Die Zukunft ist ein Erklärbär

Von Lukas Heinser, 12. August 2008 18:27

Als Kind habe ich „Logo“, die ZDF-Nachrichten für Kinder, geliebt. Komplexe Sachverhalte wurden mit einfachen Worten und sympathischen Animationen auf eine Ebene heruntergebrochen, die Kinder in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern noch verstehen konnten. Heute wäre man wahrscheinlich froh, wenn die Nachrichten der Privatsender ungefähr die Komplexität von „Logo“ erreichen würden.

Dadurch, dass wir immer mehr aus allen Ecken der Welt erfahren, muss uns auch immer mehr erklärt werden. Was zum Henker, war (oder ist) da zum Beispiel gerade in Georgien los? Verstehen das die Kriegsparteien, die Journalisten, die einfachen Leute von der Straße?

Wie sollen also die Nachrichten der Zukunft aussehen? Die Vorstellung, dass auch meine Enkelkinder noch von blonden Frauen und Männern vor einer blauen Wand Meldungen aus aller Welt vorgelesen, selbige aber mitnichten erklärt kriegen, hat einerseits etwas beruhigendes, ist aber auch irgendwie unbefriedigend.

Axel Rudolph, Mediendesign-Student an der Berufsakademie Ravensburg, hat sich für seine Diplomarbeit ein Nachrichtenformat ausgedacht, das zeigen soll,

dass Bildung auch ‚cool‘ aussehen und dabei mehr an Musikfernsehen als an trockenen Geschichtsunterricht erinnern kann.

Um es sich nicht zu einfach zu machen, hat er sich für seinen Pilotfilm auch noch gleich eines der komplexesten Themen unserer Zeit ausgesucht: den Nahostkonflikt. Den in fünf Minuten erklären zu wollen, ist einerseits gewagt, klappt aber andererseits erstaunlich gut. Und optisch ist der Clip sowieso ein Hochgenuss:


knowledge // Der Nahostkonflikt from Axel Rudolph on Vimeo.

Sollten die Nachrichten der Zukunft tatsächlich so aussehen, ich bin mir sicher, dass viel mehr Leute einschalten und die Welt ein bisschen besser verstehen würden.

35 Kommentare

  1. OliverDing
    12. August 2008, 18:40

    Toll gemachter Artikel, der ab gleich am Anfang einen haarsträubenden Fehler enthält: Im Jahre 135 wird das Land von den Rämern besetzt, die die israelitische Bevölkerung vertreiben. Da die Römer schon zum Zeitenwechsel in Palästina waren und die jüdische Diaspora nach der Zerstörung des Tempels von Jerusalem ca. 70 n.Chr. beginnt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Israels), ist dieses Datum nicht mal mit der „Phantomzeit“ zu erklären.

  2. Axel
    12. August 2008, 18:59

    bei meinen recherchen wurde abwechselnd immer wieder das jahr 70 als auch das jahr 135 als zeitpunkt der vertreibung angegeben (http://www.israelheute.com/def.....8;idx=1742). ich hab mich dann für 135 entschieden, da es meist als zeitpunkt der wirklich endgültigen vertreibung angesehen wird (http://www.koinae.de/7JesusGott.htm). haarsträubender fehler? ich weiß nicht…

  3. Hirngabel
    12. August 2008, 19:36

    Super Ansatz! Gefällt mir wirklich gut, gerade was die optische Komponente sowie den grundsätzlichen Ansatz angeht (Stichwort „Logo“ – super Vergleich).
    Die Frage ist halt, ob man sowas in einer regelmäßigen Nachrichtensendung wirklich mit solch optischem Aufwand (zumindest sieht das danach aus) umsetzen kann. Ist wohl maximal was für ein wöchentliches Magazin und weniger etwas für tägliche, altuelle Nachrichten.

