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Digital Gesellschaft

Die Kunst des stilvollen Entkommens

Aus einer aktu­el­len Pres­se­mit­tei­lung des Ver­gleichs­por­tals fluege.de:

Wer trick­reich bucht, kann den­noch spa­ren

Japan-Rei­sen­de, die der­zeit spon­tan von Tokyo nach Deutsch­land flie­gen möch­ten, müs­sen zur­zeit viel Geld bezah­len – bis zu 8.200 Euro für ein Eco-Ticket. Das ergab eine Aus­wer­tung des größ­ten deut­schen Flug­por­tals fluege.de (2 Mio. Nut­zer im Monat, AGOF inter­net facts 2010-III). Wer Japans Kata­stro­phe lie­ber stil­voll mit einem First-Class-Ticket ent­kom­men möch­te, der muss der­zeit bei­spiels­wei­se für einen Flug von Tokyo nach Mün­chen sogar über 20.000 Euro bezah­len. (…)

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Musik Digital

About A Girl

Okay, das war schon blöd von Bild.de, auf den gefake­ten Twit­ter-Account von Emin­ems Toch­ter rein­zu­fal­len. Und hin­ter­her zu berich­ten, dass alle, inklu­si­ve man selbst, auf die Fäl­schung rein­ge­fal­len ist, den Ursprungs­ar­ti­kel aber unver­än­dert online zu las­sen, ist auch nicht so rich­tig cle­ver.

Was ich per­sön­lich aber haar­sträu­bend däm­lich fand, ist eine ganz ande­re Sache. Beim lus­ti­gen Rät­sel­spaß, um wes­sen Toch­ter es sich denn han­deln kön­ne, hat Bild.de auch Kurt Cobain im Ange­bot:

Handelt es sich bei dem gesuchten Papa um die verstorbene Rock-Legende Kurt Cobain († 28)?

28?!?

Jedes Kind (also: jedes Kind, das allei­ne auf dem Schul­hof steht, weil es unglaub­lich uncool und nerdig ist, aber in zehn Jah­ren sau­cool sein wird, wäh­rend die heu­te coo­len Kin­der dann mit Anzug und Kra­wat­te an ihrem Schreib­tisch in der Spar­kas­se hocken) weiß, dass Kurt Cobain zum „Club 27“ gehört und dem­nach – eben­so wie Jimi Hen­drix, Jim Mor­ri­son, Janis Jop­lin und Bri­an Jones – mit 27 gestor­ben ist.

Ich beto­ne das auch, weil ich seit Novem­ber älter bin, als Kurt Cobain je gewor­den ist.

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Politik Gesellschaft

Der Ölprinz

Am Ende sind sie alle geschockt. Auf den Fern­seh­schir­men ist Adolf Hit­ler zu sehen, der „Füh­rer“ ihrer Orga­ni­sa­ti­on. „Ja, ja, Ihr wärt alle gute Nazis gewe­sen“, sagt ihr Leh­rer Ben Ross 1 und die Schü­ler in der voll­be­setz­ten Aula schwei­gen betre­ten. Steht „Die Wel­le“ von Mor­ton Rhue eigent­lich immer noch auf dem Lehr­plan von Eng­lisch­kur­sen?

Nazi-Ver­glei­che ver­bie­ten sich eigent­lich als Stil­mit­tel in der sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung. Und den­noch fällt es schwer, ange­sichts von Hun­dert­tau­sen­den, meist jun­gen Men­schen, die sich bei Face­book „Gegen die Jagd auf Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg“ aus­spre­chen oder „Wir wol­len Gut­ten­berg zurück“ for­dern, nicht von einer „Gut­ten­berg­ju­gend“ zu spre­chen.

Es ist schwer zu sagen, woher aus­ge­rech­net bei einer eher als unpo­li­tisch geschol­te­nen Jugend plötz­lich die­se Begeis­te­rung für einen ein­zel­nen Minis­ter her­kommt – noch dazu für einen von der CSU, die sonst nicht unbe­dingt einen über­mä­ßi­gen Zuspruch jun­ger Wäh­ler erfährt. Ist es wirk­lich „eine ganz natür­li­che Nei­gung der Men­schen, nach einem Füh­rer Aus­schau zu hal­ten, nach irgend­je­man­dem, der alle Ent­schei­dun­gen“ trifft, 2 oder fällt das Licht einer Mas­sen­hys­te­rie hier eher zufäl­lig auf einen Poli­ti­ker?

Chuck Klos­ter­man hat ein­mal geschrie­ben, 3 dass man wahr­schein­lich alle Men­schen außer­halb sei­nes engs­ten Freun­des­krei­ses mit einem ein­zi­gen Satz beschrei­ben kön­ne. In Wahr­heit reicht ver­mut­lich ein ein­zi­ges Wort oder Gefühl aus: Der Typ, der auf dem Schul­hof immer allei­ne rum­stand? „Nerd“. Die Kell­ne­rin aus dem Café um die Ecke? „Nied­lich“. Ste­fan Effen­berg? „Trot­tel“.

Wer das poli­ti­sche Tages­ge­schäft nicht mal min­des­tens ver­folgt, aber an Titel­bil­dern wie „Der coo­le Baron“, „Die fabel­haf­ten Gut­ten­bergs“ oder „Wir fin­den die GUTT!“ vor­über­geht, spei­chert den cha­ris­ma­ti­schen Fran­ken natür­lich schnell unter „cool“ ab, so wie ich als Kind Hel­mut Kohl unter „dick und mit Sprach­feh­ler“ abge­spei­chert hat­te. Wenn Gut­ten­bergs Kar­rie­re nicht ein jähes vor­läu­fi­ges Endes gefun­den hät­te, wäre er bis zur Bun­des­tags­wahl 2013 sicher noch auf dem Cover des deut­schen „Rol­ling Stone“ (Her­aus­ge­ber: Ulf Pos­ch­ardt) und der „Bra­vo“ auf­ge­taucht.

Im Prin­zip ist Gut­ten­berg für die jun­gen Leu­te also nichts ande­res als Jus­tin Bie­ber, Miley Cyrus oder Katy Per­ry – und genau auf die­sem Level ver­tei­di­gen die Fans ihr Idol auch. Doch wäh­rend Dis­kus­sio­nen über musi­ka­li­sche Geschmä­cker müßig sind (ich fand „Baby“ von Jus­tin Bie­ber zum Bei­spiel gar nicht schlecht), fol­gen poli­ti­sche Dis­kus­sio­nen für gewöhn­lich gewis­sen argu­men­ta­ti­ven Regeln. (Die­ser Satz ist eine Arbeits­hy­po­the­se, die bei jeder Bun­des­tags­de­bat­te und jeder Polit-Talk­show wider­legt wird, aber anders kom­men wir hier nie aus dem Quark.)

Wie soll man jetzt jeman­dem begeg­nen, der „DIE sind doch nur nei­disch!“ für ein zwin­gen­des Argu­ment hält, einen Betrü­ger im Amt zu hal­ten – noch dazu, wenn die­ses „Argu­ment“ auch von füh­ren­den Uni­ons­po­li­ti­kern vor­ge­bracht wird? Was soll man jeman­dem ent­geg­nen, der wahr­schein­lich nicht ein­mal die Hälf­te der Bun­des­mi­nis­ter nament­lich benen­nen könn­te, aber im Brust­ton der Über­zeu­gung ver­kün­det: „Er war ein­fach der bes­te minis­ter von allen!!“? Und wie erklärt man Men­schen, die noch nie eine Uni­ver­si­tät von innen gese­hen haben oder – viel schlim­mer! – ein hek­ti­sches Bache­lor/­Mas­ter-Stu­di­um zum Zwe­cke der schnel­len Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on durch­lau­fen haben, wie erklärt man denen, was wis­sen­schaft­li­che Ehre und Bil­dungs­ge­dan­ken sind?

