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Totes Pferd gefunden

Mil­lio­nen von Men­schen lesen jeden Tag die „Bild“-Zeitung, dar­un­ter vie­le Medi­en­schaf­fen­de und Jour­na­lis­ten. Man­che lachen sich danach ins Fäust­chen und wer­fen die Zei­tung weg – und ande­re set­zen sich danach hin und schrei­ben los.

Ich hab mich dar­an gewöhnt, dass die „Rhei­ni­sche Post“ bzw. „RP Online“ seit eini­ger Zeit wie schwarz-gel­be (die Zei­tungs­far­ben, nicht die Poli­tik) Aus­ga­ben von „Bild“ und „bild.de“ wir­ken – es könn­te damit zusam­men­hän­gen, dass Chef­re­dak­teur Sven Gös­mann und Online-Chef Oli­ver Eckert von der Elbe an den Rhein gewech­selt waren. Zuletzt sah man am Sams­tag, wie das geht: „ARD-Wet­ter­fee ras­tet im TV aus!“ vs. „Vor lau­fen­der Kame­ra: Wet­ter­fee Clau­dia Klei­nert ras­tet aus“.

Dass aber aus­ge­rech­net die von mir hoch­ge­schätz­te (und abon­nier­te) „Süd­deut­sche Zei­tung“ auf ihrer Inter­net­sei­te auch „Bild“-Inhalte recy­celt, ist für mich – mil­de aus­ge­drückt – ein Schock.

Zur Erin­ne­rung: Letz­te Woche hat­te „Bild“ eine angeb­li­che Ex-Freun­din des TV-Komi­kers Oli­ver Pocher samt Fotos aus­ge­gra­ben und kurz dar­auf Pochers aktu­el­le Freun­din samt Fotos vor­ge­stellt. Das ist ja schon unin­ter­es­sant genug, aber sueddeutsche.de nutzt die­se Geschich­te als Auf­hän­ger für etwas, was wir „Desas­ter“ „Offen­ba­rungs­eid“ „Bil­der­stre­cke“ nen­nen wol­len.

Auf elf Ein­zel­sei­ten han­gelt sich die Autorin Michae­la Förs­ter von Pocher und den Damen über Ste­fan Raab, Harald Schmidt und Her­bert Feu­er­stein wie­der zu Pocher zurück und dann noch ein­mal zu Schmidt. Der Text ist banal und dient nur der Betex­t­ung von Fotos, die haupt­säch­lich Oli­ver Pocher zei­gen. Dabei schreckt sie auch vor der neu­es­ten Unsit­te des Online­jour­na­lis­mus nicht zurück und lässt den Text ger­ne auch mal mit­ten im …

… Satz umbre­chen. Das ist in sprach­li­cher und ästhe­ti­scher Hin­sicht min­des­tens unschön und führt neben­bei auch noch schnell zu miss­lun­ge­nen Bild­un­ter­zei­len:

… und diese Riege handhabt die Trennung von Beruf und Privatleben anders.

(Screen­shot: sueddeutsche.de)

Wenn das die „hoch­wer­ti­gen Por­ta­le und Nach­rich­ten im Inter­net“ sei­en sol­len, gegen die Blogs angeb­lich kei­ne Chan­ce haben, dann möch­te ich unter kei­nen Umstän­den min­der­wer­ti­ge Por­ta­le zu Gesicht bekom­men.

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Pferd 2.0

Bei Indis­kre­ti­on Ehren­sa­che und beim Han­dels­blatt selbst kann man seit eini­gen Wochen das schö­ne Essay „Web 0.0“ lesen, in dem Tho­mas Knü­wer anhand eini­ger Bei­spie­le auf­zählt, war­um Wirt­schaft und Poli­tik auf der einen und Inter­net auf der ande­ren Sei­te immer noch nicht unter einen Hut zu krie­gen sind.

Die Kern­aus­sa­ge lau­tet:

Nun ist klar: Die digi­ta­le Spal­tung ist da – doch sie ver­läuft quer durch die Gesell­schaf­ten der indus­tria­li­sier­ten Natio­nen.

