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Unterwegs Musik

Oslog (6)

Gut, dass ich mei­nen Nach­be­richt zum by:Larm noch nicht ange­fan­gen hat­te, denn Seth Werk­hei­ser, mit dem ich wäh­rend der Kon­fe­renz ein paar mal get­wit­tert habe und an dem ich dann doch immer vor­bei­ge­lau­fen bin, hat für Buzzg­rin­der sehr schön zusam­men­ge­fasst, was dort alles pas­siert ist.

Besucher des by:Larm in Oslo

Na gut, ein paar Sachen will ich dann doch noch etwas aus­füh­ren: Der dort bereits erwähn­te Vor­trag „Things I Have Lear­ned In My Life So Far“ des Gra­fik­de­si­gners Ste­fan Sag­meis­ter war wirk­lich groß­ar­tig und … ja, doch: inspi­rie­rend. Das dazu­ge­hö­ri­ge Buch sei hier unbe­se­hen emp­foh­len.

Eben­falls sehr erhel­lend (und gleich­zei­tig unend­lich depri­mie­rend) war das Panel, auf dem Fes­ti­val-Orga­ni­sa­to­ren aus Schott­land erklär­ten, wie sie ihre Städ­te (teil­wei­se gemein­sam) über die dor­ti­ge Kul­tur ver­mark­ten. Das Depri­mie­ren­de dar­an war jeder ein­zel­ne Gedan­ke, der mich von Schott­land weg und in mei­ne Hei­mat­re­gi­on Ruhr­ge­biet führ­te, wo jede Stadt mit viel Lust ver­sucht, sich von ihren Nach­bar­städ­ten abzu­gren­zen – anstatt end­lich zu erken­nen, dass wir hier in einer der größ­ten Metro­po­len Euro­pas leben. Leben könn­ten, wenn wir nur alle woll­ten.

Konzertbesucher beim by:Larm

Über­haupt lau­te­te eine der zen­tra­len Erkennt­nis­se: Deutsch­land ist ein durch sei­ne Durch­bü­ro­kra­ti­sie­rung weit­ge­hend ent­kul­tu­ra­li­sier­tes Land. Wenn man hört, wie gut die Kul­tur­för­de­rung (die expli­zit Rock­mu­sik mit ein­be­zieht) in Skan­di­na­vi­en orga­ni­siert ist, kön­nen einem nur die Trä­nen kom­men. Ein Fes­ti­val wie das by:Larm wäre hier­zu­lan­de ver­mut­lich undenk­bar, auch wenn ich mir fast sicher bin, dass man in Deutsch­land (oder auch ger­ne im deutsch­spra­chi­gen Raum) genug gute Künst­ler zusam­men­trom­meln könn­te. Und selbst, wenn es ein Jahr funk­tio­nier­te und Musik­in­dus­trie, Regie­rung, Künst­ler und Spon­so­ren gemein­sam etwas auf die Bei­ne stell­ten: Danach wür­den sich wie­der alle hoff­nungs­los zer­strei­ten und dann käme Die­ter Gor­ny vor­bei, um nach dem Musik­fern­se­hen, der Pop­komm und dem Ruhr­ge­biet das nächs­te gro­ße Ding zu rui­nie­ren.

Was es mit dem Oslo-Trip auf sich hat­te, steht hier.

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Das Trinkfest

Ich muss ja zuge­ben: Für einen Moment dach­te ich: „Da hat die ‚Rhei­ni­sche Post‘ aber mal ein schö­nes Syn­onym für ‚Kar­ne­val‘ gefun­den!“

Dinslaken: Aktionswoche Alkohol

Es ging dann aber doch um ganz was ande­res

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Musik Unterwegs

Oslog (5)

Ich bin wie­der zuhau­se. Ges­tern hat­te unse­re klei­ne deut­sche Rei­se­grup­pe noch einen schö­nen Spa­zier­gang am Oslo­er Hafen ent­lang und hoch zum Königs­schloss unter­nom­men (Fotos fol­gen viel­leicht), dann ging es mit dem Flie­ger zurück in hei­mi­sche Gefil­de, die uns beson­ders herz­lich, also in Form von Nie­sel­re­gen und betrun­ke­nen Kin­dern, begrüß­ten.

Oslo bei Nacht

Die Rei­se­ta­sche ist aus­ge­packt, auf mei­nem Schreib­tisch sta­peln sich die neu­en CDs, aber als ers­tes ist es an der Zeit, die Bands vom Sams­tag­abend noch zu wür­di­gen:

Simon Says No (Foto: Lukas Heinser)

Simon Says No
Nach all den ver­track­ten, ver­spiel­ten, sonst­wo beein­fluss­ten Bands tat es gut, end­lich mal wie­der eine zu hören, die ein­fach nur gera­de nach vor­ne rock­ten: Simon Says No erin­ner­ten an die frü­hen Radio­head, die frü­hen R.E.M., Dino­saur Jr. und Edi­tors. Lei­der hielt sich mei­ne Begeis­te­rung nicht sehr lan­ge, denn unge­fähr nach drei Songs wur­de das Gan­ze ein biss­chen span­nungs­arm. Ob die Leu­te, die den Club im Dut­zend ver­lie­ßen, ähn­lich dach­ten oder nur drin­gend zu einem ande­ren Kon­zert woll­ten, weiß ich lei­der nicht.

