Gut, die Nummer hatten wir schon mal.
Aber damals konnte ich wenigstens auf den ersten Blick erkennen, woher die Karte kam. Diesmal hat’s etwas länger gedauert:
Gut, die Nummer hatten wir schon mal.
Aber damals konnte ich wenigstens auf den ersten Blick erkennen, woher die Karte kam. Diesmal hat’s etwas länger gedauert:
Die nun folgende Geschichte ist an keiner Stelle logisch oder relevant:
Vor etwa zwei Wochen bekritzelte jemand in Hamburg ein Wahlplakat von Angela Merkel. Unter „Die Kanzlerin kommt.“ schrieb er (oder sie): „Und alle so: ‚Yeaahh‘ “.
Jemand photographierte das Ergebnis und lud es bei flickr hoch, waraufhin es René von Nerdcore entdeckte und selbst darüber bloggte.
Auch bei Spreeblick wurde darüber gebloggt und die Geschichte entwickelte sich zu einem sogenannten Mem.
Johnny Haeusler bat um die Zusendung von „Yeaahh“-Sounds und bastelte daraus einen Song, der schon einige Male geremixt wurde. Letzten Freitag gab es einen Flashmob in Hamburg und gestern berichteten sogar die Tagesthemen darüber.
Das alles arbeitete irgendwo unterbewusst in meinem Hirn. Als ich heute Morgen erwachte, hatte ich einen Song im Ohr, von dem ich wusste, dass ich ihn nur wieder loswürde, wenn ich ihn aufnähme. Und das hab ich dann getan, inklusive einiger von Johnnys „Yeaahh“-Samples.
Es singt für Sie das Coffee-And-TV-Orchester:
Hier rechts klicken und „Ziel speichern unter“ wählen.
Falls jemand so verrückt ist, und daraus auch noch einen Remix bauen will, stelle ich die einzelnen Spuren gerne später noch online.
Starsailor können sich noch so Mühe geben: Wirklich cool werden die vier Briten in diesem Leben nicht mehr.
Als James Walsh am Montagnachmittag in der CD-Abteilung des Hamburger Saturn-Marktes ein kurzes Akustikset spielt, stehen die Fans (von denen nicht mordsmäßig viele gekommen sind) zwischen Regalen, die mit „Schlager“ beschriftet sind, um Autogramme an. Da kann man dann auch noch Abbas „Dancing Queen“ covern, ohne dass es Einfluss auf die credibility hätte. Schön ist es trotzdem.
Zweieinhalb Stunden später sitzt James Walsh im Backstageraum der Fabrik und langweilt sich. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er das auch während unseres Interviews (siehe unten) tut, aber da müssen wir gemeinsam durch. Die Themen: Rock’n’Roll-Klischees, Politik und Jeremiah Duggan, über dessen mysteriösen Tod die Band vor vier Jahren einen Song geschrieben hat. Walsh antwortet höflich bis nett und dass er eine Stunde vor dem Auftritt keinen Bock hat, endlos zu reden, kann man ja auch verstehen.

Nach zwölf Minuten sind Martina und ich fertig mit Fotos und Interviews und es kommt noch zu einer Norbert-Körzdörfer-esken Szene, als Walsh uns mit großer Geste auffordert, uns doch noch aus dem Kühlschrank zu bedienen. „It’s Guinness, that’s the real thing“, sagt er und ich denke, ich hätte mal besser gucken sollen, von welcher Marke seine Armbanduhr war.
Nach der Vorband (Oh, Napoleon aus Krefeld, hören Sie da ruhig mal rein) steht ein anderer James Walsh auf der Bühne: Er ist hellwach, scherzt mit seiner Band und erinnert kein bisschen mehr an den scheuen Anfang-Zwanziger, der sich vor acht, neun Jahren am liebsten hinter dem Mikrofonständer versteckt hätte. Anders als bei den letzten Touren gibt es keinen zusätzlichen Gitarristen mehr, Walsh spielt alles selbst und das kann er durchaus gut. Fünf Songs spielen Starsailor vom aktuellen Album „All The Plans“ – einen weniger als vom Debüt „Love Is Here“.