Inso­fern kann man der Anru­fe­rin, die sich in einer zehn­mi­nü­ti­gen Dis­kus­si­on mit dem Radio-Fritz-Mode­ra­tor Hol­ger Klein wie­der­fand (von der sie ver­mut­lich anschlie­ßend annahm, aus ihr als Sie­ge­rin her­vor­ge­gan­gen zu sein), sicher attes­tie­ren: „Du bist Deutsch­land!“

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Der Fall Gut­ten­berg war außer­halb des poli­ti­schen Ber­lins auch eine Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen zwei Lagern: Auf der einen Sei­te die bür­ger­li­che Pres­se und die ent­setz­ten Aka­de­mi­ker, die den Ruf des Bil­dungs­stand­or­tes Deutsch­land in aku­ter Gefahr sahen, auf der ande­ren Sei­te „Bild“ und das ein­fa­che Volk. Oder, vom Volk abge­grenzt, wie Her­der sagen wür­de: „der Pöbel auf den Gas­sen, der singt und dich­tet nie­mals, son­dern schreyt und ver­stüm­melt.“ 4

Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg hat viel falsch gemacht, aber Fans, die so etwas womög­lich ernst mei­nen könn­ten, hat auch er nicht ver­dient:

Gut­ten­berg ist der PERFEKTE Mensch! Sein selbst­kri­ti­sches Auf­tre­ten, sei­ne unein­ge­schränk­te Ehr­lich­keit sowie sei­ne reich­hal­ti­ge Kom­pe­tenz sind unüber­trof­fen. Gut­ten­berg ist der ERLÖSER!!! Er muss WELTHERRSCHER wer­den, dann wür­de es durch sei­ne MENSCHLICHKEIT end­lich WELTFRIEDEN geben!

Es sind halt Fans und Fans han­deln – das weiß jeder, der schon ein­mal im Fuß­ball­sta­di­on oder auf einem Rock­kon­zert war – nicht immer ratio­nal. Ent­we­der, sie blei­ben ihren Hel­den bis zur Selbst­ver­leug­nung treu, oder sie sind irgend­wann so ent­täuscht, dass sie sich gegen ihr Idol stel­len.

Ich bin mir sicher, vie­le der Gut­ten­berg-Fans fan­den vor zwei, drei Jah­ren auch Barack Oba­ma gut – ein­fach, weil er cool und anders war. Dabei wäre es doch irgend­wie beru­hi­gend zu wis­sen, dass die Men­schen den heu­ti­gen US-Prä­si­den­ten in ers­ter Linie ver­eh­ren, weil sie sei­ne Mei­nung tei­len und sei­ne Ver­su­che bewun­dern, sei­ner Linie trotz allem treu zu blei­ben. Dass er dabei unbe­streit­bar cool und ein­zig­ar­tig ist, kann ja dann ger­ne einer der wei­te­ren Grün­de für sei­ne Beliebt­heit sein.

Gut­ten­berg ist dabei gar nicht der ers­te deut­sche Nach­kriegs-Poli­ti­ker, der die Mas­sen zu mobi­li­sie­ren wuss­te: 1972 mach­ten jun­ge Leu­te, die noch lan­ge nicht selbst wäh­len durf­ten, unter dem Slo­gan „Wil­ly wäh­len!“ Wahl­kampf für Wil­ly Brandt. Nur: Die­se Leu­te unter­stütz­ten Brandt wegen sei­ner poli­ti­schen Ansich­ten, wegen sei­ner Ost­po­li­tik, ohne die Hel­mut Kohl nie zum „Kanz­ler der Ein­heit“ hät­te wer­den kön­nen. Bei Gut­ten­berg konn­ten nicht ein­mal auf­merk­sa­me Beob­ach­ter sagen, wofür er stand und was sei­ne Linie war. Es war ja auch fast jeden Tag eine ande­re: Bei einer staat­li­chen Ret­tung von Opel mit Rück­tritt dro­hen, dann doch im Amt blei­ben; den Luft­schlag von Kun­dus „ange­mes­sen“ nen­nen, dann „unan­ge­mes­sen“; in Sachen Gorch Fock kei­ne schnel­len Urtei­le fäl­len wol­len, dann spon­tan (und im Bei­sein der „Bild“-Zeitung) den Kom­man­dan­ten feu­ern. Und immer waren die Ande­ren schuld. Wer das ernst­haft als „gute Arbeit“ bezeich­net, den möch­te ich nicht mei­ne Hei­zung repa­rie­ren las­sen – er könn­te ja schon nächs­te Woche mit den mon­ta­ge­be­rei­ten Nacht­spei­cher­öfen vor der Tür ste­hen.

Wenn Kai Diek­mann jetzt vom „grau­en Mit­tel­maß“ der Poli­ti­ker schreibt, die nun wie­der das poli­ti­sche Ber­lin beherrsch­ten, und Niko­laus Blo­me die „poli­ti­sche Hygie­ne“ beklagt, möch­te ich ihnen ent­ge­gen rufen: Mei­net­we­gen kön­nen die Poli­ti­ker so grau sein, wie sie wol­len, sie sol­len ihre ver­damm­te Arbeit ordent­lich machen und sich anstän­dig ver­hal­ten! Poli­tik ist nicht Teil des Show­ge­schäfts, auch wenn das seit dem Umzug der Bun­des­re­gie­rung nach Ber­lin immer mal wie­der gern ver­ges­sen wird.

„Aber das Volk liebt ihn doch!“, wen­den Diek­mann und Blo­me dann uni­so­no ein. Der Vor­wurf, die Poli­tik höre nicht auf das, was die Bevöl­ke­rung wol­le, lenkt davon ab, dass selbst „Bild“ es nicht geschafft hat, Gut­ten­berg im Amt zu hal­ten, und damit wei­ter an Ein­fluss ver­lo­ren hat. Statt­des­sen bekla­gen ihre Redak­teu­re die wei­ter fort­schrei­ten­de „Poli­tik­ver­dros­sen­heit“, die Jour­na­lis­ten seit 20 Jah­ren zu erken­nen glau­ben. Dabei wäre es die ver­damm­te Auf­ga­be von Jour­na­lis­ten, den Bür­gern die Zusam­men­hän­ge zwi­schen der graue Poli­tik und ihrem Leben auf­zu­zei­gen und kri­tisch, aber nicht pau­schal ver­ur­tei­lend, zu beglei­ten, was „die da oben“ eigent­lich den gan­zen Tag so machen. Die Auf­ga­be der Pres­se ist es jeden­falls nicht, Polit­g­la­mour-Paa­re hoch­zu­schrei­ben!

War­um sich das deut­sche Volk (oder genau­er: gro­ße Tei­le des­sen) offen­bar mehr als 90 Jah­re nach Abschaf­fung des Adels in Deutsch­land aus­ge­rech­net einen „Frei­herrn“ ins Kanz­ler­amt wünscht, lässt sich eigent­lich nur damit erklä­ren, dass die Deut­schen zu oft beim Arzt und/​oder Fri­seur sind und ob der Lek­tü­re der dort aus­lie­gen­den Maga­zi­ne eine gewis­se Sehn­sucht nach Blau­blü­tern ver­spü­ren. Das ist irri­tie­rend, denn bis­her haben wir im Geschichts- und Poli­tik­un­ter­richt gelernt, dass die Mas­sen gegen die Klas­sen kämp­fen wür­den.

