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Opossum-Possen

Ich gehe zu Guns­ten der „Mit­tel­deut­schen Zei­tung“ mal davon aus, dass es sich um eine Nach­richt extra für Kin­der han­delt, die da eher ver­se­hent­lich im regu­lä­ren Online-Auf­tritt gelan­det ist:

Es gibt trau­ri­ge Nach­rich­ten aus dem Leip­zi­ger Zoo: Hei­di lebt nicht mehr! Das Opos­sum ist am Mitt­woch gestor­ben. Hei­di war wegen ihrer Augen in Deutsch­land und ande­ren Län­dern sehr bekannt gewor­den: Ihre Augen stan­den nicht ganz gera­de. Sie schiel­te. Das fan­den die Men­schen put­zig.

Aber Kin­der hin oder her – es ist schon bemer­kens­wert, wie fried­lich die­se zwei Sät­ze da ein­fach neben­ein­an­der ste­hen:

Am Mitt­woch ist Hei­di an Alters­schwä­che gestor­ben. Ein Tier­arzt hat sie ein­ge­schlä­fert.

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Sweetness Follows

Mit sieb­zehn Jah­ren litt ich an wie­der­keh­ren­den Kopf­schmer­zen, so dass mich mein Haus­arzt irgend­wann zu einem Spe­zia­lis­ten schick­te, der eine Com­pu­ter­to­mo­gra­phie vor­neh­men soll­te. Im War­te­zim­mer sah ich das gan­ze Elend der Welt: Kah­le Män­ner, Frau­en und ich glau­be sogar Kin­der, und mir wur­de klar, dass sich mein gan­zes Leben gleich inner­halb von einer Sekun­de ändern könn­te. Doch in mei­nem Kopf fand sich nichts, was dort nicht hin­ge­hört hät­te, mein Papa fuhr mich wie­der nach hau­se, die Son­ne schien und im Radio lief „Imi­ta­ti­on Of Life“ von R.E.M.

Ein paar Wochen spä­ter spiel­te die Band ein kos­ten­lo­ses Kon­zert in Köln und obwohl ich sehr gern hin­ge­gan­gen wäre, ent­schied ich mich mit mei­nem bes­ten Freund doch dage­gen und sah mir das Kon­zert (oder das, was MTV davon zu über­tra­gen belieb­te) im Fern­se­hen an. Dass der Abend ins­ge­samt doch noch legen­där wur­de, lag nicht aus­schließ­lich an die­sem Kon­zert, aber zu einem guten Teil.

R.E.M. sind tat­säch­lich eine die­ser Bands, die immer da waren, deren Musik ich aus dem Radio kann­te, lan­ge bevor ich wuss­te, von wem sie ist. Für ihre Hoch­pha­se bin ich eigent­lich zu jung („Auto­ma­tic For The Peo­p­le“ erschien, als ich neun Jah­re alt war), aber man kann ja auch spä­ter ein­stei­gen und sich dann im Back­ka­ta­log zurück arbei­ten – und dann als Teen­ager Abend um Abend in sei­nem Zim­mer sit­zen, „Ever­y­bo­dy Hurts“ und „Night­swim­ming“ hören und sich soooo ver­stan­den füh­len.

Ges­tern nun haben Micha­el Sti­pe, Mike Mills und Peter Buck bekannt­ge­ge­ben, ihre Band auf­zu­lö­sen. Genau­er: Die Band ist schon auf­ge­löst, so ein Elend wie eine Abschieds­tour wird es nicht geben. Das kommt einer­seits ein biss­chen unver­mit­telt, ist dann aber ande­rer­seits auch schlüs­sig, wenn auch nicht zwin­gend not­wen­dig. Es gäbe ande­re Bands, die sich drin­gen­der auf­lö­sen soll­ten (U2, Ste­reo­pho­nics), oder bes­ser nie gegrün­det hät­ten (Sun­ri­se Ave­nue, Revol­ver­held).

R.E.M. haben nie ein schlech­tes Album auf­ge­nom­men (obwohl „Up“ ver­dammt nah dran war), zuletzt sogar wie­der zwei gute. Nur: Was will man mit „Col­lap­se Into Now“, wenn man „Auto­ma­tic For The Peo­p­le“ hat, eines der viel­leicht per­fek­tes­ten Alben des 20. Jahr­hun­derts? Neun bis zehn der ins­ge­samt 12 Titel die­ses Albums sind min­des­tens phan­tas­tisch und „Ever­y­bo­dy Hurts“ ist dabei fast noch das schlech­tes­te, weil viel zu offen­sicht­lichs­te, unter ihnen.

Sasha Fre­re-Jones schreibt dazu beim „New Yor­ker“:

The­re is an admi­ra­ble mis­si­on at play: reassu­ring tho­se who cry, who hurt, who need sus­ten­an­ce. That would be all of us, and we all turn to music when we need reassu­rance. But say­ing, „It’s all going to be O.K.“ is your friend’s job, not your band’s. All of R.E.M.’s lumi­nous odd­ness and nes­ted beau­ty is tur­ned into pen­ny taffy.

(Bei dem Teil, es sei nicht Auf­ga­be einer Band, einem Trost zu geben, muss ich ihm aller­dings ent­schie­den wider­spre­chen.)

