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Leben

Angriff der Irgendwas-Tomaten

Kürz­lich ver­speist:

"Herrlich süße Mini Eiertomaten, Schmackhaft und gesund!" Dattelkirsch tomaten, 250g

Von Kirsch- oder Cher­ry­to­ma­ten habe ich ja durch­aus schon mal gehört. Was „Dat­tel­kirsch toma­ten“ sind, ist mir nicht ganz so klar.

Und war­um eine „Dat­tel­kirsch toma­te“ Flü­gel hat (okay, die Mar­ke heißt „Red Star Cupi­do“) und „Herr­lich süße Mini Eier­to­ma­ten, Schmack­haft und gesund!“ brüllt, ist mir offen gesagt völ­lig schlei­er­haft.

Und jetzt sagen Sie bloß nicht, ich sol­le statt­des­sen bes­ser mal ein gutes Buch lesen!

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Rundfunk

(I Can’t Get No) Information

Es ist schön, wenn sich das ZDF auch mal der gän­gi­gen Pop­kul­tur wid­met. Zum Bei­spiel dann, wenn der alt­ehr­wür­di­ge Sir Paul McCart­ney nach vier­zig Jah­ren end­lich in Isra­el ein Kon­zert geben darf. Dass das dann gleich mit ver­gleichs­wei­se beschei­de­nen 45.000 Besu­chern das größ­te Kon­zert in der Geschich­te des Lan­des wird und laut ZDF-Video­text für eine Beat­les-Eupho­rie sorgt, ist natür­lich eine Nach­richt wert.

Gewis­se Unschär­fen gehö­ren dann wohl dazu: „McCart­ney prä­sen­tier­te eige­ne Songs und, natür­lich, die der legen­dä­ren Beat­les“ hieß es da zu den Klän­gen des Wings-Hits „Jet“. Und am Ende kom­men­tier­te der fak­ten­si­che­re Repor­ter den Len­non-Song „Give Peace A Chan­ce“ (damals ein­ge­spielt mit der Plas­tik Ono Band) mit „Die Sehn­süch­te der ande­ren befrie­dig­te er mit die­sem Beat­les-Klas­si­ker.“ Da darf man ja fast froh sein, wenn nicht noch irgend­wo ein Foto von Mick Jag­ger durchs Bild huscht.

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Film Gesellschaft

Holger, der Kampf geht weiter

Andre­as Baa­der wird in der Erin­ne­rung der Men­schen immer der Mann sein, der im Gerichts­saal von Stutt­gart-Stamm­heim den vor­sit­zen­den Rich­ter anbrüll­te und Frau­en, wenn er mit ihnen rede­te, als „Fot­zen“ bezeich­ne­te. Dar­an wird sich auch durch den zwan­zig-Mil­lio­nen-Euro-Film „Der Baa­der Mein­hof Kom­plex“ nichts ändern – die Leu­te wer­den den gebür­ti­gen Mün­che­ner Baa­der höchs­tens mit einem nor­di­schen Ein­schlag im Ohr haben, weil Moritz Bleib­treu im Sprech­un­ter­richt an der Schau­spiel­schu­le gepennt hat.

Es gibt ja kaum einen Super­la­tiv, kaum einen Satz, der im Vor­feld nicht über den Film geschrie­ben wor­den war. Jeder, der damals dabei war oder jeman­den kann­te, der die Geschich­te der RAF am Fern­se­her mit­er­lebt hat­te, durf­te sich in irgend­ei­nem Medi­um dar­über äußern, durf­te dis­ku­tie­ren, ob man aus so einer Geschich­te einen kom­mer­zi­el­len Spiel­film machen dür­fe, oder durf­te sonst irgend­et­was sagen. Der Film wur­de vor­ab so mit Bedeu­tung auf­ge­la­den, dass man sich schon fragt, ob man ihn über­haupt noch als Film sehen und beur­tei­len kann.

Ja, man kann. „Der Baa­der Mein­hof Kom­plex“ ist sti­lis­tisch soli­de, mit­un­ter bril­lant, was inso­fern über­rascht, als Regis­seur Uli Edel („Chris­tia­ne F. – Wir Kin­der vom Bahn­hof Zoo“, „Letz­te Aus­fahrt Brook­lyn“) seit unge­fähr zwan­zig Jah­ren nichts Rele­van­tes mehr gedreht hat. Es ist ein detail­ver­lieb­ter Zwei­ein­halb­stün­der, des­sen Span­nungs­bo­gen ein biss­chen dar­un­ter lei­det, dass zehn Jah­re (und 650 Sei­ten Buch­vor­la­ge) abge­han­delt wer­den müs­sen, bis das pas­siert, was man eh schon tau­send­mal gese­hen hat: Die „Lands­hut“ wird in Moga­di­schu gestürmt, in Stamm­heim wer­den drei Lei­chen gefun­den. Bis dahin ist es nie lang­wei­lig gewor­den, aber auch nur sel­ten kon­kret oder gar über­sicht­lich. Ich weiß nicht, ob es hilf­rei­cher ist, gar nichts über die Geschich­te der RAF zu wis­sen, weil man sich dann wenigs­tens nicht stän­dig fragt, wer wer ist.

„Der Baa­der Mein­hof Kom­plex“ oder kurz „BMK“ ist kei­ne Doku­men­ta­ti­on und kei­ne Ver­tie­fung von irgend­was, er ist eine ober­fläch­li­che Ein­füh­rung in ein Kapi­tel deut­scher Geschich­te, des­sen Auf­ar­bei­tung rech­ne­risch noch zehn bis zwan­zig Jah­re brau­chen wird. Wir Spät­ge­bo­re­nen sit­zen da und wun­dern uns über Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen, Rau­cher aller­or­ten, rie­si­ge Stu­den­ten­ver­samm­lun­gen und Men­schen, die umständ­lich mit Voka­beln wie „Impe­ria­lis­mus“, „Genos­sen“ und „Bour­geoi­sie“ han­tie­ren. Wir wun­dern uns, dass sol­che Leu­te, die man bei jeder Stu­den­ten­par­ty ste­hen las­sen wür­de, wenn sie einen anla­ber­ten, damals die Mas­sen bewegt haben (die Kon­ser­va­ti­ven haben sich frei­lich schon damals gewun­dert). Wenn ein voll­be­setz­ter Hör­saal auf Geheiß von Rudi Dutsch­ke (erschre­ckend nah am Ori­gi­nal: Sebas­ti­an Blom­berg) „Ho, Ho, Ho Chi Minh“ anstimmt, sind das für uns ähn­lich frem­de und beun­ru­hi­gen­de Bil­der wie die vom Reichs­par­tei­tags­ge­län­de in Nürn­berg.

Aber der Film macht klar, was die Stu­den­ten 1967 beweg­te, und wenn man die dama­li­gen Mel­dun­gen aus Viet­nam mit denen aus dem Irak heu­te ver­gleicht, ist einem das gleich gar nicht mehr so fremd und man wun­dert sich statt­des­sen, war­um die heu­ti­gen Krie­ge eigent­lich so egal sind. Auch die Bil­der vom 2. Juni, als sich die Span­nung zwi­schen Demons­tran­ten und Poli­zis­ten schließ­lich in roher Gewalt ent­lädt, hat man so ähn­lich in letz­ter Zeit schon mal im Fern­se­hen gese­hen – aller­dings längst nicht so bru­tal und ohne die „Jubel­per­ser“, die mit Lat­ten auf die Demons­tran­ten ein­schla­gen.