Fennesz/Food

Fennesz/​Food
Der öster­rei­chi­sche Saxo­pho­nist Chris­ti­an Fen­nesz spiel­te gemein­sam mit dem nor­we­gi­schen Duo Food, das aus einem Schlag­zeu­ger und einem DJ besteht. (Nach­trag: Wer da gespielt hat, steht hier.) Und sie spiel­ten eine hal­be Stun­de ohne Unter­bre­chung eine ein­zi­ge lan­ge Impro­vi­sa­ti­on, die nur noch wenig mit Pop zu tun hat­te, dafür viel mit Jazz und Düs­ter­nis. Das klang schon mal nach David-Lynch-Fil­men und nach schwe­ren Migrä­ne-Atta­cken, war aber durch­aus sehens­wert. Zum Schluss stei­ger­te sich die Musik wie erwar­tet in ein unglaub­li­ches Lärm­ge­wit­ter, aber das war nach den über­wie­gend sehr zugäng­li­chen Sachen auch mal toll.

The Whitest Boy Alive

The Whitest Boy Ali­ve
Ich hat­te ja schon mal erwähnt, dass Erlend Øye Mas­kott­chen und Star des by:Larm in Per­so­nal­uni­on war, nun durf­te er auch mit sei­ner Band Head­li­ner sein. Dance Music in Band­be­set­zung und über Tau­send Nor­we­ger tanz­ten undw wipp­ten und rie­fen am Schluss auf Deutsch „Kal­te Füße!“ (aber das ist eine lan­ge Geschich­te). Øyes Son­der­rol­le wur­de dadurch deut­lich, dass die Band nicht nur sie­ben Minu­ten über­zog, son­dern auch ein­fach noch eine Zuga­be spiel­te. Aber das ging völ­lig in Ord­nung.

Lind­strøm
Ich habe immer so mei­ne Schwie­rig­kei­ten, wenn es um Live-Auf­trit­te von Elek­tro­künst­lern geht. Es ist halt nicht soooo span­nend, einem Mann zuzu­se­hen, der hin­ter einem Misch­pult und einem Mac­Book steht. Die Musik war dafür durch­aus schön und an der Gren­ze zwi­schen tanz­bar und chil­lig. (Refe­renz­grö­ßen hier: die ers­te Röyk­s­opp, die letz­te Under­world.)

WhoMadeWho

Who­Ma­de­W­ho
Der Abschluss und angeb­lich der Head­li­ner des Fes­ti­vals: drei Dänen, die eine Sor­te von Musik mach­ten, die mir nach unge­fähr vier Tak­ten gehö­rig auf die Ket­ten ging. Wenn man’s mag, war’s bestimmt toll, aber für mich war das MGMT und Kla­xons in ner­vig.

Fazit
Rund 20 Acts in drei Tagen, da kann man schnell den Über­blick ver­lie­ren. Was ist hän­gen­ge­blie­ben? Auf alle Fäl­le die bei­den Mädels von First Aid Kit. Die beein­dru­ckends­te Live­show war wohl die von I Was A Teenage Satan Wor­ship­per, die gleich­zei­tig den tolls­ten Band­na­men hat­ten. Annie war auch toll und von Pony The Pira­te wer­den wir sicher auch noch was hören.

Es folgt noch min­des­tens ein Ein­trag zur Kon­fe­renz und dem gan­zen Drum­her­um, aber ich kann schon ein­mal zusam­men­fas­sen, dass der Aus­flug zum by:Larm eine fei­ne Sache war und ich jede Men­ge gute neue Musik gehört habe.

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Musik Unterwegs

Oslog (4)

Ver­zei­hung, ich habe grad über­haupt kei­ne Zeit.

Ich habe heu­te Mit­tag eine Band gese­hen, deren Ver­eh­rung nun mei­ne gan­ze Zeit in Anspruch nimmt. Es han­del­te sich um First Aid Kit, zwei schwe­di­sche Schwes­tern, die 15 und 17 Jah­re alt sind und eine Unschuld auf die Büh­ne brach­ten, wie man sie im Musik­busi­ness sel­ten erlebt.

First Aid Kit

Die Bei­den stimm­ten aller­liebs­te Folk­mu­sik ame­ri­ka­ni­scher Prä­gung an und san­gen über Din­ge, von denen man anneh­men soll­te, dass sie kei­ne Ahnung davon hät­ten. Aber es war toll und erin­ner­te ein unter ande­rem an Fleet Foxes, She & Him und Bon Iver – und damit an gleich drei mei­ner letzt­jäh­ri­gen Lieb­lings­al­ben. Von den Fleet Foxes stimm­ten sie dann sogar noch den „Tiger Moun­tain Peasant Song“ an, was ganz schlimm hät­te dane­ben­ge­hen kön­nen, aber ganz wun­der­bar klang. (Wie ich spä­ter erfuhr, hat­te das Video die­ses Covers das Duo bei You­Tube unter ande­rem so berühmt gemacht.) Dass sie mit „I Walk The Line“ zuvor auch noch einen wei­te­ren Song aus der Kis­te mit der Auf­schrift „Bes­ser nicht covern!“ sehr unpein­lich zum Bes­ten gege­ben hat­ten, spricht eben­falls für die Band.

Aber jetzt müs­sen sie mich wirk­lich ent­schul­di­gen: Ich habe im Plat­ten­la­den die vor­letz­te Aus­ga­be ihrer EP „Drun­ken Trees“ erstan­den und muss die jetzt erst mal hören. (Vor­her set­ze ich aber 50 Euro dar­auf, dass die Band die­ses Jahr beim Hald­ern Pop spielt.)

