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Die „Eichmannisierung“ der Akademiker

– Ein Gast­bei­trag von Dr. Mat­thi­as Bur­chardt im Rah­men des Bil­dungs­streiks 2010 –

Ich schä­me mich vor mei­nen Stu­die­ren­den. Ich schä­me mich, wenn ich Anwe­sen­heits­lis­ten her­um­ge­be, dann füh­le ich mich wie ein Block­wart. Ich schä­me mich, wenn ich ihnen die vie­len Leis­tun­gen des BA/­MA-Stu­di­ums auf­er­le­ge, die Port­fo­li­os, Pro­to­kol­le, Aus­ar­bei­tun­gen, weil ich genau weiß, dass ich sie nur ober­fläch­lich kor­ri­gie­ren kann, dass ich ihre Mühe und die kost­ba­ren Gedan­ken kaum wür­di­gen kann, im Andrang der unend­li­chen Doku­men­ta­ti­ons­auf­ga­ben. Ich wer­de wütend, wenn ich die vie­len begab­ten jun­gen Men­schen sehe, die durch die Modu­le gehetzt wer­den, so dass sie kei­ne Zeit haben, eine Sache, für die sie sich lei­den­schaft­lich inter­es­sie­ren, ver­tieft zu stu­die­ren. Die neu­en Stu­di­en­gän­ge sind ein Ver­bre­chen an die­ser Gene­ra­ti­on von Stu­die­ren­den, und im Grun­de weiß das jeder. Die wenigs­ten Abschlüs­se der über 10.000 neu­en Stu­di­en­gän­ge sind tat­säch­lich berufs­qua­li­fi­zie­rend. Sie bie­ten auch kei­nen Raum zur per­sön­li­chen Bil­dung oder Per­spek­ti­ven für gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung. Sie über­for­dern in der Quan­ti­tät und unter­for­dern in der Qua­li­tät, falls es so etwas noch geben soll­te, in Zei­ten, in denen Cre­dit Points zur Maß­ein­heit des Stu­di­en­erfolgs gewor­den sind. Was soll aus der „Gene­ra­ti­on Bolo­gna“ wer­den? Fle­xi­ble Pro­jekt­no­ma­den, Bil­dungs­pre­ka­ri­at in befris­te­ten Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen?

Ich schä­me mich für mich selbst und mei­ne Kol­le­gen, dass wir so will­fäh­rig bereit waren, alle Fach­an­sprü­che zu ver­leug­nen und gehor­sam, die­se bil­dungs­frei­en Stu­di­en­gän­ge zu erar­bei­ten – immer mit einem Blick auf die Akkre­di­tie­rungs­agen­tur, die wir noch dafür bezah­len muss­ten, dass sie uns in unse­rer Zustän­dig­keit und Exper­ti­se ent­mün­digt hat. Wie konn­ten wir Modul­hand­bü­cher schrei­ben, in denen der völ­lig unan­ge­mes­se­ne Kom­pe­tenz­be­griff aus allen Zei­len wucher­te? Wel­che jäm­mer­li­chen Sprach­ge­bil­de flos­sen aus unse­ren Federn, wo wir doch bis­lang immer so gro­ßen Wert, auf eine sach­an­ge­mes­sen Dik­ti­on gelegt hat­ten, wo wir die „Arbeit des Begriffs“ zu unserm Lebens­zweck machen woll­ten?

Jetzt pro­du­zier­ten wir ver­quas­te Angli­zis­men, um durch Eti­ket­ten­schwin­del zu ret­ten, was nicht mehr zu ret­ten war. So sehr wir uns ein­re­de­ten, in die­sen schlim­men Zei­ten, zumin­dest ein wenig der Fach­- und Bil­dungs­kul­tur zu ret­ten, konn­ten wir doch nicht ver­mei­den, zu tri­via­len Mit­läu­fern des Bolo­gna-­Re­gimes zu wer­den, zu Toten­grä­bern der Bil­dung. Ein Kol­le­ge sprach von der „Eich­man­ni­sie­rung“ der Aka­de­mi­ker. Ein dras­ti­scher Ver­gleich, dem man ent­schie­den wider­spre­chen muss, doch woher die Argu­men­te neh­men? Wie konn­ten wir die Ein­füh­rung der Hoch­schul­rä­te, die Eta­blie­rung von Top-Down-Struk­tu­ren, die öko­no­mis­ti­sche Trans­for­ma­ti­on der Hoch­schu­len zulas­sen? Jetzt heißt es Wett­be­werb, wenn den Ver­lie­rern eine Wurst hin­ge­hal­ten wird, nach der sie sich alle stre­cken, sofort bereit, alle Soli­da­ri­tät fah­ren zu las­sen, in der Hoff­nung als Sie­ger aus der Kri­se des Aka­de­mi­schen her­vor­zu­ge­hen. Über­le­bens­kämp­fe­rIn­nen, inne­re Emi­gran­ten­In­nen, Kri­sen­ge­winn­le­rIn­nen, Salon­re­vo­luz­ze­rIn­nen und natür­lich die­je­ni­gen, die im neu­en Ungeist ihre Bestim­mung ent­de­cken – die deut­sche Intel­li­genz fin­det vie­le Wege, an Bolo­gna zu schei­tern …

Es ist Zeit, dass wir unse­re Stim­me erhe­ben. Was wir jetzt preis­ge­ben, haben wir auf Jahr­zehn­te ver­lo­ren! Die „Köl­ner Erklä­rung“ ist ein Ver­such, den Dis­kurs über das Selbst­ver­ständ­nis der Uni­ver­si­tät anzu­sto­ßen. Über 1300 Unter­zeich­ner unter­stüt­zen das Anlie­gen einer Neu­be­sin­nung auf aka­de­mi­sche Bil­dung. Als Initia­tor geht es mir nicht dar­um, mei­ne eige­nen Vor­stel­lun­gen zu rea­li­sie­ren. Ich weiß, dass die Erklä­rung vor dem Hin­ter­grund einer huma­nis­ti­schen Her­kunft geschrie­ben ist, so dass Begrün­dungs­fi­gu­ren und sprach­li­che Wen­dun­gen mög­li­cher­wei­se anstö­ßig klin­gen in den Ohren von Ver­tre­te­rIn­nen einer ande­ren Tra­di­ti­ons­li­nie. Ich lade jedoch alle Mit­glie­der der Hoch­schu­len ein, sich in einer gemein­sa­men poli­ti­schen Rich­tung zusam­men­zu­fin­den. Damit wir über­haupt den pro­duk­ti­ven Streit der viel­fäl­ti­gen Theo­rien um Erkennt­nis und Bil­dung in sozia­ler Ver­ant­wor­tung füh­ren kön­nen, brau­chen wir einen Ort, der dies ermög­licht. Die­sen Ort müs­sen wir zurück­er­obern, indem wir Bolo­gna grund­sätz­lich als Irr­weg zurück­wei­sen!

