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Rundfunk Film

Wiedersehen tut weh

Vor fast acht Jah­ren sah ich im Kino den Film „Abso­lu­te Gigan­ten“, der mir unglaub­lich gut gefiel. Bis heu­te ist die melan­cho­li­sche Geschich­te von drei Freun­den, die eine letz­te gemein­sa­me Nacht durch­ma­chen, bevor einer von ihnen das Land ver­lässt, einer mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­fil­me.

In die­sem Film erblick­te ich auch zum ers­ten Mal Julia Hum­mer und ver­lieb­te mich ein wenig in sie. Die Sze­nen, in denen sie mit einem Cow­boy­hut auf dem Kopf tanzt und die Kame­ra sie umkreist, zäh­len nach wie vor zum Tolls­ten, was ich je gese­hen habe, und auch ihre irgend­wie merk­wür­di­ge, leicht lis­peln­de, aber doch sehr nied­li­che Stim­me fand ich damals irgend­wie süß.

Spä­ter zeig­te sie unter ande­rem noch in „Cra­zy“, „Die inne­re Sicher­heit“ und „Gespens­ter“ ihr schau­spie­le­ri­sches Kön­nen und ver­öf­fent­lich­te 2005 mit ihrer Band Too Many Boys eine CD, von der ich nicht mehr als drei­ßig Sekun­den hören konn­te, weil es kör­per­lich ein­fach nicht ging. Dann war sie weg.

Ges­tern habe ich Julia Hum­mer wie­der­ge­se­hen. In einem Wer­be­spot für die GEZ. „Hat die das jetzt nötig?“, frag­te ich mich, aber ich war mir nicht ganz sicher, ob „die“ jetzt Julia Hum­mer oder doch die GEZ war.

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Gesellschaft

Wir nennen es Arbeitsplatz

Nach­dem mein Com­pu­ter vor­ges­tern kaputt gegan­gen ist, sit­ze ich nun schon den zwei­ten Tag in Fol­ge in der Uni-Biblio­thek. Es ist wie­der der glei­che PC wie ges­tern (nur die Jalou­sien sind heu­te wegen erheb­li­cher Bewöl­kung und Regens die gan­ze Zeit über oben) und ich füh­le mich schon fast ein biss­chen, als sei das hier mein Arbeits­platz. Neben mir arbei­ten ande­re jun­ge Men­schen an ihren Semi­nar­ar­bei­ten, ab und an fliegt eine Tau­be gegen die Fens­ter­front und gleich wer­de ich mal sehen, was die Kaf­fee­bar im Erd­ge­schoss so zu bie­ten hat.

Kurz­um: Smells like Groß­raum­bü­ro und gere­gel­ten Arbeits­zei­ten. Und soll ich Euch was sagen, Ihr digi­ta­len Bohé­mi­ans? Ich fin­de das super!

End­lich gehe ich Abends wie­der ins Bett, wenn ich müde bin, und nicht erst, wenn Feed­rea­der und ICQ wirk­lich abso­lut gar nichts mehr her­ge­ben. Ich trin­ke mei­nen Kaf­fee am Früh­stücks­tisch (wo einer mei­ner Mit­be­woh­ner heu­te freund­li­cher­wei­se sogar eine Zei­tung, na gut: die „Welt kom­pakt“ hin­ter­legt hat­te) und nicht vor dem Moni­tor, in gefähr­li­cher Schlab­ber­nä­he zur Tas­ta­tur. Ich wer­de heu­te Abend nach Hau­se gehen und mich mit den Wor­ten „Schatz, ich bin wie­der da-ha!“ mei­nem Fern­se­her wid­men. Oder etwas in der Art.

Ich über­le­ge in Zukunft, wenn mein Com­pu­ter wie­der läuft, eine klei­ne Besen­kam­mer anzu­mie­ten, wo ich ihn rein­stel­len kann. So muss ich zwi­schen­durch an die fri­sche Luft und mein Zim­mer ist nicht mehr ein Büro mit Bett, son­dern ein Wohn­zim­mer. Viel­leicht reicht es aber auch, wenn ich mich ein­fach dazu zwin­ge, das doo­fe Ding, das so unglaub­lich prak­tisch ist, ein­fach mal aus­zu­schal­ten oder aus­zu­las­sen.

