erwin ist in der Nacht zum Diens­tag ver­stor­ben und da er bereits seit län­ge­rem schwer krank war, lagen die Nach­ru­fe natür­lich schon fer­tig getippt in der Schub­la­de.

Wäh­rend die „Rhei­ni­sche Post“ in sal­bungs­vol­len Wor­ten auf das Leben und Wir­ken zurück­blickt, wäh­rend sogar poli­ti­sche Geg­ner loben­de Wor­te für den wirk­lich nicht unum­strit­te­nen Ver­stor­be­nen fin­den, ent­schied sich die „Neue Rhein Zei­tung“ („NRZ“) für einen ganz ande­ren, eher gewag­ten Weg: über dem Arti­kel des Düs­sel­dor­fer Redak­ti­ons­lei­ters Frank Preuss prangt zwar das Wort „Nach­ruf“, aber eigent­lich han­delt es sich um eine ver­mut­lich lan­ge geplan­te Abrech­nung:

Wer, schwerst­krank und abge­ma­gert, die Öffent­lich­keit wis­sen lässt, dass er am Tag der Arbeit mit Ver­kehrs­pla­nern in sei­nem Gar­ten dis­ku­tiert, löst nicht Bewun­de­rung aus, son­dern Mit­leid. Das gilt auch für den, der immer wie­der ver­kün­det, wie vie­le Urlaubs­ta­ge er der Stadt doch schen­ke. Wenn es um Düs­sel­dorf ging, dann ging es vor allem um ihn: Vor­schlä­ge, die ande­re mach­ten, hat­ten kaum Über­le­bens­chan­cen. Und Erwin genoss über sei­ne gesam­te Amts­zeit die Mär, dass ohne ihn nichts funk­tio­nie­ren kön­ne in die­ser Stadt.

[…]

Erwin, Schnell­den­ker mit stoi­ber­scher Akten­kennt­nis, enor­mem Fleiß und unbrems­ba­rer Ent­schei­dungs­freu­de, aber auch unbe­herrscht und ohne Kor­rek­tiv, war einer, der sich noch selbst ver­göt­ter­te, wenn ande­re ihn längst gelobt hat­ten. Dem es nicht lang­te, Sie­ge still und damit stil­voll zu genie­ßen: „Ich schwim­me auf einer Woge der Begeis­te­rung”, dik­tier­te er Jour­na­lis­ten Ende 2000. Sei­ne Eigen­wer­bung nahm bald krank­haf­te Züge an. Sich selbst zu hin­ter­fra­gen, lag nicht in sei­nem Uni­ver­sum, Kri­ti­ker bügel­te er in oft klein­ka­rier­ter Form ab. Dass erst Sou­ve­rä­ni­tät Grö­ße aus­macht, hat sich ihm nie offen­bart.

Nie Fra­gen, nur Lek­tio­nen

Und als er Rudi Assau­er, dem Mana­ger des FC Schal­ke 04, beim Anblick der Gel­sen­kir­che­ner Are­na einen Vor­trag dar­über hielt, wie man so etwas bes­ser bau­en kön­ne, teil­te der stau­nend Belehr­te das Schick­sal aller Gesprächs­part­ner Erwins: Der glaub­te nicht nur alles bes­ser zu wis­sen, er glaub­te es auch bes­ser zu kön­nen. Joa­chim Erwin stell­te nie Fra­gen, er erteil­te Lek­tio­nen.

Eine Cha­rak­ter­schwä­che, die den Ruf der Lan­des­haupt­stadt in der Nach­bar­schaft als Heim­statt der Groß­spu­ri­gen zemen­tier­te und Ver­su­che regio­na­ler Zusam­men­ar­beit oft im Keim erstick­te. Nie­mand hat­te Lust, sich vor­füh­ren zu las­sen. „Wer nur geliebt wer­den will, kann nichts gestal­ten”, begrün­de­te Erwin und gewähr­te sich so Asyl.

Die Lis­te derer, die er men­schen­ver­ach­tend behan­del­te und belei­dig­te, ist lang. Letz­tes Opfer: die von ihm nicht erwünsch­te Umwelt­de­zer­nen­tin. Mit Medi­ka­men­ten voll­ge­pumpt wur­de er selbst im Ange­sicht des Todes nicht ent­spann­ter, nur im Ton sanf­ter. Man müs­se auch „mal hören, dass man ein Arsch ist”, hat er bei einem Vor­trag einst gesagt. Nur: Wer hät­te sich das in einem Kli­ma der Angst getraut?

In den Kom­men­ta­ren ent­sponn sich sogleich eine aus­gie­bi­ge Dis­kus­si­on (so also kriegt Der­Wes­ten sei­ne Com­mu­ni­ty ans Lau­fen), ob man denn sowas machen kön­ne: ein­tre­ten auf einen, des­sen Leich­nam noch nicht mal kalt ist.

Es gibt Lob für die muti­ge Ent­schei­dung:

Es gibt und gab nicht vie­le Jour­na­lis­ten die sich trau­en einen Teil der Wahr­heit über Herrn Erwin zu schrei­ben. Einer davon war Herr Preuss.

