Beiträge vom Oktober, 2009

Positive Jam

Von Lukas Heinser am Mittwoch, 28. Oktober 2009 13:23

Ich dachte ja schon, es wäre die Krönung in Sachen Helden-Kollaboration, dass Ben Folds und Nick Hornby gemeinsam an einem Album arbeiten (Coffee And TV berichtete).

Jetzt lese ich, dass Craig Finn, der Sänger der von mir hochverehrten The Hold Steady, gemeinsam mit dem langjährigen David-Letterman-Autoren Tom Ruprecht an einer Kinoadaption von Chuck Klostermans “Fargo Rock City” arbeitet.

Zwar kann ich mir im Moment noch nicht ganz vorstellen, wie aus einem Buch, das zu weiten Teilen aus dem Theoretisieren von Heavy Metal, Hair Metal und Hard Rock besteht, eine Filmkomödie werden könnte, aber ich vertraue den beiden Autoren, die den Film zusammen mit Klosterman produzieren, da voll. Außerdem werden hierzulande alberne Quatsch-Ratgeber wie “Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken” zu Kinoproduktionen geprügelt, da ist eine Coming-of-age-Geschichte im ländlichen North Dakota mit ganz viel Musik sicher der naheliegendere Stoff.

Aber was für popkulturelle Mashups mit meinen persönlichen Helden finden als nächstes statt? Nehmen Thees Uhlmann und Max Goldt ein gemeinsames Album auf? Vertont Fran Healy die “Calvin & Hobbes”-Comics von Bill Watterson? Nimmt sich Ben Gibbard ein Buch von Jack Kerouac vor?

Oh.

Hauptschul Musical

Von Lukas Heinser am Dienstag, 27. Oktober 2009 16:33

Apropos Oh, Napoleon: Die sind mit ihrem Song “Lovers In Your Head” auch auf einem aktuellen Filmsoundtrack vertreten.

Der Film heißt “Gangs” und der Höher-schneller-weiter-Trailer verspricht, ganz nach dem schönen Motto “LASS LIEBER ALLES ANZÜNDEN!”, mehr. Von allem:

Motorräder!
Masken!
Scratches!
Ballett!
Jimi Blue Ochsenknecht!
Wilson Gonzales Ochsenknecht!
Liebe!
Cabrios!
Hunde!
Kriminelle!
Konflikte!
Brüder!
Verfolgungsjagden!
Oneliner!
Pinkelwitze!
Kalauer!
Donots!

Isses nich doll? Diese Mischung aus “West Side Story” und “Die wilden Kerle”, aus “Die fetten Jahre sind vorbei” und “James Bond — Der Morgen stirbt nie”? Das muss ja ein Hit werden.

Und trotzdem hat der Film – wohl, weil die Altersfreigabe ab 12 Jahren die Kernzielgruppe aussiebt – nach drei Wochen eher enttäuschende 345.359 Zuschauer.

Nichts mit Waterloo

Von Lukas Heinser am Dienstag, 27. Oktober 2009 9:36

Das Maß, in dem britische Nachwuchsbands häufig gehypt werden, ist für Deutsche oft überraschend. Aber in Großbritannien gibt es eben relevante Musikzeitschriften, die noch dazu teils wöchentlich erscheinen und deshalb viel mehr Künstler aufs Cover packen können, und man hat eh ein anderes Verhältnis zur Popkultur.

Oh, Napoleon live

Dass eine deutsche Nachwuchsband schon renommierte internationale Acts supporten darf, bevor sie selbst auch nur irgendwas veröffentlicht hat, kommt dagegen eher selten vor. Oh, Napoleon1 haben schon mehrfach vor Portugal. The Man und Starsailor (bei denen ich sie auch entdeckt habe) gespielt, ihre erste EP ist aber erst vor elf Tagen erschienen.

Gut, man sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass die Band von Marc Liebscher (Sportfreunde Stiller) gemanagt wird, einen Vertrag mit Universal hat und auch sonst über einige wichtige Förderer verfügt. Das macht die Sache mit den Support-Slots vielleicht einfacher, aber solche Hintergründe nützen auch nicht viel, wenn die Musik nicht stimmt.

Oh, Napoleon liveAber wie die Musik stimmt: Fand ich die Band live schon ziemlich gut, vermisste aber so ein bisschen die Spannung, hat mir die selbstbetitelte Debüt-EP vom ersten Moment an die Schuhe ausgezogen. Der Sound, für den Produzent Oliver Zülch (noch so ein großer Name: The Notwist, Slut, Die Ärzte, Juli, …) verantwortlich zeichnet, ist glasklar. Die Gitarren, das Klavier und die Rhythmusgruppe bilden eine sehr gute Grundlage für die – Hilfe, ich muss schon wieder eine ausgelutschte Musikjournalistenvokabel benutzen! – ausdrucksstarke Stimme der Sängerin Katrin Biniasch.