Die­se Par­al­le­len machen den Film für jün­ge­re Zuschau­er inter­es­sant, aber wie aus dem Pro­test gegen Viet­nam­krieg und Schah plötz­lich die RAF wer­den konn­te, geht im Film völ­lig unter. Die Frank­fur­ter Kauf­haus­brand­stif­tung, für die Baa­der und Gud­run Ens­slin (Johan­na Woka­lek) erst­ma­lig vor Gericht ste­hen, und die in der Buch­vor­la­ge aus­führ­lich anmo­de­riert wird, pas­siert ein­fach so. Damit feh­len dem Unter­neh­men RAF im Grun­de genom­men wei­te Tei­le des Über­baus und alles, was man sieht, sind ver­wöhn­te Bür­ger­kin­der, die (wie schon in „Die fet­ten Jah­re sind vor­bei“) ein biss­chen Ter­ro­ris­ten spie­len wol­len. Ent­spre­chend däm­lich stel­len sie sich mit­un­ter an, ent­spre­chend komisch sind die Sze­nen in den paläs­ti­nen­si­schen Aus­bil­dungs­camps.

Micha­el Buback hat „BMK“ als „Täter­film“ beschrie­ben, was sicher­lich nicht falsch ist. Schon das Buch kon­zen­triert sich haupt­säch­lich auf die Bio­gra­phien der Ter­ro­ris­ten, der Film ver­knappt da wei­ter. Anders als in Hein­richt Bre­loers bril­lan­tem Fern­seh-Zwei­tei­ler „Todes­spiel“ bekommt Schley­er hier nur weni­ge Augen­bli­cke Auf­merk­sam­keit, alle ande­ren Opfer sind sowie­so rei­nes Kano­nen­fut­ter. Poli­zis­ten, US Army, Sprin­ger-Hoch­haus, Stock­holm, „Deut­scher Herbst“, zwi­schen­durch sogar Mün­chen 1972 – die Schau­plät­ze und Ver­bre­chen wer­den abge­he­chelt, der Body­count läuft stumm mit.

Aller­dings ist der Film trotz­dem kei­ne Bon­nie-und-Cly­de-Num­mer, kei­ne mehr­fach pop­kul­tu­rell codier­te Hel­den­bal­la­de wie Chris­to­pher Roths „Baa­der“. Solan­ge die Ter­ro­ris­ten reden, sind sie uner­träg­lich: Mao, Lenin, und die gan­zen fran­zö­si­schen Phi­lo­so­phen sind nicht spur­los an ihnen vor­bei gegan­gen, ihre Auf­ru­fe schwan­ken zwi­schen bla­sier­tem Pathos und ver­blen­de­tem Zynis­mus. Man­che Dia­lo­ge, wie die zwi­schen Ens­slin und ihren Eltern, wir­ken furcht­bar höl­zern und pla­ka­tiv, aber man muss anneh­men, dass „Dis­kurs“ damals eben so klang. Sobald die Ter­ro­ris­ten dann schie­ßen, sind sie kalt­blü­tig und bru­tal, und außer Susan­ne Albrecht, die als Lock­vo­gel bei der Ermor­dung Jür­gen Pon­tos, dem Paten­on­kel ihrer Schwes­ter, dabei war, zeigt nie­mand eine Gefühls­re­gung für die Opfer.

Moritz Bleib­treu schafft es nur in weni­gen Momen­ten, hin­ter der Rol­le zu ver­schwin­den. Die meis­te Zeit ist sein Baa­der irgend­ei­ne wei­te­re Bleib­treu-Rol­le: ein biss­chen ver­schla­gen, ein biss­chen sym­pa­thisch (weil eben Bleib­treu), ein biss­chen wahn­sin­nig. Mar­ti­na Gedeck spielt Ulri­ke Mein­hof als eine zöger­li­che Sprü­che­klop­fe­rin, die sich völ­lig in der Situa­ti­on ver­hed­dert und am Ende zwi­schen Lethar­gie und Hys­te­rie schwankt, bis sie ein­fach tot ist. Johan­na Woka­lek ist unglaub­lich gut, man hasst ihre Gud­run Ens­slin qua­si ab dem ers­ten Moment und ist doch immer mal wie­der fas­zi­niert von die­ser ent­rück­ten Frau. Und dann gibt es da noch mehr als hun­dert wei­te­re Schau­spie­ler – fast jeder, der in Deutsch­land in den letz­ten zehn Jah­ren mal vor einer Kame­ra stand, ist (mit Aus­nah­me von Til Schwei­ger, Fran­ka Poten­te und Iris Ber­ben) auch dies­mal mit dabei, was den Film so ein biss­chen nach einem deut­schen „Ocean’s Ele­ven“ aus­se­hen lässt. Sogar Hei­no Ferch und Jan Josef Lie­fers hat man unter­brin­gen kön­nen.

Bru­no Ganz aller­dings hat­te Pech: Als BKA-Chef Horst Herold ern­te­te er stän­dig unfrei­wil­li­ge Lacher. Viel­leicht, weil die Leu­te Adolf Hit­ler vor Augen bzw. im Ohr hat­ten (s. „Der Unter­gang“), viel­leicht, weil die Rol­le so dünn und kari­kiert ange­legt ist. Herold ist durch und durch Beam­ter, der irgend­wie immer allei­ne ist (von den mehr als 100.000 Poli­zis­ten, BKA-Leu­ten und den gan­zen Com­pu­tern, die mit der Ras­ter­fahn­dung beschäf­tigt waren, mal ab) – sowohl räum­lich, als auch als ein­zi­ge Stim­me der Ver­nunft in einem Heer von Wahn­sin­ni­gen auf bei­den Sei­ten. Denn bru­tal sind sie alle, in die­ser Spi­ra­le der Gewalt, die als self-ful­fil­ling pro­phe­cy schließ­lich zu dem Poli­zei­staat führt, den die Ter­ro­ris­ten von Anfang an bekämp­fen woll­ten: Die einen bei der Ent­füh­rung Hanns Mar­tin Schley­ers, bei der sei­ne Beglei­ter ein­fach nie­der­ge­mäht wer­den, die ande­ren nach der Ver­haf­tung von Hol­ger Meins, bei dem jeder Poli­zei­be­am­te aus Rache für die getö­te­ten Kol­le­gen ein­mal zutre­ten darf. Die einen kämp­fen gegen sinn­lo­se Gewalt, die ande­ren für den Rechts­staat.

Man konn­te nicht viel falsch machen mit dem „Baa­der Mein­hof Kom­plex“: Die Buch­vor­la­ge ist eine gut recher­chier­te Zusam­men­fas­sung einer Geschich­te, die auch einer anti­ken Sage oder einem Shakespear’schen Dra­ma ent­stam­men könn­te. Da dre­hen sich Gut und Böse im Kreis, endet die vor­geb­lich auf­ge­klär­te Kri­tik am ame­ri­ka­ni­schen „Impe­ria­lis­mus“ im men­schen­ver­ach­ten­den Töten vom „Schwein in Uni­form“, und der angeb­lich so gefes­tig­ten Bun­des­re­pu­blik droht plötz­lich eine kru­de Mischung aus Poli­zei­staat und Anar­chie. Und über allem schwebt die Defi­ni­ti­on von Ulri­ke Mein­hof, was Pro­test, und was Wider­stand sei.

