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Kultur

The Post-It-Service

Ech­te Puris­ten notie­ren sich auf Post-Its wich­ti­ge Din­ge, ande­re wie­der­um machen dar­aus etwas Künst­le­ri­sches. So auch Bang-yao Liu. Und ich kann die wer­te Leser­schaft beru­hi­gen: Der Mann im Video hat kei­ne wich­ti­ge Prü­fung vor sich her­ge­scho­ben.

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Und wer sehen will, wie viel Arbeit in dem Clip steckt, der soll­te sich das Making Of zu Gemü­te füh­ren.

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Kultur

Kunst im Alltag: Tastaturreinigung

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Musik Kultur

Turm und Jungfrau sind aus dem Spiel

Ein iPod und eine CD-Sammlung (Ausschnitt).

Der Vir­gin Mega­s­to­re in San Fran­cis­co (Ecke Mar­ket und Stock­ton Street) macht dicht. Die Men­schen wer­den ihre Kiss-Hem­den, AC/DC-Unter­ho­sen und Jonas-Brot­hers-Regen­schir­me in Zukunft woan­ders angu­cken (denn wer kauft sowas schon?) müs­sen.

cnet.com illus­triert die­sen Vor­gang mit einem Foto, dem man hohe Sym­bol­kraft unter­stel­len könn­te: Genau gegen­über vom Vir­gin Mega­s­to­re ver­kauft der Apple Store sei­ne iPods – und Down­loads machen inzwi­schen ein Drit­tel der ver­kauf­ten Musik in den USA aus.

Ich will das alles nicht klein­re­den. Seit ich mei­nen iPod habe, habe ich auch mehr aktu­el­le Alben in Form von Down­loads gekauft als auf CD. Nur Musik von Künst­lern, deren Gesamt­werk ich im Regal ste­hen habe, muss wei­ter­hin auch phy­sisch erwor­ben wer­den – was bei Star­sail­or z.B. hieß, dass ich für die Hül­le und das Book­let acht Euro Auf­preis gezahlt habe, was selbst unter Fan-Aspek­ten eini­ger­ma­ßen bescheu­ert ist.

Was ich aber am Bei­spiel San Fran­cis­co beson­ders fas­zi­nie­rend fin­de: Zwei­ein­halb Jah­re, nach­dem Tower Records plei­te ging und sein Filia­len an der Ecke Columbus/​Bay Street schlie­ßen muss­te, zieht sich die zwei­te gro­ße Enter­tain­ment-Ket­te zurück. Es blei­ben Best Buy (eine Art ame­ri­ka­ni­scher Media Markt außer­halb der Innen­städ­te) und die „alter­na­ti­ven“ Klein-Ket­ten wie Ras­pu­tin und Amoe­ba (s.a. Rei­se­tipps für San Fran­cis­co: Geschäf­te). Die sind natür­lich viel zu groß und dann doch zu gut orga­ni­siert, um noch als „David“ durch­zu­ge­hen (ande­rer­seits: ver­gli­chen mit Vir­gin …), aber doch schei­nen sie gewon­nen zu haben.

Die Fra­ge bleibt, wie lan­ge es über­haupt noch Plat­ten­lä­den geben wird.

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Kultur

Not looking for a new England

„Also, Shake­speare hat­te auf alle Fäl­le ’n paar kras­se Pro­ble­me. Der war bestimmt schwul!“, dia­gnos­ti­zier­te ein pick­li­ger 16-Jäh­ri­ger, der mit sei­ner gan­zen Klas­se zum Thea­ter­be­such genö­tigt wor­den war, beim Her­aus­ge­hen. Was war gesche­hen?

Als Leh­rer – gera­de als einer, der sich für sei­ne Schü­ler inter­es­siert – ist es nicht die schlech­tes­te Idee, mit ihnen eine Insze­nie­rung von David Bösch zu besu­chen. Der gera­de 30-jäh­ri­ge Regis­seur, des­sen „Romeo und Julia“ am Bochu­mer Schau­spiel­haus mir vor vier Jah­ren sehr gefal­len hat, hat die Pop­kul­tur mit so gro­ßen Löf­feln gefres­sen, dass auch die ange­staub­tes­ten Klas­si­ker bei ihm zu einem bun­ten, lau­ten Rei­gen wer­den, der gera­de die jün­ge­ren Besu­cher anspricht.

Die aller­dings wer­den bei sei­nem „Was Ihr wollt“ auch nicht mehr so ganz mit­ge­kom­men sein, denn heu­ti­ge Schü­ler erken­nen weder ein Roy-Black-Med­ley noch die größ­ten Hits des Jah­res 1993, wenn sie ihnen vor­ge­sun­gen wer­den. Für sie ist die Jugend ihrer älte­ren Geschwis­ter (wenn über­haupt) unge­fähr so weit weg wie Shake­speares Zeit selbst. Und somit ste­hen sie doch wie­der weit­ge­hend unge­bro­chen vor dem Werk des Schwans von Avon.

