… und wir sind nur die Kandidaten

Von Lukas Heinser, 8. September 2009 14:21

Montagnachmittag im Kölner E-Werk: Außer Rentnern, Studenten und Arbeitslosen hat um diese Zeit eigentlich niemand Zeit. Trotzdem haben WDR und NDR es hinbekommen, 179 Bundesbürger anzukarren, die angeblich repräsentativ für 82 Millionen sind: alt und jung, aus Nord und Süd, Mann und Frau — die ganze Palette halt. Sie sollen SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in einer dieser Townhall-Meeting-Simulationen, die der neueste Schrei im deutschen Polit-TV sind, auf den Zahn fühlen. Bizarrerweise bin ich einer dieser 179.

Nach dem nur verhaltenen Warm-Up durch einen Kollegen (es ist halt eine öffentlich-rechtliche Politiksendung, keine Privatfernseh-Comedy) begrüßen die Moderatoren Jörg Schönenborn und Andreas Cichowicz erst uns und dann den Mann, der Kanzler werden will. Steinmeier begrüßt die Zuschauer, die um ihn herum sitzen, routiniert und man ist froh, dass er nicht gleich mit dem Händeschütteln anfängt. Er hätte ja gar nicht kommen brauchen, sagt er, so toll habe ihn „der Jonas“, ein junger Zuschauer mit blondierten Haaren, der im Warm-Up seinen Platz eingenommen hatte, ja vertreten. Solche Aussagen sorgen für Stimmung, aber dann erinnert Schönenborn, der trotz seiner sonstigen Kernaufgabe, Zahlen von einem Monitor abzulesen, menschlicher wirkt als der lebende Aktendeckel Steinmeier, daran, dass wir ja nicht zum Vergnügen hier seien, und es geht los.

Die erste Frage wird gestellt und die erste Antwort gegeben. Im Vorfeld hatten sich die WDR-Redakteure telefonisch erkundigt, was man eventuell fragen wolle, aber im Studio lässt sich (außer bei ein paar ausgewählten Gästen) nicht zuordnen, wer welche Frage stellen würde — eine wie auch immer geartete Kontrolle scheint ausgeschlossen. Ein Mann wird vorgestellt, der 33 Jahre bei Hertie gearbeitet hat und „mit nichts mehr als einem feuchten Händedruck“ (er muss sehr feucht gewesen sein, denn er findet zwei Mal Erwähnung) verabschiedet wurde. Hoffentlich war es nicht auch noch der selbe Hertie-Mitarbeiter wie vor drei Wochen bei RTL. Steinmeier sagt von Anfang an oft „ich“ und „wir“, ohne dass klar wird, welche geheimnisvolle Truppe er damit meint. Die magischen Buchstaben „SPD“ nimmt er nach 67 Minuten zum ersten Mal in den Mund, „CDU“ folgt kurz darauf. Er redet viel und sagt wenig. Sagt ein Zuschauer, woher er kommt, kommen von Steinmeier stets die gleichen backchannels: „Rheda-Wiedenbrück, ah!“, „Grevenbroich, ah!“, „Bochum, ah!“. Ein Mann, der bei Continental arbeitet, wird fast zu Steinmeiers Joe the plumber: Zwar kann er sich den Namen des Mannes nicht merken, aber auf den „Arbeiter bei Conti“ kommt der Kanzlerkandidat an jeder passenden und unpassenden Stelle gern noch mal zurück.

Konkrete Fragen beantwortet Steinmeier mit dem Hinweis, „sofort“ auf den Kern zurückzukommen, nur um dann so weit auszuholen, dass er an einer beliebigen Stelle abbiegen und über irgendwas reden kann. Als Fragesteller ist man zu betäubt, um das sofort zu merken, und die Moderatoren wissen natürlich sowieso am Besten, dass sie hier keine konkreten Antworten erwarten können.