Ver­su­chen Sie’s solan­ge hier­mit:

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[„Our Own Pret­ty Ways“]

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[„Tiger Moun­tain Peasant Song“]

First Aid Kit bei MySpace

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Musik Unterwegs

Oslog (3)

Über die Kon­fe­renz, die das by:Larm zur Hälf­te aus­macht, muss ich ein ander­mal schrei­ben. Viel­leicht so viel vor­ab: Obwohl ich Vor­trä­ge und soge­nann­te Panels sonst eher has­se, suh­le ich mich hier mit Freu­den in Erkennt­nis­ge­win­nen.

Kom­men wir nun zur ande­ren Hälf­te: den Kon­zer­ten, die hier in so ziem­li­chen allen Clubs der Stadt (sowie in Kon­gress­hal­len und Zel­ten) statt­fin­den. Alles liegt näher zusam­men als Hun­de­hau­fen auf Ber­li­ner Bür­ger­stei­gen, aber trotz­dem muss man natür­lich stän­dig Jacke, Müt­ze, Schal und Hand­schu­he anzie­hen, über die mit­un­ter lebens­ge­fähr­li­chen Bür­ger­stei­ge stap­fen (eine Räum­pflicht scheint in Nor­we­gen eher unbe­kannt), in den nächs­ten Club rein, alles so gut es geht able­gen und ver­su­chen, sich nicht zu viel zu bewe­gen, weil man sich unter der Jacke sonst tot­schwitzt.

Wartende Menschen in Oslo

Ist man aber ein­mal im Rausch, will man jede Band, die gera­de spielt, sehen – oder zumin­dest jeweils eine. Nur einer scheint in jedem Moment über­all gleich­zei­tig zu sein: Erlend Øye von den Kings Of Con­ve­ni­ence und The Whitest Boy Ali­ve. Er ist gleich­zei­tig Star und Mas­kott­chen des Fes­ti­vals, so eine Art Thees Uhl­mann Nor­we­gens. Wo er auf­taucht und zur Musik mit­wippt, stei­gen die Chan­cen der jewei­li­gen Band auf den gro­ßen Durch­bruch. 30 Minu­ten sind eine sym­pa­thi­sche Län­ge, um sich einen Ein­druck über die Künst­ler zu ver­schaf­fen, den man dann spä­ter ver­tie­fen kann (oder eben nicht).

Kom­men wir nun zu den Künst­lern des heu­ti­gen Abends und – in Erman­ge­lung von klar defi­nier­ten Gen­res – wie­der zu einem mun­te­ren Name­drop­ping:

I Was A Teenage Satan Worshiper

I Was A Teenage Satan Wor­ship­per
Ja, geil, das ist mal ein Band­na­me. Nicht Oasis, Blur, The Kil­lers, The Fray oder Occi­dent, son­dern I Was A Teenage Satan Wor­ship­per. Bands, die so hei­ßen, will man doch auf Anhieb gut fin­den. Und die Fin­nen sind gar nicht schlecht: ein biss­chen wie The Sounds mit Sän­ger, ein biss­chen wie The Kil­lers auf Speed. Durch­ge­knall­ter, tanz­ba­rer Indie­rock mit sat­tem Syn­the­si­zer dahin­ter. Dazu Tex­te, die von Ske­le­tor und lee­ren Augen­hölen han­deln. Auf Dau­er wird’s ein biss­chen lang­wei­lig, aber defi­ni­tiv eine Band für die absei­ti­ge­ren Mix­tapes. Wobei der Band­na­me da ein biss­chen lang ist für die­se klei­nen Papier­ein­le­ger.

Pony The Pirate

Pony The Pira­te
Eine Band, die in Nor­we­gen als nächs­tes gro­ßes Ding gehan­delt wird. Sie­ben Musi­ker (bzw. fünf und zwei Musi­ke­rin­nen), die so ziem­lich alles spie­len, was eine ordent­li­che Musi­ka­li­en­hand­lung so ver­kauft: Glo­cken­spiel, Pedal Steel, Saxo­phon, Trom­pe­te und den gan­zen nor­ma­len Quatsch. Haben viel von Arca­de Fire und ein biss­chen was von The Gas­light Anthem. Und einen Sän­ger, der Bass spielt und aus­sieht wie Bil­ly Cor­gan. 10 Euro, dass die die­ses Jahr auf dem Hald­ern spie­len.

Under Dogs Inter­na­tio­nal
Die ers­ten fünf Minu­ten dach­te ich: „Ja, doch, aber hal­lo!“ Jazz, Gyp­sie­sound und Dub, ein biss­chen Eng­lisch, ein biss­chen Nor­we­gisch. Dann dach­te ich: „Na gut, es nervt doch sehr auf Dau­er.“ Wür­de mich aber nicht wun­dern, wenn wir die die­ses Jahr beim Grand Prix wie­der­sä­hen.

The Alexandria Quartet

The Alex­an­dria Quar­tet
Die hat­te ich ja schon vor Tra­vis gese­hen und für ganz ordent­lich befun­den. Die­ser Ein­druck hat sich heu­te ver­fes­tigt: Indie­rock zwi­schen Man­do Diao, den frü­hen Kil­lers und Tra­vis. Die ruhi­gen Sachen gefal­len mir aller­dings ein biss­chen bes­ser als die rocki­ge­ren.