Uli Edel und Bernd Eichin­ger haben fil­misch ent­spre­chend ziel­si­cher eine span­nen­de Geschichts­stun­de hin­be­kom­men. Die Ver­qui­ckung von Archiv­ma­te­ri­al und Film in man­chen Sze­nen ist auch unter rein hand­werk­li­chen Aspek­ten inter­es­sant. Dass die Macher den media­len Over­kill, den ihr Film erzeugt hat, jetzt von den glei­chen Medi­en wech­sel­sei­tig um die Ohren gehau­en bekom­men, haben sie nicht ver­dient. Der Dis­kus­si­on, die der Film aus­ge­löst hat, hat er selbst aller­dings über­haupt nichts hin­zu­zu­fü­gen. Er ist, wie ich oben schon schrieb, eine Ein­füh­rung in ein kom­ple­xes Kapi­tel der Geschich­te, das bis heu­te nicht auf­ge­ar­bei­tet wur­de und das viel­leicht wirk­lich noch Zeit braucht.

Für vie­le jun­ge Men­schen wird „Der Baa­der Mein­hof Kom­plex“ die ers­te Begeg­nung mit der RAF sein – und auch wenn man­che Sze­nen wie ein Tri­umph­zug insze­niert sind, wird am Ende wohl kaum jemand die Ter­ro­ris­ten als Hel­den fei­ern wol­len. Der Film hat zu wenig Zeit, ihre Beweg­grün­de und Ent­schei­dun­gen wirk­lich zu ver­tie­fen, aber zumin­dest ein klei­ner Teil ihrer Tra­gik kommt rüber. Und letzt­lich däm­mert einem, dass das viel­leicht wirk­lich ganz ver­schie­de­ne Sachen sein könn­ten, die nur einen gemein­sa­men Aus­gangs­punkt haben: die ech­ten Ver­bre­cher, der Mythos RAF und sei­ne kul­tu­rel­le Auf­be­rei­tung.

Nur eins noch: Die Film­mu­sik ist wirk­lich grau­en­voll.

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Musik

„Way To Normal“: Neue Ben-Folds-CD zu gewinnen

Ben Folds - Way To Normal (Albumcover)Mor­gen erscheint „Way To Nor­mal“, das drit­te offi­zi­el­le Solo-Album von Ben Folds. Nach­dem Folds die Tausch­bör­sen­nut­zer mit einer Fake-Ver­si­on gefoppt hat­te, steht jetzt also das Ori­gi­nal im Laden.

Ich weiß noch nicht so genau, was ich von dem Album hal­ten soll, aber ab mor­gen kön­nen Sie sich ja selbst ein Bild machen – viel­leicht sogar ohne dafür zah­len zu müs­sen, denn mit der freund­li­chen Unter­stüt­zung von SonyBMG ver­lost Cof­fee And TV ein Exem­plar von „Way To Nor­mal“.

Sie müs­sen dafür nur wis­sen, wie Folds‘ aller­ers­tes (inof­fi­zi­el­les) Solo­al­bum hieß, dass er noch zu Zei­ten von Ben Folds Five ver­öf­fent­licht hat (Klei­ner Hin­weis: Sein Name stand dabei nicht auf dem Cover).

Na gut, Sie müs­sen es nicht nur wis­sen, Sie müss­ten es auch als E‑Mail an info@coffeeandtv.de schi­cken und etwas Glück haben.

Bei meh­re­ren rich­ti­gen Ein­sen­dun­gen zieht unse­re Glücks­fee nach dem Ein­sen­de­schluss (Sonn­tag, 28. Sep­tem­ber 2008, 23:59:59 Uhr) einen Gewin­ner.

Klein­ge­druck­tes: Die E‑Mails und dazu­ge­hö­ri­gen E‑Mail-Adres­sen wer­den nur für das Gewinn­spiel ver­wen­det und danach ent­sorgt. Jeder Teil­neh­mer darf nur eine E‑Mail schi­cken. Autoren von Cof­fee And TV dür­fen nicht teil­neh­men. Der Rechts­weg ist aus­ge­schlos­sen.

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Leben

Train In Vain

Seit 15 Jah­ren ver­kehrt zwi­schen den Haupt­bahn­hö­fen von Bochum und Gel­sen­kir­chen die Nokia-Bahn, deren wich­tigs­te Hal­te­stel­le der Bahn­hof Bochum-Nokia am Nokia-Werk in Bochum-Riem­ke ist.

Allein: Das Nokia-Werk gibt es nicht mehr, seit sich der fin­ni­sche Han­dy­her­stel­ler spon­tan und unter Zah­lung von Abfin­dun­gen aus der Stadt ver­ab­schie­det hat. Die Hal­te­stel­le und die Bahn-Linie der pri­va­ten Fir­ma Abel­lio brau­chen also einen neu­en Namen, wes­we­gen der Ver­kehrs­ver­bund Rhein-Ruhr (VRR) einen Wett­be­werb ins Leben geru­fen hat, bei dem man sei­ne Vor­schlä­ge ein­rei­chen kann.

Na, dann wol­len wir doch mal anfan­gen:

  • BO-GE-n-Bahn (fährt ja zwi­schen Bochum und Gel­sen­kir­chen und in einem schö­nen Bogen über das Bochu­mer Bermuda3eck)
  • Ber­mu­da-Express (weil wegen Bermuda3eck; aus den Kom­men­ta­ren bei den Ruhr­ba­ro­nen)
  • Rim­mel­bahn (benannt nach RIM, der neu­en Fir­ma in den alten Nokia-Gebäu­den; erfun­den von Jens)
  • Blau-Weiß-Express (passt zwar schön zu den Erst­li­ga­ver­ei­nen der bei­den Städ­te, ist aber inso­fern albern, als die jewei­li­gen Sta­di­en nur von Stra­ßen­bah­nen ange­steu­ert wer­den)
  • Urbahn (braucht ein biss­chen län­ger, bis er zün­det, wird sich aber bei Leu­ten, die in Restau­rants namens „Ess-Bar“ gehen, gro­ßer Beliebt­heit erfreu­en)
  • Trup­pen­ab-Zug (der heim­li­che Favo­rit der Par­tei „Die Lin­ke“)
  • Wes­tern And Occi­den­tal Express (immer­hin hält er in Bochum-West und die Zeit des Under­state­ments muss im Pott end­lich mal vor­bei sein)
  • City Express (als Hom­mage an die­se unfass­bar schlech­te ARD-Serie, die ich immer mit gro­ßer Begeis­te­rung geschaut habe)
  • Star­light Express

Sehr cool wäre ja ein Cof­fee-And-TV-Express, aber ich fürch­te, selbst wenn wir alle zusam­men­schmei­ßen, reicht das nicht aus.

Was mei­nen Sie?

[via Ruhr­ba­ro­ne]

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Musik

Enduring Freedom

Auf die Idee muss man erst mal kom­men: aus­ge­rech­net eines der wider­lichs­ten, prä­ten­tiö­ses­ten Lie­der deut­scher Spra­che aus der Gruft der Acht­zi­ger-Jah­re-Deutschro­cker zu schlei­fen und im Jahr 2008 als Sam­ple ein­zu­set­zen.

