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Sack Reis in China

Was macht eigent­lich Ange­la Mer­kel?

Titelseite "Süddeutsche Zeitung" vom 7. Juli 2014

Titelseite "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 7. Juli 2014

Titelseite "Welt" vom 7. Juli 2014

Titelseite "Welt Kompakt" vom 7. Juli 2014

Das ist aber trotz­dem natür­lich nur ein hal­ber Gut­ten­berg.

[alle Titel­bil­der via „Mee­dia“]

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Politik Gesellschaft

Lucky & Fred: Episode 4

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Es hat lan­ge gedau­ert, aber jetzt sind sie end­lich wie­der da: Lucky und Fred bewe­gen sich zwi­schen Euro­pa­wahl und Welt­meis­ter­schaft, ESC und WTC, zwi­schen Mer­kel in Washing­ton und Gar­ten­zäu­nen im Ruhr­ge­biet. Außer­dem geht es um den bio­lo­gi­schen Zustand der FDP und das neue For­mat “Deutsch­land sucht den Super­schur­ken”. Fred wid­met sich sei­nem Lieb­lings­geg­ner Joa­chim Gauck und Lucky ver­passt Euch einen Ohr­wurm für die nächs­ten vier Wochen.

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Das „Zeit Magazin“ schreibt sich um Kopf und Fuß

Frü­her war die Welt noch klar auf­ge­teilt: In der Tages­zei­tung am Früh­stücks­tisch und der Wochen­zei­tung oder dem Maga­zin im Ohren­ses­sel infor­mier­te man sich über Poli­tik, Wirt­schaft und Kul­tur (letz­te­re zumeist mit dem etwas hoch­nä­si­gen Prä­fix „Hoch“) und wenn man beim Arzt oder dem Fri­seur auf die Ver­rich­tung war­te­te, blät­ter­te man mit spit­zen Fin­gern in den soge­nann­ten Illus­trier­ten und las skan­da­lö­se Geschich­ten aus dem ver­meint­li­chen Pri­vat­le­ben von angeb­li­chen Pro­mi­nen­ten, die einem zumeist unbe­kannt und egal waren. Als ich in mei­ner Schul­zeit regel­mä­ßig zur Kran­ken­gy­mastik muss­te, war ich bes­tens über die Gescheh­nis­se der deut­schen Schla­ger­sze­ne infor­miert.

Heut­zu­ta­ge ist es schwer, irgend­wo hin­zu­le­sen, ohne mit skan­da­lö­sen Geschich­ten aus dem ver­meint­li­chen Pri­vat­le­ben von angeb­li­chen Pro­mi­nen­ten behel­ligt zu wer­den. „Spie­gel Online“ hat den Irr­sinn per­fek­tio­niert, belang­lo­se Mel­dun­gen nach­zu­er­zäh­len, die in ame­ri­ka­ni­schen Klatsch­blogs stan­den und deren Prot­ago­nis­ten, zumeist irgend­wel­che ame­ri­ka­ni­schen Tee­nie- oder Rea­li­ty-Stars, den eige­nen deut­schen Lesern zunächst umständ­lich vor­ge­stellt wer­den müs­sen.

Als die Ehe­leu­te Gwy­neth Palt­row (Oscar-Preis­trä­ge­rin) und Chris Mar­tin (Cold­play-Sän­ger) das Ende ihrer Bezie­hung mit einem Blog­ein­trag unter der Über­schrift „Con­scious Uncou­pling“ öffent­lich gemacht haben, war das vie­len the­ma­tisch sonst eher anders auf­ge­stell­ten Medi­en eine kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Betrach­tung der Kon­zep­te „Ehe“ und „Tren­nung“ wert.

Im „Zeit“-Magazin gibt es eine Rei­he, die sich „Über das ech­te Leben“ nennt und sich unter dem augen­zwin­kern­den Rubrum „Gesell­schafts­kri­tik“ mit dem Pri­vat­le­ben von Pro­mi­nen­ten aus­ein­an­der­setzt. Der Blick­win­kel ist dabei – „Zeit“ halt – von oben her­ab, was schon des­halb ein biss­chen witz­los ist, weil ja selbst die schrot­tigs­ten Bou­le­vard­res­te­ram­pen die Objek­te ihrer Betrach­tun­gen nicht mehr umschwär­men, son­dern am liebs­ten ver­spot­ten, ger­ne auch post­hum.

Die­se Woche darf Peter Dau­s­end, im unech­ten Leben poli­ti­scher Kor­re­spon­dent der „Zeit“ in Ber­lin, ran. Er wid­met sich den Gerüch­ten, dass die Schau­spie­le­rin Uma Thur­man („Kill Bill“, „Pulp Fic­tion“) und der Regis­seur Quen­tin Taran­ti­no („Kill Bill“, „Pulp Fic­tion“) seit Neu­es­tem ein Paar sein sol­len (vgl. die übli­chen Klatsch­pos­til­len Bild.de, Bunte.de, Gala.de und Stern.de).

Er beginnt mit der Beschrei­bung einer Sze­ne aus „Kill Bill“, in der Uma Thur­mans nack­te Füße zu sehen sind, und doziert:

Nun muss man wis­sen, dass Quen­tin Taran­ti­no, der Kill Bill-Regis­seur, eine Vor­lie­be für Frau­en­fü­ße im All­ge­mei­nen und für die von Uma Thur­man im Beson­de­ren hat. Sie sei­en die schöns­ten, so hat er mal gesagt, die er je gese­hen habe.

