Michael Wendler will umziehen – raus aus der durchs „perfekte Promidinner“ berühmt gewordenen weißen Villa in Oberlohberg.
Das erklärte der König des Popschlagers und bekannteste Dinslakener der „Rheinischen Post“:
Ein neues Domizil braucht er, weil „die Wendler-Villa in Hiesfeld zur Pilgerstätte geworden ist“. Nachts führen Fans vor, hupten und riefen: „Wendler – komm raus!“ Nicht dass ihn das störte, sturmerprobt durch Festzelte und Mallorca, aber er will Adeline schützen, seine siebenjährige Tochter. Die Nachbarn auch.
Und die schützt er vermutlich am Besten, indem er in der Zeitung verkündet, einen stadtbekannten Reiterhof („das 2003 abgebrannte Gestüt an der Franzosenstraße“) aufkaufen und sich während der Renovierungsarbeiten vom Kamerateam einer Sat.1‑Dokusoap filmen lassen zu wollen …
Bei den Protesten, die derzeit im Iran stattfinden, spielt Twitter eine wichtige Rolle: Demonstranten können sich darüber koordinieren und Botschaften ins Ausland absetzen. Um diesen Kommunikationsweg aufrecht zu erhalten, hat Twitter am Montag kurzfristig seit langem für gestern geplante Wartungsarbeiten auf einen Zeitpunkt verschoben, als im Iran eh gerade Nacht war.
Gestern verbreitete Reuters die Nachricht, das US-Außenministerium habe Twitter gedrängt, die Wartungsarbeiten zu verschieben:
The U.S. State Department said on Tuesday it had contacted the social networking service Twitter to urge it to delay a planned upgrade that would have cut daytime service to Iranians who are disputing their election.
Twitter widersprach dieser Darstellung schon kurz darauf im eigenen Blog:
However, it’s important to note that the State Department does not have access to our decision making process. Nevertheless, we can both agree that the open exchange of information is a positive force in the world.
Das war heute Nacht um 00:21 Uhr deutscher Zeit.
Um 03:15 Uhr tickerte afp:
Twitter: Wartungsarbeiten nicht wegen US-Regierung verschoben
Der Kurznachrichtendienst Twitter pocht auf seine Unabhängigkeit: Die Verschiebung von Wartungsarbeiten inmitten der dramatischen Ereignisse im Iran sei nicht auf Bitten der US-Regierung erfolgt, teilte Twitter-Mitbegründer Biz Stone am Dienstag mit.
Nun weiß man natürlich nicht, ob Twitter da die Wahrheit sagt. Aber die bisherigen Fakten lauten: Das Außenministerium spricht von Kontakten, Twitter erklärt, die Entscheidung selbst getroffen zu haben.
Bei Associated Press hatte man von all dem offenbar nichts mitbekommen und so war aus der „Bitte“ des Außenministeriums heute morgen um 08:36 Uhr das hier geworden:
Twitter-Wartung auf Wunsch des US-Außenministeriums verschoben
Um 11:04 ging eine weitere AP-Meldung über die Ticker, in der unter anderem stand:
Wie in Washington verlautete, intervenierte deshalb das US-Außenministerium und bat die Betreiber, die Wartung auf eine Zeit zu verschieben, wenn es im Iran Nacht ist. Twitter folgte diesem Wunsch.
Während viele Medien immerhin offen ließen, ob Twitter dem Wunsch der US-Regierung „gefolgt“ sei, und „Focus Online“ explizit auf Twitters Gegendarstellung verwies, waren Medien, die sich auf AP verließen, aufgeschmissen:
Wie in Washington verlautete, intervenierte deshalb das US-Außenministerium und bat die Betreiber, die Wartung auf eine Zeit zu verschieben, wenn es im Iran Nacht ist. Twitter folgte diesem Wunsch.
Angesichts der Bedeutung der Onlinemedien für die Information der Weltöffentlichkeit über die Ereignisse im Iran intervenierte das US-Außenministeriums beim Kurznachrichtendienst Twitter. Dieser verschob auf Wunsch des Außenministeriums geplante Wartungsarbeiten, wie mehrere Gewährsleute am Dienstag in Washington berichteten.
Eine ganz eigene Herangehensweise fand Bild.de, wo statt Mitarbeitern des Außenministeriums gleich jemand ganz anderes mit Twitter gesprochen haben soll:
Auch der Einsatz von US-Präsident Barack Obama dürfte bei der iranischen Regierung für Missmut gesorgt haben. Obama hatte Twitter gebeten, die angesetzten Wartungsarbeiten auszusetzen, um die Kommunikation im Iran irgendwie aufrecht zu erhalten.
