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Musik

Das Gegenteil von Stadion

Ver­gan­ge­ne Woche hat das sehr emp­feh­lens­wer­te Inter­net­mu­sik­ma­ga­zin getaddicted.org im min­des­tens eben­so emp­feh­lens­wer­ten Frei­beu­ter einen Akus­tik-Cover-Abend ver­an­stal­tet. Es spiel­ten und san­gen Nicho­las Mül­ler von Jupi­ter Jones, die mir bis­her unbe­kann­te Band Ten­go Hambre Pero No Ten­go Dine­ro und mein Kum­pel Tom­my Fin­ke, der Laden war voll und die Stim­mung hehr.

Tommy Finke im Freibeuter

Die Aus­wahl der geco­ver­ten Songs war min­des­tens eklek­tisch zu nen­nen und beinhal­te­te Leo­nard Cohens „Hal­le­lu­jah“ eben­so wie „Can You Feel The Love Tonight“ von Elton John, Ingrid Micha­el­sons „Be Ok“ eben­so wie „With Or Wit­hout You“ von U2.

War­um erzäh­le ich Ihnen das alles? Die net­ten Men­schen von getaddicted.org haben ange­fan­gen, Vide­os von dem Abend online zu stel­len. Und so kön­nen Sie jetzt noch ein­mal mit­er­le­ben, wie Nicho­las Mül­ler „Tims­hel“ von Mum­ford & Sons singt, oder Tom­my Fin­ke mit „Won­der­wall“ (Ori­gi­nal­in­ter­pret bekannt) den gan­zen Laden zum Mit­sin­gen bringt.

Mein per­sön­li­ches High­light aber … Ach, sehen Sie selbst!

(Weil die Vide­os auto­ma­tisch star­ten, hab ich sie hier nicht ein­ge­baut.)

Das dürf­te ja wohl eine der cle­vers­ten Riff-Ampu­ta­tio­nen in einem Cover­song seit Cat Powers „Satis­fac­tion“ sein!

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Musik Digital

Auswärtsspiel: oslog.tv

Stat­ler & Wal­dorf, Abbott & Cos­tel­lo, Simon & Gar­fun­kel – die Lis­te glor­rei­cher Duos ist lang.

Und damit zu etwas völ­lig Ande­rem: In knapp zwei Wochen fin­det in Oslo der Euro­vi­si­on Song Con­test statt. Auf den Schul­tern von Lena Mey­er-Land­rut las­tet eine höhe­re Erwar­tungs­hal­tung als auf denen von Jogi Löw, denn es geht dar­um, nach 28 Jah­ren end­lich wie­der Welt­meis­ter Papst Meis­ter­sän­ger zu wer­den.

Aus Grün­den, die uns selbst nicht ganz klar sind und die wir noch nicht ein­mal mit „Alko­hol“ ange­ben kön­nen, fah­ren Ste­fan Nig­ge­mei­er und ich nach Oslo, um uns den gan­zen Irr­sinn aus der Nähe anzu­schau­en und klei­ne Fil­me dar­über ins Inter­net zu stel­len.

Die Pilot­fol­ge sehen Sie hier:

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Alles wei­te­re fin­den Sie dann auf oslog.tv.

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Rundfunk

Putting Dinslaken on the map (once more)

Stop the press!

Obwohl das The­ma „Wet­ter“ im Moment nicht gera­de zu den erfreu­lichs­ten zählt, gibt es sen­sa­tio­nel­le Nach­rich­ten von der Water­kant Wet­ter­kar­te:

Nie­mands­land ver­schwun­den

Dins­la­ken. Vie­le grö­ße­re Städ­te, schimpf­ten Bür­ger in Zuschrif­ten an die Stadt, sei­en auf der Wet­ter­kar­te des WDR in der „Lokal­zeit Duis­burg“ abge­bil­det, nur Dins­la­ken nicht. Ein kri­ti­scher Bewoh­ner erklär­te, ein Kon­takt in die­ser Sache mit dem WDR sei erfolg­los geblie­ben. Das ließ die städ­ti­sche Pres­se­stel­le nicht ruhen. Eine Mail und ein Tele­fon­ge­spräch, viel­leicht auch die kol­le­gia­len Kon­tak­te zu Stu­dio­lei­ter Klaus Beck, führ­ten zum Ziel. Auf der regio­na­len Wet­ter­kar­te des Lokal­zeit ist Dins­la­ken jetzt gut leser­lich ver­tre­ten.

Soweit die Pres­se­stel­le der Stadt.

Wetterkarte der Lokalzeit "Duisburg"

Die Pres­se­stel­le des West­deut­schen Rund­funks woll­te die­ses Groß­ereig­nis indes nicht mit einer eige­nen Ver­laut­ba­rung wür­di­gen.

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Musik

It’s in my honey, it’s in my milk.

The National - High Violet (Albumcover)

Eigent­lich woll­te ich kei­nes­falls so begin­nen, um nicht spä­ter der Strin­genz und Logik mei­ner Erzäh­lung und der damit ver­bun­de­nen Zeit­leis­te wegen in die Pflicht genom­men zu wer­den, aber: Mein ers­tes Kon­zert der Band The Natio­nal war, wenn ich recht erin­ne­re, am 1. Dezem­ber 2005. Ihr drit­tes Album „Alli­ga­tor“ war gera­de im Mai erschie­nen. Der ein­zi­ge Grund, war­um ich es besaß, war der, dass ich eigent­lich nach der dama­li­gen im Nach­hin­ein betrach­tet über­aus drö­gen Plat­te von Grand Natio­nal Aus­schau gehal­ten hat­te und mich aber an den Namen der Band nicht mehr so ganz rich­tig erin­nern konn­te. Ein hal­bes Jahr spä­ter erklär­te man „Alli­ga­tor“ und den Vor­gän­ger „Sad Songs For Dir­ty Lovers“ in meh­re­ren Voll­ver­samm­lun­gen mei­ner dama­li­gen Peer Group zum Bes­ten, was man jemals gehört hat­te.