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Rundfunk Leben

Nach dem Ende des Tunnels

Jetzt isse also auch schon zehn Jah­re tot, die Prin­zes­sin. Noch immer wol­len vie­le Lese­rin­nen von War­te­zim­mer­aus­le­ge­wa­re nicht glau­ben, dass das gla­mou­rö­se Leben von „et Dai­än­na“ ende­te, weil ihr betrun­ke­ner Fah­rer einen Mer­ce­des mit über­höh­ter Geschwin­dig­keit gegen einen Beton­pfei­ler jag­te.

Wie spä­ter bei den Anschlä­gen des 11. Sep­tem­ber oder vor­her bei der Ermor­dung John F. Ken­ne­dys (die deut­lich Älte­ren wer­den sich erin­nern …) weiß heut noch jeder, wo er an die­sem schö­nen Sonn­tag­mor­gen war, als er „davon“ erfuhr. Alter­na­tiv hat sich das Unter­be­wusst­sein aus der Wirk­lich­keit und den Mil­li­ar­den Berich­ten, die man seit­dem über die­se Ereig­nis­se gese­hen hat, eine eige­ne, viel­leicht span­nen­de­re Ver­si­on die­ses Moments zurecht­ge­bo­gen.

Ich taper­te an die­sem 31. August 1997 – von einer ein paar Tage zurück­lie­gen­den Ope­ra­ti­on noch leicht geh­be­hin­dert – durch die elter­li­che Woh­nung und ver­nahm auf WDR2 (es ist immer WDR2, wenn irgend­was schlim­mes pas­siert) einen Nach­rich­ten­spre­cher, der fol­gen­den Satz vor­las: „Bun­des­prä­si­dent Her­zog hat in einem Tele­gramm den Prin­zen Wil­liam und Har­ry sein Mit­ge­fühl aus­ge­drückt.“

„Was ist da los?“, dach­te ich, frag­te ich und bekam ich berich­tet. Und obwohl mir Prin­zes­sin Dia­na bis zu dies­me Moment nun wirk­lich sowas von egal gewe­sen war, war ich doch … Nein, nicht geschockt oder berührt oder so: ver­wirrt. Ich nahm die Nach­richt zur Kennt­nis und wid­me­te mich dem, was ich schon seit Ewig­kei­ten mache, wenn irgend­et­was schlim­mes pas­siert ist: Ich ver­such­te, alle Infor­ma­tio­nen über das Ereig­nis auf­zu­sau­gen.

Ich erin­ne­re mich dar­an, dass ich es irgen­wie unpas­send fand, dass WDR2 „Mmmm, Mmmm, Mmmm, Mmmm“ von den Crash Test Dum­mies spiel­te („Once the­re was this kid who got into an acci­dent and could­n’t come to school“), dass wir am Nach­mit­tag in „Mr. Bean – Der Film“ waren, und dass am Abend nichts ande­res im Fern­se­hen kam als die tote Prin­zes­sin. Alle Men­schen spra­chen nur noch davon, Mil­li­ar­den sahen die Beer­di­gung im Fern­se­hen und ich schnitt mir den neu­en Text von Elton Johns „Cand­le In The Wind“ aus der Zei­tung aus und ver­such­te, das Lied auf dem Kla­vier nach­zu­spie­len. Nach andert­halb Wochen war mir das eng­li­sche Königs­haus wie­der völ­lig egal.

Und wenn die­ser Tage wie­der über­all über die Prin­zes­sin berich­tet wird und der Satz „Sie wird nie ver­ges­sen wer­den“ fällt, dann ist das eine self-ful­fil­ling pro­phe­cy.

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Gesellschaft

„Grüß dich ins Knie!“

Tho­mas Knü­wer schrieb heu­te Mor­gen über Star­bucks, die Hass­lie­be jedes auf­rech­ten Kof­fe­in-Jun­kies, und den dor­ti­gen Ser­vice. Es dau­er­te exakt vier Kom­men­ta­re, bis sich die Ers­te über „die­se dröh­nen­de Supi-ich-hab-dich-lieb-Kun­de-Fröh­lich­keit“ beklag­te, und obwohl ich nach wie vor nicht viel von Bezeich­nun­gen wie „typisch deutsch“ hal­te, wuss­te ich augen­blick­lich, dass ich mal wie­der auf ein klas­sisch deut­sches Dilem­ma gesto­ßen war: Freund­lich­keit macht den Deut­schen miss­trau­isch. Edu­ard Zim­mer­mann und Ali­ce Schwar­zer haben ihre jewei­li­gen Lebens­wer­ke dar­auf ver­wen­det, dass man in Deutsch­land immer damit rech­net, gleich über­fal­len oder ver­ge­wal­tigt zu wer­den, sobald mal jemand freund­lich zu einem ist.