Gegen Bolo­gna stim­men! http://www.bildungsstreik-­koeln.de/koelner‐erklaerung

Dr. Mat­thi­as Bur­chardt ist Aka­de­mi­scher Rat am Insti­tut für Bil­dungs­phi­lo­so­phie, Anthro­po­lo­gie und Päd­ago­gik der Lebens­span­ne der Human­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät zu Köln.

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Rundfunk

Lucki de Funès

„Hal­lo, West­deut­scher Rund­funk? Ja, Hein­ser hier. Könn­te ich mal bit­te Ihren Chef-Beleuch­ter spre­chen?“

(Bei Nicht­ver­ste­hen der Über­schrift bit­te hier ent­lang.)

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Fernsehen Rundfunk Leben

Im Fernsehen

Das sind mehr Rän­der als Augen, die ich da sehe. Es sind mei­ne Rän­der, da im Spie­gel, was mir an jedem ande­ren Tag reich­lich egal wäre, heu­te aber nicht. Heu­te bin ich in einer Fern­seh­sen­dung zu Gast und woll­te dabei ungern aus­se­hen wie Vat­ter Hein per­sön­lich.

Seit ich im Janu­ar „Chef“ vom BILD­blog gewor­den bin, kamen immer wie­der Inter­view-Anfra­gen von ver­schie­dens­ten Medi­en und wenn man sol­che Auf­merk­sam­keit nicht gewohnt ist, kei­ne Sekre­tä­rin hat, aber gut erzo­gen ist, sagt man erst jedem Anru­fer zu und anschlie­ßend immer wie­der das Glei­che. Am Sym­pa­thischs­ten waren meist die Gesprä­che mit den Cam­pus­ra­di­os, aber ab dem fünf­ten Inter­view wuss­te ich, dass ich nie einen Hol­ly­wood-Film dre­hen wür­de – bei den inter­na­tio­na­len Inter­view-Mara­tho­nen wür­de ich mich irgend­wann selbst ver­let­zen, weil ich mich selbst viel zu oft das­sel­be sagen gehört hät­te.

Aber Fern­se­hen, das woll­te ich dann doch mal mit­ma­chen. Zumal die Anfra­ge von einem die­ser ARD-Digi­tal­sen­der kam, die auch nicht viel mehr Zuschau­er haben als Dins­la­ken Ein­woh­ner. „Da kann man ja erst mal üben, bevor man irgend­wann unvor­be­rei­tet bei Gott­schalk auf der Couch sitzt“, dach­te ich und fuhr nach Köln.

Das heißt: Bis ich nach Köln fah­ren durf­te, muss­te ich erst mal einen Fra­ge­bo­gen mit sen­sa­tio­nell unbe­ant­wort­ba­ren Fra­gen („Haben Sie ein Lieb­lings­buch?“, „Wie wür­den Sie sich beschrei­ben?“) beant­wor­ten, auf des­sen Grund­la­ge dann eine Redak­teu­rin ein ein­stün­di­ges tele­fo­ni­sches Vor­ge­spräch mit mir führ­te, aus dem dann die Fra­gen für das eigent­li­che Inter­view kon­den­siert wur­den.

Man macht sich als Zuschau­er ja kei­ne Gedan­ken, wie viel Auf­wand dahin­ter steckt, ein paar reden­de Köp­fe auf die hei­mi­sche Matt­schei­be zu pro­ji­zie­ren. Also von dem gan­zen tech­ni­schen Kram inklu­si­ve Erfin­dung der Braun’schen Röh­re und den Rund­funk­wel­len mal ab.

Stilleben in einer WDR-Garderobe.

Und jetzt sit­ze ich hier in der Gar­de­ro­be im (geschätzt) vier­ten Unter­ge­schoss des Film­hau­ses des West­deut­schen Rund­funks in Köln, sehe aus wie Man­ny Cala­ve­ra und wer­de von einer Gar­de­ro­bie­re gefragt, ob ich „das“ (mei­nen roten Kapu­zen-Swea­ter) anlas­sen wol­le.

„Ich hät­te auch noch ein Hemd“, fan­ge ich vor­sich­tig an, „aber ich weiß nicht, ob das nicht zu klein­ge­mus­tert ist.“

Das hat­te man mir näm­lich gesagt, mehr­fach: Kein Grün, kein Gelb, nicht zu viel Weiß und um Him­mels Wil­len bit­te nicht klein­ge­mus­tert. Die net­te Gar­de­ro­bie­re (nett sind sie über­haupt alle hier unten, obwohl sie hier ohne Tages­licht und fri­sche Luft arbei­ten müs­sen und man es durch­aus ver­stün­de, wenn sie sich des­halb von Blut ernähr­ten) geht mal fra­gen und weil mein Hemd nicht zu klein­ka­riert ist, geht sie es gleich auch noch auf­bü­geln. Das letz­te Mal, als irgend­ei­nes mei­ner Hem­den auf­ge­bü­gelt wur­de, leb­te ich noch bei mei­nen Eltern.

Dann darf ich in die Mas­ke und die ist natür­lich bit­ter nötig: „Es tut mir sehr leid, aber mei­ne Augen­rin­ge sind heu­te noch tie­fer als sonst“, begin­ne ich ent­schul­di­gend, „dabei war ich ges­tern extra früh im Bett.“
„Krie­gen wir hin“, sagt die net­te Mas­ken­bild­ne­rin und beginnt mit umfang­rei­che­ren Stu­cka­ti­ons­ar­bei­ten, wie man sie von der Decken­sa­nie­rung Ber­li­ner Alt­bau­ten aus der Grün­der­zeit kennt.