Wer sich ein biss­chen inten­si­ver mit dem Werk Taran­ti­nos aus­ein­an­der­ge­setzt hat, weiß davon eben­so wie von dem Umstand, dass Thur­man für ihn lan­ge Jah­re das war, was daher­ge­lau­fe­ne Bil­dungs­bür­ger­feuil­le­to­nis­ten als „Muse“ bezeich­nen. 1

Quen­tin Taran­ti­no und Uma Thur­man sind jetzt ein Paar, 21 Jah­re nach­dem sie zusam­men Pulp Fic­tion gedreht haben. Das erscheint auf den ers­ten Blick ganz wun­der­bar, zeigt es doch, dass der still lie­ben­de Mann immer auf ein Hap­py End hof­fen darf.

Das klingt auf den ers­ten Blick bei­na­he roman­tisch, kriegt dann aber doch ganz schnell die Kur­ve ins Gehäs­si­ge:

Wenn dann das Objekt der Begier­de einen Mil­li­ar­där aus Genf oder was ähn­lich Lang­wei­li­ges abschießt, muss man nur noch den eige­nen Über­gangs­part­ner ver­ab­schie­den – und schon kann man bis ans Lebens­en­de glück­lich sein.

Dass sich außer einem soge­nann­ten „Insi­der“ im bri­ti­schen Klatsch­ma­ga­zin „Clo­ser“ noch nie­mand zu den Gerüch­ten um Thur­man und Taran­ti­no geäu­ßert hat, ficht Dau­s­end nicht an. Ihm geht es um ganz ande­re Gerüch­te:

Ja, natür­lich gibt es Gerüch­te. Dass Taran­ti­no und Thur­man das Paar­sein nur simu­lie­ren, um für Vor­ab-PR zu sor­gen. Denn Taran­ti­no, so raunt man sich zu, möch­te dem­nächst den zwei­ge­teil­ten Kill Bill unter dem Titel Kill Bill: The Who­le Bloo­dy Affair als vier­stün­di­ges Gesamt-Rache­epos in die Kinos brin­gen.

Für einen kur­zen Moment scheint es, als hät­te Dau­s­end erkannt, wie egal das alles ist. Mit­ten in sei­nem Text schim­mert mono­li­thisch das Man­tra des Bou­le­vard­jour­na­lis­mus:

Ob die Gerüch­te nun stim­men oder nicht, spielt kei­ne Rol­le.

Aber er muss ja sei­ne merk­wür­di­ge Kolum­ne fül­len und tritt des­halb aufs Gas­pe­dal – und dahin, wo’s sonst noch weh tut:

Wir geben den bei­den sowie­so kei­ne Chan­ce. Unter­wür­fi­ge Bewun­de­rung, lie­bes­tol­les Hin­ter­her­he­cheln, hün­di­sche Unter­wer­fung, wie es Män­nern nach lan­gem Schmach­ten eigen ist – dafür hat der Star sei­ne Fans, nicht sei­nen Part­ner.

Wenn schon die Bezie­hungs­exper­ten vom renom­mier­ten deut­schen „Zeit Maga­zin“ den bei­den kei­ne Chan­ce geben, kön­nen die’s natür­lich gleich blei­ben las­sen – immer vor­aus­ge­setzt, es gibt über­haupt etwas, was sie blei­ben las­sen könn­ten.

Aber Frau­en­ver­ste­her Dau­s­end scheint sich ja eh bes­tens aus­zu­ken­nen:

Thur­man wird einen glücks­be­seel­ten Taran­ti­no nicht lan­ge ertra­gen. Wir freu­en uns jetzt schon auf den Film, mit dem der blut­ver­sprit­zen­de Rache­en­gel Taran­ti­no den Lie­bes­trot­tel in sich über­win­det und das Schei­tern sei­nes Lebens­trau­mes ver­ar­bei­tet. Und haben ein wenig Angst um Umas Füße.

Das ver­meint­lich pri­va­te Glück frem­der Men­schen als Witz­vor­la­ge für eine lau­ni­ge Kolum­ne. Das ist das „Zeit Maga­zin“.

  1. In den letz­ten Jah­ren scheint die­se inspi­rie­ren­de Son­der­rol­le ein wenig auf den Schau­spie­ler Chris­toph Waltz über­ge­gan­gen zu sein, was man ein­fach mal im Hin­ter­kopf behal­ten soll­te, wenn man den Rest von Dau­s­ends Aus­füh­run­gen liest.[]
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Musik Digital

Programmhinweis: Bloggenhagen

Ich bin heu­te Mor­gen um 4.50 Uhr auf­ge­stan­den und nach Kopen­ha­gen geflo­gen. Was ich da so erlebt habe und – vor allem – was ich dort in den nächs­ten Tagen als Mit­glied der deut­schen Dele­ga­ti­on beim Euro­vi­si­on Song Con­test erle­ben wer­de, kön­nen Sie in mei­nem klei­nen Video­ta­ge­buch sehen, das ich täg­lich für eurovision.de pro­du­zie­re:

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Mor­gen sind dann – wie­der zu einer etwas unchrist­li­chen Zeit – die ers­ten Pro­ben von Elai­za, am Abend gibt es die tra­di­tio­nel­le Wel­co­me Recep­ti­on, die auch immer ein ganz beson­de­res Ereig­nis ist. Nur, dass Ste­fan dies­mal nicht mit dabei sein wird (und Lena Mey­er-Land­rut und Dirk Elbers auch nicht).

Alle Fol­gen fin­den Sie auf You­Tube, außer­dem pos­te ich bei Twit­ter unter @eurovisionde wei­te­re Ein­drü­cke von hin­ter den Kulis­sen.

