„RP Online“ macht alles richtig

Von Lukas Heinser, 23. Oktober 2008 12:49

Es ist wohl eine etwas kompliziertere Geschichte, das mit dem Transfer von René Adler vom VfB Leipzig zu Bayer Leverkusen, den vereinbarten Zusatzzahlungen und der anschließenden Pleite des VfB. Jetzt wurde aber wohl entschieden, dass Bayer Leverkusen keine Nachzahlungen mehr an den VfB Leipzig leisten muss.

So weit haben das wohl auch die Redakteure der „Rheinischen Post“ bzw. von „RP Online“ verstanden, die gleich zwei Artikel mit dem Satz

Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen kommt wohl um Nachzahlungen in Millionenhöhe für Nationaltorwart Rene Adler herum.

beginnen lassen.

Etwas merkwürdig sind allerdings die Überschriften, die die beiden (ansonsten wortgleichen) Artikel zieren:

Bayer 04 Leverkusen: Rene Adler kostet Bayer noch mehr

Nachtrag, 24. Oktober: Nachdem sich „RP Online“ bis Mitternacht auch von vier Leserkommentaren zur Überschrift nicht zu einer Überarbeitung derselben hatte bewegen lassen, wurden beide Texte heute Morgen überarbeitet:

Keine Nachzahlungen für Adler

Reisverdächtig

Von Lukas Heinser, 20. Oktober 2008 16:02

„RP Online“ hat das coming out1 der Fernsehmoderatorin Dunja Hayali zum Anlass genommen, eine neuneinhalbzeilige Meldung zum Thema und eine 12-teilige Bildergalerie mit den üblichen Schwuppen und Lesben rauszuhauen (man kennt das ja).

Einer der Leser kommentierte das wie folgt:

Reissack-Umfall-Zähler. Dieser wäre weitaus interessanter als solche Meldungen. Kann als Ticker auf Ihrer Startseite installiert werden. Gerne auch unterteilt nach Reisorten.....

Ich bin sicher, in der Redaktion wird bereits fieberhaft an einer Umsetzung gearbeitet.

  1. Verzeihen Sie mir hier diese Sick-igkeit, aber es heißt „coming out“. Geoutet wird man von anderen und nicht von sich selbst! []

Heinsern für Anfänger

Von Lukas Heinser, 17. Oktober 2008 13:33

Ich hab keinen Bock mehr!

Hier ist ein Artikel von „RP Online“, in dem ein paar eigenwillige Schreibweisen und Produktnamen versteckt sind. Mögliche Verweise auf Achtjährige verbieten sich aus Respekt vor eben diesen.

Machen Sie selbst was damit, mir hat’s mein Arzt verboten!

Spaß mit MS Paint

Von Lukas Heinser, 16. Oktober 2008 17:44

Und noch schnell eine Personalmeldung vor Feierabend: „RP Online“ hat einen neuen Creative Director.

Madonna Ex-Männer und - Frauen

Er heißt Fritzchen Müller, ist acht Jahre alt, und hat bis gestern beim aufstrebenden Mediendienst turi2.de gearbeitet.

Aus Anlass seines Weggangs zeigt Coffee And TV noch einmal seine schönsten Arbeiten der letzten Wochen:

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Merkwürdige Grafik bei turi2.de

Hinweis: Bei den gezeigten Grafiken handelt es sich um Original-Screenshots der jeweiligen Seiten. Wirklich.

Nachtrag, 17. Oktober: Fritzchen Müllers Karriere bei „RP Online“ scheint schon wieder beendet. Seine aufwändige Fotomontage wurde ersetzt, die Überschrift behutsam an die deutsche Sprache angepasst:

Madonna: Ihr bewegtes Liebesleben

PR Online

Von Lukas Heinser, 16. Oktober 2008 13:45

Preisfrage: Was ist das?

Eine Flasche Bier

a) Eine Flasche Bier.
b) Ein Werbefoto von Bitburger.
c) Ein Teil einer Bildergalerie bei „RP Online“.
d) Wichtiger redaktioneller Inhalt.

Machen wir’s kurz: So wie es aussieht, sind alle vier Antworten richtig.

Die Brauerei Bitburger hat eine neue Flasche auf den Markt gebracht, die laut Pressemitteilung durch „stilvolles und modernes Design“ überzeugt. Und offenbar überzeugte sie zumindest Christian Kurth, der für das Wirtschaftsressort bei „RP Online“ einen Artikel darüber schrieb.

Nun kann man sagen, die Einführung einer neuen Bierflasche habe einen gewissen Nachrichtenwert — und über neue Automodelle würde ja auch ständig berichtet.