Eine ältere Dame, die zuvor bereits wüst in die Kamera gewunken hatte, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie eine Frage stellen will, hat ein paar kopierte Zettel dabei und fragt Steinmeier, ob er schon Gelegenheit gehabt habe, den aktuellen „Spiegel“ zu lesen. Steinmeier wird aber gerade frisch überpudert und kann deshalb nicht antworten, weswegen Schönenborn bittet, eine konkrete Frage zu formulieren. Es geht um die Besteuerung von Sonntagsarbeit und Steinmeier antwortet, man dürfe auch nicht alles glauben, was in der Zeitung stehe. Obwohl es natürlich stimmt, kommt das ein bisschen meckerig rüber und die Dame entgegnet, es habe ja nicht in „Bild“ gestanden, sondern im „Spiegel“ und dem müsse man ja trauen. Ich hoffe, dass die Raummikros zu schwach eingestellt waren, als dass man mein glucksendes Gelächter auch noch zuhause hören könnte.

Weil ich ein „junger Mann im karierten Hemd“ bin, darf ich auch eine Frage stellen, aber ich merke schon, als das Fragezeichen durch den Raum schwebt, dass das keine gute Idee war. Ich will wissen, ob Steinmeier manchmal von Murat Kurnaz träume, aber der Kanzlerkandidat antwortet mit dem Verweis auf irgendwelche Dokumentationen über sich und darauf, dass ein Untersuchungsausschuss seine (Steinmeiers) Unschuld bewiesen habe. Man müsse jetzt auch mal mit diesen Anschuldigungen aufhören, sagt er, während wir irgendwie haarscharf aneinander vorbei gucken, und ich das Gefühl habe, unter den Blicken der anderen Zuschauer und der Hitze der Scheinwerfer langsam zu zerfließen.

Mit Politikern zu sprechen ist eine der unbefriedigendsten Beschäftigungen überhaupt, weil einem immer erst hinterher klar wird, dass das gar kein Gespräch war, sondern eine Phrasen-Routine, die man schon im Informatikunterricht der siebten Klasse schreiben kann. (Es kann kein Zufall sein, dass Douglas Adams einst an einem Computerprogramm namens „Reagan“ arbeitete, das Fernsehdebatten anstelle des US-Präsidenten hätte führen können.) Es macht fast mehr Spaß, im Herbst Laub zusammenzukehren und die Wiese kurz nach dem Wegpacken des Rechens schon wieder mit Blättern übersät zu sehen.

Das Thema Außenpolitik kommt in der Befragung des Außenministers nicht vor. Fragen nach afghanischen Tanklastern („Wie viele davon werden wir noch in die Luft sprengen müssen, bis es in dem Land keine Taliban und keine Zivilisten mehr gibt und wir nach hause gehen können?“) verbieten sich wegen der Vorlaufzeit von fast 30 Stunden: Wer weiß, wie die Nachrichtenlage bei Ausstrahlung aussieht? Afghanistan kommt trotzdem vor, wenn auch anders als gedacht: Die Mutter eines Soldaten fragt nicht etwa, wann ihr Junge dauerhaft zuhause und in Sicherheit bleiben darf, sondern erkundigt sich nach besserer technischer Ausstattung für die Truppen. Dass sich die Sendung so amerikanisch anfühlen würde, war sicher nicht geplant.

Zur Auflockerung werden Steinmeier zwischendurch zwei „Wer wird Millionär?“-mäßige Quizfragen gestellt. Es fällt schwer zu glauben, dass eine mutmaßlich gut bezahlte Redaktion in monatelanger Vorbereitung nicht über „Was werden Sie nach dem Ende der großen Koalition am meisten vermissen? A: Angela Merkel, B: Karl-Theodor zu Guttenberg, C: Ursula von der Leyen, D: meinen Dienstwagen“ hinausgekommen ist. Immerhin gibt es Steinmeier die Gelegenheit zum einzigen Mal in 75 Minuten mit Witz und Schlagfertigkeit zu glänzen, als er antwortet: „‚D‘ scheidet ja aus, denn wenn die große Koalition endet, sitze ich ja im Kanzleramt.“