Neben mir sitzt Anja Back­haus, die Mode­ra­to­rin der Sen­dung, die mit ihrer Mas­ke schon durch ist, und betreibt Small Talk. Wir spre­chen über den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr, Wup­per­tal und den dro­hen­den Abriss des Köl­ner Schau­spiel­hau­ses. Bloß nichts aus dem Inter­view vor­weg­neh­men, damit der Talk­gast spä­ter nicht gleich im ers­ten Satz irgend­was mit „wie gesagt“ ant­wor­tet.

Nach ein paar Minu­ten guckt mich ein fri­scher jun­ger Mann aus dem Spie­gel an und ich über­le­ge kurz, wie lan­ge ich wohl üben müss­te, bis ich es sel­ber hin­krieg­te, mich so zu schmin­ken. So für jeden Tag. Mei­ne Haa­re darf ich, wie jeden Tag, selbst ver­strub­beln, was ich sehr gewis­sen­haft und lan­ge tue, bis es so aus­sieht, als hät­te ich exakt nichts dar­an getan. „Eitel­keit ist eine der sie­ben Tod­sün­den“, höre ich mei­ne katho­li­sche Groß­mutter sagen, dre­he mich um, sehe aber nie­man­den.

Dann geht es ins Stu­dio, wo Anja und ich in sty­li­schen Lounge-Ses­seln Platz neh­men, in denen man ganz phan­tas­tisch lie­gen kann. Nur auf­recht sit­zen geht schlecht, wäre aber im Ide­al­fall wich­tig. Wir haben viel Zeit, um die Posi­tio­nie­rung unse­rer Bei­ne aus­zu­tes­ten, denn zunächst ein­mal müs­sen wir rich­tig ein­ge­leuch­tet wer­den. Wäh­rend wir unse­re Bei­ne mal links, mal rechts anein­an­der vor­bei­schie­ben und dabei ver­su­chen, weder ver­krampft zu wir­ken noch uns die Hüf­ten aus­zu­ku­geln, wer­den über unse­ren Köp­fen vie­le Schein­wer­fer ein­ge­schal­tet, von denen jeder ein­zel­ne aus­reicht, um eine Tief­kühl­piz­za auf­zu­ba­cken. Ich ver­su­che, nicht nach oben zu star­ren, aber sonst sind da nur eine rie­si­ge grü­ne Wand und drei Kame­ras, in die ich auch nicht gucken soll­te. Wenigs­tens kann man sei­ne Hän­de bequem so auf den Ses­seln plat­zie­ren, dass ich nicht Gefahr lau­fe, die gan­ze Zeit über wüst zu ges­ti­ku­lie­ren, wie ich das sonst tue, wenn ich rede.

Anja redet hin und wie­der mit dem Regis­seur, den ich aber nicht hören kann, weil er sich in einem Knopf in Anjas Ohr ver­steckt hat. Als er über die Stu­dio-Laut­spre­cher spricht, sagt er „Vor­war­nung fürs Stu­dio“ und das klingt ein biss­chen nach Rake­ten­start.

Beim ers­ten Ver­such stimmt etwas mit Anjas Anmo­de­ra­ti­on nicht, beim zwei­ten läuft irgend­was ande­res schief, aber da habe ich die ers­te Fra­ge schon beant­wor­tet. Jetzt also noch mal, wobei ich so tun muss, als wür­de ich die Fra­ge zum ers­ten Mal hören und beant­wor­ten. Aber wozu war ich in der Unter­stu­fen-Thea­ter-AG mei­nes Gym­na­si­ums?

Dies­mal klappt alles und wir befin­den uns plötz­lich mit­ten in einem Gespräch. Ich gucke Anja kon­zen­triert an (was für sie ziem­lich sicher beun­ru­hi­gend wir­ken muss), wäh­rend ich die Fra­gen beant­wor­te, die stel­len­wei­se ech­tes Nach­den­ken erfor­dern. Da zeigt sich dann auch der Sinn und Nut­zen des Vor­ge­sprächs: Man­che Fra­gen spie­len gezielt auf eine Ant­wort an, die ich der Redak­teu­rin vor drei Tagen am Tele­fon gege­ben habe und jetzt idea­ler­wei­se wie­der­ho­len soll­te, wenn ich mich noch an sie erin­nern wür­de.

Dass das hier eine Auf­zeich­nung sein wür­de ist klar, aber wir pro­du­zie­ren vor für in drei Wochen. Bezug­nah­men zum Zeit­ge­sche­hen gilt es also eher zu ver­mei­den – ein biss­chen schwie­rig, wenn man über Medi­en spre­chen soll. Die Fra­ge „Was war in den letz­ten Wochen beson­ders krass in den Medi­en?“, beant­wor­te ich ele­gant mit einem Ver­weis auf einen BILD­blog-Ein­trag von ges­tern. Also: „vor ein paar Wochen“. Hol­ly­wood, ich kom­me!

Der Talk ist schnell vor­bei, aber zwölf­ein­halb Minu­ten sind mehr, als einem als ein­zel­ner Gast in der „NDR Talk­show“ zuste­hen. Ich bin also ganz zufrie­den mit dem, was wir alles abge­han­delt haben. Es wird noch ein Extra-Clip fürs Inter­net gedreht, den wir vier Mal wie­der­ho­len, weil immer irgend­was schief läuft. Dann darf ich gehen.

In der (Nein: mei­ner) Gar­de­ro­be packe ich has­tig zusam­men und ver­ges­se dabei prompt die unan­ge­bro­che­ne Packung Kek­se, die dort für mich bereit­stand. Dabei hat man doch so sel­ten Gele­gen­heit, sich sei­ne Rund­funk­ge­büh­ren der­art direkt zurück­zu­ho­len.