Wenn Fre­re-Jones schreibt, R.E.M.s Tren­nung käme zehn Jah­re zu spät (eine Mei­nung, die von vie­len geteilt wird), ist mir das ein biss­chen zu poin­tiert, hät­ten wir doch „Bad Day“, „Lea­ving New York“, „Super­na­tu­ral Super­se­rious“ oder „ÜBer­lin“ ver­passt – Songs, die bei vie­len ande­ren Bands zu den Höhe­punk­ten ihres Schaf­fens zäh­len wür­den. Aber nach 31 Jah­ren darf es dann ruhig auch mal gut sein, wenn es nicht sowie­so irgend­wann zur unver­meid­li­chen Reuni­on kom­men soll­te.

Was bleibt ist, neben der Musik, natür­lich vor allem Micha­el Sti­pe. Einer der cha­ris­ma­tischs­ten Men­schen im welt­wei­ten Medi­en­cir­cus. Einer der gezeigt hat, wie wun­der­schön unge­len­kes Rum­ham­peln wir­ken kann. Einer, den ich immer nen­nen wür­de, wenn man mich nach Pro­mi­nen­ten frag­te, die mich beein­flusst haben.

Peter Flo­re schreibt bei intro.de, mit R.E.M. tre­te die „größ­te Indie­band der Welt“ ab, und das stimmt, denn trotz gut gefüll­ter Sta­di­en waren R.E.M. eigent­lich immer eine Spur zu eckig und zu ver­schro­ben.

Noch mal Sasha Fre­re-Jones:

Their good stuff is dura­ble and gor­ge­ous, and they pul­led off a trick that indie rock has strug­g­led with ever sin­ce: How do you stay weird if you also like singab­le songs? How do you get the pret­ty wit­hout joi­ning Club Obvious? R.E.M. never let their live show slip, and they gave a huge num­ber of peo­p­le an opti­on that still works.

Kei­ne „Imi­ta­ti­on Of Life“, son­dern das Leben selbst.

Mein Lieb­lings­song von R.E.M. ist übri­gens inzwi­schen die­ser hier:

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Verampersandet

Lan­ge war es still gewe­sen um Fritz­chen Mül­ler. Der inzwi­schen elf­jäh­ri­ge Hob­by­gra­fi­ker (MS Paint), der vie­le Jah­re für den Bran­chen­dienst „turi2“ Gesich­ter durch­ge­stri­chen hat­te und dann kurz bei „RP Online“ und Bild.de beschäf­tigt war, hat jetzt bei „Bild“ ange­heu­ert:

Stefan Mross & Stefanie Hertel: Anwalt bestätigt Ehe-Aus!

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Death Of A Clown

Heu­te pfei­fen wir mal auf all unse­re Prin­zi­pi­en und brin­gen eine Pres­se­mit­tei­lung im vol­len Ori­gi­nal-Wort­laut:

Pres­se­mit­tei­lung

Top Ten der Trau­er­hits: Unhei­lig Auf­stei­ger des Jah­res bei Beer­di­gun­gen

Ham­burg, 08. Sep­tem­ber 2011 – Seit über einem Jahr domi­niert die Band Unhei­lig die deut­schen Album Charts. Ihre Hit­sin­gle „Gebo­ren um zu leben“ ist laut einer Umfra­ge von Bestattungen.de schon das zweit­meist gespiel­te Lied bei Trau­er­fei­ern. Dies ist nur ein Bei­spiel für den all­ge­mei­nen Trend: Trau­er­mu­sik wird aktu­el­ler und indi­vi­du­el­ler. Bestattungen.de hat Bestat­ter und Ange­hö­ri­ge befragt und die dies­jäh­ri­gen Top Ten der „Trau­er­hits“ erstellt.

2011 belegt wie im Vor­jahr „Time To Say Good­bye“ von Sarah Bright­man den ers­ten Platz. „Pop-Bal­la­den domi­nie­ren wei­ter. Aber der Erfolg von Unhei­lig und die Top Ten Plat­zie­rung des Titels ‚High­way To Hell‘ von AC/​DC zei­gen, dass sich der gesell­schaft­li­che Trend zum Indi­vi­dua­lis­mus eben­falls bei der Aus­wahl von Trau­er­mu­sik abzeich­net“, erläu­tert Bestattungen.de-Geschäftsführer Fabi­an Schaaf.

Hin­ter Bright­man und Unhei­lig folgt der ver­stor­be­ne Hawai­ia­ner Isra­el Kama­ka­wi­wo’o­le mit „Some­whe­re Over The Rain­bow“ auf Platz drei. Auch Klas­sik und Schla­ger fin­det sich in der Bes­ten­lis­te, wie „Ave Maria“
von Franz Schu­bert (Platz vier) und „Über den Wol­ken“ von Rein­hard Mey (Platz acht). „Älte­re Titel sind wei­ter­hin stark ver­tre­ten. Jedoch zeigt sich, dass sich immer mehr Ange­hö­ri­ge für aktu­el­le Titel ent­schei­den“, erläu­tert Schaaf.