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Politik Gesellschaft

Lucky & Fred: Episode 3

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In der April-Aus­ga­be von Lucky & Fred ver­glei­chen wir Franz Josef Wag­ner mit Wolf­gang Schäub­le und Ger­hard Schrö­der mit den ande­ren deut­schen Kanz­lern. Wir spe­ku­lie­ren über eine Welt ohne 11. Sep­tem­ber, spre­chen über unse­re aka­de­mi­schen Lauf­bah­nen und Streik-Erin­ne­run­gen und lie­fern Euch die defi­ni­ti­ve Esels­brü­cke zur Zeit­um­stel­lung.
Außer­dem gibt es eine klei­ne ESC-Vor­schau, eine Art Rei­se­füh­rer Ruhr­ge­biet und irgend­was mit Tas­sen.

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Film

Cinema And Beer: „Grand Budapest Hotel“

Nach einer vier­mo­na­ti­gen Pau­se haben sich Tom und Lukas end­lich wie­der zusam­men­ge­setzt, um bei einem Bier einen aktu­el­len Film zu bespre­chen. Es geht um „Grand Buda­pest Hotel“, das neu­es­te „nied­li­che“ Werk von Wes Ander­son.

Grand Budapest Hotel (Offizielles Filmplakat)

Cine­ma And Beer: „Grand Buda­pest Hotel“
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Rundfunk

Eine unglückliche Frau

Manch­mal, wenn mein Blut­druck so nied­rig ist, dass ihn nicht mal die Mel­dun­gen der „Tages­schau“ auf Tou­ren brin­gen kön­nen, schal­te ich gegen 20 Uhr Vox ein, wo eine Frau namens Con­stan­ze Rick all­abend­lich über das Pri­vat­le­ben von Pro­mi­nen­ten doziert und urteilt.

Man könn­te die­se Sen­dung als „ver­film­te ‚Bild‘-Zeitung“ oder „ver­film­te ‚Bun­te‘ “ bezeich­nen, aber das trifft es nicht ganz. So viel geball­te Über­heb­lich­keit und Men­schen­ver­ach­tung fin­det man nicht mal bei Sprin­ger und Bur­da. Wäh­rend zeit­gleich in der ARD mög­lichst sach­lich die welt­po­li­ti­sche Lage refe­riert wird, hecheln sie bei Vox das durch, was die ein­schlä­gi­gen Pro­mi-Sei­ten im Inter­net unge­fähr einen Tag zuvor berich­tet hat­ten – nur nicht ganz so seri­ös.

Wenn man die­ses For­mat ein paar Mal gese­hen haben, fällt einem auf, wie weit sich die Redak­ti­on von klas­si­schen Fern­seh­kon­ven­tio­nen ver­ab­schie­det hat: Da ist etwa die Mode­ra­to­rin, die durch Stra­ßen und men­schen­lee­re Räu­me streift, wäh­rend sie gleich­zei­tig aus dem Off spricht (aber dar­über haben Ste­fan und Peer schon vor Jah­ren geschrie­ben), oder der Umstand, dass ein Bei­trag erst ange­teasert wird – und dann direkt danach anfängt, weil in den 15 Minu­ten Sen­de­zeit gar nicht so vie­le Wer­be­blö­cke lau­fen kön­nen, wie es die umständ­li­che „Sehen Sie gleich“-Formatierung ver­langt.

Auch das Prin­zip „Schnitt­bil­der“ wird hier auf die Spit­ze getrie­ben, weil es das Aller­meis­te, was im Off-Kom­men­tar beschrie­ben wird, gar nicht als Bewegt­bild gibt. Anders als ihre Print-Kol­le­gen haben die Macher von „Pro­mi­nent“ also das Pro­blem, jeden ein­zel­nen ihrer süf­fi­san­ten Sät­ze bebil­dern zu müs­sen. Des­halb sieht man dann mehr­mals hin­ter­ein­an­der, wie der 80-jäh­ri­ge Karl Lager­feld von Papa­raz­zi bedrängt ins Stol­pern gerät, oder die Wit­we von Phil­ip Sey­mour Hoff­man, die mit den gemein­sa­men Kin­dern zur Trau­er­fei­er anreist, in End­los­schlei­fe.

Als ich am Mitt­woch ein­schal­te­te, ging es um den Tod von L’W­ren Scott. Scott war eine nam­haf­te Mode­de­si­gne­rin, aber auch die Freun­din von Mick Jag­ger. Und sie hat sich das Leben genom­men.

Was das für die inter­na­tio­na­le Bericht­erstat­tung bedeu­tet, hat Jane Mar­tin­son für den „Guar­di­an“ sar­kas­tisch so kom­men­tiert:

What makes a beau­tiful, suc­cessful and extre­me­ly rich woman take her own life? In lieu of any sort of evi­dence, the suspec­ted sui­ci­de of desi­gner L’W­ren Scott is as baff­ling as it is heart­brea­king for anyo­ne who belie­ves that depres­si­on is the sole pre­ser­ve of the poor and ugly.

Unless, of cour­se, you belie­ve that a child­less, unmar­ried woman has every reason in the world to be depres­sed.

Das „New York Maga­zi­ne“ hat ein biss­chen doku­men­tiert, wie sich die Medi­en vor allem auf Scott als Frau an Jag­gers Sei­te kon­zen­triert haben, und erklärt:

In one sen­se, to tho­se who fol­low cele­bri­ty and music as oppo­sed to fashion, yes, Scott was the long­time part­ner of Jag­ger. But in life, she defi­ned hers­elf as not a han­ger-on, not as a fame-who­re, not just as one half of a rela­ti­onship, but as L’Wren Scott, a woman who pul­led hers­elf up by her incre­di­bly chic boot­straps and beca­me an entre­pre­neur.

Und damit zurück zu „Pro­mi­nent“, wo Con­stan­ze Rick in dem ihr eige­nen Ton­fall über ver­färb­te Archiv­auf­nah­men und einen dicken Strei­cher­tep­pich spricht:

Eigent­lich hat­te Mick Jag­gers Freun­din alles: Sie sah gut aus, hat­te eine Kar­rie­re als Star-Desi­gne­rin, ein Luxus­le­ben und einen berühm­ten Freund. Doch jetzt sagt L’W­ren Scotts Schwes­ter: sie war eine unglück­li­che Frau.