Und damit vor Vio­la und ihrem Zwil­lings­bru­der Sebas­ti­an, die bei einem Schiff­bruch getrennt wer­den. Vio­la wird in Illy­ri­en ange­spült, wo der Her­zog Orsi­no seit Jah­ren der Grä­fin Oli­via den Hof macht, die wie­der­um von ihrem Onkel Sir Toby mit des­sen Sauf­kum­pan Andrew ver­kup­pelt wer­den soll und dar­über hin­aus von ihrem Haus­hof­meis­ter Mal­vo­lio begehrt wird. Vio­la ver­klei­det sich mit Hil­fe eines Nar­ren als Mann und wird als Cesa­rio Die­ner bei Orsi­no, wor­auf­hin sich Oli­via in Cesa­rio (also Vio­la) ver­liebt.

Wenn man es so auf­schreibt, klingt die Geschich­te deut­lich mehr nach einer Vor­abend­se­rie im deut­schen Fern­se­hen als nach Shake­speare, und in der Tat wirkt es auf der Büh­ne des Esse­ner Gril­lo-Thea­ters auch so. Es ist ein unüber­sicht­li­ches Wirr­warr, bei dem die ein­zel­nen Cha­rak­te­re am aller­we­nigs­ten wis­sen, was um sie her­um pas­siert. Ob sie des­halb gleich wie Sir Toby und Andrew, die direkt der White-Trash-Höl­le eines Hoo­lig­an­blocks zu ent­stam­men schei­nen, betrun­ken her­um­kas­pern müs­sen, ist eine gute Fra­ge. Aber Kon­flik­te schei­nen im moder­nen Thea­ter eh dar­aus zu bestehen, dass Men­schen auf einer rie­si­gen Büh­ne anein­an­der vor­bei­ren­nen.

David Bösch hat vie­le Details in sei­ne Insze­nie­rung ein­ge­baut. Man­che wir­ken durch­dacht, ande­re nur auf­ge­pfropft. War­um zum Bei­spiel singt das Dienst­mäd­chen Maria an einer zen­tra­len Stel­le aus­ge­rech­net „New Eng­land“ (in dem es ja eben nicht um eine gesell­schaft­li­che Uto­pie wie Illy­ri­en, son­dern „just“ um das Fin­den einer neu­en Lie­be geht)? Wirk­lich nur, weil Kars­ten Rie­del, seit län­ge­rem Böschs treu­er Musi­kant am Büh­nen­rand, so ein gro­ßer Bil­ly-Bragg-Fan ist? Auch der Umstand, dass Nico­la Mastro­berar­di­no als Sir Andrew eins zu eins aus­sieht wie Matt Dil­lon in Came­ron Cro­wes Kult­ko­mö­die „Sin­gles“, kann eine Bedeu­tung haben. Aber wel­che?

„Was Ihr wollt“ wirkt wie eine lose Ansamm­lung von Zita­ten, bei der sich der Regis­seur nicht so recht ent­schei­den konn­te, was er damit eigent­lich bezwe­cken woll­te. Mal­vo­lio (Roland Rie­be­l­ing) ist die gro­tes­ke Kari­ka­tur einer tra­gi­schen Figur, die irgend­wann nur noch nervt. Inmit­ten die­ser gan­zen Über­zeich­nun­gen sticht aus­ge­rech­net die Haupt­fi­gur Vio­la mit einer Unauf­fäl­lig­keit her­vor, die man Sarah Vik­to­ria Frick ange­sichts der Über-Per­for­mance ihrer Kol­le­gen hoch anrech­nen muss.

Und so schlin­gert die Insze­nie­rung an der Ziel­grup­pe vor­bei. Dass die Schü­ler den Kuss zwei­er Män­ner mit lau­tem Ekel kom­men­tie­ren, wäh­rend kurz zuvor der Kuss zwei­er Frau­en geräusch­los über die Büh­ne ging, sagt viel­leicht etwas über die jugend­li­chen Zuschau­er aus, aber nichts über das Stück. Aus dem Krei­se der Schü­ler kam dann auch das Todes­ur­teil, dem man sich frei­lich nicht voll­um­fäng­lich anschlie­ßen muss: „Ich find das nicht komisch, da guck ich mir lie­ber Mario Barth an!“

„Was Ihr wollt“ im Schau­spiel Essen
Nächs­te Ter­mi­ne: 13. Febru­ar, 21. März, 4. April

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Kultur

Zelt am See

Mit dem Ruhr­ge­biet und der Kul­tur ist das so eine Sache: natür­lich gibt es hier wel­che, aber jeder ver­steht etwas ande­res dar­un­ter. Man wäre ger­ne mehr als man ist (oder zumin­dest anders), wes­we­gen es zwi­schen Duis­burg und Dort­mund eini­ge hun­dert mit­tel­gu­te, aber sat­te (weil tot­sub­ven­tio­nier­te) Thea­ter, Orches­ter und Kul­tur­zen­tren gibt. Dafür kei­ne Love­pa­ra­de, denn wenn man eines im Ruhr­ge­biet noch mehr liebt als Sub­ven­tio­nen und Kom­pe­tenz­ge­ran­gel, dann die Mög­lich­keit, sich auf einer mög­lichst gro­ßen Büh­ne völ­lig zu bla­mie­ren. 1

Das kom­men­de Jahr, in dem das Ruhr­ge­biet „Kul­tur­haup­stadt Euro­pas“ genannt wer­den darf, wird sicher ein völ­li­ges Desas­ter, und eine Gegend, in der man Don­ners­tag­abends um Vier­tel nach Zehn eine hal­be Stun­de auf einen Zug war­ten muss, 2 der einen in die Nach­bar­stadt bringt, ist vie­les, aber sicher kei­ne inter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hi­ge „Metro­pol­re­gi­on“.