Als Schönenborn eine längere, komplizierte Zwischenmoderation, in der es auch irgendwie um die FDP geht, augenscheinlich völlig frei (also jedenfalls ohne Teleprompter und ohne noch mal auf seine Karten zu gucken) in die Kamera spricht, werde ich zu seinem glühenden Verehrer. Cichowicz dagegen gerät bei seinen kurzen Textpassagen häufiger ins Schwimmen, hat dafür aber das Zwischen-Zuschauern-Hocken in der Tradition von Jürgen Fliege und Günther Jauch im Repertoire. Zwischendurch stürzen immer wieder studentische Mikrofon-hinhalte-Kräfte die Treppen hinunter, was man am Bildschirm vermutlich nur als grotesk anmutende Satzpausen wahrnimmt.

Kurz vor Schluss darf noch eine Mutter mit Migrationshintergrund eine Frage stellen und weil sie in Steinmeiers Rücken sitzt, gerät diese Gesprächssimulation vollends zum Desaster: Steinmeier dreht ihr halb die Schulter zu und redet lieber zu Schönenborn und Kamera 1 und berichtet dann – Einzelschicksale hervorheben! – von einer jungen Türkin, die er kürzlich in Mainz kennengelernt habe und die jetzt ihren Hauptschulabschluss nachmache. Dass vor hinter ihm das vielleicht spannendere Einzelschicksal sitzt, ist egal: Die Frau aus Mainz passt besser in die Routine.

Die ersten Zuschauer erheben sich schon während des Abspanns.

Wahlarena: Zuschauer fragen Frank-Walter Steinmeier
Dienstag, 8. September 2009
21:05 Uhr im Ersten

Nachtrag, 9. September: Bis zum kommenden Samstag kann man sich die Sendung jetzt auch in der ARD-Mediathek ansehen.

41 Kommentare

  1. SvenR
    8. September 2009, 15:35

    Wirklich interessant.

    Wie bist Du denn dahin gekommen? (Und sag‘ jetzt bitte nicht „Mit dem Bus:“)

  2. jim
    8. September 2009, 15:48

    *gewinkt

  3. FS
    8. September 2009, 15:56

    Erinnert mich an Steinmeiers „Townhall Meeting“ auf RTL. Selbst konkreteste Fragen (ein Bundeswehrsoldat: warum dürfen wir in Afghanistan Mohnfelder an denen wir vorbeifahren nicht abbrennen?) beantwortete er nicht, bzw. mit endlos ausgebreiteten Allgemeinplätzen. Eine seiner langweiligsten Passagen begann übrigens mit „Es wird Sie überraschen zu hören, dass …“. Was folgte war alles, nur nicht überraschend – es war nicht mal interessant.

  4. Andreas
    8. September 2009, 15:59

    Zu Schönenborn: Völlig d’accord. Der Mann hat das sehr seltene Talent, nicht nur eloquent reden zu können, sondern vorher nachgedacht zu haben und zu wissen, was er sagt, ohne überflüssiges Geschwurbel. Und wenn er Sonntags den „Presseclub“ moderiert, ist mir das Thema fast egal, da schaue ich gerne zu, weil er die Diskutanten im Griff hat. Ich habe ihn auch mal bei einem Vortrag vor einer kleinen Gruppe (ca. 30 Leute) erlebt, in der er über die Vor- und Nachteile von Umfragen und Statistiken sprach. Fundiert, verständlich, auch bei Nachfragen souverän. Der ist augenscheinlich wirklich so.

    Ich für meinen Teil habe mit den GEZ-Gebühren jedenfalls kein Problem mehr, seit ich mir einrede, dass ich damit einen Teil des Gehalts von Schönenborn finanziere. (Und natürlich des Gehalts von Armin Maiwald, ist ja klar.)

  5. Jens
    8. September 2009, 16:13

    Das (also der Besuch in Köln) ist doch mal ’ne echte Gegenleistung für Deine GEZ-Gebühren.