Wäh­rend Bestat­tun­gen frü­her gemäß den gesell­schaft­li­chen Nor­men sehr kon­ser­va­tiv waren, gibt es heu­te nicht mehr die „nor­ma­le“ Bestat­tung. Daher erwar­ten die Exper­ten von Bestattungen.de, dass sich der Trend
zu indi­vi­du­el­ler und aus­ge­fal­le­ner Musik wei­ter ver­stär­ken wird.

„Musik ist enorm wich­tig für die Trau­er­be­wäl­ti­gung. Bestat­ter müs­sen mit der Zeit gehen und den per­sön­li­chen Wil­len des Ver­stor­be­nen und der Ange­hö­ri­gen akzep­tie­ren. Ganz egal, wel­che Musik­rich­tung gewünscht wird“, for­dert Bestat­ter Burk­hard Huber. Musik von Unhei­lig und Lie­der wie „Always Look On The Bright Side Of Life“ von Eric Idle oder sogar „Bie­ne Maja“ von Karel Gott sind heu­te kein Tabu mehr, son­dern wer­den bei Trau­er­fei­ern immer häu­fi­ger gespielt.

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Leben Politik

Städte, die das möchten

Damit war nicht zu rech­nen gewe­sen, als wir Dirk Elbers zwi­schen Weiß­wein (er) und Sekt (ich) anspra­chen. Doch der Düs­sel­dor­fer Ober­bür­ger­meis­ter ant­wor­te­te auf mei­ne Fra­ge, ob sei­ne Stadt Euro­vi­si­on Song Con­test, Mara­thon und eine rie­si­ge Indus­trie­mes­se gleich­zei­tig locker weg­ste­cken kön­ne, mit einem Satz, der als Glau­bens­be­kennt­nis aller Stadt­obe­ren in latent grö­ßen­wahn­sin­ni­gen Kom­mu­nen (also qua­si über­all) gel­ten kann: „Das ist eine Stadt, die das möch­te!“

Nun ist Düs­sel­dorf, eine Stadt, die es sich nicht mal neh­men lässt, einen ver­damm­ten Ski­lang­lauf-Welt­cup in ihrer Innen­stadt aus­zu­rich­ten, ein Extrem­bei­spiel jener Städ­te, die so ger­ne eine Metro­po­le wären, aber eben doch nur rein ver­wal­tungs­recht­lich eine Groß­stadt sind – aber bei­lei­be kein Ein­zel­fall.

Zwi­schen April und Okto­ber gibt es qua­si kein ein­zi­ges Wochen­en­de, an dem nicht min­des­tens ein, zwei Bus­li­ni­en in der Bochu­mer Innen­stadt umge­legt wer­den müs­sen, weil die eine oder ande­re Haupt­stra­ße (oder gleich meh­re­re davon) gesperrt ist. Da ist natür­lich Bochum Total („Euro­pas größ­tes inner­städ­ti­sches Musik­fes­ti­val“), aber auch der „Spar­kas­sen-Giro“ (ein Rad­ren­nen), der „Bochu­mer Musik­som­mer“ (auch eine Art Musik­fes­ti­val, aber mehr mit Wein­bu­den und ange­grau­ten Leh­rer-Ehe­paa­ren als Ziel­grup­pe), „Bochum kuli­na­risch“ (kei­ne Musik, noch mehr Wein­bu­den und Leh­rer) und am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de erst­ma­lig der „Rewir­power-Halb­ma­ra­thon“ (ein Halb­ma­ra­thon). Hin­zu kom­men Ver­an­stal­tun­gen wie „Die Nord­see kommt – Das Welt­na­tur­er­be Wat­ten­meer zu Gast in Bochum“, das „Kuh­hir­ten­fest“, das Uni­fest, meh­re­re Floh­märk­te, ein Fisch­markt, sowie diver­se „Events“ in und um die inner­städ­ti­schen Ein­kaufs­zen­tren. Wer kei­nen Schre­ber­gar­ten hat, kann eigent­lich jedes Wochen­en­de irgend­wo hin­ge­hen, bevor dann im Novem­ber end­lich der Weih­nachts­markt eröff­net. Und das alles gibt es in jeder Nach­bar­stadt hier im Ruhr­ge­biet selbst­ver­ständ­lich noch ein­mal.

Ver­ant­wort­lich sind natür­lich vie­le unter­schied­li­che Ver­an­stal­ter. Oft ist das Stadt­mar­ke­ting dabei, aber nicht immer. Es gibt vie­le unter­schied­li­che Ziel­grup­pen und für sich genom­men mag jede Ver­an­stal­tung ihre Berech­ti­gung und ihren Charme haben. In der Sum­me gleicht es einer Fünf­jäh­ri­gen, die sich Mut­tis Schmuck umge­han­gen hat (und zwar den gan­zen) und deren Gesicht unter einer zen­ti­me­ter­di­cken Schmink­schicht ver­schwun­den ist. 1

Was uns zum vor­läu­fi­gen Tief­punkt bringt, der erreicht war, als „City Point“ und „Dreh­schei­be“ (die zuvor erwähn­ten inner­städ­ti­schen Ein­kaufs­zen­tren) kürz­lich die „Living Doll 2011“ zu küren such­ten. Da stan­den vor den ein­zel­nen Geschäf­ten Men­schen, die Pro­duk­te aus den jewei­li­gen Läden tru­gen und sich nicht bewe­gen durf­ten. Dazwi­schen stan­den ande­re Men­schen, 2 die Karao­ke san­gen. „Nur ein Wort“ von Wir Sind Hel­den, zum Bei­spiel. Alles, aber auch wirk­lich alles muss schief gegan­gen sein, damit so etwas pas­siert.