Der Rap­per Cur­se, der seit lan­gem mit Xavier Naidoo um den Titel als prä­ten­tiö­ses­ter Musi­ker deut­scher Zun­ge ringt, hat sich also „Frei­heit“ vor­ge­nom­men, Wes­tern­ha­gens besorg­nis­er­re­gen­den Pathos-Schla­ger, des­sen auf ewig archi­vier­te Live-Dar­bie­tung in der Dort­mun­der West­fa­len­hal­le den anbie­dernds­ten Moment bun­des­re­pu­bli­ka­ni­scher Deutschrock­ge­schich­te („So wie wir heu­te Abend hier!“) ent­hält.

Das dabei ent­stan­de­ne Werk hört eben­falls auf den Namen „Frei­heit“ und muss wohl als gelun­ge­ner Ver­such betrach­tet wer­den, gleich­zei­tig Gän­se­haut und Brech­reiz aus­zu­lö­sen. Man hört die­ses Lied und fragt sich, ob nati­ve spea­k­er des Eng­li­schen eigent­lich genau­so lei­den müs­sen, wenn sie die Tex­te von U2 oder Cold­play hören. Ver­mut­lich nicht.

Und weil ich mich jetzt gera­de durch die­se grau­en­haf­te Null­num­mer gequält habe, lade ich Sie herz­lich ein, es mir unter die­sem Link gleich­zu­tun.

Den­ken Sie immer dar­an: Frei­heit heißt vor allem, jeder­zeit auf die Stop-Tas­te drü­cken zu kön­nen.

[via Visions.de]

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Digital Sport

Tierisch lyrisch

Am Mon­tag wur­de in Johan­nes­burg das Mas­kott­chen der Fuß­ball-WM 2010 vor­ge­stellt. Es han­delt sich dabei wahl­wei­se um einen „grü­nen“, „hand­zah­men“ oder „woh­lig bekiff­ten“ Leo­par­den namens „Zaku­mi“. Laut welt.de trägt er „Dre­ad­locks“, laut „RP Online“ eine Perü­cke.

Das ist nicht die ein­zi­ge Merk­wür­dig­keit, die sich „RP Online“ gönnt, denn natür­lich hieß das Mas­kott­chen der Fuß­ball-WM 2006 nicht, wie von Deutsch­lands füh­ren­dem Regio­nal­zei­tungs­web­por­tal behaup­tet, „Goleo IV“, son­dern „Goleo VI“ – die Groß­buch­sta­ben hin­ter dem Namen sind römi­sche Zah­len und ste­hen, wenn man sich rich­tig sor­tiert, für die Zahl 6, die im WM-Jahr 2006 an expo­nier­ter Stel­le auf­tauch­te.

Aber kom­men wir zu dem, wofür „RP Online“ zurecht inter­na­tio­na­les Anse­hen genießt, kom­men wir zur Bil­der­ga­le­rie.

Soll­ten Sie sich je gefragt haben, woher die­se alber­nen Tex­te stam­men, die unter jedem Foto zu fin­den sind: die stam­men aus dem dazu­ge­hö­ri­gen Text.

Der Name „Zakumi“ setze sich aus dem Kürzel „ZA“ für Südafrika und dem Wort „kumi“ zusammen, das in mehreren afrikanischen Sprachen „10“ bedeutee.

Der Name „Zakumi“ setze sich aus dem Kürzel „ZA“ für Südafrika und dem Wort „kumi“ zusammen, das in mehreren afrikanischen Sprachen „10“ bedeutee.

Mit seinem grünen Outfit, das zum Rasen passen soll, zeige Zakumi, dass er ein echter Fußball-Fan ist, hieß es in einer Mitteilung der Fifa.

Mit seinem grünen Outfit, das zum Rasen passen soll, zeige Zakumi, dass er ein echter Fußball-Fan ist, hieß es in einer Mitteilung der Fifa.

Zakumi ist seit dem Ur-WM-Maskottchen „Willie“, einem Löwen der WM 1966 in England, das zwölfte seiner Art.

Zakumi ist seit dem Ur-WM-Maskottchen „Willie“, einem Löwen der WM 1966 in England, das zwölfte seiner Art.

Tiere sind ohnehin ein beliebtes Vorbild der Designer. 1994 in den USA zottelte „Striker“, ein Hund mit US-Trikot, durch die Arenen, vier Jahre später in Frankreich war es Hahn „Footix“, der für gute Laune sorgen sollte. Obst und Gemüse haben es übrigens auch schon zweimal zum Maskottchen geschafft: Naranjito, eine Orange, war das Symbol der WM 1982 in Spanien, die Chilischote „Pique“ repräsentierte 1986 Mexiko.

Tiere sind ohnehin ein beliebtes Vorbild der Designer. 1994 in den USA zottelte „Striker“, ein Hund mit US-Trikot, durch die Arenen, vier Jahre später in Frankreich war es Hahn „Footix“, der für gute Laune sorgen sollte. Obst und Gemüse haben es übrigens auch schon zweimal zum Maskottchen geschafft: Naranjito, eine Orange, war das Symbol der WM 1982 in Spanien, die Chilischote „Pique“ repräsentierte 1986 Mexiko.

Nun sagen Sie: „Ist doch nett, dass man uns Wil­lie, Stri­ker, Foo­tix und die ande­ren noch mal vor­stellt. Weiß doch kei­ner mehr, wie die aus­sa­hen.“

Da sage ich: „Ja, nett. Aber dafür müs­sen Sie schon die­se Bil­der­ga­le­rie von welt.de oder die­sen Arti­kel von laola1.at (bei dem alle Mas­kott­chen auf einer Sei­te gezeigt wer­den) auf­su­chen.“

Bei „RP Online“ ist in der Bil­der­ga­le­rie näm­lich auf jedem ein­zel­nen Bild Zaku­mi zu sehen.

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Leben

Gebt den Kindern das Kommando

Man kennt das aus vie­len, vie­len Hol­ly­wood-Komö­di­en: es klin­gelt an der Tür und – Zack! – hat ein Mann ein Kind am Hacken, von des­sen Exis­tenz er nichts geahnt hat und mit dem er sich erst gar nicht und dann super gut ver­steht. Mir ist ges­tern auch ein Kind zuge­lau­fen – aller­dings konn­te ich sicher sein, dass es nicht mein eige­nes war.

Ich ging gera­de auf die Roll­trep­pen in Bochums größ­tem Elek­tronik­kauf­haus zu, als ich ein klei­nes Mäd­chen erblick­te, das ein­sam zwi­schen Dampf­bü­gel­eisen und die­sen komi­schen auf­blas­ba­ren Hem­den­glatt­ma­chern stand, von denen nie­mand weiß, wie sie funk­tio­nie­ren und wer sie kauft.

„Ich muss da rauf“, sag­te das Mäd­chen mit einer Stim­me, die kei­nen Wider­spruch zuließ. „Mei­ne Mama ist da oben und muss noch was bezah­len!“
„Und dann bist Du allei­ne hier unten?“, frag­te ich ungläu­big.
„Ja, aber ich muss da wie­der rauf!“
„Und Dei­ne Mama ist oben?“
„Ja“, wie­der­hol­te die Klei­ne und nag­te ner­vös am Ohr ihrer Stoff­en­te her­um.
„Willst Du mit mir hoch­fah­ren?“, frag­te ich und – Zack! – hat­te ich ein Kind am Hacken.

