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Gesellschaft

No one’s laughing at God, we’re all laughing with God

Ich habe mit dem von „Bild“ her­bei­ge­kreisch­ten „Schwuch­tel-Skan­dal“ bei der Köl­ner Stunk­sit­zung, über den ich ges­tern im BILD­blog geschrie­ben habe, ver­schie­de­ne Pro­ble­me.

Da ist zunächst ein­mal ein ger­ma­nis­ti­sches: Da stellt sich ein Kaba­ret­tist hin und sagt in sei­ner Rol­le als Ex-Bischof Wal­ter Mixa fol­gen­de Wor­te:

Aber der Höhe­punkt war der Welt­ju­gend­tag hier in Köln: Bene­dikt und Joa­chim, der zum-Lachen-in-den-Kel­ler-geht-Meis­ner, lie­ßen sich wie zwei frisch­ver­mähl­te Schwuch­teln über den Rhein schip­pern.

Nun wäre es ver­ständ­lich, wenn sich Homo­se­xu­el­len­ver­bän­de über die Ver­wen­dung der despek­tier­li­chen Voka­bel „Schwuch­tel“ beklag­ten (wobei man nicht weiß, wie der ech­te Wal­ter Mixa im pri­va­ten Rah­men über die­se Bevöl­ke­rungs­grup­pe spricht), aber es wür­de wohl kaum jemand aus­schlie­ßen, dass sich nicht irgend­wo zwei Schwu­le fin­den lie­ßen, die nach ihrer Ver­part­ne­rung in gro­tes­ken Gewän­dern auf einem Schiff fei­ern wol­len.

Man muss schon Poli­ti­ker sein, um aus dem obi­gen Ver­gleich etwas ande­res zu machen, wie die Katho­li­sche Nach­rich­ten Agen­tur (kna) zusam­men­fasst:

Die Dar­stel­lung von Papst und Kar­di­nal als „Schwuch­teln“ sei „niveau­los und abso­lut pri­mi­tiv“, sag­te Mar­tin Loh­mann, Chef des Arbeits­krei­ses enga­gier­ter Katho­li­ken in der CDU, der in Düs­sel­dorf erschei­nen­den „Rhei­ni­schen Post“ (Diens­tag).

Der frü­he­re bay­ri­sche Wis­sen­schafts­mi­nis­ter (!) Tho­mas Gop­pel geht gleich einen Schritt wei­ter und bemüht sei­ner­seits einen Ver­gleich:

Der Spre­cher der „Christ­so­zia­len Katho­li­ken in der CSU“, Tho­mas Gop­pel, hat­te den WDR vor einer Fern­seh­aus­strah­lung gewarnt. Den betrof­fe­nen Kaba­ret­tis­ten Bru­no Schmitz nann­te er einen „degou­tan­ten Ver­sa­ger“, der sich „im geis­ti­gen Sinn wie die U‑Bahn-Ran­da­lie­rer“ ver­hal­te. CSU-Rechts­po­li­ti­ker Nor­bert Geis erklär­te, der Kar­ne­vals-Bei­trag sei ein „Aus­druck von Bos­heit und Dumm­heit“. Das sei „nicht ein­mal unters­tes Niveau: boden­los,“ kri­ti­sier­te Geis.

Immer­hin: Mit Gewalt im öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr ver­bin­det die Bay­ern fast so eine lan­ge Tra­di­ti­on wie mit der katho­li­schen Kir­che.

* * *

Was mich eben­falls ver­wirrt ist die Empö­rung, die sich unter bis­lang eher unbe­kann­ten Ver­ei­nen und Ver­bän­den Raum bricht:

Der Bun­des­ver­band der Katho­li­ken in Wirt­schaft und Ver­wal­tung (KKV) hat den WDR auf­ge­for­dert, eine Papst Bene­dikt XVI. und Kar­di­nal Joa­chim Meis­ner ver­un­glimp­fen­de Sze­ne aus der „Stunk­sit­zung“ nicht aus­zu­strah­len. Der Sen­der sol­le Flag­ge zei­gen und auf die Gefüh­le von Chris­ten Rück­sicht neh­men, for­der­te der KKV-Vor­sit­zen­de Bernd‑M. Weh­ner am Frei­tag in Köln. Die­se mach­ten „immer­hin etwa zwei Drit­tel der Rund­funk­ge­büh­ren­zah­ler“ aus, sag­te er.

An die­sen Aus­füh­run­gen ist so gut wie alles empö­rens­wert: Zunächst ein­mal ver­bit­te ich mir als Christ die Ver­ein­nah­mung und Ent­mün­di­gung durch Herrn Weh­ner und sei­nen Ver­ein. Als Pro­tes­tant tan­giert es mei­ne reli­giö­sen Gefüh­le null­kom­ma­gar­nicht, wenn irgend­wel­che Kar­di­nä­le und Bischö­fe ver­spot­tet wer­den. Und das hat nichts mit der Kon­fes­si­on zu tun: Auch mög­li­che Wit­ze über die Trun­ken­heits­fahrt von Mar­got Käß­mann las­sen mei­ne reli­giö­sen Emp­fin­dun­gen unbe­rührt. Ich mag sie schlecht und unlus­tig fin­den (wie den unsäg­li­chen Käß­mann-Stan­dup von Harald Schmidt), aber sie rich­ten sich gegen – Ent­schul­di­gung, lie­be Katho­li­ken – Men­schen und nicht gegen mei­ne Reli­gi­on. Und selbst wenn, wür­de ich den Sketch ger­ne selbst sehen und mich not­falls von allein dar­über echauf­fie­ren – eine Bevor­mun­dung durch den WDR im Namen irgend­wel­cher Ver­bän­de ist da wenig sach­dien­lich.

„Bild“ räum­te Gop­pel in der Mün­che­ner Regio­nal­aus­ga­be eben­falls Raum für sei­ne Empö­rung ein und freu­te sich in der Köl­ner Aus­ga­be (zu früh, s. BILD­blog), dass der WDR auf eine Aus­strah­lung des Sket­ches ver­zich­ten wer­de. Dabei han­delt es sich um die glei­che Zei­tung, die Kurt Wes­ter­gaard, den Zeich­ner der umstrit­te­nen Moham­med-Kari­ka­tu­ren, als „mutig“ und Ange­la Mer­kels Lau­da­tio auf ihn als „gro­ßes Bekennt­nis zur Frei­heit der Pres­se und der Mei­nun­gen“ bezeich­net hat­te.

Ich bin mir sicher, dass ein guter Teil der Men­schen, die nun den Mixa-Dar­stel­ler Bru­no Schmitz beschimp­fen und bedro­hen, ande­rer­seits der Mei­nung sind, dass die Reak­tio­nen auf Wes­ter­gaards Zeich­nun­gen in Tei­len der mus­li­mi­schen Welt völ­lig über­trie­ben und bar­ba­risch waren. Da kann man ja noch froh sein, dass es im Islam kei­ne kalen­da­risch ver­ord­ne­ten Pha­sen der Wit­zig­keit gibt, in denen sich irgend­wel­che Men­schen mit einem etwas ande­ren Humor­ver­ständ­nis über Jesus oder Maria lus­tig machen.