Nun ist es natür­lich nicht so, dass ech­te Metro­po­len völ­lig auf sol­cher­lei Ver­an­stal­tun­gen ver­zich­ten wür­den. In New York ist an jedem Wochen­en­de ver­mut­lich mehr los, als in ganz NRW in einem hal­ben Jahr. Aber die Stadt ist natür­lich bedeu­tend grö­ßer, so dass nicht stän­dig die glei­chen Stra­ßen gesperrt wer­den müs­sen, und außer­dem gibt es dort Tou­ris­ten.

Ande­rer­seits hat der Ver­an­stal­tungs­wahn zumin­dest in Bochum den (poli­tisch sicher so gewoll­ten) Vor­teil, dass man sich an den Wochen­en­den eher für das oft unan­sehn­li­che Gan­ze schämt, anstatt stän­dig für die eige­ne Stadt­spit­ze. Immer­hin hat­te es unse­re Ober­bür­ger­meis­te­rin für nötig gehal­ten, sich nach einer durch­aus hit­zi­gen öffent­li­chen Debat­te dar­über, ob Josef Acker­mann im Bochu­mer Schau­spiel­haus reden soll (of all places), bei Herrn Dr. Acker­mann per­sön­lich „für die unwür­di­ge Dis­kus­si­on“ zu ent­schul­di­gen. 3

Jetzt aber ab heu­te und bis Sonn­tag „Bochu­mer Musik­som­mer“ und die nächs­te ganz gro­ße Pein­lich­keit: Am Sonn­tag wird das Pro­gramm auf allen Büh­nen von 14.46 Uhr bis 15.03 Uhr unter­bro­chen. War­um so krumm? Nun, in die­ser Zeit läu­ten in der gan­zen Stadt die Glo­cken zum Geden­ken an die Opfer der Anschlä­ge vom 11. Sep­tem­ber. 4 17 Minu­ten Betrof­fen­heit bei Brat­wurst und Ape­rol Spritz, dann geht’s wei­ter mit Musik.

  1. Außer­dem kann die klei­ne nicht rich­tig gehen, weil sie in über­gro­ßen Pumps steckt.[]
  2. Oder waren es die glei­chen? Ich hat­te mich abwen­den müs­sen.[]
  3. Nicht etwa für die Art der Dis­kus­si­on, die natür­lich als „weit­ge­hend unsach­li­che Kri­tik, aber auch die über­zo­ge­ne Bericht­erstat­tung in Tei­len der Lokal­pres­se“ gegei­ßelt wur­de, son­dern gleich für die gan­ze ver­damm­te Dis­kus­si­on an sich! Wer schreibt die­ser Frau ihre Brie­fe und Pres­se­er­klä­run­gen?![]
  4. War­um man dafür den Zeit­raum zwi­schen dem Ein­schlag des ers­ten und des zwei­ten Flug­zeugs ins World Trade Cen­ter gewählt hat, die Abstür­ze ins Pen­ta­gon und in Shanks­ville und den Ein­sturz der Tür­me aber außen vor­lässt, weiß ver­mut­lich vor allem der Wind.[]
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Digital Gesellschaft

Lesen Sie diese peinliche Einladungskarte im Original

Ich schrei­be jetzt seit ziem­lich genau 12 Jah­ren ins Inter­net: Erst über Kino­fil­me, dann über Musik, dann über alles mög­li­che und das Ver­sa­gen von Jour­na­lis­ten. Mit der Zeit habe ich mir ange­wöhnt, schon im Moment des Erle­bens im Kopf Blog­ein­trä­ge zu For­mu­lie­ren. Das ist sehr läs­tig, weil ich Rock­kon­zer­te zum Bei­spiel nicht mehr als schö­ne Ereig­nis­se wahr­neh­me, son­dern haupt­säch­lich als Vor­la­gen für Tex­te, die in den aller­meis­ten Fäl­len dann doch nie geschrie­ben wer­den.

Face­book hat alles noch schlim­mer gemacht, denn plötz­lich ist – um es mit Hei­ner Mül­ler zu sagen – alles Mate­ri­al: Das leid­lich lus­ti­ge Erleb­nis im Super­markt, der mit­ge­hör­te Dia­log in der Stra­ßen­bahn oder die Fest­stel­lung, dass ich seit eini­gen Mona­ten offen­bar zu doof bin, mir die Schnür­sen­kel so zuzu­bin­den, dass sie nicht unter­wegs auf­ge­hen. Alles kann ich schnell ins Smart­phone tip­pen oder mir bis zuhau­se mer­ken und es dann in die Halb­öf­fent­lich­keit von Face­book kübeln. Und dann ist es ja offi­zi­ell mit­ge­teilt, wes­we­gen ich die Epi­so­den nicht mehr behal­ten muss, um sie in fröh­li­cher Run­de Freun­den oder Ver­wand­ten zu berich­ten. Ich habe gespro­chen, wie der Indi­an­der sagt, und obwohl das Inter­net ja an sich nicht ver­gisst, sind die gan­zen mehr oder weni­ger unter­halt­sa­men Erleb­nis­se, die gan­zen mehr oder weni­ger geist­rei­chen Gedan­ken anschlie­ßend eini­ger­ma­ßen weg und für Tage­buch, etwa­ige Enkel und geplan­te Roma­ne und Dreh­bü­cher irgend­wie nicht mehr ver­füg­bar. Dar­un­ter lei­det auch die­ses Blog.