Die vier Songs erinnern an Kathleen Edwards,2 die Cardigans in ihrer “Long Gone Before Daylight”-Phase und diverse amerikanische Singer/Songwriterinnen, die man vor allem aus dem Soundtrack von “Dawson’s Creek” kennt. Folkpop im besten Sinne, ideal für den Herbst und sicherlich auch voll radiotauglich.

Der Opener “To Have (To Lose)” ist schwungvoll, danach geht es entspannt zu. In den Texten geht es um Beziehungsenden, Einsamkeit und Liebe, “K” ist mit seinem etwas repetitiven Refrain bei mir am nachdrücklichsten hängen geblieben. Und wenn die Männerstimmen in “A Book Ending” nicht mehr nur formvollendete “Uuuuuh”-Chöre bilden, sondern mit eigenem Text und Gesangslinie in den Lead-Gesang reingrätschen,3 ist das noch mal ein ganz großer Gänsehautmoment.

Seit langem (also: seit First Aid Kit im Februar) hat mich kein Newcomer so sehr begeistert wie Oh, Napoleon. War Krefeld musikalisch bisher nur durch Blind Guardian und Andrea Berg aufgefallen,4 könnte sich das Dank dieser fünf unverschämt jungen Musiker schon bald ändern. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland einen Markt für solche Musik gibt,5 aber ich denke schon, dass Oh, Napoleon sehr schnell den Status des Geheimtipps loswerden dürften. Im Frühjahr 2010 soll das Album erscheinen — bis dahin werde ich die EP vermutlich ein paar hundert Mal gehört haben.

Oh, Napoleon - Oh, Napoleon EP (Cover)
Oh, Napoleon bei MySpace
Oh, Napoleon bei Vertigo
EP hören bei last.fm

Livefotos: © Martina Drignat.

  1. Bandnamen, die Satzzeichen enthalten, stören den Lesefluss leider immer ein bisschen (vgl. Therapy?, WHY?, Get Cape. Wear Cape. Fly, Portugal. The Man oder Loney, Dear) — aber schöner als der vorherige Bandname Your Dumb Invention ist Oh, Napoleon auf alle Fälle. Außerdem gibt es einen Song von The Acorn, der “Oh Napoleon” heißt. []
  2. Ja ja, zugegeben: Ich hab auch ewig gebraucht, um Regina Spektor zu entdecken. Aber wie kann es denn sein, dass Kathleen Edwards hierzulande derart übersehen wird? []
  3. Na ja, vielleicht schmiegen sie sich auch eher an den Lead-Gesang an. Gegrätscht wird bei Oh, Napoleon nicht. []
  4. Parallelen zu anderen niederrheinischen Städten mit berühmten Popschlagerinterpreten und Nachwuchsbands deuten sich am Horizont an. []
  5. Und ob man auf dem nicht ein ähnliches Schicksal erleiden könnte wie das One-Hit-Wonder Bell, Book And Candle. []

Volles Vertrauen, hier in Deutschland

Von Lukas Heinser am Montag, 26. Oktober 2009 13:05

In der letzten Zeit habe ich mit mehreren Radioleuten gesprochen, die sich beklagten, dass viele Bands heutzutage kein Interviewtraining mehr von den Plattenfirmen bekämen und deshalb im Gespräch oft etwas konfus rüberkämen und keine guten O-Töne lieferten.

Nun könnte man einwenden, Musiker müssten ja nicht primär gescheit daher reden, sondern vor allem schöne Musik machen. Anders verhält es sich da schon bei Politikern: Noch bevor die neue Bundesregierung im Amt ist, haben einige Kabinettsmitglieder schon durch außergewöhnliche Pressekonferenzen von sich reden gemacht.

Der designierte Außenminister Guido Westerwelle weigerte sich, eine englischsprachige Frage eines BBC-Reporters anzuhören und belehrte diesen, dass er sich in Deutschland befinde. Bundeskanzlerin Angela Merkel kanzelte einen niederländischen Reporter ab, der Zweifel an der Kompetenz Wolfgang Schäubles als Finanzminister wegen dessen Verstrickung in die CDU-Parteispendenaffäre äußerte.

Beide Antworten hätten sich vor wenigen Jahren noch versendet — heutzutage wurden sie innerhalb weniger Stunden ein paar Tausend Mal auf YouTube angeschaut und via Internet weiterverbreitet. Für viele User scheint sich zu bestätigen, was die Illustrierte “Der Spiegel” heute aus der Kristallkugel berichtet: Schwarz/Gelb wird ein Desaster.

Ich habe Fritz Goergen, der früher Strategieberater führender FDP-Politiker war und heute als freier Kommunikationsberater arbeitet, nach seiner Einschätzung des Themas gefragt und er war so freundlich, einen kleinen Gastbeitrag zu verfassen:

Politik? Bitte internetter.