* * *

Damit sind wir bei einem Reli­gi­ons­ver­ständ­nis ange­kom­men, das mich als gläu­bi­ger Christ ver­wirrt und das auf einer ratio­na­len Ebe­ne allen­falls „irra­tio­nal“ zu nen­nen ist: Mir ist völ­lig schlei­er­haft, war­um Men­schen, die an einen all­mäch­ti­gen Gott glau­ben, mei­nen, die­sen ver­tei­di­gen zu müs­sen.

Wenn sich die­ser Gott von Men­schen belei­digt fühlt, soll­te er doch selbst genug Mög­lich­kei­ten haben, dies den Betref­fen­den kurz­fris­tig (Sint­flut, beim Kacken vom Blitz getrof­fen) oder lang­fris­tig (an der Him­mels­pfor­te abge­wie­sen) mit­zu­tei­len. Auf gar kei­nen Fall braucht er pope­li­ge Men­schen, die in sei­nem Namen sau­er sind und ihn somit ent­mün­di­gen.

Ich mag mich da irren (und wer­de das sicher noch früh genug erfah­ren), aber ein Gott, der Wesen wie das Nil­pferd, den Nasen­bä­ren oder Sarah Palin erschaf­fen hat, hat doch offen­bar einen ziem­lich guten Humor und bedarf dem­nach nicht der (mut­maß­lich unver­lang­ten) Für­spra­che von humor­frei­en Men­schen wie Eva Her­man oder Tho­mas Gop­pel.

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Digital

Dem „Spiegel“ weht eine steife Hybrise ins Gesicht

Vor sechs Wochen schrieb ich hier im Blog, es hand­le sich bei „The Euro­pean” um ein „kon­ser­va­ti­ves Inter­net­ma­ga­zin, des­sen erklär­tes Ziel es ist, inner­halb der nächs­ten Jah­re so wich­tig zu wer­den, wie es sich selbst seit dem ers­ten Tag nimmt“.

Damit lag ich anschei­nend falsch: „The Euro­pean“ sieht sich selbst nicht als kon­ser­va­tiv, son­dern als Platt­form, auf der die „gro­ßen gesell­schaft­li­chen Debat­ten“ „dis­kur­siv“ „ver­han­delt“ wer­den, wie Chef­re­dak­teur Alex­an­der Gör­lach im Namen der Redak­ti­on klar­stell­te. Außer­dem ist „The Euro­pean“ bereits wich­tig – womög­lich sogar, und das ist die eigent­li­che Sen­sa­ti­on, noch wich­ti­ger, als es sich selbst nimmt.

Jeden­falls hat Chef­re­dak­teur Alex­an­der Gör­lach ges­tern (offen­bar nur in sei­nem eige­nen Namen) erklärt:

SPIEGEL fürchtet die Konkurrenz von The European

Huch! Ein Blatt mit mehr als 60-jäh­ri­ger Tra­di­ti­on, das von vie­len aus Gewohn­heit immer noch für ein füh­ren­des Nach­rich­ten­ma­ga­zin gehal­ten wird, hat Angst vor einem … äh: „Blog“, das seit sech­zehn Mona­ten am Start ist? Also qua­si das Face­book des Pole­mi­sie­rens Mei­nungs­jour­na­lis­mus?

Scheint so:

Gan­ze vier Kolum­nen durf­te Mat­thi­as Matus­sek für uns schrei­ben. Die Chef­re­dak­ti­on des Maga­zins hat ihm, so ver­lau­te­te aus Krei­sen des Nach­rich­ten­blat­tes, wei­te­re Publi­ka­tio­nen als Kolum­nist auf The Euro­pean ver­bo­ten. Begrün­dung: The Euro­pean sei ein direk­ter Kon­kur­rent des Ham­bur­ger Nach­rich­ten­por­tals. Das ehrt The Euro­pean natür­lich. Wir grü­ßen die Ham­bur­ger Kol­le­gen.

Das „Ver­bot“ dürf­te vor allem eine arbeits­recht­li­chen Hin­ter­grund haben: Ein Redak­teur darf nicht ein­fach für ein Medi­um arbei­ten, das ver­gleich­ba­re Inhal­te anbie­tet – egal, wie groß oder klein, wich­tig oder egal es ist. Gör­lach sieht das erwar­tungs­ge­mäß anders:

Uns zeigt die ner­vö­se Reak­ti­on des Medi­en­rie­sen, dass uns der Wurf eines Online-Maga­zins, das aus­schließ­lich auf poin­tier­ten Mei­nungs- und Debat­ten­jour­na­lis­mus setzt, gelun­gen ist.

Seit Sep­tem­ber 2010 stellt Gör­lach für Bild.de übri­gens den „Blog-Radar“ zusam­men, in dem er zusam­men­fasst, was „das Netz“ (also meis­tens die Autoren von „The Euro­pean“) von die­sem oder jenen The­ma hal­ten. So berich­te­te er im Novem­ber bei­spiels­wei­se, das „Netz“ lau­fe „Sturm gegen Abzo­cke bei Weih­nachts­lie­dern“, und schloss sich damit der erschre­cken­den Ahnungs­lo­sig­keit vie­ler Medi­en an. Sein „Blog-Radar“ vom 2. Dezem­ber war dann bis heu­te der letz­te. Womög­lich schei­nen sie bei „The Euro­pean“ Bild.de noch als Kon­kur­renz zu betrach­ten. Immer­hin.

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Musik Digital

Von der GEMA entstellt

Weil wir gera­de über­le­gen, wie wir inhalt­lich wie­der mehr Musik in die­ses Blog krie­gen, ohne Mona­te nach einer Ver­öf­fent­li­chung hilf­lo­se Kurz­re­zen­sio­nen in die Tas­ten zu hau­en (bzw. wie­der das Wich­tigs­te zu ver­ges­sen), habe ich mich mal über die Pod­cast-Kon­di­tio­nen bei der GEMA infor­miert.

Die Lizenz sieht unter ande­rem vor, dass ein­zel­ne Epi­so­den des Pod­casts nicht län­ger als 30 Minu­ten sein dür­fen und die Musik pro Pod­cast nicht mehr als 75% der Gesamt­län­ge der ein­zel­nen Epi­so­de ein­neh­men darf.

Außer­dem gilt:

Als Song wird jedes ver­wen­de­te Musik­werk gezählt, das weder Intro noch Out­ro ist. Dabei darf jedes Lied nur zur Hälf­te aus­ge­spielt wer­den, und es muss am Anfang und am Ende in das lau­fen­de Lied hin­ein­mo­de­riert wer­den (sog. „talk over“).

Das ist lus­tig, weil die GEMA gleich­zei­tig auf fol­gen­den Sach­ver­halt hin­weist:

Nicht umfasst ist zudem das Urhe­ber­per­sön­lich­keits­recht (§ 14 UrhG). Es muss unab­hän­gig von einer Pod­cas­ting-Lizenz beach­tet wer­den. Das bedeu­tet, dass die genutz­ten Musik­wer­ke ohne geson­der­te Ein­wil­li­gung der Berech­tig­ten nicht bear­bei­tet bzw. umge­stal­tet wer­den dür­fen (§ 23 UrhG). Eine Ver­let­zung des Urhe­ber­per­sön­lich­keits­rech­tes kann ins­be­son­de­re vor­lie­gen bei Ent­stel­lung eines Musik­wer­kes, eine uner­laub­te Bear­bei­tung kann vor­lie­gen bei Neu­tex­tie­rung oder sons­ti­gen Ver­än­de­rung eines Musik­wer­kes.