Schon fraglicher ist, warum man dieser Meldung eine fünfteilige Bildergalerie anhängen muss, die nicht nur die Flasche in mehreren Positionen zeigt, sondern auch offensichtliche Werbeszenarien:

Junge, hübsche Menschen trinken Bitburger.

Junge, hübsche Menschen trinken noch mehr Bitburger.

Weil man sich für solche Fotos nur schwer Bildunterschriften ausdenken kann, wurde einfach der Artikel-Text absatzweise reinkopiert. So kann der Leser Sätze wie

Selbstzweifel kamen auf. Zu viel getrunken? Nein, das ist erst die zweite Flasche. Aber was ist es dann? Ein Produktionsfehler? Schnell im Kasten nachgeschaut. Tatsächlich – alle Flaschen sind gleich, alle Flaschen haben diesen Knick. Was hat sich die Brauerei Bitburger nur dabei gedacht, die klassische NRW-Flasche zu verändern?

gleich zwei Mal lesen. (Aber das kennen wir ja schon.)

Auf die Spitze getrieben wird der redaktionelle Inhalt durch die kleine Infobox „Die Brauerei“, die unter dem Artikel verlinkt ist:

Die Brauerei: Die Bitburger Brauerei, 1817 in der Südeifel gegründet, zählt zu den bedeutendsten Premium-Brauereien Deutschlands. Mit über 4 Millionen Hektolitern ist Bitburger eine der größten nationalen Pilsmarken. Herausragend ist ihre Position in der Gastronomie, wo Bitburger Premium Pils mit seinem fassfrischen Geschmack seit Jahrzehnten die Spitzenposition einnimmt. Bitburger ist das meistgezapfte Pils an deutschen Theken. Deutschlandweit führen über 43.000 Gastronomieobjekte Bitburger Premium Pils.

Wie Sie vermutlich schon den Formulierungen „Premium-Brauerei“ und „fassfrischer Geschmack“ entnehmen konnten, handelt es sich dabei um einen Pressetext der Bitburger-Brauerei, den „RP Online“ weiterverbreitet.

Franziska Bluhm, die stellvertretende Chefredakteurin von „RP Online“, schrieb mir auf Anfrage:

[E]s handelt sich bei dem Text weder um Werbung, Promotion oder einen anderen als Anzeigen zu kennzeichnenden Inhalt. Ein Erlebnis im Supermarkt und das Erscheinen der Pressemitteilung haben unseren Redakteur veranlasst, eine Geschichte dazu zu schreiben.

Eine Pressemitteilung von September, offenbar.

Nachtrag, 13:54 Uhr: Obwohl das ja alles total in Ordnung war, hat „RP Online“ den Info-Kasten dann doch noch ein bisschen verändert:

Die Brauerei: Die Bitburger Brauerei, 1817 in der Südeifel gegründet, zählt zu den bedeutendsten Premium-Brauereien Deutschlands. Mit mehr als vier Millionen Hektolitern ist Bitburger eine der größten nationalen Pilsmarken.

Emfohlen

Von Lukas Heinser, 9. Oktober 2008 12:07

Setzen Sie sich erst mal!

Atmen Sie tief durch.

Nehmen Sie einen Rotstift und umkringeln Sie das heutige Datum auf ihrem Kalender.

Ich muss Ihnen nämlich jetzt eine Klickstrecke empfehlen. Bei „RP Online“.

Ich glaube, es ist das erste Mal in der Geschichte von „RP Online“, dass eine Bildergalerie mit einem Namen versehen wurde. Insofern will ich Thomas Grulke ganz direkt loben für etwas, das eigentlich eine onlinejournalistische Selbstverständlichkeit sein sollte — aber für „RP Online“ gelten ja spezielle Regeln.

Herr Grulke hat alle Trainer von Borussia Mönchengladbach von 1964 bis heute zusammengestellt und dabei nicht nur auf doofe, nichtssagende Fotos gesetzt, wie es in seinem Hause sonst üblich ist.

Das Ergebnis erinnert viel mehr an ein Autoquartett: Foto, Dauer der Amtszeit, Bundesligaspiele mit Borussia, Punkteschnitt und Erfolge sind bei jedem extra aufgeführt. Zwar wären die Daten in einer Tabelle besser vergleichbar, aber irgendwie erscheint mir auch das Konzept „Bildergalerie“ in diesem Fall angemessen.

Gut, es tut ein bisschen weh, sich noch einmal an die Tage mit Hannes Bongartz, Ewald Lienen oder Dick Advocaat erinnern zu müssen und viele der Namen (Trainer von 1964-1987: drei, Trainer von 1987 bis heute: fünfzehn) hatte ich als Fan nicht ohne Grund verdrängt, aber was soll’s.