Blöd ist aber auch die Sche­re im Kopf, die irgend­wann unwei­ger­lich auf­taucht, sobald man begrif­fen hat, dass das, was man da ins Inter­net schreibt, auch von irgend­je­man­dem gele­sen wird. Es ist einer­seits schön, von wild­frem­den Men­schen im öffent­li­chen Raum ange­spro­chen zu wer­den, weil ihnen das eige­ne Blog gefällt (und man selbst so unvor­sich­tig war, die eige­ne Fres­se auch dann und wann in eine Video­ka­me­ra zu hal­ten und somit gesichts­be­kannt ist), aber es ist ande­rer­seits auch ein biss­chen beun­ru­hi­gend, wenn Leu­te, deren Namen man nicht kennt (auch, weil man in dem Moment, da sie ihn genannt haben, wie­der unauf­merk­sam war), einem erzäh­len, wie schön sie die­sen oder jenen Text jetzt gefun­den hät­ten.

Schlim­mer ist nur noch das pri­va­te Umfeld. Ich war in den ver­gan­ge­nen Mona­ten auf meh­re­ren Hoch­zei­ten ein­ge­la­den. Meh­re­re Arti­kel über das Zusam­men­sein von Mann und Frau, über die offen­sicht­li­che Unmög­lich­keit von unpein­li­chen Ein­la­dungs­kar­ten, über die Ein­rich­tung von Woh­nun­gen und über die Mensch­heit im All­ge­mei­nen schwir­ren seit­dem aus­zugs­wei­se durch mein Ober­stüb­chen und har­ren ihrer Nie­der­schrift – doch ich traue mich nicht. Schrie­be ich iden­ti­fi­zier­bar (und für weni­ge Men­schen iden­ti­fi­zier­bar wäre ja schon schlimm genug), wären die Gast­ge­ber aus guten Grün­den belei­digt: „Erst frisst er sich auf unse­re Kos­ten durch den Abend und dann gei­ßelt er unse­re Ein­la­dungs­kar­te.“ Schrie­be ich sehr all­ge­mein, wären womög­lich hin­ter­her die fal­schen Men­schen ange­fres­sen: „Erst frisst er sich auf unse­re Kos­ten durch den Abend und dann gei­ßelt er unse­re Ein­la­dungs­kar­te, von der er vor­her noch gesagt hat, er fän­de sie über­ra­schend unpein­lich.“ Die Arti­kel wer­den also wei­ter auf sich war­ten las­sen.

Über­haupt ist das ja ein inter­es­san­tes Phä­no­men, das frü­her allen­falls Men­schen betraf, die Autoren oder Musi­kan­ten in ihrem Bekann­ten­kreis hat­ten: Alles, was wir heu­te sagen, tun oder nicht tun, könn­te schon mor­gen in irgend­ei­nem Blog­ein­trag oder wenigs­tens in irgend­ei­nem Face­book-Post auf­tau­chen und min­des­tens die 200 engs­ten Freun­de wüss­ten, wer gemeint ist. Dro­gen wer­den seit Erfin­dung von Han­dy­ka­me­ras daher sowie­so von nie­man­dem mehr kon­su­miert und Sex fin­det aus­schließ­lich im Dun­keln statt (das ist auch bes­ser fürs Selbst­be­wusst­sein, steht in jeder zwei­ten Frau­en­zeit­schrift).

Doch wie kam ich drauf? Rich­tig: Ich hat­te heu­te ein leid­lich lus­ti­ges Erleb­nis in der S‑Bahn, das ich im Face­book irgend­wie nicht rich­tig hät­te aus­brei­ten kön­nen (im Twit­ter hät­te ich mit dem Bericht nicht mal begin­nen kön­nen, weil ich es für nach­ge­ra­de unmög­lich hal­te, mei­ne Gedan­ken in 140 Zei­chen zu packen – sonst wäre ich schließ­lich Pro­fi­fuß­bal­ler gewor­den).

Ich stieg also in die S‑Bahn ein und da saß eine schwer blut­ver­schmier­te Per­son.
„Herr Ober, da sitzt eine schwer blut­ver­schmier­te Per­son“, hät­te ich also ins Face­book geschrie­ben, nur um dann zu ergän­zen, dass die Per­son aber offen­bar etwas mit Rol­len­spie­len oder ähn­li­chem zu tun hat­te, jeden­falls sehr ordent­lich geschminkt war. Even­tu­ell hät­te ich noch die Fra­ge an mich selbst hin­zu­ge­fügt, war­um ich in der S‑Bahn eigent­lich nach dem Ober rufe, das ist ja schließ­lich kein Restau­rant.

