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Til Schweiger, die Guttenbergs und „Bild“

In der nicht enden wol­len­den Debat­te über den Betrug Karl-Theo­dor zu Gut­ten­bergs beim Ver­fas­sen sei­ner Dok­tor­ar­beit hat sich ein wei­te­rer Exper­te zu Wort gemel­det: der Schau­spie­ler und Regis­seur Til Schwei­ger.

„Ich habe, als ich noch stu­diert habe, auch abge­schrie­ben“, sag­te Schwei­ger im Radio-Ham­burg-Inter­view. Des­we­gen jetzt Gut­ten­bergs Rück­tritt zu for­dern, hal­te er für über­trie­ben, „weil ich fin­de, dass er eigent­lich bis jetzt einen super Job gemacht hat als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter“.

Nun möch­te ich nicht ver­heim­li­chen, dass mei­ne Mei­nung über Schwei­ger seit lan­gem sehr viel schlech­ter ist als mei­ne Mei­nung über Gut­ten­berg nach den Ereig­nis­sen der letz­ten Tage. Bei allen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten und Zwei­feln an sei­nen Metho­den wuss­te der Minis­ter zumin­dest bis­her wenigs­tens mit sou­ve­rä­nen Auf­trit­ten zu über­zeu­gen, bei denen ich dach­te: „Ich mag die­sen Kerl nicht, aber er macht das schon ver­dammt gut!“ Wann immer ich Til Schwei­ger sehe (und vor allem höre), ver­flu­che ich den Tag, an dem Paul Nip­kow das Fern­seh­ge­rät erfun­den hat.

Jeden­falls ist es nicht das ers­te Mal, dass die Namen „Schwei­ger“ und „zu Gut­ten­berg“ gemein­sam in der Pres­se ste­hen: Von diver­sen Preis-Ver­lei­hun­gen und „Ein Herz für Kinder“-Galas ab, ist vor allem das Pass-Spiel, das Schwei­ger seit eini­ger Zeit via „Bild“ mit Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg betreibt, bemer­kens­wert.

Als die Minis­ter­gat­tin sich im ver­gan­ge­nen Herbst als Gast-Mode­ra­to­rin der umstrit­te­nen RTL-2-Sen­dung „Tat­ort Inter­net“ ver­such­te und dafür viel Kri­tik erhielt, mel­de­te sich Schwei­ger in „Bild“ zu Wort:

Til Schwei­ger, selbst Vater von vier Kin­dern, sag­te BILD: „Ich ver­fol­ge seit 2 Wochen den media­len Auf­schrei über das For­mat ‚Tat­ort Inter­net‘ und den Hohn und Spott, der über Frau zu Gut­ten­berg aus­ge­schüt­tet wird, das macht mich erst sprach­los und dann vor allen Din­gen wütend! In was für einer Gesell­schaft leben wir denn?“

Der Schau­spie­ler fragt: „Wo bleibt der Bei­fall? Wo ist der empör­te Auf­schrei über die­se wider­li­chen, arm­se­li­gen Schwei­ne? Hab ich noch nichts von gele­sen, ich lese nur von ‚an den Pran­ger stel­len‘, ‚Hexen­jagd‘ usw… War­um macht man sich mehr Gedan­ken um die Pri­vat­sphä­re von einem Mann, der Kin­dern por­no­gra­fi­sche Fotos von sich schickt und sich dann mit ihnen ver­ab­re­det? So naiv kann doch nie­mand sein, oder doch? All denen, die in den letz­ten zwei Wochen ihre hämi­schen Kom­men­ta­re ver­fasst haben, rufe ich zu: Redet mit euren Kin­dern, klärt auf und warnt sie, denn es könn­te euer Kind als nächs­tes betrof­fen sein!“