Spricht man mit Men­schen über die Dienst­leis­tungs­men­ta­li­tät in Deutsch­land (führt also eine eher hypo­the­ti­sche Dis­kus­si­on), wird man häu­fig von der „auf­ge­setz­ten Freund­lich­keit der Ame­ri­ka­ner“ hören. Wie so oft bei anti­ame­ri­ka­ni­schen Vor­ur­tei­len ver­ste­hen die Kri­ti­ker ame­ri­ka­ni­schen Umgangs­for­men nicht und/​oder waren selbst noch nie in den USA. Und, zuge­ge­ben: Als ich im letz­ten Jahr drei Mona­te in San Fran­cis­co leb­te, war ich anfangs auch genervt von „Hi, how are you?“ und „Have a nice day“, bis mir däm­mer­te, dass die­se Freund­lich­kei­ten tat­säch­lich mei­ner Lau­ne zuträg­lich waren. Der Vor­wurf „Das inter­es­siert doch kei­nen, wie es einem geht“, mag ja stim­men, nur inter­es­siert das in Deutsch­land auch nie­man­den. Auch auf die Gefahr hin, Sie schwer zu ent­täu­schen: Solan­ge es sich nicht um Ihre bes­ten Freun­de, aus­ge­wähl­te Fami­li­en­mit­glie­der oder Ihren The­ra­peu­then han­delt, inter­es­siert es kei­ne Sau, wie es Ihnen geht. Also machen Sie sich nicht die Mühe, an Ihr aktu­el­les Befin­den zu den­ken, an das gan­ze Elend, das sie gera­de durch­ma­chen – ver­drän­gen Sie’s und sagen Sie „Bes­tens, Dan­ke! Und selbst?“

„Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird“, lau­tet ein Sprich­wort und ange­denk des­sen, was man sich in man­chen Super­märk­ten, Beklei­dungs­fach­ge­schäf­ten und Elek­tro­märk­ten als zah­len­der Kun­de bie­ten las­sen muss, könn­te man fast anneh­men, die Läden sei­en in Wahr­heit gut­ge­tarn­te Light-Vari­an­ten eines Domi­na-Stu­di­os. „Wer ficken will, muss freund­lich sein“, lau­tet ein ande­res Sprich­wort und der auf­merk­sa­me Beob­ach­ter wird fest­stel­len, dass an mög­li­che Bett­part­ner somit deut­lich höhe­re Anfor­de­run­gen gestellt wer­den als an Ver­käu­fe­rin­nen. Trotz­dem haben mehr Leu­te Sex als einen Arbeits­platz im Dienst­leis­tungs­sek­tor.1

Beson­ders kon­ser­va­ti­ve Zeit­ge­nos­sen wer­den – „Freund­lich­keit hin oder her!“ – auch die Mei­nung ver­tre­ten, die­se „Boden­stän­dig­keit“ lie­ge nun mal im Wesen des Deut­schen, lächeln hin­ge­gen nicht. Nun weiß ich nicht, wie viel Pro­zent des Frem­den­ver­kehrs in Deutsch­land auf Leu­te ent­fal­len, die extra hier­her kom­men, um einen brum­me­li­gen Ber­li­ner Taxi­fah­rer oder einen pam­pi­gen Köbes in einem Köl­ner Brau­haus zu begu­cken. Aber wür­de man sol­che Leu­te über­haupt ken­nen­ler­nen wol­len?

Haben Sie noch einen schö­nen Tag!

1 Inwie­weit der inne­re Zwang eini­ger Deut­scher, immer und über­all rau­chen zu wol­len, damit zusam­men­hängt, möge ein jeder bit­te selbst ergrün­den.