Im Nach­hin­ein betrach­tet wäre die­se Geschich­te viel­leicht sogar für Twit­ter zu sinn­los gewe­sen.

Des­we­gen schnell noch eine ande­re Geschich­te, die ich auch nicht bei Face­book gepos­tet habe: Ges­tern in der Buch­hand­lung, ein Tisch „Lesen Sie die­se Best­sel­ler im Ori­gi­nal“. Dar­auf: Die „Millennium“-Trilogie von Stieg Lars­son auf Spa­nisch.

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Offline-Dating

Das war ja zu Erwar­ten gewe­sen: Kaum hat Herr Nig­ge­mei­er frei, kommt ein Super-Sym­bol­bild daher.

Dann muss ich eben:

Zum Traumprinz via Internet: Auch immer mehr Frauen gehen im Netz auf Partnersuche - die anfängliche Geschlechter-Asymmetrie beim Online-Dating ist mittlerweile fast aufgehoben. (© dpa)
Mit die­sem dpa-Foto bebil­dert sueddeutsche.de einen Arti­kel über Online-Dating. Einem Foto, auf dem eine Frau gedan­ken­ver­sun­ken auf das Foto eines Man­nes schaut, das ihren Desk­top ziert (gut zu erken­nen an den dar­über lie­gen­den Pro­gramm­sym­bo­len unten rechts).

Wenn es danach gin­ge, wür­de ich Online-Dating mit Get­ter Jaa­ni betrei­ben.

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Kostenfreiheit: 17,98 Euro

Ich hal­te offe­ne Brie­fe für weit­ge­hend albern. Aber mein Blut­druck war zu hoch, um die E‑Mail-Adres­se von Chris­ti­an Nien­haus zu erra­ten. Dann eben so:

Sehr geehr­ter Herr Nien­haus,

ich hät­te gern das Inter­view gele­sen, dass Sie der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ in Ihrer Eigen­schaft als Geschäfts­füh­rer der WAZ-Medi­en­grup­pe („Harz Kurier“, „Die Aktu­el­le“, „Echo der Frau“, „Der Wes­ten“) gege­ben haben. Ger­ne hät­te ich mich wei­ter über die dün­ne Argu­men­ta­ti­ons­ket­te der Ver­le­ger infor­miert, die gegen die soge­nann­te iPho­ne-App der „Tages­schau“ (ein Pro­gramm, das die Inhal­te von tagesschau.de für moder­ne Mobil­te­le­fo­ne auf­be­rei­tet) kla­gen. Doch es ging nicht.

Hän­gen geblie­ben (bzw. in die Luft gegan­gen) bin ich schon bei Ihrer ers­ten Ant­wort, genau­er bei einem kur­zen Satz:

Wir hal­ten zudem die Kos­ten­frei­heit der Apps für nicht kor­rekt.

Herr Nien­haus, ich weiß nicht, wie das bei Ihnen zuhau­se aus­sieht, aber ich habe für die Inhal­te der „Tages­schau“, ja: für alle Inhal­te der öffent­lich-recht­li­chen Sen­de­an­stal­ten, bereits bezahlt. 17,98 Euro jeden Monat, das ist mehr, als ich in mei­nem Leben für die lang­wei­li­gen Lokal­zei­tun­gen Ihres Ver­lags aus­ge­ge­ben habe. Des­we­gen fin­de ich es auch uner­träg­lich, dass die öffent­lich-recht­li­chen Anstal­ten die Inhal­te, die ich (mit-)bezahlt habe, wie­der aus dem Inter­net ent­fer­nen müs­sen, weil die Zei­tungs­ver­le­ger und Pri­vat­sen­der (was teil­wei­se aufs Sel­be raus­kommt) das so woll­ten.

Ich hät­te ger­ne die Empö­rung in Ihrer Rei­hen gese­hen, wenn die „Tagesschau“-App Geld kos­ten wür­de. Dann, da bin ich mir sicher, wür­den Sie sich näm­lich mei­ner Argu­men­ta­ti­on anschlie­ßen, dass die Inhal­te von den Zuschau­ern bereits bezahlt wor­den sind.

Ihr Inter­es­sen­ver­band eiert seit Jah­ren ziel­los umher und belei­digt jeden den­ken­den Men­schen mit sei­nem uner­träg­li­chen Gejam­mer. Sie haben den Wan­del vom Print- zum Inter­net­zeit­al­ter ver­pennt, jetzt sind Sie dabei, den Wan­del zum App-Zeit­al­ter eben­falls zu ver­pen­nen. Das allein ist tra­gisch genug. Tun Sie sich einen Gefal­len und erwä­gen Sie weni­ger durch­sich­ti­ge Argu­men­te!

Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Lukas Hein­ser

Ste­fan Nig­ge­mei­er hat sei­nen Blut­druck schnel­ler unter Kon­trol­le gekriegt und zer­legt Nien­haus‘ wei­te­re „Argu­men­te“ bei sich im Blog.