  6. Lukas
    8. September 2009, 16:24

    @SvenR: Freunde von Freunden wurden über irgendwelche WDR-Kontakte gefragt und dann wurde, dem demographischen Schnitt entsprechend, immer weiter nach Leuten gefragt. Ich entsprach wohl dem Typen „Student aus dem Ruhrgebiet“.

    @Jens: Du meinst das Finger-Food, das es vor der Aufzeichnung gab? Da haben wir in der Tat (verzweifelt) versucht, uns unsere Gebühren zurück zu holen.

  7. StitchJones
    8. September 2009, 16:24

    @Andreas: Andererseits hat Schöneborn im Presseclub die unangenehme Angewohnheit, aufkommende grundsätzlichere Diskussionen gerne mal abzuwürgen. Dürfte sowas wie die dunkle Seite von „Diskutanten im Griff haben“ sein.

  8. Theo Fuffziger
    8. September 2009, 17:20

    -Habe heute abend keine Zeit. Bitte Frage und Antwort mitschneiden, irgendwo hochladen und dann hier verlinken :-)

  9. Dr. Bär
    8. September 2009, 17:28

    Du hast tatsächlich gefragt, ob er manchmal von Kurnaz „träume“ ? Oder nur sinngemäß ? Wenn ja, meinen Respekt ! Ich befürchte aber, dass das dann eine der Fragen gewesen sein wird, die aus zeitlichen Gründen herausgeschnitten werden mußte.

  10. Lukas
    8. September 2009, 17:37

    @“Theo Fuffziger“: Mit der „E-Mail-Adresse“ haben Sie hier aber zum letzten Mal kommentiert …

    @Dr. Bär: Schneiden können die schlecht. Die Aufzeichnung ist schon nur 74:32 Minuten oder was in der Ecke lang. Ich will da natürlich nichts ausschließen, aber soweit ich weiß, macht der WDR auch nur „live on tape“-Ausstrahlungen.

  11. cosmo
    8. September 2009, 18:27

    Herzlichen Dank für die Kurnaz-Frage. Auch wenn die, wenn du sie wirklich so formuliert hast, ziemlich fies vorgebracht war, diese Dinge muss der Mann noch viel öfter gefragt werden.

  12. Hannah
    8. September 2009, 19:37

    klingt ja nach exzellenter Dienstagabendunterhaltung…
    (nicht einmal mein SPD-Abgeordneter aus dem hiesigen Wahlkreis ist sich zu schade für die ein oder andere Phrasendrescherei. Schade)

  13. JMK
    8. September 2009, 19:40

    Schöner Artikel. Das schlimme ist ja, dass der wohl ähnlich zur Sendung am Vortag ausgefallen wäre.

    Das macht ja alles keinen Spass mehr.

  14. SvenR
    8. September 2009, 19:59

    @Lukas:

    Wann bist Du denn dran? Ich muss jetzt kurz weg was gemeinnütziges machen, ich will Dich doch nicht verpassen.

  15. cookie
    8. September 2009, 20:20

    Immer wieder erschreckend, aber leider auch nix neues, zu sehen wie offensichtlich Politiker die Menschen, von denen sie erwarten gewählt zu werden, ignorieren.

    Gibt es irgendwo Hintergrundinformationen zu dem Adams/Reagan-Programm?

  16. malte
    8. September 2009, 21:47

    Ich habe dich gerade gesehen. Ich bin sehr zufrieden mit dir.

  17. Frederic
    8. September 2009, 22:28

    Danke für die Frage! Das war cool und wichtig. Der Rest der Sendung war eine Qual. Wie kann man nur immer „ich kämpfe dafür, dass…“ sagen und dabei so unkämpferisch wie möglich sein!?! Das „Duell“ Merkel/Steinmeier wird bestimmt großartig. Die werden beide schnarchend übereinander zusammensacken und nach 90 Minunten muss man sie wecken…

  18. SvenR
    8. September 2009, 22:42

    Nicht, dass ich mich es getraut hätte, aber warum hast Du ihm nicht gesagt, dass er Deine Frage nicht beantwortet hat? Die Nachfrage war ein bisschen zu zaghaft. Bin trotzdem stolz auf Dich und zufrieden mit Dir.