Bei die­sen Vor­aus­set­zun­gen freue ich mich immer, wenn jemand ankommt und ohne Sub­ven­tio­nen sein eige­nes Ding durch­zieht – es muss ja nicht immer Hoch­kul­tur sein. So gese­hen ist das „Zelt­fes­ti­val Ruhr“, das im ver­gan­ge­nen Jahr erst­ma­lig statt­fand, eine Berei­che­rung für die unüber­sicht­li­che und oft­mals ver­fein­de­te Kul­tur­land­schaft im Ruhr­ge­biet.

Ich war in der Pre­mie­ren­sai­son lei­der nie vor Ort am Kem­n­ader See, 3 aber es heißt, die Mischung aus Ver­an­stal­tun­gen, Gas­tro­no­mie und Kunst­hand­werk­markt sei recht schön gewe­sen. In die­sem Jahr soll natür­lich alles noch schö­ner und grö­ßer wer­den, wie die Ver­an­stal­ter auf der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz ankün­dig­ten.

Veranstalter, Sponsoren und ein Kulturdezernent

Bei beleg­ten Bröt­chen und Kaf­fee erfuhr die ver­sam­mel­te Lokal­pres­se, 4 was man sich für die­ses Jahr so alles aus­ge­dacht hat: Das Pro­gramm soll deut­lich aus­ge­wei­tet wer­den, es gibt ein drit­tes Ver­an­stal­tungs­zelt und Koope­ra­tio­nen mit loka­len Ver­an­stal­tern.

Auf der Lis­te der bereits bekannt­ge­ge­be­nen Künst­ler fin­den sich neben Götz Als­mann, Sil­ber­mond, Max Raa­be und Die­ter Tho­mas Kuhn mit Hagen Rether, Hea­ther Nova, Polar­kreis 18, Jochen Malms­hei­mer und den frisch wie­der­ver­ein­ten Selig auch eini­ge Pro­gramm­punk­te, die auch mich inter­es­sie­ren wür­den.

Und dann ist da noch ein Ter­min, den man bei einem regio­na­len Kul­tur­fes­ti­val eigent­lich nicht erwar­tet hät­te: eine spo­ken word per­for­mance von Hen­ry Roll­ins.

Alle Ter­mi­ne und wei­ter Infos gibt es dem­nächst unter zeltfestivalruhr.de

  1. Bochums Ober­bür­ger­meis­te­rin Otti­lie Scholz ließ sich kürz­lich zitie­ren: „Wir in Bochum sind nicht pro­vin­zi­ell!“ Son­dern nur doof und unfä­hig, oder was?[]
  2. Been the­re, done that.[]
  3. Der Nah­ver­kehr, s.o.[]
  4. Da merkt man den Unter­schied zwi­schen Bochum und Dins­la­ken dann doch: in Dins­la­ken waren wir immer zu zweit bei sol­chen Pres­se­kon­fe­ren­zen, heu­te waren es min­des­tens zwan­zig Jour­na­lis­ten.[]
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Literatur Kultur

Reimemonster

In mei­ner klei­nen Stadt pas­sie­ren ab und zu doch erstaun­lich tol­le Din­ge. Denn mei­ne klei­ne Stadt besitzt ein klei­nes Kul­tur­ki­no und macht die klei­ne Stadt etwas weni­ger pro­vin­zia­lisch als mache (also ich) immer den­ken.

Mei­ne klei­ne Stadt ist bekannt in der Sze­ne, in der Sze­ne namens Poet­rys­lam. Poet­ry­what? Poet­rys­lam, oder zu deutsch: Gedich­te­schlacht.

Poet­rys­lams sind Dich­ter­wett­kämp­fe, die es schon seit dem Mit­tel­al­ter und in moder­ner Form seit 1984 gibt. Meist fin­den sie auf klei­nen Büh­nen in klei­nen oder gro­ßen Städ­ten statt. Die Slam­mer tra­gen ihre eige­nen Tex­te vor und aus dem Publi­kum wird die Jury gemacht. Zack Bum!

Die Jury kann Punk­te von 0 – 10 für den Slam­mer geben und dar­aus ergibt sich dann die Punkt­zahl der jewei­li­gen Run­de. Die Punkt­zahl ent­schei­det, wer eine Run­de wei­ter ist. Wer eine Run­de wei­ter ist, ist meis­tens im Fina­le, bei dem das gesam­te Publi­kum schließ­lich durch ohren­be­täu­ben­den Applaus und Jubel den Sie­ger bestimmt.

Der Sie­ger ver­dient nicht nur Ruhm und Dich­ter­eh­re, nein, er gewinnt auch tra­di­tio­nell eine Fla­sche Whis­ky und in Zei­ten der Rezes­si­on so viel Geld, dass die Heim­rei­se gesi­chert ist.

Das Prin­zip ist ein­fach, der Weg zum Sieg aber nicht. Das schö­ne bei einem Slam ist: man wird 3 Stun­den lang mit Kopf­ki­no vom feins­ten unter­hal­ten. Das schlech­te dar­an: nicht jeder Kopf­ki­no­film ist auch ein Hit!