Und ob man sich in Sachen Com­pu­ter­durch­su­chung nun kei­ne oder gleich rie­si­ge Sor­gen machen soll­te, kann jeder nach die­sem Zitat für sich selbst ent­schei­den:

Oder Jörg Zier­ke. Dem Chef des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes wur­de bei einem Fach­ge­spräch der Grü­nen zum The­ma Bür­ger­rech­te vom Dresd­ner Daten­schutz­pro­fes­sor Andre­as Pfitz­mann vor­ge­wor­fen: „Mit die­ser Unbe­fan­gen­heit über Infor­ma­tik reden kann nur jemand, der nicht mit Infor­ma­tik arbei­tet.“ Zier­kes ent­waff­nend nai­ve Ant­wort: „Ich sage auch nur, was mein Mit­ar­bei­ter auf­schreibt.“

War­um erzäh­le ich das? Zum einen ist der/​die/​das Essay recht lesens­wert, zum ande­ren mel­de­te die Net­zei­tung heu­te:

Deut­sche Medi­en­ma­na­ger zwei­feln an Web 2.0

Das passt schön zu Knü­wers Beob­ach­tun­gen:

Und Grün­der erhal­ten nur Geld, wenn sie ein Geschäfts­mo­dell aus den USA kopie­ren. Ori­gi­nä­re Ideen wer­den von Kapi­tal­ge­bern abge­lehnt mit eben­die­ser Begrün­dung: es gebe kein US-Vor­bild.

Im Net­zei­tungs-Arti­kel steht aber auch der Absatz:

In einem Punkt waren sich indes deut­sche und aus­län­di­sche Mana­ger in der Befra­gung einig: Blogs und nut­zer­ge­ne­rier­te Inhal­te wer­den eta­blier­te und hoch­wer­ti­ge Por­ta­le und Nach­rich­ten im Inter­net nicht ver­drän­gen.

Ich glau­be auch nicht, dass Blogs „Por­ta­le und Nach­rich­ten im Inter­net“ (was immer das genau sein soll) ver­drän­gen wer­den – wenn, dann machen die das schon selbst, z.B. durch fort­schrei­ten­de Bou­le­var­di­sie­rung und nach­las­sen­de Qua­li­tät.

Trotz­dem wür­de ich so einen Satz nie sagen. Mei­ne Angst wäre viel zu groß, eines Tages im „Lexi­kon der größ­ten Fehl­ein­schät­zun­gen“ oder wie sowas hei­ßen mag, abge­druckt zu wer­den. Gleich hin­ter den tot­zi­tier­ten Wor­ten von Wil­helm II.:

Ich glau­be an das Pferd. Das Auto­mo­bil ist eine vor­über­ge­hen­de Erschei­nung.

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Leben Unterwegs

Mein schönstes Urlaubsfoto

Ab Mitt­woch gibt es bei Aldi Nord eine preis­wer­te Digi­tal­ka­me­ra, mit der man beson­ders schö­ne Urlaubs­fo­tos schie­ßen kann. Zum Bei­spiel vom Ground Zero:

Urlaubsfotos am Ground Zero
(Screen­shot: aldi-essen.de)

Zum Ver­gleich: So sah es im letz­ten Novem­ber von der gegen­über­lie­gen­den Sei­te des Lochs aus.

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Leben Digital

Seid Netz zueinander!

Es gibt Sachen, für die fehlt mir irgend­wie der Zugang. So weiß ich zum Bei­spiel mit dem Gere­de von der „Blogo­sphä­re“ nicht all­zu­viel anzu­fan­gen – nur weil ein paar Hun­dert Men­schen mit der glei­chen Con­tent-Manage­ment-Soft­ware Tex­te ins Inter­net stel­len, macht sie das doch nicht auto­ma­tisch zu Gleich­ge­sinn­ten. Genau­so gut könn­ten sie sich ja auch „Gene­ra­ti­on Golf“ nen­nen oder so einen Blöd­sinn. Auch habe ich bis­her nicht ver­stan­den, war­um man sich mit Leu­ten, die man online ken­nen­ge­lernt hat, im Real Life tref­fen soll­te – das Inter­net wur­de doch erfun­den, damit jeder in sei­nem Elfen­bein­turm sit­zen blei­ben und trotz­dem mit Men­schen aus aller Welt kom­mu­ni­zie­ren (und sie im Zwei­fels­fall belei­di­gen) kann.