  19. Die Erklaerung
    9. September 2009, 0:57

    Ich weiß jetzt nicht, ob es mich beruhigen oder verängstigen soll, daß du repräsentativ bist.Ich glaube, Steinmeier hat sich Dein Gesicht gemerkt. Also setze lieber nicht auf seine Hilfe, wenn Du irgendwo und irgendwann festgehalten wirst.

  20. Lukas
    9. September 2009, 1:18

    @SvenR: Ich hab’s heute Abend nicht geschaut und kann mich deshalb irren, aber ich meine, er hätte dann am Ende seiner Antwort auf meine Nachfrage erklärt, dass er an Murat Kurnaz „denke“. Das wollen wir dann mal als Antwort gelten lassen — gerade im Vergleich zu anderen Fragen.

  21. Steinmeier und Kurnaz: Die Unschuldigen « Die Erklaerung
    9. September 2009, 2:48

    […] hat seine Unschuld usw… Darauf verweist der Kanzlerkandidat gern, wie auch Lukas Heinser von Coffee And TV unlängst feststellen mußte. Gibt es auch nur einen vernünftigen Grund, Kurnaz nicht zu glauben, […]

  22. Something Fishy
    9. September 2009, 6:27

    Deine Kurnaz-Frage war die einzige, die an diesem gemütlichen Abend für etwas Irritation sorgte. Es hätte mehr von der Art gebraucht.

  23. Wortabkrobatik ist ihm fremd
    9. September 2009, 10:43

    Wut, Schweiß und Gähnen

    „Sie sind jetzt knapp vier Jahre Außenminister, also nicht einmal so lange, wie Murat Kurnaz in Guantanamo war: Träumen Sie manchmal von Murat Kurnaz?“ Diese ungeschminkte Frage eines jungen Mannes mag Frank-Walter Steinmeier noch weiter ins Schwitzen gebracht haben, aber dieses Mal antwortete er vergleichsweise kurz und klar: „Es gab keine Möglichkeit, Kurnaz herauszuholen.“ Ob es die Wahrheit ist, wofür nicht allzu viel spricht, muss er am Ende mit sich selbst ausmachen.

  24. finzent
    9. September 2009, 10:49

    Saubere Arbeit wegen der Frage! Aber schade dass du das machen musst, sonst scheint die Kurnaz Geschichte ja niemanden so recht zu interessieren.

    Das ist jedenfalls der Grund dafür dass ich diesen Widerling nie wählen könnte.

  25. Stefan
    9. September 2009, 11:58

    Der junge Herr da hinten im karierten Hemd:

  26. Theo Fuffziger
    9. September 2009, 12:00

    Ja, gute Frage. Überall (tagesspiegel.de, spiegel.de, stern.de etc.) wird über diesen“jungen Mann“ geschrieben.

  27. wobey
    9. September 2009, 12:45

    Ist es nicht illosorisch zu glauben, dass die Unschuldsvermutung auch bei Guantanamo-Insassen gilt?

    Abgesehen davon, warum wird die Rolle der deutschen Dienste und Beamten größer gemacht als die der türkischen? War / ist er nicht Türke?
    Da mag er hier aufgewachsen sein, aber unter Umständen wäre es sogar anders ausgegangen wäre er deutscher Staatbürger, und in der Türkei aufgewachsen

  28. Johannes
    9. September 2009, 13:56

    Habe das gestern unvorbereitet gesehen und habe nur darauf gewartet, dass Steinmeier sagt „übrigens, Ihr Blog ist wirklich knorke und ich grüße die Killians!“, aber soweit ist es ja leider nicht gekommen. Aber gute Frage!

  29. Mark
    9. September 2009, 14:30

    Lukas, Glückwunsch zur besten Frage des Abends!