Ich war gera­de im Okto­ber nach Ber­lin umge­zo­gen, wo mei­ne ein­zi­ge Außer-Haus-Beschäf­ti­gung für zwei Mona­te dar­in bestand, aus einem Call-Cen­ter dem gesamt­deut­schen Bran­chen­buch teu­re Dru­cker und Kopie­rer auf­zu­nö­ti­gen (wofür ich mich sicher­lich der­einst vor irgend­ei­ner mora­li­schen Höchst­in­stanz zu recht­fer­ti­gen haben wer­de). In mei­nem etwas unter­kühl­ten Zwi­schen- bzw. Unter­miet­ver­hält­nis beschäf­tig­te ich mich indes man­gels sozia­ler Kon­tak­te aus­schließ­lich mit dem Hören von Feists „Let It Die“ (wegen des über­ra­schend zur Gesamt­si­tua­ti­on pas­sen­den Titel­tracks) und den bei­den oben erwähn­ten Alben von The Natio­nal. Nach eini­ger Zeit konn­te ich alles fast so gut aus­wen­dig wie eini­ge älte­re Semes­ter alle Dia­lo­ge der ori­gi­na­len Star-Wars-Tri­lo­gie her­un­ter zu beten imstan­de sind. Das half natür­lich mei­ner rea­len Lebens­si­tua­ti­on nur bedingt und wür­de ver­mut­lich auch kei­nen Stu­di­en­platz aus dem blau­en Him­mel auf mich her­nie­der fal­len las­sen, und so muss­te ich doch irgend­wann, allen Stol­zes beraubt und mit eini­ger­ma­ßen tief hän­gen­dem Kopf, den vor­zei­ti­gen Rück­zug antre­ten und in mei­ne Hei­mat­stadt zurück­ge­kro­chen kom­men. Nach einem halb gefüll­ten Kon­zert im Ber­li­ner Magnet-Club, das eine erstaun­lich wohl­tu­en­de und unauf­re­gen­de Wir­kung hat­te, schlief ich drei Stun­den und mach­te mich am am Mor­gen des 2. Dezem­ber 2005 allei­ne mit einem viel zu klei­nen Miet­wa­gen auf den Weg. Dank mei­ner über­stürz­ten Pack­tech­nik, auf­grund derer alle mei­ne CDs am hin­te­ren unte­ren Ende des Wagens unter Büchern und einem Regal ein­ge­klemmt waren, war ich gezwun­gen, die gesam­te Fahrt über etwa neun Mal The Natio­nals am Vor­abend erstan­de­nes selbst­be­ti­tel­tes Debut-Album durch­lau­fen zu las­sen.

Mitt­ler­wei­le ist das natür­lich alles ver­ges­sen und die schlech­ten Erfah­run­gen voll­kom­men obso­let. Was ich aber damit sagen möch­te: So etwas schweißt einen natür­lich unwi­der­bring­lich an so eine Band. Des­we­gen wer­de ich nicht ein­mal ver­su­chen, Objek­ti­ves über „High Vio­let“, das soeben erschie­ne­ne fünf­te Album der Band, abzu­ge­ben. Bit­te ver­zei­hen Sie mir!

Im Gro­ßen und Gan­zen ver­läuft das Hören der knapp 50 Minu­ten genau­so wie immer, wenn man gro­ße Angst hat, dass dies nun end­lich die­se Sell-Out-Ent­täu­schung ist, auf die man immer gewar­tet hat: Man zwingt sich, über­mä­ßig kri­tisch an das Gan­ze her­an­zu­ge­hen und hört natür­lich an jeder Ecke Din­ge, die es so vor­her nicht gab und mit denen sich zunächst ange­freun­det wer­den muss, und erwischt sich dann doch dabei, auf eine mit­tel­mä­ßig schi­zo­phre­ne Art eine Ver­tei­di­gungs­hal­tung ein­zu­neh­men. Unter­halt­sam ist das mög­li­cher­wei­se für den ima­gi­nä­ren Beob­ach­ter. Die Wahr­heit ist: Gei­gen, Posau­nen, Trom­pe­ten und Kla­vier kann­te man bereits aus dem 2007 erschie­ne­nen „Boxer“, und obwohl dies durch­aus Instru­men­te sind, die auf­grund von über­mä­ßi­ger Ver­wen­dung einen Kitsch-Effekt aus­lö­sen kön­nen, der sei­nes­glei­chen sucht, war vor­her schon klar, dass sich hier nichts davon übel in den Vor­der­grund spie­len wür­de. Weil das nun­mal ein­fach nicht so The Natio­nals Art ist, über­haupt einen Vor­der­grund zu haben. Viel­mehr prä­sen­tiert sich einem hier ein ver­schwom­me­nes Bild aus ver­schie­dens­ten Melo­dien, die im Zusam­men­spiel einen Tep­pich erge­ben. Viel mehr als Akkord­wech­sel kön­nen dann gar nicht mehr ver­nom­men wer­den, allen­falls ruft das schnör­kel­freie, repe­ti­ti­ve Schlag­zeug Unter­bre­chun­gen und Akzen­tu­ie­run­gen her­vor. Wenn das mal nicht ein Ide­al­ziel in einer Band mit zuwei­len drei Gitar­ren sein soll­te: Über wei­tes­te Stre­cken selbst­lo­se Song­dien­lich­keit, frei von breit­bei­ni­gem Muckertum und Sport­gi­tar­ren­so­los.

