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Musik

Gesammelte Platten März 2010

Dieser Eintrag ist Teil 3 von bisher 8 in der Serie Gesammelte Platten

An Horse – Rearrange Beds
Manchmal ist man ja erstaunt, wie wenig es für gute Musik braucht: Mann, Frau, Schlagzeug, Gitarre — und den Verzicht auf Riffs, die betrunkene Fußballfans mitgrölen könnten. Stattdessen Indierock, irgendwo zwischen Tegan And Sara, Sleater-Kinney und den Yeah Yeah Yeahs. Große Geste und kluge Texte. Wer die Australier im Vorprogramm von Simon den Hartog verpasst hat (und das trotz massiver Berichterstattung), hat im Sommer noch einmal Gelegenheit sich davon zu überzeugen, dass die beiden diesen Sound auch live hinbekommen. (LH, Rezensionsexemplar)

Frightened Rabbit – The Winter Of Mixed Drinks
Ich kann ja jetzt nicht jedes Mal schreiben, wie indiemüde ich bin. Zumal wenn da so eine Band vorbeikommt wie Frightened Rabbit und durch die Wohnung fegt wie ein Hausmädchen auf Speed, die Fenster aufreißt, die Betten aufschüttelt und generell den Frühling herbeitanzt. Passend zum Albumtitel. Mir sind die Vokabeln ausgegangen, aber “The Winter Of Mixed Drinks” ist ziemlich genau das Album, das die Shout Out Louds dieses Jahr leider nicht gemacht haben: Alles natürlich schon mal da gewesen, aber neu zusammengesetzt und in seiner Gesamtheit uplifting as hell. (LH, Rezensionsexemplar)

Peter Gabriel – Scratch My Back
Wer wie ich “Scrubs” liebt, der hat bestimmt auch wie ein Schlosshund geheult, als nach der achten Staffel erstmal jeder dachte, es ist jetzt wirklich zu Ende. Kein J.D. mehr, kein Turk, kein Janitor, der sich die phänomenalsten Dinger ausdenkt. All der liebenswerte Schwachsinn ist zu Ende. Aber ich schweife ab.
Im Abspann bei “Scrubs”, als man sehen kann wie das Leben aller Protagonisten verläuft, lief der wohl schönste Song, den ich bisher kannte: “The Book Of Love”. Eigentlich von den Magnetic Fields, aber nur Peter Gabriel singt ihn richtig, trifft die Töne da wo man beim Hören Gänsehaut bekommt und hat diese unbeschreiblichen Geigen. Was soll man aber von Peter Gabriel halten, der auf einmal nur noch Cover auf eine Platte zusammen bringt? Ich bin ehrlich: Ich dachte mir, dass es nix wird, und ich war skeptisch und hab versucht, mir nicht von den Geigen das Hirn weich-fideln zu lassen. Hat nicht funktioniert. Mit “Scrach My Back” hat sich Peter Gabriel was gutes ausgedacht, die Cover sind alle mit Orchester neu interpretiert worden, vielleicht ein wenig zu viel Geige und Pathos. “Après Moi” von Regina Spektor klingt sehr düster. “Mirrorball” von Elbow darf man eigentlich gar nicht vergleichen und “Flume” von Bon Iver ist was ganz anderes. Die Songs werden – und das ist ja auch das schöne an Covern – in eine andere Richtung geschubst und man sieht manche Songs von anderen Seiten und entdeckt vielleicht noch eine Nuance mehr, an der man sich festlieben kann. So ging es mit “Mirrorball” und mit “My Body Is A Cage”.
Man darf gespannt sein, wie “I’ll Scratch Yours” wird, das Album, auf dem die gecoverten Künstler wiederum Peter Gabriel covern. (AK)