Trotz­dem (und obwohl par­al­lel „Dr. House“ im Fern­se­hen lief) war ich vor knapp zwei Wochen bei der ers­ten pl0gbar in Bochum. Das war wider erwar­ten ein sehr net­ter Abend und des­halb wird die­ser Spaß jetzt fort­ge­setzt.

Was ich auch nicht wuss­te ist, dass man hin­ter­her dar­über blog­gen muss soll­te. Klar, es kann ja außer den Dage­we­se­nen kei­ner wis­sen, dass man da war – der Blog-Ein­trag wird somit zur digi­ta­len Urlaubs­post­kar­te.

Wer also aus dem Groß­raum Bochum (wir nen­nen es „Ruhr­ge­biet“) kommt, irgend­wie online aktiv ist und sich viel­leicht dar­über hin­aus auch noch in der Lage sieht, mir die Angst vor Real-Life-Ver­samm­lun­gen zu neh­men, der ist am kom­men­den Diens­tag, 12. Juni 2007 ab 19:00 Uhr im Café Kon­kret herz­lich will­kom­men.

(Und jetzt kann ich noch die­sen Link hier set­zen, hat mein Betreu­er gesagt. Ich weiß nur nicht genau, was das ist.)

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Digital

Jesus, etc.

Oft genug sind es ja die sog. „eta­blier­ten Medi­en“, die die sog. „neu­en Medi­en“ mei­den wie der Teu­fel das Weih­was­ser. Wenn deren Ver­tre­ter dann doch mal über so etwas wie Blogs reden, kann es schnell pein­lich, und wenn sie Sinn und Funk­ti­ons­wei­se von Blogs nicht ver­ste­hen, auch mal ober­pein­lich wer­den.

Umso wich­ti­ger ist es in mei­nen Augen, auf Bei­spie­le hin­zu­wei­sen, bei denen ein „eta­blier­tes Medi­um“ auf gera­de­zu bei­spiel­haf­te Wei­se ein Blog ein­ge­setzt hat – und das bei einem The­ma, das auf den ers­ten Blick so gar nicht Web 9 3/​4 ist. Ich rede natür­lich vom Kir­chen­tag­blog von wdr.de. Dort haben die Online-Redak­teu­rin­nen Mari­on Kretz-Man­gold und Sabi­ne Ten­ta bereits Ende Mai zu blog­gen ange­fan­gen und wäh­rend des Evan­ge­li­schen Kir­chen­tags in Köln waren sie rich­tig aktiv.

Dabei haben die bei­den Damen das Blog genau für die Din­ge genutzt, für die in der „klas­si­schen“ Bericht­erstat­tung im Hör­funk oder Fern­se­hen kein Platz gewe­sen wäre: klei­ne Beob­ach­tun­gen am Ran­de, Berich­te über die Podi­ums­dis­kus­sio­nen (inkl. mil­dem Jür­gen-Flie­ge-Bas­hing) und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen. Wer nicht vor Ort sein konn­te, hat­te so zumin­dest die Mög­lich­keit, eine ordent­li­che Por­ti­on Kir­chen­tags­at­mo­sphä­re vom eige­nen Com­pu­ter aus genie­ßen zu kön­nen. Manch­mal ent­spon­nen sich in den Kom­men­ta­ren sogar klei­ne Dis­kus­sio­nen, aber lei­der nicht oft – so ganz pas­sen The­ma und Medi­um wohl immer noch nicht zusam­men.