Was aber außer­ge­wöhn­lich ist: Vie­les ist hier plötz­lich hei­ter oder sogar lus­tig. Irgend­wo habe ich neu­lich gele­sen, dass der Sän­ger der Band, Matt Ber­nin­ger, mit einem per­ma­nen­ten Mar­ker das Wort „Hap­pi­ness“ an eine Wand in sei­ner Woh­nung geschrie­ben haben soll, da der Plan war, ein fröh­li­ches Album auf­zu­neh­men. Das ist nun musi­ka­lisch gründ­lich in die Hose gegan­gen, und auch an Text­zei­len wie „Sor­row found me when I was young. Sor­row wai­ted, sor­row won.“ ist so wahn­sin­nig viel rhei­ni­scher Witz nicht zu sehen. Den­noch gibt es wie auch in die­ser Zei­le Punk­te, an denen augen­schein­lich eine iro­ni­sche Bre­chung vor­ge­nom­men wer­den muss­te, weil man die gan­ze Trau­er sonst ein­fach nicht aus­ge­hal­ten hät­te. Der Song „Lemon­world“ sagt im Refrain „You and your sis­ter live in a lemon­world, I want to sit in and die.“ und wer hier unbe­dingt an das plum­pe, boden­lo­se Selbst­mit­leid glau­ben will, dem sei das erlaubt. Weil man sol­che Augen­schein­lich­keit nicht von The Natio­nal gewöhnt ist, darf schät­zungs­wei­se auch davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass hier ein Prot­ago­nist genug hat vom stän­di­gen Ver­ar­bei­ten und sich auch ger­ne ein wenig dar­über lus­tig machen möch­te. In „Con­ver­sa­ti­on 16“, einem Song, den Ber­nin­ger auf dem Kon­zert letz­ten Sams­tag im Ber­li­ner ‚Huxley’s‘ mit den Wor­ten „This is a love song. About can­ni­ba­lism.“ ankün­dig­te, heißt es: „I was afraid that I’d eat your brains cau­se I’m evil“. Trau­er setzt ja nun doch eini­ges an Ernst vor­aus. Was jedoch an die­ser Zei­le ernst­zu­neh­men ist, kann ich mir beim bes­ten Wil­len nicht anma­ßen zu behaup­ten.

Letzt­lich sprie­ßen die­se Songs ja dann doch ten­den­zi­ell vor „Es wird wieder!“-Schulterklopfern, und wann hat man denn so eine simp­le Bot­schaft zuletzt in Pop­mu­sik gut gefun­den? Abge­se­hen davon, dass mir die­se Grup­pe nun sowie­so nichts mehr ver­gäl­len kann, nach­dem auch die fünf­te Plat­te sich als etwas her­aus­ge­stellt hat, das ich inner­halb von drei Tagen locker 15 Mal ohne jede Lan­ge­wei­le oder Lust auf etwas ande­res durch­hö­ren kann, ist zumin­dest eine objek­ti­ve Erkennt­nis, die ich Ihnen anbie­ten kann, die eben erkann­te: Es wird wie­der! Wenn der Ber­nin­ger das schafft, dann schaf­fen wir das auch. Ob es natür­lich gesund ist oder gut für mein ander­wei­ti­ges musi­ka­li­sches Inter­es­se, dass ich seit dem Erschei­nen von High Vio­let viel­leicht zwei ande­re Bands gehört habe, steht jetzt natür­lich nicht auf die­sem Blatt. Dar­über reden wir dann in ein paar Mona­ten!

Zum Abschied gibt es hier übri­gens noch das aktu­el­le Video der Aus­kopp­lung „Blood­buzz Ohio“ zu sehen. Viel­leicht lachen wir ja auch ein Biss­chen.

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The Natio­nal – „Blood­buzz Ohio“ (offi­ci­al video) from The Natio­nal on Vimeo.

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Sport Musik

Fähnchen im Wind

Eines der bes­ten Alben des ver­gan­ge­nen Jah­res ist ganz klar „Trou­ba­dour“ von K’na­an. Die­ses phä­no­me­na­le Hip-Hop-Album des gebür­ti­gen Soma­liers hat es hier im Blog auf kei­ne Lis­te geschafft, weil ich es (wie üblich) zu spät ent­deckt habe – sei­ne Taug­lich­keit als Reno­vie­rungs- und Umzugs­sound­track hat es im Janu­ar dann aber voll unter Beweis gestellt.

Zu den bes­ten Songs des Albums zählt die­ser hier, „Wavin‘ Flag“:

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Als ich hör­te, dass „Wavin‘ Flag“ die Hym­ne der Fuß­ball-WM wer­den soll, dach­te ich: „Geil. End­lich mal nicht so ein auf­ge­drück­ter Mist wie Ana­sta­cia (2002) oder so ein halb­ga­res Amal­gam wie bei Her­bert Grö­ne­mey­er (2006), son­dern ein jun­ger, auf­stre­ben­der Künst­ler mit einer Bot­schaft!“, und ich sah die Men­schen schon in den Stra­ßen ihre Fah­nen schwen­ken.

Nun ja: „Wavin‘ Flag“ ist der Wer­be­song eines Limo­na­den­her­stel­lers, der weder mit Afri­ka noch mit Fuß­ball son­der­lich viel am Hut hat, aber lang­jäh­ri­ger Part­ner des Fuß­ball­welt­ver­bands FIFA ist. Der Song bekam ein, zwei Make­overs ver­passt, bis zum Bei­spiel das hier pas­sier­te:

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Aus dem Text wur­den die aller­meis­ten Ver­wei­se auf Armut, Hun­ger und Krieg getilgt, jetzt wird nur noch lus­tig gefei­ert – das Span­nungs­feld, das den Song mal aus­ge­macht hat, ist kaputt, dafür gibt es Nach­schub für die Sta­di­on-Mit­gr­öl-Chö­re. Das alles ist immer noch okay und bes­ser als die Bei­trä­ge von Ana­sta­cia und – bei allem Respekt – Her­bert Grö­ne­mey­er, nur irgend­wie ist es auch ziem­lich weich­ge­spült, um auch ja in jedem Win­kel der Welt gut rüber­zu­kom­men.

