Til Schweiger, die Guttenbergs und „Bild“

Von Lukas Heinser, 26. Februar 2011 22:21

In der nicht enden wollenden Debatte über den Betrug Karl-Theodor zu Guttenbergs beim Verfassen seiner Doktorarbeit hat sich ein weiterer Experte zu Wort gemeldet: der Schauspieler und Regisseur Til Schweiger.

„Ich habe, als ich noch studiert habe, auch abgeschrieben“, sagte Schweiger im Radio-Hamburg-Interview. Deswegen jetzt Guttenbergs Rücktritt zu fordern, halte er für übertrieben, „weil ich finde, dass er eigentlich bis jetzt einen super Job gemacht hat als Verteidigungsminister“.

Nun möchte ich nicht verheimlichen, dass meine Meinung über Schweiger seit langem sehr viel schlechter ist als meine Meinung über Guttenberg nach den Ereignissen der letzten Tage. Bei allen Meinungsverschiedenheiten und Zweifeln an seinen Methoden wusste der Minister zumindest bisher wenigstens mit souveränen Auftritten zu überzeugen, bei denen ich dachte: „Ich mag diesen Kerl nicht, aber er macht das schon verdammt gut!“ Wann immer ich Til Schweiger sehe (und vor allem höre), verfluche ich den Tag, an dem Paul Nipkow das Fernsehgerät erfunden hat.

Jedenfalls ist es nicht das erste Mal, dass die Namen „Schweiger“ und „zu Guttenberg“ gemeinsam in der Presse stehen: Von diversen Preis-Verleihungen und „Ein Herz für Kinder“-Galas ab, ist vor allem das Pass-Spiel, das Schweiger seit einiger Zeit via „Bild“ mit Stephanie zu Guttenberg betreibt, bemerkenswert.

Als die Ministergattin sich im vergangenen Herbst als Gast-Moderatorin der umstrittenen RTL-2-Sendung „Tatort Internet“ versuchte und dafür viel Kritik erhielt, meldete sich Schweiger in „Bild“ zu Wort:

Til Schweiger, selbst Vater von vier Kindern, sagte BILD: „Ich verfolge seit 2 Wochen den medialen Aufschrei über das Format ‚Tatort Internet‘ und den Hohn und Spott, der über Frau zu Guttenberg ausgeschüttet wird, das macht mich erst sprachlos und dann vor allen Dingen wütend! In was für einer Gesellschaft leben wir denn?“

Der Schauspieler fragt: „Wo bleibt der Beifall? Wo ist der empörte Aufschrei über diese widerlichen, armseligen Schweine? Hab ich noch nichts von gelesen, ich lese nur von ‚an den Pranger stellen‘, ‚Hexenjagd‘ usw… Warum macht man sich mehr Gedanken um die Privatsphäre von einem Mann, der Kindern pornografische Fotos von sich schickt und sich dann mit ihnen verabredet? So naiv kann doch niemand sein, oder doch? All denen, die in den letzten zwei Wochen ihre hämischen Kommentare verfasst haben, rufe ich zu: Redet mit euren Kindern, klärt auf und warnt sie, denn es könnte euer Kind als nächstes betroffen sein!“

Das war schon eine ganz gute Generalprobe für Schweigers Stammtisch-Auftritt bei Markus Lanz, wo er sich über das „deutsche Gutmenschentum“ und „intellektuelle Menschen“ empörte und Sexualstraftätern ihre Menschenrechte absprechen wollte, was ihm das erwartbare Lob von „Bild“ einbrachte:

Kinderschänder-Debatte: Til Schweiger: Wut-Ausbruch im TV!
Aber nicht nur von „Bild“ selbst:

Auch Stephanie zu Guttenberg (34), Präsidentin der deutschen Sektion von „Innocence in Danger“, hat den TV-Auftritt von Til Schweiger (47) verfolgt. Guttenberg zu BILD: „Es ist toll, dass Til Schweiger unbequeme Wahrheiten ausspricht und seine Popularität dafür einsetzt, Menschen wachzurütteln! Ich weiß, dass ihm viele Menschen zu diesem Mut gratulieren.“