Kashmir – Trespassers
Ich würde mich manchmal wirklich gerne besser daran erinnern können, wo ich bestimmte Bands zum ersten Mal gehört hab. Da wär die Einleitungs-Anekdote ein wenig einfacher. Bei Kashmir fallen mir nur Raketen und Weltraumreisen an. Also ich bin jetzt keine Astronautin und mit Raketen hab ich auch nichts am Hut, aber bei dem Titel und dem Opener “Mouthful Of Wasps” fühlt man sich irgendwie wie auf einer Weltraumreise, jedenfalls in anderen Sphären. “Still Boy” pulsiert und “Danger Bear” kühlt das Getriebe wieder etwas runter. Album Nummer sechs der Band aus Dänemark ist sehr vielseitig gewrden. Große Melodien zusammen mit Orchester, die eindringliche Stimme von Kasper Eistrup, diese berühmte Kashmir-esquen Gitarrenpassagen, Lieder, die Geschichten sind, und Melodien, die über einem wie Wellen zusammenbrechen. Ja, vielleicht sind Kashmir ähnlich wie das Meer. Weit und durcheinander, opulent, geräuschvoll, harmonisch und chaotisch. (AK, Rezensionsexemplar)

Laura Marling – I Speak Because I Can
Wenn man auf Play drückt, dann hört man am Anfang click-knister-Geräusche und etwas, was ein wenig nach Wind klingt. Und dann sowas wie Synthieorgeln — damals in der Schule lernte ich, sowas zählt zu einer Kakophonie. Ah ja. Dann setzt die Gitarre ein und die Sitmme von Laura Marling und der erste song “Devil Spoke” zischt und trifft. Ab da ist die ganze Platte “I Speak Because I Can” der britischen Singer/Songwriterin einer der Ohrenschmäuse des Monats März. Vielelicht sogar des Jahres. Apropos “Schmaus”: Wie mir meine Mutter neulich beibrachte, ist “Schmauen das neue Schmausen”. “Schmauen” bedeutet, dass man sich Zeit nimmt und genießt. Und dasselbe kann man vortrefflich mit dieser Platte machen. Play drücken und schmauen. Es steckt, für eine 20 Jahre junge Frau, schon unglaublich viel in dieser Laura Marling. Die Texte sind unglaublich weise. Die Melodien sind wahnsinnig voll mit Gefühlen und die Stimme von Laura ist sehr klar und präsent. Sie will gehört werden, weil sie etwas zu sagen hat. “Stürmischer Folk” und, sagt der NME, ähnlich wie Mumford & Sons. Ja, weil stürmisch ganz hervorragend passt und Mumford & Sons ein ähliches Talent für Geschichten und Melodien besitzen. Nein, weil Laura Marling mit ihrem Album “I Speak Because I Can” sich nicht einreiht, sondern sehr gut auf eigenen Beinen steht. (AK)

Lou Rhodes – One Good Thing
Unglaublich traurig muss diese Lou Rhodes sein. Ihre beiden Vorgänger-Alben kenne ich nicht und vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Eine Stimme, die sich zwischen Anna Ternheim und Martha Wainwright stecken lässt, eine feine Gitarre und Melodien, die Folk und Emotionen einfangen. Die Stimme von Mrs. Rhodes ist sehr schön, wechselt zwischen hoch und tief und besitzt dieses leicht kratzige, balsamige. Perfekt für Melancholie. “One Good Thing”, das dritte Album, besticht nicht mit Diversität, jedoch mit Emotionen. Die Songs mäandern ineinander und man hat hier diesen 90er Jahre Techno-Effekt — es hört sich alles gleich an. Dennoch: “The More I Run” und “One Good Thing” sind für mich die beiden Highlights. Mit Sicherheit hat es Lou Rhodes gut gemeint, hat ihr volles Herzblut hineingesteckt. Leider halte ich 11 traurige Lieder nicht so lange durch. Ich mag Melancholie sehr gerne, in gesunder Dosierung. Vielleicht darf ich die Platte aber auch nicht so oft am Stück hören. (AK)