Eine Antwort auf die Frage, was bei der Borussia eigentlich falsch läuft, bietet die Klickstrecke zwar auch nicht, aber immerhin kann man noch einmal in Erinnerungen an gute und noch schlechtere Zeiten schwelgen:

„Die Trainer-Galerie von Borussia Mönchengladbach“ bei „RP Online“

Tartanlandebahn

Von Lukas Heinser, 3. Oktober 2008 18:33

Im Panorama-Ressort von „RP Online“ findet sich zur Zeit folgende aktuelle Nachricht:

Teure Unachtsamkeit am Flughafen: Mann lässt sich 253.000 Euro klauen. Kloten (RPO). Einem Mann aus Deutschland ist am Donnerstag auf dem Flughafen Zürich eine Umhängetasche mit Sachwerten und Bargeld im Gesamtwert von mehr als 253.000 Euro gestohlen worden. Der 60-Jährige hatte nach Angaben der Polizei gegen 18.30 Uhr im Terminal 2 eingecheckt. Dabei wurde ihm die auf einem Gepäckkarren liegende Tasche gestohlen. Diese enthielt einen Laptop, Dokumente und Bargeld, nämlich 333.000 Dollar in 100-er Scheinen und 18.000 Euro in 500-er Scheinen.

Dabei soll uns jetzt mal egal sein, dass „RP Online“ eine Meldung der Nachrichtenagentur AP als eigenen Text („RPO“) ausgibt — das ist bei Deutschlands führendem Lokalzeitungsportal ja durchaus normal.

Merkwürdig ist vielmehr das Foto, mit dem der Artikel bebildert ist und mit dem er auch angeteasert wird:

Das Letzigrund-Stadion in Zürich

Ich bin mir sicher, auch Sie haben sich den Züricher Flughafen irgendwie anders vorgestellt.

Aber das ist ja gar nicht der Flughafen! Es ist das erste Foto einer sechsteiligen … richtig: Bildergalerie, in der die Stadt Zürich vorgestellt wird — anlässlich der Fußball-Europameisterschaft vor vier Monaten.

Serie EM-Städte: Bilder aus Zürich

Nachtrag, 22:33 Uhr: Und – zack! – war das Symbolbild weg:

Kein Symbolbild

Tierisch lyrisch

Von Lukas Heinser, 24. September 2008 12:35

Am Montag wurde in Johannesburg das Maskottchen der Fußball-WM 2010 vorgestellt. Es handelt sich dabei wahlweise um einen „grünen“, „handzahmen“ oder „wohlig bekifften“ Leoparden namens „Zakumi“. Laut welt.de trägt er „Dreadlocks“, laut „RP Online“ eine Perücke.

Das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit, die sich „RP Online“ gönnt, denn natürlich hieß das Maskottchen der Fußball-WM 2006 nicht, wie von Deutschlands führendem Regionalzeitungswebportal behauptet, „Goleo IV“, sondern „Goleo VI“ — die Großbuchstaben hinter dem Namen sind römische Zahlen und stehen, wenn man sich richtig sortiert, für die Zahl 6, die im WM-Jahr 2006 an exponierter Stelle auftauchte.

Aber kommen wir zu dem, wofür „RP Online“ zurecht internationales Ansehen genießt, kommen wir zur Bildergalerie.

Sollten Sie sich je gefragt haben, woher diese albernen Texte stammen, die unter jedem Foto zu finden sind: die stammen aus dem dazugehörigen Text.

Der Name „Zakumi“ setze sich aus dem Kürzel „ZA“ für Südafrika und dem Wort „kumi“ zusammen, das in mehreren afrikanischen Sprachen „10“ bedeutee.

Der Name „Zakumi“ setze sich aus dem Kürzel „ZA“ für Südafrika und dem Wort „kumi“ zusammen, das in mehreren afrikanischen Sprachen „10“ bedeutee.

Mit seinem grünen Outfit, das zum Rasen passen soll, zeige Zakumi, dass er ein echter Fußball-Fan ist, hieß es in einer Mitteilung der Fifa.

Mit seinem grünen Outfit, das zum Rasen passen soll, zeige Zakumi, dass er ein echter Fußball-Fan ist, hieß es in einer Mitteilung der Fifa.

Zakumi ist seit dem Ur-WM-Maskottchen „Willie“, einem Löwen der WM 1966 in England, das zwölfte seiner Art.