Doch die Ministergattin und der Kreativwirtschaftler kommunizieren nicht nur indirekt:

Schweiger: „(…) Sogar Stephanie zu Guttenberg hat mir eine SMS geschickt.“
BILD: Was hat die Ministergattin geschrieben?
Schweiger: „Sie hat sich bei mir bedankt!“

Falls Karl-Theodor zu Guttenberg doch noch seinen Hut nehmen muss, wäre Schweiger womöglich der Wunsch-Nachfolger der „Bild“-Redaktion. Wobei die Soldaten das vermutlich nicht so gut fänden …

20 Kommentare

  1. fred.i
    26. Februar 2011, 22:50

    Man sollte Herrn Schweiger mal fragen, was KT so gut gemacht hat. Die Frage bringt viele in größte Erklärungsnöte. ;)

  2. Tobias
    27. Februar 2011, 0:00

    @ fred.i:
    mit Verlaub, man sollte Schweiger überhaupt nichts fragen. man sollte Schweiger einfach, dass sein lassen was er ist. Ein sehr mittelmäßiger und mittelintelligenter Schauspieler, der sein Marktlücke in strunzummen romantic comedies gefunden hat und ihn ignorieren. Alles andere bringt ihm nur mehr Aufmersamkeit als er verdient.

  3. fred.i
    27. Februar 2011, 0:54

    @Tobias: Natürlich. Ich hätte die Ironie besser kenneichnen sollen. ;)

  4. Kay
    27. Februar 2011, 9:16

    @Tobias – Ich schließe mich an! :-)

  5. Clemens
    27. Februar 2011, 10:57

    Ich hatte immer einen positiven Eindruck von Till Schweiger. Der wurde soeben zerstört.

  6. Fritz Goergen
    27. Februar 2011, 14:19

    Den Genitiv beherrscht Schweiger auch nicht: „… Privatspäre von einem Mann …“
    Guttenbergs würden sagen „eines Mannes“.

  7. SvenR
    27. Februar 2011, 15:27

    Was mich am meisten entsetzt ist dieses „Ich höre nie, was aus den Opfern wird“. Sowohl aus dem Munde Schweigers als auch als Schlagzeile in der Bildzeitung. Als ob die Opfer gerne von den Medien monatelang thematisiert werden wollten. Das wollen vielleicht manche Medien,um Quote zu machen.

  8. Complott
    27. Februar 2011, 16:24

    Ich frag‘ mich immer welcher Ghostwriter hinter diesen Abnicker-Parolen steckt. Oder denken sich die entsprechenden Persönchen ihre Gassenhauer selbst aus?

    Im Endeffekt egal, aber ich krieg‘ das Bild einfach nicht aus dem Kopf, wie bei BILD im Besprechungsraum 4.01B Schweiger mit Guttenberg zusammensitzt und von Peter L. Müller über den Strategieplan 2011 gebrieft werden.

  9. McGyver
    27. Februar 2011, 17:41

    Mal ganz ehrlich: Bei „Markus Lanz“ hat am 23.02.11 Michaela Schaffrath (die ehemalige Pornodarstellerin namens Gina Wild) auch ihren Senf zu der ganzen Sache dazugegeben.

    Ich finde es interessant, wer alles kompetent ist, wissenschaftliche Arbeiten einer deutschen Universität zu bewerten.

    Soviel zu der Kompetenz von Til Schweiger zu diesem Thema…

  10. Coffee And TV: » Kampagnenjournalismus
    27. Februar 2011, 21:41

    […] Genscher, Gregor Gysi, Jonathan Meese, David Garrett, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, aber natürlich auch Til Schweiger für das Blatt. Die dürfen dann zwar auch ein bisschen Kritik äußern, aber […]

  11. Wurstkopp
    27. Februar 2011, 23:47

    mit Verlaub, man sollte Schweiger überhaupt nichts fragen. man sollte Schweiger einfach, dass sein lassen was er ist.

    finde den fehler :D

  12. creezy@gmx.de
    28. Februar 2011, 10:27

    Aha, Schweiger hat, wenn ich Wikipedia Glauben schenken darf, auf Lehramt studiert – und abgebrochen. Und Medizin studiert – und abgebrochen. Wer’s nicht mal bis zum 1. Staatsexamen schafft, der hat vielleicht wenig Ahnung vom Procedere einer Promotion. Aber wer wenig Ahnung hat, sollte einfach mal still bleiben.

