Kategorien
Print

„New York Times“: Wir korrigieren jeden Fehler

Wäh­rend es deut­sche Medi­en mit der Kor­rek­tur von Feh­lern nicht ganz so genau neh­men …

Ent­schul­di­gung, ich erfah­re gera­de vom Cof­fee-And-TV-Euphe­mis­mus­be­auf­trag­ten, dass das viel zu freund­lich aus­ge­drückt war.

Wäh­rend den meis­ten deut­schen Medi­en die Kor­rek­tur ihrer Feh­ler scheiß­egal ist, hat sich die „New York Times“ (die auch schon mal wort­reich mit­ge­teilt hat­te, die bul­ga­ri­sche Haupt­stadt ver­se­hent­lich „Sophia“ und nicht „Sofia“ genannt zu haben) ges­tern mit einer ganz beson­de­ren Kor­rek­tur her­vor­ge­tan:

A lis­ting of cre­dits on April 28, 1960, with a thea­ter review of “West Side Sto­ry” on its return to the Win­ter Gar­den thea­ter, missta­ted the sur­na­me of the actor who play­ed Action. He is Geor­ge Liker, not John­son. (Mr. Liker, who hopes to audi­tion for a role in a Broad­way revi­val of the show plan­ned for Febru­ary, brought the error to The Times’s atten­ti­on last month. )

[via „Spie­gel Online“, die ihre Feh­ler im Gro­ßen und Gan­zen ganz gut kor­ri­gie­ren]

Kategorien
Film

Söhne Stammheims

Der Deut­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band beklagt sich dar­über, dass Con­stan­tin Film bei einer Pres­se­vor­füh­rung von „Der Baa­der Mein­hof Kom­plex“ soge­nann­te Kne­bel­ver­trä­ge unter­schrei­ben lässt.

Der Ver­trag für die Film­vor­füh­rung am 14. August in Mün­chen sieht vor, dass bei Ver­öf­fent­li­chun­gen über den Film vor dem 17. Sep­tem­ber eine Kon­ven­tio­nal­stra­fe in Höhe von jeweils 50.000 Euro durch den Jour­na­lis­ten und das Medi­um fäl­lig wird.

Nun kann man die Sache von zwei Sei­ten sehen: Con­stan­tin ist ein Unter­neh­men der Pri­vat­wirt­schaft, das ent­schei­den kann, wem es sei­ne Fil­me unter wel­chen Umstän­den vor­spielt. Ob man als Jour­na­list den Film vor­ab sieht oder nicht, ist im Wesent­li­chen völ­lig irrele­vant. Ande­rer­seits will Con­stan­tin ja schon, dass dar­über geschrie­ben wird, aber eben zu den eige­nen Kon­di­tio­nen. Und das kann eigent­lich nicht sein, dass jemand, der die Öffent­lich­keit sucht, die­se dann defi­nie­ren will.

Beson­ders albern ist in die­sem Fall natür­lich, dass „Der Baa­der Mein­hof Kom­plex“ auf einem Best­sel­ler beruht, der die wah­re Geschich­te der RAF nach­er­zählt.

Ich kann Ihnen also ohne Besuch der Pres­se­vor­füh­rung und ohne Unter­zeich­nung des Kne­bel­ver­trags bereits jetzt fol­gen­de Details ver­ra­ten:

  • Ulri­ke Mein­hof hilft bei der Befrei­ung Andre­as Baa­ders aus dem Lese­saal des Deut­schen Zen­tral­in­sti­tuts für sozia­le Fra­gen in Ber­lin.
  • Baa­der, Jan-Carl Ras­pe und Hol­ger Meins wer­den nach einem Schuss­wech­sel in Frankfurt/​Main ver­haf­tet.
  • Ulri­ke Mein­hof wird eher zufäl­lig ver­haf­tet.
  • In Stutt­gart-Stamm­heim wird den Ter­ro­ris­ten in einem extra dafür gebau­ten Gerichts­saal der Pro­zess gemacht.
  • Hol­ger Meins stirbt an den Fol­gen eines Hun­ger­streiks, an sei­nem Grab ruft Rudi Dutsch­ke „Hol­ger, der Kampf geht wei­ter!“
  • Am 8. Mai 1976 erhängt sich Ulri­ke Mein­hof in ihrer Gefäng­nis­zel­le.
  • Weder durch die Ent­füh­rung von Hanns Mar­tin Schley­er noch die der Luft­han­sa-Maschi­ne „Lands­hut“ kön­nen Baa­der, Ras­pe und Gud­run Ens­slin frei­ge­presst wer­den.
  • Nach der Befrei­ung der „Lands­hut“ wer­den Baa­der, Ras­pe und Ens­slin am Mor­gen des 18. Okto­ber 1977 tot in ihren Gefäng­nis­zel­len in Stamm­heim auf­ge­fun­den.