Ich habe kurz überlegt, ob ich all das, was ich gestern zum Thema Bildungsstreik, Demonstrationen und Besetzungsaktionen aufgeschrieben habe, heute noch mal zu den Programmpunkten „Zensursula“, „Unwählbarkeit“ und „Mit Euch reden wir jetzt gar nicht mehr“ aufschreiben soll.
Aber erstens finde ich langsam auch, dass ich mich ständig selbstwiederhole, und zweitens sagt ein Bild Screenshot ja immer noch mehr als tausend Worte:
Die Logik dahinter ist beeindruckend: „Ihr habt unsere Argumente nicht hören wollen, weswegen wir sie jetzt vor Euch verstecken – gut, wir können nicht überprüfen, ob das überhaupt klappt, aber wenigstens haben wir Euch noch eine pubertäre Trotzreaktion mit auf den Weg gegeben.“
Und bevor das jetzt wieder allgemein dieser „Internet-Community“ in die Schuhe geschoben wird: Ich fühle mich von solchen Aktionen ziemlich exakt so gut repräsentiert wie von einem durchschnittlichen Abgeordneten von CDU/CSU und SPD. Nämlich gar nicht.
Um das Verhältnis der Ruhr-Uni Bochum zu Studentenprotesten zu verstehen, muss man wissen, dass es in Bochum eher die Ausnahme ist, wenn gerade mal nicht irgendwo wofür oder wogegen demonstriert wird. Als vor drei Jahren das damals leerstehende Querforum West (erst Übergangsmensa für die Zeit des Mensaumbaus, heute Tutorienzentrum und für diese Funktion denkbar ungeeignet) besetzt wurde, belauerten sich Uni-Verwaltung und Besetzer etwa acht Monate lang, bis das Gebäude dann doch von der Polizei geräumt wurde.
Studentenvertretung und Protestkomitee – ein Wort, bei dem ich im Geiste immer „Kölner Karneval“ ergänzen will – schaffen es grundsätzlich nicht, der riesigen Mehrheit der Studentenschaft ihre Anliegen zu erklären. Auf den spärlich besuchten Vollversammlungen springen die Redner oft binnen weniger Sätze von der Kritik am Bildungssystem zur Abschaffung des Kapitalismus und dem Krieg in Afghanistan. Während an anderen Unis die Professoren und Dozenten ihre Studenten zur Teilnahme am Bildungsstreik ermutigen, haben in Bochum selbst die engagiertesten Professoren keine Lust mehr, sich mit Protesten auseinanderzusetzen, und fragen, ob es nicht geeignetere Methoden gäbe, die durchaus berechtigte Kritik an der desaströsen Bildungspolitik der schwarz-gelben Landesregierung zu artikulieren.
Heute Morgen dann wurde die Uni-Brücke belagert. Die Protestler flehten die heranströmenden Studenten fast schon an, sich doch ihre Argumente und Ziele anzuhören. Aber irgendwie war die Idee, die Leute über und unter Absperrungen klettern zu lassen, nicht geeignet, die gewünscht Botschaft zu vermitteln. Die Studenten waren genervt und machten Witze. Vor dem Zelt des Proteskomitees saßen Menschen, für deren Besetzung als Studentenvertreter in einem Fernsehfilm man den zuständigen Castingdirektor wegen Klischeelastigkeit entlassen hätte. Und als schließlich etwa achtzig Protestler die Hörsäle stürmten und „Solidarisieren, Mitmarschieren!“ skandierten, wusste ich plötzlich wieder ganz genau, warum mir das alles nicht gefällt: Ich mag einfach kein Gebrüll und kein Marschieren.
Vor drei Jahren war ich für CT das radio bei einer Demonstration gegen Studiengebühren in Düsseldorf und dieser Tag hat mein Verhältnis zu Protestaktionen nachhaltig gestört: Während am Straßenrand Passanten standen und sich angesichts der doch recht allgemein gehaltenen Transparente und Sprechchöre fragten, worum es eigentlich ginge, kam ein Teil der Menge auf die Idee, zur Melodie von „Einer geht noch, einer geht noch rein“ immer wieder „Ohne Bildung wer’n wir Polizist“ zu grölen, was ich auch rückblickend noch als empörenswerten Ausbruch von Arroganz und Menschenverachtung empfinde.
Kaum waren die Absperrungen entlang der Bannmeile um den Landtag erreicht, hielt es ein Teil der Demonstranten offenbar für geboten, diese als erstes zu Überspringen, was die Polizei zum Heranstürmen veranlasste. Ich floh derweil mit einem Redaktionsnachweis in der einen und meinem Jugendpresseausweis in der anderen Hand hinter die Polizeilinien und telefonierte aufgeregt in die Livesendung, während ein paar Meter weiter Chinaböller in Richtung von Kindern und alten Frauen flogen, die sich bizarrerweise im Park um den Landtag aufhielten.