Olaf­ur Arnalds
Auf dem Hald­ern letz­tes Jahr war ich irgend­wie zu müde, um mir mit­ten in der Nacht noch ruhi­ge Musik im Zelt anzu­hö­ren. Heu­te spiel­te er in einem bestuhl­ten Saal im Kon­gress­zen­trum und ich sah mich schon wie­der dahin­schlum­mern. Aber dann blieb ich doch wach, um der wun­der­schön ent­rück­ten Musik zu hören, die der jun­ge Islän­der da mit Hil­fe eines Flü­gels, eines Lap­tops und eines Streich­quar­tetts in den Raum ergoss. Es erin­ner­te ein biss­chen an The Notwist, ein biss­chen mehr an Sigur Rós und für Sekun­den­bruch­tei­le an Richard Clay­der­man, und die Fra­ge, ob das eigent­lich noch Pop sei, hät­te sicher ange­klopft, wenn Anklop­fen bei die­ser ruhi­gen Instru­men­tal­mu­sik nicht denk­bar unhöf­lich gewe­sen wäre. Von Herrn Arnalds kam auch die bes­te Ansa­ge bis­her: „I will sell the CD for … like what? One hundret Kro­ner? That’s a nice pri­ce … not for you, but it’s very, very much in Ice­lan­dic money.“ Viel­leicht hät­te man den Kon­trast zwi­schen sei­ner Musik und die­ser lako­ni­schen Mode­ra­ti­on mit­er­le­ben müs­sen, aber der Saal hat getobt.

Fjor­den Baby!
Deren Sän­ger hat­te ich ges­tern auf dem Weg zurück zum Hotel getrof­fen und ihm ver­spro­chen, mir sei­ne Band anzu­se­hen. Ich ver­su­che bei sowas ja immer Wort zu hal­ten, zumal er mir die bes­te nor­we­gi­sche Band unse­rer Zeit ver­spro­chen hat. Die habe ich dann aber zumin­dest nach mei­nem Emp­fin­den nicht gese­hen. Als ich rein­kam, spiel­ten sie gera­de irgend­was in Rich­tung Reggae/​Dub mit nor­we­gi­schen Tex­ten. Die ande­ren Songs waren rhyth­misch ver­track­ter, klopf­ten dafür aber auch mal beim Nu Metal an. Das ist Musik, von der ich gar nicht weiß, was ich davon hal­ten soll. Wer Kai­zers Orches­tra mag, könn­te Fjor­den Baby! unter Umstän­den etwas abge­win­nen. Aber ich mag ja eigent­lich Kai­zers Orches­tra …

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Musik Unterwegs

Oslog (2)

Nach­dem auf der Kon­fe­renz Ian Gittins noch ein biss­chen was über die Zukunft des Musik­jour­na­lis­mus erzählt hat­te (die alten Musik­ma­ga­zi­ne ster­ben mit ihren Lesern, die Bruce Springsteen und die Rol­ling Stones hören aus; Blogs sind heu­te das, was frü­her Punk Fan­zines waren), mach­te sich die klei­ne deut­sche Dele­ga­ti­on in Oslo auf den Weg, viel Geld für Piz­zen aus­zu­ge­ben.

Und dann ging die Kon­zert­run­de los: Erst in die Kon­gress­hal­le, in der gleich drei Büh­nen stan­den, dann rüber in den nächs­ten Club mit eben­so vie­len Büh­nen. Hal­be Stun­de Auf­tritt, nächs­te Band. Es war ein biss­chen wie frü­her die Abhör­sit­zun­gen beim Radio. Ich stell­te als­bald fest, dass ich viel zu wenig Musik ken­ne, um sagen zu kön­nen, ob eine Band jetzt ori­gi­nell ist oder nur klingt wie zig ande­re, von denen ich nur nie etwas gehört habe.

Aber da wir hier im Dienst­leis­tungs­blog Cof­fee And TV sind, will ich hier mal zu jeder Band mei­ne 20 Øre auf­schrei­ben:

Choir Of Young Belie­vers
Der Sän­ger sah mit sei­nem Hut und sei­nem Bart aus wie Dra­fi Deut­scher (die Älte­ren wer­den sich – damm, damm – erin­nern), der Indiepop klang mal ein biss­chen nach Bei­rut (die Folk­lo­re), mal nach Aqu­alung (der Fal­sett-Gesang). Ins­ge­samt kamen mir in den Lied­tex­ten ein paar zu vie­le „Aaaaaaaah“-Passagen vor, um mich damit län­ger zu beschäf­ti­gen.

Retro Stefson

Retro Stef­son
Island, das Land am Ran­de des Abgrunds, hofft auf die­se Schü­ler­band, die die hei­mi­sche Wirt­schaft nur mit­hil­fe ihrer Plat­ten­ver­käu­fe aus der Kri­se füh­ren soll. Dafür wird mun­ter Reg­gae mit Pol­ka und Ska mit Dis­co ver­mischt, bis eine sym­pa­thisch-kru­de Mischung ent­steht, die so gar nichts mit den ande­ren gro­ßen islän­di­schen Künst­lern (Björk und Sigur Rós) gemein­sam hat. Eigent­lich fand ich das Ergeb­nis gar nicht schlecht, aber in der Sum­me war es dann doch etwas zu gewollt eklek­tisch.

Mer­lin
Also, für Hard­core bin ich beim bes­ten Wil­len kein Exper­te. Aber es hat schon ordent­lich ger­ummst, so viel ist klar.

Underwater Sleeping Society

Under­wa­ter Slee­ping Socie­ty
In mei­nem schlau­en Notiz­buch steht „Mischung aus Kash­mir & Kili­ans, Radio­head & Sigur Rós (inkl. Kla­ri­net­te) => sehr gut“. Das dürf­te der end­gül­ti­ge Beweis sein, dass ich zu weni­ge Bands ken­ne. Die­se hier ist aber sicher eine, die es sich ken­nen­zu­ler­nen lohnt.