Wesent­lich span­nen­der ist da das Mix­tape „The Mes­sen­gers“, das K’na­an gemein­sam mit J.Period zusam­men­ge­stellt hat: Nach­ein­an­der wer­den Fela Kuti, Bob Mar­ley und Bob Dylan gewür­digt, was – vor allem bei Dylan, der auf den ers­ten Blick nicht so ganz in die musi­ka­li­sche Linie pas­sen will – groß­ar­tig funk­tio­niert.

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Sport

Eine neue Liga ist wie ein neues Leben

Das war nicht schön, am Sams­tag in der Stamm­knei­pe zu ste­hen und den VfL Bochum mit hän­gen­den Fah­nen unter­ge­hen zu sehen. Als Fan von Borus­sia Mön­chen­glad­bach ist man zwar Kum­mer gewohnt (und nach dem 1:6 in Han­no­ver, das die Bochu­mer in die unglück­li­che Aus­gangs­la­ge vor dem letz­ten Spiel­tag brach­te, auch nicht frei von schlech­tem Gewis­sen), aber die­ses kampf- und lieb­lo­se Geki­cke da tat schon weh.

Noch wäh­rend sich die Stadt von die­sem Tief­schlag zu erho­len ver­such­te (was bei die­sem grau­en Wet­ter noch ein wenig län­ger dau­ert), hat Frank Goo­sen, Kaba­ret­tist, Schrift­stel­ler und treu­er VfL-Fan eine Brand­re­de … äh: geschrie­ben, die „Der Wes­ten“ ges­tern ver­öf­fent­licht hat.

Es ist eine bit­te­re Abrech­nung, die den Tau­sen­den Fans aus der See­le spre­chen dürf­te, die immer zu ihrem Ver­ein gehal­ten haben, nur um irgend­wann fest­zu­stel­len, dass ihr Ver­ein eini­ge struk­tu­rel­le Pro­ble­me hat:

Die­ser Ver­ein ist mitt­ler­wei­le durch­sup­pt von einem Ges­tus der Mit­tel­mä­ßig­keit, einer Hal­tung, die kein Ziel, kei­ne Visi­on kennt, nur Lan­ge­wei­le. Wer ein­mal das Glück hat­te, den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den auf einer Sai­son­ab­schluss­fei­er spre­chen zu hören, weiß, wo das her­kommt: Nicht der VfL Wolfs­burg sei deut­scher Meis­ter gewor­den, hieß es da, son­dern VW. Auf dem zwei­ten Platz sei­en Alli­anz und Tele­kom gelan­det. Und so wei­ter. So rich­tet man sich in einer Opfer­rol­le ein, die im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes un-sport­lich ist. Kein Rhön­rad­fah­rer kann sei­nen Sport mit die­sem Habi­tus betrei­ben

Trotz all der (sicher­lich berech­tig­ten) Vor­hal­tun­gen ist Goo­sens Text nicht durch­weg nega­tiv. Er zeigt sogar neue Mög­lich­kei­ten auf:

Wie gesagt, der Ver­ein braucht eine Iden­ti­tät und eine Idee von sich selbst. Er braucht auf allen Ebe­nen Per­so­nal, das die­se Idee ver­kör­pert und dafür kämpft. Wir wol­len wie­der Lust auf unse­ren Ver­ein haben. Wenn es dafür nötig ist, ihn umzu­bau­en, soll­ten wir sofort damit anfan­gen

Für mich klingt das, als habe da jemand sei­nen Hut in den Ring gewor­fen.

„Gebt uns unse­ren Ver­ein zurück“ bei „Der Wes­ten“

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Hä? (2)

Hans Ley­en­de­cker hat für die gest­ri­ge Aus­ga­be der „Süd­deut­schen Zei­tung“ ein gro­ßes Por­trät über die Men­schen im Viel­völ­ker­bun­des­land Nord­rhein-West­fa­len geschrie­ben – natür­lich vor dem Hin­ter­grund der heu­ti­gen Land­tags­wahl:

In den Rau-Wahl­kämp­fen kleb­ten die Sozi­al­de­mo­kra­ten Pla­ka­te mit dem Spruch „Wir in Nord­rhein-West­fa­len und unser Minis­ter­prä­si­dent“. Rau gelang es, die Iden­ti­fi­ka­ti­on der Bür­ger mit dem künst­lich zustan­de gekom­me­nen Land zu stei­gern. Im Land­tags­wahl­kampf 2010 klebt die CDU Pla­ka­te mit dem Kon­ter­fei von Rütt­gers und dem Slo­gan „Wir in Nord­rhein-West­fa­len“. Manch­mal fin­det sich auch der Zusatz: „Unser Minis­ter­prä­si­dent“. Ledig­lich auf das „und“ hat die CDU bei der Kopie ver­zich­tet.

Das ist jetzt so ein Absatz, der für die meis­ten Men­schen, die nicht gera­de als Wahl­pla­ka­t­his­to­ri­ker arbei­ten, von eher min­de­rem Inter­es­se ist. Wen inter­es­siert schon, ob da jetzt ein „und“ mehr oder weni­ger auf dem Pla­kat ist?