Was, bit­te, soll ein hal­ber und zuge­quatsch­ter Song sein, wenn kei­ne „Ent­stel­lung“?!

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Literatur

Eine spezielle Begabung

Schon als Alex­an­der ganz klein war, wuss­ten sei­ne Eltern, dass er etwas ganz Beson­de­res war. Das den­ken die aller­meis­ten Eltern von ihrem Nach­wuchs, aber Alex­an­ders Eltern wuss­ten es. Manch­mal ver­nah­men sie einen ganz leich­ten Licht­schein, wenn sie nachts an sei­nem Kin­der­bett vor­bei­gin­gen, doch wenn sie nach­se­hen woll­ten, ob die Roll­lä­den viel­leicht einen Spalt offen stan­den, ver­schwand das Leuch­ten. Dann wie­der­um gab es Tage, an denen sie mein­ten, lei­se eine Glo­cke klin­gen zu hören, wenn Alex­an­der in ihrer Nähe war.

Alex­an­der war ein hüb­sches Kind mit sanf­ten Zügen, meer­blau­en Augen und blon­den Locken und als sei­ne Groß­mutter noch leb­te, nann­te sie ihn immer ihren „Engel“. Doch als er in die Puber­tät kam, änder­te sich sein Leben: Er begann, Punk­rock zu hören, Bier zu trin­ken und nachts lan­ge weg zu blei­ben. Sei­ne Eltern mach­ten sich Sor­gen, ver­häng­ten Haus­ver­bo­te, deren Nicht-Ein­hal­tung sie aller­dings nicht ahn­de­ten, und erkun­dig­ten sich im Bekann­ten­kreis, wie es um das Ver­hal­ten der Gleich­alt­ri­gen bestellt war. Aber tief in ihrem Inne­ren wuss­ten sie, dass Alex­an­der für höhe­re Auf­ga­ben bestimmt war und sie ihn zie­hen las­sen muss­ten.

So folg­te Alex­an­der dem Ruf der Groß­stadt und trieb sich in zwie­lich­ti­gen Läden her­um, in denen bri­ti­sche Punk- und ame­ri­ka­ni­sche Hard­core-Plat­ten gespielt wur­den, in denen Män­ner und Frau­en und Män­ner und Frau­en unge­schütz­ten Sex auf den dre­cki­gen Toi­let­ten hat­ten und in deren Kel­lern oder Neben­räu­men zu beson­de­ren Fei­er­ta­gen Crack vom Blech geraucht wur­de. Alex­an­der lieb­te die Musik, aber er hat­te kaum Sex und nahm kei­ne Dro­gen. Es reich­te ihm, immer ein fri­sches Bier in der Hand zu hal­ten und die Men­schen zu beob­ach­ten, die sich um ihn her­um gehen lie­ßen. Er wohn­te in besetz­ten Häu­sern und arbei­te­te als Aus­hil­fe in Geträn­ke­la­gern, Dru­cke­rei­en und in den Werk­stät­ten der Städ­ti­schen Büh­nen. Oft ver­lor er sei­ne Anstel­lun­gen schnell wie­der, weil er den Arbeits­platz wäh­rend der Dienst­zeit ver­las­sen hat­te. Was damit zusam­men­hing, dass Alex­an­der etwas ganz Beson­de­res war.

Die Göt­ter, seit jeher dar­auf bedacht, die Men­schen mit unter­schied­li­chen Fer­tig­kei­ten zu seg­nen, hat­ten Alex­an­der eine etwas spe­zi­el­le Bega­bung, ja: Auf­ga­be, mit­ge­ge­ben: Wann immer in einer öffent­li­chen Gast­stät­te im Umkreis von 20 Kilo­me­tern das Wort „Hoden“ fiel, klin­gel­te ein Glöck­chen in Alex­an­ders Kopf und er eil­te auf direk­tem Wege zu die­sem Ort.

Auch die Göt­ter waren sich nicht ganz sicher, war­um genau sie Alex­an­der mit die­ser Super­kraft ver­se­hen hat­ten, die bei Licht betrach­tet abso­lut nie­man­dem etwas nütz­te. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand mut­maß­ten sie manch­mal, die Geschich­te habe irgend­et­was mit Rache, einer ver­lo­re­nen Wet­te oder einem schreck­li­chen Miss­ver­ständ­nis zu tun. Aber bei den vie­len, vie­len Men­schen, die die Göt­ter in all den Zeit­al­tern erschaf­fen hat­ten, ging eben mit­un­ter etwas schief, und die meis­te Zeit waren die Göt­ter glück­lich und zufrie­den, wenn sie nicht schon wie­der einen Dik­ta­tor, Ter­ro­ris­ten oder Fern­seh­mo­de­ra­tor kre­iert hat­ten. Immer­hin hat­ten sie bei Alex­an­der wie auch bei vie­len Künst­lern dar­auf geach­tet, den Über­schuss an Talent durch eine Unter­ver­sor­gung mit Sozi­al­kom­pe­tenz aus­zu­glei­chen.

Und so lief Alex­an­der seit vie­len Jah­ren in einer abge­wetz­ten Leder­ja­cke durch die Gegend und tauch­te in Knei­pen auf, in denen kurz zuvor das Wort „Hoden“ gefal­len war – was wesent­lich öfter vor­kam, als man anneh­men wür­de. Wenigs­tens klin­gel­te das Glöck­chen nicht bei Syn­ony­men, dach­te Alex­an­der in sei­nen opti­mis­ti­sche­ren Momen­ten und stell­te sich vor, wie er sonst von Bor­dell zu Bor­dell, von Swin­ger-Club zu Swin­ger-Club ren­nen müss­te.

Für den Fall, dass jemand Alex­an­ders beson­de­re Bega­bung durch­schau­en wür­de, hat­ten die Göt­ter vor­ge­sorgt: Der­je­ni­ge wür­de dann eben­falls ein Glöck­chen hören, wenn ande­re, unver­fäng­li­che­re Wor­te gespro­chen wür­den. „Sekt“, zum Bei­spiel.

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Musik

2010 – the year something broke

In Jah­res­end­zeit­stim­mung schaut man ja ger­ne zurück auf das enden­de Jahr, resü­miert und fer­tigt – wenn man der­lei Neu­ro­sen pflegt – obsku­re Lis­ten an. Auf eine Leser­wahl haben wir nach dem Muse-Deba­kel im Vor­jahr ein­fach mal ver­zich­tet und Unhei­lig per Akkla­ma­ti­on zu Ihrer Lieb­lings­band 2010 ernannt.

Doch die letz­ten Dezem­ber­ta­ge lie­ßen mich auch per­sön­lich nach­denk­lich zurück: Was hat­te ich eigent­lich gehört und gut gefun­den?

Mei­ne last.fm-Charts waren eini­ger­ma­ßen wert­los: Aus ver­schie­de­nen Grün­den tauch­ten Songs wie „Fire­f­lies“ (Owl City), „Baby“ (Jus­tin Bie­ber) oder „Catch Me I’m Fal­ling“ (Real Life, hät­ten Sie’s gewusst?) in mei­nen Jah­res-Top-25 auf, was ich in ers­ter Linie besorg­nis­er­re­gend fand. Außer­dem waren alle Songs des Albums von The Natio­nal dabei, was immer­hin schon mal einen deut­li­chen Hin­weis auf das Album des Jah­res gibt, denn so unfass­bar groß wie „High Vio­let“ war 2010 tat­säch­lich nichts mehr.

Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass ich das Bes­te wie üblich über­se­hen habe: Arca­de Fire, Get Cape. Wear Cape. Fly, Eels, Suf­jan Ste­vens – alles nicht oft genug gehört, weil mir der Sinn grad nach etwas Ande­rem stand. So habe ich ja auch „Only Revo­lu­ti­ons“ von Biffy Cly­ro erst im Okto­ber 2010 für mich ent­deckt, es ist also denk­bar, dass es auch im letz­ten Jahr wenigs­tens ein gutes Gitar­ren­rock-Album gab – wahr­schein­lich ist es aller­dings nicht, zu wenig ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im Rock­seg­ment pas­siert. Die Manic Street Pre­a­chers etwa haben mit „Post­cards From A Young Man“ ein durch­aus sehr gutes Spät­werk raus­ge­bracht, aber geknallt hat das jetzt auch nicht rich­tig. Und falls es span­nen­de Neu­lin­ge gab, muss ich sie alle­samt über­se­hen haben: The Hold Ste­ady haben sou­ve­rän gerockt, Jason Lyt­le hat mit sei­ner Post-Grand­ad­dy-Band Admi­ral Rad­ley schön ver­schro­be­nen Indie­rock gemacht, The Gas­light Anthem waren okay, Ende des Jah­res kam mit „All Soul’s Day“ ein ordent­li­ches Lebens­zei­chen von The Ata­ris – aber, Ent­schul­di­gung: Wir spre­chen vom Jahr 2010! Völ­lig okay, dass Ben Folds mit lyri­scher Unter­stüt­zung von Nick Horn­by end­lich mal wie­der ein rich­tig gutes Album gemacht hat, aber der Mann ist jetzt auch schon seit 17 Jah­ren dabei.

Immer­hin haben nicht alle Bands so ent­täuscht wie Wir Sind Hel­den, Shout Out Louds, Ste­reo­pho­nics oder – rich­tig schlecht – Jim­my Eat World und Danko Jones. Weezer haben angeb­lich schon wie­der min­des­tens ein Album ver­öf­fent­licht. Die meis­ten mei­ner Lieb­lings­bands hat­ten sich eh eine Aus­zeit genom­men und ihre Sän­ger solo vor­ge­schickt: Alles über­rag­te dabei Jón­si von Sigur Rós, des­sen „Go“ zu den bes­ten Alben des Jah­res gehört. Jakob Dylan war schon zum zwei­ten Mal ohne Wall­flowers unter­wegs, hat die Band aber immer noch nicht auf­ge­löst. Dabei ist das düs­ter-fol­ki­ge „Women & Coun­try“ eigent­lich bes­ser als alles, was er vor­her gemacht hat. Fran Hea­ly (Tra­vis) und Bran­don Flowers (The Kil­lers) lie­ßen erst The­ra­pie­sit­zun­gen erwar­ten, klan­gen dann aber gar nicht mehr so anders als ihre Bands – eben gut, aber auch nicht mehr so rich­tig span­nend. Carl Barât gehört auch irgend­wie in die­se Auf­zäh­lung, obwohl er die Dir­ty Pret­ty Things ja längst auf­ge­löst hat und es die Liber­ti­nes wie­der gibt. Kele (Bloc Par­ty) und Paul Smith (Maxï­mo Park) hab ich ver­passt. Und die­ses Jahr ver­öf­fent­licht dann Thees Uhl­mann (Tom­te) sein Solo-Debüt …

In Sachen Hip-Hop ging auch nicht mehr so rich­tig viel: Kid Cudi blieb mit sei­nem Zweit­werk hin­ter den Erwar­tun­gen zurück, Kanye West hat ein irres Gesamt­kunst­werk raus­ge­bracht, das mit dem Album eines Ein­zel­in­ter­pre­ten wenig gemein hat und sich mir womög­lich erst in ein, zwei Jahr­hun­der­ten erschlie­ßen wird. Emi­nem war durch­aus kraft­voll wie­der da, krieg­te den meis­ten Air­play aber für ein Duett mit der lang­sam unver­meid­li­chen Rihan­na. Aus Groß­bri­tan­ni­en kam immer­hin Pro­fes­sor Green mit einem dre­ckig-bun­ten Grime-Strauß.

Im Pop gab es (neben Lady Gaga) vor allem zwei The­men: Das gro­ße Come­back von Take That als Quin­tett und Lena. Mit Hil­fe von Stuart Pri­ce (s.a. Scis­sor Sis­ters) nahm die eins­ti­ge Vor­zei­ge-Boy­group (Huch, aus wel­chem Par­al­lel­uni­ver­sum kam denn die­se Kli­schee-For­mu­lie­rung?) ein erstaun­lich elek­tro­ni­sches Album auf – „reif“ hat­te die Band seit ihrem Come­back 2006 ja die gan­ze Zeit geklun­gen. Die zu „Pro­gress“ gehö­ren­de Doku­men­ta­ti­on „Look Back, Don’t Sta­re“ zeigt die Fünf dann auch als wei­se älte­re Her­ren, die ihre Dämo­nen lang­sam aber sicher alle bekämpft haben und jedem Mann Mitte/​Ende Zwan­zig Mut machen, in zehn bis fünf­zehn Jah­ren so gut aus­zu­se­hen wie nie zuvor. Oder man zeugt wenigs­tens eine Toch­ter wie Lena Mey­er-Land­rut, die exakt fünf Tak­te brauch­te, bis sich erst alle Zuschau­er von „Unser Star für Oslo“ und dann 85% der deut­schen Bevöl­ke­rung in sie ver­lieb­ten. Natür­lich war der Tri­umph beim Euro­vi­si­on Song Con­test eine mit­tel­schwe­re Sen­sa­ti­on und auch für mich per­sön­lich ein Erleb­nis, aber das Album „My Cas­set­te Play­er“ war lei­der trotz­dem eine ziem­li­che Ent­täu­schung. Text­lich schwer rüh­rend, aber auch völ­lig see­len­los pro­du­ziert, ragt das von Ellie Goul­ding geschrie­be­ne „Not Fol­lo­wing“ her­vor, der Rest ist nett, aber belang­los.

Was kam sonst aus Deutsch­land? Toco­tro­nic, die mich etwas rat­los zurück­lie­ßen, Erd­mö­bel mit dem bes­ten deutsch­spra­chi­gen Album seit Jah­ren, Die Fan­tas­ti­schen Vier, die sich irgend­wo zwi­schen „Bild“-Interview (in Mor­gen­män­teln im Bett!) und Wer­be­deals voll­ends der Bedeu­tungs­lo­sig­keit hin­ga­ben, wäh­rend Fet­tes Brot ihr vor­läu­fi­ges Ende ver­kün­de­ten. Und dann halt so Leu­te, die man per­sön­lich kennt wie Tom­my Fin­ke, Enno Bun­ger oder die phan­ta­sischen Poly­a­na Fel­bel.