    Die inhaltliche Seite finde ich ganz gut zusammengefasst – so gut es bei einem derartig komplexen Feld halt möglich ist. Was in dem Clip halt völlig ausser Acht gelassen wurde (meiner Meinung nach aber ein sehr entscheidender Faktor beim Verlauf der Dinge war), waren die mehr als heterogenen Strukturen der arabischen Völker/Länder/Familienclans, die in der Region beheimatet waren.
    Hätte es sich dort wirklich um *die* Araber gehandelt, dann wäre der Verlauf im 20. Jahrhundert sicherlich ein anderer gewesen.

    Aber das ist halt die Schwierigkeit bei einer solchen Verkürzung – unter der Prämisse der zeitlichen Begrenzung ist das Ergebnis aber definitiv sehr klasse!

  4. Klaudia
    12. August 2008, 19:37

    solche Wissensvideos finde ich für mich ideal, wenn ich mir schnell einen Überblick über ein bestimmtes Thema verschaffen möchte. Sie sollten einen Sachverhalt einfach und anschaulich erklären können. Wenn solche Videos auch optisch noch wirklich gut rüberkommen bleibt der Inhalt auch häufig besser hängen. Hauptsache es driftet nicht in Galileo-artige FX-Filmchen ab.
    Ich finde sehr viele Erklärbär Videos von GOOD MAGAZIN großartig: http://www.goodmagazine.com/video

  5. DonDahlmann
    12. August 2008, 19:55

    Gefällt mir sehr gut und bringt zumindest die wichtigsten Fakten unter.

  6. OliverDing
    12. August 2008, 20:03

    Der Beitrag behauptet, die Römer hätten 135 n.Chr. Palästina besetzt. Fakt ist aber, dass der Auftand der Juden gegen die römischen Besatzer bereits 65 Jahre vorher stattfand. 135 verboten die Römer den Juden aber wegen weiteren, kleineren Aufständen das Betreten von Jerusalem. Der entscheidende Fehler ist das Datum der Besetzung.

    Letztlich ist das aber ein Detail, weil es für die spätere Entwicklung unerheblich ich, *wann* das passierte. Für die historischen Besitzansprüche der Juden ist es ziemlich nachrangig, ob sie 65 Jahre früher oder später vertrieben wurden. Die Entwicklung ab 1918 ist entscheidender für den bedauernswerten Zustand heute.

  7. fs
    12. August 2008, 22:13

    Optisch schick und spannend gemacht – aber auch gar nicht so weit vom Fernsehen unserer Tage weg. Länge des Films und Produktionsaufwand sprengen allerdings den üblicherweise beim TV im aktuellen Bereich zur Verfügung stehenden Rahmen deutlich.

  8. fs
    12. August 2008, 22:16

    Und römische Besatzungstruppen in Palästina gab es auch schon vor 70 n. Chr., auch wenn es noch jüdische Herrscher hatte.

  9. Philip S.
    13. August 2008, 2:03

    Aber würde die Länge und der Produktionsaufwand dann nicht durch eine steigende Quote gerechtfertigt, die eine weniger politisch/historisch gebildete Zielgruppe mit interessantem Bildmaterial anspricht?

    Für mich stellt sich mehr die Frage für welche Themen ist das überhaupt sinnvoll anwendbar und wo soll das ausgestrahlt werden…seh dafür nicht den Raum im Fernsehen von Heute. Denke da schauen die Leute lieber die gewohnten Wiederholungen von Galileo mit seichteren Themen.

  10. Ugugu
    13. August 2008, 10:01

    prima gemacht. erinnert mich stark an die geschichtslektionen auf „Arte“, die grafisch/technisch zwar weit weniger aufwendig produziert, aber deswegen noch lange nicht minder interessant sind.

  11. Antonio
    13. August 2008, 13:26

    Leider haben sich einige Ungenauigkeiten und Fehler eingeschlichen. Haarsträubend falsch ist die genannte Prozentzahl bei dem Teilungsplan der UN 1947. Die genannte Prozentzahl vermittelt den Eindruck, die Araber seien hier über den Tisch gezogen worden. Leider wird hier unterschlagen, dass zum Zeitpunkt der Teilung schon der Staat Jordanien mit einer palästinensischen Bevölkerungsmehrheit existierte, der über 80% des Gebietes der ehemaligen Provinz Palästina ausmachte. Die prozentuale Aufteilung im o.g. Bericht bezieht sich also auf den Rest des Territoriums. Deshalb handelt es sich in diesem Fall um einen entscheidenden Fehler, der die Parteinahme für die Palästinenser quasi vorwegnimmt.