    Was Schweiger wohl als Bundesbürger nicht gerafft hat, eine Dissertation zu kopieren und so seinen Doktorenvater zu diskreditieren ist eine Sache. Sich vor das Volk stellen in einer offiziellen als Verteidigungsminister gehaltenen PK und dieses Volk darin offensichtlich zu belügen, dafür dann gegen den Artikel 5 im Grundgesetz zu handeln (Presseselektion), die andere. Und das ist nicht entschuldbar, weil als Minister im Amt gegen die Gesetzmäßigkeit dieser Demokratie agiert.

  13. Peter Mueller
    28. Februar 2011, 13:01

    Ganz schlimm fand ich Schweiger bei der NDR Talkshow am Freitag, als er sinngemäss folgende Unsinn vom Stapel liess: „Die Juden, die im Dritten Reich ermordet wurden, waren zu dumm um abzuhauen.“

    http://www.youtube.com/watch?v=Hlbf4phhGvs

    Wahrscheinlich hat er auch in Geschichte nur abgeschrieben…

  14. Sanftwut
    28. Februar 2011, 16:55

    Schweiger scheint völlig verpeilt zu sein. Das kommt davon, wenn man nur Drehbücher auswendig lernt und das Denken völlig einstellt.

  15. Schlumpfine
    28. Februar 2011, 18:35

    Das miese Gewäsch eines miesen Schauspielers. Es wäre schön, wenn Herr Schweiger demnächst wieder mal einen erfolglosen Versuch machen würde, in Hollywood Arbeit zu bekommen. Dann hätten wir sowohl sein doofes Geseiere als auch seine unterirdisch schlechten Filme los.

  16. pascalpaukner.com — Monatslektüre II
    1. März 2011, 13:04

    […] Hab den Mann bis vor kurzem in öffentlichen Debatten nicht wahr genommen, aber da sich die Wortmeldungen in letzter Zeit häufen: Kann es sein, dass Til Schweiger plant den Schwarzenegger zu machen und in die Politik zu gehen? Was Lukas Heinser am 26. Februar zusammengetragen hat, legt den Schluss jedenfalls nahe: Til Schweiger, die Guttenbergs und “Bild”. […]

  17. BXL
    1. März 2011, 19:09

    Jetzt fehlt eigentlich nur noch Lothar Matthäus… dann wäre das Trio perfekt.

  18. Jossi Grün
    9. März 2011, 13:36

    @ Peter Müller
    Hätten Sie mal lieber öfter abgeschrieben, dann wären Sie vielleicht nicht so früh von der Schule abgegangen – und hätten u.U. etwas mehr Auffassungsgabe entwickelt.
    Till sagt und meint etwas ganz anderes.

  19. Alexander Falke
    23. August 2012, 14:32

    Ich weiß es ist schon länger her, habe es aber erst heute (zufällig) auf Youtube gesehen und fühle mich verpflichtet meinen Senf dazu zu geben ^^

    Diese Bild-Titelseite ist total übertrieben. Er hat in dem Gespräch – meines erachtens – nicht überreagiert. Wie ich finde ist es für ein so heikles Thema, gerade für jemanden der selbst Kinder hat – durchaus verständlich wenn er etwas aufgebracht ist. Er hat seine Meinung gesagt wie alle anderen in der Sendung auch und das war vollkommen in Ordnung!

  20. Ein Schweiger kommt selten allein | Mediensalat
    7. März 2013, 22:57

    […] Geht es Ihnen vielleicht auch so wie mir? Ich kann diesen Typen mit der nasalen Stimme nicht mehr sehen, geschweige denn hören. Egal ob bei Markus Lanz, Stefan Raab oder sonstwo. Damit befinde ich mich in bester Gesellschaft: […]

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