    Nicht der Inhalt Deiner Frage war so bemerkenswert, sondern die defensive Reaktion, die sie bei Herrn Steinmeier hervorgebracht hat. (Vermutlich war es der spitze Vergleich seiner Amtszeit mit der Dauer der Gefangenschaft von Kurnaz, der ihn zu dieser Reaktion verleitet hat?)

    Interessant ist zudem, dass Steinmeier auf den Kern Deiner Frage erst nach erneuter Rückfrage und auch nur ganz zum Schluß, fast schon beiläufig, eingeht. Ganz ähnlich geht es dem Hausbesitzer aus Porta Westfalica; nach langer Aufzählung keynsianischer Instrumente für den Arbeitmarkt, vermeidet es Steinmeier, eine klare Antwort auf die eigentliche Frage zu geben. Dabei ist die unangenehme Wahrheit längst allen klar, auch Herrn Steinmeier: das Eigenheim wird nicht zum Schonvermögen bei Harz-IV angerechnet werden. Dafür gibt es sehr gute Gründe, die auch verständlich erklärt werden können. Nur auf diese inhaltliche Auseinandersetzung läßt sich Steinmeier nicht ein.

    Warum eigentlich nicht? Hat er nicht genug Rückgrat, Charakter und Aufrichtigkeit, klare und gelegentlich mal unbeliebte Positionen mit aller Deutlichkeit zu vertreten? Oder ist er einfach inhaltsschwach, kann dem Bürger komplizierte Zusammenhänge der Ökonomie und Gesellschaftspolitik nicht einfach und plastisch genug erklären, weil er sie selber nicht durchdringt?

    Und Steinmeier ist mit diesem Ausweichverhalten nicht alleine. Es ist das viele Reden, ohne wirklich etwas konkretes zu sagen, was Dich und mich an Politikern frustriert.

    Dass Du als Studiogast zu betäubt bist, um genau diese Frustration anzusprechen, kann ich nachvollziehen. Schade aber, dass keiner Steinmeier damit konfrontiert. (Wäre das nicht vielleicht die Rolle von Schönenborn/ Cichowicz gewesen?)

    Was mich noch interessiert: was hättest Du gerne Angela Merkel gefragt?

  30. SvenR
    9. September 2009, 15:26

    @Lukas:

    Hab’s mir gerade nochmal angesehen. Ich kann Deiner Interpretation folgen. Du hast tatsächlich die konkreteste Antwort bekommen – und das bei der Frage.

    Respekt!

  31. Katrin
    9. September 2009, 16:03

    Man sieht dir aber schon an, dass dich die Antwort nicht so ganz glücklich gemacht hat^^

  32. andheu
    9. September 2009, 18:08

    Habe deinen Auftritt durch Zufall mitbekommen. Als ich in der Werbepause von House zur Wahlarena gewechselt bin, bist du gerade drangekommen. Habe nicht viel von Steinmeier mitbekommen, aber er wirkte nervös und verkrampft.

  33. Dr. Borstel
    9. September 2009, 18:09

    Habe gestern nur kurz reingeschaut – „House“ geht dann doch über „SPD-Wahlkampfparolen“. Dich habe ich aber noch mitbekommen, Lukas. Schöne und wichtige Frage – ich befürchte nur, dass die Tatsache, dass du von allen Menschen im Publikum noch am ehesten mit deiner Antwort zufrieden sein konntest, daran liegen könnte, dass das Thema Folter und Menschenrechte die potentiellen Wähler weit weniger interessiert als Endlosdebatten über Dienstwagen und Linksbündnisse.

  34. Something Fishy
    9. September 2009, 18:24

    Beim Wiederansehen (#25) fällt mir erst der scheinbar wirre, in Wirklichkeit reichlich unverschämte Beginn von Steinmeiers Ausführungen auf: „Ich habe das Porträt auch gesehen…“. Als ob kein Mensch sich an die Kurnaz-Affäre erinnern würde, wenn nicht diese Woche irgendwas darüber im Fernsehen gelaufen wäre. Für wie blöd hält der uns?