Es wäre weit­ge­hend egal – wenn sueddeutsche.de die Onlin­ever­si­on des Arti­kels nicht aus­ge­rech­net mit die­sem Foto bebil­dert hät­te:

Wir in Nordrhein-Westfalen und unser Ministerpräsident

Mit Dank an Felix.

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Politik

Im Schatten der FDP wuchert das Unkraut

Im Schatten der FDP wuchert das Unkraut.

Mit gro­ßem Dank an Rita!

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Digital Gesellschaft

Neu-Trends – jetzt auch in München und im Internet

Wenn Kim­ber­ly Hop­pe nicht gera­de von Beer­di­gun­gen twit­tert, schreibt sie in der „Münch­ner Abend­zei­tung“ über Leu­te und in ihrem Blog über ihr Leben als „LEU­TE-Kolum­nis­tin“.

Das ist alles nicht schön, aber man muss schon dank­bar sein, dass Frau Hop­pe nur über Leu­te schreibt und nicht etwa über Zeit­geist-The­men. Nach­dem sie im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber das Wort „Vor­glü­hen“ für sich ent­deckt (und zum „Wort des Jah­res“ ernannt) hat­te, ist sie nun auf etwas völ­lig neu­es, außer­ge­wöhn­li­ches gesto­ßen:

“Was kann ich tun, um Idio­ten-Män­ner mit dep­per­ten Gefühls­schwan­kun­gen zu ver­ges­sen?”, fra­ge ich sie.

Ihre Ant­wort folgt zackig: “Komm mit in den E‑Garten und lass uns Flun­ky­ball spie­len!”

Watt???

Muss in der Mini-Mar­tin-Pha­se schreck­lichst geal­tert sein und jeg­li­che Neu-Trends ver­passt haben. Hil­fe!!

Was, bit­te, ist Flun­ky­ball!?

Da es schon wie­der um Alko­hol geht, drängt sich natür­lich die Fra­ge auf, ob das dies­be­züg­li­che Gefäl­le zwi­schen mei­ner nie­der­rhei­ni­schen Hei­mat und Mün­chen tat­säch­lich so groß ist. Viel­leicht bekommt, wer Weiß­bier trinkt, auch sonst nur wenig von der Welt mit.

Flunkyball (Symbolfoto)

Mei­ne ers­te Begeg­nung mit die­sem cra­zy … äh: „Neu-Trend“ liegt jeden­falls schon geschmei­di­ge vier Jah­re zurück und fand – wie es sich gehört – auf einem Dins­la­ke­ner Kirch­hof statt.

Freu­en Sie sich also schon jetzt dar­auf, wenn Kim­ber­ly Hop­pe, die Frau, die „Poly­lux“ jung aus­se­hen lässt, nächs­tes Jahr das „Kon­ter­bier“ ent­deckt.

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Digital

Hä? (1)

Es ist eine etwas umständ­li­che Bild­un­ter­schrift, die „Spie­gel Online“ da unter dem Foto des inzwi­schen pen­sio­nier­ten Kri­mi­nal­kom­mis­sars Josef Wilf­ling plat­ziert hat:

In seinem Büro in der Ettstraße kurz vor seinem letzten Arbeitstag: An der Pinnwand hingen jahrelang Autogrammkarten von Rudolph Moshammer und Walter Sedlymayr, die Wilfling kurz vor dieser Aufnahme abgehängt und in Kisten verstaut hat.

In sei­nem Büro in der Ett­stra­ße kurz vor sei­nem letz­ten Arbeits­tag: An der Pinn­wand hin­gen jah­re­lang Auto­gramm­kar­ten von Rudolph Mos­ham­mer und Wal­ter Sedly­mayr, die Wilf­ling kurz vor die­ser Auf­nah­me abge­hängt und in Kis­ten ver­staut hat.

Genau genom­men ist die Bild­un­ter­schrift nicht nur umständ­lich, son­dern auch falsch.

An der Pinn­wand im Hin­ter­grund pran­gen näm­lich an einer Stel­le, die „pro­mi­nent“ zu nen­nen sich vie­le Men­schen nicht scheu­en wür­den, zwei Auto­gramm­kar­ten:

Walter Sedlymayr und Rudolph Moshammer

Sie zei­gen zwei leicht erkenn­ba­re Cha­rak­ter­köp­fe: Wal­ter Sedly­mayr und Rudolph Mos­ham­mer.

Mit Dank an Vol­ker.

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Musik

Gesammelte Platten März 2010

This ent­ry is part 3 of 8 in the series Gesam­mel­te Plat­ten

An Hor­se – Rear­ran­ge Beds
Manch­mal ist man ja erstaunt, wie wenig es für gute Musik braucht: Mann, Frau, Schlag­zeug, Gitar­re – und den Ver­zicht auf Riffs, die betrun­ke­ne Fuß­ball­fans mit­grö­len könn­ten. Statt­des­sen Indie­rock, irgend­wo zwi­schen Tegan And Sara, Slea­ter-Kin­ney und den Yeah Yeah Yeahs. Gro­ße Ges­te und klu­ge Tex­te. Wer die Aus­tra­li­er im Vor­pro­gramm von Simon den Har­tog ver­passt hat (und das trotz mas­si­ver Bericht­erstat­tung), hat im Som­mer noch ein­mal Gele­gen­heit sich davon zu über­zeu­gen, dass die bei­den die­sen Sound auch live hin­be­kom­men. (LH, Rezen­si­ons­exem­plar)