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Leben

Ständiges Auf und Ab

Ich habe mei­nen defek­ten Rech­ner heu­te Mit­tag zu Fuß zur U‑Bahn und von dort aus zum nächst­ge­le­ge­nen PC-Händ­ler geschleppt. Am Mon­tag wer­de man sich das Teil mal anse­hen und mich dann anru­fen, erklär­te mir der freund­li­che Herr hin­ter der The­ke. Ich bin gespannt.

Und jetzt sit­ze ich hier in der Uni-Biblio­thek an bei­na­he brand­neu­en Com­pu­tern, die über jede nur vor­stell­ba­re Soft­ware ver­fü­gen, und sich­te die digi­ta­le Welt. Aus dem Fens­ter, vor dem „mein“ Com­pu­ter steht, hat man einen wun­der­ba­ren Aus­blick über den Cam­pus und ins Lot­ten­tal1, dahin wo das Ruhr­ge­biet ins Ber­gi­sche Land (I sup­po­se) über­geht. Um mich her­um lesen ange­hen­de Juris­ten ange­regt ihre andert­halb­tau­sen Sei­ten dicken Fach­bü­cher, es ist – bis auf das hirn­erwei­chen­de Rau­schen der Leucht­stoff­röh­ren – still und bei­na­he den­ke ich nicht mehr an mei­nen Com­pu­ter­är­ger.

Aber lei­der sit­zen vor die­sem Fens­ter auto­ma­ti­sche Jalou­sien, die hoch­fah­ren, wenn es sich bewölkt, und her­un­ter, wenn die Son­ne raus­kommt. Und bei dem Wet­ter, was hier im Moment vor­herrscht, tun sie das alle ver­damm­ten fünf Minu­ten!

1 Ja, das muss­te ich bei Goog­le Maps nach­gu­cken.

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Leben

Motherf*****board

Heu­te Nach­mit­tag ging mein PC plötz­lich aus. Und obwohl ich so ziem­lich alles ver­sucht habe, kam er nicht mehr rich­tig zu Bewusst­sein. Jetzt muss ich ihn mor­gen zur Repa­ra­tur brin­gen, auf dass man ihn hof­fent­lich ret­ten kann.

Erwar­ten Sie also in den nächs­ten Tagen nicht all­zu viel von mir hier.

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Digital Leben

Panik ohne Listen

Pop­kul­tur­lieb­ha­ber nei­gen mit­un­ter dazu, alles in Lis­ten zu orga­ni­sie­ren. Das wis­sen wir spä­tes­tens seit Nick Horn­bys „High Fide­li­ty“ (Platz 2 mei­ner Lieb­lings­bü­cher, Platz 4 mei­ner Lieb­lings­fil­me).

Ich habe schon mein Leben lang Spaß an Lis­ten und Sta­tis­ti­ken. Den Grand Prix Euro­vi­si­on de la Chan­son habe ich haupt­säch­lich wegen der ellen­lan­gen, wahn­sin­nig ermü­den­den Punk­te­ver­ga­be am Schluss geschaut. Ich habe sogar mit Play­mo­bil-Figu­ren eige­ne Grand Pri­x­es aus­ge­tra­gen, wobei auch dort die Ver­ga­be und Berech­nung der Jury­stim­men der für mich unter­halt­sams­te Teil waren. Ich habe vor Fuß­ball­welt­meis­ter­schaf­ten deren Aus­gang berech­net (Welt­meis­ter 1994 wur­de Deutsch­land mit einem 2:1 gegen Argen­ti­ni­en) und eige­ne Sport­li­gen gegrün­det und durch­ge­rech­net – alles noch mit Papier und Kugel­schrei­ber.

Als ich anfing, Kas­set­ten­mäd­chen­kas­set­ten auf­zu­neh­men, habe ich die genau­en Play­lists in den Com­pu­ter ein­ge­tra­gen. So wuss­te ich hin­ter­her, wel­che Songs das ent­spre­chen­de love inte­rest bereits von mir erhal­ten hat­te, kann aber heu­te auch rela­tiv schnell über­prü­fen, was die essen­ti­el­len Hits auf bis­her über 65 Mix­tapes und ‑CDs waren: „Try, Try, Try“ von den Smas­hing Pump­kins, „Just Loo­king“ von den Ste­reo­pho­nics und „Charm Attack“ von Leo­na Naess kom­men auf jeweils fünf Ein­sät­ze (bei den Bands lie­gen Tra­vis mit 56 Songs vor den Ste­reo­pho­nics und Ben Folds Five mit jeweils 46).