Sie genoss das Blitz­licht, lächel­te in die Kame­ras und prä­sen­tier­te sich immer als star­ke, selbst­be­wuss­te Frau an der Sei­te eines eben­so star­ken Man­nes: L’W­ren Scott und Mick Jag­ger, vor fünf Mona­ten in New York. Ihr letz­ter gemein­sa­mer Auf­tritt — als glück­lich wir­ken­des Paar. Doch das war viel­leicht nur Fas­sa­de. Hier muss es der 49-Jäh­ri­gen schon schlecht gegan­gen sein, von Dämo­nen und Depres­sio­nen ist die Rede.

Sie war unglück­lich, behaup­tet jetzt auch ihre Schwes­ter Jen: „Ein­mal sahen wir uns in die Augen und sie sag­te: Ich benei­de Dich. Ich frag­te: War­um benei­dest Du aus­ge­rech­net mich? Und sie ant­wor­te­te trau­rig: Du hast all die­se Kin­der, du hast eine Fami­lie.“ All das hat L’W­ren nicht.

Na dann!

Es folgt ein „Rück­blick“, also eine Art kurz­re­fe­rier­ter Wiki­pe­dia-Ein­trag, über die fami­liä­ren Hin­ter­grün­de von Scott. Dar­in die­se Bild­be­spre­chung:

Hier ein 14 Jah­re altes Fami­li­en­fo­to: L’W­ren steht in der letz­ten Rei­he, ihre Schwes­ter und ihre Mut­ter sit­zen mit­ten­drin. Mick Jag­ger ist hier noch kein The­ma, erst ein Jahr spä­ter ver­lie­ben sie sich.

Dann ging es aber end­lich auf­wärts mit dem Leben in der letz­ten Rei­he: Frau Scott wur­de die Freun­din des Rol­ling-Stones-Front­manns.

Aber eben nur sei­ne Freun­din, 13 Jah­re lang. Nie sei­ne Ehe­frau. Auch nicht die Mut­ter sei­ner Kin­der. Ein Grund für einen Selbst­mord?

Das fragt Con­stan­ze Rick wirk­lich. Im glei­chen Ton­fall, in dem nor­ma­le Men­schen „Noch was Kaf­fee?“ fra­gen wür­den.

Es folgt dann noch mal ein mut­maß­li­ches Zitat der Schwes­ter der Ver­stor­be­nen, das – wie das ers­te – aus dem „Dai­ly Mir­ror“, also einer für Bou­le­vard­jour­na­lis­ten voll ver­trau­ens­wür­di­gen Quel­le stammt. „Ich wür­de alles dafür geben, noch ein­mal mit ihr reden zu kön­nen“, sagt die Schwes­ter da und Con­stan­ze Rick kom­men­tiert gefühl­voll:

Dafür ist es zu spät. Am Mon­tag stran­gu­lier­te sich L’Wren Scott mit einem Schal. Die Frau, die ver­meint­lich alles hat­te.

Nach einer Fol­ge „Pro­mi­nent“ muss ich erst mal zwei Stun­den Tier­ba­by­vi­de­os gucken.

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Politik Digital

Lucky & Fred: Episode 2

Es ist ganz schön was pas­siert in der Welt seit unse­rer ers­ten Fol­ge: Die Krim-Kri­se regt Jour­na­lis­ten zu wil­den His­to­ri­en-Ver­glei­chen an. Wir erklä­ren, war­um wir uns über einen Rück­tritt von Innen­mi­nis­ter Hans-Peter Fried­rich mehr gefreut hät­ten als über den von Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Hans-Peter Fried­rich.

Die Ver­ur­tei­lung von Uli Hoe­neß ist der Start­schuss für das Brei­ten­sport­pro­jekt „Deutsch­land übt Kaba­rett”. Wir wer­fen einen Blick auf all das, was man ja wohl noch sagen dür­fen kön­nen muss, und for­dern Frei­heit für Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re.

Auf einer all­täg­li­che­ren Ebe­ne spre­chen wir über zu dicke Flie­sen­spie­gel, gekühl­te Super­märk­te und Taxitel­ler:

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Politik Gesellschaft

Lucky & Fred: Episode 1

Weil uns der Jah­res­rück­blick so viel Spaß gemacht hat, haben Fried­rich Küp­pers­busch und ich beschlos­sen, so was jetzt öfter zu machen, auch wenn das Jahr noch gar nicht vor­bei ist.

In der ers­ten Fol­ge unse­res neu­en Pod­casts erklä­ren wir also, wie man in Ber­lin den Taxi­schein macht, wie man fast das Grim­me-Insti­tut zer­stört und was Joa­chim Gauck von Horst Köh­ler unter­schei­det. Außer­dem wer­fen wir einen Blick auf Ali­ce Schwar­zer, Jörg Kachelm­ann und der Schur­ken­staat Schweiz, wün­schen uns ein Deutsch­land in den Gren­zen von Kon­rad Ade­nau­er und klä­ren, was der ADAC mit Tina Tur­ner und Her­bert Grö­ne­mey­er zu tun hat:

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(Wir arbei­ten auch schon am RSS-Feed, damit Sie die­sen Pod­cast zukünf­tig direkt ins Haus Wie­der­ga­be­ge­rät gelie­fert bekom­men. Bit­te haben Sie noch etwas Geduld!)