Frigh­ten­ed Rab­bit – The Win­ter Of Mixed Drinks
Ich kann ja jetzt nicht jedes Mal schrei­ben, wie indie­mü­de ich bin. Zumal wenn da so eine Band vor­bei­kommt wie Frigh­ten­ed Rab­bit und durch die Woh­nung fegt wie ein Haus­mäd­chen auf Speed, die Fens­ter auf­reißt, die Bet­ten auf­schüt­telt und gene­rell den Früh­ling her­beit­anzt. Pas­send zum Album­ti­tel. Mir sind die Voka­beln aus­ge­gan­gen, aber „The Win­ter Of Mixed Drinks“ ist ziem­lich genau das Album, das die Shout Out Louds die­ses Jahr lei­der nicht gemacht haben: Alles natür­lich schon mal da gewe­sen, aber neu zusam­men­ge­setzt und in sei­ner Gesamt­heit uplif­ting as hell. (LH, Rezen­si­ons­exem­plar)

Peter Gabri­el – Scratch My Back
Wer wie ich „Scrubs“ liebt, der hat bestimmt auch wie ein Schloss­hund geheult, als nach der ach­ten Staf­fel erst­mal jeder dach­te, es ist jetzt wirk­lich zu Ende. Kein J.D. mehr, kein Turk, kein Jani­tor, der sich die phä­no­me­n­als­ten Din­ger aus­denkt. All der lie­bens­wer­te Schwach­sinn ist zu Ende. Aber ich schwei­fe ab.
Im Abspann bei „Scrubs“, als man sehen kann wie das Leben aller Prot­ago­nis­ten ver­läuft, lief der wohl schöns­te Song, den ich bis­her kann­te: „The Book Of Love“. Eigent­lich von den Magne­tic Fields, aber nur Peter Gabri­el singt ihn rich­tig, trifft die Töne da wo man beim Hören Gän­se­haut bekommt und hat die­se unbe­schreib­li­chen Gei­gen. Was soll man aber von Peter Gabri­el hal­ten, der auf ein­mal nur noch Cover auf eine Plat­te zusam­men bringt? Ich bin ehr­lich: Ich dach­te mir, dass es nix wird, und ich war skep­tisch und hab ver­sucht, mir nicht von den Gei­gen das Hirn weich-fideln zu las­sen. Hat nicht funk­tio­niert. Mit „Scrach My Back“ hat sich Peter Gabri­el was gutes aus­ge­dacht, die Cover sind alle mit Orches­ter neu inter­pre­tiert wor­den, viel­leicht ein wenig zu viel Gei­ge und Pathos. „Après Moi“ von Regi­na Spek­tor klingt sehr düs­ter. „Mir­ror­ball“ von Elbow darf man eigent­lich gar nicht ver­glei­chen und „Flu­me“ von Bon Iver ist was ganz ande­res. Die Songs wer­den – und das ist ja auch das schö­ne an Covern – in eine ande­re Rich­tung geschubst und man sieht man­che Songs von ande­ren Sei­ten und ent­deckt viel­leicht noch eine Nuan­ce mehr, an der man sich fest­lie­ben kann. So ging es mit „Mir­ror­ball“ und mit „My Body Is A Cage“.
Man darf gespannt sein, wie „I’ll Scratch Yours“ wird, das Album, auf dem die geco­ver­ten Künst­ler wie­der­um Peter Gabri­el covern. (AK)

Kash­mir – Tre­s­pas­sers
Ich wür­de mich manch­mal wirk­lich ger­ne bes­ser dar­an erin­nern kön­nen, wo ich bestimm­te Bands zum ers­ten Mal gehört hab. Da wär die Ein­lei­tungs-Anek­do­te ein wenig ein­fa­cher. Bei Kash­mir fal­len mir nur Rake­ten und Welt­raum­rei­sen an. Also ich bin jetzt kei­ne Astro­nau­tin und mit Rake­ten hab ich auch nichts am Hut, aber bei dem Titel und dem Ope­ner „Mouthful Of Wasps“ fühlt man sich irgend­wie wie auf einer Welt­raum­rei­se, jeden­falls in ande­ren Sphä­ren. „Still Boy“ pul­siert und „Dan­ger Bear“ kühlt das Getrie­be wie­der etwas run­ter. Album Num­mer sechs der Band aus Däne­mark ist sehr viel­sei­tig gewr­den. Gro­ße Melo­dien zusam­men mit Orches­ter, die ein­dring­li­che Stim­me von Kas­per Eis­trup, die­se berühm­te Kash­mir-esquen Gitar­ren­pas­sa­gen, Lie­der, die Geschich­ten sind, und Melo­dien, die über einem wie Wel­len zusam­men­bre­chen. Ja, viel­leicht sind Kash­mir ähn­lich wie das Meer. Weit und durch­ein­an­der, opu­lent, geräusch­voll, har­mo­nisch und chao­tisch. (AK, Rezen­si­ons­exem­plar)

Lau­ra Mar­ling – I Speak Becau­se I Can
Wenn man auf Play drückt, dann hört man am Anfang click-knis­ter-Geräu­sche und etwas, was ein wenig nach Wind klingt. Und dann sowas wie Syn­thie­or­geln – damals in der Schu­le lern­te ich, sowas zählt zu einer Kako­pho­nie. Ah ja. Dann setzt die Gitar­re ein und die Sitm­me von Lau­ra Mar­ling und der ers­te song „Devil Spo­ke“ zischt und trifft. Ab da ist die gan­ze Plat­te „I Speak Becau­se I Can“ der bri­ti­schen Singer/​Songwriterin einer der Ohren­schmäu­se des Monats März. Viel­elicht sogar des Jah­res. Apro­pos „Schmaus“: Wie mir mei­ne Mut­ter neu­lich bei­brach­te, ist „Schmau­en das neue Schmau­sen“. „Schmau­en“ bedeu­tet, dass man sich Zeit nimmt und genießt. Und das­sel­be kann man vor­treff­lich mit die­ser Plat­te machen. Play drü­cken und schmau­en. Es steckt, für eine 20 Jah­re jun­ge Frau, schon unglaub­lich viel in die­ser Lau­ra Mar­ling. Die Tex­te sind unglaub­lich wei­se. Die Melo­dien sind wahn­sin­nig voll mit Gefüh­len und die Stim­me von Lau­ra ist sehr klar und prä­sent. Sie will gehört wer­den, weil sie etwas zu sagen hat. „Stür­mi­scher Folk“ und, sagt der NME, ähn­lich wie Mum­ford & Sons. Ja, weil stür­misch ganz her­vor­ra­gend passt und Mum­ford & Sons ein ähli­ches Talent für Geschich­ten und Melo­dien besit­zen. Nein, weil Lau­ra Mar­ling mit ihrem Album „I Speak Becau­se I Can“ sich nicht ein­reiht, son­dern sehr gut auf eige­nen Bei­nen steht. (AK)