A Decade Under The Influence: 2000

Von Lukas Heinser am Montag, 26. Oktober 2009 10:00

Dieser Eintrag ist Teil 1 von bisher 11 in der Serie A Decade Under The Influence

Natürlich weiß ich noch, wie das Jahr 2000 begann: Mit den Worten “I said let’s all meet up in the year 2000 / Won’t it be strange when we’re all fully grown”, gesungen von Jarvis Cocker. Ich saß mit meinen zwei besten Freunden im Wohnzimmer meiner Eltern, wo wir “Half-Life” im Multiplayermodus spielten. Das war Ausdruck unserer Anti-Haltung gegenüber dem allgegenwärtigen Millenniumswahn und wir hätten nie gedacht, dass das, was wir da spielten, später mal “Killerspiele” genannt und ein Thema in Polittalkshows werden würde.

Nach dem (letztlich dann doch unspektakulären, weil komplett ohne Y2K-Bug und Weltuntergang einhergehenden) Jahreswechsel kam das Jahr schnell in Fahrt: Schon Ende Januar fand ich mich am Schlagzeug einer Schülerband wieder, die gerne Punk sein wollte, aber unsere einzige Gemeinsamkeit mit den Sex Pistols war, dass wir auch keinen Bassisten hatten. Ich kaufte mir die “The Man Who” von Travis (ein Überbleibsel aus dem Jahr 1999) und beschloss, mir selbst Gitarre beizubringen.

Meine Freunde und ich gingen regelmäßig ins Kino, sahen Filme wie “American Beauty”, “The Million Dollar Hotel” und “Magnolia”, weswegen wir uns irre intellektuell vorkamen und das mit längst vergessenen Trashstreifen wie “Romeo Must Die”, “House On Haunted Hill” und “Mission To Mars” wieder ausgleichen mussten.

Im Frühjahr hatte ich angefangen, zum Einschlafen Musik zu hören1 und die Zahl der CDs, auf die ich in meinem “Benno”-CD-Regal2 zurückgreifen konnte, wurde immer größer: a-ha waren plötzlich wieder da, ich merkte, wie viele Songs ich von denen kannte, und kaufte mir deren neues Album “Minor Earth, Major Sky”, das mir auch heute noch sehr gut gefällt. Bon Jovi hatten mit “It’s My Life” einen besorgniserregenden Erfolg, der mich das dazugehörige Album kaufen ließ — der einzige CD-Kauf dieses Jahrzehnts, für den ich mich im Nachhinein schäme.

Bei der Fußballeuropameisterschaft verabschiedete sich Deutschland unter Trainer Erich Ribbeck nach der Vorrunde und in Hannover wurde eine Weltausstellung eröffnet, die ich aus verschiedenen Gründen gleich vier Mal besuchte. Die Smashing Pumpkins verkündeten ihre Auflösung, weswegen ich auf den letzten Metern schnell noch großer Fan wurde und mir für 69,50 D-Mark (umgerechnet etwa 69,50 Euro) eine Karte für ihr Konzert in Oberhausen kaufte.

Die Sommerferien verbrachte ich damit, in Domburg am Strand zu sitzen und “Just Looking” von den Stereophonics zu hören.3 Ich füllte meine CD-Sammlung mit “Protection” von Massive Attack, einem Lou-Reed-Best-Of und den “DJ-Kicks” von Kruder & Dorfmeister auf.

Am letzten Ferienwochenende war ich auf meinem ersten Festival: Einen Tag beim Haldern Pop. Die große Schwester meines besten Freundes musste uns mittags hinbringen und abends abholen. Gekommen waren wir wegen Embrace, aber besonders angetan hat es uns dann Tom Liwa, den wir zunächst ganz schrecklich fanden und dem wir dann im Laufe der nächsten 13 Monate durchs ganze Ruhrgebiet nachreisten.

Nach den Ferien hatten wir plötzlich Leistungskurse,4 worauf die meisten Schüler mit intensivem Feiern am Wochenende reagierten. Fast jeden Freitagabend trafen wir uns am Rhein, guckten aufs Wasser und tranken Bier. Kein Song fasste das besser zusammen als “Dancing In The Moonlight” von Toploader. Am Lagerfeuer versuchten alle Jungen, neben dem gleichen Mädchen zu sitzen, in das wir uns in einem seltenen Anfall von Kollektivismus alle zusammen und jeder für sich verliebt hatten. Im Fernsehen lief Sonntagnachmittags “Dawson’s Creek”.

Ich entdeckte die Bücher von Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Kracht und begann, eigene Texte ins Internet zu stellen, die heute hoffentlich gänzlich unauffindbar sind. Robbie Williams wurde mit “Sing When You’re Winning” zum Superstar und schrieb für “Singing For The Lonely” einen Text, den man sich als 16/17-Jähriger gern eingerahmt hätte.5 Für noch mehr Melancholie sorgten im Herbst eine englische Nachwuchsband namens Coldplay, der “The Virgin Suicides”-Soundtrack von Air und der bereits erwähnte Tom Liwa. Passend zur Abschiedstour verschenkten die Smashing Pumpkins ein Doppelalbum über das Internet (was für viele Menschen damals noch nur mit einem 56k-Modem zu erreichen war) und verstörten mit dem Video zu “Try, Try, Try” noch mal nachhaltig.6

Im Oktober erschien eine Platte, von der alle sagten, dass sie unhörbar sei und an kommerziellen Selbstmord grenzte. Obwohl ich bis heute eher Pop- als Avantgardefan bin, liebte ich “Kid A” auf Anhieb und es stellte sich heraus, dass es vielen Menschen ähnlich gegangen sein muss, denn Radiohead waren plötzlich eine der größten Bands der Welt. U2 mussten sich diesen Status nur noch mal bestätigen lassen, was mit “All That You Can’t Leave Behind” und Songs wie “Beautiful Day” und “Stuck In A Moment You Can’t Get Out Of” mühelos gelang.