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Musik

Wenn Lieder explodieren

Für Pop­mu­sik­fans mit einem Inter­es­se, das nicht nur über Fri­su­ren und Bezie­hungs­sta­tus eines Musi­kers, son­dern auch über Akkord­fol­gen und Har­mo­nien hin­aus­geht, gibt es einen neu­en Pod­cast: Bei „Song Explo­der“ aus dem Hau­se Maxi­mum Fun wer­den ein­zel­ne Musik­stü­cke aus­ein­an­der­ge­nom­men wie edle Sport­wa­gen in der Auto­werk­statt.

In der ers­ten Fol­ge stellt Jim­my Tam­bo­rel­lo von The Pos­tal Ser­vice ein­zel­ne Sounds, Beats und Gesangs­spu­ren aus „The Dis­trict Sleeps Alo­ne Tonight“ (ein Song, den ich etwa 10.000 Mal gehört habe) vor und erklärt, dass er sich bei den Beats sowohl an Björk als auch am deut­schen Label Morr Music (und dabei beson­ders an Lali Puna) ori­en­tiert habe:

Hier kli­cken, um den Inhalt von maximumfun.org anzu­zei­gen.

In der zwei­ten Aus­ga­be ist dann „Outer Banks“ von The Album Leaf dran – ein Song, den ich bis­her gar nicht kann­te, in des­sen dich­ter Klang­tex­tur aber unter ande­rem das quiet­schen­de Pedal eines Fen­der Rho­des zu hören ist.

„Song Explo­der“ bei Maxi­mum Fun.

[via Lin­da Hol­mes]

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Musik

Songs des Jahres 2013

Das neue Jahr ist auch schon wie­der zehn Tage alt, da wird es Zeit, die Alt­las­ten von 2013 abzu­tra­gen. In die­sem Fall: Mei­ne Songs des Jah­res. Die Aus­wahl ist wie immer völ­lig sub­jek­tiv, die Rei­hen­fol­ge im Moment ihrer Erstel­lung schon ver­al­tet und ver­mut­lich hab ich eh wie­der das Wich­tigs­te ver­passt.

25. Bos­se – Schöns­te Zeit
Ja, ja: Das ist schon sen­ti­men­ta­ler Quatsch, Kurt Cobain hul­di­gen zu wol­len mit so einem ver­gleichs­wei­se bana­len Pop­song, der im Text viel zu expli­zit durch dekli­niert, was er aus­drü­cken will. Aber was für ein Pop­song das dann eben doch ist! Und die­ses per­len­de Kla­vier, das die Instru­men­tal­stel­len zu einem der im Gebrauchs­fern­se­hen meist gespiel­ten Wer­ke des Jah­res gemacht hat! Doch, ich blei­be dabei: Ich mag die­sen Song!

24. Junip – Line Of Fire
Ich weiß defi­ni­tiv zu wenig über José Gon­zá­lez und sei­ne Band Junip, die zwar seit Jah­ren immer wie­der am äuße­ren Sicht­feld mei­nes Radars auf­tau­chen, aber es – außer mit Gon­zá­lez‘ Ver­si­on von „Heart­beats“ von The Kni­fe – nie wirk­lich in mei­ne Play­lis­ten geschafft haben. Aber die­sem hyp­no­ti­schen Song und vor allem dem dazu­ge­hö­ri­gen Video konn­te ich mich nicht ent­zie­hen. Wenn ich mehr Zeit mit dem Lied und dem dazu­ge­hö­ri­gen Album ver­bracht hät­te, wären bei­de ver­mut­lich deut­lich wei­ter oben in mei­ner Lis­te.

23. Elvis Cos­tel­lo & The Roots – Walk Us Upt­own
Die Idee, einen der viel­sei­tigs­ten Musi­ker der letz­ten Jahr­zehn­te mit einer der bes­ten Hip-Hop-Bands kol­la­bo­rie­ren zu las­sen, hat­te ein biss­chen was vom Clash der Kul­tu­ren. Schon beim Ope­ner stellt sich aber raus: Die Kom­bi­na­ti­on ist gar nicht so exo­tisch, son­dern eigent­lich erstaun­lich nahe­lie­gend. Wenn man nicht um die Hin­ter­grün­de wüss­te, wäre es ein­fach ein extrem coo­ler, tigh­ter Song.

22. Pet Shop Boys – Love Is A Bour­geois Con­s­truct
Bei Künst­lern, die schon seit Jahr­zehn­ten dabei sind, hat es immer eine gewis­se Wider­sprüch­lich­keit, wenn man ihnen nach­sagt, ein neu­er Song hät­te schon vor Jah­ren ver­öf­fent­licht wer­den kön­nen. Klar: „Love Is A Bour­geois Con­s­truct“ hät­te wun­der­bar auf „Very“ gepasst, die poli­ti­schen Anspie­lun­gen und See­manns­chö­re inklu­si­ve. Aber immer wie­der bricht das Arran­ge­ment auf und es kom­men Sounds zum Vor­schein, die man so zumin­dest bei den Pet Shop Boys noch nie gehört hat.

21. Bas­til­le – Pom­peii
Hur­ra, noch eine Indie­band mit Gitar­ren und Syn­the­si­zern! Geh mir weg! Dann aber: Die­se gran­dio­sen „Eh-oh“-Chöre (nicht zu ver­wech­seln mit „Alles nur geklaut“ von den Prin­zen) und vor allem die­ses Getrom­mel! Luft­gi­tar­re macht bei die­sem Lied kei­nen Sinn, Luft­ge­trom­mel bei aus­rei­chen­dem Sicher­heits­ab­stand durch­aus. Und man freut sich ja inzwi­schen schon über jeden Slot, der im Radio von etwas ande­rem als Robin Thi­c­ke oder den (Un)Toten Hosen besetzt wird!