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Gesellschaft Leben Politik

„Ich habe gelacht, als meine Regierung verspottet wurde“

Es gibt sicher vie­le Grün­de, poli­ti­sches Kaba­rett doof zu fin­den (und weil man bei sol­chen Sät­zen wenigs­tens einen Grund nen­nen soll­te, sag ich mal: „Schei­ben­wi­scher“). Es gibt aber auch poli­ti­sches Kaba­rett, dem ich mich frei­wil­lig aus­set­ze. Heu­te Abend habe ich mir z.B. zum vier­ten Mal Vol­ker Pis­pers ange­se­hen – zum drit­ten Mal mit sei­nem Best-Of-Pro­gramm „Bis neu­lich“, mit dem er seit fünf Jah­ren tourt. Und obwohl ich knapp die Hälf­te des Pro­gramms hät­te mit­spre­chen kön­nen, habe ich mich herr­lich amü­siert. Das ver­zwei­fel­te Mit­schrei­ben und Rezi­tie­ren der böses­ten Sprü­che und bes­ten Poin­ten über­las­se ich eben­so den Repor­tern der Lokal­zei­tun­gen wie die For­mu­lie­run­gen „bit­ter­bö­se“, „schwar­zer Humor“ und „Lachen im Hal­se ste­cken­blei­ben“.

Direkt zu Beginn des Abends, der inklu­si­ve einer halb­stün­di­gen Pau­se übri­gens fast vier Stun­den dau­er­te, bezeich­ne­te Pis­pers das Kaba­rett als moder­nen Ablass­han­del, der es den Zuschau­er ermög­li­che, bequem gegen das Sys­tem zu sein, in dem er lebt. Und so durf­te das über­ra­schend hete­ro­ge­ne Publi­kum (ich möch­te trotz­dem wet­ten: 25% Leh­rer) über Ange­la Mer­kel, Geor­ge W. Bush, Wolf­gang Schäub­le, Franz Mün­te­fe­ring und wie­sie­al­le­hei­ßen lachen, obwohl das, was die­se Poli­ti­ker so anrich­ten, sel­ten zum Lachen ist. Ent­spre­chend hoch war der Anteil der „Hohoho„s, also der Lacher, die man sich als poli­tisch kor­rek­ter Mensch ja eigent­lich gar nicht erlau­ben dürf­te.

An Vol­ker Pis­pers gefällt mir beson­ders gut, dass er sich nicht mit kin­di­schen Par­odien, Kos­tü­mie­run­gen oder Auf­füh­run­gen auf­hält (s. „Schei­ben­wi­scher“), son­dern den Zuschau­ern haupt­säch­lich Fak­ten um die Ohren haut. Natür­lich sorgt er dafür, dass dabei Poin­ten ent­ste­hen, aber das, was er da auf der Büh­ne erzählt, lässt sich auch in den seriö­ses­ten Zei­tun­gen nach­le­sen – nach Pis­pers Aus­sa­gen sei­ne ein­zi­gen Quel­len. Wie er Auf­klä­rung und Unter­hal­tung gleich­zei­tig lie­fert, das ist fast schon ein biss­chen mit der „Dai­ly Show“ ver­gleich­bar.

Die Idee, dass Kaba­rett die Welt ver­än­dern könn­te, wäre gänz­lich absurd. Das Publi­kum hat gutes Geld bezahlt, sich köst­lich unter­hal­ten gefühlt, mal laut­hals über die eige­ne und ander­erleuts Regie­rung gelacht und sich am Ende viel­leicht sogar ein paar Fak­ten und For­mu­lie­run­gen gemerkt. Aber wird man Nach­barn, Freun­de oder die obli­ga­to­ri­schen Stamm­tisch­brü­der zurecht­wei­sen, wenn die­se die Poli­tik eines Wolf­gang Schäub­le (ach, ein Zitat muss ich jetzt doch mal brin­gen: „Atten­tats­op­fer und Roll­stuhl­tä­ter“) gut­hei­ßen? Wird auch nur einer, nach­dem er sich einen Abend lang über Poli­ti­ker schlapp­ge­lacht hat, selbst in die Poli­tik gehen und etwas ändern wol­len?