Im Dezember hörte ich die aktuellen Alben von Teenage Fanclub und The Beautiful South, ehe The Wallflowers als Weihnachtsgeschenk mit “(Breach)” das Jahr abrundeten.7

Der persönliche Song des Jahrs aber8 stammt von Embrace. Also: den Britpop-Embrace, nicht den Hardcore-Embrace aus D.C. Deren “You’re Not Alone” hatte ich einige Male im Radio gehört und irrtümlicherweise für die neue Single von Oasis gehalten. Aber die Gallaghers waren im Jahr 2000 ganz unten, nämlich “Standing On The Shoulder Of Giants”. Abhilfe für einen Sommer schufen Embrace mit ihrem “Drawn From Memory”, das direkter Grund für meinen ersten Festivalbesuch war.

Die Bläser zu Beginn des Songs sind uplifting as hell, dann singt Danny McNamara davon, dass man nicht allein sei (ein sehr wichtiger Hinweis für Teenager), die Bridge kippt ins Melancholische, ehe man sich im Refrain wirklich “on top of the world” wähnt. Die Struktur des Songs entstammt direkt der Bauanleitung für Popsongs und der Text hat kaum Chancen auf irgendwelche Literaturpreise, aber es ist ein runder Song und einer, der mich lange begleitete.

Deswegen ist mein Song des Jahres 2000: Embrace – You’re Not Alone

  1. Damals nur drei Songs, vorher sorgfältig ausgewählt und in meinen Discman einprogrammiert. []
  2. 2000 war auch das Jahr, in dem ich von der chronologischen Sortierung zur alphabetischen überging. Nachdem ich “High Fidelity” gesehen und gelesen hatte, wollte ich das kurz rückgängig machen, aber nach einem Versuch, meine CDs nach Farben (!) zu sortieren, blieb ich bei der alphabetischen Sortierung. []
  3. Das ist eine arge Verkürzung von sechseinhalb Wochen auf sehr prägende 4:13 Minuten. Außerdem hatten meine Freunde und ich uns Ferientickets für den VRR gekauft, um jeden Donnerstag nach Essen zu fahren, und uns die neusten Filme (“High Fidelity”, “Glauben ist alles”) im Cinemaxx anzuschauen. Ich las Nick Hornbys “About a Boy”, wo der Charakter der Ellie nachhaltigen Einfluss auf meinen bevorzugten Mädchentyp ausübte. []
  4. Oder das, was man an unserem Gymnasium dafür hielt. []
  5. “I seem to spend my life just waiting for the chorus / ‘Cause the verse is never nearly good enough / The hooligan half of me that steals from Woolworths / While the other lives for love”, halte ich auch heute noch für brillante Zeilen und für eine gelungene Zusammenfassung meines Lebens. []
  6. Jonas Åkerlund, der den Clip über ein drogenabhängiges Obdachlosenpärchen gedreht hat, würde ich wirklich gerne mal kennenlernen. Ein Mann, der “Smack My Bitch Up” für The Prodigy und zuletzt “Pussy” für Rammstein, aber auch die Videos zu Madonnas “Music” und Mikas “We Are Golden” gedreht hat, kann doch nur ein interessanter Gesprächspartner sein. []
  7. Natürlich habe ich im Jahr 2000 auch viel Musik gehört, über die ich heute nur ungern spreche. Die Begeisterung, mit der das erste Aufkommen von “Take A Look Around”, dem “Mission: Impossible 2″-Titelsong von Limp Bizkit, im Internet aufgenommen wurde, ist rückblickend schwer zu erklären. Dass die Bloodhound Gang einige Male aus meinen PC-Boxen klang, weiß ich noch. Viele Peinlichkeiten habe ich aber schlicht vergessen bzw. verdrängt. []
  8. Und Sie dachten schon, ich würd’ direkt in der ersten Folge dieser Serie das wichtigste Element vergessen … []

Programmhinweis: A Decade Under The Influence

Von Lukas Heinser am Sonntag, 25. Oktober 2009 20:00

Möglicherweise werden Sie es noch gar nicht mitbekommen haben (es ist mir selbst eher zufällig aufgefallen), aber in ein paar Wochen geht jenes Jahrzehnt zu Ende, das hoffentlich nicht als “Die Nuller” in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Womöglich werden Sie “Kräbääh, kräbääh!” schreien, so wie ich vor zehn Jahren “Kräbääh, kräbääh!” geschrien habe, als alle am 31. Dezember 1999 ins neue Jahrtausend reinfeiern wollten, das doch bekanntlich erst am 1. Januar 2001 beginnen würde. Aber erstens erscheint mir das im Nachhinein durchaus albern und zweitens wird niemand bestreiten können, dass sich ein Jahrzehnt – wenn überhaupt – durch die führende Ziffer, also die dritte Stelle der Jahreszahl, definiert. Daraus folgt: Das namenlose Jahrzehnt erstreckt sich von 2000 bis 2009. Klappe zu, Affe tot.