Es gibt Slam­mer, die sich vor­züg­lich dar­auf ver­ste­hen, ihr Publi­kum mit ihrem Text an die Hand und auf eine Rei­se mit­zu­neh­men, ihnen neu­en Wel­ten zei­gen und sie hin­ter­her am Aus­gang wie­der unbe­scha­det, aber glück­lich zurück­zu­ge­ben. Sie kön­nen mit Wör­ter spie­len, Sät­ze aus­ein­an­der klau­ben, alle Wort­wit­ze fin­den und so ver­pa­cken, dass man nicht denkt „Kenn ich schon, nächs­ter bit­te!“

Nein, man­chen Slam­mern gelingt es ganz oft, Sprach­ge­fühl, Rhyth­mus und Wort­akro­ba­tik so in eine Geschich­te zu ver­pa­cken, dass man ganz gebannt einem Men­schen sie­ben Minu­ten lang ins Gesicht glotzt und das einen gan­zen Abend lang.

Doch bei eini­gen Slam­mern kommt man schon ins Zwei­feln, denn Tex­te über sei­nen „Lieb­lings­dö­ner­frit­zen“ in schwä­bi­scher Mund­art kann bei so man­chem dann schon eine run­zeln­de Stirn her­vor­ru­fen. Man könn­te an die­ser Stel­le die­sen Tex­te „Lieb­lings­dö­ner­frit­zen“ zitie­ren, wor­auf ich aber zu Guns­ten der Leser­schaft bes­ser ver­zich­te.

Aber hier gilt, wie in so vie­len Berei­chen: Es ist noch kein Meis­ter vom Him­mel gefal­len und die meis­ten  Slam­mer wach­sen an ihren Wett­kämp­fen. Zumal auch der Poet­rys­lam nur durch ein demo­kra­ti­sches Sys­tem funk­tio­niert, was jedem die Chan­ce bie­tet, sich der Jury/​dem Publi­kum zu stel­len. Mit oder mit ganz viel Talent.

Soll­te in Eurer klei­nen oder gro­ßen Stadt ein Poet­rys­lam statt­fin­den, dann kann ich Euch nur emp­feh­len, die­ses Ereig­nis zu besu­chen. Denn es macht wirk­lich Spaß, ein­fach mal zu zuzu­hö­ren und sich auf einen Kopf­ki­no­film ein­zu­las­sen.

Wer nicht gern aus dem Haus geht, kann sich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den im WDR am Sonn­tag­abend nach „Zim­mer frei!“ mit Kopf­ki­no, Dich­ter­wett­kämp­fen und sons­ti­gen Wort­spie­le­rei­en ver­gnü­gen.

Wer nicht gern fern­sieht, aber im Inter­net surft, fin­det auf You­tube die schöns­ten Poet­rys­lam-Per­len.

Rei­me­mons­ter 1: Sebas­ti­an Krä­mer

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Rei­me­mons­ter 2: Phi­bi Reich­ling (der Gewin­ner in mei­ner klei­nen Stadt) 

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In die­sem Sin­ne: Poe­ti­sche Weih­nach­ten!

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Rundfunk Kultur Fernsehen

Blutig: Noch ein Medium durch!

Fernseher (unter CC-Lizenz von Walt Jabsco)

Ich woll­te nicht über Mar­cel Reich-Rani­cki und sei­nen Auf­tritt beim Fern­seh­preis schrei­ben. Ande­re Leu­te haben eine Viel­zahl von klu­gen Tex­ten geschrie­ben, die ich alle auf ihre Wei­se nach­voll­zie­hen kann.

Aber ers­tens ist die­ses Land eh über Nacht zu einer Nati­on von 82 Mil­lio­nen Medi­en­kri­ti­kern gewor­den, 1 und zwei­tens haben mich die Reak­tio­nen der Fern­seh­leu­te jetzt, da sich der ers­te Staub gelegt hat und der wüten­de, alte Mann nicht mehr in Hör­wei­te ist, wahn­sin­nig gemacht. Die „Frank­fur­ter Rund­schau“ hat eini­ge davon doku­men­tiert, „Bild“ und die „Net­zei­tung“ eben­falls.

Es ist unfass­bar: Medi­en­schaf­fen­de, Jour­na­lis­ten gar, 2 befin­den sich plötz­lich in der Situa­ti­on, dass ihr Medi­um kol­lek­tiv abge­watscht und für schei­ße befun­den wird. Ja, „Will­kom­men im Club“, kann ich da nur sagen, denn als Blog­ger pas­siert einem das regel­mä­ßig.

Nur sind die meis­ten Blog­ger Ama­teur­pia­nis­ten auf der media­len Kla­via­tur, wes­we­gen wir immer noch stän­dig in Recht­fer­ti­gungs­ge­stam­mel ver­fal­len. Fern­seh­ma­cher hin­ge­gen soll­ten Pro­fis sein – und ent­spre­chend reagie­ren. Das heißt, sie stel­len sich ent­we­der selbst­be­wusst hin und sagen: „Ja, kann schon sein, dass wie hier Mist machen. Aber die Leu­te mögen es und auch wir kön­nen noch jeden Tag in den Spie­gel gucken, lasst uns doch den Spaß“, 3 oder sie glau­ben an den Anspruch ihres Pro­gramms und haben ein trot­zi­ges „Aber wir machen doch gar kei­nen Mist!“ nicht nötig. Über­haupt hät­te mal jeman­dem dem Herrn Lite­ra­tur­kri­ti­ker ent­ge­gen­hal­ten kön­nen, dass es ja nicht nur Bücher von Tho­mas Mann und Ber­tolt Brecht gibt, son­dern auch wel­che von Uta Danella und Ken Fol­lett.