Aber dar­um geht es ja gar nicht: Mis­sio­nie­rung ist sicher nicht Ziel des Kaba­retts, denn die, die hin­ge­hen, wis­sen ja eh zumeist, wie der Hase läuft, und die, die man wach­rüt­teln müss­te, die inter­es­siert das alles kein biss­chen. Trotz­dem reden die Leh­rer hin­ter­her bei einem Glas Rot­wein (und: ja, ich wünsch­te, das wäre ein­fach nur so ein halt­lo­ses Kli­schee, aber es ist natür­lich schmerz­haft wahr) über das, was sie da gehört haben. Sie sind für einen Abend mal pas­siv enga­giert gewe­sen und erzäh­len sich selbst noch ein­mal, dass bei­spiels­wei­se die Chan­ce, in Deutsch­land an Ärz­te­pfusch zu ster­ben, unend­lich höher ist als die, hier Opfer eines ter­ro­ris­ti­schen Anschlags zu wer­den. Das ist doch schon mal ein Anfang.

Und wo ich gera­de dabei bin: Das Fan­tas­ti­val, in des­sen Rah­men ich die­sen Kaba­rett­abend besu­chen durf­te, läuft noch zwei Wochen in Dins­la­ken. Kar­ten für das Kon­zert der Kili­ans kann man noch bis Mitt­woch bei uns gewin­nen.

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„Bleich wie Mozzarella-Käse“

Will­kom­men auf der Cof­fee-And-TV-Jour­na­lis­ten­schu­le. Heu­te ler­nen wir, wie man eine Gerichts­re­por­ta­ge schreibt.

Wich­tig für jede Repor­ta­ge ist, dass man dem Leser ein genau­es Bild von dem ver­mit­telt, wor­über man schreibt. Berich­ten Sie von Details und pro­bie­ren Sie ein­fach mal aus, wie vie­le Adjek­ti­ve man in einen Satz quet­schen kann:

Der Mann, der da ner­vös zit­ternd auf dem hoch­mo­der­nen, ergo­no­mi­schen Ankla­ge­stuhl sitzt, war mal der bekann­tes­te, erfolg­reichs­te Plat­ten­pro­du­zent der Welt.

Bit­te beach­ten Sie: eine Gerichts­re­por­ta­ge ist eigent­lich schon Lite­ra­tur. Brin­gen Sie ruhig auch mal Ver­glei­che, die auf den ers­ten Blick etwas absei­tig wir­ken, und schre­cken Sie auch vor eige­nen Inter­pre­ta­tio­nen nicht zurück.

Sei­ne Haut ist so bleich wie Moz­za­rel­la-Käse, im sel­ben Ton wie die schen­kel­lan­ge Frack­ja­cke, die er ab und zu trägt.

oder

Sei­ne Mie­ne, in der sich Angst, Ver­ach­tung und Bedro­hung spie­geln, gleicht der eines ver­lo­re­nen Kin­des.

sind tol­le Bei­spie­le dafür. Das letz­te zeigt dar­über hin­aus, dass man ruhig auch mal drei gewich­ti­ge Wor­te hin­ter­ein­an­der auf­rei­hen kann.
Wenn Sie fremd­sprach­li­che Begrif­fe ver­wen­den, scheu­en Sie sich nicht, die­sen über­ra­schen­de deut­sche Arti­kel zu ver­pas­sen:

(wobei er sich mit Paul McCart­ney über­warf, der den „Wall of Sound“ hass­te)

Gerichts­pro­zes­se sind in der Regel lang­wei­lig. Schrei­ben Sie ein paar Sät­ze ganz ohne Ver­ben, das sug­ge­riert Action und Span­nung:

Das „Cast­le Pyre­nées“, Spec­tors Burg­ver­schnitt auf einer Hügel­kup­pe. Eine Tür. Das kit­schi­ge Foy­er. Clark­sons Lei­che, in einen Stuhl gesackt.