Seit vie­len Jah­ren füh­re ich Excel-Tabel­len, in denen ich ver­mer­ke, wel­che CDs ich wann und wo für wel­chen Preis gekauft habe (im ver­gan­ge­nen Jahr 63 Alben und Sin­gles für durch­schnitt­lich 7,77 Euro) oder wann ich wo mit wem im Kino war und wel­chen Film wir dort gese­hen haben (frü­her sogar noch mit einer Bewer­tung für jeden Film ver­se­hen).

Hät­ten wir uns im Mathe­ma­tik-Grund­kurs noch mit Sta­tis­tik beschäf­tigt, wäre mein Abitur­schnitt (den ich über­ra­schen­der­wei­se nicht vor­ab berech­net hat­te) bestimmt bes­ser aus­ge­fal­len.

Ich bin also das, was man einen „Sta­tis­tik­freak“ nen­nen könn­te, und wür­de nicht groß wider­spre­chen, wenn mir jemand einen mil­den Autis­mus auf dem Gebiet unter­stell­te.

Des­halb bin ich auch ziem­lich trau­rig, dass Blogscout dicht gemacht hat. So long and thanks for all the num­bers.

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Musik

Have A Nice Day

In Eng­land und Wales ist soeben der Sum­mer Bank Holi­day zu Ende gegan­gen. Das nut­ze ich als scham- und sinn­lo­sen Auf­hän­ger, um dar­auf hin­zu­wei­sen, dass man auf der Sei­te von V2 Records den neu­en Ste­reo­pho­nics-Song „Bank Holi­day Mon­day“ kos­ten­los her­un­ter­la­den kann. Und zwar genau hier.

Die Ste­reo­pho­nics haben ja schon musi­ka­li­sche Höhen wie Tie­fen erlebt, aber irgend­wie bin ich die­ser Band immer treu geblie­ben und hat­te irgend­wann auch den größ­ten Schmu lieb­ge­won­nen. Des­we­gen bin ich auch gespannt, wie das neue Album „Pull The Pin“, das in Deutsch­land – *tadaa!* – an mei­nem Geburts­tag erschei­nen soll, wohl so klingt. Das recht old­schoo­lig rocken­de „Bank Holi­day Mon­day“ wird mit drauf sein, die Vor­ab-Sin­gle „It Means Not­hing“, die ein biss­chen lang­wei­li­ger hyp­no­ti­scher gera­ten ist, kann man jetzt schon bei MySpace hören.

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Digital

Fernere Angaben

Manch­mal ist es aber auch bit­ter für Jour­na­lis­ten: Da erhält man eine sen­sa­tio­nel­le Mel­dung und dann ist die­se Mel­dung eben nur die Mel­dung, also qua­si die Über­schrift und sonst nichts.

So mel­de­te die „Ber­li­ner Mor­gen­post“ heu­te Mor­gen offen­bar (die Mel­dung ist nicht mehr online), dass der Schau­spie­ler Ben Becker bewusst­los in sei­ner Woh­nung auf­ge­fun­den, reani­miert und ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert wor­den sei.

Die Nach­rich­ten­agen­tur ddp ticker­te dann am Mit­tag fol­gen­des:

Zei­tung: Schau­spie­ler Ben Becker in Woh­nung reani­miert Ber­lin – Der Ber­li­ner Schau­spie­ler und Sän­ger Ben Becker ist einem Zei­tungs­be­richt zufol­ge bei einem Not­fall­ein­satz reani­miert wor­den. Wie die «Ber­li­ner Mor­gen­post» heu­te auf ihrer Inter­net­sei­te schrieb, wur­de er am Mor­gen leb­los in sei­ner Woh­nung in Ber­lin-Mit­te gefun­den. Der 42-Jäh­ri­ge sei minu­ten­lang reani­miert wor­den und lie­ge jetzt in einem Kran­ken­haus, hieß es. Es sol­le auch ein Spritz­be­steck in der Woh­nung gefun­den wor­den sein. Zunächst hat­te die Zei­tung geschrie­ben, Becker rin­ge mit dem Tod. Gegen Mit­tag hieß es, der Schau­spie­ler sei wie­der ansprech­bar und sein Zustand habe sich sta­bi­li­siert.