Als ich in den Köl­ner Nie­sel­re­gen tre­te, bin ich noch geschminkt, aber wie­der allei­ne. Nie­mand um mich, der fragt, ob ich zufrie­den bin, ob ich irgend­was brau­che, ob alles in Ord­nung ist. Nie­mand, der mir freund­lich zunickt. Die ers­ten Minu­ten ist das – nach gera­de mal zwei­ein­halb Stun­den im Fern­seh­stu­dio – ziem­lich irri­tie­rend. „Hol­ly­wood- oder Rock­stars wür­den jetzt Dro­gen neh­men“, den­ke ich und gehe statt­des­sen Freun­de besu­chen.

EINS­WEI­TER­ge­fragt
Frei­tag, 16. April 2010
Um 20.01 Uhr auf Eins Fes­ti­val

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Musik Unterwegs

Tag 8: Halle

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Foto­gen

Das war’s. Tour vor­bei. Das Abschluss­kon­zert wur­de ges­tern im Objekt 5 in Hal­le gege­ben, ein wirk­lich foto­ge­ner Club. Foto­gen waren hier auch wie­der die Bands, die trotz, oder viel­leicht erst gera­de durch den in Ber­lin davon­ge­tra­ge­nen Gehirn­zel­len­ver­lust noch ein­mal bril­lan­te Shows lie­fer­ten.

So sollte die Bühne eines Musik-Clubs aussehen.
So soll­te die Büh­ne eines Musik-Clubs aus­se­hen.

Als ich Simon nach der Show fra­ge, ob er mit der Tour zufrie­den sei, ant­wor­tet er “Oh ja, sehr.“

Vor dem Radiointerview wirken alle äußerst nervös...
Vor dem Radio­in­ter­view wir­ken alle äußerst ner­vös…
Christian reagiert auf mein ihm zugerufenes HEY.
Chris­ti­an reagiert auf mein ihm zuge­ru­fe­nes HEY.
Ideal Standard.
Ide­al Stan­dard.

Ob alle glück­lich und zufrie­den sind, zeigt sich an der Bereit­schaft noch eine Woche dran­zu­hän­gen. Des­halb bin ich hoch erfreut, ges­tern Abend ziem­lich häu­fig “Och, ich könn­te noch ein paar Tage…“ gehört zu haben. An Hor­se kom­men im Juni für ihre eige­ne Club-Tour nach Deutsch­land und alle freu­en sich auf ein Wie­der­se­hen. Ich habe den Ein­druck, die Pfer­de sind ein wenig über­rascht, wie herz­lich und gast­freund­lich sie über­all emp­fan­gen wur­den.

An Horse.
An Hor­se.

Ich aber fra­ge mich, wor­über schrei­be ich mor­gen. Ich hat­te mir schon über­legt mir ein­fach wei­te­re Kon­zer­te von Simon aus­zu­den­ken und einen ima­gi­nä­ren Blog wei­ter­zu­füh­ren. Für euch stellt sich jetzt natür­lich die Fra­ge, ob die Kon­zer­te in Ber­lin und Hal­le über­haupt statt­ge­fun­den haben…

Auch für uns ist nach dem Spiel vor dem Spiel. Simon den Har­tog und Band geben ihr nächs­tes Kon­zert am 14. Mai in der Werk­statt in Köln.

Simon den Hartog und Band.
Simon den Har­tog und Band.

Mei­ne Bade­wan­ne schreit mei­nen Namen lau­ter denn je. Ich wer­de ihre Rufe erhö­ren und im hei­ßen Schaum von der nächs­ten Tour­nee träu­men.

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Musik Digital

Tag 7: Berlin

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Lea­ving Ber­lin

Am Früh­stücks­zi­ga­ret­ten­tisch fra­ge ich: “Mor­ning, when do we lea­ve?“ Kein Aus­tra­li­er weit und breit. Wenn wir noch eine Woche län­ger mit den Pfer­den unter­wegs wären, wür­den wir wahr­schein­lich kei­nen ein­zi­gen deut­schen Satz mehr raus brin­gen. Denn auch bei den ande­ren bemer­ke ich eine deut­lich erhöh­te Schlag­zahl an Angli­zis­men und ande­rem Cow­boy­ar­ti­gem Gebrab­bel.

An Horse live im Magnet Club.
An Hor­se live im Magnet Club.

Das gest­ri­ge Kon­zert im Ber­li­ner Magnet-Club war ein­fach unglaub­lich gut besucht. Mit 250 Zuhö­rern haben wir auch in Ber­lin nicht gerech­net.

Simon den Hartog und Band.
Simon den Har­tog und Band.
Backstage-Impression.
Back­stage-Impres­si­on.

Also alles sehr erfreu­lich, auch für An Hor­se, die Ber­lin zum ers­ten Mal besuch­ten. Daher gab es heu­te auch eine klei­ne Sight­see­ing-Tour durch Ber­lin. Hier mein Lieb­lings­aus­zug die­ser fan­tas­ti­schen Rund­fahrt: Tour­ma­na­ger Chris­ti­an: “In one minu­te you can see the Bran­den­bur­ger Tor on the right side.“ Kate: “What is Bran­den­bur­ger Tor?“ So sieht’s aus Welt­stadt, in Aus­tra­li­en kennt man noch nicht mal dei­ne Tore.
Heu­te Abend ist lei­der schon das letz­te Kon­zert die­ser Tour. Wir ver­las­sen gera­de Ber­lin und machen uns auf den Weg ins Objekt 5 in Hal­le.

Dominics Koffer - wenigstens hat er neben der stylischen Krawatte und der Wahnsinnsüberraschung auch was gesundes eingepackt.
Domi­nics Kof­fer – wenigs­tens hat er neben der sty­li­schen Kra­wat­te und der Wahn­sinns­über­ra­schung auch was gesun­des ein­ge­packt.
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Musik Unterwegs

Tag 6: Osnabrück

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Klei­ne Frei­heit

Wir über­que­ren gera­de die ehe­ma­li­ge Deutsch-Deut­sche Gren­ze. Auch wenn die Gren­ze seit über 20 Jah­ren nicht mehr exis­tiert, wirkt die Grenz­sta­ti­on der Tran­sit­stre­cke immer noch gru­se­lig. Man hat die gan­ze Zeit das Gefühl etwas Ver­bo­te­nes zu tun und gleich dabei erwischt zu wer­den. Aus der Grenz­sta­ti­on
einen schi­cken grau­en Rast­hof zu machen hat auch nicht viel gehol­fen.