She & Him – Volume Two
Wie macht Sie das bloß? Manchmal frag ich mich, wie man so viel Dinge gleichzeitig machen kann. Jedenfalls fällt mir für diese “Kritik” nur positives ein. Zooey Deschanel, ist einfach eine dieser Superfrauen, die ihre Sache gut machen. Nicht des Erfolges wegen, sondern weil sie es einfach von Herzen gerne Musik machen. Und das hört man auch. Das Zweite Album, das Frau Deschanel mit Mr. M. Ward komponiert hat, ist so eine “Lieblingsplatte” geworden. Die muss man einfach mögen, beim Hören hat man ein Lächeln auf den Lippen und es geht einem gut. Sie ist ein wenig fröhlicher als die erste Platte und auch ein wenig schneller. Diesmal hört man auch M. Ward öfter singen. She & Him haben ihr Herz immernoch am gleichen Fleck, und auch der schnörkelige Sound ist geblieben. Sie und Er sind eben beide Nostalgiker, ein wenig Fünziger-Jahre-Kitsch und immer ist irgendwo ein Polkadot. Wer also mit Schmunzeln und guter Laune durch die Welt laufen mag, dem sei “Volume 2” ans Herz gelegt. (AK)

Mitarbeit an dieser Ausgabe:
AK: Annika Krüger
LH: Lukas Heinser

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Musik Unterwegs

Tag 8: Halle

Dieser Eintrag ist Teil 9 von bisher 9 in der Serie Das Simon den Hartblog

Fotogen

Das war’s. Tour vorbei. Das Abschlusskonzert wurde gestern im Objekt 5 in Halle gegeben, ein wirklich fotogener Club. Fotogen waren hier auch wieder die Bands, die trotz, oder vielleicht erst gerade durch den in Berlin davongetragenen Gehirnzellenverlust noch einmal brillante Shows lieferten.

So sollte die Bühne eines Musik-Clubs aussehen.
So sollte die Bühne eines Musik-Clubs aussehen.

Als ich Simon nach der Show frage, ob er mit der Tour zufrieden sei, antwortet er “Oh ja, sehr.“

Vor dem Radiointerview wirken alle äußerst nervös...
Vor dem Radiointerview wirken alle äußerst nervös...
Christian reagiert auf mein ihm zugerufenes HEY.
Christian reagiert auf mein ihm zugerufenes HEY.
Ideal Standard.
Ideal Standard.

Ob alle glücklich und zufrieden sind, zeigt sich an der Bereitschaft noch eine Woche dranzuhängen. Deshalb bin ich hoch erfreut, gestern Abend ziemlich häufig “Och, ich könnte noch ein paar Tage…“ gehört zu haben. An Horse kommen im Juni für ihre eigene Club-Tour nach Deutschland und alle freuen sich auf ein Wiedersehen. Ich habe den Eindruck, die Pferde sind ein wenig überrascht, wie herzlich und gastfreundlich sie überall empfangen wurden.

An Horse.
An Horse.

Ich aber frage mich, worüber schreibe ich morgen. Ich hatte mir schon überlegt mir einfach weitere Konzerte von Simon auszudenken und einen imaginären Blog weiterzuführen. Für euch stellt sich jetzt natürlich die Frage, ob die Konzerte in Berlin und Halle überhaupt stattgefunden haben…

Auch für uns ist nach dem Spiel vor dem Spiel. Simon den Hartog und Band geben ihr nächstes Konzert am 14. Mai in der Werkstatt in Köln.

Simon den Hartog und Band.
Simon den Hartog und Band.

Meine Badewanne schreit meinen Namen lauter denn je. Ich werde ihre Rufe erhören und im heißen Schaum von der nächsten Tournee träumen.