Und wenn das die kom­plet­te Nach­rich­ten­la­ge zum The­ma ist, ist mit die­sen sechs Sät­zen eigent­lich alles gesagt. Man kann sie so wie­der­ge­ben und fer­tig.

Oder wie die „Net­zei­tung“ dpa schrei­ben lässt:

Nähe­re Anga­ben gab es nicht.

Nur wirkt es dann natür­lich ein biss­chen albern, wenn man die­se Mel­dung dann noch mit der­art vie­len bio­gra­phi­schen Fak­ten auf­bläst, bis sie auf drei­fa­che Grö­ße her­an­ge­wach­sen ist.

Und wenn man die Mel­dung von 11:01 Uhr um 13:04 Uhr aktua­li­siert hat, war­um muss man dann, wenn sich die Nach­rich­ten­la­ge um 16:53 Uhr ändert, plötz­lich eine neue Mel­dung auf­ma­chen? Damit der Leser der Ursprungs­mel­dung nicht erfährt, dass es Becker inzwi­schen offen­bar wie­der bes­ser geht?

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Rundfunk Fernsehen

Tatort Programmdirektion

Am Sams­tag­abend soll­te im WDR Fern­se­hen „Herr Schmidt wird 50, will aber nicht fei­ern“ wie­der­holt wer­den. Die Sen­dung mit die­sem irre wit­zi­gen1 Titel, die erst am Vor­abend in der ARD ihre Erst­aus­strah­lung erlebt hat­te, lief aber nicht. Nicht nur Micha­el vom Fern­seh­le­xi­kon frag­te sich, wie­so.

Heu­te Mor­gen dann erfuhr ich bei der Früh­stücks­lek­tü­re der „Süd­deut­schen Zei­tung“ den Grund:

„Auf­grund der zu erwar­ten­den schlech­ten Zuschau­er­ak­zep­tanz im WDR Fern­se­hen haben wir uns ent­schie­den, sie kurz­fris­tig aus dem Pro­gramm zu neh­men und statt­des­sen einen ‚Tat­ort‘ zu sen­den“, teilt Pres­se­spre­che­rin Kris­ti­na Bausch mit.

Da fällt einem zunächst nichts mehr ein und dann eine gan­ze Men­ge.

Ers­tens hat­te Micha­el offen­bar (und wie’s aus­sieht eher unfrei­wil­lig) Recht mit einer sei­ner drei Ver­mu­tun­gen:

Man hat fest­ge­stellt, dass 1,98 Mil­lio­nen Zuschau­er bei der Erst­aus­strah­lung von Herr Schmidt wird 50, will aber nicht fei­ern gar kei­ner so guten Ein­schalt­quo­te ent­spre­chen.
Und will den vie­len Blö­den, die es nicht gese­hen haben, bloß kei­ne Chan­ce geben, das Ver­pass­te nach­zu­ho­len? Ja, klingt schlüs­sig.

Zwei­tens dürf­te zumin­dest jedem, der nicht Betriebs­wirt oder Medi­en­öko­nom ist, ein­leuch­ten, dass eine Sen­dung, die ange­kün­digt ist, in jedem Fall mehr Zuschau­er haben dürf­te als eine, die nicht ange­kün­digt ist: Wer vor dem Fern­se­her saß und Schmidt sehen woll­te, hat die Glot­ze ver­mut­lich noch wäh­rend des „Tatort“-Vorspanns ent­täuscht aus­ge­tre­ten – und wer zu den fünf Leu­ten gehört, die Sams­tags­abend ger­ne noch eine „Tatort“-Wiederholung mit­neh­men wür­den, lag wahr­schein­lich schon im Bett, denn selbst auf der Inter­net­sei­te des WDR stand zu die­sem Zeit­punkt noch, dass „Herr Schmidt …“ lau­fe. Die 210.000 Zuschau­er (6,4% Markt­an­teil) waren bestimmt ein­fach im Fern­seh­ses­sel ein­ge­pennt.