Lou Rho­des – One Good Thing
Unglaub­lich trau­rig muss die­se Lou Rho­des sein. Ihre bei­den Vor­gän­ger-Alben ken­ne ich nicht und viel­leicht ist das gar nicht so schlecht. Eine Stim­me, die sich zwi­schen Anna Tern­heim und Mar­tha Wain­w­right ste­cken lässt, eine fei­ne Gitar­re und Melo­dien, die Folk und Emo­tio­nen ein­fan­gen. Die Stim­me von Mrs. Rho­des ist sehr schön, wech­selt zwi­schen hoch und tief und besitzt die­ses leicht krat­zi­ge, bal­sa­mi­ge. Per­fekt für Melan­cho­lie. „One Good Thing“, das drit­te Album, besticht nicht mit Diver­si­tät, jedoch mit Emo­tio­nen. Die Songs mäan­dern inein­an­der und man hat hier die­sen 90er Jah­re Tech­no-Effekt – es hört sich alles gleich an. Den­noch: „The More I Run“ und „One Good Thing“ sind für mich die bei­den High­lights. Mit Sicher­heit hat es Lou Rho­des gut gemeint, hat ihr vol­les Herz­blut hin­ein­ge­steckt. Lei­der hal­te ich 11 trau­ri­ge Lie­der nicht so lan­ge durch. Ich mag Melan­cho­lie sehr ger­ne, in gesun­der Dosie­rung. Viel­leicht darf ich die Plat­te aber auch nicht so oft am Stück hören. (AK)

She & Him – Volu­me Two
Wie macht Sie das bloß? Manch­mal frag ich mich, wie man so viel Din­ge gleich­zei­tig machen kann. Jeden­falls fällt mir für die­se „Kri­tik“ nur posi­ti­ves ein. Zooey Descha­nel, ist ein­fach eine die­ser Super­frau­en, die ihre Sache gut machen. Nicht des Erfol­ges wegen, son­dern weil sie es ein­fach von Her­zen ger­ne Musik machen. Und das hört man auch. Das Zwei­te Album, das Frau Descha­nel mit Mr. M. Ward kom­po­niert hat, ist so eine „Lieb­lings­plat­te“ gewor­den. Die muss man ein­fach mögen, beim Hören hat man ein Lächeln auf den Lip­pen und es geht einem gut. Sie ist ein wenig fröh­li­cher als die ers­te Plat­te und auch ein wenig schnel­ler. Dies­mal hört man auch M. Ward öfter sin­gen. She & Him haben ihr Herz immer­noch am glei­chen Fleck, und auch der schnör­ke­li­ge Sound ist geblie­ben. Sie und Er sind eben bei­de Nost­al­gi­ker, ein wenig Fünz­i­ger-Jah­re-Kitsch und immer ist irgend­wo ein Pol­ka­dot. Wer also mit Schmun­zeln und guter Lau­ne durch die Welt lau­fen mag, dem sei „Volu­me 2“ ans Herz gelegt. (AK)

Mit­ar­beit an die­ser Aus­ga­be:
AK: Anni­ka Krü­ger
LH: Lukas Hein­ser

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Ein Denkmal für Heiko Herrlich

Hei­ko Herr­lich war der Größ­te. Zumin­dest war er einer der ganz Gro­ßen in der gol­de­nen Bun­des­li­ga-Sai­son 94/​95, als Borus­sia Mön­chen­glad­bach nahe­zu alles gelang. Mit Mar­tin Dah­lin bil­de­te er den effek­tivs­ten Sturm der Liga und wur­de am Ende Tor­schüt­zen­kö­nig. Beim DFB-Pokal­fi­na­le gegen den VfL Wolfs­burg schos­sen die über­ra­gen­den Män­ner der Sai­son die Tore: Dah­lin, Ste­fan Effen­berg und natür­lich Hei­ko Herr­lich. Es war die Krö­nung einer groß­ar­ti­gen Sai­son und für einen elf­jäh­ri­gen Jun­gen im Ber­li­ner Olym­pia­sta­di­on war klar, dass es der Auf­takt einer neu­en Ära für die Borus­sen sein wür­de. Wir wür­den um die Meis­ter­schaft mit­spie­len und ich wür­de spä­ter so von den Spie­lern spre­chen, wie es mein Paten­on­kel von Net­zer, Vogts, Heyn­ckes und Kleff tat.

Hei­ko Herr­lich war ein Ver­rä­ter. Das Pokal­fi­na­le war sein letz­tes Spiel für Glad­bach. Er woll­te weg, aus­ge­rech­net zur ande­ren Borus­sia, nach Dort­mund. Für einen Elf­jäh­ri­gen, der gera­de sei­ne ers­te Sai­son als Fan hin­ter sich gebracht hat­te, war es unvor­stell­bar, war­um man Mön­chen­glad­bach über­haupt ver­las­sen wol­len wür­de – geschwei­ge denn nach Dort­mund und unter die­sen Umstän­den. Dass sich Herr­lich und die Ver­eins­füh­rung vor Gericht wie­der tra­fen, sprach damals ein­deu­tig gegen den Spie­ler, der bestimmt eh nur auf Koh­le aus war. Dann ver­schwand er aus mei­nem Focus.