Da ich über dieses Jahrzehnt erschreckend wenig erzählen kann (“Es fing an, dann war der 11. September und das Dunkel endete erst, als Barack Obama vom Himmel hinabstieg”), habe ich mich für eine etwas andere Rückschau entschieden: In der ambitionierten Serie “A Decade Under The Influence” werde ich in chronologischer Reihenfolge jeweils Montags auf ein Jahr zurückblicken, einen Schwank aus meiner Jugend erzählen (das geht zumindest in den ersten Jahren des Jahrzehnts noch) und dabei meinen jeweiligen Song des Jahres benennen.

Dieser muss nicht notwendigerweise der beste Song des Jahres sein, in manchen Fällen wird er nicht mal mit dem übereinstimmen, was ich am Jahresende bei den Jahrespolls der Musikzeitschriften zum “Song des Jahres” gewählt habe. Die einzige Regel ist: Er muss im jeweiligen Jahr erschienen und auch von mir gehört worden sein. (Mit dieser Regel habe ich gleich mein Lieblingslied “Such Great Heights” abgeschossen, das ich erst ein Jahr nach seiner Veröffentlichung entdeckt habe.) Es könnte persönlich werden, aber ich will versuchen, das zentrale Thema Popkultur nicht aus den Augen zu verlieren.

“A Decade Under The Influence” – an den nächsten zehn Montagen auf coffeeandtv.de

Morgen früh geht’s los!

Auswärtsspiel: “Und, wie war das damals bei dir?”

Von Lukas Heinser am Samstag, 24. Oktober 2009 0:24

Holger Frohloff betreibt das Blog 5minutenpause, in dem er gerade die Serie “Und, wie war das damals bei dir?” gestartet hat. Ja, ich hab anfangs auch gedacht, dass das was mit Dr.-Sommer-Themen zu tun hätte, aber darum geht’s gar nicht.

Im ersten Teil erklärt Holger selbst, wie sein erster Kontakt mit dem Internet war, im zweiten Teil darf ich ran.

Lesen Sie, wofür 12-Jährige im Jahr 1996 das Internet nutzen, wie meine Eltern mich jahrelang mit einem arschlangsamen Internetzugang quälten und warum ich heute noch vor die Tür gehe.

Das alles exklusiv auf 5minutenpause.com

No matter what the end is

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 22. Oktober 2009 0:54

Richard Wagner ist Redakteur bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” und hat am vergangenen Sonntag in seiner Kolumne “Das war’s” folgenden … Nachruf verfasst:

Rätselhaft blieb, warum der unappetitliche Tod des höchstens mittelmäßigen sogenannten Sängers Stephen Gately der längst abgehalfterten sogenannten Boygroup “Boyzone” auf der in noch anderer Hinsicht unappetitlichen Insel Mallorca den Weg in die respektable Öffentlichkeit fand.

[via Stefan Niggemeier]

Wenn man mal von den ganzen Unverschämtheiten Zynismen Adjektiven absieht,1 steht da eine gar nicht mal so uninteressante Frage: Warum verschaffte sein Tod Stephen Gately eine Aufmerksamkeit, die er – wenn überhaupt – zuletzt vor zehn Jahren bekommen hatte, als er in der “Sun” sein (milde erzwungenes) Coming Out hatte?

Ganz banal gesagt fängt es natürlich mit der Öffentlichkeit – das Wort “respektabel” muss Wagner beim wahllosen Adjektiv-Einsetzen reingerutscht sein – an, die größer ist als je zuvor. Was früher Gesprächsthema auf dem Pausenhof oder in der Teeküche war, findet jetzt für jeden wahrnehmbar im Internet statt. Es gibt Twitter, Blogs, Pinnwände bei Facebook, MySpace und last.fm und Boulevardzeitungen, die quasi rund um die Uhr erscheinen. Alles bekommt heute mehr Aufmerksamkeit als vor zehn Jahren — vielleicht mit Ausnahme einiger wichtiger Dinge, aber darüber sollen Kulturpessimisten wie Richard Wagner nachgrübeln.

Eine andere pragmatische Antwort wäre: Weil die Frauen, die heute die “People”-Ressorts und Online-Redaktionen rund um den Erdball besetzen, mit Boyzone aufgewachsen sind. Die Antwort ist aber so schlicht, dass man sie Wagner tatsächlich anbieten würde, wenn man ihn irgendwo zwischen Tür und Angel träfe.