20. Andrew McMa­hon – After The Fire
Ich bin da kein Stück objek­tiv: Andrew McMa­hon (Ex-Some­thing Cor­po­ra­te und Ex-Jack’s Man­ne­quin) ist für mich ein per­sön­li­cher Held. Mit sei­nen Tex­ten spricht er mir seit zehn Jah­ren aus der See­le und wahr­schein­lich hat es auch etwas damit zu tun, dass wir fast gleich alt sind. Jeden­falls: Sei­ne Solo-Debüt-EP „The Pop Under­ground“ ist mit ziem­li­cher Sicher­heit kei­ne musi­ka­li­sche Offen­ba­rung, aber sie ent­hält vier wun­der­ba­re Pop­songs (hier auch wie­der das Motiv: Chö­re und Trom­meln!) und „After The Fire“ ist mit sei­nem groo­ven­den Refrain der bes­te davon und muss des­halb die Top 20 eröff­nen.

19. Cold War Kids – Mira­cle Mile
Da zeich­net sich ein Mus­ter ab: Schon wie­der Chö­re und Trom­meln! Und natür­lich ein häm­mern­des Kla­vier. Mit ordent­lich Schwung star­ten die Cold War Kids in ihr Album „Dear Miss Lonely­he­arts“. Da schep­pern ganz viel Eupho­rie und Lebens­freu­de mit und dann fasst der Song die gan­zen Lebens­rat­ge­ber und Feuil­le­ton­tex­te der letz­ten Jah­re ganz sim­pel zusam­men: „Get out­side, get all over the world /​ You learn to love what you get in return /​ It may be a pro­blem and it may be peace of mind /​ But you have to slow down and brea­the one breath at a time /​ So ya come up for air“. Hal­lo!

18. Lily Allen – Hard Out Here
Lily Allen, die mir liebs­te Pop-Prin­zes­sin der letz­ten Jah­re, ist zurück. Das allein wäre schon ein Grund zu fei­ern, aber dann haut sie auch noch ein femi­nis­ti­sches Mani­fest aus, das dar­über hin­aus auch noch so ein char­mant schun­keln­der Pop­song ist. Natür­lich kön­nen wir über das Video dis­ku­tie­ren und über die Fra­ge, ob man Feu­er (oder in die­sem Fall eher: die Gül­le, die „Blur­red Lines“ von Robin Thi­c­ke nun mal ist und auf die Allens Video anspielt) mit Feu­er (Gül­le) bekämp­fen muss. Aber die Dis­kus­si­on ver­schafft dem The­ma „Sexis­mus im Pop“ noch mal mehr Auf­merk­sam­keit und tut dem Song kei­nen Abbruch.

17. Blau­d­zun – Ele­phants
Um ehr­lich zu sein, weiß ich qua­si gar nichts über die­sen nie­der­län­di­schen Sän­ger. Ich muss­te sogar sei­ne Natio­na­li­tät gera­de noch mal nach­schla­gen und habe auch sein Album „Hea­vy Flowers“ nur ein­mal gehört. Aber „Ele­phants“ hat mich von Anfang an begeis­tert, seit ich den Song zum ers­ten Mal bei „All Songs Con­side­red“ gehört habe. Auch hier wie­der: viel zeit­ge­nös­si­sches Getrom­mel, was nahe­legt, dass man „Ele­phants“ noch mal in der Wer­bung irgend­ei­nes Unter­hal­tungs­elek­tronik­her­stel­lers hören wird. Falls nicht: ein­fach auf „Repeat“ drü­cken.

16. Josh Rit­ter – Joy To You Baby
Josh Rit­ter hat mit „The Beast In Its Tracks“ das auf­ge­nom­men, was Musik­jour­na­lis­ten und emp­find­sa­me Hörer ein „Tren­nungs­al­bum“ nen­nen. Ganz vie­le Songs an die Adres­se der alten Flam­me, inkl. der Ver­si­che­rung, dass die neue Lie­be nur „in einem bestimm­ten Licht“ so aus­se­he wie die alte. Das alles kul­mi­niert in „Joy To You Baby“, das im Spek­trum „Wut/​Gelassenheit“ den gegen­über­lie­gen­den Platz von Ben Folds Fives „Song For The Dum­ped“ besetzt und damit das ver­söhn­lichs­te Abschieds­lied seit … äh … seit „Die Guten“ von muff pot­ter. ist. So unge­fähr.

15. Tra­vis – Whe­re You Stand
Liegt das an mei­ner neu­en Ste­reo­an­la­ge, oder wur­den 2013 die Bäs­se und Schlag­zeu­ge deut­lich wei­ter nach vor­ne gemischt als vor­her? Im Prin­zip auch egal, denn spre­chen wir über die­ses Lied, den Titel­track von Tra­vis‘ sieb­tem Album. Da ist wirk­lich alles drin, was man von Tra­vis erwar­tet, vor allem aber: viel Melan­cho­lie und Trost. Ein eher unspek­ta­ku­lä­rer Song, ver­gli­chen mit vie­len Hits der Band, aber das passt zu Tra­vis, die es sich in der Nische zwi­schen den über­gro­ßen Bands Radio­head (von denen Tra­vis beein­flusst wur­den) und Cold­play (die von Tra­vis beein­flusst wur­den) bequem gemacht haben.

14. Moby feat. Way­ne Coy­ne – The Per­fect Life
Wer ein­mal auf einem Kon­zert der Fla­ming Lips war, weiß, wie man auch als erwach­se­ner Mensch noch Eupho­rie bis in Kin­der­ge­burts­tags­sphä­ren hoch­schrau­ben kann. Also eine gute Wahl, dass sich Moby für die­se Endor­phin-Über­do­sis Fla­ming-Lips-Sän­ger Way­ne Coy­ne dazu hol­te, mit dem er dann im Video durchs son­nen­durch­flu­te­te LA mar­schiert. Und was für ein schö­nes Lie­bes­lied sie dabei sin­gen! Hach!