Erstaun­lich selb­stän­dig fuhr das Mäd­chen mit mir die Roll­trep­pen hin­auf in den zwei­ten Stock. Blitz­schnell ver­schwand sie 1 laut „Mama! Mama, bist Du hier?“ rufend zwi­schen den Rei­hen von CD-Rega­len. Ich woll­te mich gera­de den aktu­el­len Ange­bo­ten zuwen­den, als ihr Gesicht wie­der auf Höhe mei­ner Knie auf­tauch­te und mich ver­wirrt anschau­te. Mir fiel auf, dass die Stoff­en­te nur noch ein Ohr hat­te.

„Nicht da?“, frag­te ich das Offen­sicht­li­che.
„Die muss hier sein, aber ich fin­de sie nicht“, ent­geg­ne­te das Kind, nur mini­mal beun­ru­higt. Es ist das Pri­vi­leg von Kin­dern und Para­no­iden, sich die eige­ne Theo­rie nicht durch Fak­ten zer­stö­ren zu las­sen.

Weil ich als Kind mal bei einem Stadt­fest mei­ne Eltern ver­lo­ren hat­te 2 und mit dem Gedan­ken, für den Rest mei­nes Lebens unter der Rot­bach­brü­cke an der katho­li­schen Kir­che schla­fen zu müs­sen, durch die Gegend getau­melt war, dach­te ich, dass es in die­ser Situa­ti­on doch sinn­vol­ler wäre, aktiv zu wer­den.
„Sol­len wir mal Dei­ne Mama aus­ru­fen las­sen?“, frag­te ich das Kind und mich einen Augen­blick spä­ter, ob „aus­ru­fen las­sen“ nicht viel­leicht doch eine etwas zu kom­ple­xe For­mu­lie­rung war. Über­haupt „aus­ru­fen“, was soll denn das Wort hei­ßen?

Die ers­te Infor­ma­ti­on war geschlos­sen, an der zwei­ten muss­ten wir eini­ge Zeit war­ten 3, ehe wir die Auf­merk­sam­keit der Bediens­te­ten erre­gen konn­ten.
„Sie sucht ihre Mama“, erklär­te ich und unter­strich das eben Gesag­te mit einem Blick, von dem ich hoff­te, er wür­de „Seid so freund­lich und tut um Him­mels Wil­len irgend­was!“ aus­drü­cken.
Mit jeder Minu­te, die ver­strich, wur­den näm­lich die Bil­der eines Mobs von „Bild“-Lesern, die mit Mist­for­ken und Fackeln die­sen wahn­sin­ni­gen Stu­den­ten von der Ent­füh­rung des unschul­di­gen Kin­des abhal­ten woll­ten, vor mei­nem geis­ti­gen Auge schär­fer. Ich über­leg­te, ob ich die Num­mer mei­nes Anwalts im Han­dy ein­ge­spei­chert hat­te, und war aus­ge­spro­chen froh, nicht auch noch irgend­wie süd­län­disch aus­zu­schau­en. Sie hät­ten mich sonst sofort erschos­sen.

„Äh“, sag­te der Ver­käu­fer, was jetzt nicht ganz mei­nen in ihn gesetz­ten Hoff­nun­gen ent­sprach. „Am Bes­ten geht Ihr ins Erd­ge­schoss. An der Infor­ma­ti­on kön­nen die auch aus­ru­fen!“
„Ah, okay. Vie­len Dank“, sag­te ich und freu­te mich auf eine wei­ter Tour durchs hal­be Kauf­haus.

Ich wand­te mich wie­der der Klei­nen zu: „Wir müs­sen wie­der run­ter. Da kön­nen die dann Dei­ner Mama über Laut­spre­cher Bescheid sagen.“
Das Kind nick­te begeis­tert und wirk­te immer noch nicht son­der­lich beun­ru­higt. Gemein­sam gin­gen wir wie­der durch die kom­plet­te CD-Abtei­lung, wo sie noch ein­mal in jeden Gang guck­te, ob sich ihre Mut­ter dort auch nicht ver­steckt hät­te.

„Wol­len wir Fahr­stuhl fah­ren?“, frag­te ich, weil mir das irgend­wie unge­fähr­li­cher erschien als noch mal die Roll­trep­pe zu neh­men. Das Mäd­chen nick­te und lang­sam mach­te ich mir Sor­gen um das zwei­te Ohr der Ente.

Im Auf­zug nach unten frag­te ich sie, wie alt sie eigent­lich sei.
„Ich bin vier!“, ver­kün­de­te sie stolz und bejah­te auch mei­ne anschlie­ßen­de Fra­ge, ob sie denn mit vier auch schon allei­ne durchs Kauf­haus zie­hen dür­fe.

Die glä­ser­ne Kabi­ne schweb­te ins Erd­ge­schoss ein und ich wapp­ne­te mich gera­de für die Begeg­nung mit dem Lynch­mob, als das Kind erfreut „Ich kann mei­ne Mama sehen!“ aus­rief.
Die Türen öff­ne­ten sich und die Klei­ne stürm­te mit gut­ge­laun­tem „Mama, Mama!“-Gebrüll einer Frau in die Arme, die offen­sicht­lich bis zu die­sem Augen­blick in gro­ßer Sor­ge gewe­sen war.

Nun pas­sier­ten meh­re­re Din­ge gleich­zei­tig: Die Mut­ter schloss ihr Kind in ihre Arme, begann zu wei­nen, frag­te „Wo warst Du denn?“ und sag­te „Mach das nie wie­der!“
Ich stand unschlüs­sig dane­ben und kam mir so fehl am Plat­ze vor, wie es Redak­teu­re von Rea­li­ty-For­ma­ten tun soll­ten, wenn sie ein biss­chen Anstand und Scham­ge­fühl hät­ten. Ein­fach gehen hät­te ich aber auch doof gefun­den, also sag­te ich „Sie hat Sie gesucht, wir woll­ten Sie gera­de aus­ru­fen las­sen!“ in den offe­nen Raum hin­ein, womit es mir immer­hin gelang, die Auf­merk­sam­keit der Mut­ter zu erre­gen, die sich mit feuch­ten Augen bedank­te.

„Okay, alles geklärt“, dach­te ich und ver­ließ auf dem schnells­ten Wege den Laden. „Wäre ich Pfad­fin­der gewe­sen, hät­te ich heu­te einen beson­ders gro­ßen Haken in mei­nen Kalen­der machen kön­nen.“

Von dem klei­nen Mäd­chen hat­te ich mich gar nicht mehr ver­ab­schie­det. Von der Stoff­en­te auch nicht.