Ges­tern waren wir in Osna­brück in der klei­nen Frei­heit, ein lie­be­voll ein­ge­rich­te­ter Club mit­ten im indus­tri­el­len Nir­gend­wo. Die traum­haf­te Strand­bar des Clubs und ton­nen­wei­se Sand kön­nen bei 4 Grad aber nicht von unse­ren dicken Jacken ablen­ken.

Sekun­den vor ihrem Auf­tritt hät­te ich Kate und Damon von An Hor­se fast im Back­stage-Raum ein­ge­sperrt. Eigent­lich hab ich sie sogar ein­ge­sperrt, wur­de bei mei­ner nie­der­träch­ti­gen Sabo­ta­ge aber zum Glück von einem wach­sa­men Mit­ar­bei­ter erwischt.

Einmal Schlagzeuger, immer Schlagzeuger...
Ein­mal Schlag­zeu­ger, immer Schlag­zeu­ger…

In Osna­brück pas­siert es dann end­lich, das ers­te Simon den Har­tog und Band Kon­zert mit der von uns seit Tagen erwar­te­ten Abstemp­lung und Schub­la­den­ein­sor­tie­rung. “Die Kili­ans klin­gen wie die Strokes und Simon den Har­tog klingt wie die Strokes in lang­sam.“ Und die­ser Aus­sa­ge kann ich nur recht geben, immer wenn ich Lip­stick Jungle höre, – zur eige­nen Mei­nungs­bil­dung zu hören auf Simons Sei­te – muss ich sofort an die Strokes den­ken, nur eben irgend­wie in lang­sam.

Christoph und Dominic freuen sich auf eine weitere endlose Stunde im Bus.
Chris­toph und Domi­nic freu­en sich auf eine wei­te­re end­lo­se Stun­de im Bus.

Noch 170 Kilo­me­ter bis Ber­lin, Hotel­zim­mer wur­den abbe­stellt, Par­ty­pro­gramm­pla­nun­gen in Auf­trag gege­ben. Es ist Wochen­en­de und wir mögen Ber­lin, hof­fent­lich mag Ber­lin uns auch. Wenn nicht, krie­chen wir heim­lich ins Dop­pel­zim­mer von An Hor­se und wer­den wie treue Fifis am Fußen­de ihres Bet­tes
unse­ren Rock’n’Rausch aus­chla­fen…

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Musik Unterwegs

Tag 5: Düsseldorf

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Mitt­woch, 7. April 2010

Heim­spiel

Wir sit­zen im son­ni­gen Bier­gar­ten und unser Tour­ma­na­ger run­zelt die Stirn, man sieht Zahn­rä­der in sei­nem Kopf mah­len und er starrt auf den Bild­schirm sei­nes Lap­tops, als wäre es das Auf­ga­ben­blatt einer Mathe-Klas­sen­ar­beit. Der Grund: Die Gäs­te­lis­te ist zu lang. Kein Wun­der, denn heu­te ist Heim­spiel. Kei­ner von uns wohnt in Düs­sel­dorf, doch Düs­sel­dorf ist die­je­ni­ge Stadt die­ser Tour, die unse­ren Hei­mat­städ­ten am nächs­ten liegt. Des­halb wird es auch nicht lan­ge dau­ern, bis es hier von Freun­den von uns und Band­kum­pa­nen ande­rer Musik­for­ma­tio­nen Simon den Har­togs wim­melt. Da wirkt die Band direkt viel ner­vö­ser, denn heu­te gilt es zu glän­zen, sonst muß man sich die nächs­ten fünf Jah­re auf jeder drit­ten Par­ty den Schwank über das legen­dä­re Düs­sel­dor­fer Kon­zert anhö­ren, über von der Büh­ne fal­len­de Sän­ger, vom Hocker fal­len­de Schlag­zeu­ger, aus der Rol­le fal­len­den Bas­sis­ten, Tas­ten­hei­nis und Gitar­ris­ten. Die waren wie­der mal alle zu besof­fen, heißt es dann wie­der, und meis­tens stimmt das ja auch. Aber besof­fen oder nüch­tern, ges­tern wur­de geglänzt, kei­ner fiel von irgend­was oder gar aus der Rol­le.

Sonnige Band im sonnigen Düsseldorf.
Son­ni­ge Band im son­ni­gen Düs­sel­dorf.

Schön, wenn man sei­nen Liebs­ten mal zei­gen kann, was man den Rest der Woche über eigent­lich so treibt.
Des­halb ist das Heim­spiel für den Sound­mann auch etwas ganz beson­de­res. In der Hei­mat wird der Sound­mann näm­lich auch von hüb­schen Mädels umringt, als wäre er der Sän­ger und das Misch­pult sei­ne Büh­ne.

So kam es dann auch, dass ich ange­schwips­te Mäd­chen mit 300 PS zurück nach Köln kut­schie­ren durf­te. Böse Zun­gen behaup­ten, ich wäre der pas­sivs­te Auto­fah­rer der Welt und wahr­schein­lich haben sie recht. Anders kann ich mir die “drück drauf“- und “gib doch mal Gas“-Sprüche mei­ner Hoch­ge­schwin­dig­keits­bei­fah­re­rin­nen nicht erklä­ren.

Natür­lich hab ich mal wie­der den größ­ten aller Tour­feh­ler began­gen: Beim Ver­las­sen der Woh­nung das Bett abge­zo­gen, aber nicht frisch bezo­gen. Natür­lich ist das letz­te was man nach fünf anst­re­gen­den Tour-Tagen machen möch­te, sein Bett bezie­hen. Dann ist stun­den­lan­ges Rum­gam­meln vor­pro­gram­miert, bis die Müdig­keit die Faul­heit besiegt.