Zie­hen Sie Par­al­le­lis­men über so vie­le Absät­ze, dass auch der geüb­te Leser den Zusam­men­hang ver­liert. Er wird Ihren Arti­kel mehr­mals lesen müs­sen und ihn so bes­ser in Erin­ne­rung behal­ten. Nie­mand ver­steht einen ein­zeln ste­hen­den Absatz wie

Oder selbst den Chef-Ermitt­ler Lil­li­en­feld, der die blut­ver­schmier­te Tat­waf­fe im Gerichts­saal vor­zeigt und berich­tet, im Stuhl neben der Toten habe eine Akten­ta­sche mit den Initia­len „PS“ gele­gen. Inhalt: diver­se Tablet­ten, dar­un­ter „Hallo-Wach“-Pillen und ein Via­gra.

auf Anhieb, aber das weckt die Neu­gier des Lesers.

Las­sen Sie dem Leser bei aller Detail­freu­de auch Raum für eige­ne Inter­pre­ta­tio­nen. For­mu­lie­ren Sie Sät­ze, deren Inhalt ver­schie­de­nes bedeu­ten kann:

Wei­ter rechts sitzt AP-Gerichts­re­por­te­rin Lin­da Deutsch, die Spec­tor jovi­al-schel­misch begrüßt: „Sie sehen heu­te so ele­gant aus.“

Bil­den Sie dar­über­hin­aus auch mal einen Satz, den man stun­den­lang dre­hen und wen­den kann, ohne ihn zu ver­ste­hen. Der Neid der Kol­le­gen ist Ihnen sicher:

Das Musik­ma­ga­zin „Rol­ling Stone“ zähl­te Spec­tor noch 2004 zu den „100 groß­ar­tigs­ten Künst­lern aller Zei­ten“.

Wenn Sie die­se ein­fa­chen Regeln befol­gen, wer­den Sie bald schon fan­tas­ti­sche Gerichts­re­por­ta­gen schrei­ben kön­nen, die dann auch bei Spie­gel Online ver­öf­fent­licht wer­den.

Nach­trag 11. Juni, 17:34 Uhr: Was mir erst gera­de auf­ge­fal­len ist: Moz­za­rel­la-Käse?

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Digital

M wie ‚Maren Gilzer‘

VISIONS.de möchte ein M kaufen

Screen­shots: visions.de, netvibes.com

Hmmm, lie­be Leu­te bei VISIONS.de, da ging wohl erst­mal eine feh­ler­haf­te Über­schrift in den RSS-Feed, was?

Nach­trag 20:03 Uhr: Jetzt lau­tet die Über­schrift im Feed­rea­der so:
Scherzhafte Absage

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Musik

I Admit I Was Impressed With The Start

Will­kom­men im Wir-sind-Hel­den- und iTu­nes-Fan­blog!

Ers­te­re haben für letz­te­res an einem „Schü­ler­aus­tausch“ teil­ge­nom­men und mit +44 Song­tausch gespielt. Das Ergeb­nis: Wir Sind Hel­den spie­len „Wenn dein Herz zu schla­gen auf­hört“ (iTu­nes, MySpace), als wäre es ihr eige­ner Song und als hät­te es das tol­le „When Your Heart Stops Bea­ting“ nie gege­ben. Und auch bei +44, die ich ja offen gestan­den ziem­lich gut fin­de, wür­de man aufs ers­te Ohr nicht dar­auf kom­men, dass die gera­de einen frem­den Song spie­len, nur das deut­sche „Guten Tag“ (iTu­nes) irri­tiert etwas.

Ergeb­nis: Das Expe­ri­ment ist geglückt, kei­ner der Songs, kei­ne der Bands hat Scha­den genom­men. Ich freue mich auf eine Fort­set­zung.