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Musik Digital

Tag 7: Berlin

Dieser Eintrag ist Teil 8 von bisher 9 in der Serie Das Simon den Hartblog

Leaving Berlin

Am Frühstückszigarettentisch frage ich: “Morning, when do we leave?“ Kein Australier weit und breit. Wenn wir noch eine Woche länger mit den Pferden unterwegs wären, würden wir wahrscheinlich keinen einzigen deutschen Satz mehr raus bringen. Denn auch bei den anderen bemerke ich eine deutlich erhöhte Schlagzahl an Anglizismen und anderem Cowboyartigem Gebrabbel.

An Horse live im Magnet Club.
An Horse live im Magnet Club.

Das gestrige Konzert im Berliner Magnet-Club war einfach unglaublich gut besucht. Mit 250 Zuhörern haben wir auch in Berlin nicht gerechnet.

Simon den Hartog und Band.
Simon den Hartog und Band.
Backstage-Impression.
Backstage-Impression.

Also alles sehr erfreulich, auch für An Horse, die Berlin zum ersten Mal besuchten. Daher gab es heute auch eine kleine Sightseeing-Tour durch Berlin. Hier mein Lieblingsauszug dieser fantastischen Rundfahrt: Tourmanager Christian: “In one minute you can see the Brandenburger Tor on the right side.“ Kate: “What is Brandenburger Tor?“ So sieht’s aus Weltstadt, in Australien kennt man noch nicht mal deine Tore.
Heute Abend ist leider schon das letzte Konzert dieser Tour. Wir verlassen gerade Berlin und machen uns auf den Weg ins Objekt 5 in Halle.

Dominics Koffer - wenigstens hat er neben der stylischen Krawatte und der Wahnsinnsüberraschung auch was gesundes eingepackt.
Dominics Koffer - wenigstens hat er neben der stylischen Krawatte und der Wahnsinnsüberraschung auch was gesundes eingepackt.
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Musik Unterwegs

Tag 6: Osnabrück

Dieser Eintrag ist Teil 7 von bisher 9 in der Serie Das Simon den Hartblog

Kleine Freiheit

Wir überqueren gerade die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze. Auch wenn die Grenze seit über 20 Jahren nicht mehr existiert, wirkt die Grenzstation der Transitstrecke immer noch gruselig. Man hat die ganze Zeit das Gefühl etwas Verbotenes zu tun und gleich dabei erwischt zu werden. Aus der Grenzstation
einen schicken grauen Rasthof zu machen hat auch nicht viel geholfen.

Gestern waren wir in Osnabrück in der kleinen Freiheit, ein liebevoll eingerichteter Club mitten im industriellen Nirgendwo. Die traumhafte Strandbar des Clubs und tonnenweise Sand können bei 4 Grad aber nicht von unseren dicken Jacken ablenken.

Sekunden vor ihrem Auftritt hätte ich Kate und Damon von An Horse fast im Backstage-Raum eingesperrt. Eigentlich hab ich sie sogar eingesperrt, wurde bei meiner niederträchtigen Sabotage aber zum Glück von einem wachsamen Mitarbeiter erwischt.

Einmal Schlagzeuger, immer Schlagzeuger...
Einmal Schlagzeuger, immer Schlagzeuger...

In Osnabrück passiert es dann endlich, das erste Simon den Hartog und Band Konzert mit der von uns seit Tagen erwarteten Abstemplung und Schubladeneinsortierung. “Die Kilians klingen wie die Strokes und Simon den Hartog klingt wie die Strokes in langsam.“ Und dieser Aussage kann ich nur recht geben, immer wenn ich Lipstick Jungle höre, – zur eigenen Meinungsbildung zu hören auf Simons Seite – muss ich sofort an die Strokes denken, nur eben irgendwie in langsam.

Christoph und Dominic freuen sich auf eine weitere endlose Stunde im Bus.
Christoph und Dominic freuen sich auf eine weitere endlose Stunde im Bus.