Har­rys Gym
Den Preis für den blö­des­ten Band­na­men bei gleich­zei­tig guter Musik haben ja eigent­lich Schrott­gren­ze auf Lebens­zeit bekom­men, aber „Haralds Turn­hal­le“ ist auch nicht schlecht gut. Dies­mal klingt die Sän­ge­rin nach Björk, der Rest der Musik hat was von The Notwist und Port­is­head. Lei­der bin ich zu die­sen Klän­gen in den sehr beque­men Ses­seln (das Kon­zert fand in einer Art Thea­ter­saal mit bestuhl­ter Empo­re statt) mehr­fach in beun­ru­hi­gen­de Traum­wel­ten ver­schwun­den, aber ich bin mir sicher, dass die­se Musik sehr real und sehr, sehr gut war. Scha­de, dass das, was ich gera­de auf der MySpace-Sei­te der Band höre, nicht ganz so gut ist wie die Live-Show.

Annie

Annie
Und hier der ers­te Künst­ler des heu­ti­gen Tages, den ich vor­her kann­te und von dem ich sogar eine CD besit­ze. Annie galt bei Erschei­nen ihres Debüt­al­bums „Annie­mal“ vor drei­ein­halb Jah­ren als „neue Madon­na“ und „bes­se­re Kylie Mino­gue“. Zumin­dest letz­te­res stimmt. Ich kann mich nicht erin­nern, jemals bei einem Kon­zert eine ers­te Rei­he gese­hen zu haben, die aus­schließ­lich aus Män­nern bestand. Und Anne Lilia Ber­ge Strand flir­te­te mit ihnen, was das Zeug hielt. Der Bubble­gum-Sound, der das Album mit­un­ter etwas schwer hör­bar mach­te, wur­de von der Live­band weit­ge­hend weg­ge­bü­gelt, bis nur noch kno­chen­tro­cke­nes Dis­co-Gestamp­fe übrig war.

Und damit möch­te ich den ers­ten Tag hier in Oslo beschlie­ßen. Ich bin bald 24 Stun­den wach, habe ein paar hun­dert Kilo­me­ter in so ziem­lich jedem Ver­kehrs­mit­tel außer Schiff hin­ter mir, und muss mor­gen wie­der an einer Kon­fe­renz teil­neh­men …

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Musik Unterwegs

Oslog (1)

Wenn man Mitte/​Ende Febru­ar mit dem Flug­zeug in Oslo lan­det, hat man zunächst ein­mal Angst, die Maschi­ne wer­de gleich die ver­schnei­ten Tan­nen­wip­fel rasie­ren. Dann denkt man, man gin­ge auf einem Acker nie­der. Und dann erkennt man, dass genau an der Stel­le, an der die Maschi­ne auf­setzt, doch so ein biss­chen Lan­de­bahn ist. Not­dürf­tig geräumt und schon wie­der leicht mit Schnee zuge­weht. Wären deut­sche Stra­ßen in die­sem Zustand, das Ver­kehrs­chaos wäre vor­pro­gram­miert.

by:Larm

Die Win­ter in Nor­we­gen schei­nen kalt zu sein, sehr kalt. Alle öffent­li­chen Gebäu­de haben Dreh­tü­ren, die ver­hin­dern sol­len, dass kal­te Luft von außen her­ein­kommt. Am Flug­ha­fen gibt es sogar zwei Dreh­tü­ren hin­ter­ein­an­der, eine regel­rech­te Schleu­se gegen die Käl­te.

Sooo kalt ist es in Oslo gar nicht: +1°C zei­gen die Ther­mo­me­ter an. Aber es weht ein kal­ter Wind und es fällt unauf­hör­lich Schnee. Neben den Stra­ßen, auf den Plät­zen und Dächern türmt sich die wei­ße Pracht (Quel­le: Syn­onym-Wör­ter­buch für Lokal­re­dak­teu­re) meter­hoch. Zwei­mal wäre ich mit mei­nen schwe­ren Win­ter­stie­feln schon fast auf die Fres­se geflo­gen. Der Kol­le­ge vom „Intro“ hat nur Turn­schu­he mit.

Oslo im Schnee (Foto: Lukas Heinser)

Bei mei­ner kur­zen Run­de durch die nähe­re Umge­bung fiel mir (neben den offen­sicht­li­chen Wet­ter­ver­hält­nis­sen) eines auf: die Nor­we­ger sind unfass­bar hübsch. Alle. Ich war vor­ge­warnt wor­den, aber man kann sich das nicht vor­stel­len, wenn man es nicht selbst gese­hen hat. „The O.C.“ war nichts dage­gen. Und tadel­los geklei­det sind sie auch alle, vom Kin­der­gar­ten­kind bis zur alten Dame, vom Ska­ter (ich habe bis­her nur einen gese­hen, die Oslo­er tra­gen auf­fal­lend mehr Lang­lauf­s­kier mit sich her­um als Skate­boards) bis zum Arbei­ter.

Hier im Hotel, wo der/​die/​das by:Larm statt­fin­det, ist es noch schlim­mer: Hun­der­te adret­ter Indie­kin­der in viel zu engen Röh­ren­jeans (die Boys) und Röcken über der Hose (die Girls). Es wirkt ein biss­chen wie die Fusi­on von Viva 2 und „Harper’s Bazaar“.

Aber genug der Äußer­lich­kei­ten. Ich wer­de mich nun ins bun­te Trei­ben (Quel­le: Syn­onym-Wör­ter­buch für Lokal­re­dak­teu­re) stür­zen und dann beim nächs­ten Mal inhalt­li­ches berich­ten. Mög­li­cher­wei­se.

Oslo im Schnee (Foto: Lukas Heinser)

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Musik Digital

Programmhinweis: by:Larm 2009

Auf Ein­la­dung des by:Larm-Festivals und der nor­we­gi­schen Bot­schaft wer­de ich mor­gen nach Oslo rei­sen, um mir das by:Larm vor Ort anzu­se­hen.