[via ix]

Kategorien
Digital

Have you ever seen the light?

„Was ist das?“ – „Das ist blau­es Licht.“ – „Was macht es?“ – „Es leuch­tet blau.“ („Ram­bo 3“)

Bil­der­ga­le­rien zu betex­ten, ist kei­ne ein­fa­che Sache. Beson­ders bei Kon­zert­fo­tos fällt einem irgend­wann nichts mehr ein. Das kön­nen Sie an bekann­ter Stel­le gut beob­ach­ten. 1

Inso­fern ver­dient es ein­fach Applaus, was dem Men­schen ein­ge­fal­len ist, der beim Online-Auf­tritt des „Köl­ner Stadt Anzei­gers“ Dienst an der Bil­der­ga­le­rie zum Kil­lers- und Mas­si­ve-Attack-Kon­zert hat­te:

"Blaues Licht auf der Bühne."

  1. Ich hal­te es übri­gens für erwäh­nens­wert, dass der Foto­graf von „RP Online“, den wir auf dem Hald­ern getrof­fen haben, sehr nett war. Ich bin mir nicht sicher, was ich erwar­tet hat­te – viel­leicht einen pfer­de­fü­ßi­gen Affen mit dem Wort „Klick­stre­cke“ in die Stirn geritzt oder etwas in der Art. Dem war aber nicht so.[]
Kategorien
Musik Rundfunk Digital

Im Weg, im Netz

WDR-Kameras beim Haldern Pop 2008

WDR-Kameras beim Haldern Pop 2008

WDR-Kameras beim Haldern Pop 2008

WDR-Kameras beim Haldern Pop 2008

Ja, es war ein biss­chen schwie­rig, beim Hald­ern Pop Fotos zu machen, auf denen kei­ne Fern­seh­ka­me­ras des omni­prä­sen­ten WDR zu sehen waren. Die Foto­gra­fen im Gra­ben klag­ten sich gegen­sei­tig ihr Leid und die zah­len­den Zuschau­er in den ers­ten Rei­hen übten sich im Dran­vor­bei­gu­cken.

Aber Rache ist süß: die High­lights des Hald­ern Pop 2008 – dem­nächst (viel­leicht) irgend­wann mit­ten in der Nacht im WDR-„Rockpalast“, aber schon jetzt auf You­Tube. Gefilmt von Fans für Fans:

Intro Fla­ming Lips (vom WDR gar nicht auf­ge­zeich­net)

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

[Direkt­link]

Kategorien
Musik Digital

Zwei Finnen mit einer Klappe

Eigent­lich soll­te hier ja Pau­se sein wegen Hald­ern-Live­ge­b­log­ge da drü­ben, aber …

Sie ahnen nie, wel­ches Medi­um sich schon am ers­ten Tag der Hald­ern-Bericht­erstat­tung mit einer lus­ti­gen klei­nen Ver­wechs­lung her­vor­ge­tan hat.

Na gut, Sie wis­sen es ver­mut­lich eh schon:

Eigentlich sollten ursprünglich die „Mystery Jets“ spielen, für die Band waren kurzfristig „Noah and the Whale“ eingesprungen. Aber auch die mussten gestern absagen, also ging Liam Finn in die Annalen ein als die Band, die das Jubiläumsfestival eröffnet hat.