Die meis­ten ande­ren haben geschwie­gen.

Es gibt böse Kom­men­ta­re, die sogar extra das Wort „Schrei­ber­ling“ aus dem „Rat­ge­ber für erzürn­te Leser­brief­schrei­ber“ her­aus­ge­sucht haben:

Der Mann, der da geschrie­ben hat ist ein völ­lig uner­träg­li­cher Mensch, der von nor­ma­len mit­tel­eu­ro­päi­schen Umgangs­for­men offen­sicht­lich noch nie etwas gehört hat. Kein Aus­hän­ge­schild für die Zei­tung, son­dern ein­fach nur ein erbärm­li­cher, medio­krer, klei­ner Schrei­ber­ling, der an das Niveau eines Joa­chim Erwin nie­mals her­an­rei­chen wird.

An die­sem sehr kon­kre­ten Bei­spiel kann man eine zen­tra­le Fra­ge dis­ku­tie­ren, die nicht nur für den Jour­na­lis­mus, son­dern für unse­re gan­ze Kul­tur wich­tig ist: Wie geht man mit Ver­stor­be­nen um, über die man bedeu­tend mehr Schlech­tes als Gutes sagen könn­te? Streng genom­men könn­te man lob­hu­deln­de Nach­ru­fe als unjour­na­lis­ti­sche Lügen­ge­schich­ten brand­mar­ken und sich über die Auf­rich­tig­keit von „Schrei­ber­lin­gen“ wie Frank Preuss freu­en. Ande­rer­seits fal­len Sät­ze wie „eigent­lich war er ja schon ’n Arsch“ für gewöhn­lich frü­hes­tens beim drit­ten Schnaps nach dem Beer­di­gungs­kaf­fee und nicht unbe­dingt am offe­nen Grab.

Das Geheim­nis dahin­ter heißt Pie­tät und sorgt unter ande­rem dafür, dass man die Fra­ge „Wie sehe ich aus?“ mit­un­ter nicht ganz wahr­heits­ge­mäß beant­wor­tet. Wer das für Lügen hält, fin­det es ver­mut­lich auch „auf­rich­tig“, wenn er von unfreund­li­chen Super­markt­kas­sie­re­rin­nen ange­pflaumt wird.

Letzt­lich muss wohl jeder für sich selbst beant­wor­ten, was schlim­mer ist: Ein Nach­ruf, der die For­mu­lie­rung „den wären wir los“ nur unter Anstren­gung ver­mei­det, oder die Staats­trau­er-Ambi­tio­nen von „RP Online“ (nicht unter „Düs­sel­dorf ver­liert sein Herz“ zu haben), „Cen­ter TV“ und WDR. Viel­leicht auch ein­fach bei­des.

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Licht und Schatten: Bildergalerien

Bil­der­ga­le­rien sind nicht so meins, Kar­ne­val noch viel, viel weni­ger. Trotz­dem will es mir als eine recht gute Idee erschei­nen, aus­ge­rech­net Kar­ne­vals­zü­ge in einer Bil­der­ga­le­rie abzu­fei­ern: Der Foto­graf ist eh vor Ort und ver­knippst etli­che Fil­me Spei­cher­kar­ten und die Kos­tü­mier­ten freu­en sich, wenn Sie am nächs­ten Tag im Inter­net zu sehen sind.

Ges­tern war Kar­ne­vals­zug in Voer­de und die Lokal­re­dak­ti­on der „Rhei­ni­schen Post“ fea­tured die­ses Ereig­nis mit einem Arti­kel und einer dazu­ge­hö­ri­gen 27-teil­i­gen Bil­der­ga­le­rie.

Die „Neue Rhein Zei­tung“, Teil und Zulie­fe­rer des Inter­net-Regio­nal­por­tals „Der­Wes­ten“ hat eben­falls einen Arti­kel und eine Bil­der­ga­le­rie. Das habe ich aber nur durch Zufall fest­ge­stellt: Der Arti­kel ist eher eine Mel­dung und fällt recht kurz aus. Die 31-teil­i­ge Bil­der­ga­le­rie ist dort weder erwähnt noch ver­linkt und wird auch nicht im Feed ver­schickt, sie fand ich auf der Über­sichts­sei­te von Dins­la­ken.

Dins­la­ken? Hat­te ich nicht gera­de noch von Voer­de geschrie­ben? Natür­lich, aber Dins­la­ken und Voer­de tei­len sich einen Lokal­teil mit Hün­xe. Auf der Über­sichts­sei­te von Voer­de fehlt der Zug.

Nach­trag 13:30 Uhr: Im Lau­fe des Vor­mit­tags wur­de die Bil­der­ga­le­rie auf der Voer­der Start­sei­te hin­zu­ge­fügt. Ver­mut­lich war am Sonn­tag­abend ein­fach nie­mand ver­füg­bar. Die Mel­dung zum Zug fehlt dort aber immer noch.