Dabei han­delt es sich um eine Kon­fe­renz zum The­ma Musik (also pri­mär Musik­in­dus­trie und deren Zukunft), sowie um zahl­rei­che Kon­zer­te in so ziem­lich allen Clubs der Stadt. Wenn man so will, ist es also das skan­di­na­vi­sche Gegen­stück zum South By Sou­thwest – nur, dass nicht gleich ein paar Tau­send Bands auf­tre­ten, son­dern nur ein paar Hun­dert.

Ich wer­de mich bemü­hen, jeden Tag ein biss­chen was über das by:Larm und Oslo zu schrei­ben. Alle Ein­trä­ge zum The­ma wer­den mit dem Tag „bylarm“ ver­se­hen, damit Sie die­se ent­we­der schnell fin­den oder igno­rie­ren kön­nen.

Wenn Sie sich jetzt bit­te erhe­ben wür­den für die Natio­nal­hym­ne von Nor­we­gen!

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Die gute Nachricht: Karneval fällt aus …

Schokoladenosternhasen

Medi­en­blog­ger: Wann, wet­ten wir denn, wird „Vani­ty Fair“ in Deutsch­land ein­ge­stellt?
Medi­en­jour­na­list: 1. Jah­res­hälf­te 2009?
Medi­en­blog­ger: Ostern.
Medi­en­jour­na­list: Ja.

(Zwei Pro­phe­ten, die anonym blei­ben wol­len, am 24. Novem­ber 2008)

Nun ist „Ostern“ ein dehn­ba­rer Begriff ange­sichts der vie­len Scho­ko­la­den­os­ter­ha­sen, die es bereits vor Kar­ne­val (und der gute Christ weiß: damit mehr als sie­ben Wochen vor Ostern) zu kau­fen gibt. Aber ein biss­chen über­rascht war ich dann doch, als der Medi­en­dienst Kress heu­te das Ende der 50-Mil­lio­nen-Euro-Zeit­schrift ver­kün­de­te, was kurz dar­auf vom Ver­lag Con­dé Nast bestä­tigt wur­de.

Gut: Gele­sen hat­te ich „Vani­ty Fair“ lan­ge nicht mehr, nach dem Abgang von Ulf „Poschi“ Pos­ch­ardt gar nicht mehr, auch sonst kann­te ich kei­ne Leser und Ver­lags­chef Bernd Run­ge war erst vor kur­zem zurück­ge­tre­ten.

Das Ende der deut­schen „Vani­ty Fair“ ist trotz­dem scha­de: Ers­tens hat es damit ein zwar jun­ges, aber nam­haf­tes Maga­zin erwischt, was die „Young„s und „Tomorrow„s der letz­ten Woche noch ein­mal toppt. Und zwei­tens haben wir uns bei Cof­fee And TV immer beson­ders mit „Vani­ty Fair“ ver­bun­den gefühlt – schließ­lich sind wir fast am glei­chen Tag gestar­tet.

Wir ver­spre­chen dann mal, min­des­tens eine Woche län­ger durch­zu­hal­ten, und wür­den die wei­ßen Möbel wohl neh­men, ehe sie auf dem Sperr­müll lan­den.

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Rundfunk

Leute Häute

Vor vie­len, vie­len Jah­ren war „Dawson’s Creek“ mei­ne liebs­te Fern­seh­se­rie. Nicht nur, weil sie gut gemacht und sehr stim­mungs­voll war, und nicht nur, weil sie damals auf dem idea­len Sen­de­platz (Sonn­tag­nach­mit­tag) lief – die Serie hat­te auch viel mit mei­nem Leben gemein: Ich war ein­deu­tig Daw­son Leery (ich woll­te ja sel­ber lang genug Regis­seur wer­den), mein bes­ter Freund war ein­deu­tig Pacey Whit­ter und für einen hal­ben Som­mer hat­ten wir sogar eine Joey Pot­ter. Dann wech­sel­te „Dawson’s Creek“ in Deutsch­land den Sen­de­platz, die Serie wur­de immer dra­ma­ti­scher und merk­wür­di­ger und die letz­ten drei Staf­feln habe ich (bis auf das gro­ße Fina­le) nie gese­hen.

Wäh­rend Katie „Joey Pot­ter“ Hol­mes eine Bezie­hung mit Tom Crui­se begann und uns lehr­te, dass die tolls­ten Mäd­chen immer bei den größ­ten Freaks enden, lief eine neue Jugend­se­rie an: „O.C., Cali­for­nia“. Die hat­te mit mei­nem Leben schon weni­ger zu tun (mal von Seth Cohens, also mei­nem Musik­ge­schmack abge­se­hen), war aber immer­hin eine Staf­fel lang gut und unter­halt­sam. Dann wur­de sie erst schal, dann sehr, sehr schlimm, dann ein­ge­stellt.

Ich war zu alt gewor­den für Jugend­se­ri­en. Mei­ne neu­en Lieb­lings­se­ri­en hie­ßen „Scrubs“, „Dr. House“ und „Weeds“ und hat­ten vor­der­grün­dig nichts mehr mit mei­nem Leben als Nicht-Medi­zi­ner und Nicht-Kif­fer am Hut.

Und dann kam – Gott­sei­dank, wir haben soeben die Ein­lei­tung hin­ter uns gebracht! – „Skins“. Bei Julia hat­te ich etwas über die Serie gele­sen und da ich das unbe­stimm­te Gefühl hat­te, vor­her schon mal loben­de Wor­te ver­nom­men zu haben, guck­te ich mir die ers­te Fol­ge im Inter­net an.