Aber man kann ja mal versuchen, ein bisschen tiefer zu gehen: Erst einmal erzeugt ja der Tod eines Prominenten2 immer mediale Aufmerksamkeit — je vorzeitiger, desto größer. Es gilt, was Nada Surf 1999 in “River Phoenix”3 sangen:

We didn’t know Jackie O
She was one of the people that we did not know
Nor did we care about her hair
Her pillbox hat and her savoir faire
But still we thought we knew

Man nimmt halt irgendwie am Leben von Personen des öffentlichen Lebens teil — heute noch sehr viel mehr als vor zehn Jahren: Stephen Gately hatte einen Twitter-Account, der ja als das Symbol der Annäherung zwischen Stars und ihren Fans gilt.

Als Anna Nicole Smith, eine Frau, die aus sehr viel schlichteren Gründen berühmt war als Stephen Gately, im Februar 2007 starb, erklärten einige Menschen aus meinem Umfeld etwas irritiert, dass sie dieser Todesfall doch irgendwie betroffen mache — und ich war ganz froh, dass es nicht nur mir so ging. Fünf Monate zuvor hatte Smith ihre Tochter zur Welt gebracht, ihr Sohn Daniel war beim Besuch am Kindsbett gestorben. Das wünscht man keinem, auch keiner grotesken Medienfigur, deren Leben von Anfang an unsternverfolgt schien.

Ein weiterer wichtiger Grund, warum sich die Öffentlichkeit und die Medien so sehr auf Gatelys Tod stürzten, sind die “unappetitlichen” Umstände — oder das, was die Klatschjournalisten gerne darin sehen wollten: Erst hieß es, er sei an seinem eigenen Erbrochenen4 erstickt, was ja Rockstartod #1 wäre (vgl. Jimi Hendrix, Bon Scott). Die Rede war von einer wilden Partynacht mit seinem eingetragenen Lebenspartner und einem dritten Mann.

Denn, machen wir uns nichts vor: Die Tatsache, dass Gately schwul war, gibt der Geschichte natürlich noch mal eine gewisse Würze. Einerseits verleiht es der Aufstiegsgeschichte vom Arbeitersohn zum Popstar ein gewisses tragisches Moment, dass sich Gately jahrelang verstellen musste, andererseits gibt es den völlig Enthirnten Gelegenheit zu Überschriften wie “Homo-Sänger erstickt am eigenen Erbrochenen”. Und dann dieser 25-jährige bulgarische “Partyboy”,5 der beim Paar in der Wohnung war — da ist natürlich der Phantasie zahlreicher Redakteure und Leser freie Bahn gelassen.

Dabei spricht wenig dafür, dass Gately ein exzessives Leben geführt hat. Personen aus seinem Umfeld werden damit zitiert, dass er nur selten Alkohol trank und auch sonst nicht ständig auf Party aus war. Aber solche Aussagen taugen längst nicht für so knallige Schlagzeilen — und wenn man schon kaum etwas über sein Privatleben weiß und die Seriosität der Quellen eh nicht einschätzen kann, dann bezieht man sich natürlich lieber auf die Erzählungen, die skandalöser wirken und beim geneigten Leser zur Schlussfolgerung “Selbst schuld, der Herr Popstar!” führen.

Aber all das reicht natürlich nicht zum Popstartod des Jahres, nicht im Jahr 2009. Hätte man am 20. Juni mit “Beat It” allenfalls ein paar besonders Tanzwütige zum Beineschütteln bewegen können, waren die Tanzflächen eine Woche später voll, als die ersten Takte erklangen. Die Anteilnahme – auch die eigene – am Tode Michael Jacksons dürfte die meisten Menschen überrascht haben. Wie ernst es wirklich war, merkte ich, als meine Großeltern, deren größte Annäherung an die Popkultur sonst im “Tatort”-Gucken am Sonntagabend besteht,6 mich fragten, was ich denn zum Tod von Michael Jackson sagen würde. Ja, was sagt man da?

Jackson hatte halt irgendwie irgendwann einmal das Leben von fast jedem Menschen auf diesem Planeten berührt — und wenn sich das bei manchen nur in der Ansicht niederschlug, Jackson sei wahnsinnig und (s.o.) an allem selbst schuld. Aber obwohl Jackson eigentlich spätestens seit seinem Prozess wegen Kindesmissbrauchs im Jahr 2005 als Witzfigur galt, war das bei den Meisten – natürlich nicht bei den Medien – schnell vergessen und es stand nur noch die Musik und die Tragik seines Lebens im Vordergrund.

Und tragisch im eigentlichen Sinne sind in solchen Fällen ja meist das Leben des Verstorbenen (Jackson), der Zeitpunkt (noch mal Jackson, so kurz vor dem geplanten Comeback) oder die weiteren Umstände (verfolgt von Paparazzi wie Prinzessin Diana) des Todes — die Todesfälle selbst sind fast allesamt banal. Mehr Chemie im Körper, als der verarbeiten kann, führt zu schlichtem Funktionsversagen. Wenn ein betrunkener Fahrer viel zu schnell durch einen Tunnel rast, kann das zur Kollision mit einem Tunnelpfeiler führen, eine Geschwindigkeitsübertretung unter Alkoholeinfluss auf dem Heimweg schnell zum Abflug, wie bei Jörg Haider.