Drit­tens ist das ein Satz, den man nor­ma­ler­wei­se von Pro­Sie­ben-Ver­ant­wort­li­chen hört. Wenn ein gebüh­ren­fi­nan­zier­ter Sen­der wie der WDR meint, sei­ne hek­ti­sche und völ­lig kopf­los wir­ken­de Pro­gramm­po­li­tik mit dem Blick auf die Quo­te erklä­ren zu kön­nen, ver­wirkt er damit in mei­nen Augen sofort und auf alle Zeit den Anspruch, in der Gebüh­ren­debat­te ernst genom­men zu wer­den. Pro­gramm­pla­ner, die ihre (nicht ganz frei­wil­lig) zah­len­den Zuschau­er mit dem Hin­weis auf Öko­no­mie und Quo­ten­druck der­art vor den Kopf sto­ßen, wären wohl selbst fürs Pri­vat­fern­se­hen noch zu dreist.

Anders als die­ser pro­gramm­pla­ne­ri­sche Offen­ba­rungs­eid war die abge­setz­te Sen­dung übri­gens kaum der Rede wert: Sie wur­de ges­tern Abend bei Eins­Fes­ti­val wie­der­holt und ent­pupp­te sich als einer die­ser (von den zustän­di­gen Redak­teu­ren ver­mut­lich als „wahn­sin­nig inno­va­tiv“ emp­fun­de­nen) wüs­ten Zusam­men­schnit­te, die weder chro­no­lo­gisch noch seman­tisch einen Sinn erge­ben. Ohne Off-Spre­cher oder sonst ein ver­bin­den­des Ele­ment wur­den tau­send­mal gezeig­te Sze­nen aus Harald Schmidts bis­he­ri­gem Fern­seh­schaf­fen durch­ein­an­der gewür­felt und mit (wahr­schein­lich „total iro­nisch“ gemein­ten) Sze­nen gar­niert, in denen u.a. Tho­mas Gott­schalk, Elke Hei­den­reich, Ingolf Lück und immer­hin auch Her­bert Feu­er­stein vor einer gip­ser­nen Harald-Schmidt-Büs­te Barock­mu­sik vor­tru­gen. Und weil die ARD ja jetzt alles im 16:9‑Format sen­den muss, wur­den die Aus­schnit­te, die noch im rich­ti­gen Fern­seh­for­mat vor­la­gen, an den Sei­ten mit einer idio­ti­schen Blüm­chen­ta­pe­te auf­ge­füllt, damit das Bild voll ist. Ach, es war ganz schreck­lich – könn­te aber im Fal­le von Schmidts Able­ben jeder­zeit wie­der­holt wer­den.

1 Dem­nächst wirk­lich an die­ser Stel­le: Die zehn schöns­ten Acht­zi­ger-Jah­re-Adjek­ti­ve.

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Heute anonym

In ihren emsi­gen Bestre­bun­gen, der „Bild“-Zeitung immer ähn­li­cher zu wer­den, ist die „Rhei­ni­sche Post“ einen gan­zen Schritt wei­ter­ge­kom­men.

Die Sams­tags­aus­ga­be sah so aus:

“Rheinische Post” vom 25. August 2007

Über das Foto der Deut­schen-Bank-Zen­tra­le ist ein Brief gelegt, den eine Düs­sel­dor­fer Anwalts­kanz­lei an die Deut­sche Bank geschickt hat. In der Gra­fik­ab­tei­lung der „RP“ gab man sich größ­te Mühe, die­sen Brief zu anony­mi­sie­ren – und dabei trotz­dem dem gro­ßen Vor­bild treu zu blei­ben:

Beinahe anonym in der “RP”
(Rote Far­be: „Rhei­ni­sche Post“, Schwar­ze Bal­ken: Cof­fee And TV)

Bei­na­he wie die Pro­fis

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Musik

Heulen und Zähneklappern

Stel­len Sie sich vor, Sie wür­den von der ame­ri­ka­ni­schen Musik­in­dus­trie­or­ga­ni­sa­ti­on RIAA für die Benut­zung von Inter­net-Tausch­bör­sen auf Scha­den­er­satz ver­klagt.

Was wäre schlim­mer: die Aus­sicht auf kost­spie­li­ge Zah­lun­gen und einen mög­li­chen Gefäng­nis­auf­ent­halt oder die Pres­se­mel­dung, dass Sie unter ande­rem „My Favo­ri­te Mista­ke“ von Sheryl Crow und „Did­n’t We Almost Have It All“ von Whit­ney Hous­ton her­un­ter­ge­la­den hät­ten?