Noch 170 Kilometer bis Berlin, Hotelzimmer wurden abbestellt, Partyprogrammplanungen in Auftrag gegeben. Es ist Wochenende und wir mögen Berlin, hoffentlich mag Berlin uns auch. Wenn nicht, kriechen wir heimlich ins Doppelzimmer von An Horse und werden wie treue Fifis am Fußende ihres Bettes
unseren Rock’n’Rausch auschlafen…

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Musik Unterwegs

Tag 4: Marburg

Dieser Eintrag ist Teil 5 von bisher 9 in der Serie Das Simon den Hartblog

Dienstag, 6. April 2010

Einzelzimmer

Ich hab es geahnt, mir war es gestern schon völlig klar. Ich wache in Wiesbaden auf der gestern erwähnten Couch im Backstage auf. Das ist mir vor einem Jahr schon einmal passiert, als ich mit den Kilians hier war. Nach der Show haben wir uns damals fleißig an besagtem Kühlschrank bedient und sind auf der Couch versackt. Als auch der letzte Kilianer den Weg zu seinem Bett gefunden hatte, bin ich einfach im Sitzen nach links gekippt und hab mich der besoffenen Müdigkeit hingegeben.

Gestern dagegen habe ich dann doch den Weg zum Bett angetreten. Hier erwarten mich U-Boot-artige Dreifach-Stockbetten und geschlossene Fenster auf ziemlich wenigen Quadratmetern. Scheint mir keine gute Mischung gegen Kater am Morgen zu sein. Plötzlich erstrahlt die Couch im Backstage in völlig neuem Glanz, zumal der Backstage jetzt ja irgendwie ein Einzelzimmer ist. Immerhin war ich diesmal clever genug, an Decke und Kissen zu denken…

Eine Studentenstadt wie Marburg in den Semesterferien auf Tournee zu bereisen gehört nicht zu den besten Ideen, dennoch ist das KFZ ganz gut gefüllt. Der deutlich früher als in den anderen Städten angesetzte Konzertstart sorgt für Verwirrung. Dass wir schon um halb elf Feierabend haben dann für noch größere. Aber wir sind erfreut, sowohl über das vielleicht von den Ostertagen äußerst entspannte Publikum, als auch über die uns bevorstehenden acht Stunden Schlaf. Es bleibt aber genug Zeit, trotz eisiger Temperaturen mit An Horse zusammen auf der Terrasse des Hotel Bellevue den Abend ausklingen zu lassen. Leider müssen An Horse wegen ihres Visums für die USA noch einen Ausflug zur Botschaft nach Frankfurt machen. Ich wusste nicht, dass Kate auch Fuck sagen kann, und dann gleich so oft hintereinander.

Traumhafter Ausblick vom Hotel Bellevue.
Traumhafter Ausblick vom Hotel Bellevue.

Dabei hätte sie sich tagsüber fast ein Platzwunde eingehandelt: Ich glaube, es passiert während Simons Soundcheck, als Kate im Backstage beinahe von einem Stein erschlagen wird. Der Backstage liegt schräg unterhalb der Bühne und aus der Decke löst sich durch die Bassvibrationen ein Stein in Größe eines Tischtennisballs und verfehlt Kate nur um Zentimeter. Sollte dies ein heimlich geplanter Anschlag von Simon den Hartog und Band oder gar ein niederträchtiger Plan des Soundmanns gewesen sein, dann müssen alle aber noch kräftig üben. Zum Beispiel heute Abend beim Heimspiel im Zakk in Düsseldorf.