Nee, wirk­lich nicht. Das (sehr gute) Album von Liam Finn (Sohn von Neil und Nef­fe von Tim Finn, die eben­falls nicht hier sind) erscheint zwar im Herbst auf dem Hald­ern-Pop-Label, aber der Mann ist im Moment in den USA auf Tour. Ges­tern gespielt hat/​haben finn. aus Ham­burg. Hab ich irgend­wo gele­sen.

[mehr „RP Online“]

Nach­trag, 9. August: Wenn bei der „Rhei­ni­schen Post“ auf eines Ver­lass ist, dann auf die Feh­ler­kor­rek­tur:

Aber auch die mussten gestern absagen, also ging finn. in die Annalen ein als die Band, die das Jubiläumsfestival eröffnet hat.

Kategorien
Musik Digital

Programmhinweis: Haldern-Blog

Heu­te star­tet in Rees-Hald­ern am schö­nen Nie­der­rhein das 25. Hald­ern-Pop-Fes­ti­val. Mit dabei sind unter ande­rem The Dodos, Fleet Foxes, Maxï­mo Park, Fla­ming Lips, Kula Shaker, Edi­tors, Kate Nash, Kili­ans, Iron & Wine, Guil­l­emots, Okker­vil River und Bernd Bege­mann – aber auch Kath­rin und ich.

Im Zuge einer feind­li­chen Über­nah­me (die aber sehr freund­lich ablief) wer­den wir das Hald­ern-Blog, das im ver­gan­ge­nen Jahr von den Kol­le­gen von Mujuk betrie­ben wur­de, mit Inhal­ten fül­len. Freu­en Sie sich auf aktu­el­le Fotos, Inter­views (hof­fent­lich) und das übli­che Geme­cker über das nie­der­rhei­ni­sche Wet­ter. Hier wird es in den kom­men­den Tagen ent­spre­chend ein wenig ruhi­ger zuge­hen.

Haldern Blog

Dis­clo­sure: Das Hald­ern-Blog wird unab­hän­gig vom, aber in enger Zusam­men­ar­beit mit dem Hald­ern-Pop-Ver­an­stal­ter Raum 3 betrie­ben. Wir bekom­men dafür kein Geld, aber (wie die meis­ten ande­ren Jour­na­lis­ten auch) frei­en Zugang zum Fes­ti­val.

Kategorien
Digital

In eigener Sache

Ich habe ges­tern beim Ent­sor­gen von Spam­kom­men­ta­ren ver­se­hent­lich (die­se Haken, die sich immer sel­ber irgend­wo set­zen) zwölf bis 15 rich­ti­ge Kom­men­ta­re ent­sorgt. Das tut mir leid.

Da ich aber noch alle Benach­rich­ti­gun­gen im Post­ein­gang habe, wer­de ich die Kom­men­ta­re jetzt hän­disch rekon­stru­ie­ren. Wenn Sie die E‑Mail-Benach­rich­ti­gung für neue Kom­men­ta­re akti­viert haben, wer­den Sie gleich einen ziem­li­chen Rutsch von Kom­men­ta­ren unter mei­nem Namen erhal­ten, die ich danach umfor­ma­tie­ren muss.

Ich bit­te die Unan­nehm­lich­kei­ten zu ent­schul­di­gen, in ein paar Stun­den soll­te wie­der alles in Ord­nung sein.

Nach­trag, 11:34 Uhr: Jetzt soll­te wie­der alles da sein. Gehäs­sig­kei­ten und Geläch­ter bit­te in den Kom­men­ta­ren, wüs­te Beschimp­fun­gen nur per E‑Mail.

Kategorien
Musik Rundfunk

Warum tut denn niemand was?

Es gibt Pres­se­mit­tei­lun­gen, die hin­ter­las­sen nichts als Angst und Schre­cken.

Hier die High­lights der ver­gan­ge­nen Tage:

Der Count­down auf der Söh­ne Mann­heims-Web­site kün­digt es an: in weni­gen Tagen ist es soweit – ab dem 08.08.08 ist die neue Sin­gle „Das Hat Die Welt Noch Nicht Gese­hen“ der Söh­ne end­lich im Han­del und als Down­load erhält­lich.