    Weggelassen wurde auch, dass die Westbank und der Gaza-Streifen von 1948-1967 von Ägypten bzw. Jordanien besetzt waren und die Palästinenser in diesem Zeitraum keine Anstalten gemacht haben, einen Staat zu gründen bzw. überhaupt ein Interesse daran zu haben.

    Eine weitere schwerwiegende Unterlassung ist die nicht vorhandene Erwähnung der Gründung der Muslimbruderschaft in den 20er Jahren, die erheblichen Einfluss auf den seither noch schlimmer grassierenden Hass der Araber gegen die Juden hatte. Folge waren widerliche Progrome und ein Palästinenserführer namens Al-Husseini, der diese Progrome initiiert hatte und während des Zweiten Weltkriegs Seite an Seite mit Hitler in Berlin residierte. Es fehlte auch jegliches Wort über den Zionismus, mit dem sich zum ersten Mal seit dem Altertum eine Bewegung zur Gründung eines jüdischen Staates manifestiert hatte.

    Ich weiß, dass es unmöglich ist, alles in einem derart kurzen Bericht zu beleuchten. Die Frage ist, ob ein derartiger Bericht eine fundierte Meinungsbildung überhaupt zulässt und in dieser Form Sinn macht. Ich meine nein.

  12. Jörg
    13. August 2008, 14:07

    Schön und aufwendig gemachter Beitrag – bei den Privaten kommt derlei vielleicht wirklich nicht vor. Bei den Öffentlich-Rechtlichen schon.

  13. Andi
    13. August 2008, 16:27

    Antonio beat me to it … Eine Darstellung über den Nahostkonflikt, sei sie noch so kurz, ist weder komplett noch ausgewogen, wenn sie kein Wort über die Instrumentalisierung der Palästinenser durch ihre arabischen „Brüder“ verliert (warum z.B. haben die Jordanier ihnen nicht feste Wohnungen gebaut, statt sie 60 Jahre in Slums vegetieren zu lassen), oder über den Zionismus, oder über Camp David und überhaupt den doppelzüngigen Arafat, und über die antiisraelische Einstellung der europäischen Öffentlichkeit und was das mit allem zu tun hat, könnte man auch mal reden. Dann wär’s als Primer gut, etwa so wie „Le dessous des cartes“ auf arte, freilich stellt mein Held Jean-Christophe Victor da am Ende noch Bücher zum Weiterlesen vor, was immer sinnvoll ist.

    Die Grafiken sind aber gut.

  14. Christian P.
    14. August 2008, 10:31

    Wunderbar! Die Zukunftsversion der Super8-Filme des Geschichtsunterrichts der Mittelstufe.
    Kompakt, anschaulich, verständlich und unterhaltsam.

  15. Gust
    14. August 2008, 13:07

    Gut gemachter Film, der optisch auf jeden Fall anspricht. Allerdings hoffe ich dann doch, daß die Zukunft der Nachrichten bzw. Ähnliches so aussieht, da das m.E. dann doch zu vereinfachend ist.

    Da im Beitrag zum Video selbst die Kindernachrichten „Logo“ erwähnt wurden (gibt’s diese Sendung eigentlich noch?): Dafür wäre der Film sicher sehr gut geeignet.