PS: +44 haben sich auch noch an der MySpace-Smas­hing-Pump­kins-Cover-Akti­on betei­ligt. Ihre Ver­si­on von „I Am One“ kann man hier hören und sei jedem ans Herz gelegt, der Bil­ly Cor­gans Stim­me noch nie moch­te – die von Mark Hop­pus aber schon.

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Film

This Is Zodiac Speaking

Zodiac (Amerikanisches Filmposter)Fil­me über wah­re Bege­ben­hei­ten haben ja immer den Nach­teil, dass man weiß, wie sie aus­ge­hen. Zwar berich­te­te mein Bru­der mal von einer Freun­din, die empört war, als man ihr vor dem Kino­be­such das Ende von „Der Unter­gang“ offen­bar­te („Hit­ler erschießt sich und Deutsch­land ver­liert“), aber das dürf­te eben­so die Aus­nah­me sein wie Leu­te, die sich wun­dern, dass in „Tita­nic“ ein Schiff unter­geht. In „Zodiac“ dem neu­es­ten Film des groß­ar­ti­gen David Fin­cher („Fight Club“, „Sie­ben“, „The Game“) geht es um einen Seri­en­mör­der, von dem in Ame­ri­ka jedes Kind weiß, dass er nie gefasst wur­de. Wie man vor die­sem Hin­ter­grund trotz­dem einen span­nen­den Film dre­hen kann, zeigt Fin­cher den Zuschau­ern in 158 Minu­ten.

In der San Fran­cis­co Bay Area wer­den Ende der 1960er Jah­re meh­re­re Mor­de began­gen, der Täter schickt ver­schlüs­sel­te Bot­schaf­ten an Lokal­zei­tun­gen und Poli­zei und insze­niert sich selbst als ers­tes media­les Phä­no­men die­ser Art. Die Ermitt­ler tap­pen im Dun­keln, die Nach­for­schun­gen des Repor­ters Paul Avery (Robert Dow­ney Jr. spielt einen Mann mit Alko­hol­pro­ble­men – How about that?) füh­ren auch nicht wei­ter und der gan­ze Fall ver­läuft sich irgend­wie. Und in dem Moment, wo man sich als Zuschau­er fragt „Ja, und jetzt? Ist ja wohl noch was hin bis zum Schluss …“, in die­sem Moment ent­wi­ckelt der Kari­ka­tu­rist Robert Grays­mith (der in vier­zehn Jah­ren kei­nen Tag altert – Jake Gyl­len­haal sei Dank) eine gera­de­zu krank­haf­te Obses­si­on, den Fall lösen zu wol­len. Er forscht nach, kämpft sich durch Akten­ber­ge und befragt alle mit dem Fall betrau­ten Per­so­nen.

Dass Fin­cher eine bedrü­cken­de Atmo­sphä­re schaf­fen kann, wis­sen wir spä­tes­tens seit „Sie­ben“. In „Zodiac“ rekon­stru­iert er das San Fran­cis­co der spä­ten Sech­zi­ger und Sieb­zi­ger Jah­re mit bei­na­he beun­ru­hi­gen­der Akri­bie und schafft so eine Welt in Braun und Grau, in der es auch noch stän­dig reg­net. Zu jeder Sekun­de sieht der Film so aus, als sei er wirk­lich schon über 30 Jah­re alt und die Kame­ra­fahr­ten durch inzwi­schen längst umge­bau­te Stra­ßen zei­gen, wie toll und unauf­fäl­lig Spe­zi­al­ef­fek­te mitt­ler­wei­le sind, wenn man sie aus­nahms­wei­se mal für rea­lis­ti­sche Bil­der ein­setzt. Der Film nimmt uns mit in eine Zeit, lan­ge vor der welt­wei­ten Ver­net­zung, als längst noch nicht jede Poli­zei­sta­ti­on in den USA ein Fax­ge­rät hat­te und man von gene­ti­schen Fin­ger­ab­drü­cken und ähn­li­chen Spie­le­rei­en noch nicht mal träum­te – eine Zeit, in der die Ame­ri­ka­ner immer­hin auf dem Mond lan­de­ten und in der Edu­ard Zim­mer­mann schon „Akten­zei­chen XY… unge­löst“ mode­rier­te.