(Löwen digi­tal, Digi­ta­les Pro­dukt­ma­nage­ment)

Unter dem Titel „Der Dativ ist dem Geni­tiv sein Tod“ prä­sen­tiert das WDR Fern­se­hen drei Fol­gen der BASTIAN-SICK-SCHAU. Nach­dem der Jour­na­list und Best­sel­ler-Autor Bas­ti­an Sick mit sei­ner wit­zi­gen Mischung aus Lesung, Deutsch­stun­de und Gram­ma­tik-Come­dy seit län­ge­rem schon die größ­ten Hal­len füllt, bekommt Deutsch­lands bekann­tes­ter Sprach­pfle­ger nun end­lich sei­ne eige­ne Fern­seh­show: Das Bes­te aus sei­nen Büh­nen­pro­gram­men, kom­bi­niert mit Sket­chen, hoch­ka­rä­ti­gen Gäs­ten und einem klei­nen „Deutsch-Quiz“.

(WDR Fern­se­hen)

Die­se Nach­richt dient dem Ver­such, tech­ni­sche Pro­ble­me beim email-Ver­sand zu lösen.
Vie­len Dank für Ihr Ver­ständ­nis und freund­li­che Grü­ße
ZDF-Pres­se­stel­le

(ZDF, nach meh­re­ren Mona­ten jetzt offen­bar end­lich gelöst)

Kategorien
Musik

Listenpanik 07/​08

Die Ankün­di­gun­gen, was für Alben in die­sem Jahr noch so alles erschei­nen sol­len, machen mir ein biss­chen Angst. Im August geht’s los und es wird erst zur gro­ßen Best-Of-Live-und-Rari­tä­ten-Wel­le im Dezem­ber nach­las­sen. Davor lag aber noch der Juli, der jetzt nicht soooo viel Alben und Songs ange­spült hat, dafür aber eini­ge rich­tig gute. Und für zwei gewohnt sub­jek­ti­ve und unvoll­stän­di­ge Top-Five-Lis­ten reicht das alle­mal:

Alben
1. She & Him – Volu­me One
Die übli­chen Kli­scheesät­ze über sin­gen­de Schau­spie­le­rin­nen (inkl. Ver­weis auf „Ban­dits“) kön­nen Sie sich ja selbst aus­den­ken: „She“ ist Zooey Descha­nel, die Sie aus „Almost Famous“, „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“ oder der drit­ten Staf­fel von „Weeds“ ken­nen, „Him“ ist M. Ward, einer der ganz Gro­ßen im US-Indie-Folk. Fräu­lein Descha­nel singt aber nicht nur gut, sie spielt auch eini­ge Instru­men­te und hat fast alle Songs selbst geschrie­ben. Her­aus­ge­kom­men ist ein char­man­tes Album zwi­schen Folk und Six­ties Pop, für des­sen per­fek­te Rezep­ti­on sich irgend­wie Cabrio­fahr­ten durch wei­te Land­schaf­ten anbie­ten.

2. The Hold Ste­ady – Stay Posi­ti­ve
Ich muss ja zuge­ben, dass ich bis zu die­sem Jahr noch nie von The Hold Ste­ady gehört hat­te. Aber irgend­wie tauch­ten sie dann in allen von mir kon­su­mier­ten Musik­me­di­en auf und die CD stand an pro­mi­nen­ten Stel­len im Laden. Die Band kommt aus Brook­lyn, NY und sieht sich mit ihrer Rock­mu­sik in der Tra­di­ti­on von Hüs­ker Dü und Bruce Springsteen. Außer­dem klingt’s für mei­ne Ohren noch nach The Clash, R.E.M. und Ben Folds Five und da sehen Sie sehr schnell, war­um mir das Album gefällt. Eigent­lich han­delt es sich um 14 Pop­songs, die aber unter einer leich­ten Schmutz­schicht aus über­dreh­ten Gitar­ren ver­steckt sind – bis auf die Stel­len, wo sich die Schmutz­schicht löst und dar­un­ter zum Bei­spiel ein Harp­s­ichord (oder ein ähn­lich baro­ckes Instru­ment) zum Vor­schein kommt. Stel­len Sie sich die Coun­ting Crows zu „August And Ever­y­thing After“-Zeiten und Weezer zu „Pinkerton“-Zeiten gemein­sam auf einem Album vor und Sie sind nah dran. Ach, hören Sie es sich ein­fach an!