Eigent­lich ist es den Leu­ten aber eh egal, zu wem sie auf­schau­en, so lan­ge sie zu jeman­dem auf­schau­en kön­nen: Zu Lady Di, zum Papst oder eben zu „KT“ und sei­ner Ste­pha­nie. Die Gut­ten­bergs boten die öli­ge Pro­jek­ti­ons­flä­che für alle, die nie­mals König oder Köni­gin von Deutsch­land wer­den wür­den: Aus­ge­stat­tet mit einem ordent­li­chen Stamm­baum, in einer Bil­der­bu­chehe ver­hei­ra­tet, mit einem Pri­vat­ver­mö­gen im Rücken, des­sent­we­gen man gar nicht arbei­ten müss­te. Die Idyl­le lock­te wie ein alter Hei­mat­film.

Gut­ten­berg war die per­so­ni­fi­zier­te Umkehr der Zei­ten, als die Popu­lär­kul­tur poli­tisch wur­de: im Polit­be­trieb war er „Pop“, was der Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Tho­mas Hecken als „Kür­zel für mal glat­te und ober­fläch­li­che, mal durch­schla­gen­de und inten­si­ve Rei­ze“ beschreibt. 5

Ab einem bestimm­ten Punkt wird jede Bewe­gung zum Selbst­läu­fer; die Mas­se fin­det gut, was beliebt und erfolg­reich ist. So lässt sich der plötz­li­che unfass­ba­re Chart­erfolg einer 17 Jah­re alten Cover­ver­si­on eines heu­te mehr als 70 Jah­re alten Songs erklä­ren, aber auch der schier unglaub­li­che Zulauf, den die Pro-Gut­ten­berg-Sei­ten bei Face­book erfah­ren. Ich wüss­te ger­ne, wie vie­le der Gut­ten­berg-Jün­ger gleich­zei­tig auch Fans von Unhei­lig sind.

Nach dem sel­ben Prin­zip funk­tio­niert dann auch die Argu­men­ta­ti­on: Die Leu­te plap­pern nach, was sie anders­wo (also: bei Gleich­ge­sinn­ten) schon gehört und nicht ver­stan­den haben. Aber halt­lo­se Behaup­tun­gen wer­den nicht wah­rer, wenn sie hun­dert­fach wie­der­holt wer­den – und das gilt für bei­de Sei­ten, wie die pein­li­che Geschich­te mit dem angeb­li­chen „Star Trek“-Zitat in Gut­ten­bergs Rück­tritts­re­de beweist.

Dass man Ver­feh­lun­gen nicht gegen­ein­an­der auf­wiegt, lernt man nor­ma­ler­wei­se im Kin­der­gar­ten. Offen­bar wächst sich das mit der Zeit aber wie­der raus:

Für mich ist des ne Lapa­lie!!! Ande­re sind immer­noch im Amt und trei­ben viel schlim­mer Sachen ich sage nur Ber­lus­co­ni!!!! Dass das nicht ok ist mit dem Dok­tor­ti­tel ist klar aber des hat­te nichts mit sei­ner Arbeit als Poli­ti­ker zu tun!!!

Wenn nun also ernst­haft jun­ge Men­schen, die durch­aus Abitur haben und stu­die­ren, fra­gen: „Was hat die gefälsch­te Dok­tor­ar­beit denn mit den poli­ti­schen Fähig­kei­ten der Per­son zu tun?“, muss man erst mal kurz durch­at­men und die Blut­druck­hem­mer ein­wer­fen, bevor man in leicht ver­ständ­li­chen Wor­ten zu erklä­ren ver­sucht, dass man per­sön­lich für sei­nen Teil Men­schen, die als Betrü­ger ent­larvt sei­en, jetzt eher ungern in poli­ti­schen Ämtern sähe. Das mit „Vor­bild­funk­ti­on“ und „Bil­dungs­re­pu­blik“ lässt man lie­ber direkt weg.

Dann heißt es: „Wer ohne Sün­de ist, wer­fe den ers­ten Stein“, 6 in dezen­ter Ver­ken­nung des Umstan­des, dass Jesus das damals ziem­lich kon­kret gemeint hat: Die Pha­ri­sä­er woll­ten die Ehe­bre­che­rin näm­lich stei­ni­gen. Näh­me man die Geschich­te aber als uni­ver­sel­len Rechts­grund­satz, wäre die Beset­zung von Rich­ter­bän­ken und Staats­an­walts­pos­ten eine unlös­ba­re Auf­ga­be.

Ohne Sün­de ist nie­mand (außer die Mut­ter Got­tes in der Katho­li­schen Kir­che), aber bestimm­te Sün­den sor­gen ein­fach dafür, dass man für bestimm­te – oder gar alle – Ämter unge­eig­net ist. (Die Aus­nah­me stellt auch hier wie­der die CDU/​CSU dar, wo man auch noch geschmei­dig Ver­kehrs­mi­nis­ter wer­den kann, nach­dem man unter Alko­hol­ein­fluss einen töd­li­chen Ver­kehrs­un­fall ver­schul­det hat, oder Finanz­mi­nis­ter, wenn man sich nicht dar­an erin­nern kann, ein­mal 100.000 DM in bar ent­ge­gen­ge­nom­men zu haben.) Und dass „alle ande­ren Poli­ti­ker auch Dreck am Ste­cken“ haben sol­len, ent­puppt sich spä­tes­tens dann als wind­schie­fe Ver­tei­di­gung, wenn der eige­ne Part­ner zu einem sagt: „Aber alle ande­ren gehen doch auch fremd, Schatz!“

Wenn irgend­wel­che Jung­spun­de bei Face­book jetzt also „Gut­ten­berg for Reichs­kai­ser“ for­dern, kön­nen wir nur von Glück spre­chen, dass Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg zwei­fels­oh­ne ein über­zeug­ter Demo­krat ist, und die Dem­ago­gen, die Deutsch­land in den letz­ten 65 Jah­ren her­vor­ge­bracht hat, alle­samt unan­sehn­lich oder rhe­to­risch über­for­dert waren – oder in den meis­ten Fäl­len gleich bei­des. Doch wehe, wenn jemand auf­tau­chen soll­te, der Pop-Appeal ver­strömt und neben­bei Volks­ver­het­zung betreibt!

Eines noch zum Schluss: Die Fra­ge „Gibt es denn nichts Wich­ti­ge­res auf der Welt?“ ist das dümms­te aller dum­men Null-Argu­men­te. Denn es gibt ja auch „Wich­ti­ge­res als Steu­er­hin­ter­zie­hung, Fah­ren im ange­trun­ke­nen Zustand, das Her­aus­te­le­fo­nie­ren von Lust­mäd­chen aus Unter­su­chungs­ge­fäng­nis­sen durch Minis­ter­prä­si­den­ten, Vul­ga­ri­tät und was nicht noch alles“, wie es Jür­gen Kau­be in der „F.A.Z.“ for­mu­liert hat. 7 Die Ant­wort lau­tet also in nahe­zu jedem Kon­text: „Doch, natür­lich gibt es Wich­ti­ge­res.“ Gin­ge es danach, müss­te uns alles egal sein, was nicht direkt zur Schaf­fung des Welt­frie­dens bei­trägt. Ich schla­ge vor, dass wir mit dem Igno­rie­ren der Anzahl von Face­book-Fans anfan­gen.