WDR-Inten­dan­tin Moni­ka Piel will sich jetzt dafür ein­set­zen, dass in der ARD Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen ver­mehrt zur Prime­time gesen­det wer­den. Es ist wie im (mut­maß­lich sehr schlech­ten, von mir nach der Betrai­le­rung unge­se­hen) Film „Free Rai­ner“, wo Arte plötz­lich Mör­der-Ein­schalt­quo­ten hat. 4 Ich bin mir ziem­lich sicher, dass ich das nicht will. Ich will kein „Faust II“ nach der „Tages­schau“, ich will nur, dass das nor­ma­le Pro­gramm ein biss­chen weni­ger lieb­los und Zuschau­er­ver­ach­tend ist. Wenn ich mich mit Lite­ra­tur befas­sen will, höre ich mir Ger­ma­nis­tik­vor­le­sun­gen an. 5

Unter­hal­tungs­sen­dun­gen müs­sen kein Bil­dungs­fern­se­hen sein, 6 aber man kann auch gute Unter­hal­tung machen. Gera­de des­halb ist der Preis für „Deutsch­land sucht den Super­star“ ein Skan­dal, weil es eine lieb­lo­se, hand­werk­lich allen­falls soli­de Show ist, die sich über ihre eige­nen Haupt­fi­gu­ren lus­tig macht. Wie gute Unter­hal­tung funk­tio­niert, haben „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ und „Das per­fek­te (Promi-)Dinner“ bewie­sen, bei denen Bild- und Ton­schnitt, Musik­aus­wahl und Kom­men­tar ein stim­mi­ges Gesamt­bild erge­ben.

Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger hat bei Rein­hold Beck­mann 7 gesagt, man kön­ne auch nicht ins Fuß­ball­sta­di­on zu Her­tha gehen und dann fra­gen, war­um die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker nicht da sei­en. Aber wenn ich ins Fuß­ball­sta­di­on gehe, erwar­te ich, dass da Fuß­ball gespielt wird. Und nicht, dass Mario Gomez am Ball vor­bei tritt, oder Borus­sia Mön­chen­glad­bach einen 0:1‑Rückstand zu ver­wal­ten ver­sucht. Eine Fern­seh­preis­ver­lei­hung soll­te, wenn schon kei­ne Stern­stun­de des Fern­seh­jah­res, dann wenigs­tens nicht ihr Tief­punkt sein. Aber wie auf Kom­man­do erscheint beim Stich­wort „Tief­punkt“ eben Atze Schrö­der in Kapi­täns­uni­form auf der Büh­ne.

Bei der gan­zen Dis­kus­si­on wird mal wie­der ein Medi­um mit sei­nen Inhal­ten ver­wech­selt. Je län­ger ich über Mar­shall McLuhans berühm­ten Aus­spruch nach­den­ke, wonach das Medi­um die Bot­schaft sei, des­to abwe­gi­ger fin­de ich ihn. Goe­the soll „Wand­rers Nacht­lied (Ein Glei­ches)“ in die Wand einer Holz­hüt­te auf dem Kickel­hahn geritzt haben – und zwei­fel­los hat es doch einen höhe­ren kul­tu­rel­len Wert als so ziem­li­che jedes ande­re Graf­fi­to, das in Deutsch­land in den letz­ten 250 Jah­ren eine Bret­ter­wand geziert hat.

Das Sym­bol­bild ist von Walt Jab­s­co und wird hier unter CC-Lizenz ver­wen­det.

  1. Heu­te Abend werden’s dann aber wie­der 82 Mil­lio­nen Fuß­ball­trai­ner, ver­spro­chen![]
  2. Und das schrei­be ich ohne Gän­se­füß­chen und Iro­nie.[]
  3. Was bizar­rer­wei­se nah dran ist an dem, was aus­ge­rech­net Mar­co Schreyl am Sams­tag getan hat.[]
  4. Und des­sen Start vor elf Mona­ten schon ein­mal eine Mini-Qua­li­täts­dis­kus­si­on durchs Dorf getrie­ben hat­te.[]
  5. Und Sie kön­nen das via Pod­cast sogar auch.[]
  6. Es wäre schlimm, wenn’s so wäre.[]
  7. Oh, die­se Geschich­te ist so vol­ler Iro­nie, man hät­te es sich nicht aus­den­ken kön­nen![]
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Kultur

Wünsch Dir was

Ich bin ja immer ganz ent­zückt, wenn ich schö­ne Din­ge fin­de. Irgend­wie klar, ich bin ja auch ne Frau. Was aber nicht hei­ßen soll, dass Män­ner nicht ent­zückt sein müs­sen von schö­nen Din­gen. Die sagen dann halt, cool oder ähhh knor­ke, ne, ham­mer­geil dazu ;)

Jeden­falls, hab ich ges­tern mal ein wenig rum­ge­stö­bert und bei vimeo, dem sty­li­schen Äquvi­va­lent zu You­tube, ein sehr schö­nes Video gefun­den.

„What would you wish for, that should hap­pen by the end of today?“

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Fif­ty Peo­p­le, One Ques­ti­on: Res­to­red from Ben­ja­min Reece on Vimeo

Was wür­de man sich denn wün­schen, was pas­sie­ren soll­te bis zum Ende die­ses Tages?