3. Black Kids – Par­tie Trau­ma­tic
Und schon wie­der so eine Indie­band. Was die Black Kids von den meis­ten ande­ren Bands, die in die­ser Serie schon zu Gast waren und längst wie­der ver­ges­sen sind, unter­schei­det ist die Tat­sa­che, dass sie aus Flo­ri­da kom­men. Ihr Debüt­al­bum haben sie aber unter der Regie von Ber­nard But­ler in Groß­bri­tan­ni­en auf­ge­nom­men, wes­we­gen sie auch eher bri­tisch klin­gen (ver­mut­lich taten sie das auch vor­her schon, aber so kommt eins zum ande­ren). „Par­tie Trau­ma­tic“ hat einen Über­hit („I’m Not Going To Teach Your Boy­fri­end How To Dance“, s.u.) auf der Haben­sei­te und ver­fügt über neun wei­te­re char­man­te Indiepop­schla­ger. In einem hal­ben Jahr ver­ges­sen, aber heu­te genau das rich­ti­ge.

4. Dir­ty Pret­ty Things – Romance At Short Noti­ce
Carl Barât ist der Paul McCart­ney der Liber­ti­nes: der net­te, weni­ger ver­rück­te, der ohne die komi­sche Frau. Eben nicht Pete Doh­erty. Und so, wie ich vie­les von McCart­ney bes­ser fand als die Len­non-Sachen, mag ich auch die Dir­ty Pret­ty Things mehr als die Babysham­bles. Auf ihrem zwei­ten Album klin­gen sie nach Mad­ness, The Clash und dann mal wie The Kooks in span­nend. Oder: etwas span­nen­der.

5. Beck – Modern Guilt
Sei­en wir ähn­lich: Beck lebt (ein biss­chen wie Oasis) von dem Ruf, eini­ge der bes­ten Alben der Neun­zi­ger auf­ge­nom­men zu haben. Nach dem phan­tas­ti­schen „Sea Chan­ge“ vor sechs Jah­ren kamen zwar zwei Stu­dio­al­ben und ein Remix­al­bum, aber die klan­gen irgend­wie so, wie Beck halt klingt. Was bei Oasis nicht wei­ter ins Gewicht fällt, ist bei einem wie Beck schon fata­ler – immer­hin war sein Sound mal inno­va­tiv und neu. Vor die­sem Hin­ter­grund sind dann auch die Songs, die man vor zehn Jah­ren ver­mut­lich urst cool gefun­den hät­te, heu­te eher noch okay. Aber weil ich im Juli nicht so vie­le neue Alben gehört habe, soll’s mal gera­de noch für die Lis­te rei­chen.

Songs
1. Black Kids – I’m Not Going To Teach Your Boy­fri­end How To Dance
Offen­bar soll es jetzt jedes Jahr den gro­ßen The-Cure-Gedächt­nis­hit geben. Was letz­tes Jahr den Shout Out Louds gelang, ist die­ses Jahr den Black Kids vor­be­hal­ten. Was für eine rie­si­ge Indie-Hym­ne, die jede Tanz­flä­che zum Bers­ten brin­gen dürf­te!

2. She & Him – This Is Not A Test
Wären die Beach Boys die Beach Girls gewe­sen, hät­ten sie so geklun­gen: „Baaaaaaaa“, gepfleg­tes Geschun­kel und ein Hauch von Melan­cho­lie hin­ter dem som­mer­li­chen Froh­mut. Der ver­mut­lich bes­te Song auf einem tol­len Album (s.o.)

3. Get Cape. Wear Cape. Fly – Wai­ting For The Mons­ter To Drown
Bei Get Cape. Wear Cape. Fly steht für mich das Album irgend­wie immer über den Songs. Vom Debüt könn­te ich kaum ein ein­zel­nes Lied benen­nen, das Gesamt­kunst­werk Album über­strahlt alles. Aber beim Wie­der­hö­ren des zwei­ten Albums (s. Lis­ten­pa­nik 03/​08) muss­te ich fest­stel­len, dass „Wai­ting For The Mons­ter To Drown“ ein Ham­mer­song ist. Big­beat, Strei­cher und „Baba“-Chöre, so schreibt man Hits. Also ein­fach: noch mal rein­hö­ren, Wahn­sinns­song!