Auch wenn mor­gen der Beginn der Rück­run­de beson­ders hart wird, da ich mein gelieb­tes Bett, mei­ne Kaf­fee­ma­schi­ne und mei­ne Bade­wan­ne nach die­sem kur­zen Inter­mez­zo wie­der zurück­las­sen muss, freue ich mich sehr auf die rest­li­chen drei Shows. Zunächst geht es nach Osna­brück in die klei­ne Frei­heit. Übri­gens für den Schlag­zeu­ger Chris­toph das nächs­te Heim­spiel, der war hier näm­lich aufm Gym­mi…

Der Soundmann. Nicht im Bild: Hübsche Mädchen.
Der Sound­mann. Nicht im Bild: Hüb­sche Mäd­chen.
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Musik Digital

Auswärtsspiel: Lieder unseres Lebens

Auf der Lis­te der Din­ge, die ich in mei­nem Leben unbe­dingt mal tun woll­te, kann ich einen wei­te­ren Punkt abha­ken.

Nein, nicht „Sex bei Schwe­re­lo­sig­keit“. Aber ein Text von mir steht jetzt bei „RP Online“.

Die Kol­le­gen der sehr emp­feh­lens­wer­ten Jugend­bei­la­ge „Herz­ra­sen“ betrei­ben dort die Serie „Lie­der unse­res Lebens“ und ich durf­te einen Gast­bei­trag schrei­ben. Weil ich bei der letz­ten ähn­lich gela­ger­ten Akti­on schon „Such Gre­at Heights“ von The Pos­tal Ser­vice gefei­ert habe, ist die­ses Mal was ande­res dran.

Lie­der unse­res Lebens: Still Fight­ing It (Ben Folds)

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Unterwegs Musik

Tag 4: Marburg

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Diens­tag, 6. April 2010

Ein­zel­zim­mer

Ich hab es geahnt, mir war es ges­tern schon völ­lig klar. Ich wache in Wies­ba­den auf der ges­tern erwähn­ten Couch im Back­stage auf. Das ist mir vor einem Jahr schon ein­mal pas­siert, als ich mit den Kili­ans hier war. Nach der Show haben wir uns damals flei­ßig an besag­tem Kühl­schrank bedient und sind auf der Couch ver­sackt. Als auch der letz­te Kilia­ner den Weg zu sei­nem Bett gefun­den hat­te, bin ich ein­fach im Sit­zen nach links gekippt und hab mich der besof­fe­nen Müdig­keit hin­ge­ge­ben.

Ges­tern dage­gen habe ich dann doch den Weg zum Bett ange­tre­ten. Hier erwar­ten mich U‑Boot-arti­ge Drei­fach-Stock­bet­ten und geschlos­se­ne Fens­ter auf ziem­lich weni­gen Qua­drat­me­tern. Scheint mir kei­ne gute Mischung gegen Kater am Mor­gen zu sein. Plötz­lich erstrahlt die Couch im Back­stage in völ­lig neu­em Glanz, zumal der Back­stage jetzt ja irgend­wie ein Ein­zel­zim­mer ist. Immer­hin war ich dies­mal cle­ver genug, an Decke und Kis­sen zu den­ken…

Eine Stu­den­ten­stadt wie Mar­burg in den Semes­ter­fe­ri­en auf Tour­nee zu berei­sen gehört nicht zu den bes­ten Ideen, den­noch ist das KFZ ganz gut gefüllt. Der deut­lich frü­her als in den ande­ren Städ­ten ange­setz­te Kon­zert­start sorgt für Ver­wir­rung. Dass wir schon um halb elf Fei­er­abend haben dann für noch grö­ße­re. Aber wir sind erfreut, sowohl über das viel­leicht von den Oster­ta­gen äußerst ent­spann­te Publi­kum, als auch über die uns bevor­ste­hen­den acht Stun­den Schlaf. Es bleibt aber genug Zeit, trotz eisi­ger Tem­pe­ra­tu­ren mit An Hor­se zusam­men auf der Ter­ras­se des Hotel Bel­le­vue den Abend aus­klin­gen zu las­sen. Lei­der müs­sen An Hor­se wegen ihres Visums für die USA noch einen Aus­flug zur Bot­schaft nach Frank­furt machen. Ich wuss­te nicht, dass Kate auch Fuck sagen kann, und dann gleich so oft hin­ter­ein­an­der.

Traumhafter Ausblick vom Hotel Bellevue.
Traum­haf­ter Aus­blick vom Hotel Bel­le­vue.

Dabei hät­te sie sich tags­über fast ein Platz­wun­de ein­ge­han­delt: Ich glau­be, es pas­siert wäh­rend Simons Sound­check, als Kate im Back­stage bei­na­he von einem Stein erschla­gen wird. Der Back­stage liegt schräg unter­halb der Büh­ne und aus der Decke löst sich durch die Bass­vi­bra­tio­nen ein Stein in Grö­ße eines Tisch­ten­nis­balls und ver­fehlt Kate nur um Zen­ti­me­ter. Soll­te dies ein heim­lich geplan­ter Anschlag von Simon den Har­tog und Band oder gar ein nie­der­träch­ti­ger Plan des Sound­manns gewe­sen sein, dann müs­sen alle aber noch kräf­tig üben. Zum Bei­spiel heu­te Abend beim Heim­spiel im Zakk in Düs­sel­dorf.

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Tag 3: Wiesbaden

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Mon­tag, 5. April 2010

Täg­lich grüßt das Mur­mel­tier

Rou­ti­ne, Rou­ti­ne, die böse Tour­rou­ti­ne klopft kräf­tig an unse­re über­mü­de­ten Köp­fe. Die kann sich aber nur ein­stel­len, wenn alles wirk­lich gut läuft, und das tut es. Des­halb möch­te ich hier auch gar nicht meckern, aber auf Tour glei­chen sich die Abläu­fe der Tage wie ein Ei dem ande­ren.
Lei­der bekom­men wir von den Städ­ten selbst nicht viel mit, sehen meist nur die Clubs und deren Nach­bar­schaft.
Die Aus­tra­li­er von An Hor­se schei­nen über­rascht zu sein, wie sehr wir Deut­schen uns um Essen bemü­hen. Bei ihrem Kon­zert erwähnt Sän­ge­rin Kate, sie habe das Gefühl, noch nie so viel geges­sen zu haben wie in den letz­ten drei Tagen. Viel­leicht liegt das an den für aus­tra­li­sche Mägen eher unge­wohn­ten Käse­spätz­le, die uns in Erlan­gen berei­tet wur­den.
Aber recht hat sie, geges­sen wird viel und gut, da wer­den wir gegen Ende der Tour die Gür­tel wohl ein biss­chen wei­ter machen müs­sen.

