Eine neue Liga ist wie ein neues Leben

Von Lukas Heinser, 11. Mai 2010 14:57

Das war nicht schön, am Samstag in der Stammkneipe zu stehen und den VfL Bochum mit hängenden Fahnen untergehen zu sehen. Als Fan von Borussia Mönchengladbach ist man zwar Kummer gewohnt (und nach dem 1:6 in Hannover, das die Bochumer in die unglückliche Ausgangslage vor dem letzten Spieltag brachte, auch nicht frei von schlechtem Gewissen), aber dieses kampf- und lieblose Gekicke da tat schon weh.

Noch während sich die Stadt von diesem Tiefschlag zu erholen versuchte (was bei diesem grauen Wetter noch ein wenig länger dauert), hat Frank Goosen, Kabarettist, Schriftsteller und treuer VfL-Fan eine Brandrede … äh: geschrieben, die „Der Westen“ gestern veröffentlicht hat.

Es ist eine bittere Abrechnung, die den Tausenden Fans aus der Seele sprechen dürfte, die immer zu ihrem Verein gehalten haben, nur um irgendwann festzustellen, dass ihr Verein einige strukturelle Probleme hat:

Dieser Verein ist mittlerweile durchsuppt von einem Gestus der Mittelmäßigkeit, einer Haltung, die kein Ziel, keine Vision kennt, nur Langeweile. Wer einmal das Glück hatte, den Aufsichtsratsvorsitzenden auf einer Saisonabschlussfeier sprechen zu hören, weiß, wo das herkommt: Nicht der VfL Wolfsburg sei deutscher Meister geworden, hieß es da, sondern VW. Auf dem zweiten Platz seien Allianz und Telekom gelandet. Und so weiter. So richtet man sich in einer Opferrolle ein, die im wahrsten Sinne des Wortes un-sportlich ist. Kein Rhönradfahrer kann seinen Sport mit diesem Habitus betreiben

Trotz all der (sicherlich berechtigten) Vorhaltungen ist Goosens Text nicht durchweg negativ. Er zeigt sogar neue Möglichkeiten auf:

Wie gesagt, der Verein braucht eine Identität und eine Idee von sich selbst. Er braucht auf allen Ebenen Personal, das diese Idee verkörpert und dafür kämpft. Wir wollen wieder Lust auf unseren Verein haben. Wenn es dafür nötig ist, ihn umzubauen, sollten wir sofort damit anfangen

Für mich klingt das, als habe da jemand seinen Hut in den Ring geworfen.

„Gebt uns unseren Verein zurück“ bei „Der Westen“

6 Kommentare

  1. Alberto Green
    11. Mai 2010, 15:18

    Nicht der VfL Wolfsburg sei deutscher Meister geworden, hieß es da, sondern VW. Auf dem zweiten Platz seien Allianz und Telekom gelandet.

    Und die Deutsche Bahn fährt wieder zweite Klasse.

  2. Johannes
    11. Mai 2010, 19:47

    Wir könnten Ailton anbieten, wir tauschen gegen Sestak.

  3. Faouzi
    12. Mai 2010, 12:52

    Wäre wahrscheinlich nicht das Schlechteste, wenn er den Worten Taten folgen ließe.
    Dass die Ehe zwischen Kleinkunst und Fußball funktionieren kann, sieht Goosen ja an seinem Kumpel Hajo Sommers bei RWO (hier sieht man die beiden zusammen: http://www.11freunde.de/bundes.....m_ruhrpott).
    Der steht ein paar Kilometer weiter westlich für vieles von dem, was sich die Bochumer jetzt wünschen.

  4. Links anne Ruhr (13.05.2010) » Pottblog
    13. Mai 2010, 16:02

    […] Eine neue Liga ist wie ein neues Leben (Coffee And TV) – Lukas über das vorerst letzte Erstliga-Spiel des VfL Bochum und die daraufhin veröffentlichte Brandrede Gebt uns unseren Verein zurück von Frank Goosen. […]

  5. VfL-Fans: “Ernst und Altegoer raus” | Ruhrbarone
    14. Mai 2010, 8:40

    […] löste indes Spekulationen aus. Lukas von Coffee & TV interpretierte Goosens Text als dessen Bewerbung für das Präsidentenamt des VfL. Es scheint wieder spannend zu werden an der Castroper Straße […]

  6. jordgubbsglass
    19. Mai 2010, 17:49

    „Der steht ein paar Kilometer weiter westlich für vieles von dem, was sich die Bochumer jetzt wünschen.“

    Underdog-Attitüde vom Marketing-Reißbrett und Erfolgsfeindlichkeit, widergespiegelt durch mickrige Zuschauerzahlen und Sponsorenmangel?