Ich war so begeis­tert, dass ich – so viel zum The­ma „Copy kills irgend­was“ – Minu­ten spä­ter die DVDs der ers­ten bei­den Staf­feln bestell­te. Natür­lich bei amazon.co.uk, wo ja im Moment alles so herr­lich güns­tig ist, und sich Seri­en-Fans des­halb rei­hen­wei­se ins Unglück stür­zen. Ich hat­te vor­her noch nie das Bedürf­nis gehabt, Fern­seh­se­ri­en auf DVD zu gucken (mei­ne ers­te Staf­fel „Dawson’s Creek“ habe ich bis zur vier­ten oder fünf­ten Fol­ge geschafft), aber „Skins“ woll­te ich unbe­dingt sehen. Sonn­tag Abend hat­te ich bestellt, Mitt­woch früh war das Paket da.

Die Serie hat dabei den (für sozia­le Rest­kon­tak­te sehr nütz­li­chen) Vor­teil, dass die ers­ten bei­den Staf­feln zusam­men aus nur 19 Fol­gen á 45 Minu­ten besteht, was man theo­re­tisch locker an einem Wochen­en­de weg­gu­cken könn­te.

Aber wor­um geht’s eigent­lich? Um eine Grup­pe von Teen­agern in Bris­tol und ihre Pro­ble­me mit Schu­le, Eltern, Lie­be, Sex und sich selbst. Nun bin ich selbst nicht mehr 17 (ich war selbst mit 17 kein gro­ßer Par­ty­gän­ger) und ken­ne mich beson­ders mit bri­ti­schen Jugend­kul­tu­ren nicht hun­dert­pro­zen­tig aus, aber ich habe das Gefühl, die Serie könn­te zum Rea­lis­tischs­ten zäh­len, was man je auf dem Gebiet der Jugend­se­rie gese­hen hat. (Was wie­der­um am 23-jäh­ri­gen Jamie Brit­t­ain lie­gen könn­te, der die Serie gemein­sam mit sei­nem Vater Bryan Els­ley ent­wi­ckelt hat.)

Da „Skins“ kei­ne ame­ri­ka­ni­sche Serie ist, dür­fen die jun­gen Haupt­per­so­nen hem­mungs­los flu­chen, Dro­gen kon­su­mie­ren, in Unter­wä­sche rum­lau­fen und Sex haben. Und trotz­dem ist „Skins“ nicht nur eine Jugend­se­rie, sie funk­tio­niert auf vie­len Ebe­nen: Die Dia­lo­ge sind oft­mals bril­lant, Kame­ra­ar­beit und Ton­schnitt fügen eine eige­ne Erzähl­ebe­ne hin­zu und über­haupt ist die gan­ze Serie so voll von lite­ra­ri­schen Anspie­lun­gen (und ein paar auf „Dawson’s Creek“ und „The O.C.“), dass man selbst mit einem Magis­ter in grie­chi­scher Mytho­lo­gie noch sei­nen Spaß dar­an haben kann.

Gro­ße Kon­flik­te um Loya­li­tät, Reli­gi­on, Sexua­li­tät und Ent­schei­dun­gen wer­den holz­schnitt­ar­tig, aber gar nicht mal so plump ver­han­delt. Die Dar­stel­ler sind durch die Bank gut, im glei­chen Alter wie ihre Rol­len und nicht über­trie­ben hübsch (man sieht regel­mä­ßig deut­lich ihr not­dürf­tig über­pu­der­ten Pickel). Nicho­las Hoult, der den coo­len Tony spielt, kennt man noch aus „About A Boy“, alle ande­ren wird man sicher­lich noch in irgend­wel­chen gro­ßen Film­pro­jek­ten wie­der­se­hen. Sogar ich habe mit dem nerdi­gen Sid wie­der eine Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur.

Das ein­zi­ge, was ich an „Skins“ kri­ti­sie­ren könn­te, ist der klas­si­sche Seri­en-Fluch: In der zwei­ten Staf­fel sind ein paar Kon­flik­te zu viel in die Dreh­bü­cher gerutscht. Zwar bewegt sich alles noch im rea­lis­ti­schen Rah­men (Schick­sals­schlä­ge tre­ten ja bekannt­lich immer in Grup­pen auf), aber ein klei­nes biss­chen weni­ger wäre auch okay gewe­sen. Und dann ist am Ende von Staf­fel 2 plötz­lich Schluss mit den alt­be­kann­ten Gesich­tern der ers­ten bei­den Staf­feln und in der drit­ten (die im Moment im UK im Fern­se­hen läuft) geht es um ganz ande­re Per­so­nen. Das ist ein guter Kunst­griff, den die Autoren da gemacht haben, um ihre Cha­rak­te­re nicht tot­zu­er­zäh­len, aber nach allem, was man gemein­sam „durch­ge­macht“ hat, schmerzt der Abschied schon.

Sie ent­neh­men mei­nen unge­wohnt eupho­ri­schen Schil­de­run­gen, dass „Skins“ eine Serie ist, die jeder, wirk­lich jeder, von Ihnen gese­hen haben soll­te (ein­zi­ge Aus­nah­me: Eltern von Kin­dern, die gera­de zwi­schen 15 und 18 Jah­re alt sind). Ich habe in mei­nem Leben kei­ne Fern­seh­se­rie gese­hen, die so wit­zig, auf­rich­tig, rea­lis­tisch, trau­rig, sexy, wahr und groß­ar­tig ist, wie „Skins“ – und dann haben die Macher auch hand­werk­lich noch alles rich­tig gemacht.