Ich wür­de mir glaub ich einen Geschich­ten-Vor­le­ser wün­schen, oder einen Unter­richts­stun­den-Pla­ner, oder Welt­frie­den und äh Eis für alle!

Mehr von Ben­ja­min Reece

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Sport Kultur

Wer braucht schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid?

Es gibt ja so Sachen, die nimmt man sich immer mal wie­der vor, macht sie dann aber doch nie: zum Zahn­arzt gehen, recht­zei­tig Weih­nachts­ge­schen­ke kau­fen, „Spie­gel Online“ aus dem Feed­rea­der schmei­ßen. Ich habe mir seit eini­gen Jah­ren vor­ge­nom­men, end­lich mal zu „Scu­det­to“ zu gehen, einer in Bochum schon legen­dä­ren Ver­an­stal­tungs­rei­he in Sachen Fuß­ball­li­te­ra­tur.

Aus­ge­rich­tet wird sie von Ben Rede­lings, der nicht nur meh­re­re Bücher über Fuß­ball und das Leben als Fan geschrie­ben, son­dern auch drei Fil­me über den VfL Bochum gedreht hat. Seit eini­ger Zeit ver­fol­ge ich sein Scu­det­to­blog, in dem ich auch end­lich die Gele­gen­heit wit­ter­te, „Scu­det­to“ ein­mal live zu erle­ben.

Und obwohl ich im Moment eher ungern mit Fuß­ball beschäf­ti­ge, ging ich trotz­dem gespannt ins Bochu­mer Riff, wo mich „Far Away In Ame­ri­ca“ begrüß­te, das viel­leicht beknack­tes­te Stück Fuß­ball­mu­sik aller Zei­ten. Nach die­sem Duett mit Vil­la­ge Peo­p­le (!!!) und der desas­trö­sen WM 1994 hat sich die deut­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft anschlie­ßend nie wie­der an ein Mot­to­lied her­an­ge­wagt.

Dann ging’s los und es gab Ton­do­ku­men­te, Fotos, Vide­os (You­Tube und eige­ne, s.a. „Scu­det­to-TV“, jetzt auch bei „Spie­gel Online“), eige­ne Tex­te von Ben Rede­lings und Rezi­ta­tio­nen wie die des gran­dio­sen Peter-Neururer-Inter­views aus der „Zeit“. Also all das, was man „Fuß­ball­kul­tur“ nennt.

„Scu­det­to“ ist da wie „11 Freun­de“ oder „Zeig­lers wun­der­ba­re Welt des Fuß­balls“: von Fans für Fans, noch ganz nah an dem Fuß­ball mit Brat­wurst und Bier, weit weg von den VIP-Loun­ges – also ganz nah dran am VfL Bochum. Irgend­wie klar, dass das neue Buch, das Ben Rede­lings ges­tern vor­stell­te, „Fuß­ball ist nicht das wich­tigs­te im Leben. Es ist das Ein­zi­ge“ heißt.

Irgend­wann zwi­schen Lese-Tei­len und Vide­os gab es das (offen­sicht­lich tra­di­tio­nel­le) Fuß­bal­ler-Zita­te-Quiz, bei dem man Rede­lings‘ Fuß­ball-Zita­te-Buch gewin­nen konn­te (wer es ein­mal gewon­nen und aus­wen­dig gelernt hat, hat beim nächs­ten Mal bes­se­re Chan­cen) und bei dem ich gera­de mal andert­halb Ant­wor­ten gewusst hät­te. Ben Rede­lings‘ eige­ne Tex­te sind kurz­wei­lig, sehr gut beob­ach­tet und aus der Per­spek­ti­ve eines ech­ten Fans geschrie­ben. Dass sie nicht unbe­dingt auf Poin­ten hin­aus­lau­fen, lässt sie im auf Lacher aus­ge­rich­te­ten Live­vor­trag mit­un­ter ein biss­chen wie Angrif­fe von Mario Gomez wir­ken, macht sie aber kein Stück schlech­ter.

Der nächs­te „Scudetto“-Termin steht auch schon fest: am 16. Okto­ber, dann mit einem Gast, auf den das Wort „Legen­de“ noch zutrifft: Wil­li „Ente“ Lip­pens. Und am Abend drauf spielt der VfL Bochum gegen Borus­sia Mön­chen­glad­bach.

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Kunst im Alltag: Lokalredaktion Bochum „Überschriften“

Bochum ist mit dem gesam­ten Ruhr­ge­biet Teil der Kul­tur­haupt­stadt 2010. Eine klei­ne Grup­pe von Sprach­akro­ba­ten möch­te sich dar­an mit ihrem Lite­ra­tur­pro­jekt betei­li­gen, das sie „Über­schrif­ten“ nennt.