Das war schon eine ganz gute Gene­ral­pro­be für Schwei­gers Stamm­tisch-Auf­tritt bei Mar­kus Lanz, wo er sich über das „deut­sche Gut­men­schen­tum“ und „intel­lek­tu­el­le Men­schen“ empör­te und Sexu­al­straf­tä­tern ihre Men­schen­rech­te abspre­chen woll­te, was ihm das erwart­ba­re Lob von „Bild“ ein­brach­te:

Kinderschänder-Debatte: Til Schweiger: Wut-Ausbruch im TV!
Aber nicht nur von „Bild“ selbst:

Auch Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg (34), Prä­si­den­tin der deut­schen Sek­ti­on von „Inno­cence in Dan­ger“, hat den TV-Auf­tritt von Til Schwei­ger (47) ver­folgt. Gut­ten­berg zu BILD: „Es ist toll, dass Til Schwei­ger unbe­que­me Wahr­hei­ten aus­spricht und sei­ne Popu­la­ri­tät dafür ein­setzt, Men­schen wach­zu­rüt­teln! Ich weiß, dass ihm vie­le Men­schen zu die­sem Mut gra­tu­lie­ren.“

Doch die Minis­ter­gat­tin und der Krea­tiv­wirt­schaft­ler kom­mu­ni­zie­ren nicht nur indi­rekt:

Schwei­ger: „(…) Sogar Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg hat mir eine SMS geschickt.“
BILD: Was hat die Minis­ter­gat­tin geschrie­ben?
Schwei­ger: „Sie hat sich bei mir bedankt!“

Falls Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg doch noch sei­nen Hut neh­men muss, wäre Schwei­ger womög­lich der Wunsch-Nach­fol­ger der „Bild“-Redaktion. Wobei die Sol­da­ten das ver­mut­lich nicht so gut fän­den …

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Digital Politik

Von der Außenwelt abgeschnitten

Zuge­ge­ben: In der Pres­se­stel­le des Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums möch­te man die­ser Tage auch nicht arbei­ten.

Heu­te stand der Start der Bun­des­wehr­re­form auf dem Pro­gramm, in den letz­ten Tagen gab es die eine oder ande­re unschö­ne Mel­dung über die wis­sen­schaft­li­che Repu­ta­ti­on des Minis­ters und dann berich­te­te die „Finan­cial Times Deutsch­land“ auch noch, dass die Bun­des­wehr eine „gro­ße Wer­be­kam­pa­gne“ bei „Bild“, „Bild am Sonn­tag“ und Bild.de schal­ten wol­le.

Wegen die­ser „FTD“-Meldung hat­te ich eini­ge BILD­blog-Fra­gen an das Minis­te­ri­um. Aus der Erfah­rung weiß ich, dass ich bei Ver­su­chen, den rich­ti­gen Ansprech­part­ner zu tref­fen, immer zunächst den fal­schen anru­fe und es auch nie mög­lich ist, mich zu ver­bin­den.

Doch so weit kam ich heu­te nicht. Als ich die Lis­te der Pres­se­spre­cher durch­klick­te, bot sich mir fol­gen­des Bild:

Weil ich ger­ne den Wald vor lau­ter Bäu­men nicht sehe, frag­te ich Freun­de und Kol­le­gen, ob sie die Kon­takt­da­ten der Spre­cher irgend­wo sähen. Nein, taten sie nicht.

Die Sei­ten mit den Ansprech­part­nern sind alle auf dem Stand vom heu­ti­gen 24. Febru­ar 2011. Im Goog­le-Cache fin­den sich noch die Ver­sio­nen von letz­ter Woche und die sahen bei­spiels­wei­se so aus:

Die Über­sichts­sei­te, auf der sonst immer die „Zen­tra­le Ser­vice­num­mer für Pres­se­an­fra­gen und Medi­en­ver­tre­ter nach Dienst und am Wochen­en­de“ ange­ge­ben war, wur­de offen­bar schon am Diens­tag über­ar­bei­tet.

Alt:

Neu:

Ich habe jetzt mal nicht beim Minis­te­ri­um nach­ge­fragt, was das zu bedeu­ten hat.