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Musik Unterwegs

Tag 3: Wiesbaden

Dieser Eintrag ist Teil 4 von bisher 9 in der Serie Das Simon den Hartblog

Montag, 5. April 2010

Täglich grüßt das Murmeltier

Routine, Routine, die böse Tourroutine klopft kräftig an unsere übermüdeten Köpfe. Die kann sich aber nur einstellen, wenn alles wirklich gut läuft, und das tut es. Deshalb möchte ich hier auch gar nicht meckern, aber auf Tour gleichen sich die Abläufe der Tage wie ein Ei dem anderen.
Leider bekommen wir von den Städten selbst nicht viel mit, sehen meist nur die Clubs und deren Nachbarschaft.
Die Australier von An Horse scheinen überrascht zu sein, wie sehr wir Deutschen uns um Essen bemühen. Bei ihrem Konzert erwähnt Sängerin Kate, sie habe das Gefühl, noch nie so viel gegessen zu haben wie in den letzten drei Tagen. Vielleicht liegt das an den für australische Mägen eher ungewohnten Käsespätzle, die uns in Erlangen bereitet wurden.
Aber recht hat sie, gegessen wird viel und gut, da werden wir gegen Ende der Tour die Gürtel wohl ein bisschen weiter machen müssen.

Simons Blick ins Wiesbadener Publikum.
Simons Blick ins Wiesbadener Publikum.

Ich habe heute zum Abendessen einen Sommersalat mit Feigen bestellt.
Ich finde: Feigen klingt irgendwie gut, ein bisschen exotisch. Unter den neidischen Blicken der anderen bekomme ich dann aber statt Feigen Erdbeeren. Zum Glück die Krone jeglichen mir bekannten Obstes, im
Salat allerdings völlig fehl am Platz und nicht mal halb so exotisch wie Feigen. Um den exotischen Touch des Salates zu erhalten, hat man mir netterweise noch zwei Hände voll Rosinen in den Salat gehauen…

Es gibt einen Song von Simon den Hartog und Band, über den wir in den letzten Tagen viel gewundert haben. Den “Cowboy-Song”.
Erstaunlicherweise hat er nämlich keinen guten Stand bei den Eltern der Musiker. Christians Eltern hörten ihn in Stuttgart und fanden ihn grässlich, Dominics Eltern in Erlangen waren auch nicht gerade
begeistert. Dabei gefällt er uns und dem restlichen Publikum sehr gut und er sticht gar nicht so sehr aus dem restlichen Set heraus. Dass gerade dieser Song ja geradezu elternverhasst ist, leuchtet uns in
keiner Weise ein.

Findet es selbst heraus und kommt bei Simon den Hartog und Band vorbei, zum Beispiel heute im KFZ in Marburg.

Alles, was das Fan-Herz begehrt...
Alles, was das Fan-Herz begehrt...
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Musik Unterwegs

Tag 2: Erlangen

Dieser Eintrag ist Teil 3 von bisher 9 in der Serie Das Simon den Hartblog

Sonntag, 4. April 2010

Von Löwen und Pferden

“Du freust dich doch jetzt nicht wirklich über den Wecker“ murrt mein Zimmernachbar Christian ungläubig-fassungslos durch unser Kreuzfahrtschiffkabinenzimmer. Er ist der Tourmanager und nicht erfreut, das warme Bett verlassen zu müssen. Je wacher ich werde, desto klarer wird mir, dass wir nicht auf einer Kreuzfahrt sind. Obwohl, irgendwie ja doch ein bisschen…

Aber ich freu mich über den Wecker, denn der bedeutet Frühstück. Hotelfrühstück, so lieblos es meistens auch ist, bringt in vielen Hotels eine in meinem Privatleben nicht gekannte Auswahl an Cerealien, frischem, schon mundgerecht geschnittenem Obst, diversen Säften, verschiedenen Brotsorten und schon fertig gerührtem Rührei.

Derart für den Tag gestärkt, werden wir im Tourbus Zeuge einer geradezu unglaublichen Radiosendung.

Aus dem Rock’n’Roll-Himmel werden angebliche Konzerte verstorbener Stars der letzten 50 Jahre übertragen. An sich eine ganz nette Idee, allerdings hapert es deutlich an der Umsetzung. Als der Moderator behauptet, er säße auf einer Wolke – “Huhu, vielleicht können Sie mich von da unten sehen“ – wird nach diversen Lachattacken klar, dass wir bei der Senderwahl alles richtig gemacht haben. Großartig auch, dass nahezu unter die komplette Sendung Stadionapplaus gelegt wird, um die grandiose Live-Atmosphäre des Events hervorzuheben. Hoch erfreut sind alle, als die Doors live aus dem Rock’n’Roll Himmel noch einmal “Light my fire“ spielen. Denn “Die neue 107,7“, ein Stuttgarter Privatradio, ist sich nicht zu schade, die Version inclusive zehnminütigem Orgelsolo zu senden. Das erlebt man ja heutzutage im Radio eher selten. Großes Lob an Stuttgart, und weiter geht’s.