Ers­te Kost­pro­ben ihres Kön­nens wer­den der­zeit im Kunst­ma­ga­zin „WAZ (Lokal­teil Bochum)“ abge­druckt und sol­len auch hier ange­mes­sen gewür­digt wer­den:

Da gibt es infor­ma­ti­ve Kurz­pro­sa mit ver­stö­ren­den Satz­an­fän­gen, die nur wenig län­ger ist als ein Arti­kel in der Regio­nal­pres­se zum sel­ben The­ma:

Opel plant am Standort Bochum ab 2010 eine Kapazität bis zu 260 000 Wagen pro Jahr:
Aber England baut den neuen Astra-Caravan früher

Es gibt humo­ris­ti­sche Spie­le­rei­en mit Prä­po­si­tio­nen:

Polizisten im Einsatz am Bordell verletzt

Und es gibt (über der Metah­pern- und Ver­glei­che­rei­chen Par­odie auf das jour­na­lis­ti­sche Gen­re des Kom­men­tars) Klein­ode, die in der Tra­di­ti­on der japa­ni­schen Hai­kus ste­hen:

Jacke mit Luft

Hal­ten Sie die Augen offen für wei­te­re Arbei­ten des Künst­ler­kol­lek­tivs „Lokal­re­dak­ti­on Bochum“. Unvor­stell­bar, was pas­sie­ren wür­de, wenn die­se krea­ti­ven Köp­fe auch noch die Mög­lich­kei­ten des Inter­nets für sich ent­deck­ten!

[mehr Kunst im All­tag]

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Tagewerk

Klas­si­ker oder kei­ne Klas­si­ker? Spie­gel-Best­sel­ler­lis­te oder doch lie­ber im Buch­la­den stö­bern? Eigent­lich ganz egal – die Haupt­sa­che ist doch: Bücher sol­len Freu­de machen und einen auf irgend­ei­ne Wei­se berei­chern.

Des­halb hier mein Buch­tipp für den Som­mer!

„Alle Tage“ von Teré­zia Mora

Nun, der Titel ver­rät – eigent­lich gar nichts, es wirft eher mehr Fra­gen auf. Auch das Cover ist außer tau­ben­grau nicht wirk­lich hilf­reich. Nein. Man muss sich schon selbst auf Ent­de­ckungs­rei­se bege­ben um her­aus­zu­fin­den war­um „Alle Tage“ so heißt, wie es heißt.

Man braucht aber ein wenig Geduld damit, um sich an einen ganz wun­der­bar neu­en und fil­mi­schen Schreib­stil zu gewöh­nen. Kur­ze Sät­ze. Bil­der und Emo­tio­nen pras­seln auf den Leser nie­der. Ver­wir­rend, mäan­dern­de Pas­sa­gen, selt­sa­me Geschich­ten und merk­wür­di­ge Men­schen kreu­zen den Weg. Ein klein wenig David Lynch hier und da. Aber man wird belohnt, belohnt mit einem Gefühl von Zufrie­den­heit. Man hät­te es schon viel frü­her lesen sol­len. Wirk­lich!

Es gab in mei­ner bis­he­ri­gen Leser­kar­rie­re kein Buch das einen schö­ne­ren und melo­di­sche­ren Anfang hat­te als die­ses, kön­nen Bücher melo­di­sche Anfän­ge über­haupt haben? Well… lest hier und urteilt selbst:

„Nen­nen wir die Zeit jetzt, nen­nen wir den Ort hier. Beschrei­ben wir bei­des wie folgt…“

Der Prot­ago­nist mit dem melo­di­schen Namen Abel Nema wird eines Tages, in einem Hin­ter­hof in einer Stadt die im Osten des Lan­des steht, tot auf­ge­fun­den. Nicht nur tot, son­dern kopf­über hän­gend von einem Gelän­der, ein wenig Fle­der­maus-like. Geüb­te Kri­mi­na­lis­ten oder sol­che die Kri­mis eher im Fern­sehn ver­fol­gen oder auch lesen, fra­gen sich natür­lich gleich. Wer wars? Und war­um? Und wie?

Nun, geklärt wird alles. Es ist aber mit­nich­ten ein Kri­mi im her­kömm­li­chen Sin­ne. Es ist über­haupt kein Kri­mi. Denn es gibt kei­nen Ermitt­ler oder einen Mord aus Lei­den­schaft oder graue Mafio­si oder Hin­ter­män­ner. Nein.

Der Ermitt­ler, nen­nen wir ihn Ent­de­cker von Abels Welt, ist der Leser selbst.

Man ent­deckt also die­sen Abel Nema und auch das er ein Genie ist. Er stammt aus dem Osten der Welt, aller­dings kann nicht mehr zurück, denn dort herrscht Krieg. Er lernt Spra­chen wie ande­re das Lau­fen, am Ende sind es zehn. Er fin­det eine Frau mit Namen Mer­ce­des und begibt sich mit ihr in eine Schein­ehe. Sein ein­zi­ger Freund ist Omar, Mer­ce­des‘ Sohn.

Doch Abel Nema fin­det kei­ne Ruhe, denn die Sehn­sucht ist immer stär­ker als er, sie lässt ihn nicht los und bringt ihn immer wei­ter weg und wie­der zurück. Bis es zu Ende ist. Auf sei­nem Weg begeg­net er vie­len Men­schen und man­che keh­ren immer mal wie­der zurück. Doch was man immer spürt, ist die Ein­sam­keit die Abel Nema ver­spürt, ob er gera­de in Beglei­tung ist oder in einem Zug sitzt, oder in einem Park.

Doch das soll jetzt nicht nach Depres­si­on klin­gen oder nach Dau­er­me­lan­cho­lie. Nein. Es ist eher eine Geschich­te die dem Leser eine Welt, jen­seits unse­rer zeigt, die es gibt und in der Geschich­ten wie Abels pas­sie­ren kön­nen. Bücher, die einem einen Mensch beschrei­ben, der so ganz ander ist als die Prot­ago­nis­ten, die wir toll fin­den. Es ist eher der Anti-Prot­ago­nist, den man gern hat und man weiß nicht so genau war­um.