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Leben Gesellschaft

Fakin’ It

In der aktu­el­len Debat­te um aka­de­mi­sche und wis­sen­schaft­li­che Ehre ist mir eine Geschich­te wie­der in den Sinn gekom­men, die sich vor eini­ger Zeit an mei­nem ehe­ma­li­gen Gym­na­si­um ereig­net haben soll und an deren Wahr­heits­ge­halt ich kei­nen Grund zu Zwei­feln habe:

In einem Eng­lisch-LK war eine Schü­le­rin am Tag der Klau­sur krank gewe­sen und muss­te die­se nach­schrei­ben. Wie all­ge­mein üblich wur­de sie dafür allei­ne in einen unge­nutz­ten Raum (ich glau­be, es war der Erd­kun­de-Kar­ten­raum) gesetzt, wo ihr die Auf­ga­ben­stel­lun­gen vor­ge­legt wur­den. Ent­ge­gen der übli­chen Vor­ge­hens­wei­se und ver­mut­lich auch ent­ge­gen zahl­rei­cher Vor­schrif­ten gab ihr der Leh­rer exakt die glei­chen Arbeits­an­wei­sun­gen, die er schon dem Rest der Klas­se kurz zuvor bei der „ech­ten“ Klau­sur aus­ge­hän­digt hat­te.

Inter­es­san­ter­wei­se hat­te die Schü­le­rin in ihrem Ruck­sack die bereits kor­ri­gier­te und zurück­ge­ge­be­ne Klau­sur eines Mit­schü­lers, die sie nun über die nächs­ten Stun­den aus­führ­lich abschrieb – ent­ge­gen aller schu­li­schen Regeln und jed­we­der Moral, ver­steht sich.

Theodor-Heuss-Gymnasium

Dem Leh­rer scheint das Kom­plett-Pla­gi­at nicht auf­ge­fal­len zu sein, jeden­falls wer­te­te er die Klau­sur nicht als Täu­schungs­ver­such, son­dern kor­ri­gier­te sie ganz nor­mal. Oder: fast, denn er hat­te die Ori­gi­nal-Arbeit des Schü­lers deut­lich bes­ser (die genau­en Details sind nie­man­dem mehr erin­ner­lich, aber die Rede war von min­des­tens sechs Punk­ten, was zwei Noten ent­sprä­che) bewer­tet als die der Schü­le­rin.

Die Schü­le­rin, die sich die gan­ze Zeit von dem Leh­rer unge­recht behan­delt gefühlt hat­te, konn­te natür­lich nicht zum Rek­tor gehen, um sich über ihre Note zu beschwe­ren. Aber eine bemer­kens­wer­te Geschich­te war es doch.

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Politik

Gib hier den Titel an

Das ist grad aber ein biss­chen blöd gelau­fen im Bun­des­tags-TV:

Dr. Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg
Aber auch hier ging es mit der Rück­ga­be des Dok­tor­ti­tels ganz schnell:

Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg
[via Phil­ipp]

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Print Musik

Most People Are DJ’s

Die Dis­kus­si­on um die omi­nö­se Dok­tor­ar­beit von Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg erreicht in schwin­del­erre­gen­dem Tem­po immer neue Meta-Ebe­nen: Ulf Pos­ch­ardt, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur der „Welt am Sonn­tag“ und Her­aus­ge­ber von „Rol­ling Stone“, „Musik­ex­press“ und „Metal Ham­mer“, ver­öf­fent­lich­te am Sams­tag in der „Welt“ einen Auf­satz über die Kul­tur­tech­nik des Sam­plings und des Mash-Ups.