Demonstranten schrien andere Demonstranten an, sie sollten doch mit dem Scheiß aufhören. Polizisten bellten in ihre Funkgeräte, was für Idioten denn wohl veranlasst hätten, die Menge auch noch mit Videokameras zu filmen – auf solche Provokationen könne man ja wohl verzichten. Eine andere Hundertschaft machte gerade Mittagspause in der Sonne. Ich dachte – und denke es gerade angesichts der Meldungen aus Teheran wieder -, dass es vielleicht im Großen und Ganzen doch nicht so übel ist, in Deutschland zu leben.
Wenn heutige Studenten jetzt von ’68 träumen, legen sie damit immerhin die für erfolgreiche Revolutionen benötigte Weltfremde an den Tag. Zwar neigt Geschichte dazu, in Abständen von etwa vierzig Jahren vergleichbare gesellschaftliche Spannungen zu durchlaufen, aber die Welt ist 2009 doch in fast jeder Hinsicht eine andere als 1968. Oder: Zumindest Deutschland ist ein anderes.
Auch wenn ich persönlich mit meinem Studium ziemlich zufrieden bin, weiß ich von genug Leuten, bei denen die Bachelor/Master-Studiengänge zu Desastern geführt haben. Ich glaube in der Tat, dass bildungspolitisch einiges, wenn nicht alles, im Argen liegt. Aber mich überzeugen diese Formen des Protests (zumindest die, dich ich bisher mitbekommen habe) nicht – ich halte sie viel eher für kontraproduktiv. Dass Demonstrationszüge ohne den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung allenfalls Mitleid erzeugen, kann man jeden Montagabend in der Bochumer Innenstadt besichtigen.
Fragen Sie mich nicht, wie ich das machen würde. Ich leiste mir nach wie vor die Naivität, an die Macht des Dialogs zu glauben und an den Sieg der Vernunft. Auch hunderte Landes- und Bundesregierungen werden mich nicht davon abbringen können – und mit dieser Weltfremde bin ich doch irgendwie wieder ganz bei den Protestlern.
Es war ein bisschen schwer in letzter Zeit: Klimawandel, Wirtschaftskrise und die Hochzeit von Boris Becker haben der Menschheit schwer zugesetzt.
Im Finale der amerikanischen Basketball-Liga NBA spielen LA Lakers und Orlando Magic gerade sieben Mal gegeneinander.
Was glauben Sie, wie viele Bildergalerien man damit füllen kann? Also: Mit den prominenten Zuschauern dieser Spiele? Wenn man „RP Online“ ist?
Da hätten wir zunächst mal eine allgemeine, 24-teilige Bildergalerie, deren Betextung zwischen vollendetem Wahnsinn und Selbstironie oszilliert:
Zac Efron (ich schreib mal „High School Musical“ in Klammern dazu, Sie scheinen meine Begeisterung für den Disney Channel ja nur bedingt zu teilen) war übrigens auch im Publikum. Und weil er dabei eine Wollmütze trug (das scheint tatsächlich der Aufhänger zu sein), kann man damit natürlich noch mal eine eigene neunteilige Bildergalerie befüllen:
Ach, und dann war Rihanna auch noch bei mehreren Spielen.
Um das besondere Verhältnis von „RP Online“ und Rihanna zu verstehen, muss man wissen, dass sich im Archiv etliche Bildergalerien zur jungen Sängerin (aus Barbados, Hit: „Umbrella“) befinden, deren Betextung eigentlich nur den Schluss zulässt – wir begeben uns hier ins schlammige Terrain der Spekulation -, dass bei „RP Online“ ein 15-jähriger Praktikant arbeitet, dessen ganzes Zimmer mit Rihanna-Postern tapeziert ist und der keinen Zugang zu kalten Duschen hat.
Heutzutage muss man sich ja immer wieder was neues einfallen lassen, um mit seiner Musik wahrgenommen zu werden. „Zahlt was ihr wollt“ ist seit Radiohead durch, aber „Ein Album für einen Dollar“ hatten wir soweit ich weiß noch nicht.
Fanfarlo sind eine schwedisch-englische Band, deren Debütalbum „Reservoir“ im Februar erschienen ist – und das man jetzt und bis zum 4. Juli für nur einen Dollar (umgerechnet 71 Eurocent, zahlbar per Paypal oder Kreditkarte) auf fanfarlo.com herunterladen kann.