  35. wobey
    9. September 2009, 20:08

    @Something Fishy

    jetzt mal nicht so selbstgerecht…

    einer Menge Leute dürfte das Thema tatsächlich erst wieder durch das Portät ins Gedächtnis gerufen worden sein, jedenfalls ists keine Frage die Steinmeier erwartet hätte oder – abgesehen vom Porträt – in letzter Zeit bemerkenswert mediale Aufmerksamkeit geschenkt bekommen hätte.

    Dass Lukas nicht erst dadurch draufkam ist schon klar, aber abwegig ist Steinmeiers Vermutung auch wieder nicht – und davon abgesehen eine tolle Einleitung und Denkzeitverschaffung für ihn.

    Wer jedes Wort auf die Goldwaage legen will, sollte zumindest unvorbereitete Live-Antworten ausklammern

  36. Jens
    9. September 2009, 20:37

    Ich hätte auf die Frage schlicht und ergreifend mit „Nein“, „Ja“ oder „Ich kann mich nicht erinnern, jemals über Herrn Kurnaz geträumt zu haben“ geantwortet. Vermutlich. Denke ich jedenfalls.

  37. Lukas
    9. September 2009, 20:49

    @Jens: Ich war auch erstaunt, dass er auf die einzige „Ja/Nein“-Frage des Abends derart ausufernd antwortet.

  38. Something Fishy
    9. September 2009, 21:10

    @wobey #35,

    So eine Einleitung sagt doch nichts anderes als „Ach ja, das ist so ein Unsinn, den Sie sicher aus dem Fernsehen haben.“ Ganz so einfach sollte er es sich nicht machen.

    Und unvorbereitet? Ich bin sicher, dass er Kurnaz-Antworten im Repertoir hat, nur eben keine auf die geschickt gestellte Frage mit dem Träumen.

  39. Ruhrpilot » ruhrbarone
    10. September 2009, 9:03

    […] TV: Lukas und Frank Walter…Coffee & TV […]

  40. Kunar
    19. September 2009, 18:30

    Kompliment zu der Frage. Sie war das Wichtigste, was ich einem Kanzlerkandidaten Steinmeier stellen würde. Seine abwehrende Reaktion, bei der er gleich Unterstellungen vermutet, zeigt deutlich, dass ihm das Thema nach wie vor unangenehm ist, weil er dort nicht sauber rauskommt, egal, was ein Untersuchungsausschuss feststellt. Auch der Verweis auf die „Angst nach dem 11. September“ ist ein Ablenkungsmanöver, denn die Angst vor Einschränkung der Sicherheit und einem völkerrechtswidrigen Krieg war vielen Menschen präsenter als das abstrakte Szenario eines terroristischen Anschlages in Deutschland. Letzten Endes bestätigt Steinmeier das, was Leute wie ich jahrelang vermutet haben: Dass man im Kielwasser des Terrorismus ohne Probleme ein paar Unschuldige jahrelang gefangen halten kann.

    Vielen Dank auch an Stefan Niggemeier für den Youtube-Schnipsel.

  41. Kunar
    19. September 2009, 18:44

    Unvollständige mediale Nachlese: Theo Fuffziger hatte auf Artikel bei Tagesspiegel, Stern und Spiegel hingewiesen. Hier die URLs:

    http://www.tagesspiegel.de/pol.....95,2895107

    http://www.stern.de/wahl-2009/.....07989.html

    http://www.spiegel.de/kultur/t.....20,00.html

    Was ich nicht ganz verstehe: Diese Townhall-Meeting-Sendungen sollen doch angelsächsischen Wahlkampf imitieren. Wissen die Teilnehmer denn nicht, dass in den dortigen Ländern die Kandidaten gerne verbal etwas härter angepackt werden und entsprechend diskussionsfest sein und im direkten Kontakt mit den Bürgern gut aussehen müssen?

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