In gewohnt unein­deu­ti­gem Oszil­lie­ren zwi­schen Ernst und Iro­nie ernennt er zu Gut­ten­berg zum „Jay‑Z der bür­ger­li­chen Poli­tik“, ver­weist auf Hegel und fabu­liert:

Sam­pling ist eine eben­so moder­ne wie kon­ser­va­ti­ve Kul­tur­tech­nik. Sie passt zu Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg. Beim jün­ge­ren Publi­kum wird die Erre­gung über sei­nen Umgang mit Zita­ten die Zunei­gung eher ver­stär­ken, hat es sich doch in Zei­ten des Copy and Pas­te dar­an gewöhnt, einen Teil sei­ner Schul- und Uni­leis­tun­gen durch vir­tuo­se Quel­len­re­cher­che zu per­fek­tio­nie­ren. Die schlich­te­ren Gemü­ter lie­fern dabei ab, was gewünscht war: eine ver­meint­lich kennt­nis­rei­che Text­ober­flä­che. Post­mo­der­ne Eli­ten jedoch ver­sin­ken in den durch digi­ta­le Net­ze unend­lich gewor­de­nen Quel­len, um an ihnen zu wach­sen und die Gren­zen des eige­nen Wis­sens zu über­win­den.

Pos­ch­ardt muss es wis­sen: Sein gan­zer Arti­kel ist eine gere­mix­te Sin­gle-Ver­si­on sei­ner eige­nen Dok­tor­ar­beit, die unter dem Titel „DJ Cul­tu­re“ als Buch eine sehr viel höhe­re Auf­la­ge erziel­te als zu Gut­ten­bergs Dis­ser­ta­ti­on.

Ulf Pos­ch­ardt: Die DJ-Revo­lu­ti­on frisst ihre Kin­der

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Ein exklusiver Hund

Wenn Sie unse­re Defi­ni­ti­on des Begriffs „exklu­siv“ für extra­va­gant hiel­ten, dann haben Sie noch nicht den/​die/​das aktu­el­le „Auf einen Blick“ gese­hen:

Monica Lierhaus: So stolz! So stark! So tapfer! "Auf einen Blick"-Autorin Karen Webb schreibt exklusiv über den bewegendsten TV-Auftritt des Jahres.

Noch­mal zum Mit­den­ken: Ja, die „Auf einen Blick“-Autorin Karen Webb schreibt exklu­siv für „Auf einen Blick“. Wo gibt es so etwas schon sonst?

Ande­rer­seits ist das noch ver­gleichs­wei­se harm­los, wenn man sich das voll­stän­di­ge Cover der Zeit­schrift ansieht:

Monica Lierhaus: Deutschlands schönster Hund.
[via Petra O.]

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Musik Rundfunk Digital

Wer wohnt schon in Düsseldorf?

Bochum/​Berlin, 18. Febru­ar 2011. Lukas Hein­ser und Ste­fan Nig­ge­mei­er haben heu­te in einer Pres­se­mit­tei­lung bekannt­ge­ge­ben, dass sie sich auch vom Aus­tra­gungs­ort Düs­sel­dorf nicht davon abhal­ten wer­den, den Euro­vi­si­on Song Con­test erneut mit einem Video­blog zu beglei­ten. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten sie sich ohne Sta­tiv und Wind­schutz nach Nor­we­gen durch­ge­schla­gen und mit ihrem OSLOG nach Mei­nung vie­ler Exper­ten einen maß­geb­li­chen Bei­trag zum Erfolg von Lena Mey­er-Land­rut geleis­tet.

Hein­ser und Nig­ge­mei­er selbst erran­gen in einem etwas weni­ger beach­te­ten Wett­be­werb den drit­ten Platz: in der Kate­go­rie Unter­hal­tung bei der Wahl zu den „Jour­na­lis­ten des Jah­res 2010“. Die Jury des „Medi­um Maga­zins“ fand, dass OSLOG „selbst­iro­nisch mit dem Medi­en­hype um Lena spiel­te“ und „vor­führ­te, wel­ches Poten­ti­al in einem sol­chen Blog ste­cken kann“. Hein­ser, des­sen Ehr­geiz von Ken­nern mit dem von Ste­fan Raab ver­gli­chen wird, kom­men­tier­te das mit den Wor­ten: „Beim nächs­ten Mal wer­den wir die­ses ver­damm­te Poten­ti­al aus­schöp­fen!‘ “