Auf vier bis acht groß­ar­ti­ge Alben folgt eine gan­ze Men­ge Mit­tel­maß und die Gewiss­heit, dass ich vie­les sicher noch über­hört habe. Dafür haben mich die Alben, die ich dann tat­säch­lich gehört habe, zu sehr auf­ge­hal­ten: The Natio­nal, Erd­mö­bel, Del­phic, Jón­si, Jakob Dylan und die Vor­jah­res­über­se­hun­gen Biffy Cly­ro und Mum­ford & Sons. Die Lis­te mei­ner Lieb­lings­songs wird irgend­wo hin­ter Platz 8 recht schnell belie­big, hat aber immer­hin einen rich­ti­gen Kra­cher auf der Eins: „Tokyo“ von The Wom­bats, mit denen ich ehr­lich gesagt am aller­we­nigs­ten gerech­net hät­te.

In den Charts domi­nier­ten erst die Fuß­ball­hym­nen (das vom Kom­merz zer­stör­te „Wavin‘ Flag“ von K’na­an und das nur ner­vi­ge „Waka Waka“ von Shaki­ra), ehe sich das Land zum Jah­res­en­de zwei wahn­sin­nig unwahr­schein­li­che Num­mer-Eins-Hits gönn­te: Eine 17 Jah­re alte Kreu­zung zwei­er Ever­greens auf der Uku­le­le, gesun­gen vom schwer­ge­wich­ti­gen und zwi­schen­zeit­lich ver­stor­be­nen Isra­el Kama­ka­wi­wo’o­le und ein aus dem Wer­be­fern­se­hen bekann­ter, ursprüng­lich nicht als Sin­gle ange­dach­ter Song von Empire Of The Sun, die andert­halb Jah­re zuvor erfolg­los ver­sucht hat­ten, mit einem sehr viel ein­gän­gi­ge­ren Song über das Wer­be­fern­se­hen erfolg­reich zu sein. In den Album­charts durf­te sowie­so jeder mal ran und wenn gera­de kein gro­ßer Name (Peter Maf­fay, AC/​DC, Iron Mai­den, Joe Cocker, Depe­che Mode, Bruce Springsteen) sein neu­es Album raus­ge­hau­en hat­te, schos­sen wie selbst­ver­ständ­lich Unhei­lig wie­der an die Spit­ze der Hit­pa­ra­de.

Na ja: Neu­es Jahr, neu­es Glück.

Songs & Alben 2010 – Die Lis­ten

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Musik

Eigentlich sind sie als Punkband unterwegs

Sie wer­den es ver­mut­lich nicht mit­be­kom­men haben und auch die spe­zi­ells­ten Spe­cial-Inte­rest-Web­sei­ten schwei­gen sich zu dem The­ma aus, aber heu­te ist ein ganz beson­de­rer Tag: Der ers­te öffent­li­che Auf­tritt der Band Zucht­schau jährt sich zum zehn­ten Mal.

Sie wer­den über die­se Band nichts fin­den, denn damals war das Inter­net durch­aus noch ver­gess­lich, aber es ist ein guter Moment, aus dem Schat­ten der Anony­mi­tät her­aus zu tre­ten und zu sagen: Ich war Teil von Zucht­schau.

Die recht kur­ze und in wei­ten Tei­len ereig­nis­lo­se Geschich­te die­ser Band begann im Janu­ar 2000 auf dem Schul­hof eines Dins­la­ke­ner Gym­na­si­ums. Mat­thi­as, ein lang­jäh­ri­ger Schul­freund von mir, plan­te mit zwei Schü­lern aus der Stu­fe über uns, gemein­sam eine Band zu grün­den. Nur ein Schlag­zeu­ger fehl­te ihnen noch. Da ich von mei­nem sieb­ten bis zum drei­zehn­ten Lebens­jahr Schlag­zeug­un­ter­richt bekom­men hat­te und man sowas ja bestimmt nicht ver­lernt, bot ich mich an. Am dar­auf fol­gen­den Frei­tag fand die ers­te Pro­be im Kel­ler des legen­dä­ren ND-Jugend­zen­trums statt.

Ich woll­te ger­ne eine Band grün­den, die nach Ben Folds Five klang, aber danach sah es nicht aus: Wir hat­ten nicht nur kei­nen Pia­nis­ten, son­dern auch kei­nen Bas­ser. Mat­thi­as und Tho­mas wür­den Gitar­re spie­len, Sebas­ti­an sin­gen. Unser Saxo­pho­nist (!) war nur bei weni­gen Pro­ben dabei. Auch vom Gen­re her muss­te ich Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, denn Tho­mas und Sebas­ti­an woll­ten eine Punk­band grün­den. Mei­ne eige­nen Erfah­run­gen mit dem The­ma beschränk­ten sich damals noch auf eini­ge Songs der Toten Hosen und der Ärz­te, die ich im Musik­fern­se­hen gese­hen hat­te, aber das war mir egal: Haupt­sa­che Musik machen, berühmt wer­den und Mäd­chen abgrei­fen.

Beim Band­na­men hat­te ich eben­so wenig zu sagen: Er stand fest, seit Tho­mas und Sebas­ti­an im Vor­jahr bei einer Teckel-Zucht­schau auf unse­rem Schul­hof ein Hin­weis­schild mit dem Schrift­zug „Zucht­schau“ ent­wen­det hat­ten, das seit­dem Tho­mas‘ Jugend­zim­mer schmück­te.

Tho­mas brach­te damals zu jeder Pro­be einen neu­en Song mit, die wir alle recht schnell drauf hat­ten. Ich spiel­te immer den glei­chen Beat, er spiel­te vier Akkor­de, Mat­thi­as gnie­del­te irgend­was dazu und von Sebas­ti­an ver­stand man kaum was, weil er über einen schwa­chen klei­nen Gitar­ren­ver­stär­ker sang. Was sich von der Her­an­ge­hens­wei­se schwer nach Punk anhört, klang im Ergeb­nis aber wie vier bra­ve Söh­ne aus der Mit­tel­schicht, die ver­su­chen, Punk zu spie­len.

Nach weni­gen Wochen wech­sel­ten wir vom Jugend­zen­trum in den Kel­ler mei­nes Eltern­hau­ses, wo ich mich jetzt an mei­nem eige­nen Schlag­zeug ver­aus­ga­ben konn­te. Stil­echt wur­den zu jeder Pro­be Dop­pel­kek­se und Eis­tee gereicht.

Zur Geburts­tags­fei­er mei­nes Vaters kam es zum ers­ten Auf­tritt vor Publi­kum, den man wohl­wol­lend als „avant­gar­dis­tisch“ bezeich­nen könn­te, musik­wis­sen­schaft­lich prä­zi­se als „schlecht“. Alles dröhn­te und schep­per­te, von Sebas­ti­ans Stim­me war so gut wie nichts zu hören. Unter­des­sen begann sich der dro­hen­de Abstieg der Band abzu­zeich­nen: Der Schlag­zeu­ger (also ich) hat­te sich selbst das Gitar­ren­spiel bei­gebracht und woll­te nun eige­ne Songs bei­steu­ern – das tod­si­che­re Ende jeder Band.

Von Din­gen wie MySpace konn­te man damals nur träu­men: Mit einem ein­zi­gen Mikro­fon nah­men wir das Geschep­per im Pro­be­raum am PC auf und über­spiel­ten es anschlie­ßend auf eine Musik­kas­set­te, die Tho­mas und Sebas­ti­an beim Besuch eines Wohl­stands­kin­der-Kon­zerts der Band mit­ge­ben woll­ten.