  1. Mor­ton Rhue: Die Wel­le. Ravens­burg, 2011 (11984), S. 176.[]
  2. ebd, S. 174.[]
  3. Chuck Klos­ter­man: Sex, Drugs and Cocoa Puffs. New York, 2004, S. 202.[]
  4. Johann Gott­fried Her­der: „Volks­lie­der. Nebst unter­misch­ten andern Stü­cken, Zwei­ter Teil“ [1779], in: Wer­ke, her­aus­ge­ge­ben von Ulrich Gai­er. Frank­furt am Main, 1990, S. 239.[]
  5. Tho­mas Hecken: Popu­lä­re Kul­tur. Bochum, 2006, S. 32.[]
  6. Johan­nes, 8.7 in: Die Bibel.[]
  7. Jür­gen Kau­be: „Vgl. auch Gut­ten­berg 2009“, in: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 22. Febru­ar 2011, S. 27.[]
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Kampagnenjournalismus

War­um musst du sprin­gen wie der Sprin­ger dich schuf
Mäd­chen, hat­test du nicht eigent­lich einen ande­ren Beruf

(Wir Sind Hel­den – Zieh Dir was an)

Wenn man Besu­cher­zah­len und Ver­lin­kun­gen als Para­me­ter für Erfolg ansieht, war es eine sehr erfolg­rei­che Woche fürs BILD­blog. Was uns aller­dings ver­wun­dert hat: Nicht einer der vie­len Arti­kel über die Son­der­be­hand­lung, die „Bild“ Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg ange­dei­hen ließ, hat letzt­lich unse­ren Ser­ver zum Knir­schen gebracht, son­dern der wüten­de, leicht hilf­lo­se Brief einer Pop­sän­ge­rin.

Die Wer­be­agen­tur Jung von Matt hat­te bei Judith Holo­fer­nes und ihrer Band Wir Sind Hel­den ange­fragt, ob die­se nicht im Rah­men einer Wer­be­kam­pa­gne „ihre of­fe­ne, ehr­li­che und un­ge­schön­te Mei­nung zur BILD“ äußern woll­ten. Das war ange­sichts der Tat­sa­che, dass Holo­fer­nes mit ihrer Mei­nung zu „Bild“ nie hin­term Berg gehal­ten hat­te, eine stei­le Anfra­ge – nach Maß­stä­ben von Wer­bern also womög­lich eine bril­lan­te Idee.

Aber Sän­ge­rin und Band woll­ten nicht auf ein Pla­kat, sie teil­ten ihre Ansich­ten der Mensch­heit lie­ber unent­gelt­lich mit: auf der eige­nen Web­site, bei uns und spä­ter, als bei­de Ser­ver am Boden waren oder in den Sei­len hin­gen, auch noch anders­wo.

Die Reak­tio­nen haben alles getoppt, was wir (und wohl auch die Band selbst) erwar­tet hät­ten. Mehr als 50.000 Men­schen haben inzwi­schen den Facebook-„Gefällt mir“-Button unter dem BILD­blog-Ein­trag geklickt, was für uns eine so unvor­stell­bar hohe Zahl ist, dass ich sie nur noch mit der Ein­woh­ner­zahl mei­ner alten Hei­mat­stadt ver­glei­chen kann. So gese­hen geht da also noch was.

Die Reak­tio­nen waren über­wie­gend, aber nicht aus­schließ­lich posi­tiv. Und sie war­fen auch Fra­gen auf, die ein Face­book-Freund von mir so auf den Punkt brach­te:

War­um ist das so ne Sen­sa­ti­on, das „Wir sind Hel­den“ nicht für BILD wer­ben? Das ist doch wohl das Min­des­te, das man von jeman­dem mit Anstand erwar­ten kann.

Ja, das stimmt natür­lich. Den­noch wer­ben Leu­te wie Hans-Diet­rich Gen­scher, Gre­gor Gysi, Jona­than Mee­se, David Gar­rett, Phil­ipp Lahm, Richard von Weiz­sä­cker, aber natür­lich auch Til Schwei­ger für das Blatt. Die dür­fen dann zwar auch ein biss­chen Kri­tik äußern, aber sie machen natür­lich trotz­dem für bun­des­wei­te Pla­ka­tie­rung und 10.000 Euro für einen guten Zweck gemein­sa­me Sache mit „Bild“. (Bemer­kens­wert übri­gens, dass der am ehes­ten „kri­tisch“ zu nen­nen­de Bei­trag aus­ge­rech­net der Radio­spot des Komi­kers Atze Schrö­der ist.) Die dama­li­ge Frau­en­recht­le­rin und heu­ti­ge „Bild“-Gerichtsreporterin Ali­ce Schwar­zer war übri­gens schon bei einer frü­he­ren „Bild“-Kampagne dabei.

Offen­bar ist der (an vie­len Stel­len rüh­rend unge­len­ke) Brief von Judith Holo­fer­nes ein biss­chen wie das Kind aus „Des Kai­sers neue Klei­der“, das „Aber der ist doch nackt!“ ruft. „End­lich sagt’s mal jemand“, lau­te­te an vie­len Stel­len der Tenor, was einen natür­lich schon ein biss­chen betrübt zurück lässt, wenn man seit Jah­ren zu bele­gen ver­sucht, was Holo­fer­nes jetzt noch mal auf­schreibt:

Die BILD –​Zei­tung ist kein au­gen­zwin­kernd zu be­trach­ten­des Trash-​Kul­­tur­­gut und kein harm­lo­ses “Guil­ty Plea­su­re” für wohl­fri­sier­te Auf­stre­ber, kei­ne wit­zi­ge so­zia­le Re­fe­renz und kein Li­­fes­­tyle-​Zi­­tat. Und schon gar nicht ist die Bild –​Zei­tung das, als was ihr sie ver­kau­fen wollt: Hass­ge­lieb­tes, aber wei­test­ge­hend harm­lo­ses In­ven­tar eines ei­gent­lich viel schlaue­ren Deutsch­lands.

Genau das war ja die Moti­va­ti­on von Ste­fan Nig­ge­mei­er und Chris­toph Schult­heis, als sie vor fast sie­ben Jah­ren BILD­blog gegrün­det haben: zu zei­gen, dass „Bild“ eben „kein lus­ti­ges Quatsch­blatt“ ist, wie Ste­fan es immer wie­der aus­ge­drückt hat.

Das scheint plötz­lich auch der „Spie­gel“ erkannt zu haben, der mor­gen – ein Zufall, tat­säch­lich – mit die­ser Geschich­te auf­macht:

Bild — Die Brandstifter

Ich habe das Heft noch nicht gele­sen, die Vor­ab­be­spre­chun­gen fal­len ziem­lich ent­täuscht aus und doch ist es bemer­kens­wert, dass sich ein gro­ßes deut­sches Medi­um so expli­zit mit „Bild“ befasst.

Den etwa 40.000 BILD­blog-Lesern an einem durch­schnitt­li­chen Tag (die­se Woche waren es meist mehr oder sehr viel mehr) und den 50.000 Face­book-Likes des Hel­den-Auf­sat­zes steht eine „Bild“-Auflage gegen­über, die zwar kon­ti­nu­ier­lich sinkt, aber immer noch bei 2,9 Mil­lio­nen liegt. Die Reich­wei­te (eine Zahl, die durch das Wer­fen von Hüh­ner­kno­chen bei Voll­mond ermit­telt wird) liegt sogar bei über elf Mil­lio­nen. Dage­gen neh­men sich selbst die Auf­la­ge und die Reich­wei­te des „Spie­gel“ (knapp eine Mil­li­on und 5,9 Mil­lio­nen) eher beschei­den aus, aber es ist eben ein Viel­fa­ches des­sen, was wir oder ein Medi­en­ma­ga­zin wie „Zapp“ erreicht. (Zumal der Anteil der Leu­te, die „Bild“ bis­her „irgend­wie ganz okay“ fan­den, unter den „Spiegel“-Lesern deut­lich grö­ßer sein dürf­te, als unter denen des BILD­blog.)