Wäh­rend die Per­so­nal­fra­ge nach der Absa­ge von Tho­mas Gott­schalk und Gün­ther Jauch ähn­lich schnell ent­schie­den war wie bei der deut­schen Inter­pre­tin, war der Name der OSLOG-Neu­auf­la­ge lan­ge offen. Ent­wür­fe wie dueslog.tv, dussellog.tv, und dorflog.tv wur­den schließ­lich ver­wor­fen zuguns­ten von DUSLOG.tv. Das bewähr­te Kon­zept aus ver­geig­ten Anmo­de­ra­tio­nen, exklu­si­ven Inter­views und ver­ges­se­nen Inter­pre­ten­na­men soll bei­be­hal­ten wer­den. Geplant ist aller­dings eine wei­te­re Qua­li­täts­stei­ge­rung. „Wir erwä­gen die Inves­ti­ti­on in einen Wind­schutz für das Mikro­fon“, sagt Hein­ser. Nig­ge­mei­er ergänzt: „Und ich wer­de dies­mal weni­ger Namen ver­wech­seln als letz­tes Jahr in Däne­mark.“

Die hei­ße Pha­se mit täg­li­chen Videobe­rich­ten beginnt Anfang Mai. Bereits heu­te wer­den die neu­en Sei­ten ein­ge­weiht, die von Mar­kus „Herm“ Her­mann frisch tape­ziert und mit einem noch moder­ne­ren Fern­seh­ge­rät aus­ge­stat­tet wur­den: Das Fina­le des deut­schen Vor­ent­schei­des wird ab ca. 20 Uhr in einem Live­blog auf duslog.tv beglei­tet.

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Musik Digital

Ein Beispiel, das Schwule machen sollte

Ein ganz beson­de­rer Musik­wunsch erreicht uns auf etwas absei­ti­gem Weg aus den Redak­ti­ons­räu­men von Bild.de:

Dass Fett nicht abwaschbar ist, sahen die Leute irgendwann ein. Es musste eine neue Verkaufsidee her. Das dachten sich wohl die Erfinder des Gerätes „Gaybar Simulator“. Dabei schnallte man sich einen Ledergürtel um die Taille und schaltete das elektrische Fitnessgerät an, das anfing zu rütteln. So sollten überflüssige Pfunden weggeschüttelt werden.

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[via Emp­ty]

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Jugend schreibt

Vor eini­gen Jah­ren woll­te ich schon ein­mal über die Arbeits­be­din­gun­gen von Schü­ler- und Jugend­re­por­tern bei Lokal­zei­tun­gen schrei­ben. Aus­lö­ser war damals ein … nun ja: unfass­bar schlech­ter Arti­kel, den ich über die „Eins­li­ve Kro­ne“ gele­sen hat­te. Ich hät­te dar­über geschrie­ben, dass die hoff­nungs­vol­len Jüngst-Jour­na­lis­ten als beson­ders preis­wer­te Arbeits­skla­ven miss­braucht wer­den, dass ihre Arti­kel unre­di­giert (oder ohne wei­te­re Erklä­run­gen redi­giert) ver­öf­fent­licht wer­den und sie so aus ihren mög­li­chen Feh­lern nie wür­den ler­nen kön­nen. Dann stell­te ich fest, dass der unfass­bar schlech­te Arti­kel von einer „WAZ“-Redakteurin geschrie­ben wor­den war, und ver­gaß das The­ma erst mal.

Dann sind wir beim BILD­blog auf den Fall einer Jugend­re­por­te­rin beim Köl­ner „Express“ gesto­ßen, die es geschafft hat­te, Online- und Print-Redak­ti­on Arti­kel unter­zu­ju­beln, die aus Pres­se­mit­tei­lun­gen und Agen­tur­mel­dun­gen abge­schrie­ben waren. Die Fahr­ge­stell­num­mer Hand­lungs­or­te hat­te die Autorin ins Ein­zugs­ge­biet der Zei­tung ver­legt.