  1. Ich schrei­be immer „das Mäd­chen“ und „sie“ – bio­lo­gi­sches Geschlecht geht mir vor gram­ma­ti­ka­li­schem.[]
  2. Also, kei­ne Angst: Die Bei­den leben noch und erfreu­en sich bes­ter Gesund­heit, sie waren mir damals nur abhan­den gekom­men.[]
  3. Im Nach­hin­ein muss ich zuge­ben, dass es tak­tisch unklug war, das Kind direkt vor einer ein Meter hohen The­ke und damit außer­halb der Sicht­wei­te der Ver­käu­fer abzu­stel­len.[]
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Komplexe Verhältnisse

Nächs­te Woche läuft „Der Baa­der Mein­hof Kom­plex“ (nur echt ohne Bin­de­stri­che) in den deut­schen Kinos an. Auch wenn mich das The­ma RAF seit vie­len Jah­ren inter­es­siert, weiß ich nicht, ob ich mir den Film anse­hen soll: die Hand­lung ist hin­läng­lich bekannt und außer­dem muss man den Film ja gar nicht sel­ber sehen – es schreibt je eh jeder drü­ber.

Beson­ders „Bild“ ist an vor­ders­ter Front mit dabei: schon seit Mona­ten schreibt das Blatt über jedes klei­ne biss­chen Infor­ma­ti­on, in den letz­ten Tagen dann mit immer stär­ke­rer Fre­quenz. Der Sohn von Hanns Mar­tin Schley­er hat sich den Film bereits für „Bild“ ange­se­hen, die Toch­ter von Ulri­ke Mein­hof eben­falls.

Bet­ti­na Röhl ist für „Bild“ eine wich­ti­ge Kron­zeu­gin, denn:

Bettina Röhl (Ihre Mutter war Ulrike Meinhof) über den RAF-Film  Martina Gedeck ist eine Fehlbesetzung!

Sie war also dabei. Genau­so wie „Bild“, möch­te man ein­wen­den, denn das Mas­sen­blatt des Axel-Sprin­ger-Ver­lags ist natür­lich untrenn­bar mit ’68 und allen sei­nen Fol­gen ver­bun­den.

Und da kommt ganz schnell so etwas wie Nost­al­gie auf, wenn Bild.de im tra­di­tio­nel­len Duk­tus fragt:

Kommt die Baa­der-Mein­hof-Ban­de zu Oscar-Ehren?

Auch beein­dru­ckend doof ist die­se Fra­ge:

Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Johanna Wokalek: Dürfen sympathische Stars Terroristen spielen?

Da schließt sich doch gleich die Fra­ge­stel­lung an, wie unsym­pa­thisch Stars sein müs­sen, damit sie nach Ansicht von Bild.de Ter­ro­ris­ten spie­len dür­fen. Müss­te ich Til Schwei­ger und Iris Ber­ben im Kino ertra­gen, damit mir Andre­as Baa­der und Ulri­ke Mein­hof nicht sym­pa­thisch erschei­nen?

Ein beson­de­rer Trep­pen­witz der Geschich­te ist es aller­dings, wenn Bild.de ein Foto von den Dreh­ar­bei­ten erklärt, bei denen gera­de die Kra­wal­le des 2. Juni 1967 nach­ge­stellt wer­den. Die ganz Alten wer­den sich erin­nern: an die­sem Tag war der Schah von Per­si­en auf Staats­be­such in Ber­lin, bei den Demons­tra­tio­nen gegen ihn kam es zu bei­der­sei­ti­gen Gewalt­es­ka­la­tio­nen, in deren Fol­ge der Stu­dent Ben­no Ohnes­org durch eine Poli­zei­ku­gel getö­tet wur­de.

„Bild“ beschrieb das damals so:

Ein jun­ger Mann ist ges­tern in Ber­lin gestor­ben. Er wur­de Opfer von Kra­wal­len, die poli­ti­sche Halb­star­ke insze­nier­ten.

31 Jah­re nach der „Todes­nacht von Stamm­heim“ kommt jetzt die zwei­te Gene­ra­ti­on zum Ein­satz: Nach­fah­ren von Tätern und Opfern erzäh­len „Bild“-Redakteuren, die damals allen­falls Schul­auf­sät­ze geschrie­ben haben, was sie von der fil­mi­schen Auf­be­rei­tung der Ereig­nis­se hal­ten.

Allein: Bet­ti­na Röhl ist eine ähn­lich zuver­läs­si­ge Zeit­zeu­gin wie „Bild“ selbst. Die Frau („Röhl muss es wis­sen, immer­hin ist Ulri­ke Mein­hof ihre Mut­ter!“) hat sich in den letz­ten Jah­ren in den Medi­en als eine Mischung aus Eva Her­man und Hen­ryk M. Bro­der (nur nicht ganz so sym­pa­thisch) prä­sen­tiert, die gegen ihre Eltern­ge­nera­ti­on und das Gen­der Main­strea­ming zu Fel­de zieht und in allem und jedem wahl­wei­se Geschichts­klit­te­rung oder Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zun­gen sieht. Das ist ihr gutes Recht, aber es macht sie im dop­pel­ten Sin­ne befan­gen.

Frau Röhl kann sich natür­lich zu dem Film äußern, wie sie mag. Sie kann es sogar in „Bild“ tun, wenn sie das für eine gute oder wit­zi­ge Idee hält. Es bleibt aber eine irgend­wie merk­wür­di­ge Akti­on, die ande­rer­seits auch zeigt, wie viel sich in den letz­ten 40 Jah­ren geän­dert hat: „Bild“ macht mun­ter Pro­mo­ti­on für einen Film über die „Baa­der-Mein­hof-Ban­de“ und ist auch längst nicht mehr das Feind­bild, das sie damals war. Letzt­lich haben alle gewon­nen: die Ter­ro­ris­ten kom­men, wie jeder gro­ße Böse­wicht irgend­wann, zu Lein­wand­eh­ren und „Bild“ ist in der Mit­te der Gesell­schaft. Wir Spät­ge­bo­re­nen bli­cken erstaunt auf rie­si­ge Demons­tra­ti­ons­zü­ge, die „Ent­eig­net Sprin­ger!“ skan­die­ren, und las­sen uns vom Feuil­le­ton­chef der „Zeit“ Cha­rak­ter­lo­sig­keit vor­wer­fen. Für tat­säch­li­che Dis­kur­se sind wir sowie­so unge­eig­net.

Bernd Eichin­ger, der alte Geis­ter­bahn­be­trei­ber, ent­wi­ckelt sich der­weil lang­sam zum Gui­do Knopp des Kinos, der nach Hit­ler jetzt den zwei­ten deut­schen Dämon des 20. Jahr­hun­derts auf die Lein­wand bringt. Sein Sta­si-Film ist sicher schon in Vor­be­rei­tung.

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The World Was A Mess But His Hair Was Perfect

Die Kom­men­ta­re zu mei­ner Fri­sur unter dem Kai-Diek­mann-Ein­trag haben mich schwer ver­letzt.

Nee, Quark. Anders: Mei­ne wich­tigs­te Bera­te­rin, sonst für IT-Fra­gen und Nah­rungs­auf­nah­me zustän­dig, riet mir, mich fris­ur­tech­nisch ein wenig zu ver­än­den.

Nee, auch doof. Ich hat­te ein Pro­blem: Ich konn­te nicht mehr Kaf­fee trin­ken, ohne dass ich mei­ne eige­nen Haa­re in der Tas­se, im Mund oder irgend­wo dazwi­schen hat­te. Es gab also zwei Mög­lich­kei­ten: jeden Tag zu Star­bucks und cof­fee to go mit prak­ti­schem Trink­stut­zen ordern oder zum Fri­seur gehen. Fri­seur ent­spricht drei klei­nen Cap­puc­ci­ni.