* * *

Ein Vor­wurf, der immer mal wie­der auf­kam, lau­te­te, mit ihrer Ant­wort hät­ten Wir Sind Hel­den „Bild“ nur noch mehr Auf­merk­sam­keit ver­schafft. Mit der glei­chen Logik könn­te man Green­peace vor­wer­fen, indi­rek­te PR für BP zu machen. Das alte Man­tra „Any PR is good PR“ steht im Raum, das ich für ziem­li­chen Unfug hal­te. Fra­gen Sie mal Jörg Kachelm­ann, wel­che Aus­wir­kun­gen die stän­di­ge Erwäh­nung sei­nes Namens in den Medi­en wäh­rend der letz­ten elf Mona­te auf des­sen Kar­rie­re und Leben gehabt haben! Zudem braucht die „Mar­ke“ „Bild“ unge­fähr so drin­gend wei­te­re Auf­merk­sam­keit von jun­gen, kri­ti­schen Men­schen, wie die „Mar­ke“ „Apple“ von Micro­soft-Ver­eh­ren und Linux-Fans.

Der ande­re Haupt-Kri­tik­punkt war, die Band wol­le doch nur auf sich auf­merk­sam machen. Ste­fan Win­ter­bau­er, der Blin­de unter den Ein­äu­gi­gen bei „Mee­dia“, schrieb:

Es ist bezeich­nend, dass “Wir sind Hel­den” einen sol­chen Popu­la­ri­täts­schub mit einer eher ober­fläch­li­chen und wir­ren Bild-Schel­te erreicht und nicht mit ihrer Musik. Das jüngst erschie­ne­ne Best-of-Album “Tau­send wir­re Wor­te” schaff­te es nicht mehr in die Top-Ten der Album Charts und ran­giert auch bei Down­load-Platt­for­men wie iTu­nes weit hin­ten.

Die Kom­men­ta­re bei „Mee­dia“ fie­len über­wie­gend ver­nich­tend aus, eini­ge zeig­ten sich gar „ent­täuscht“ von dem Medi­en­dienst, was inso­fern erstaun­lich ist, als das ja immer­hin eine vage posi­ti­ve Erwar­tungs­hal­tung vor­aus­set­zen wür­de.

Natür­lich kann man der Band die­sen Vor­wurf machen. Ich glau­be nur, dass er in die­sem spe­zi­el­len Fall ins Lee­re läuft: Es ist ja nicht das ers­te Mal, dass Judith Holo­fer­nes öffent­lich zu gesell­schaft­li­chen The­men Stel­lung bezieht, und auch nicht das ers­te Mal, dass sie „Bild“ schilt. Wenn eine Frau, die sonst für ihre durch­dach­ten Tex­te gelobt wird, sich regel­recht aus­kotzt und dabei ein Brief ent­steht, den man unter ästhe­ti­schen Gesichts­punk­ten eher so als „mit­tel“ bezeich­nen wür­de, neh­me ich ihr die Empö­rung wirk­lich ab.

* * *

Nun kam am Frei­tag auch die neue Sin­gle der Hel­den auf den Markt, wes­we­gen man der Akti­on ein „Geschmäck­le“ attes­tie­ren kann. Aller­dings lag uns das Ange­bot der Band, den Text zu ver­öf­fent­li­chen, schon neun Tage vor­her vor. Dass es letzt­lich so lan­ge dau­er­te, lag an der Ver­peilt­heit auf bei­den Sei­ten.

Und so rich­tig berech­nend wirkt Judith Holo­fer­nes auch nicht, wenn sie im Inter­view mit jetzt.de schon gegen die nächs­ten sti­chelt:

Also, wenn die­se E ‑Mail uns fünf schlaue, net­te Leu­te in die Arme treibt, die uns bis jetzt schei­ße fan­den, und wir die dann viel­leicht gegen die fünf Leu­te ein­tau­schen kön­nen, die uns in ihrem Plat­ten­re­gal neben den „Gra­fen“ gestellt aha­ben [sic!], weil sie „halt irgend­wie so deut­sche Tex­te mögen“, dann ist das doch ein guter Deal.

* * *

Und wäh­rend ich die­sen Ein­trag schrieb, erreich­te mich die Nach­richt, dass der Brief von Judith Holo­fer­nes mor­gen in einer ganz­sei­ti­gen Wer­be­an­zei­ge von „Bild“ in der „taz“ erschei­nen wird. Damit set­ze ich dann ger­ne auch dar­auf, wer aus die­sem Schar­müt­zel als Ver­lie­rer her­vor­ge­hen wird: die „taz“, wenn mor­gen wie­der ein paar hun­dert Abo-Kün­di­gun­gen ein­ge­hen.

Dis­clo­sure: Ich kann mit dem aktu­el­len Album von Wir Sind Hel­den nichts anfan­gen.

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Print Gesellschaft

Til Schweiger, die Guttenbergs und „Bild“

In der nicht enden wol­len­den Debat­te über den Betrug Karl-Theo­dor zu Gut­ten­bergs beim Ver­fas­sen sei­ner Dok­tor­ar­beit hat sich ein wei­te­rer Exper­te zu Wort gemel­det: der Schau­spie­ler und Regis­seur Til Schwei­ger.

„Ich habe, als ich noch stu­diert habe, auch abge­schrie­ben“, sag­te Schwei­ger im Radio-Ham­burg-Inter­view. Des­we­gen jetzt Gut­ten­bergs Rück­tritt zu for­dern, hal­te er für über­trie­ben, „weil ich fin­de, dass er eigent­lich bis jetzt einen super Job gemacht hat als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter“.

Nun möch­te ich nicht ver­heim­li­chen, dass mei­ne Mei­nung über Schwei­ger seit lan­gem sehr viel schlech­ter ist als mei­ne Mei­nung über Gut­ten­berg nach den Ereig­nis­sen der letz­ten Tage. Bei allen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten und Zwei­feln an sei­nen Metho­den wuss­te der Minis­ter zumin­dest bis­her wenigs­tens mit sou­ve­rä­nen Auf­trit­ten zu über­zeu­gen, bei denen ich dach­te: „Ich mag die­sen Kerl nicht, aber er macht das schon ver­dammt gut!“ Wann immer ich Til Schwei­ger sehe (und vor allem höre), ver­flu­che ich den Tag, an dem Paul Nip­kow das Fern­seh­ge­rät erfun­den hat.

Jeden­falls ist es nicht das ers­te Mal, dass die Namen „Schwei­ger“ und „zu Gut­ten­berg“ gemein­sam in der Pres­se ste­hen: Von diver­sen Preis-Ver­lei­hun­gen und „Ein Herz für Kinder“-Galas ab, ist vor allem das Pass-Spiel, das Schwei­ger seit eini­ger Zeit via „Bild“ mit Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg betreibt, bemer­kens­wert.