Was einem vermutlich wieder keiner glauben wird: Die Band hat live in den letzten Jahren schon immer ordentlich gerockt, heute Abend tut sie es besonders. Walsh freut sich über das beste Publikum, das sie in Deutschland je gehabt hätten, und man ist geneigt, das nicht als Spruch abzutun: Die Fabrik kocht und wenn ich im Schätzen von Menschenmassen nicht so unfassbar schlecht wäre, könnte ich meine Behauptung, es handele sich auch um das größte Publikum, das die Band in Deutschland je hatte, auch ein wenig untermauern. Wirklich viele waren es leider trotzdem nicht.
Der Stimmung tut das keinen Abbruch, neue Songs werden warm aufgenommen, alte bejubelt. Ein Fan sagt, er sei aus Japan gekommen, will aber seinen Namen nicht nennen: „Liking Starsailor can get you into real trouble“, lacht James Walsh und man ist sich gar nicht sicher, ob das jetzt Koketterie oder eine realistische Einschätzung des Bandimages ist. Aber Image ist nichts, entscheidend ist auf der Bühne: „Four To The Floor“ wird fast von seinen kompletten Disco-Streichern befreit und kommt als krachiger Britpop-Stampfer daher und wird direkt anschließend noch mal in der Remix-Version angestimmt. Letzteres ist zwar nicht neu, macht aber immer wieder Spaß.
Nach dem regulären Schlusssong „Good Souls“ gibt es noch eine weitere Zugabe: „Tomorrow Never Knows“ von den Beatles. An denen kommt man im Moment wirklich nicht vorbei – auf dem Sofa im Backstageraum lag auch eine der frisch remasterten CDs herum.

Und hier das Interview im Coffee-And-TV-Podcast:
Interview mit James Walsh (Zum Herunterladen rechts klicken und „Ziel speichern unter …“ wählen.)
Sie können die Podcasts übrigens auch als eigenen Feed oder direkt in iTunes abonnieren.
Starsailor spielen das letzte Konzert ihrer Deutschlandtour am Sonntag, 27. September im Gloria in Köln.
Fotos: © Martina Drignat.
Wenn Freud heute auf Express.de ginge, was würde er da wohl denken?

Eingesandt von Manfred H.
Nachtrag, 14:52 Uhr: Express.de hat die Überschrift auf „Schwarz-Gelb“ geändert.
Gar nicht mal so selten (im Sinne von: „Wenn ich überhaupt mal etwas gefragt werde, dann …“) werde ich gefragt, wie man eigentlich so ein „Medienblogger“ wird.
Das ist eigentlich ganz einfach: Eine Zeit lang muss man sehr aufmerksam durch die Welt gehen und allen Quatsch aufschreiben, der einem in die Finger kommt. Dann hat man irgendwann seine Leser, seinen Freundeskreis und seine Familie derart für die kleinen und großen Fehler der Medien sensibilisiert, dass man mit Einsendungen überhäuft wird und sie nur noch aufschreiben muss.
Eingesandt von meiner Mutter:

(Neue Rhein/Ruhr Zeitung vom 22. September 2009)
Das erinnert natürlich fatal an die von Fritz Walter d.J. überlieferte Sentenz:
Der Jürgen Klinsmann und ich sind schon ein tolles Trio, …äh Quartett.
Die gelernte Naturwissenschaftlerin Merkel wird diese Art Beweisführung zulassen müssen: Um ein unbekanntes Element zu erforschen, kann es hilfreich sein, die Daranheftenden und Drumherumschwirrenden zu definieren. Wenn sie zum stets in ihrer Nähe schleichenden Pofalla blickt, nickt er meist sofort. Oder schüttelt den Kopf. Was halt gerade gewünscht wird. Seine Größe ist allein durch Unterwerfung bedingt.
Der Typus Pofalla wird nicht abgestoßen von Merkel, anders als widerständigere Charaktere.
Benjamin von Stuckrad-Barre, das vergisst man gerne, hat ja nur einen Roman und eine Handvoll fiktionaler Texte veröffentlicht. Den Großteil seines Werks machen journalistische Arbeiten aus, besonders Reportagen.
Und die kann der Mann, der kürzlich vom Magazin „Cicero“ sehr schön porträtiert wurde, auch immer noch schreiben – man kriegt davon nur nichts mit, weil sie in Zeitungen wie der „Welt am Sonntag“ veröffentlicht werden.
Dass es über Merkel, je länger sie regiert, immer weniger Witze gibt, ist auch merkwürdig. Wenn Opposition, Herausforderer und Kommentatoren ihr mangelnde Greifbarkeit vorhalten und quecksilbrige Positionen, klingt das hilflos. Wenn aber den Witzemachern zu ihr nichts mehr einfällt, müssen wir das vielleicht ernst nehmen.
Seine Reportage über eine Zugfahrt mit Angela Merkel kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen, nicht zuletzt wegen des sagenhaften Nicht-Interviews, aus dem man mehr über die Kanzlerin erfährt als aus vier Jahren Regierungsverantwortung:
Wenn Sie aus dem Zug schauen, was für ein Land sehen Sie?
Ich sehe ein ziemlich intaktes Land, im Vergleich zu anderen Ländern, in denen man schon so war.
(Man! Länder, in denen man schon so war! Das erste, was einem ein Psychotherapeut beibringt: Sagen Sie nicht „man“, sagen Sie „ich“. Das erste, was man als Profipolitiker wahrscheinlich lernt: öfter mal „man“ sagen, dann kann nichts groß passieren.)
„Wie war die Wurst?“ von Benjamin von Stuckrad-Barre bei welt.de.
Twitter ist ja nicht gerade als das Medium bekannt, das den Siegeszug der Aufklärung endlich abschließen könnte: 140 Zeichen kann man auch eben schnell tippen, ohne dass man das Gehirn zwischen Galle und Finger schalten müsste. Twittern ist oft genug der Sieg des Affekts über die Reflektion, Hauptsache man ist der Schnellste — besonders bei der Eskalation.
Entschuldigung, was? Das hab ich schon mal geschrieben?! Oh ja, Verzeihung!
Anders gesagt:
Es kann doch nicht sein, dass wir immer wieder die Informationen loben, die im Internet für jeden überall und frei verfügbar sind, und dann nicht mal drei Minuten darauf verwenden, bei einer solchen Geschichte auch die Gegenseite abzuchecken. Stattdessen wird der Link blindlings bei Twitter weiterverbreitet.
Wie bitte? Das hab ich auch schon geschrieben?! Verdammt, Sie haben Recht!
Was ich sagen will, ist Folgendes:
Die Leute, die den Medien vorwerfen, unkritisch zu sein und nur aufzuschreiben, was ihnen in den Kram passt, waren unkritisch und schrieben genau das auf, was ihnen in den Kram passte: „fail“ eben.
Hä? Ach so.
Ich muss Sie gerade noch mal in meiner Eigenschaft als gelernter Varietätenlinguist behelligen. Kimberly Hoppe, „LEUTE-Kolumnistin“ der Münchener Abendzeitung und berühmt für ihre einfühlsamen Twitter-Reportagen, ist da bei ihren investigativen Recherchen im Prä-Oktoberfestlichen München auf ein ganz ein neues Wort gestoßen:
Es ist das Wort des Jahres: VORGLÜHEN.
Früher gab’s das Phänomen auch schon, allerdings kein so lustiges Wort dazu. Ja, ich als Nicht-Katholikin gestehe und tue Buße: Ich habe früher Augustiner-Flaschen im Rucksack (’türlich Eastpack) auf die Wiesn ins Schottenhamel-Zelt geschmuggelt und nach der ersten Maß heimlich in den Krug nachgeschenkt. Schließlich war das Bier zu DM-Preisen schon viel zu teuer und ich war jung und brauchte das Geld für was anderes. Gut. Nein: schlecht. Auf jeden Fall lange her.
Nun ist Frau Hoppe knapp drei Jahre älter als ich, was mir erstens die Möglichkeit einräumt, doch noch was aus meinem Leben zu machen, ihre „lange her“-Prosa zweitens ein bisschen bemüht erscheinen lässt, und drittens die Frage aufwirft, warum sie erst jetzt, im Jahr 2009, auf dieses beknackte, mir nie sonderlich kreativ erscheinende, Wort gestoßen ist. Mir ist definitiv eine Situation von vor sieben Jahren erinnerlich, in der das Wort „Vorglühen“ fiel, aber es kann sich auch schon bedeutend länger in meinem passiven Wortschatz befinden.
Man muss ja nicht gleich einen Kübel Bier Hohn über einer „LEUTE-Kolumnistin“ ausleeren, die offenbar die letzten Jahre hinter dem Mond gelebt hat, aber rein interessehalber (und weil meine Eltern sich immer freuen, wenn ich irgendwo andeuten kann, dass sich ihre Investition in mein Studium gelohnt hat) wüsste ich jetzt gerne von Ihnen:
War Ihnen die Vokabel „Vorglühen“ als vor-partyliche Druckbetankung mit alkoholischen Getränken schon vor der Lektüre von Frau Hoppes Lebensbeichte bekannt? Wenn ja: Wie lange?
(Klar, dass das eigene Alter und die Region, in der man aufgewachsen ist, auch hier wieder erheblich zu einem stimmigen Gesamtbild beitragen würden.)
Ich will das hier weder zu einem Fachmagazin für Wahlplakatierung werden lassen, noch will ich irgendwie paranoid klingen, aber: Das haben die doch extra gemacht, oder?
Mein Weg vom Wohnheim zur U‑Bahn ist vollgepflastert mit Frank-Walter Steinmeiers:


Mal davon ab, dass ich Frank-Walter Steinmeier jetzt nicht unbedingt „anpacken“ muss, dürfte das letzte Motiv natürlich eines der ehrlichsten Wahlplakate der letzten 60 Jahre sein: Neben ein Foto von Steinmeier und unter das Logo der SPD „Unser Land kann mehr“ zu schreiben, das ist schon erstaunlich offen.
Im Rennen um das aussagefreieste Wahlplakat ist Bundestagspräsident Norbert Lammert möglicherweise uneinholbar in Führung gegangen:

Es kann natürlich auch sein, dass der Regen die ganzen programmatischen Aussagen alle ausgewaschen hat.