Es gibt da aller­dings noch ein Pro­blem: Fri­seu­re und ich spre­chen oft nicht die­sel­be Spra­che, egal woher sie kom­men. Vor drei Jah­ren war ich mal bei einem Fach­mann in Bochum, den ich nach dem Befehl „Nach­schnei­den!“ mit einem gewag­ten Kurz­haar­schnitt ver­ließ, und auch der hip­pe Mit­te-Schnipp­ler, den ich wäh­rend der re:publica in Ber­lin auf­such­te, mach­te irgend­was, nur nicht das, was ich mir so grob vor­ge­stellt hat­te. Von Frau­en las­se ich mich sowie­so äußerst ungern fri­sie­ren – woher sol­len die denn wis­sen, wie ein Her­ren­haar­schnitt zu sit­zen hat?

Für alle die­se (zuge­ge­be­ner­ma­ßen mar­gi­na­len) Pro­ble­me gibt es eine Lösung: „Salon König“ in Dins­la­ken. Die­se Insti­tu­ti­on der Haupt­haarkor­rek­tur ist das exak­te Gegen­teil die­ser hip­pen Läden mit lau­ter Musik, Lat­te Mac­chia­to und Kopf­haut­mas­sa­ge: es ist ein Fri­seur­sa­lon.

Der Laden sieht schon seit Jahr­zehn­ten gleich aus, sogar die Pos­ter mit den aktu­el­len Mode­schnit­ten hin­gen schon an der Wand des Her­ren­sa­lons, als ich dort vor sech­zehn, sieb­zehn Jah­ren zum ers­ten Mal zu Gast war. Vor sie­ben Jah­ren habe ich Herrn König mal gefragt, wie lan­ge er den Salon schon betreibt und die Ant­wort war irgend­was um die vier­zig Jah­re her­um. Laut mei­nem Vater sieht Herr König auch schon so lan­ge so aus: er hat eine ange­neh­me Nicht-Fri­sur, die einem ver­si­chert, beim kom­pe­ten­tes­ten Fri­seur der Stadt gelan­det zu sein.

Ich nutz­te also den Besuch bei mei­nen Eltern, um auch Herrn König einen sol­chen abzu­stat­ten. Zur Sicher­heit hat­te ich ein Foto mit­ge­bracht, das mich in einem der raren Momen­te ansehn­li­cher Fri­sie­rung zeigt. Er guck­te kurz drauf und wuss­te dann genau, was zu tun war. Er fuhr mir eini­ge Male mit einem Kamm durch die Haa­re, es mach­te in einer besorg­nis­er­re­gen­den Fre­quenz „Schnipp­schnipp­schnipp“ und schon waren wei­te Tei­le des Island-Pony ver­schwun­den. Sze­ne­fri­seu­re brau­chen drei Mal so lan­ge, um qua­si nichts zu schnei­den.

Der Spruch, wonach man etwas sei­nem Fri­seur erzäh­len sol­le, zieht bei Herrn König nicht: Small­talk kann, muss aber nicht. Es ist meis­tens das Unter­halt­sams­te, dem zu lau­schen, was da so an Gesprä­chen aus dem Damen­sa­lon her­über­weht. Dafür ermög­licht es Herrn König sei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Erfah­rung, die Fra­ge, ob man mit der Fri­sur zufrie­den sei, so zu stel­len, dass man sich auch mal traut, sie wahr­heits­ge­mäß mit „noch nicht so rich­tig“ zu beant­wor­ten. Er schnei­det dann klag­los wei­ter, bis man wirk­lich ganz ehr­lich zufrie­den ist – oder eine Glat­ze hat.

Ich war aber irgend­wann zufrie­den. Sehr zufrie­den. Es sah wie­der (und damit erst­ma­lig seit zwei Jah­ren) wie eine Fri­sur aus. Aller­dings sah es auch irgend­wie nach Liam Gal­lag­her aus, was sich aller­dings mit einer anschlie­ßen­den Dusche und ein biss­chen Fin­ger­spit­zen­ge­fühl lösen ließ.

Und jetzt den­ken Sie ver­mut­lich: „Boah, Ker­le, laber nich! Wie sieht Dein Haar­schnitt, über des­sen Ent­ste­hung Du uns hier einen vom Pferd erzählst, denn jetzt aus?“

Na, so (rechts):

Haarschnitt: Vorher Haarschnitt: Nachher

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Wer braucht schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid?

Es gibt ja so Sachen, die nimmt man sich immer mal wie­der vor, macht sie dann aber doch nie: zum Zahn­arzt gehen, recht­zei­tig Weih­nachts­ge­schen­ke kau­fen, „Spie­gel Online“ aus dem Feed­rea­der schmei­ßen. Ich habe mir seit eini­gen Jah­ren vor­ge­nom­men, end­lich mal zu „Scu­det­to“ zu gehen, einer in Bochum schon legen­dä­ren Ver­an­stal­tungs­rei­he in Sachen Fuß­ball­li­te­ra­tur.

Aus­ge­rich­tet wird sie von Ben Rede­lings, der nicht nur meh­re­re Bücher über Fuß­ball und das Leben als Fan geschrie­ben, son­dern auch drei Fil­me über den VfL Bochum gedreht hat. Seit eini­ger Zeit ver­fol­ge ich sein Scu­det­to­blog, in dem ich auch end­lich die Gele­gen­heit wit­ter­te, „Scu­det­to“ ein­mal live zu erle­ben.

Und obwohl ich im Moment eher ungern mit Fuß­ball beschäf­ti­ge, ging ich trotz­dem gespannt ins Bochu­mer Riff, wo mich „Far Away In Ame­ri­ca“ begrüß­te, das viel­leicht beknack­tes­te Stück Fuß­ball­mu­sik aller Zei­ten. Nach die­sem Duett mit Vil­la­ge Peo­p­le (!!!) und der desas­trö­sen WM 1994 hat sich die deut­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft anschlie­ßend nie wie­der an ein Mot­to­lied her­an­ge­wagt.

Dann ging’s los und es gab Ton­do­ku­men­te, Fotos, Vide­os (You­Tube und eige­ne, s.a. „Scu­det­to-TV“, jetzt auch bei „Spie­gel Online“), eige­ne Tex­te von Ben Rede­lings und Rezi­ta­tio­nen wie die des gran­dio­sen Peter-Neururer-Inter­views aus der „Zeit“. Also all das, was man „Fuß­ball­kul­tur“ nennt.

„Scu­det­to“ ist da wie „11 Freun­de“ oder „Zeig­lers wun­der­ba­re Welt des Fuß­balls“: von Fans für Fans, noch ganz nah an dem Fuß­ball mit Brat­wurst und Bier, weit weg von den VIP-Loun­ges – also ganz nah dran am VfL Bochum. Irgend­wie klar, dass das neue Buch, das Ben Rede­lings ges­tern vor­stell­te, „Fuß­ball ist nicht das wich­tigs­te im Leben. Es ist das Ein­zi­ge“ heißt.