Als die Minis­ter­gat­tin sich im ver­gan­ge­nen Herbst als Gast-Mode­ra­to­rin der umstrit­te­nen RTL-2-Sen­dung „Tat­ort Inter­net“ ver­such­te und dafür viel Kri­tik erhielt, mel­de­te sich Schwei­ger in „Bild“ zu Wort:

Til Schwei­ger, selbst Vater von vier Kin­dern, sag­te BILD: „Ich ver­fol­ge seit 2 Wochen den media­len Auf­schrei über das For­mat ‚Tat­ort Inter­net‘ und den Hohn und Spott, der über Frau zu Gut­ten­berg aus­ge­schüt­tet wird, das macht mich erst sprach­los und dann vor allen Din­gen wütend! In was für einer Gesell­schaft leben wir denn?“

Der Schau­spie­ler fragt: „Wo bleibt der Bei­fall? Wo ist der empör­te Auf­schrei über die­se wider­li­chen, arm­se­li­gen Schwei­ne? Hab ich noch nichts von gele­sen, ich lese nur von ‚an den Pran­ger stel­len‘, ‚Hexen­jagd‘ usw… War­um macht man sich mehr Gedan­ken um die Pri­vat­sphä­re von einem Mann, der Kin­dern por­no­gra­fi­sche Fotos von sich schickt und sich dann mit ihnen ver­ab­re­det? So naiv kann doch nie­mand sein, oder doch? All denen, die in den letz­ten zwei Wochen ihre hämi­schen Kom­men­ta­re ver­fasst haben, rufe ich zu: Redet mit euren Kin­dern, klärt auf und warnt sie, denn es könn­te euer Kind als nächs­tes betrof­fen sein!“

Das war schon eine ganz gute Gene­ral­pro­be für Schwei­gers Stamm­tisch-Auf­tritt bei Mar­kus Lanz, wo er sich über das „deut­sche Gut­men­schen­tum“ und „intel­lek­tu­el­le Men­schen“ empör­te und Sexu­al­straf­tä­tern ihre Men­schen­rech­te abspre­chen woll­te, was ihm das erwart­ba­re Lob von „Bild“ ein­brach­te:

Kinderschänder-Debatte: Til Schweiger: Wut-Ausbruch im TV!
Aber nicht nur von „Bild“ selbst:

Auch Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg (34), Prä­si­den­tin der deut­schen Sek­ti­on von „Inno­cence in Dan­ger“, hat den TV-Auf­tritt von Til Schwei­ger (47) ver­folgt. Gut­ten­berg zu BILD: „Es ist toll, dass Til Schwei­ger unbe­que­me Wahr­hei­ten aus­spricht und sei­ne Popu­la­ri­tät dafür ein­setzt, Men­schen wach­zu­rüt­teln! Ich weiß, dass ihm vie­le Men­schen zu die­sem Mut gra­tu­lie­ren.“

Doch die Minis­ter­gat­tin und der Krea­tiv­wirt­schaft­ler kom­mu­ni­zie­ren nicht nur indi­rekt:

Schwei­ger: „(…) Sogar Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg hat mir eine SMS geschickt.“
BILD: Was hat die Minis­ter­gat­tin geschrie­ben?
Schwei­ger: „Sie hat sich bei mir bedankt!“

Falls Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg doch noch sei­nen Hut neh­men muss, wäre Schwei­ger womög­lich der Wunsch-Nach­fol­ger der „Bild“-Redaktion. Wobei die Sol­da­ten das ver­mut­lich nicht so gut fän­den …

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Digital Politik

Von der Außenwelt abgeschnitten

Zuge­ge­ben: In der Pres­se­stel­le des Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums möch­te man die­ser Tage auch nicht arbei­ten.

Heu­te stand der Start der Bun­des­wehr­re­form auf dem Pro­gramm, in den letz­ten Tagen gab es die eine oder ande­re unschö­ne Mel­dung über die wis­sen­schaft­li­che Repu­ta­ti­on des Minis­ters und dann berich­te­te die „Finan­cial Times Deutsch­land“ auch noch, dass die Bun­des­wehr eine „gro­ße Wer­be­kam­pa­gne“ bei „Bild“, „Bild am Sonn­tag“ und Bild.de schal­ten wol­le.

Wegen die­ser „FTD“-Meldung hat­te ich eini­ge BILD­blog-Fra­gen an das Minis­te­ri­um. Aus der Erfah­rung weiß ich, dass ich bei Ver­su­chen, den rich­ti­gen Ansprech­part­ner zu tref­fen, immer zunächst den fal­schen anru­fe und es auch nie mög­lich ist, mich zu ver­bin­den.

Doch so weit kam ich heu­te nicht. Als ich die Lis­te der Pres­se­spre­cher durch­klick­te, bot sich mir fol­gen­des Bild:

Weil ich ger­ne den Wald vor lau­ter Bäu­men nicht sehe, frag­te ich Freun­de und Kol­le­gen, ob sie die Kon­takt­da­ten der Spre­cher irgend­wo sähen. Nein, taten sie nicht.

Die Sei­ten mit den Ansprech­part­nern sind alle auf dem Stand vom heu­ti­gen 24. Febru­ar 2011. Im Goog­le-Cache fin­den sich noch die Ver­sio­nen von letz­ter Woche und die sahen bei­spiels­wei­se so aus:

Die Über­sichts­sei­te, auf der sonst immer die „Zen­tra­le Ser­vice­num­mer für Pres­se­an­fra­gen und Medi­en­ver­tre­ter nach Dienst und am Wochen­en­de“ ange­ge­ben war, wur­de offen­bar schon am Diens­tag über­ar­bei­tet.

Alt:

Neu:

Ich habe jetzt mal nicht beim Minis­te­ri­um nach­ge­fragt, was das zu bedeu­ten hat.

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Leben Gesellschaft

Fakin’ It

In der aktu­el­len Debat­te um aka­de­mi­sche und wis­sen­schaft­li­che Ehre ist mir eine Geschich­te wie­der in den Sinn gekom­men, die sich vor eini­ger Zeit an mei­nem ehe­ma­li­gen Gym­na­si­um ereig­net haben soll und an deren Wahr­heits­ge­halt ich kei­nen Grund zu Zwei­feln habe:

In einem Eng­lisch-LK war eine Schü­le­rin am Tag der Klau­sur krank gewe­sen und muss­te die­se nach­schrei­ben. Wie all­ge­mein üblich wur­de sie dafür allei­ne in einen unge­nutz­ten Raum (ich glau­be, es war der Erd­kun­de-Kar­ten­raum) gesetzt, wo ihr die Auf­ga­ben­stel­lun­gen vor­ge­legt wur­den. Ent­ge­gen der übli­chen Vor­ge­hens­wei­se und ver­mut­lich auch ent­ge­gen zahl­rei­cher Vor­schrif­ten gab ihr der Leh­rer exakt die glei­chen Arbeits­an­wei­sun­gen, die er schon dem Rest der Klas­se kurz zuvor bei der „ech­ten“ Klau­sur aus­ge­hän­digt hat­te.

Inter­es­san­ter­wei­se hat­te die Schü­le­rin in ihrem Ruck­sack die bereits kor­ri­gier­te und zurück­ge­ge­be­ne Klau­sur eines Mit­schü­lers, die sie nun über die nächs­ten Stun­den aus­führ­lich abschrieb – ent­ge­gen aller schu­li­schen Regeln und jed­we­der Moral, ver­steht sich.