Bei aller Ver­eh­rung für die ame­ri­ka­ni­sche Pop­kul­tur: Das haben die Bri­ten wirk­lich ver­dammt gut hin­ge­kriegt.

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Klickbefehl (15)

Es gibt Tage, da hal­te ich das Inter­net für einen gro­ßen Irr­tum. Die Idee, dass jeder sei­ne noch so ent­rück­te Mei­nung in die Welt schrei­en darf, erscheint mir unend­lich dumm, und ich wür­de am Liebs­ten mei­nen Com­pu­ter im nächst­ge­le­ge­nen Fluss ver­sen­ken. Aber durch Bochum fließt kein Fluss.

Und dann gibt es Tage, an denen lese ich im Inter­net Tex­te, die so klug, so toll geschrie­ben und so anrüh­rend sind, dass ich mich fra­ge, wie Men­schen ohne die­ses Medi­um leben kön­nen.

Heu­te ist ein Tag der zwei­ten Sor­te, denn Tors­ten Dewi hat einen wun­der­ba­ren Text geschrie­ben über einen frü­he­ren Arbeits­kol­le­gen, der kürz­lich ver­stor­ben ist. Und die­sen Text soll­ten Sie lesen: „Der Max Fried­mann, den ich kann­te…“

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Relaunch My Fire

Ich habe ja nie ernst­haft in einer Redak­ti­on gear­bei­tet, könn­te mir aber vor­stel­len, dass an dem Tag, an dem man dort beschließt, den gra­fi­schen Auf­tritt des Pro­dukts zu über­ho­len (also zu „relaun­chen“), dass an die­sem Tag also neben Gra­fi­kern auch Ner­ven­ärz­te und Seel­sor­ger die Redak­ti­ons­räu­me bezie­hen. Die Gra­fi­ker für das Design, die Seel­sor­ger für die Leser­be­schwer­den und die Ner­ven­ärz­te für die von den eige­nen Lesern gepei­nig­ten Redak­teu­re.

Wie kon­ser­va­tiv ein Mensch wirk­lich ist, kann man ganz leicht über­prü­fen, indem man sei­ne Tages­zei­tung neu gestal­tet: Men­schen, die alle paar Jah­re mit ihren jewei­li­gen Part­nern umzie­hen, viel Geld bei der Typ­be­ra­tung las­sen und nicht davor zurück­schre­cken wür­den, Pri­vat­fern­seh-Wohn­raum­ex­per­ten durch ihre eige­nen vier Wän­de pflü­gen zu las­sen, legen eine erschüt­tern­de Kom­pro­miss­lo­sig­keit an den Tag, wenn es um ihre täg­li­che Lek­tü­re geht. Was inso­fern erstaun­lich ist, als mir spon­tan kei­ne ein­zi­ge deut­sche Zei­tung oder Zeit­schrift ein­fie­le, die wirk­lich unein­ge­schränkt schön und in ihrem jet­zi­gen Zustand bewah­rens­wert wäre. Aber Leser fin­den den Relaunch ja in der Regel auch nicht häss­lich, son­dern nur anders.

Inso­fern wün­sche ich den Redak­teu­ren vom „Musik­ex­press“ jetzt schon mal viel Kraft (und sta­bi­le Tisch­plat­ten) für die nächs­ten Wochen. Wie ich näm­lich kürz­lich am Bahn­hof fest­stel­len muss­te, ist das Blatt ganz neu gestal­tet wor­den und sieht jetzt end­lich auch so aus wie „intro“, „Spex“, „Neon“, „Zeit Cam­pus“ und „brand:eins“.

Der neue "Musikexpress"

Der neue "Musikexpress"

Der neue "Musikexpress"

Der neue "Musikexpress"

Der neue "Musikexpress"

Als Design-inter­es­sier­ter, aber weit­ge­hend ‑unkun­di­ger Leser wür­de ich sagen: Die neue Über­schrif­ten-Schrift­art (die mich ein biss­chen an die im „New Yor­ker“ erin­nert) ist gar nicht schlecht, die neue Stan­dard-Schrift­art nett, aber ver­braucht (s.o.). Die Idee, Über­schrif­ten über mehr als eine Heft­sei­te zu zie­hen („Selek­tor“), wirkt auf den ers­ten Blick ori­gi­nell, ist aber ver­mut­lich auch schon zehn Jah­re alt, und das, was da bei „Spielt die Gren­zen fort“ pas­siert ist, sieht eher wie ein Unfall aus als wie eine Über­schrift.

Gut gefällt mir die Kom­bi­na­ti­on aus eng beschrie­be­nen Spal­ten und den rela­tiv gro­ßen Weiß­flä­chen (wobei Weiß­flä­chen ver­mut­lich auch „sooo 2002“ sind) – nur in der „News“-Rubrik hät­te min­des­tens ein Tren­ner-Sym­bol zwi­schen den ein­zel­nen Mel­dun­gen Not getan.

Dafür, dass ich so sel­ten Musik­zeit­schrif­ten lese (und der US-„Rolling Stone“ auf dem Gebiet ein zeit­lo­ses Klas­si­ker-Design vor­ge­legt hat), gefällt mir der neue „Musik­ex­press“ ganz gut. War­um es aller­dings plötz­lich ein Pos­ter als Bei­la­ge braucht (so wie seit einem hal­ben Jahr in der „Visi­ons“), erschließt sich mir nicht so ganz. Mit Man­do Diao und Peter Fox zeigt die­ses auch noch zwei Acts, die man genau­so gut in der „Bra­vo“ fin­den könn­te.