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Musik

Hallo Endorphin

Als ich auf dem Hald­ern-Pop-Fes­ti­val stand, dach­te ich so vor mich hin, dass ich im Moment kaum Inter­es­se an melan­cho­li­scher Musik habe und lie­ber den gan­zen Tag Andrew W.K. höre, und dass mich selbst die groß­ar­tigs­ten Kon­zer­te und Plat­ten nicht mehr so packen wie noch vor Jah­ren. (Immer­hin habe ich in die­sem Jahr ver­stan­den, dass nie­mals ein Fes­ti­val oder Kon­zert für mich so eine Bedeu­tung haben wird wie das Hald­ern 2001, weil nie­mals mehr eine Band so eine Bedeu­tung haben wird wie Tra­vis für den 17-jäh­ri­gen Lukas.)

Dann hör­te ich auf WDR2 (einem Sen­der, den ich Tag für Tag demü­tig ertra­ge, weil er mich alle paar Wochen bis Mona­te mit einem gran­dio­sen Song über­rascht, den ich bis dahin gar nicht auf dem Schirm hat­te) einen Song, den ich zunächst für einen Oldie hielt. Es han­del­te sich aber, so erfuhr ich als­bald, um die recht aktu­el­le Sin­gle eines Man­nes namens Jona­than Jere­mi­ah:

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Ich habe kei­ne Ahnung, was ande­re Medi­en über Jona­than Jere­mi­ah schrei­ben und wie bekannt er inzwi­schen ist – und es inter­es­siert mich auch nicht. Ich habe bei iTu­nes kurz in sein Debüt­al­bum „A Soli­ta­ry Man“ her­ein­ge­hört und es dann gekauft. Seit­dem läuft es nahe­zu unun­ter­bro­chen und lässt mein Leben wir­ken wie eine sehr luf­ti­ge roman­ti­sche Komö­die.

Der Klang die­ses Albums ist phan­tas­tisch. Es klingt, als habe man aus Samples von 60er- und 70er-Jah­re-Plat­ten ein neu­es Album zusam­men­ge­baut. Vom Sound des Schlag­zeugs über das Flü­gel­horn bis hin zu den Strei­chern ist es der Ori­gi­nal­klang von Burt Bacha­rach und Bill Withers. Alles passt so gut zusam­men und klingt so authen­tisch, dass ich mich stän­dig fra­ge, ob das nicht zu per­fekt ist, zu kal­ku­liert.

Doch nichts an die­sem Album wirkt kal­ku­liert. Es hat den war­men Sound eines sehr son­ni­gen Herbst­nach­mit­tags (die tief­stehen­de Son­ne auf dem Album­co­ver mag da in die Rezep­ti­on mit rein­spie­len) und die Stim­me von Jona­than Jere­mi­ah klingt sehr lie­bens­wür­dig und ver­traut, wenn er über ver­lo­re­ne Lie­be, Ein­sam­keit und das Zuhau­se („whe­re my peo­p­le live“) singt. Das Album ist 37 Minu­ten kurz und ich bin jedes mal erstaunt, wenn es schon wie­der durch­ge­lau­fen ist – obwohl ich die gan­zen 37 Minu­ten mit Gän­se­haut und völ­li­ger Ver­zü­ckung zuge­hört habe.

Ich möch­te mich mit Super­la­ti­ven zurück­hal­ten – zum einen, weil ich immer noch ein biss­chen Angst habe, in ein paar Jah­ren die­sen Blog­ein­trag wie­der­zu­fin­den und mich in Grund und Boden zu schä­men (aber die­se Angst lässt minüt­lich nach), zum ande­ren, weil ich in den letz­ten Mona­ten und Jah­ren ja durch­aus vie­le tol­le Alben gehört habe, die mich durch­aus berührt haben (das groß­ar­ti­ge neue Bon-Iver-Album ist hier im Blog sträf­li­cher­wei­se immer noch uner­wähnt, aber das wur­de ja sowie­so über­all abge­fei­ert). Aber „A Soli­ta­ry Man“ ist schon ein sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr tol­les Album.

Bit­te kau­fen Sie sich das und schen­ken Sie es allen Men­schen, die Sie gern haben!

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Gesellschaft

Wanted dead or alive

Wal­ter Krä­mer, Vor­sit­zen­der des schreck­li­chen „Ver­eins Deut­sche Spra­che“, durf­te sich in der Ruhr­ge­biets­aus­ga­be von „Bild“ mal wie­der über „Sprach­pan­scher“ und „Deng­lisch“ auf­re­gen.

Der Dort­mun­der Sta­tis­tik-Pro­fes­sor, den Bild.de irri­tie­ren­der­wei­se als „Sprach-Pro­fes­sor“ bezeich­net, erklärt in dem Inter­view:

„Inzwi­schen machen 33 000 Leu­te in unse­rem Ver­ein mit. Dar­un­ter rund 100 bekann­te Per­sön­lich­kei­ten wie Hape Ker­ke­ling, Jür­gen von der Lip­pe, Rein­hard Mey oder die kürz­lich ver­stor­be­nen Otto von Habs­burg und Gun­ter Sachs.“

Dass beim „Ver­ein Deut­sche Spra­che“ auch Tote mit­ma­chen dür­fen, erklärt natür­lich vie­les.