4. Weezer – Heart Songs
Ange­regt durch die­sen Kom­men­tar habe ich mich dann doch noch mal näher mit der roten Weezer-Plat­te beschäf­tigt und sie­he da: „Heart Songs“. Nicht unbe­dingt ein ein­gän­gi­ger Rock­song, aber ein unglaub­lich anrüh­ren­der. Rivers Cuo­mo arbei­tet sämt­li­che Ein­flüs­se von Cat Ste­vens über Bruce Springsteen bis zur Erwe­ckung durch Nir­va­na und den Start der eige­nen Kar­rie­re ab und jeder Mensch, des­sen Ado­les­zenz durch Rock­mu­sik geprägt war (also unge­fähr jeder Mensch), weiß, wovon der Mann singt.

5. Fotos – Explo­die­ren
Von Fotos krie­ge ich irgend­wie immer nur die Sin­gles mit. Vor zwei Jah­ren zum Bei­spiel das gigan­ti­sche „Gigan­ten“, die­ses Jahr eben „Explo­die­ren“. Ein biss­chen Peter­Licht, ein biss­chen Ster­ne, ein biss­chen Super­punk. Ein sym­pa­thi­scher klei­ner Rock­song, in jedem Fall bes­ser als Madsen (was aller­dings auch ein ziem­li­cher Gemein­platz ist).

[Lis­ten­pa­nik – Die Serie]

Kategorien
Digital

Die Top-Themen von „RP Online“ (2)

"Schöne Sienna ist wieder solo" / "Sienna Miller ist wieder Single"

Kei­ne Angst, es han­delt sich natür­lich um zwei ver­schie­de­ne Arti­kel über … Sien­na Mil­ler, die wie­der solo ist.

Emp­feh­lens­wert ist aber auch der Arti­kel in der Mit­te, der mit sie­ben Bil­der­ga­le­rien bestückt ist, dar­un­ter eine, die selbst für „RP Online“-Verhältnisse ein wenig extra­va­gant ist.

[mehr „RP Online“]

Kategorien
Musik Digital

Über das Saugen (Over The Rainbow)

Die MCPS-PRS Alli­ance, das bri­ti­sche Äqui­va­lent zur GEMA, hat gemein­sam mit dem ame­ri­ka­ni­schen Markt­for­schug­nsun­ter­neh­men Big­Cham­pa­gne eine Stu­die über das Down­load­ver­hal­ten der User beim letz­ten Radio­head-Album „In Rain­bows“ her­aus­ge­ge­ben. Und die kommt zu inter­es­san­ten Ergeb­nis­sen.

Wir erin­nern uns: Radio­head hat­ten im ver­gan­ge­nen Okto­ber ihr Album „In Rain­bows“ für zwei Mona­te zum Down­load ange­bo­ten und die Hörer konn­ten dafür so viel Geld bezah­len, wie sie woll­ten – auch nichts. Weil Radio­head sich immer noch aus­schwei­gen, wie vie­le Leu­te das Album auf der offi­zi­el­len Sei­te her­un­ter­ge­la­den haben, kann Big­Cham­pa­gne nur Zah­len zu den Tor­rent-Down­loads prä­sen­tie­ren: 2,3 Mil­lio­nen Mal wur­de das Album zwi­schen dem 10. Okto­ber und dem 3. Novem­ber 2007 dort (ille­gal) her­un­ter­ge­la­den, 400.000 Mal allein am ers­ten Tag. Ande­re Alben nam­haf­ter Künst­ler kom­men auf Wer­te von bis zu 150.000 pro Woche.

Bei der „taz“ hat man die Stu­die ent­we­der nicht ganz gele­sen oder falsch ver­stan­den, denn der Arti­kel zur Stu­die ist mit „Expe­ri­ment geschei­tert“ über­schrie­ben. Klar: Wenn die Leu­te das Album lie­ber Klau­en, als es geschenkt zu neh­men, könn­te man das so sehen.