Noch schnell was zur Autorin: Teré­zia Mora, ist in Ungarn gebo­ren und stu­dier­te Hun­ga­ro­lo­gie und Thea­ter­wis­sen­schaf­ten in Ber­lin. Arbei­tet heu­te als Schrift­stel­le­rin und Dra­ma­ti­ke­rin.

Noch schnell was zum Buch: Mit 10 Ören ist man dabei. Gibt es im Han­del, seit kur­zem auch auf Eng­lisch – dort heißt es „Day in Day out“. Und natür­lich als Hör­buch für ein paar mehr Öre.

Was war euer schöns­ter Buch­an­fang? Kennt ihr das Buch schon?  Habt ihr Buch­tipps? Immer her damit!

Auf wie­der­le­sen, eure Nischen-Anni­ka! Schö­nen Som­mer =)

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Literatur Kultur

Nischenkultur

Nischen. Klin­gen so nach Eck­sitz­bank im Rei­hen­haus, oder?

In Nischen fin­den sich jedoch aller­hand Sachen wie­der, ver­ges­se­ne Cent Stü­cke, wich­ti­ge Zet­tel auf denen noch wich­ti­ge­re Din­ge notiert sind, Keks-Krü­mel oder die letz­ten Pani­ni-ein­kle­be-Bil­der der WM. Doch Nischen kön­nen auch wah­re Fund­gru­ben sein.

Nun, genau für die­se Fund­gru­ben wur­de ich gefragt, zu schrei­ben. Ich soll was über Kunst, Kul­tur und Lite­ra­tur schrei­ben, die man so im Netz oder auf der Stras­se oder beim stö­bern im Regal fin­det.

Also sowas wie ein Fund­gru­ben­spür­hund oder so?

Nun, mit der Kunst und der Kul­tur ist das ja so eine Sache. Was der eine mag, fin­det der ande­re dane­ben, und umge­kehrt. In der Kunst ist das meis­te näm­lich alles Inter­pre­ta­ti­ons­sa­che.

Well, um es dem Leser und auch mir ein wenig ein­fa­cher zu machen, fan­gen wir ein­fach am Anfang an – und am Anfang der Kunst war der Gedan­ke – die Inspi­ra­ti­on. Das ist sozu­sa­gen das wich­tigs­te für krea­ti­ve Pro­zes­se im All­ge­mei­nen und das ent­ste­hen von Kunst über­haupt!

Inspi­ra­ti­on lässt sich „Künst­ler-sei-Dank“ in vie­len Berei­chen fin­den, eigent­lich unter jedem Stein wenn man so will. Sei es das Graf­fi­ti an der Haus­wand gegen­über, alte Kind­heits­hel­den oder eben doch Künst­ler über die man irgend­wo gestol­pert ist.

Eine Künst­le­rin über die ich die­ses Jahr gestol­pert bin, hat ihre gan­ze eige­ne Art Inspi­ra­ti­on zu wecken. In meh­re­ren, wirk­lich bezau­bern­den Bücher, auf ihre­re Web­site oder auch dem Bild­por­tal Flickr hält sie ihre Kunst fest. Sie heißt – Keri Smith.

Die kana­di­sche Künst­le­rin hat ihre Anfän­ge als Illus­tra­to­rin gesam­melt und arbei­tet heu­te für vie­le renom­mier­te Ver­la­ge und Agen­tu­ren. Vor allem aber arbei­tet Sie als akti­ve Künst­le­rin. Sie selbst, bezeich­net sich als Gue­ril­la Artist.

Was Keri Smith so beson­ders macht, ist ihr Ver­ständ­nis von Kunst und die Art und Wei­se mit der sie nicht nur ihre Kunst­wer­ke her­stellt, son­dern auch Kunst zugäng­lich für ande­re macht und anregt selbst krea­tiv zu sein! Do Art!

Des­halb ist ihr Buch/​Journal „Wreck This Jour­nal“ ein klei­nes Geschenk an jeden, der mit Büchern alles das anstel­len möch­te, was es mög­lichst krea­tiv kaputt macht. Es ist gar nicht so ein­fach die Auf­ga­ben zu erfül­len, weil das Buch fast zu scha­de ist um es zu zer­stö­ren – aber genau das ist der Punkt!

So schön wie jetzt sieht es bald nicht mehr aus. Nach dem man Löcher durch die Sei­ten gebohrt hat, eine Sei­te beer­digt, die Sti­cker von Früch­ten dar­in gesam­melt, mit Essens­res­ten drin rum­ge­saut und mit dem Buch geduscht hat – wird es wohl dop­pelt so groß sein und nicht mehr so schön im Regal aus­se­hen.

Ist nicht schlimm, ist ja alles für die Kunst und für die Inspi­ra­ti­on sel­ber noch mehr sol­che Sachen zu erfin­den.

Wreck This Journal (Foto: Annika Krüger) Wreck This Journal (Foto: Annika Krüger)

Soviel zur ers­ten erkun­de­ten Nische. Auf Wie­der­le­sen, Ihr Fund­gru­ben­spür­hund!!!

Keri Smith – Wreck This Jour­nal
Pen­gu­in Books
12,95 $ (ca. 7 €)

www.wreckthisjournal.com