Irgend­wann zwi­schen Lese-Tei­len und Vide­os gab es das (offen­sicht­lich tra­di­tio­nel­le) Fuß­bal­ler-Zita­te-Quiz, bei dem man Rede­lings‘ Fuß­ball-Zita­te-Buch gewin­nen konn­te (wer es ein­mal gewon­nen und aus­wen­dig gelernt hat, hat beim nächs­ten Mal bes­se­re Chan­cen) und bei dem ich gera­de mal andert­halb Ant­wor­ten gewusst hät­te. Ben Rede­lings‘ eige­ne Tex­te sind kurz­wei­lig, sehr gut beob­ach­tet und aus der Per­spek­ti­ve eines ech­ten Fans geschrie­ben. Dass sie nicht unbe­dingt auf Poin­ten hin­aus­lau­fen, lässt sie im auf Lacher aus­ge­rich­te­ten Live­vor­trag mit­un­ter ein biss­chen wie Angrif­fe von Mario Gomez wir­ken, macht sie aber kein Stück schlech­ter.

Der nächs­te „Scudetto“-Termin steht auch schon fest: am 16. Okto­ber, dann mit einem Gast, auf den das Wort „Legen­de“ noch zutrifft: Wil­li „Ente“ Lip­pens. Und am Abend drauf spielt der VfL Bochum gegen Borus­sia Mön­chen­glad­bach.

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Blame it on the Internet

Dass die „Süd­deut­sche Zei­tung“ ein eher gespal­te­nes Ver­hält­nis zum Inter­net hat, ist ja schon län­ger bekannt. Inso­fern über­rascht es wenig, dass vor­ges­tern ein Arti­kel erschien, der die­sen gan­zen Inter­net­kram und vor allem Goog­le mal wie­der als den Unter­gang von Abend­land, Welt­wirt­schaft und Qua­li­täts­jour­na­lis­mus beschrieb.

Schon die Dach­zei­le (die Über­schrift über der Über­schrift) macht klar, wer hier der Böse ist:

Google-News: Automatischer Absturz. Der Computer als Journalist: Google News meldete vergangene Woche den Konkurs einer amerikanischen Airline - obwohl die Nachricht sechs Jahre alt war. Die Folgen waren verheerend. Von Thomas Schuler

Durch eine Ver­ket­tung von meh­re­ren unglück­li­chen Umstän­den hat­te ein Suchskript in der ver­gan­ge­nen Woche einen sechs Jah­re alten, aber unda­tier­ten Arti­kel des „Chi­ca­go Tri­bu­ne“ über den Kon­kurs von United Air­lines im Archiv des „South Flo­ri­da Sun-Sen­ti­nel“ ent­deckt, für neu gehal­ten und ins Archiv von „Goog­le News“ ein­sor­tiert.

Das ist schon aus rein jour­na­lis­ti­schen Aspek­ten doof – Arti­kel ohne Datum soll­ten ein­fach nicht sein. Wenn es sich auch noch um eine Mel­dung aus dem Wirt­schafts­be­reich han­delt, wo tra­di­tio­nell unvor­stell­ba­re Geld­be­trä­ge ver­scho­ben wer­den auf­grund von Zuckun­gen im klei­nen Zeh irgend­wel­cher Vor­stands­vor­sit­zen­der und von den Schat­ten, die abge­nag­te Hüh­ner­kno­chen in einer Voll­mond­nacht wer­fen, kön­nen die Fol­gen ver­hee­rend sein: Der Bör­sen­kurs von United Air­lines brach zwi­schen­zeit­lich um 75% ein. Wir kön­nen uns also dar­auf eini­gen: Sowas soll­te nicht pas­sie­ren.

Erstaun­lich ist aber – neben der Tat­sa­che, dass unse­re Welt­wirt­schaft offen­bar von leicht­gläu­bi­gen Idio­ten abhän­gig ist – wie die „Süd­deut­sche Zei­tung“ über den Vor­gang berich­tet:

Denn je öfter die Betei­lig­ten – ein Finanz­dienst­leis­ter aus Miami und die Medi­en­un­ter­neh­men Tri­bu­ne, Bloom­berg und Goog­le – in den Tagen danach Unter­su­chun­gen ankün­dig­ten, sich in Details wider­spra­chen, gegen­sei­tig Schuld zuwie­sen und Ant­wor­ten auf die Fra­ge such­ten, wie es zu der Falsch­mel­dung kom­men konn­te, des­to deut­li­cher wur­de, dass dies kei­ne der übli­chen Dis­kus­sio­nen um gefälsch­te Mel­dun­gen oder mensch­li­ches Ver­sa­gen ist. Es gibt ein neu­es Pro­blem: Jour­na­lis­mus ohne Jour­na­lis­ten. Kann das gut gehen?

Ja, Jour­na­lis­mus ohne Jour­na­lis­ten. Ob das gut geht?

Bei der „Süd­deut­schen Zei­tung“ offen­bar bes­tens, denn nur weni­ge Absät­ze spä­ter erklärt Autor Tho­mas Schul­er, wie es genau zu den Fol­gen die­ses tech­ni­schen Feh­lers kam:

Den gan­zen Sonn­tag über sei die Geschich­te so oft abge­ru­fen wor­den, dass sie wei­ter unter „most view­ed“ gelis­tet blieb. Dort ent­deck­te sie ein Mit­ar­bei­ter einer Invest­ment­dienst­leis­ters, der am Mon­tag für den Finanz­dienst Bloom­berg einen News­let­ter über in Kon­kurs gegan­ge­ne Fir­men ver­fass­te. Dass United seit 2006 wie­der zah­lungs­fä­hig ist, stand natür­lich nicht in dem Bericht. Bloom­berg ver­brei­te­te den News­let­ter. So kam es zum Absturz der Aktie.

Da hat also irgend­ein Mensch, der für einen Finanz­dienst (laut „New York Times“ han­delt es sich um Inco­me Secu­ri­ty Advi­sors) News­let­ter ver­fas­sen soll, bei „Goog­le News“ ein biss­chen rum­ge­klickt, eine unda­tier­te Mel­dung gefun­den und sie ohne eine wei­te­re Sekun­de der Recher­che (ich mei­ne: wir reden hier über United Air­lines – wenn die plei­te wären, stün­de das sicher noch irgend­wo anders) in sei­nen News­let­ter auf­ge­nom­men. Das klingt für mich irgend­wie schwer nach mensch­li­chem Ver­sa­gen.

Und wenn stimmt, was die „Los Ange­les Times“ schreibt, hat der Mit­ar­bei­ter an jenem Tag zum ers­ten Mal den Inter­net­auf­tritt einer Zei­tung besucht:

The repor­ter […] thought it was fresh becau­se of the date and becau­se the Goog­le search found the sto­ry on a cur­rent Sun-Sen­ti­nel page, which included an item on Hur­ri­ca­ne Ike.

Das Pro­blem des Jour­na­lis­mus liegt also eine Eta­ge höher: Wo kom­men wir hin, wenn wir den gan­zen Agen­tu­ren und „Goog­le News“ nicht mehr blind ver­trau­en kön­nen? Wenn wir jede bun­te Mel­dung, mit der wir unse­re Zei­tun­gen und Web­sei­ten fül­len, noch mal über­prü­fen oder wenigs­tens auf Plau­si­bi­li­tät über­prü­fen müs­sen? Oder völ­lig über­ra­schen­de Mel­dun­gen über den Kon­kurs einer der welt­größ­ten Flug­li­ni­en?