Die Musik erinnert ein bisschen an Arcade Fire, Beirut, Sigur Rós und Stars und vier Bonustracks gibt’s noch dazu, so dass der einzelne Song noch 14,2 4,7 Eurocent kostet. Den Opener „I’m A Pilot“ kriegt man bei last.fm direkt geschenkt.
Ob sich das Ganze für die Band rechnet? Zumindest eine gewisse Aufmerksamkeit ist ihnen sicher. Und die nächste Tour ist bestimmt ausverkauft.
* * *
Ein ganzes Album verschenken Pale, die sich gerade aufgelöst haben. 17 Demos, Outtakes und Remixe haben sie zu ihrem Nachlass „Extras“ zusammengestellt, den man direkt auf der Bandhomepage herunterladen kann.
Ich muss gestehen, dass ich von Pale bisher nur ihr letztes Album „Brother. Sister. Bores!“ kannte (weil es vor drei Jahren beim Grand Hotel van Cleef erschienen ist), aber das muss ich dringend ändern. Neben jeder Menge feiner eigener Sachen beeindrucken auf „Extras“ vor allem zwei Coverversionen: „Gold“ (im Original von Spandau Balett, weswegen ich das Lied bei jeder Berlinreise beim Halt im Bahnhof Spandau anstimme) und das atemberaubende „Time Is Now“ (Moloko).
Während es Pale nicht mehr gibt, bleiben einem die Bandmitglieder natürlich erhalten: Schlagzeuger Stephan Kochs bloggt bei Randpop und sein Bruder und Sänger Holger Kochs hat unter anderem das sehr gelungene Artwork zum neuen Kilians-Album erstellt.
Er wird es auch bleiben, denn ich habe einen anderen Weg gefunden, mich mit der Nummer-Eins-Hymne alkoholisierter Menschen in Deutschland auseinanderzusetzen:
Es könnte doch noch was werden mit meiner Karriere als öffentlich-rechtlicher Polittalker. Diese Erkenntnis traf mich, als ich es nach einer Minute endlich geschafft hatte, Dieter Wiefelspütz zu unterbrechen.
Zwölf Minuten habe ich mich gestern mit dem innenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion über falsche Zitate, Internetsperren und Zensur unterhalten und das Wichtigste aus dem Gespräch steht im BILDblog.
Für mich hat sich einmal mehr bewahrheitet, dass einzelne Politiker im direkten Kontakt durchaus vernünftig und sympathisch wirken können und ihre Positionen gar nicht mehr so seltsam klingen, wenn sie mal Gelegenheit haben, diese ausführlich – und nicht auf zwei Sätze verknappt – zu vertreten. Wiefelspütz hat mir jedenfalls lang und breit dargelegt, dass er und seine Partei keinerlei Ambitionen hätten, Internetsperren einzuführen, die über die jetzt geplanten gegen Kinderpornographie hinausgingen.
Erste Priorität habe aber sowieso die Bekämpfung von Verbrechen selbst, Sperren dürften erst ganz am Schluss zum Zuge kommen. Und wer nicht gegen Gesetze verstoße, dürfe so lange extremistische Meinungen vertreten, wie er wolle – alles andere sei ja Zensur, sagte mir der Politiker deutlich.
Auch Begriffe wie „Server“ oder „Provider“ konnte er korrekt verwenden, was man bei Politikern ja leider immer noch hervorheben muss. Dass viele kinderpornographische Inhalte gar nicht auf chinesischen oder russischen Servern lagern wie mir Wiefelspütz erzählen wollte, sondern in Ländern, mit denen Deutschland beste Rechtshilfe-Beziehungen hat (darunter, äh: Deutschland), trübte das Bild etwas, aber als Erkenntnis blieb doch: Der Mann wirkt gar nicht wie ein wahnsinniger Fürst der Finsternis, sondern viel mehr wie einer, der sich Gedanken macht und sich ausdrücklich selbst als Teil der Internetgemeinde sieht.
Nach dem längeren Gespräch wollte ich Wiefelspütz nicht auch noch zum Thema Computerspiele befragen (es wäre auch nur noch persönliches Interesse gewesen). Womöglich hätten wir uns da böse in die Wolle gekriegt, vielleicht hätte ich aber auch ein Stück verstanden, was er eigentlich meint, wenn er sich mit Schlagworten wie „Gewalt ist jung und männlich“ zitieren lässt.
Ich würde übrigens dennoch ungern einen öffentlich-rechtlichen Polittalk moderieren wollen. Diese Sendungen, in denen sich Politiker erst anschreien, bevor sie anschließend gemeinsam ein Bier trinken gehen, schaden der Demokratie mehr als ein paar extravagante Meinungen in einer aufrichtigen Debatte. Besser wäre, wenn Politiker und Bürger einfach mal wieder ins Gespräch kämen.
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