Ein sol­ches Ver­hal­ten ist zwei­fel­los völ­lig unjour­na­lis­tisch. Aber so ein Text muss ja theo­re­tisch auch erst mal an einer Redak­ti­on vor­bei, bevor er ver­öf­fent­licht wird. Dass „fact che­cking“ in den meis­ten deut­schen Redak­tio­nen ein Fremd­wort ist, ist klar (es ist ja auch eins), aber nach gewis­sen Erfah­run­gen der letz­ten Jah­re soll­te man als End­re­dak­teur doch zumin­dest ein­mal kurz den Namen von angeb­li­chen Zitat­ge­bern goo­geln. Bei der „Express“-Reporterin hät­te in zwei der drei Fäl­le das ers­te Such­ergeb­nis die tat­säch­li­che Wir­kungs­stät­te der ent­spre­chen­den Per­so­nen ver­ra­ten und damit wei­te­re Fra­gen auf­wer­fen müs­sen.

Der ers­te Zei­tungs­ar­ti­kel, in dem mein Name in der Autoren­zei­le stand, erschien im Mai 1997 in der Dins­la­ke­ner Lokal­aus­ga­be der „Neu­en Rhein Zei­tung“ (die damals glau­be ich noch „Neue Ruhr Zei­tung“ hieß). Im Zuge eines „Zei­tung in der Schule“-Projekts hat­ten wir mit der gan­zen Klas­se den Hun­de­übungs­platz der Poli­zei in Wesel besucht und Repor­ta­gen dar­über geschrie­ben. Aus drei die­ser Repor­ta­gen ver­schnit­ten die Redak­teu­re dann einen neu­en Arti­kel, den sie druck­ten. Was aus­ge­rech­net an unse­ren Tex­ten so gut gewe­sen sein soll, haben wir nie erfah­ren.

Fünf­ein­halb Jah­re spä­ter fing ich als frei­er Repor­ter für die Dins­la­ke­ner Lokal­aus­ga­be der „Rhei­ni­schen Post“ an. Vor mei­nem ers­ten Ter­min gab man mir eine Map­pe mit, in der alles stand, was man als jun­ger Jour­na­list zu beach­ten hat­te. Ich weiß nicht mehr, was drin stand, aber „nicht abschrei­ben!“ stand womög­lich irgend­wo dabei. Der Rest war lear­ning by doing – oder genau­er: lear­ning by rea­ding what has beco­me of your own texts.

Mein ers­ter Text wur­de kom­plett im Wort­laut ver­öf­fent­licht, was sicher nicht an des­sen Qua­li­tät lag. In ande­ren Tex­ten kor­ri­gier­te die Redak­ti­on die unge­wöhn­li­chen Namen der Prot­ago­nis­ten zur gän­gi­gen und damit fal­schen Schreib­wei­se oder sorg­ten dafür, dass sich die Jugend­li­chen bei einem Rock­fes­ti­val die „Dröh­nung am Frei­tag­abend schme­cken“ lie­ßen. Bei der Zei­tungs­lek­tü­re mei­ner Repor­ta­ge über einen Schwimm­meis­ter im städ­ti­schen Frei­bad erfuhr ich, dass die Blon­di­nen bei „Bay­watch“ nicht „drall“, son­dern „hübsch“ sind. Für Über­schrif­ten galt damals, was auch heu­te noch für jede Lokal­re­dak­ti­on gilt: Haupt­sa­che, sie sind nichts­sa­gend und auf kei­nen Fall gram­ma­tisch kor­rekt oder gar kna­ckig.

Rück­mel­dun­gen gab es kaum, aber das mag auch dar­an lie­gen, dass ich als Kul­tur­re­por­ter die Arti­kel meist noch am Abend in die Redak­ti­on mail­te und nur sel­ten mit den Kol­le­gen vor den völ­lig ver­al­te­ten Redak­ti­ons­com­pu­tern saß. Aber auch wenn ich da war, gab es nicht vie­le Gesprä­che über mei­ne Tex­te.