An Horse live in Erlangen.
An Horse live in Erlangen.

Heute an Tag zwei der Kreuzfahrt wird das Tourleben schon routinierter. Jeder weiß jetzt, wo auf der Bühne was zu stehen hat, und auch diejenigen Musiker in der Band, die nicht ständig auf den Bühnen dieser Welt zu sehen sind, können sich dank schwindender Nervosität hundertprozentig auf das Konzert einlassen.

Spätestens übermorgen sind die “Neuen“ aber auch so abgewichste Vollprofis im Tourneebusiness wie die alten Hasen. Das geht schnell!

Geschickt trennen wir wie Löwen auf der Jagd nach der Show Damon und Kate von “An Horse” voneinander. Da Kate sich schon früh auf den Weg ins Hotel macht, bleibt Damon alleine und von den 7 den Hartogern umzingelt zurück. Ob ihm aber unsere 7-stimmige Backstage-Version von “Aux Champs Elysées” wirklich gefallen hat, werden wir wahrscheinlich nie erfahren.

Vielleicht frag ich ihn heute, beim Konzert im Schlachthof in Wiesbaden. Hier waren Simon und ein paar von uns schon einige Male und haben uns immer sehr wohl gefühlt. Gefährlich ist jeder Besuch im Schlachthof aber jedes Mal, da zwischen der Bühne und unseren Betten nur ein Kühlschrank und ein paar gemütliche Sofas stehen…

Ein neuer Song wird einstudiert.
Ein neuer Song wird einstudiert.
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Unterwegs Musik

Tag 1: Stuttgart

Dieser Eintrag ist Teil 2 von bisher 9 in der Serie Das Simon den Hartblog

Samstag, 3. April 2010

“Das ist unser erstes Konzert“

Nach mehreren Jahren des Tontechnikerdaseins kenne ich sie alle:
Ich kenne jede Ausrede und jede fadenscheinige Erklärung, warum die Band ausgerechnet dieses Mal leider, leider nicht pünktlich am Auftrittsort erscheinen konnte. Da hört man Geschichten von Stau, Panne, ja sogar Geburtshilfe.

Interessant ist, dass wirklich jede einzelne Band, mit der ich je unterwegs war, am Telefon gelogen hat, wenn sie ein bisschen mehr oder weniger zu spät losgefahren war. Die wahren Gründe des Zuspätkommens sind in den seltensten Fällen aber Stau, Panne oder Geburtshilfe, und der geneigte Leser möge sich an dieser Stelle selber ausmalen, was stattdessen in Frage kommt. Als Tontechniker ist man ein bißchen wie die Tapete: Man kriegt alles mit, aber schweigt stille. Zudem habe auch ich schon oft gelogen, auch wenn ich genau wusste, dass es keine Chance gibt, es noch halbwegs pünktlich zu schaffen. Ist besser für alle Beteiligten.

Gestern war es allerdings überhaupt nicht nötig, kreative Ausreden zu erfinden. Wir waren so was von überpünktlich in Stuttgart, das habe ich noch nie erlebt. Das könnte eventuell auch eine Menge damit zu tun haben, dass ich Simon den Hartog auch noch nie habe sagen hören: “Das ist unser erstes Konzert!”