Theodor-Heuss-Gymnasium

Dem Leh­rer scheint das Kom­plett-Pla­gi­at nicht auf­ge­fal­len zu sein, jeden­falls wer­te­te er die Klau­sur nicht als Täu­schungs­ver­such, son­dern kor­ri­gier­te sie ganz nor­mal. Oder: fast, denn er hat­te die Ori­gi­nal-Arbeit des Schü­lers deut­lich bes­ser (die genau­en Details sind nie­man­dem mehr erin­ner­lich, aber die Rede war von min­des­tens sechs Punk­ten, was zwei Noten ent­sprä­che) bewer­tet als die der Schü­le­rin.

Die Schü­le­rin, die sich die gan­ze Zeit von dem Leh­rer unge­recht behan­delt gefühlt hat­te, konn­te natür­lich nicht zum Rek­tor gehen, um sich über ihre Note zu beschwe­ren. Aber eine bemer­kens­wer­te Geschich­te war es doch.

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Politik

Gib hier den Titel an

Das ist grad aber ein biss­chen blöd gelau­fen im Bun­des­tags-TV:

Dr. Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg
Aber auch hier ging es mit der Rück­ga­be des Dok­tor­ti­tels ganz schnell:

Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg
[via Phil­ipp]

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Gesellschaft

Menschenraub

„Ein Pla­gi­at (von lat. pla­gi­um, „Men­schen­raub“) ist das bewuss­te Aneig­nen frem­der geis­ti­ger Leistungen.“(aus Wiki­pe­dia, der frei­en Enzy­klo­pä­die)

„Was im wah­ren Leben der Mord, ist in der Wis­sen­schaft das Pla­gi­at!“, sagt der Dozent, für den ich vier Jah­re lang an der Uni gear­bei­tet habe. Vie­le, vie­le Stun­den mei­ner Tätig­keit als Stu­den­ti­sche Hilfs­kraft habe ich damit zuge­bracht, ver­dutzt zu schau­en, wenn ich Haus­ar­bei­ten oder Essays vor­kor­ri­giert habe. Ob man Pla­gia­te über­haupt erken­nen kön­ne, dach­te ich. Vor vier Jah­ren stand ich rela­tiv rat­los vor der Auf­ga­be, die mir zuge­teilt wur­de. „Ver­trau­en Sie auf ihr Gespür!“, wur­de mir ange­ra­ten, und das war tat­säch­lich der bes­te Rat­schlag in die­ser Geschich­te (wie in vie­len ande­ren Geschich­ten übri­gens auch). Das mit den Pla­gia­ten ver­hielt sich näm­lich so: Ein abge­ge­be­ner Text hol­pert vor sich hin, und auf ein­mal wird er bril­lant. Huch? Goog­le. Tref­fer.
Oder, wenn ich mich belei­digt füh­len soll­te: Auf ein­mal änder­ten sich Schrift­art oder gar Zei­len­um­brü­che. Flick­ar­bei­ten, Wiki­pe­dia-Zita­te, hausarbeiten.de-Zitate; die Abgrün­de der Inter­net­sei­ten, Sei­ten, die man nie besu­chen wür­de, der wis­sen­schaft­li­che Anspruch meis­tens mau, die Quel­len, aus denen abge­schrie­ben wur­de: kuri­os.

Den paar Malen, wenn ich Pla­gia­te gefun­den hat­te und mich danach so schmut­zig fühl­te, dass ich mich am liebs­ten gehäu­tet hät­te, folg­ten erns­te Gesprä­che mit den Stu­die­ren­den, geführt vom Dozen­ten selbst. Immer mit der Mög­lich­keit für die Stu­die­ren­den, sich zu recht­fer­ti­gen, aber auch mit der Ansa­ge, dass man die­sen Fall auch an die Rechts­ab­tei­lung der Uni­ver­si­tät wei­ter­lei­ten kön­ne (was wir nie getan haben). Eben weil der Klau von Gedan­ken das schlimms­te ist, was man in der Wis­sen­schaft tun kann. Höchst­stra­fe. Die Gesprä­che ende­ten immer mit Trä­nen auf Sei­ten der Stu­die­ren­den, es folg­te immer die Schil­de­rung eines per­sön­li­chen Schick­sals, das die Stu­die­ren­den zum Pla­gi­at getrie­ben hat. Auch hin­ter dem selbst­herr­lichs­ten, smar­tes­ten Grin­sen steck­ten Trä­nen und Rat­lo­sig­keit. Meis­tens war es Über­for­de­rung, die zum Pla­gi­at getrie­ben hat­te, das Gefühl, schlicht­weg zu dumm zu sein für einen phi­lo­so­phi­schen Essay, das Gefühl, dass die eige­nen Gedan­ken nicht aus­reich­ten, dem The­ma adäquat zu ent­spre­chen. Und dann waren meis­tens noch Todes­fäl­le und Krank­hei­ten in der Fami­lie auf­ge­tre­ten, Schei­dun­gen wur­den ange­droht und der­glei­chen mehr. All die­se Fäl­le waren tra­gisch, all die­se Fäl­le pas­sie­ren täg­lich an der Uni­ver­si­tät.

Wenn nun in der Geschich­te um Gut­ten­berg abge­wie­gelt wird, dann empört mich das zunächst, weil ich in den letz­ten vier Jah­ren stets in die ande­re Rich­tung auf­ge­wie­gelt habe und dies für rich­tig hielt. Und natür­lich ging es im Fall klei­ner phi­lo­so­phi­scher Essays nicht um die Welt, meis­tens ja nicht mal um die Wahr­heit, son­dern um einen ver­damm­ten Schein. In Zei­ten, in denen Erkennt­nis durch Workload ersetzt wird, ist das Nach­den­ken den meis­ten nur läs­tig. Aber wenn dann ein Gespräch folgt, weil ein Pla­gi­at gefun­den wur­de, dann wird den meis­ten auch klar, was ihnen an der Uni­ver­si­tät in die­ser Zeit fehlt: Ein Sinn, war­um sie ihre Zeit hier ver­brin­gen. Die meis­ten stu­die­ren, weil ihnen gesagt wird, dass es berufs­qua­li­fi­zie­rend ist, unter Berufs­qua­li­fi­zie­rung den­ken die meis­ten aber eher an Ange­bo­te, die (noch) eher an Berufs­schu­len und Volk­hoch­schu­len ange­bo­ten wer­den (des­we­gen auch die per­ma­nen­te Erset­zung des Wor­tes „Semi­nar“ durch „Kurs“ im Stu­den­ten-Jar­gon), es ent­steht ein Loch der Sinn­lo­sig­keit über die Zeit an der Uni­ver­si­tät, weil durch das vie­le Arbei­ten auf 30 unter­schied­li­chen Bau­stel­len kei­ne Zeit bleibt, mal in Ruhe über ein The­ma nach­zu­den­ken. Pla­gia­te und Über­for­de­rung gab es schon immer, aber sie sind auch das, das durch die Ba/­Ma-Reform beför­dert wer­den könn­te.

Ich schrei­be gera­de mei­ne Examens­ar­beit. Und ich weiß, wenn ich hier nicht Quel­len kor­rekt ange­be und dabei erwischt wer­de, dann kann ich mich nicht hin­set­zen und wei­nen und sagen, dass ich mich über­for­dert füh­le und dass es in mei­ner Fami­lie einen Todes­fall gab. Selbst wenn es zumin­dest im ers­ten Teil stimm­ten soll­te: Natür­lich füh­le ich mich über­for­dert, natür­lich habe ich bei­na­he jede Woche einen erneu­ten Qua­si-Ner­ven­zu­sam­men­bruch. So ist das Leben. Wenn ich bei einem Pla­gi­at erwischt wer­de, folgt zumin­dest eine Nicht-Aner­ken­nung mei­nes Abschlus­ses, und, je nach Schwe­re der Tat, auch eine Straf­an­zei­ge, viel­leicht die Unmög­lich­keit der Ver­be­am­tung. Das ist nicht der Haupt­grund, der gegen ein Pla­gi­at spricht, aber von Ehre möch­te ich an die­ser Stel­le gar nicht erst reden.