Einem Auf­tritt beim Nach­bar­schafts­fest soll­te im August end­lich der ers­te offi­zi­el­le Auf­tritt fol­gen: Wir waren im Nach­wuchs­pro­gramm des tra­di­ti­ons­rei­chen Stadt­fests „DIN-Tage“ vor­ge­se­hen. Das Kon­zert stand unter kei­nem guten Stern, denn zunächst muss­ten wir (um des Fami­li­en­frie­dens wil­len – sehr punk) auf unse­ren selbst­ge­bas­tel­ten Back­drop ver­zich­ten, den unser Band­lo­go zier­te:

Logo der Band Zuchtschau

Mein Groß­va­ter hat­te das Ban­ner zufäl­li­ger­wei­se zu Gesicht bekom­men und fühl­te sich beim Anblick unse­res Dackels offen­bar an eine Orga­ni­sa­ti­on erin­nert, die nach sei­nen Aus­sa­gen „Tau­send hin­ter­rücks erschos­sen und in die Luft gesprengt“ habe. Auf gar kei­nen Fall dürf­ten wir damit in die Öffent­lich­keit, sag­te er, und wir müss­ten auch mal an die Kar­rie­ren unse­rer Eltern den­ken. Wir hät­ten aber gar kein wei­te­res Bett­la­ken bema­len müs­sen, da das Kon­zert wegen einer Unwet­ter­war­nung sowie­so abge­sagt wur­de. Das ange­kün­dig­te Gewit­ter soll­te Dins­la­ken frei­lich nie errei­chen.

Im Dezem­ber 2000 soll­te dann aber wirk­lich der ers­te Auf­tritt statt­fin­den – beim tra­di­ti­ons­rei­chen „School’s Out“, bei dem nun wirk­lich jede Dins­la­ke­ner Band, die län­ger als ein paar Wochen exis­tier­te, irgend­wann mal gespielt hat. Für das Kon­zert hat­te sich das Kul­tur­amt der Stadt etwas ganz beson­de­res ein­fal­len las­sen: Es soll­te einen Sam­pler mit Songs von allen auf­tre­ten­den Bands drauf geben. Die Bands, die – wie wir – kei­ne ordent­li­chen Auf­nah­men vor­wei­sen konn­ten, beka­men einen hal­ben Tag im Ton­stu­dio spen­diert. In Zei­ten, wo ange­sichts lee­rer Kas­sen als ers­tes bei Kul­tur- und Jugend­ar­beit gespart wird, klingt die­se Anek­do­te wie eine Geschich­te aus einer längst ver­gan­ge­nen sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Epo­che, aber sie ist wirk­lich erst zehn Jah­re her.

Mit einem Demo unse­res Songs „Held im Traum­land“ fuh­ren wir in ein klei­nes Duis­bur­ger Stu­dio und ver­such­ten, das Lied irgend­wie auf Band zu ban­nen. Schlag­zeug und Rhyth­mus­gi­tar­re wur­den gleich­zei­tig ein­ge­spielt (ohne Klick­spur natür­lich, das hät­ten wir nie hin­be­kom­men), der Rest spä­ter drü­ber­ge­legt. „Ihr wisst schon, dass Ihr im Refrain schnel­ler wer­det?“, frag­te unser Pro­du­zent (kräf­tig gebaut, Ket­te rau­chend und schnauz­bär­tig) besorgt und wir ant­wor­te­ten – lei­der wahr­heits­ge­mäß – damit, dass das Absicht sei. Am Ende des Tages hat­ten wir tat­säch­lich einen fer­ti­gen Song, auf dem sogar ein Bass zu hören war – Mat­thi­as hat­te noch eben eine sehr schlich­te Bass­spur ein­ge­spielt.

Das „School’s Out“ kam und in Sachen Grö­ßen­wahn konn­te uns kaum jemand etwas vor­ma­chen: Wie die gro­ßen Rock­bands, die wir aus dem Fern­se­hen kann­ten, hat­ten auch wir Com­pu­ter­ge­schrie­be­ne Set­lis­ten, eige­ne Time­ta­bles („Dins­la­ken, GER: Sound­check 4pm, Doors 4.30pm, Din­ner 5pm, Zucht­schau 5.45pm“) und eine schrift­li­che Dreh­ge­neh­mi­gung für unse­ren Freund mit­ge­bracht, der das Kon­zert auf Video 8 ban­nen soll­te. Tat­säch­lich ver­folg­ten eini­ge Leu­te unse­ren Auf­tritt, sogar eini­ge „Fans“ waren ange­reist: dicke, pick­li­ge Jun­gen aus der Nach­bar­stadt, die noch uncoo­ler waren als wir.

Wir bret­ter­ten durch unser Set, wobei ich im Rück­blick anneh­men muss, dass wir nicht für fünf Cent Pfen­nig gerockt haben. Bei unse­rem Song „Win­ke, Win­ke“ (eine von Ramm­stein inspi­rier­te Hym­ne auf die Tele­tub­bies – I kid you not) zer­schmet­ter­te Sebas­ti­an das Kin­der­key­board, auf dem er das Intro gespielt hat­te, vor den Augen ver­wirr­ter Secu­ri­ty-Ange­stell­ter auf der Büh­ne. Am Ende waren wir so schnell gewe­sen, dass wir noch Zeit hat­ten, eine (weder geplan­te noch geprob­te) Zuga­be nach­zu­schie­ßen.

Head­li­ner (auch für so etwas gab es im Dins­la­ken des Jah­res 2000 noch Geld) des School’s Out war die Mag­de­bur­ger Band Scycs, deren Sin­gle „Radio­star“ wei­land ein klei­ner Hit war. Die Musi­ker gin­gen auf unse­ren Vor­schlag ein, gemein­sam mit allen Bands des Abends ein Weih­nachts­lied zu into­nie­ren, doch der Ver­such ende­te in einem rie­si­gen Cha­os, des­sen Aus­ma­ße ich womög­lich noch irgend­wo auf Video habe.

Im Jahr 2001 spiel­ten wir bei einem Band­wett­be­werb in Moers unse­ren ein­zi­gen Auf­tritt außer­halb Dins­la­kens, außer­dem bei einem Akti­ons­tag gegen Rechts, beim ein­zi­gen Dins­la­ke­ner Enten­ren­nen, beim hun­derts­ten Geburts­tag unse­rer Schu­le und tat­säch­lich (ganz ohne Back­drop) bei den DIN-Tagen.

An einem Frei­tag im Novem­ber ver­lie­ßen Mat­thi­as und ich die Band. Sebas­ti­an hat­te sich weni­ge Stun­den zuvor einen Bass gekauft.

Doch wie klang die­se Band, der es so ergan­gen ist wie Tau­sen­den Nach­wuchs-Spi­nal-Taps vor und nach ihnen? Unge­fähr so:

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Die Über­schrift die­ses Ein­trags ist bei Tom­my Fin­ke geklaut.

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Rundfunk Musik

Leser fragen, Heinser antworten (1)

Lese­rin Katha­ri­na S. aus K. fragt: „Unhei­lig. Was ist das für Musik, wer hört das?“

Lukas Hein­ser ant­wor­tet: Vie­le Men­schen, die sich sonst nicht für Musik inter­es­sie­ren

Und: Elmar The­ve­ßen, Stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur und Ter­ro­ris­mus­exper­te des ZDF:

Was hat ihn am meis­ten beschäf­tigt, beein­druckt, betrof­fen gemacht?