Zakumi ist seit dem Ur-WM-Maskottchen „Willie“, einem Löwen der WM 1966 in England, das zwölfte seiner Art.

Tiere sind ohnehin ein beliebtes Vorbild der Designer. 1994 in den USA zottelte „Striker“, ein Hund mit US-Trikot, durch die Arenen, vier Jahre später in Frankreich war es Hahn „Footix“, der für gute Laune sorgen sollte. Obst und Gemüse haben es übrigens auch schon zweimal zum Maskottchen geschafft: Naranjito, eine Orange, war das Symbol der WM 1982 in Spanien, die Chilischote „Pique“ repräsentierte 1986 Mexiko.

Tiere sind ohnehin ein beliebtes Vorbild der Designer. 1994 in den USA zottelte „Striker“, ein Hund mit US-Trikot, durch die Arenen, vier Jahre später in Frankreich war es Hahn „Footix“, der für gute Laune sorgen sollte. Obst und Gemüse haben es übrigens auch schon zweimal zum Maskottchen geschafft: Naranjito, eine Orange, war das Symbol der WM 1982 in Spanien, die Chilischote „Pique“ repräsentierte 1986 Mexiko.

Nun sagen Sie: „Ist doch nett, dass man uns Willie, Striker, Footix und die anderen noch mal vorstellt. Weiß doch keiner mehr, wie die aussahen.“

Da sage ich: „Ja, nett. Aber dafür müssen Sie schon diese Bildergalerie von welt.de oder diesen Artikel von laola1.at (bei dem alle Maskottchen auf einer Seite gezeigt werden) aufsuchen.“

Bei „RP Online“ ist in der Bildergalerie nämlich auf jedem einzelnen Bild Zakumi zu sehen.

The Playboy Mention

Von Lukas Heinser, 12. September 2008 17:13

Mal was ganz anderes: Welchen Nachrichtenwert hat es eigentlich, wenn sich eine leidlich bekannte Blondine für ein Herrenmagazin auszieht und ein bisschen über sich plaudert?

Schöne Referendarin aus ARD-Hit "Die Stein": Ivonne Schönherr entblättert sich
(„RP Online“)

 Sexy Schauspielerin: Ivonne mag es verführerisch
(Express.de)

TV-Star Ivonne Schönherr im Playboy: "Beim Sex brauche ich Gefühl"
(Bild.de)

Bildergalerie: Ivonne Schönherr - Die Schauspielerin zieht sich für den Playboy aus
(welt.de)

"Eigentlich bin ich total schüchtern" MÜNCHEN – Ivonne Schönherr lässt die Hüllen fallen. Die Schauspielerin mit dem Schlafzimmerblick räkelt sich für den Playboy.
(blick.ch)

Im Oktober: TV-Star Ivonne Schönherr als sexy Playboy-Girl
(oe24.at)

Sexy Referendarin: "Die Stein"-Star Ivonne Schönherr im Playboy Oktober 2008
(de.msn.com)

Ivonne Schönherr im Playboy
(freenet.de)

Gute Gründe, über das Thema zu berichten, hat auch Bunte.de – immerhin erscheint der „Playboy“ im gleichen Verlag:

Ivonne Schönherr stand nicht so auf Mathe & Physik

Ebenfalls zu Hubert Burda Media gehört „Focus Online“. Auf deren Seite gibt es gleich mehrere Links zu playboy.de: einmal als Anzeige …

Anzeige: Playboy - Alles, was Männern Spaß macht. Special - Das Playmate des Monates. Playboy-Abo - Jetzt ein Geschenk sichern.

… und einmal als „Surftipp im Web“:

Surftipp im Web: Mehr schöne Frauen: Hier geht es zum Playboy

Die Fragen, wo die Unterschiede zwischen den beiden Links lägen und ob das keine unzulässige Vermengung von Werbung und redaktionellem Inhalt sei, konnte man mir bei „Focus Online“ auf die Schnelle nicht beantworten.

Auf die Spitze getrieben wird die Crosspromotion innerhalb des Unternehmens allerdings von diesem Artikel bei cinema.de, den ich hier der Einfachheit halber mal in voller Länge, sowie inklusive aller Links und Bilder wiedergeben möchte:

Playboy: Ein Model in der Sauna. Die Schwäbin Alena Gerber arbeitet als Model in München. Abgelichtet wurde sie als Wiesn-Playmate im Wellness-Bereich eines Hotels in Südtirol. Die 19-Jährige wurde vor Jahren beim Einkaufen von einem Model-Scout angesprochen - wohl nicht zuletzt wegen ihrer Traummaße von 91-60-89. Sie mag schnelle Autos und Sushi und verreist gerne mit dem Motorrad. Mehr über das Playmate erfahren Sie hier. Auf dem Titel ist die Schauspielerin Ivonne Schönherr zu sehen.

