Und da soll noch jemand behaupten, Google würde es mit der Anonymisierung bei Street View nicht ganz genau nehmen:
Schlagwort: fundstücke
Am Donnerstag war ich endlich mal wieder bei Scudetto. Neben „HSV-Kultautor“ Axel Formeseyn (der u.a. erzählte, wie er als HSV-Präsidiumsmitglied die „Bild“-Zeitung boykottierte) und Ex-VfL-Bochum-Profi 1 Thomas Stickroth war auch Tommy Finke zu Gast, den ich ja im letzten September schon mal gelobt hatte. 2
Tommy Finke spielte eigene Fußballsongs, die er für die Filme von Scudetto-Gastgeber Ben Redelings geschrieben hatte, und stellte die schlechteste Vereinshymne aller Zeiten vor. Dass das keine Übertreibung war, mussten wir im Saal alsbald am eigenen Leib erfahren – und Sie können es jetzt auch: im Scudetto-Blog oder direkt hier.
Und wo wir grad von Scudetto sprachen: Der Geist von Malente, der Bochumer Laden für alles, was mit Fußball und Fankultur zu tun hat, macht ab heute Ausverkauf.
Wet we can
Nachahmung sei die ehrlichste Form der Bewunderung, soll Antoine de Saint-Exupery einmal gesagt haben. Im Zweifelsfalle war es Max Goldt, der entgegnete, die ehrlichste Form der Bewunderung sei immer noch Bewunderung. Nachahmung hingegen (zumindest die allzu offensichtliche) – das beanspruche ich jetzt einfach mal für mich, falls sich kein Widerspruch regt -, ist die ehrlichste Form auszudrücken, dass man selbst weder Ideen noch das Geld für das Koks hatte, um diese zu evozieren.
Man kann das seit Monaten an den drei Wörtern „Yes“, „We“ und „Can“ ablesen (wobei man meines Erachtens für Ideen wie diese hier zumindest in der Vergangenheit mal einige Kilogramm Koks konsumiert haben muss, mit voll funktionstüchtigen Denkorganen ist das ja nicht mehr zu erklären). Und der Barack Obama der deutschsprachigen Literatur heißt „Feuchtgebiete“.

Roche, Charlotte: Feuchtgebiete; Köln 2008.
Folgende Buchcover liefen mir gerade bei einem flüchtigen Streifzug über den Weg:

Strunk, Heinz: Fleckenteufel; Reinbek 2009.

Roch, Charles: Trockenzonen – Wenn Männer aufhören sich zu waschen; Hamburg 2009.
Vor allem für die letztgenannte Albernheit sollte sich der Carlsen-Verlag schämen. Das Traditionshaus hat immerhin auch den ganzen Vampir-Tand von Stephenie Meyer im Angebot – und da hätte sich doch eine Fusion gut gemacht. „Bis(s) zur Schamgrenze“ vielleicht. Oder direkt „Blut“. Aber der Titel war schon weg. Stephen King, Sie ahnten es bereits.
Vielleicht muss ich demnächst noch ein Tochterblog aufmachen: das für schöne Überschriften.
Nachdem die Lokalredakteure aus Dinslaken letzte Woche gut vorgelegt hatten, wollten die Zeitungsmacher einer anderen Stadt nicht hintanstehen:
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Wo man derart liebliche Stabreime mit „B“ aus dem Ärmel schüttelt?
Na, in Bochum natürlich!
Versackzentrum
Beim großen Dinslakener Karnevals-Überschriften-Wettbewerb war die „Rheinische Post“ bekanntlich vorgestern in Führung gegangen.
Das konnte die „Neue Rhein Zeitung“ natürlich nicht auf sich sitzen lassen und legte heute nach:

Aber auch hier gilt wieder: Alles ganz anders gemeint.
Das Trinkfest
Ich muss ja zugeben: Für einen Moment dachte ich: „Da hat die ‚Rheinische Post‘ aber mal ein schönes Synonym für ‚Karneval‘ gefunden!“
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Es ging dann aber doch um ganz was anderes …
Völlig glosgelöst
taz.de hat sich mal wieder nicht zurückhalten können:
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Bleibt zu hoffen, dass Normen Odenthal diese Woche keinen Dienst bei „Heute Nacht“ schiebt …
Kelvin & Hops
Man kann über „RP Online“, Deutschlands führendes Regionalzeitungs-Portal, längere Texte schreiben, wie es Daniel Bouhs für die „taz“ getan hat.
Aber im Prinzip lässt sich die ganze Klickschinderei, die Boulevard-Sucht und die ganze Scheißegal-Haltung auch noch knapper zusammenfassen:
Aber weil sich „RP Online“-Chefredakteur Rainer Kurlemann im „taz“-Artikel beklagt, „Heinser und Niggemeier würden sich ‚an einigen, wenigen Fällen‘ abarbeiten, die ‚Leistungen‘ aber nicht würdigen“, würdige ich hier gerne mal wieder eine Leistung und empfehle Ihnen die Kolumne „About a Boy“, die mein früherer plattentests.de-Kollege Sebastian Dalkowski für „RP Online“ schreibt.
Nachtrag, 7. Februar: „RP Online“ hat Calvin Kleins Vornamen inzwischen korrigiert. (Das hebt sie auch von anderen Portalen ab.)
Mein Verhältnis zum Musikjournalismus ist ein gestörtes. Ich habe lange genug selbst in diesem Metier gearbeitet und weiß um die menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen man nach einmaligem Hören CDs von Revolverheld besprechen muss, während einem die Promoter im Nacken sitzen.
Insofern freue ich mich ja auch, dass ich hier im Blog nur über Musik schreiben muss, wenn ich es auch will.
Aber trotzdem: Was zum Henker geht in Köpfen vor, die Sätze wie die gleich folgenden denken, ausschreiben und möglicherweise auch noch abnicken?
Kann sein, dass der Schlagzeuger Sebastian Schmidt heißt, die Band aus Berlin kommt und sich dann auch noch Super 700 nennt. Aber ohne gleich wie einer dieser ins Alter gekommenen Rockjournalisten klingen zu wollen, die stets hocherfreut sind, wenn sie irgendwie „frischer“ oder „frecher“ deutscher Musik aus dem Nachbardorf „internationales Niveau“ bescheinigen dürfen: Dieses Septett ist genau genommen hundertmal zu gut, um aus Deutschland zu sein.
Wievielleicht sollte ich Jan Wigger fragen, der sich bei seinem Versuch, für „Spiegel Online“ pfiffige Meta-Rezensionen zu verfassen, mal wieder selbst unterkellert hat.
Ja, Ihr könnt mich mal (26 & 27)
Die Wahl zum neuen Bochumer Studierendenparlament setzt ungeahnte Energien frei und lässt einen bereits mit Sorge auf den Bundestagswahlkampf im Herbst blicken.
Letzte Woche hatten wir den RCDS, diese Woche das hier:

(Wobei die Liste „Der schwarze Ritter ist unbesiegbar“ sowieso gewisse Probleme hat, ernst genommen zu werden. Aber das ist wohl gewünscht.)
Gestern fand ich dann in meinem Briefkasten eine Postkarte, die mir ein anonymer Leser freundlicherweise weitergeleitet hatte:

Der Preis in der Kategorie „Abwegigster Obama-Verweis unter Einbeziehung von sowohl Uncle Sam als auch der Weltwirtschaftskrise“ geht damit an PaX, eine Firma, die – obwohl man bei dem Werbetext anderes vermuten könnte – Fenster und Türen herstellt.
Andererseits: Der wahre Erfinder des Slogans „Yes we can!“ stammt ja bekanntlich auch aus dem Baugewerbe …
Man muss sich das bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vermutlich so vorstellen: Da kommt eine Polizeimeldung rein, die von einer neuen riesigen Operation (man kennt das) gegen Kinderpornographie berichtet.
Darin:
Die aufgefundenen Beweismittel – Speicher des Handy und schriftliche Aufzeich-nungen – wiesen aus, dass der Mann kinderpornographische Schriften in Form von Bildern und Videosequenzen nicht nur empfangen hat und besitzt, sondern solche auch umfangreich verbreitet hat. In seiner Beschuldigtenvernehmung war der 33jährige geständig. Als Tatmittel benutzte der Mann ausschließlich ein Handy. Die Dateien wurden per „MMS“ (multimedia messaging service) ver-sandt.
In diesem Moment ruft der CvD: „Wir brauchen dringend ein Symbolfoto, wenn die Meldung rausgeht! Mach, mach, mach!“
Und so nimmt irgendjemand (der Bildchef, ein Praktikant, die Putzfrau) eine Digitalkamera zur Hand und sucht sich auf den Schreibtischen der Kollegen zusammen, was er braucht: ein Handy, einen Laptop, einen CD-Rohling und einen Folienstift.
Zwei Minuten später geht ein Bild über die Ticker, das nur wenig später in den Online-Auftritten der Zeitungen auftaucht:

(gefunden bei taz.de, aber auch beim „Naumburger Tageblatt“)
Für alle Mitarbeiter in der dpa-Zentrale bleibt zu hoffen, dass der Rohling mit der Aufschrift „Kinderpornographie“ ordentlich geschreddert wurde, bevor er entsorgt wurde.
Das gewählte Telefon, das Siemens S56, kann übrigens offenbar MMS anzeigen, auch wenn es nicht so aussieht.
„Spiegel Online“ und „RP Online“ war das Bild trotzdem zu doof und so entschied man sich dort für folgende Alternativen:
Interessant ist der aktuelle Fall mit dem MMS-Versand vor allem vor dem Hintergrund, dass Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gerade eine Sperre kinderpornographischer Webseiten durchgeboxt hat. Denn hier zeigt sich, dass ihr völlig ahnungsloses Vorgehen in etwa so viel bringt wie ein Korken, wenn das Klo überläuft.
Schlechter Wechselkurs
Zugegeben: Ich hätte den RCDS bei den anstehenden Wahlen zum Bochumer Studierendenparlament eh nicht gewählt.

Aber nach dieser Plakatkampagne wäre ich überrascht, wenn der Ring Christlich-Demokratischer Studenten auch nur eine Stimme mehr bekäme als er Mitglieder hat.