„Zwi­schen all dem Leid in die­sem Jahr haben die Bil­der von der Ret­tung der Berg­leu­te in Chi­le so unend­lich gut getan. Dazu noch der Song ‚Gebo­ren, um zu leben‘. Genau dar­um geht es doch eigent­lich bei allem, auch wenn wir das manch­mal ver­ges­sen“, so The­ve­ßen.

[Quel­le: Pres­se­news­let­ter des ZDF.]

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Leben Unterwegs

Vandalen auf der Durchreise

Gera­de im Regio­nal­ex­press die viel­leicht bes­te Durch­sa­ge ever gehört:

Ver­ehr­te Fahr­gäs­te, wir wis­sen selbst, dass das heu­te alles etwas beschei­den ist, aber lei­der hat­ten wir heu­te auf dem Weg von Aachen nach Hamm eine Schul­klas­se im Wagen 3, die die Sit­ze auf­ge­schlitzt und mit Flüs­sig­keit über­gos­sen hat. Wir muss­te den Wagen des­we­gen lei­der abschlie­ßen.

Der Rest der Durch­sa­ge ging im Geläch­ter der Fahr­gäs­te unter.

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Digital

Foto: Fritz Fischer

Da ist den Machern von tagesschau.de aber eine beson­ders gelun­ge­ne Kom­bi­na­ti­on von leicht wind­schie­fer Über­schrift und pas­sen­dem Sym­bol­fo­to gelun­gen:

EU senkt Fangquoten für Nordsee: Kabeljau kann aufatmen

Ent­deckt von Natu­ral­Born­Kie­ler.

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Uncategorized

2010 — Der Jahresrückblick (Teil 2)

In der zwei­ten Fol­ge unse­res Jah­res­rück­blicks spre­chen Herr Fin­ke, Herr Rede­lings und ich über Musik, Fuß­ball und Poli­tik, sowie über ande­re Kata­stro­phen:

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Digital Gesellschaft

Und Normal gibt’s nicht mal mehr an der Tankstelle

Lie­be Autoren, Ihr könnt die Arbeit ein­stel­len: Das Ren­nen um den dümms­ten Text des Jah­res ist ent­schie­den. David Baum hat ihn ver­gan­ge­ne Woche auf „The Euro­pean“ ver­öf­fent­licht, einem kon­ser­va­ti­ven Inter­net­ma­ga­zin, des­sen erklär­tes Ziel es ist, inner­halb der nächs­ten Jah­re so wich­tig zu wer­den, wie es sich selbst seit dem ers­ten Tag nimmt.

In wel­che Rich­tung es gehen wird, erkennt man schon an der Fra­ge, die Baum sei­ner „Kolum­ne“ vor­an­ge­stellt hat: „Wie abar­tig ist eigent­lich nor­mal?“. Die Über­schrift zeigt, dass hier einer die Kon­tro­ver­se, die Pro­vo­ka­ti­on, das Bro­dern sucht: „Lie­be Nege­rIn­nen“.

Doch was will Baum eigent­lich sagen?

HÖREN SIE – sehr geehr­te Damen, sehr geehr­te Her­ren “und alle, die sich nicht mit die­sen Kate­go­rien iden­ti­fi­zie­ren kön­nen oder wol­len”: Ich kom­me mir manch­mal vor wie Ronald Rea­gan, der ver­se­hent­lich an den Nackt­ba­de­strand des Wood­stock-Fes­ti­vals gera­ten ist.
Zum Bei­spiel, wenn ich die­se inzwi­schen heiß umfeh­de­te Rede des Chefs der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung, Tho­mas Krü­ger, lese, die er tat­säch­lich mit genau jener eben zitier­ten Anre­de ein­ge­lei­tet hat. Das erin­nert mich an die hin­rei­ßend idio­ti­sche Afri­kare­de von Hein­rich Lüb­ke, bloß dass der zum Kar­ne­va­lis­ti­schen nei­gen­de Bun­des­prä­si­dent heu­te nicht nur über die böse ras­sis­ti­sche For­mel stür­zen wür­de, son­dern auch noch, weil er nicht “lie­be Nege­rIn­nen” gesagt hat.

Zuge­ge­ben: Das ist schon sehr viel zer­schmet­ter­ter Satz­bau und sehr viel Unfug für einen ein­zel­nen Absatz. Aber wir kom­men da durch. Zunächst also mal das Offen­sicht­li­che: In White Lake, NY gab es nach allem, was wir wis­sen, kei­nen Strand – also auch kei­nen „Nackt­ba­de­strand des Wood­stock-Fes­ti­vals“. Was soll­te man da auch schon sehen außer Schlamm?

Aber viel­leicht ist das auch wit­zig gemeint. So wie die Anre­de „lie­be Neger“, die sehr wahr­schein­lich frei erfun­den ist und die Baum mit der Anre­de in Tho­mas Krü­gers Rede beim Kon­gress „Das fle­xi­ble Geschlecht. Gen­der, Glück und Kri­sen­zei­ten in der glo­ba­len Öko­no­mie.“ ver­gleicht wie ande­re Leu­te Äpfel mit Schrau­ben­zie­hern: „Sehr geehr­te Damen und Her­ren, lie­be Neger“ klingt für unse­re Ohren, als ob es neben den Damen und Her­ren auch noch die „Neger“ gebe, die (ähn­lich wie bei „lie­be Kin­der“) von den Damen und Her­ren abge­grenzt wer­den müs­sen, weil sie nicht dazu­ge­hö­ren. Beim Kon­gress der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung hin­ge­gen wer­den auch die Men­schen adres­siert, die sich selbst weder den Damen, noch den Her­ren zurech­nen kön­nen oder wol­len. Die drit­te Kate­go­rie ver­sucht also eine Abgren­zung auf­zu­he­ben, nicht eine her­zu­stel­len.

Wie bei jedem ordent­li­chen Pole­mi­ker, der sich völ­lig in der Lebens­wirk­lich­keit ver­fah­ren hat, ist man auch bei David Baum gut bera­ten, ihn zwecks Demon­ta­ge aus­gie­big zu zitie­ren:

Herr Krü­ger, der Mann, der samt Ehe­gat­tin und sei­nem gan­zen Klün­gel vom Staat gespon­sert wird, “um inter­es­sier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger dabei zu unter­stüt­zen, sich mit Poli­tik zu befas­sen”, doziert all­zu gern über das The­ma “Das fle­xi­ble Geschlecht”. Er ver­tritt also jene lau­ni­ge The­se – die zur Folk­lo­re der hei­mi­schen Links­extre­men gehört –, dass kein Mensch als Jun­ge oder Mäd­chen gebo­ren wird und des­halb die Kin­der­lein geschlechts­neu­tral auf­wach­sen sol­len, um sich schließ­lich frei ent­schei­den zu kön­nen. Der Ver­weis auf gewach­se­ne Geschlechts­or­ga­ne gilt in die­sen Krei­sen als lächer­li­cher Volks­glau­be aus der fins­te­ren Vor­mo­der­ne, den­ken sie erst gar nicht dar­an. Ich weiß nicht, was die­se Kama­ril­la in den 70ern geraucht hat, jeden­falls macht es bis heu­te so high, dass sie die Unter­schei­dung von Mäd­chen und Jun­gen für eine zutiefst reak­tio­nä­re und rechts­ra­di­ka­le Ange­le­gen­heit hält.