Simons Blick ins Wiesbadener Publikum.
Simons Blick ins Wies­ba­de­ner Publi­kum.

Ich habe heu­te zum Abend­essen einen Som­mer­sa­lat mit Fei­gen bestellt.
Ich fin­de: Fei­gen klingt irgend­wie gut, ein biss­chen exo­tisch. Unter den nei­di­schen Bli­cken der ande­ren bekom­me ich dann aber statt Fei­gen Erd­bee­ren. Zum Glück die Kro­ne jeg­li­chen mir bekann­ten Obs­tes, im
Salat aller­dings völ­lig fehl am Platz und nicht mal halb so exo­tisch wie Fei­gen. Um den exo­ti­schen Touch des Sala­tes zu erhal­ten, hat man mir net­ter­wei­se noch zwei Hän­de voll Rosi­nen in den Salat gehau­en…

Es gibt einen Song von Simon den Har­tog und Band, über den wir in den letz­ten Tagen viel gewun­dert haben. Den „Cow­boy-Song“.
Erstaun­li­cher­wei­se hat er näm­lich kei­nen guten Stand bei den Eltern der Musi­ker. Chris­ti­ans Eltern hör­ten ihn in Stutt­gart und fan­den ihn gräss­lich, Domi­nics Eltern in Erlan­gen waren auch nicht gera­de
begeis­tert. Dabei gefällt er uns und dem rest­li­chen Publi­kum sehr gut und er sticht gar nicht so sehr aus dem rest­li­chen Set her­aus. Dass gera­de die­ser Song ja gera­de­zu eltern­ver­hasst ist, leuch­tet uns in
kei­ner Wei­se ein.

Fin­det es selbst her­aus und kommt bei Simon den Har­tog und Band vor­bei, zum Bei­spiel heu­te im KFZ in Mar­burg.

Alles, was das Fan-Herz begehrt...
Alles, was das Fan-Herz begehrt…
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Tag 2: Erlangen

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Sonn­tag, 4. April 2010

Von Löwen und Pfer­den

“Du freust dich doch jetzt nicht wirk­lich über den Wecker“ murrt mein Zim­mer­nach­bar Chris­ti­an ungläu­big-fas­sungs­los durch unser Kreuz­fahrt­schiff­ka­bi­nen­zim­mer. Er ist der Tour­ma­na­ger und nicht erfreut, das war­me Bett ver­las­sen zu müs­sen. Je wacher ich wer­de, des­to kla­rer wird mir, dass wir nicht auf einer Kreuz­fahrt sind. Obwohl, irgend­wie ja doch ein biss­chen…

Aber ich freu mich über den Wecker, denn der bedeu­tet Früh­stück. Hotel­früh­stück, so lieb­los es meis­tens auch ist, bringt in vie­len Hotels eine in mei­nem Pri­vat­le­ben nicht gekann­te Aus­wahl an Cerea­li­en, fri­schem, schon mund­ge­recht geschnit­te­nem Obst, diver­sen Säf­ten, ver­schie­de­nen Brot­sor­ten und schon fer­tig gerühr­tem Rühr­ei.

Der­art für den Tag gestärkt, wer­den wir im Tour­bus Zeu­ge einer gera­de­zu unglaub­li­chen Radio­sen­dung.

Aus dem Rock’n’Roll-Himmel wer­den angeb­li­che Kon­zer­te ver­stor­be­ner Stars der letz­ten 50 Jah­re über­tra­gen. An sich eine ganz net­te Idee, aller­dings hapert es deut­lich an der Umset­zung. Als der Mode­ra­tor behaup­tet, er säße auf einer Wol­ke – “Huhu, viel­leicht kön­nen Sie mich von da unten sehen“ – wird nach diver­sen Lach­at­ta­cken klar, dass wir bei der Sen­der­wahl alles rich­tig gemacht haben. Groß­ar­tig auch, dass nahe­zu unter die kom­plet­te Sen­dung Sta­di­on­ap­plaus gelegt wird, um die gran­dio­se Live-Atmo­sphä­re des Events her­vor­zu­he­ben. Hoch erfreut sind alle, als die Doors live aus dem Rock’n’Roll Him­mel noch ein­mal “Light my fire“ spie­len. Denn “Die neue 107,7“, ein Stutt­gar­ter Pri­vat­ra­dio, ist sich nicht zu scha­de, die Ver­si­on inclu­si­ve zehn­mi­nü­ti­gem Orgels­o­lo zu sen­den. Das erlebt man ja heut­zu­ta­ge im Radio eher sel­ten. Gro­ßes Lob an Stutt­gart, und wei­ter geht’s.

An Horse live in Erlangen.
An Hor­se live in Erlan­gen.

Heu­te an Tag zwei der Kreuz­fahrt wird das Tour­le­ben schon rou­ti­nier­ter. Jeder weiß jetzt, wo auf der Büh­ne was zu ste­hen hat, und auch die­je­ni­gen Musi­ker in der Band, die nicht stän­dig auf den Büh­nen die­ser Welt zu sehen sind, kön­nen sich dank schwin­den­der Ner­vo­si­tät hun­dert­pro­zen­tig auf das Kon­zert ein­las­sen.

Spä­tes­tens über­mor­gen sind die “Neu­en“ aber auch so abge­wichs­te Voll­pro­fis im Tour­nee­busi­ness wie die alten Hasen. Das geht schnell!

Geschickt tren­nen wir wie Löwen auf der Jagd nach der Show Damon und Kate von “An Hor­se” von­ein­an­der. Da Kate sich schon früh auf den Weg ins Hotel macht, bleibt Damon allei­ne und von den 7 den Har­to­gern umzin­gelt zurück. Ob ihm aber unse­re 7‑stimmige Back­stage-Ver­si­on von “Aux Champs Ely­sées” wirk­lich gefal­len hat, wer­den wir wahr­schein­lich nie erfah­ren.