In mei­nem Fall geht es nur um ein Staats­examen. Wenn Gut­ten­berg sei­nen Dok­tor behal­ten darf, obwohl sich jeder sel­ber ein Bild vom Aus­maß der Abkup­fe­rei schon in der Ein­lei­tung sei­ner Diss machen kann, dann ist das unge­fähr das unge­rech­tes­te, was mir in mei­ner Zeit an der Uni­ver­si­tät unter­ge­kom­men ist.

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Musik Print

Most People Are DJ’s

Die Dis­kus­si­on um die omi­nö­se Dok­tor­ar­beit von Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg erreicht in schwin­del­erre­gen­dem Tem­po immer neue Meta-Ebe­nen: Ulf Pos­ch­ardt, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur der „Welt am Sonn­tag“ und Her­aus­ge­ber von „Rol­ling Stone“, „Musik­ex­press“ und „Metal Ham­mer“, ver­öf­fent­lich­te am Sams­tag in der „Welt“ einen Auf­satz über die Kul­tur­tech­nik des Sam­plings und des Mash-Ups.

In gewohnt unein­deu­ti­gem Oszil­lie­ren zwi­schen Ernst und Iro­nie ernennt er zu Gut­ten­berg zum „Jay‑Z der bür­ger­li­chen Poli­tik“, ver­weist auf Hegel und fabu­liert:

Sam­pling ist eine eben­so moder­ne wie kon­ser­va­ti­ve Kul­tur­tech­nik. Sie passt zu Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg. Beim jün­ge­ren Publi­kum wird die Erre­gung über sei­nen Umgang mit Zita­ten die Zunei­gung eher ver­stär­ken, hat es sich doch in Zei­ten des Copy and Pas­te dar­an gewöhnt, einen Teil sei­ner Schul- und Uni­leis­tun­gen durch vir­tuo­se Quel­len­re­cher­che zu per­fek­tio­nie­ren. Die schlich­te­ren Gemü­ter lie­fern dabei ab, was gewünscht war: eine ver­meint­lich kennt­nis­rei­che Text­ober­flä­che. Post­mo­der­ne Eli­ten jedoch ver­sin­ken in den durch digi­ta­le Net­ze unend­lich gewor­de­nen Quel­len, um an ihnen zu wach­sen und die Gren­zen des eige­nen Wis­sens zu über­win­den.

Pos­ch­ardt muss es wis­sen: Sein gan­zer Arti­kel ist eine gere­mix­te Sin­gle-Ver­si­on sei­ner eige­nen Dok­tor­ar­beit, die unter dem Titel „DJ Cul­tu­re“ als Buch eine sehr viel höhe­re Auf­la­ge erziel­te als zu Gut­ten­bergs Dis­ser­ta­ti­on.

Ulf Pos­ch­ardt: Die DJ-Revo­lu­ti­on frisst ihre Kin­der

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Print

Ein exklusiver Hund

Wenn Sie unse­re Defi­ni­ti­on des Begriffs „exklu­siv“ für extra­va­gant hiel­ten, dann haben Sie noch nicht den/​die/​das aktu­el­le „Auf einen Blick“ gese­hen:

Monica Lierhaus: So stolz! So stark! So tapfer! "Auf einen Blick"-Autorin Karen Webb schreibt exklusiv über den bewegendsten TV-Auftritt des Jahres.

Noch­mal zum Mit­den­ken: Ja, die „Auf einen Blick“-Autorin Karen Webb schreibt exklu­siv für „Auf einen Blick“. Wo gibt es so etwas schon sonst?

Ande­rer­seits ist das noch ver­gleichs­wei­se harm­los, wenn man sich das voll­stän­di­ge Cover der Zeit­schrift ansieht:

Monica Lierhaus: Deutschlands schönster Hund.
[via Petra O.]

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Musik Rundfunk Digital

Wer wohnt schon in Düsseldorf?

Bochum/​Berlin, 18. Febru­ar 2011. Lukas Hein­ser und Ste­fan Nig­ge­mei­er haben heu­te in einer Pres­se­mit­tei­lung bekannt­ge­ge­ben, dass sie sich auch vom Aus­tra­gungs­ort Düs­sel­dorf nicht davon abhal­ten wer­den, den Euro­vi­si­on Song Con­test erneut mit einem Video­blog zu beglei­ten. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten sie sich ohne Sta­tiv und Wind­schutz nach Nor­we­gen durch­ge­schla­gen und mit ihrem OSLOG nach Mei­nung vie­ler Exper­ten einen maß­geb­li­chen Bei­trag zum Erfolg von Lena Mey­er-Land­rut geleis­tet.

Hein­ser und Nig­ge­mei­er selbst erran­gen in einem etwas weni­ger beach­te­ten Wett­be­werb den drit­ten Platz: in der Kate­go­rie Unter­hal­tung bei der Wahl zu den „Jour­na­lis­ten des Jah­res 2010“. Die Jury des „Medi­um Maga­zins“ fand, dass OSLOG „selbst­iro­nisch mit dem Medi­en­hype um Lena spiel­te“ und „vor­führ­te, wel­ches Poten­ti­al in einem sol­chen Blog ste­cken kann“. Hein­ser, des­sen Ehr­geiz von Ken­nern mit dem von Ste­fan Raab ver­gli­chen wird, kom­men­tier­te das mit den Wor­ten: „Beim nächs­ten Mal wer­den wir die­ses ver­damm­te Poten­ti­al aus­schöp­fen!‘ “

Wäh­rend die Per­so­nal­fra­ge nach der Absa­ge von Tho­mas Gott­schalk und Gün­ther Jauch ähn­lich schnell ent­schie­den war wie bei der deut­schen Inter­pre­tin, war der Name der OSLOG-Neu­auf­la­ge lan­ge offen. Ent­wür­fe wie dueslog.tv, dussellog.tv, und dorflog.tv wur­den schließ­lich ver­wor­fen zuguns­ten von DUSLOG.tv. Das bewähr­te Kon­zept aus ver­geig­ten Anmo­de­ra­tio­nen, exklu­si­ven Inter­views und ver­ges­se­nen Inter­pre­ten­na­men soll bei­be­hal­ten wer­den. Geplant ist aller­dings eine wei­te­re Qua­li­täts­stei­ge­rung. „Wir erwä­gen die Inves­ti­ti­on in einen Wind­schutz für das Mikro­fon“, sagt Hein­ser. Nig­ge­mei­er ergänzt: „Und ich wer­de dies­mal weni­ger Namen ver­wech­seln als letz­tes Jahr in Däne­mark.“

Die hei­ße Pha­se mit täg­li­chen Videobe­rich­ten beginnt Anfang Mai. Bereits heu­te wer­den die neu­en Sei­ten ein­ge­weiht, die von Mar­kus „Herm“ Her­mann frisch tape­ziert und mit einem noch moder­ne­ren Fern­seh­ge­rät aus­ge­stat­tet wur­den: Das Fina­le des deut­schen Vor­ent­schei­des wird ab ca. 20 Uhr in einem Live­blog auf duslog.tv beglei­tet.