Jake Gyl­len­haal wird sein Image als „irgend­wie unheim­li­cher Sof­tie“ wohl nie so ganz los­wer­den, aber wie schon so oft (und zu vör­de­rerst in „Don­nie Dar­ko“) über­zeugt der 26-Jäh­ri­ge auch dies­mal wie­der voll und ganz. Sein Robert Grays­mith, auf des­sen Büchern der gan­ze Film basiert, ist ein ähn­lich getrie­be­ner Cha­rak­ter wie Detec­ti­ve David Mills in „Sie­ben“: Er beläs­tigt die zustän­di­gen Poli­zis­ten mit­ten in der Nacht, spannt sei­ne Kin­der als Hilfs­er­mitt­ler eins und als er zuhau­se Anru­fe vom ver­meint­li­chen Kil­ler erhält, ver­lässt ihn sei­ne zwei­te Frau. Sei­nen Bru­der im Geis­te fin­det er in Inspec­tor David Toschi (Mark Ruf­fa­lo), der ihn mit Infor­ma­tio­nen ver­sorgt und trotz aller Anstren­gun­gen auch nicht vom Zodiac-Fall los­kommt.

Die bru­ta­len Mor­de bil­den eigent­lich nur das Grund­ge­rüst für die Geschich­te, auf eini­ge Fäl­le, die dem Zodiac-Kil­ler eben­falls zuge­schrie­ben wer­den, geht er gar nicht ein. Fin­cher ori­en­tier­te sich nach eige­nen Anga­ben an „All The President’s Men“, dem Film über die Jour­na­lis­ten Carl Bern­stein und Bob Wood­ward, die den Water­ga­te-Skan­dal auf­deck­ten. Trotz­dem ent­wi­ckelt sich in man­chen Sze­nen eine unglaub­li­che Span­nung, die auch durch Fak­ten­wis­sen nicht her­un­ter­zu­spie­len ist. Auf dem Nach­hau­se­weg war ich jeden­falls gering­fü­gig para­no­id.

Fünf Jah­re nach „Panic Room“, der eigent­lich auch nur ent­täu­schend war, weil man nach „Fight Club“ wie­der eine ähn­li­che Groß­tat von Fin­cher erwar­tet hat­te, ist der Regis­seur ein­mal mehr auf dem Höhe­punkt sei­nes Schaf­fens. „Zodiac“ ist ein düs­te­rer, intel­li­gen­ter, letzt­lich aber pes­si­mis­ti­scher Film. Für Leu­te, die sich schon län­ger mit dem Zodiac-Kil­ler befas­sen, ist es eine Bebil­de­rung der eige­nen Vor­stel­lun­gen, für Neu­lin­ge ist es eine sehr gute Ein­füh­rung in den Fall. Die 2004 geschlos­se­nen Akten des San Fran­cis­co Poli­ce Depart­ment zum Zodiac-Kil­ler wur­den im Früh­jahr die­ses Jah­res wie­der geöff­net.

Offi­zi­el­le Web­site zum Film
Offi­zi­el­le deut­sche Web­site zum Film
Film-Trai­ler
„The Z Files“ – Fak­ten­samm­lung zum Zodiac-Kil­ler

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Musik

Was soll denn daran komisch sein?

Für alle, die sich fra­gen, was das für ein Lied sein könn­te, das die Toten Hosen gera­de gemein­sam mit Bob Geldof … inter­pre­tie­ren: Grei­fen Sie zum Ori­gi­nal zur bekann­tes­ten Ver­si­on.

Nach­trag: Oh weh, „All You Need Is Love“ gibt’s auch noch oben drauf. Sel­ten waren der Zweck hei­li­ger und die Mit­tel ket­ze­ri­scher …

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Leben

Bright Idea (Folge 317)

Heu­te: Stern­marsch auf eine Küs­ten­stadt.