Viel­leicht frag ich ihn heu­te, beim Kon­zert im Schlacht­hof in Wies­ba­den. Hier waren Simon und ein paar von uns schon eini­ge Male und haben uns immer sehr wohl gefühlt. Gefähr­lich ist jeder Besuch im Schlacht­hof aber jedes Mal, da zwi­schen der Büh­ne und unse­ren Bet­ten nur ein Kühl­schrank und ein paar gemüt­li­che Sofas ste­hen…

Ein neuer Song wird einstudiert.
Ein neu­er Song wird ein­stu­diert.
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Tag 1: Stuttgart

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Sams­tag, 3. April 2010

“Das ist unser ers­tes Kon­zert“

Nach meh­re­ren Jah­ren des Ton­tech­ni­ker­da­seins ken­ne ich sie alle:
Ich ken­ne jede Aus­re­de und jede faden­schei­ni­ge Erklä­rung, war­um die Band aus­ge­rech­net die­ses Mal lei­der, lei­der nicht pünkt­lich am Auf­tritts­ort erschei­nen konn­te. Da hört man Geschich­ten von Stau, Pan­ne, ja sogar Geburts­hil­fe.

Inter­es­sant ist, dass wirk­lich jede ein­zel­ne Band, mit der ich je unter­wegs war, am Tele­fon gelo­gen hat, wenn sie ein biss­chen mehr oder weni­ger zu spät los­ge­fah­ren war. Die wah­ren Grün­de des Zuspät­kom­mens sind in den sel­tens­ten Fäl­len aber Stau, Pan­ne oder Geburts­hil­fe, und der geneig­te Leser möge sich an die­ser Stel­le sel­ber aus­ma­len, was statt­des­sen in Fra­ge kommt. Als Ton­tech­ni­ker ist man ein biß­chen wie die Tape­te: Man kriegt alles mit, aber schweigt stil­le. Zudem habe auch ich schon oft gelo­gen, auch wenn ich genau wuss­te, dass es kei­ne Chan­ce gibt, es noch halb­wegs pünkt­lich zu schaf­fen. Ist bes­ser für alle Betei­lig­ten.

Ges­tern war es aller­dings über­haupt nicht nötig, krea­ti­ve Aus­re­den zu erfin­den. Wir waren so was von über­pünkt­lich in Stutt­gart, das habe ich noch nie erlebt. Das könn­te even­tu­ell auch eine Men­ge damit zu tun haben, dass ich Simon den Har­tog auch noch nie habe sagen hören: „Das ist unser ers­tes Kon­zert!“

Es heißt ja immer, wer gut ist, müss­te nicht pro­ben. Simon den Har­tog und Band haben trotz­dem ein­ge Wochen in einem Köl­ner Pro­be­raum ver­bracht, und das hat sich deut­lich aus­ge­zahlt, wie sich in Stutt­gart zeig­te:

Das etwa eine Stun­de dau­ern­de Kon­zert wirk­te näm­lich zu kei­ner Zeit wie eine Pre­mie­re. Sehr auf­fäl­lig war aber, wenn auch völ­lig klar, dass kei­ner der über hun­dert Gäs­te mit­ge­sun­gen hat.

Die Gele­gen­heit zum Mit­sin­gen ergab sich aber den­noch, nur etwas spä­ter: Zum 23. Geburts­tag des Bas­sis­ten Nobert Domi­nic wur­de ein kur­zes Hap­py-Bir­th­day ange­stimmt. Wo soll­te denn auch jemand, der auf den Büh­nen der Welt zu Hau­se ist, auch sonst in sei­nen Geburts­tag rein­fei­ern, wenn nicht im „Kel­ler“ in Stutt­gart?

Eben­falls Pre­mie­re ges­tern: Das ers­te Deutsch­land­kon­zert von An Hor­se! Die Aus­tra­li­er beglei­ten uns die kom­plet­ten acht Tage der Tour als Vor­band und stel­len ihre gera­de erschie­ne­ne CD vor. Sehr net­te, freund­li­che Men­schen, die über die Jah­re im inter­na­tio­na­len Musik­busi­ness die Kunst des Small­talks auf eine mir bis­her völ­lig unbe­kann­te, ja gera­de­zu fas­zi­nie­ren­de Art erlernt haben. Zum Small­talk hat man auf einer Tour näm­lich vieeeel Zeit. Denn es ist ja so: Die meis­te Zeit des Tages besteht aus War­ten. War­ten auf das Ankom­men am Auf­tritts­ort, Auf­bau­en, War­ten auf den Sound­check, War­ten auf den Auf­tritt. Da kann man über die Jah­re ziem­lich gut ler­nen, wie man sich an The­ken über Nich­tig­kei­ten unter­hält, ohne sich irgend­et­was zu sagen, das die Anstren­gun­gen, die man ohne­hin schon auf sich nimmt, ver­stärkt.

Nun aber An Hor­se: Vie­le Small­talk­meis­ter habe ich getrof­fen, tau­sen­de The­ken­ge­sprä­che geführt, aber die bei­den sind inter­na­tio­na­le Cham­pi­ons. Das bleibt wahr­schein­lich nicht aus, wenn man über die Jah­re so vie­le Men­schen ken­nen lernt wie die bei­den, und das auch noch auf unter­schied­li­chen Kon­ti­nen­ten! Aber wir wer­den in den nächs­ten Tagen schon noch dahin­ter kom­men, wer und wie die bei­den eigent­lich wirk­lich sind. Acht Tage auf engs­tem Raum hal­ten auch inter­na­tio­na­le Cham­pi­ons nicht im Small Talk aus, da bin ich sicher.

Heu­te ist immer noch der 4.4. und natür­lich fei­ern wir noch wei­ter­hin Domi­nics Geburts­tag – beim Kon­zert im E‑Werk in Erlan­gen. Wäre schön, euch dort zu sehen …

Ent­span­nung nach der Show: Das rau­chen­de Geburts­tags­kind
Auch in Hotel­zim­mern kann man sich wie auf Kreuz­fahrt­schif­fen füh­len.