Nur akzeptieren will die Öffentlichkeit natürlich nie, dass ein Star letztlich menschlich und damit sterblich ist. Deswegen müssen Erklärungsversuche unternommen werden, und seien sie noch so abwegig und absurd. Dann war es halt die Mafia, ein Geheimdienst oder irgendwelche Verschwörer. Wenigstens ein Selbstmord, damit es nicht einfach ein alltäglicher Unfall war! Nur in seltenen Glücksfällen wird ein erfolgreicher, junger Politiker, der eine hübsche Frau und süße Kinder hat, aber Hollywoodstars und Sekretärinnen vögelt, unter völlig unerklärlichen Umständen in aller Öffentlichkeit erschossen — wobei man nun wirklich nicht behaupten kann, dass dieser Fall frei von Verschwörungstheorien sei.

Der Unterschied zwischen bekannten und unbekannten Sterblichen besteht lediglich in der Reaktion auf den Tod: Aus allen vorgenannten Gründen erzeugt der Tod eines Prominenten eine mediale Aufmerksamkeit, die den Verstorbenen überdauern kann. Spätestens, wenn der nächste Prominente unter Umständen stirbt, die nicht “Krebs” oder “Alter” heißen, wird Stephen Gatelys Name wieder in irgendeiner Liste (wahrscheinlicher, natürlich: in einer Bildergalerie) auftauchen und den Musiker damit überleben. Ob man als Fußnote unsterblich werden will, ist allerdings fraglich.

  1. Ebenfalls absehen sollte man natürlich von dem Umstand, dass da ein Bandname in Anführungszeichen gesetzt ist, was mich einfach immer wahnsinnig macht. Aber das mag ein persönliches Problem sein. []
  2. “eines sogenannten Prominenten” für Richard Wagner. []
  3. Benannt nach dem Schauspieler, der 1993 im Alter von 23 Jahren an einer Überdosis Heroin und Kokain verstarb. []
  4. Völlig bizarr wäre natürlich, mal von jemandem zu lesen, der an fremdem Erbrochenen erstickt ist. Man könnte aber wohl auch gut drauf verzichten. []
  5. Wobei man über das Wort “Partyboy” ja schon fast froh und dankbar sein muss — irgendetwas sagt mir, dass da vor kurzem noch “Stricher” gestanden hätte. []
  6. Eine Zeit lang dachte mein Großvater, er wisse, was eine Rapperin sei — es war die Phase, in der Boris Becker mit Sabrina Setlur liiert war. []

Wenn-Dehälse

Von Lukas Heinser am Dienstag, 20. Oktober 2009 16:17

Die folgende Überschriften-Sammlung von “RP Online” ist sicher unvollständig:

Wenn Cheerleader zu Models werden
Wenn die Schweinegrippe das Büro erreicht
Wenn Harald Schmidt Brause leckt
Wenn Zebrafische Modell sitzen
Wenn Sportler weinen
Wenn der Fiskus zu viel zahlt
Wenn Videospiele auf Filme treffen
Wenn zwei Stars zu einem verschmelzen
Wenn der Chef die Muskeln spielen lässt
Wenn Marken siegen
Python erwürgt Halter: Wenn Tiere Menschen gefährlich werden
Wenn der Westwind weht
Chronik: Wenn Eltern ihre Kinder töten
Wenn Bulldoggen Zigarre rauchen
Wenn Menschen der Blitz trifft
Wenn Mama und Papa sich trennen
Wenn der Headhunter anruft
Wenn der Lanz powert
Wenn eine Bank ihr Geld verschenkt
Wenn das Burnout-Syndrom zuschlägt
Wenn Promis nackt für Tiere protestieren
Wenn Klimaanlagen Bakterien schleudern
Wenn aus Promi-Kerlen Mädels werden
Wenn Tiere Liebe machen
Wenn die Büro-Gerüchteküche brodelt
Wenn es mit dem Chef Zoff gibt
"Körperwelten": Wenn Leichen Fußball spielen
Wenn die Wohnung krank macht
Wenn Juristen Hartz IV brauchen
Wenn ältere Männer junge Frauen lieben
Wenn ältere Frauen junge Männer lieben

… das ist schon einen Asbach Uralt wert.

A Room Of One’s Own

Von Lukas Heinser am Sonntag, 18. Oktober 2009 22:23

Ich habe heute das getan, was Max Goldt “nach Wohnungen gucken” nennt. Ich lief also durch die Gegend und guckte nach Straßen und Häusern, in denen ich gern wohnen würde, in der vagen Hoffnung, dass auch tatsächlich irgendwo irgendwas frei sein könnte. Ich bin nämlich mit mir übereingekommen, dass die Zeit, in der ich Abflussrohre von andererleuts Fußnägeln befreie, so schnell wie möglich enden soll. (Entschuldigung, vor diesen eingeschobenen Halbsatz hätte ich natürlich auch ein “Achtung, eklig!” setzen können. Nu isses zu spät!)