Das alles hilft den jun­gen Repor­tern (und den Zei­tun­gen) nicht wei­ter. Natür­lich ist es toll, schon in jun­gen Jah­ren gro­ße Arti­kel für die Zei­tung schrei­ben zu dür­fen, aber zu opti­mie­ren gibt es eigent­lich immer was. Zwar muss man anneh­men, dass den aller­meis­ten Lesern die Qua­li­tät von Zei­tungs­tex­ten eher egal ist, aber wer für 12 bis 20 Cent pro Zei­le vor­her noch stun­den­lang in Schal­ter­hal­len Kunst­wer­ke aus Sim­bab­wi­schen Ser­pen­tin­stein begu­cken oder sich auf einem kal­ten Super­markt­park­platz mit Renault-Bast­lern über Tuning unter­hal­ten muss­te, der hat als Drein­ga­be wenigs­tens ein biss­chen kon­struk­ti­ve Kri­tik ver­dient.

Ange­sichts der chro­ni­schen Unter­be­set­zung vie­ler Lokal­re­dak­ti­on mag es fast wie ein Wunsch­traum klin­gen, aber irgend­je­mand soll­te eigent­lich noch mal vor Ver­öf­fent­li­chung über jeden Text drü­ber­gu­cken – beson­ders über die von Berufs­an­fän­gern, die noch nicht mal theo­re­tisch mit jour­na­lis­ti­scher Ethik in Kon­takt gekom­men sind.

Die Geschich­te mit den umge­sie­del­ten Agen­tur­mel­dun­gen ist da noch ver­gleichs­wei­se unge­fähr­lich. Da gab es etwa den Fall einer Jugend­re­por­te­rin, die ein Inter­view gemacht hat­te mit einem Mäd­chen, das in einer sozia­len Ein­rich­tung lebt. Dabei ging es auch um die Vor­ge­schich­te, war­um sie aus ihrem klei­nen Hei­mat­dorf in die­se Ein­rich­tung in der nächs­ten grö­ße­ren Stadt gekom­men war. Der Arti­kel erschien schließ­lich mit vol­ler Namens­nen­nung des Mäd­chens, das anschlie­ßend tage­lang in der Angst leb­te, einer ihrer Ver­wand­ten könn­te die­se Geschich­te lesen. Zum Glück schien sich nie­mand aus ihrer Fami­lie wei­ter für den Jugend­re­por­ter­teil zu inter­es­sie­ren.

Ich hal­te es nach wie vor für eine gute Idee, als Jour­na­list die sprich­wört­li­che Lokal-Schu­le von Kanin­chen­züch­ter­ver­ein und Sei­den­ma­le­rei­aus­stel­lung durch­lau­fen zu haben. Damit kann man auch gar nicht früh genug anfan­gen (unver­ges­sen die Ger­ma­nis­tik-Stu­den­ten im ers­ten Semes­ter, die ger­ne „was mit Medi­en“ machen woll­ten, aber noch nie irgend­ei­nen Text geschrie­ben hat­ten). Aber die­se hoff­nungs­vol­len jun­gen Leu­te, sol­len irgend­wann, wenn sich die gan­zen früh­ver­greis­ten Schreib­be­am­ten aus den Redak­ti­on zurück­ge­zo­gen haben wer­den, ja auch mal an vor­ders­ter Front ste­hen. Und da kann es nicht scha­den, sich von Anfang an um sie zu küm­mern.

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Musik

Neues aus der Werbehölle

Vor ein paar Tagen fei­er­te das Video zur neu­en Sin­gle von Avril Lavi­gne Pre­mie­re. Wenn „What The Hell“ im Musik­fern­se­hen läuft, müss­ten die Sen­der ver­mut­lich den Schrift­zug „Dau­er­wer­be­sen­dung“ ein­blen­den:

(Sony ist der Unter­hal­tungs­kon­zern, bei dem auch Avril Lavi­gnes neu­es Album erscheint, „Avril Lavi­gne“ und „Abbey Dawn“ sind die Par­füm- bzw. Mode­li­nie von Avril Lavi­gne.)