Es heißt ja immer, wer gut ist, müsste nicht proben. Simon den Hartog und Band haben trotzdem einge Wochen in einem Kölner Proberaum verbracht, und das hat sich deutlich ausgezahlt, wie sich in Stuttgart zeigte:

Das etwa eine Stunde dauernde Konzert wirkte nämlich zu keiner Zeit wie eine Premiere. Sehr auffällig war aber, wenn auch völlig klar, dass keiner der über hundert Gäste mitgesungen hat.

Die Gelegenheit zum Mitsingen ergab sich aber dennoch, nur etwas später: Zum 23. Geburtstag des Bassisten Nobert Dominic wurde ein kurzes Happy-Birthday angestimmt. Wo sollte denn auch jemand, der auf den Bühnen der Welt zu Hause ist, auch sonst in seinen Geburtstag reinfeiern, wenn nicht im “Keller” in Stuttgart?

Ebenfalls Premiere gestern: Das erste Deutschlandkonzert von An Horse! Die Australier begleiten uns die kompletten acht Tage der Tour als Vorband und stellen ihre gerade erschienene CD vor. Sehr nette, freundliche Menschen, die über die Jahre im internationalen Musikbusiness die Kunst des Smalltalks auf eine mir bisher völlig unbekannte, ja geradezu faszinierende Art erlernt haben. Zum Smalltalk hat man auf einer Tour nämlich vieeeel Zeit. Denn es ist ja so: Die meiste Zeit des Tages besteht aus Warten. Warten auf das Ankommen am Auftrittsort, Aufbauen, Warten auf den Soundcheck, Warten auf den Auftritt. Da kann man über die Jahre ziemlich gut lernen, wie man sich an Theken über Nichtigkeiten unterhält, ohne sich irgendetwas zu sagen, das die Anstrengungen, die man ohnehin schon auf sich nimmt, verstärkt.

Nun aber An Horse: Viele Smalltalkmeister habe ich getroffen, tausende Thekengespräche geführt, aber die beiden sind internationale Champions. Das bleibt wahrscheinlich nicht aus, wenn man über die Jahre so viele Menschen kennen lernt wie die beiden, und das auch noch auf unterschiedlichen Kontinenten! Aber wir werden in den nächsten Tagen schon noch dahinter kommen, wer und wie die beiden eigentlich wirklich sind. Acht Tage auf engstem Raum halten auch internationale Champions nicht im Small Talk aus, da bin ich sicher.

Heute ist immer noch der 4.4. und natürlich feiern wir noch weiterhin Dominics Geburtstag – beim Konzert im E-Werk in Erlangen. Wäre schön, euch dort zu sehen …

Entspannung nach der Show: Das rauchende Geburtstagskind
Auch in Hotelzimmern kann man sich wie auf Kreuzfahrtschiffen fühlen.

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Musik Digital

Programmhinweis: Simon den Hartog

Phil Collins, Thom Yorke, James Dean Bradfield, … — die Liste der Sänger, die sich auch mal außerhalb ihrer Bands (Genesis, Radiohead, Manic Street Preachers) austoben wollten, ist lang. Jetzt also Simon den Hartog.

Ab Samstag tourt der quirlige Wahl-Kölner für eine Woche ohne seine Kilians durch die Republik, im Vorprogramm spielen die sehr empfehlenswerten An Horse (mehr zu denen bei den nächsten “Gesammelten Platten”). Das sieht dann so aus:

03.04. Stuttgart, Keller
04.04. Erlangen, E-Werk
05.04. Wiesbaden, Schlachthof
06.04. Marburg, KFZ
07.04. Düsseldorf, zakk
08.04. Osnabrück, Kleine Freiheit
09.04. Berlin, Magnet
10.04. Halle, Objekt 5

Basti bei der Arbeit

Wer es (skandalöserweise) nicht zu den Konzerten schafft, muss auf eine Überdosis Kilian nicht verzichten: Basti Boensch, verantwortlich für den Livesound, wird ein exklusives Tourblog schreiben. Und Sie ahnen nie, wo …

Äh, na gut.

Das Simon den Hartblog
ab ungefähr morgen
nur auf coffeeandtv.de