Mal davon ab, dass es in Krü­gers Rede nur am Ran­de um jene „lau­ni­ge The­se“ und gar nicht um Geschlechts­or­ga­ne und Geschlechts­neu­tra­li­tät geht, offen­bart sich in die­sem Absatz auch wie­der ein erschüt­ternd schlich­tes Welt­bild: Mann oder Frau, schwarz oder weiß, dafür oder dage­gen. Wenn Anders­den­ken­de für David Baum „Links­extre­me“ sind, müss­te er in sei­ner eige­nen bipo­la­ren Welt ja eigent­lich ein Rechts­ra­di­ka­ler sein. Das hat er natür­lich selbst schon aus­for­mu­liert und womög­lich wit­zig gemeint.

Aber ganz so ein­fach, wie es Baum ger­ne hät­te mit Pim­mel und Mumu, macht es ihm die Natur schon nicht. Hin­zu kommt, dass er – wie so vie­le Ande­re an bei­den Enden des poli­ti­schen Spek­trums – aus­schließ­lich inner­halb bestehen­der Kate­go­rien den­ken will.

Dazu ein kur­zer Exkurs: Das Volk der Sets­wa­na in Afri­ka kennt nur weni­ge Farb-Grund­wör­ter (im Prin­zip nur schwarz, weiß, rot, und blau/​grün, aber kein Wort für gelb, braun, oran­ge, oder ähn­li­ches), die Dani in Papua-Neu­gui­nea haben (wie ande­re Sprach­ge­mein­schaf­ten auch) über­haupt nur zwei Farb­wör­ter, die in etwa „hell“ und „dun­kel“ bedeu­ten. Sie hät­ten bei der Beschrei­bung eines Regen­bo­gens sicher eini­ge Schwie­rig­kei­ten, aber der Regen­bo­gen blie­be (für unse­re Augen) der glei­che. Die Geschich­te, nach der Eski­mos hun­dert ver­schie­de­ne Wor­te für Schnee hät­ten, ist zwar unge­fähr genau­so falsch wie Hein­rich Lüb­kes berüch­tig­tes Zitat, aber die Idee dahin­ter ist ja ein­fach, dass man alles noch mal aus­dif­fe­ren­zie­ren kann.

Aber das ist natür­lich nicht so geil kra­wal­lig wie die For­mu­lie­rung „an den Scham­haa­ren her­bei Gezo­ge­nes“ oder der Ruf nach dem Ver­fas­sungs­schutz, um den „beson­de­ren Schutz“ der Ehe und der Fami­lie im Grund­ge­setz zu gewähr­leis­ten.

Und über­haupt:

Nor­ma­li­tät gibt es ja nicht, wie der Mensch von mor­gen jetzt schon weiß.

Womög­lich denkt Baum ein­fach nur vom fal­schen Ende aus, denn es geht in der Debat­te ja gera­de dar­um, Schwu­le, Les­ben, Bise­xu­el­le, Trans­se­xu­el­le, Trans­gen­der, usw. usf. nicht mehr als Exo­ten wahr­zu­neh­men, die wahl­wei­se lus­tig oder krank sind, son­dern als nor­mal.

Für Baum eine offen­bar uner­träg­li­che Vor­stel­lung:

Das Ziel einer gesun­den Gesell­schaft soll­te sein, Min­der­hei­ten zu schüt­zen und ihnen zu ihren Rech­ten zu ver­hel­fen. Aber jede Lau­ne der Natur zum all­ge­mei­nen Leit­bild zu erhe­ben sicher nicht. Sie geht näm­lich dar­an kaputt.

Das ist genau die Logik der Leu­te, die wol­len, dass Mus­li­me ihre Moscheen in irgend­wel­chen Hin­ter­hö­fen und Indus­trie­ge­bie­ten errich­ten, und die dann hin­ter­her dar­über schimp­fen, wie schlecht „inte­griert“ die­se Men­schen in einer Gesell­schaft sei­en, die sie selbst an den Rand gedrängt hat. Schwul ja, aber bit­te nicht der eige­ne Sohn, nicht öffent­lich und nicht mit den glei­chen Rech­ten wie Hete­ro-Paa­re. Deko­ra­ti­ve Anders­ar­ti­ge in einer sonst uni­for­mier­ten Gesell­schaft. Aber immer beto­nen, dass man doch eigent­lich („Jedem Tier­chen sein Plä­sier­chen“) tole­rant sei – was natür­lich im Zwei­fels­fall auch wie­der iro­nisch gemeint sein könn­te.

All die­se Aus­brü­che Baums haben wenig bis gar nichts mit der Rede Tho­mas Krü­gers zu tun. Er will nichts „zum all­ge­mei­nen Leit­bild erhe­ben“, er will viel­mehr bestehen­de Leit­bil­der abbau­en:

Um Gerech­tig­keit und einen Aus­tausch auf Augen­hö­he zu errei­chen, kann die eige­ne Posi­ti­on, die eige­ne Erfah­rung, der eige­ne Kör­per und die eige­ne Sexua­li­tät nicht län­ger zur Norm erklärt wer­den, von der alle ande­ren Ver­sio­nen als min­der­wer­ti­ge Abwei­chun­gen gel­ten, die es allen­falls zu tole­rie­ren gilt.

Baum reißt ein­zel­ne Schlag­wor­te aus dem Kon­text der (zuge­ge­be­ner­ma­ßen nicht ganz kur­zen) Rede und erweckt so den Ein­druck, Krü­ger und die Bun­des­zen­tra­le woll­ten Sodom und Gomor­rha als gesell­schaft­li­ches Ide­al (oder gleich als Zwang) eta­blie­ren. Dabei geht es um ganz kon­kre­te Lebens­wirk­lich­kei­ten und Unge­rech­tig­kei­ten in ganz durch­schnitt­li­chen hete­ro­se­xu­el­len Part­ner­schaf­ten, wenn Krü­ger etwa die „klas­si­sche Ernäh­rer-Ehe, an der sich immer noch steu­er­li­che Pri­vi­le­gi­en fest­ma­chen“ kri­ti­siert.

Aber das ist wohl alles zu viel für einen Mann wie David Baum, der die Gren­ze des­sen, was nicht mehr „nor­mal“ ist, unmit­tel­bar hin­ter sich zieht.

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2010 — Der Jahresrückblick (Teil 1)

Das Jahr 2010 ist zwar gera­de erst zu elf Zwölf­teln vor­bei, aber die Jah­res­rück­bli­cke gehö­ren zur Advents­zeit wie Spe­ku­la­ti­us und Leb­ku­chen. Da wol­len auch wir nicht län­ger war­ten und gehen – als Ers­te – in die Vol­len:

Tom­my Fin­ke, Ben Rede­lings und ich bli­cken zurück auf die Fuß­ball-WM, den Sieg Lena Mey­er-Land­ruts beim Euro­vi­si­on Song Con­test, das Kul­tur­haupt­stadt-Jahr und vie­les mehr. Nur hier, im Inter­net!

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