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Musik

Wenn es passiert

Ja, das mit den Pod­casts hat nicht geklappt. Das Mikro­fon lief nur am HTC-Smart­phone, aber da funk­tio­nier­te die zuge­hö­ri­ge App plötz­lich nicht mehr. Das tat sie zwar auf dem iPod touch, aber der wei­ger­te sich, das Mikro anzu­er­ken­nen. Die Zukunft liegt im CB-Funk, sag ich Ihnen. Egal …

Jeden­falls hab ich jetzt von jedem Act, den ich gese­hen hab, ein ein­mi­nü­ti­ges Video gedreht, das Sie hier zu sehen bekom­men.

Fes­ti­vals sind wie „Lethal Weapon“-Filme: Das Per­so­nal ist weit­ge­hend gleich, die ein­zel­nen Ver­satz­stü­cke sind bekannt und alle paar Minu­ten sagt jemand, er sei zu alt für die­sen Scheiß. Es flie­gen nur weni­ger Din­ge in die Luft und es wer­den weni­ger Leu­te von Surf­bret­tern ent­haup­tet.

Die wich­tigs­te Nach­richt noch zu Beginn: Das Tra­gen von Jeans­hem­den ist in Deutsch­land offen­bar wie­der straf­frei mög­lich. Ver­mut­lich hat die Bun­des­re­gie­rung ver­schla­fen, das ent­spre­chen­de Gesetz zu ver­län­gern und jetzt haben wir alle den Salat. Schön ist das nicht!

Und nun: Musik!

Yuck

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In Hald­ern steht ein Spie­gel­zelt und ich has­se es – wenn ich nicht rein­kom­me. Vor des­sen Ein­lass hat sich eine meh­re­re hun­dert Meter lan­ge Schlan­ge gebil­det, in denen die Men­schen fried­lich und in Zwei­er­rei­hen dar­auf war­ten, noch hin­ein­ge­las­sen zu wer­den. Eini­ger­ma­ßen ver­geb­lich, wie ihnen selbst klar sein muss. Aber die Kon­zer­te von drin­nen wer­den nach drau­ßen in den Bier­gar­ten über­tra­gen und so kön­nen wir alle Yuck aus Lon­don sehen und hören, die neue Shoe­ga­ze-Sen­sa­ti­on. Der ange­nehm schram­me­li­ge Sound ihres selbst­be­ti­tel­ten Debüt­al­bums kommt auch live schön rüber und das Jeans­hemd darf der Sän­ger (der in jedem Bob-Dylan-Bio­pic die Ide­al­be­set­zung wäre) ja wie­der tra­gen.

Julia Mar­cell

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Mit ihrer durch­sich­ti­gen Blu­se bringt Julia Mar­cell ein biss­chen ESC-Atmo­sphä­re aufs Hald­ern. Viel­leicht ist es aber auch nur ein Regen­cape, sowas tra­gen hier drau­ßen grad alle. Musi­ka­lisch wäre das stel­len­wei­se auch beim Songcon­test denk­bar, aber mit die­sen Björk-Anlei­hen käme Polen ver­mut­lich nicht ins Fina­le. Julia Mar­cells neu­es Album erscheint auf Hald­ern Pop Recor­dings, das Pro­gramm­heft spricht von „Opu­lenz“, was es wohl ganz gut trifft.

The Avett Brot­hers

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Das könn­ten vom Publi­kums­zu­spruch her die nächs­ten Mum­ford & Sons wer­den – nur, dass die Avett Brot­hers schon viel län­ger dabei sind und (zumin­dest zum Teil) wirk­lich Brü­der sind. Bei den dies­jäh­ri­gen Gram­mys haben sie gemein­sam mit Mum­ford & Sons und Bob Dylan per­formt und damit ist ja wohl alles gesagt. Ihr fol­ki­ger Rock mit Blue­grass- und Punk­ein­flüs­sen kommt super an, die Men­schen tan­zen auch drau­ßen im Nie­sel­re­gen, nur der Sound ist lei­der sehr schlecht.

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Musik Digital

Haldern-Podcasts

Zwei­tes August­wo­chen­en­de, schlech­tes Wet­ter – die Zeit ist reif fürs Hald­ern Pop Fes­ti­val!

Ich mach mich gleich auf den Weg zu mei­nem 12. Hald­ern machen und freue mich schon sehr auf The Low Anthem, The Wom­bats, James Bla­ke, Fleet Foxes, Yuck, Ale­xi Mur­doch und vie­le ande­re.

Hier im Blog wer­den wir etwas ganz Neu­es aus­pro­bie­ren, von dem ich selbst am Meis­ten über­rascht wäre, wenn es funk­tio­nier­te: Jeden Abend, nach­dem die (meis­ten) Kon­zer­te vor­bei sind, wer­den wir einen klei­nen Pod­cast auf­neh­men und anschlie­ßend direkt hier ver­öf­fent­li­chen. (Das Kon­zept ist natür­lich abge­schaut von der SXSW-Bericht­erstat­tung von „All Songs Con­side­red“.)

Mit etwas Glück, viel Mond­licht und ein paar Hüh­ner­kno­chen soll­ten Sie hier im Blog in den nächs­ten drei Tagen also drei Pod­casts fin­den. Wenn nicht, stel­len sie sich bit­te ein­fach vor, wie ich in mei­nem Zelt sit­ze und Hard- und Soft­ware viel­far­big ver­flu­che.

Nach­trag, 14. August: Ja, gut, äääh …