13. Mara­thon­mann – Die Stadt gehört den Bes­ten
Seit dem Ende von muff pot­ter. und Schrott­gren­ze und der Revol­ver­held-Wer­dung von Jupi­ter Jones ist der Platz für lau­te, hei­se­re Emo­tio­nen in mei­nem Musik­spek­trum unbe­setzt. Ich weiß, es gäbe da Dut­zen­de gute Bands, aber kei­ne von denen hat mich bis­her so gekickt, wie es jetzt Mara­thon­mann getan haben. Ich traf auf die­se Hym­ne in ihrem natür­li­chen Lebens­raum: einer von Piet Klo­cke mode­rier­ten Abend­sen­dung auf WDR 5. Ich fin­de es etwas ver­stö­rend, dass ich bei der Zei­le „Und wir steh’n auf uns’­ren Brü­cken“ aus­ge­rech­net die Köl­ner Hohen­zol­lern­brü­cke vor Augen habe, aber ande­rer­seits habe ich die in die­sem Jahr etli­che Male mit dem Zug über­quert und zwei­tens gibt es in Bochum auch gar nicht so vie­le Brü­cken, die ich mir hier pathe­tisch vor­stel­len könn­te. Ein wun­der­ba­res Brett mit ganz viel „Wir gegen den Rest der Welt“-Poesie und eine Hom­mage an Städ­te und Freun­des­krei­se.

12. Rhye – Open
Nach 20 Uhr kann man auch auf Eins­li­ve fei­ne Musik ent­de­cken. Mein Erst­kon­takt mit „Open“ fand jeden­falls beim Spü­len im Rah­men der Sen­dung „Plan B“ statt. Die Mode­ra­to­rin erklär­te mir vor­ab, was ich so direkt nicht geahnt hät­te, näm­lich dass die nun fol­gen­de Stim­me einem Mann namens Mike Milosh gehö­re. Ste­phen Thomp­son von NPR Music – der Mann, dem ich in Musik­fra­gen am Aller­meis­ten ver­traue – schrieb über den Song: „cat­chy but subt­le, soni­cal­ly rich but unclut­te­red, sexy but never vul­gar“. Im Fern­se­hen gehört „Open“ schon jetzt zum fes­ten Reper­toire der Lie­bes­ak­t­an­bah­nungs­be­schal­lung und viel­leicht wird der Song eines Tages als „Smooth Ope­ra­tor“ die­ser Gene­ra­ti­on gehan­delt wer­den.

11. Vol­ca­no Choir – Bye­go­ne
Jus­tin Ver­non will viel­leicht nie mehr mit sei­nem Pro­jekt Bon Iver Musik machen. Das wäre scha­de, aber ers­tens gibt es ja zwei phan­tas­ti­sche Alben, die uns kei­ner mehr neh­men kann, und zwei­tens macht Ver­non ja ein­fach immer wei­ter, auch mit ande­ren Pro­jek­ten. „Repa­ve“, das zwei­te Vol­ca­no-Choir-Album, hät­te er auch als Bon Iver ver­öf­fent­li­chen kön­nen, und „Bye­go­ne“ ist der Song, der sich dabei am Stärks­ten her­vor­tut.

10. Les­lie Clio – Let Go
„Told You So“, die Vor­ab-Sin­gle von Les­lie Cli­os Debüt­al­bum „Gla­dys“, hat­te es ja bereits 2012 auf mei­ne Lis­te geschafft, jetzt also noch ein Song. „Let Go“ ist deut­lich schlep­pen­der als „Told You So“ (oder auch das eben­falls famo­se „Could­n’t Care Less“) und ver­ur­sacht bei mir immer noch regel­mä­ßig Gän­se­haut. Ein schlich­tes, aber wir­kungs­vol­les Tren­nungs­lied, das Ade­le oder Amy Wine­house in nichts nach­steht.

9. James Bla­ke – Retro­gra­de
Apro­pos Gän­se­haut: James Bla­ke! Den Gesang muss man mögen, aber der Song dürf­te eigent­lich kei­nen kalt las­sen.

8. Biffy Cly­ro – Black Chan­de­lier
Ja, das ist Sta­di­on­rock – aber immer­hin nicht mit so ver­krampf­tem Rock­star­dom ver­bun­den wie der von Muse oder 30 Seconds To Mars. Schö­nes Gitar­ren­ge­schram­mel, gute Lyrics und ein Songauf­bau wie aus dem Lehr­buch – man kann alles für und gegen Biffy Cly­ro ver­wen­den, aber vom Jah­res­an­fang bis zum Jah­res­en­de war „Black Chan­de­lier“ die gan­ze Zeit dabei und hat auch am Ende immer noch funk­tio­niert.

7. Daft Punk feat. Phar­rell Wil­liams – Get Lucky
Ladies and gen­tle­men, bit­te erhe­ben Sie sich für den Kon­sens-Hit des Jah­res, ach was: der Deka­de! „Get Lucky“ ist das, was man instant clas­sic nennt – aus dem Stand ein Ever­green. Ein Song, der Gene­ra­tio­nen ver­eint („Sind das Stee­ly Dan?“ – „Nein, Papa!“), und per Gesetz in jeder ein­zel­nen Fern­seh­sen­dung des Jah­res 2013 gespielt wer­den muss­te. Und das, wo kaum noch jemand ernst­haft mit einem gro­ßen Come­back von Daft Punk gerech­net hat­te.