Die Macher der Stu­die Stu­die aller­dings wol­len das längst nicht so ver­stan­den wis­sen:

[A]nyone who has made it to the end of this paper and assu­mes that the pro­ject was a fail­ure has missed two cri­ti­cal points: first­ly, lots of peo­p­le bought the album in any one of its three for­mats and lots of peo­p­le went to see the show – and the word ‚lots‘ is robust no mat­ter which com­pa­ra­ti­ve mea­su­re you use. Second­ly, the wider pur­po­se of this paper is in many ways echo­ing the tone of the recent artic­le in The Eco­no­mist: ‚Pira­cy is a bad thing. But some­ti­mes com­pa­nies can use it to their advan­ta­ge‘.

[Der „Vor­teil“ war unter ande­rem, dass die Band ein zusätz­li­ches Kon­zert im Lon­do­ner Vic­to­ria Park anset­zen muss­te, weil der Andrang der Fans so groß war.]

Als Grund, war­um die Leu­te das Album lie­ber per Tor­rent gezo­gen haben als von der offi­zi­el­len Sei­te, gibt die Stu­die neben den tech­ni­schen Pro­ble­men am ers­ten Tag (Ser­ver­aus­fall, etwas umständ­li­cher Bestell­vor­gang) vor allem einen wei­te­ren an: die Leu­te ken­nen ihre Tor­rent­tra­cker, weil sie sie täg­lich nut­zen, und kamen gar nicht auf die Idee, es woan­ders zu ver­su­chen (auch wenn bzw. gera­de weil es das Album auch auf offi­zi­el­lem Weg für umsonst gab).

It is even less popu­lar to use phra­ses like ‚brand repu­ta­ti­on‘ when tal­king about the same sites the music indus­try cha­rac­te­ri­ses as shady, fly-by-night, and out­right cri­mi­nal. Make no mista­ke: The Pira­te Bay is a powerful brand with a ster­ling repu­ta­ti­on in the minds of mil­li­ons of young music fans.

Die Autoren zie­hen dann die Nine Inch Nails hin­zu, die ihr letz­tes Album „The Slip“ eben­falls zum kos­ten­lo­sen Down­load ange­bo­ten hat­ten – aller­dings in bes­se­rer Qua­li­tät und mit einem viel ein­fa­che­ren Pro­ze­de­re als Radio­head. Und sie­he da: die Mehr­heit der Leu­te lud das Album von der offi­zi­el­len Sei­te her­un­ter, nicht als Tor­rent. Das heißt also: Wenn man mit den bekann­ten Sys­te­men kon­kur­rie­ren will, muss man vor allem leicht zu bedie­nen sein – was im Übri­gen für das Prin­zip iTu­nes sprä­che.

Der span­nends­te Absatz der Stu­die indes sagt noch etwas ganz ande­res aus:

Fre­quent­ly, music indus­try pro­fes­sio­nals sug­gest that an increase in legi­ti­ma­te sales must neces­s­a­ri­ly coin­ci­de with a com­men­su­ra­te reduc­tion in pira­cy, as if this were a fact. Yet, the com­pa­ny Big­Cham­pa­gne has made no such con­sis­tent obser­va­ti­on in near­ly a deca­de of ana­ly­sing the­se data. Rather, it finds that pira­cy rates fol­low awa­re­ness and inte­rest. In other words, if you do a good job cul­ti­vat­ing a legi­ti­ma­te sales sto­ry, you must also expect a simi­lar up-tick in grey mar­ket acti­vi­ty. The big­gest sel­ling albums and songs are near­ly always the most wide­ly-pira­ted, regard­less of all the ‚anti-pira­cy‘ tac­tics employ­ed by music com­pa­nies.

Gut, dafür hät­te es jetzt nicht unbe­dingt eine Stu­die gebraucht, aber dass die­se Fak­ten mal in einer Ver­öf­fent­li­chung ste­hen, die die MCPS-PRS Alli­ance unter „Inde­pen­dent Stu­dies“ ver­öf­fent­licht (und an der ihr Chef-Öko­nom Will Page mit­ge­schrie­ben hat), das ist doch mal zumin­dest ein biss­chen inter­es­sant.