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Musik

Salzburg Calling

Gera­de so bei GoTV rein­ge­zappt und die Schluss­ein­blen­dung und die letz­ten vier Tak­te eines Songs mit­be­kom­men. Die klan­gen so viel­ver­spre­chend, dass ich den Song gleich mal bei You­Tube gesucht und – Oh Wun­der des Urhe­ber­rechts – auch gefun­den habe:

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Der ers­te Refrain kann nicht ganz das Ver­spre­chen ein­hal­ten, das der Song bis dahin auf­ge­baut hat. Bei der drit­ten Wie­der­ho­lung (er ist ja eine ein­zi­ge Wie­der­ho­lung) ent­fal­tet er aller­dings durch­aus sei­nen Charme. Nichts Welt­be­we­gen­des, aber zumin­dest mal wie­der ein biss­chen neu­es Leben in der extrem öde gewor­de­nen Schub­la­de mit der Auf­schrift „Indie Rock“.

Trip­pin In Lon­don kom­men – man kann es sich bei die­sem lei­der etwas doo­fen Namen den­ken – nicht aus Eng­land. Statt­des­sen kom­men sie – das kann man sich beim GoTV-Ein­satz den­ken – aus Öster­reich, genau­er: Salz­burg. Kämen sie aus Dins­la­ken, wür­den deut­sche Musik­jour­na­lis­ten sicher steil gehen.

Auf einer obsku­ren Sei­te namens MySpace gibt es wei­te­re Songs zu hören, bei iTu­nes gibt’s noch nix.

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Kultur

The Future is Analogue

Oh, die­se böse Post­mo­der­ne: Auf Smart­phones, den Gerät gewor­de­nen Ver­spre­chen der stän­di­gen Erreich­bar­keit und Beschleu­ni­gung, erfreu­en sich Foto-Apps gro­ßer Beliebt­heit, die digi­ta­le Schnapp­schüs­se aus­se­hen las­sen wie Ana­log­fo­tos aus der eige­nen Kind­heit.

Völ­lig frei von Apps, Beschleu­ni­gung und Post­mo­der­ne sind die Fotos, die mei­ne gute Freun­din Tere­sa Stutz­in­ger macht und vom kom­men­den Sonn­tag an in der Bochu­mer Knei­pe Ebstein aus­stellt.

Die Ana­log­auf­nah­men, alle­samt unbe­ar­bei­tet, zei­gen Land­schaf­ten oder All­tags­de­tails, Per­so­nen sind meist eher zu erah­nen als zu erken­nen. Sie sind an „Traum­or­ten“ ent­stan­den und erin­nern Tere­sa an schö­ne Erleb­nis­se an die­sen Orten. Daher auch der Titel der Aus­stel­lung: „Dre­a­ming of Para­di­se“.

Und tat­säch­lich haben ihre Fotos etwas traum­haf­tes, rüh­ren­des. Sie strah­len die­se natür­li­che Wär­me aus, die auf Digi­tal­fo­tos meist völ­lig fehlt. Sie zei­gen Blu­men, Sei­fen­bla­sen und Son­nen­un­ter­gän­ge, was natür­lich irr­sin­nig kit­schig sein könn­te, hier aber wun­der­bar funk­tio­niert – es sei denn, man fin­det so einen Ein­schlag Hip­pie-Roman­tik per se doof.

Die Ver­nis­sa­ge am Sonn­tag, 30. Janu­ar 2011 um 15 Uhr wird musi­ka­lisch beglei­tet von den hier im Blog schon gefei­er­ten Poly­a­na Fel­bel aus Köln.

Dre­a­ming of Para­di­se
im Ebstein, Bochum
30. Janu­ar – 1. Juni 2011