Als latent fauler Mensch hatte ich natürlich zunächst angenommen, zur Wohnungssuche auf das Instrument zurückgreifen zu können, dass mir für mich schon die Erschließung und Pflege von Sozialkontakten, sämtliche Finanztransaktionen und die Versorgung mit aktueller Musik übernommen hat: das Internet.

Genau genommen sind aber kryptische Anzeigen in Spam-Zeitungen, die Hinweise wie “KDB” oder “WBS” enthalten, den etwas ausführlicheren Schilderungen in Online-Portalen vorzuziehen. Die kleinen Texte inmitten der Bleiwüsten erwecken nämlich noch nicht mal den Eindruck, irgendetwas auszusagen. Im Internet gibt es zwar Fotos, aber fast immer nur solche, die nichts erklären. Kürzlich sah ich das Bild einer Wohnung, in der von der Küche aus ein gefliester Raum zu erahnen war, der durch eine Falttür zugänglich war. Ich fragte zwei Freunde, ob es sich dabei wohl um die Speisekammer oder um das Bad handele, und beide antworteten wortgleich: “Ich fürchte letzteres.” Genau konnte man das dem Foto und den Beschreibungen nicht entnehmen, aber mein Interesse, das vor Ort zu untersuchen, war erloschen.

Auch die Beschreibungen sind nicht immer hilfreich. Ein Anbieter, dem offenbar zwei Drittel aller Mietimmobilien in Bochum gehören, hält es für sinnvoll, bei jeder Wohnung die Entfernung zum nächsten Flughafen anzugeben (und zwar mit einer Stelle hinterm Komma), schweigt sich aber stets darüber aus, ob die das zur Wohnung gehörende Badezimmer über eine Badewanne oder eine Dusche verfügt. Dafür wird man mit jener Geheimsprache behelligt, die ausschließlich von Maklern und Wirtschaftsjournalisten verstanden wird. “verkehrsgünstig gelegene, städtische Straße” heißt vermutlich “es fühlt sich an, als ob der Verkehr direkt durchs Wohnzimmer knattert”, aber: Weiß man’s?

Ein bisschen was lernt man natürlich auch. Ich weiß jetzt, dass ein “Gefangener Raum” nur durch ein anderes Zimmer zugänglich ist und nicht direkt vom Flur aus. (Schlechte Scherze über österreichische Keller schrauben Sie sich bitte bei Bedarf selbst zusammen, die sind mir nun wirklich zu blöd.) Eine Pantry-Küche ist ein Schrank, in dem eine Minibar, eine Munddusche, eine Heizplatte und Platz für eine Packung Nudeln untergebracht sind — also das Smartphone unter den Küchen, nur noch ein bisschen nutzloser.

Als ich mich für eine Wohnung beworben habe, wollte die vermietende Wohngenossenschaft von mir Kontodaten und Personalausweisnummer wissen und interessierte sich auch dafür, welche Musikinstrumente ich denn so spiele — mutmaßlich nicht, um ein Wohnungsblock-Orchester zusammenzustellen.

Natürlich ist der Zeitpunkt, die Veränderung der Wohnsituation jetzt aber mal wirklich anzugehen (und zwar “sowas von”), unglücklich gewählt: Zum Semesterbeginn kann man auch Abstellkammern (so es sich dabei nicht um das Bad innerhalb der Küche handelt) meistbietend vermieten. Da muss man schon so dreist sein und erzählen, man habe “den ganzen Kram” direkt unten im Auto und müsse sonst unter der Brücke nächtigen — und selbst dann ist nicht garantiert, dass man auch den Zuschlag bekommt.

Anspruchsvoll bin ich ja auch: Erdgeschoss geht nicht, weil ich Gardinen hasse, aber auch nicht über die niederländische Staatsbürgerschaft verfüge — ich will nicht, dass mir jeder auf den Esstisch gucken kann, also muss ich weiter rauf. Mehr als eine, maximal zwei Treppen möchte ich aber auch nur ungern steigen müssen, besonders beim Umzug. Und wie um diesen Punkt zu untermauern, habe ich mir neulich ein Ledersofa schenken lassen, das nur sehr umständlich zu bewegen ist und sicher nicht durch jedes Treppenhaus passt. “Möbliert” ist übrigens ein Reizwort, denn wenn schon hässlich, dann bitte nach meinem Willen!

Ich bin also weiter auf der Suche, aber mein Optimismus ist ungebrochen. Beim heutigen Rundgang bin ich nämlich auf ein Objekt gestoßen, das meine Begeisterung fürs etwas andere und meinen heimwerklichen Ehrgeiz gleichermaßen angesprochen hat:

Abrisshaus in Bochum.
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