Tower Records

Von Lukas Heinser, 11. September 2008 16:46

Preisfrage: Was ist das?

a) Ein Plattencover von Wilco.
b) Ein Foto der Marina City in Chicago, IL.
c) Ein Teil einer Bildergalerie bei „RP Online“.
d) Irgendwas mit Elfter September.

Sie brauchen gar nicht lange zu grübeln oder jemanden anrufen: Alle vier Antworten sind richtig.

Aus gegebenem kalendarischen Anlass haben sich „Rheinische Post“ und „RP Online“ des Themas „Popmusik seit dem 11. September“ angenommen. Autor Sebastian Peters beginnt bei Enyas Katastrophenbegleitmusik „Only Time“, erwähnt Songs („Let’s Roll“ von Neil Young) und Alben („The Rising“ von Bruce Springsteen), die unter den Eindrücken der Terroranschläge entstanden sind, und führt dann aus, dass der Pop politischer geworden sei:

Die linke Popkultur von Radiohead bis zu den Dixie Chicks wiederum holte zum Rundumschlag gegen Präsident Bush aus. Und neuerdings üben sich Stars von Kid Rock bis Madonna im Plädoyer für Obama und gegen die Republikaner. Ohne Zweifel ist Popmusik in Amerika nach dem 11. September politischer geworden.

Nun passen Radiohead und „Popmusik in Amerika“ nicht unbedingt sooo gut zusammen — noch weniger verständlich ist allerdings, wann sich Kid Rock „für Obama“ ausgesprochen haben soll. Das letzte, was der Prollrocker zum Thema Politik gesagt hat, war eigentlich die Aufforderung, dass Prominente im Bezug auf Wahlempfehlungen die Klappe halten sollten.

Peters schreibt über Pop, der „seit dem 11. September auch in Deutschland wieder politisch aufgeladen“sei, und belegt das wie folgt:

Auch die Sportfreunde Stiller sind Stellvertreter dieser x-ten „Neuen Deutschen Welle“. Ihr Lied „54, 74, 90, 2006“ sagt laut Ja zur Heimat, Solche Positionen waren zuvor exklusiv dem Schlager vorbehalten, plötzlich landen sie in der Pop-Mitte.

Jene Sportfreunde Stiller, die im Jahr 2000 eine Single namens „Heimatlied“ veröffentlicht haben?

Noch merkwürdiger als der Text ist aber – immerhin reden wir hier von „RP Online“ – die dazugehörige Bildergalerie, in der acht Plattencover abgebildet und notdürftig mit Titel und Interpret versehen sind (und das manchmal auch noch fehlerhaft).

Dort findet man:

  • den Sampler „America: A Tribute To Heroes“
  • Bruce Springsteens „The Rising“
  • „Are You Passionate?“ von Neil Young
  • „Riot Act“ von Pearl Jam (vermutlich wegen des Songs „Bu$hleaguer“)
  • „Gold“ von Ryan Adams (vermutlich, weil das Video zur Single „New York, New York“ am 7. September 2001 gedreht wurde und das noch intakte World Trade Center zeigt)
  • den Sampler „Love Songs From New York“ (keine Ahnung, was das sein soll, Google kennt’s nicht)
  • „Kid A“ von Radiohead
  • das oben gezeigte „Yankee Hotel Foxtrot“ von Wilco.

Zu möglichen Parallelen von „Kid A“ und den Ereignissen vom 11. September gibt es eine recht spannende Abhandlung von Chuck Klosterman in seinem Buch „Killing Yourself To Live“, aber das wird kaum der Grund sein, weshalb dieses, im Oktober 2000 erschienene Album in der Bildergalerie auftaucht. Immerhin werden Radiohead ja im Text erwähnt, ganz anders als Wilco.

Für deren Auftauchen suche ich noch nach der richtigen Erklärung:

a) Weil „Yankee Hotel Foxtrot“ ursprünglich am 11. September 2001 veröffentlicht werden sollte, was sich wegen eines Labelwechsels aber bis April 2002 verzögerte.
b) Weil sich auf dem Album ein Song namens „Ashes Of American Flags“ befindet, der sich aber (s. das geplante Veröffentlichungsdatum) nicht auf den 11. September bezieht.
c) Weil das Cover die Zwillingstürme eines Hochhauses zeigt, das – im Gegensatz zum World Trade Center – auch heute noch steht.
d) Wieso Erklärung? Da steht’s doch: „RP Online“.

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