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The World Was A Mess But His Hair Was Perfect

Die Kommentare zu meiner Frisur unter dem Kai-Diekmann-Eintrag haben mich schwer verletzt.

Nee, Quark. Anders: Meine wichtigste Beraterin, sonst für IT-Fragen und Nahrungsaufnahme zuständig, riet mir, mich frisurtechnisch ein wenig zu veränden.

Nee, auch doof. Ich hatte ein Problem: Ich konnte nicht mehr Kaffee trinken, ohne dass ich meine eigenen Haare in der Tasse, im Mund oder irgendwo dazwischen hatte. Es gab also zwei Möglichkeiten: jeden Tag zu Starbucks und coffee to go mit praktischem Trinkstutzen ordern oder zum Friseur gehen. Friseur entspricht drei kleinen Cappuccini.

Es gibt da allerdings noch ein Problem: Friseure und ich sprechen oft nicht dieselbe Sprache, egal woher sie kommen. Vor drei Jahren war ich mal bei einem Fachmann in Bochum, den ich nach dem Befehl “Nachschneiden!” mit einem gewagten Kurzhaarschnitt verließ, und auch der hippe Mitte-Schnippler, den ich während der re:publica in Berlin aufsuchte, machte irgendwas, nur nicht das, was ich mir so grob vorgestellt hatte. Von Frauen lasse ich mich sowieso äußerst ungern frisieren — woher sollen die denn wissen, wie ein Herrenhaarschnitt zu sitzen hat?

Für alle diese (zugegebenermaßen marginalen) Probleme gibt es eine Lösung: “Salon König” in Dinslaken. Diese Institution der Haupthaarkorrektur ist das exakte Gegenteil dieser hippen Läden mit lauter Musik, Latte Macchiato und Kopfhautmassage: es ist ein Friseursalon.

Der Laden sieht schon seit Jahrzehnten gleich aus, sogar die Poster mit den aktuellen Modeschnitten hingen schon an der Wand des Herrensalons, als ich dort vor sechzehn, siebzehn Jahren zum ersten Mal zu Gast war. Vor sieben Jahren habe ich Herrn König mal gefragt, wie lange er den Salon schon betreibt und die Antwort war irgendwas um die vierzig Jahre herum. Laut meinem Vater sieht Herr König auch schon so lange so aus: er hat eine angenehme Nicht-Frisur, die einem versichert, beim kompetentesten Friseur der Stadt gelandet zu sein.

Ich nutzte also den Besuch bei meinen Eltern, um auch Herrn König einen solchen abzustatten. Zur Sicherheit hatte ich ein Foto mitgebracht, das mich in einem der raren Momente ansehnlicher Frisierung zeigt. Er guckte kurz drauf und wusste dann genau, was zu tun war. Er fuhr mir einige Male mit einem Kamm durch die Haare, es machte in einer besorgniserregenden Frequenz “Schnippschnippschnipp” und schon waren weite Teile des Island-Pony verschwunden. Szenefriseure brauchen drei Mal so lange, um quasi nichts zu schneiden.

Der Spruch, wonach man etwas seinem Friseur erzählen solle, zieht bei Herrn König nicht: Smalltalk kann, muss aber nicht. Es ist meistens das Unterhaltsamste, dem zu lauschen, was da so an Gesprächen aus dem Damensalon herüberweht. Dafür ermöglicht es Herrn König seine jahrzehntelange Erfahrung, die Frage, ob man mit der Frisur zufrieden sei, so zu stellen, dass man sich auch mal traut, sie wahrheitsgemäß mit “noch nicht so richtig” zu beantworten. Er schneidet dann klaglos weiter, bis man wirklich ganz ehrlich zufrieden ist — oder eine Glatze hat.

Ich war aber irgendwann zufrieden. Sehr zufrieden. Es sah wieder (und damit erstmalig seit zwei Jahren) wie eine Frisur aus. Allerdings sah es auch irgendwie nach Liam Gallagher aus, was sich allerdings mit einer anschließenden Dusche und ein bisschen Fingerspitzengefühl lösen ließ.

Und jetzt denken Sie vermutlich: “Boah, Kerle, laber nich! Wie sieht Dein Haarschnitt, über dessen Entstehung Du uns hier einen vom Pferd erzählst, denn jetzt aus?”

Na, so (rechts):

Haarschnitt: Vorher Haarschnitt: Nachher

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Sprachkritik ist Haarspalterei

Saloon Daykstyl: Kuaför und Frisuer

Mit Dank an Christoph L. und Justus H. für den Hinweis.