6. Cas­per – Im Asche­re­gen
Ich habe ja so mei­ne Zeit gebraucht, bis ich mit Cas­pers Musik warm wur­de. Inzwi­schen bin ich gro­ßer Fan und das Album „Hin­ter­land“ hat sei­nen Vor­gän­ger „XOXO“ noch mal getoppt. Der Ope­ner „Im Asche­re­gen“ klingt mit sei­nen Trom­meln, Chö­ren, Blä­sern und Glo­cken­spie­len mehr nach Arca­de Fire als Arca­de Fire selbst und text­lich habe ich in der deutsch­spra­chi­gen Musik 2013 kaum Bes­se­res gehört. Vom Nicken in Rich­tung kettcar/​Slime („ein Drit­tel Heiz­öl, zwei Drit­tel Ben­zin“) über „auf Nim­mer­wie­der­se­hen und Dan­ke für nichts“ bis hin zu „die Stadt muss bren­nen, bren­nen, bren­nen“: eine ein­zi­ge Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung, ein mis­si­on state­ment, ein Stin­ke­fin­ger.

5. Mar­cus Wie­busch – Nur ein­mal rächen
Apro­pos kett­car: Deren Sän­ger Mar­cus Wie­busch wagt sich nach fast 20 Jah­ren noch ein­mal auf Solo­pfa­de und macht mit „Nur ein­mal rächen“ alles rich­tig. Klu­ge Geschich­te, klu­ge Instru­men­tie­rung, gran­dio­se Hook­li­ne. Seit kett­car den Ver­such auf­ge­ge­ben haben, ein zwei­tes „Lan­dungs­brü­cken raus“ zu schrei­ben (also seit „Sylt“), gelin­gen ihnen immer wie­der neue Meis­ter­wer­ke (vgl. „Ret­tung“, 2012) und auf „Nur ein­mal rächen“ wirkt Wie­busch so ent­spannt wie schon lan­ge nicht mehr. Das für Mit­te April ange­kün­dig­te Debüt­al­bum zählt zu denen, auf die ich am gespann­tes­ten war­te.

4. CHVRCHES – The Mother We Share
Ich kann mir aber nicht vor­stel­len, wie man sich „The Mother We Share“, der Debüt-Sin­gle von CHVRCHES, ent­zie­hen kön­nen soll­te. Die­ser Syn­thie­pop ist zwar nicht wirk­lich neu, aber der Song ist musi­ka­lisch wie atmo­sphä­risch so gekonnt „dazwi­schen“ (nicht zu schnell und nicht zu lang­sam, nicht zu melan­cho­lisch und nicht zu eupho­risch, nicht zu kalt und nicht zu warm), dass er auch nach einem Jahr immer noch kickt.

3. Foxy­gen – San Fran­cis­co
Auf Foxy­gen bin ich (natür­lich) durch „All Songs Con­side­red“ auf­merk­sam gewor­den. Wie gekonnt die­se Band auf die letz­ten 50 Jah­re Musik­ge­schich­te ver­weist und wie gran­di­os das in „San Fran­cis­co“ kul­mi­niert. Die­ser Dia­log „I left my heart in San Fran­cis­co“ – „That’s okay, I was bored any­way“ – „I left my love in the room“ – „That’s okay, I was born in L.A.“ zählt defi­ni­tiv zum Cle­vers­ten, was ich im ver­gan­ge­nen Jahr gehört habe, und ist auch beim hun­derts­ten Hören immer noch lus­tig.

2. Kacey Mus­gra­ves – Mer­ry Go ‚Round
Es ist in Deutsch­land, wo Coun­try­mu­sik außer auf WDR 4 und in Fern­fah­rer­knei­pen kaum ein Zuhau­se hat, eini­ger­ma­ßen schwer ver­mit­tel­bar, dass das Gen­re auch jung, klug und wit­zig sein kann. Ent­spre­chend groß soll­te die Über­ra­schung über das Debüt­al­bum von Kacey Mus­gra­ves sein, wenn sich hier­zu­lan­de jemand dafür inter­es­sie­ren wür­de. „Mer­ry Go ‚Round“ erzählt vom All­tag in den länd­li­chen Gebie­ten der USA: „If you ain’t got two kids by 21 /​ You’­re pro­ba­b­ly gon­na die alo­ne /​ Least that’s what tra­di­ti­on told you“. Die Kri­tik an die­sem spie­ßi­gen und bigot­ten Leben ist in so zucker­sü­ße Musik gegos­sen, dass man sie zunächst über­hö­ren könn­te – und das macht sie so wir­kungs­voll.

1. The Front Bot­toms – Au Revoir (Adi­os)
109 Sekun­den, län­ger braucht mein Lied des Jah­res 2013 nicht. Aber die­se 109 Sekun­den sind voll­ge­packt mit Witz, Gehäs­sig­keit und Rock ’n‘ Roll. Ich könn­te es 109 mal hin­ter­ein­an­der hören und wür­de gern jeden Tag damit begin­nen.

Die gan­ze Play­list zum Nach­hö­ren bei Spo­ti­fy.

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Politik Gesellschaft

#2013

Vor zwei Wochen habe ich mir ange­schaut, wie die Sen­dung „30 Jah­re RTL“ pro­du­ziert wird. Die Auf­zeich­nung dau­er­te nicht ganz so lan­ge, wie der Titel ver­sprach (aber fast), und wird am 3. Janu­ar aus­ge­strahlt.

Deut­lich schnel­ler ging die Pro­duk­ti­on eines eher namen­lo­sen Pod­casts von­stat­ten, zu der ich mich ges­tern mit Fried­rich Küp­pers­busch getrof­fen habe: 99 Tage nach der Bun­des­tags­wahl und 101 Tage nach dem letz­ten Tages­schaum haben wir über das Jahr 2013 medi­tiert – und das Ergeb­nis kön­nen Sie sich schon jetzt anhö­ren!

Mit dabei: Ange­la Mer­kel, Edward Snow­den, Hash­tags und Omma & Oppa.

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Kom­men Sie gut ins Neue Jahr!