Als ich wie­der von ihm hör­te, war Hei­ko Herr­lich krank. Die ver­fick­te Arsch­loch­krank­heit Krebs. Am Tag nach­dem er kahl­köp­fig eine Pres­se­kon­fe­renz gege­ben hat­te, frag­te mich mei­ne Mut­ter, ob ich die Bil­der in der Zei­tung gese­hen hat­te. Ich hat­te Mit­leid mit Hei­ko Herr­lich und Respekt vor sei­nem Über­le­bens­wil­len. Men­schen­le­ben zäh­len dann eben doch viel, viel mehr als Fuß­ball.

Was wei­ter mit Hei­ko Herr­lich pas­sier­te, habe ich kaum mit­be­kom­men. Musik war wich­ti­ger gewor­den als Fuß­ball und dass Herr­lich sich im Trai­ning Nasen- und Joch­bein gebro­chen hat­te, erfuhr ich erst Jah­re spä­ter aus einer sehr berüh­ren­den SWR-Doku über den Spie­ler, der sich immer wie­der zurück­ge­kämpft hat­te, bis ihm nach vie­len Rück­schlä­gen die Moti­va­ti­on aus­ging und er statt­des­sen Trai­ner wur­de.

Im ver­gan­ge­nen Win­ter über­nahm Hei­ko Herr­lich den Trai­ner­pos­ten beim VfL Bochum und ich freu­te mich sogar ein biss­chen, dass ich wie­der mehr von ihm mit­be­kam. Die ers­ten Spie­le lie­fen her­vor­ra­gend, dann ging es berg­ab. Als ich vor zwei Wochen beim Spiel gegen den HSV im Sta­di­on war, wur­de der Name des Trai­ners bei der Mann­schafts­vor­stel­lung vor­sichts­hal­ber gar nicht erst auf­ge­ru­fen. Bochum kämpf­te, war aber abschluss­schwach, als stün­den Klo­se und Gomez im Sturm, und ver­lor letzt­lich unglück­lich mit 1:2. Noch nie zuvor hat­te ein Ver­ein, des­sent­we­gen ich im Sta­di­on war, ver­lo­ren.

Und dann letz­ten Mitt­woch die­se Pres­se­kon­fe­renz beim VfL: Hei­ko Herr­lich, wie­der eine Spur zu selbst­be­wusst und rea­li­täts­fern, teil­te in alle Rich­tun­gen aus. Und als der „Bild“-Reporter, der Herr­lich so kon­se­quent anduz­te, dass sich selbst Wal­di Hart­mann geschämt hät­te, dem Trai­ner Selbst­zwei­fel ein­re­den woll­te, leg­te Herr­lich los – nicht laut wie Gio­van­ni Tra­pat­to­ni oder Tho­mas Doll, son­dern ganz ruhig. Und jeder, der Eltern hat oder mal auf eine Schu­le gegan­gen ist, weiß: Das knallt viel mehr.

Hei­ko Herr­lich hat­te bei „Bild“ eh nichts mehr zu ver­lie­ren und griff die Zei­tung des­halb fron­tal an. Er erklär­te, war­um ihn „Bild“ sei­nes Erach­tens run­ter­schreibt (weil er nicht mit der Zei­tung reden woll­te, vgl. Jür­gen Klins­mann), er nahm gleich den nächs­ten Schritt vor­weg („Und ich weiß auch, dass es da viel­leicht ’nen Bume­rang gibt, ne?“) und er sag­te, er wer­de „auf­rich­tig“ blei­ben. Und dann ließ er noch so ganz neben­bei den Namen Gün­ter Wall­raff fal­len, was natür­lich wie­der so gar nicht zum Kli­schee des doo­fen Fuß­bal­lers pass­te.

Herr­lichs Nach­satz zum The­ma ist in Mar­mor zu mei­ßeln:

Und drü­cken Sie auf Auf­nah­me, dass ich’s mei­nen Kin­dern irgend­wann zei­gen kann: Euch gegen­über, Ihnen gegen­über bleib‘ ich auf­rich­tig. Die wer­den stolz sein auf mich, irgend­wann.

Es sind Momen­te wie die­se, in denen sonst die Musik anschwillt und in denen Men­schen auf Tische stei­gen und „Oh Käp­t’n, mein Käp­t’n“ skan­die­ren. Und es sind Momen­te, die bit­te, bit­te blei­ben sol­len, in Zei­ten, in denen Leu­te wie Miri­am Piel­hau oder Mat­thi­as Stei­ner in „Bild“ intims­te Momen­te nach Schick­sals­schlä­gen aus­brei­ten, und sich selbst Sibel Kekil­li, die vor sechs Jah­ren im Zen­trum einer „Bild“-Kampagne von his­to­ri­schem Aus­maß stand, mit dem Blatt ver­söhnt zu haben scheint.

Sport­lich sieht es nicht gut aus für Hei­ko Herr­lich (wofür man sich heu­te auch noch beim deut­schen Meis­ter VfL Wolfs­burg bedan­ken kann, der aus­ge­rech­net gegen den Bochu­mer Kel­ler­kon­kur­ren­ten SC Frei­burg ver­lie­ren muss­te), aber mensch­lich war sein Auf­tritt beein­dru­ckend. Hei­ko Herr­lich ist einer der Gro­ßen.