  16. Gust
    14. August 2008, 13:08

    „daß die Zukunft der Nachrichten bzw. Ähnliches so aussieht“

    soll natürlich heißen

    „daß die Zukunft der Nachrichten bzw. Ähnliches *nicht* so aussieht“

  17. pat
    14. August 2008, 15:55

    Zukunft der Nachrichten? Für mich sind das keine Nachrichten, sondern eher ein Zusatzangebot das verschiedene Hintergründe beleuchten/erklären könnte. Was den Umfang angeht: finde es gerade gut, weil es so reduziert ist. Glaube nicht, dass ich es mir sonst angeschaut hätte. Die Kommentatoren da oben haben vermutlich noch nie etwas fürs Fernsehen erstellt und wollen hier nur mal zeigen wie umfangreich sie sich ja in diesem Thema auskennen. Zu viele Infos können den Zuschauer schnell vergraulen und damit wäre gerade bei einer jüngeren Zielgruppe niemandem geholfen.

  18. Lisa
    14. August 2008, 21:28

    Ich finde der Film ist sehr gut gemacht. Klar muss man ein solch komplexes Thema stark vereinfachen um es in so einer kurzen Zeit darstellen zu können. Ich habe auch immer Probleme damit habe wenn ein Thema so stark vereinfacht wird, dass es Fehler enthält. Aber vielleicht ist es doch besser, die Leute schauen sich eine (zu) stark vereinfachte Nachrichtensendung an und verstehen zumindest einen Teil davon, anstatt zu Galileo umzusschalten, wo das grösste XXL-Schnitzel Deutschlands gesucht wird oder wo erklärt wird, wie Tiefkühlpizza hergestellt wird. Das ist nämlich meiner Meinung nach für die meisten Leute die Alternative und nicht eine „richtige“ Nachrichtensendung oder gar ein Sachbuch zum Thema.

  19. Andi
    15. August 2008, 0:07

    Die Kommentatoren da oben haben vermutlich noch nie etwas fürs Fernsehen erstellt und wollen hier nur mal zeigen wie umfangreich sie sich ja in diesem Thema auskennen. Zu viele Infos können den Zuschauer schnell vergraulen und damit wäre gerade bei einer jüngeren Zielgruppe niemandem geholfen.

    Wo kämen wir denn auch hin, wenn Sendungen „zu viele Infos“ liefern würden!? Danach tut doch nur der Kopf weh, besonders, wenn auch noch zwei Seiten einer Debatte präsentiert werden. Wie soll man da wissen, welche die richtige ist?!?

    Nein nein, für die „jüngere Zielgruppe“ ist es am Besten, einfach „Tod den Juden“ mit hippen Beats und blitzenden Bildern zu unterlegen, wenn man das dann noch als Klingelton verkaufen kann, sind alle zufrieden, und der Kopf tut auch nicht mehr so weh.

  20. Markus
    15. August 2008, 10:22

    @Andi – Klar, Sachen zu vereinfachen ist nicht gerade toll, besonders, wenn eine tiefergehende Auseinandersetzung eigentlich zwingend notwendig ist. Aber wie Lisa schon treffend schreibt: Sowas wollen „die Leute“ (ja, verallgemeinernd, ich weiß) lesen. Oder warum hat die Bild-Zeitung im Vergleich zu anspruchsvolleren Blättern eine so hohe Auflage?

    Den Glauben, dass alle Menschen wissbegierig sind & sich komplexe Sachverhalte aneignen wollen habe ich schon vor langer Zeit aufgegeben – leider.

  21. Christian
    15. August 2008, 11:58

    @andi: mach die augen auf. in was für einer traumwelt lebst du denn? nicht jeder setzt sich mit den wichtigen themen unserer zeit so intensiv auseinander. das ist schade.keine frage. ABER ES IST SO UND WIRD SICH AUCH NIEMALS ÄNDERN. da finde ich es einen interessanten ansatz zu versuchen diese menschen in ihrer sprache (mit hippen beats und blitzenden bildern) zu erreichen. und von „tod den juden“ kann absolut keine rede sein. bleib mal auf dem teppich.

  22. Andi
    15. August 2008, 17:16

    Je länger man sich mit dem sogenannten Nahostkonflikt beschäftigt, desto weniger kann man meines Erachtens umhin, schon in der obsessiven europäischen Beschäftigung damit Antisemitismus zu erkennen … Aber gut, als Primer finde ich ein solches Format ja auch nicht schlecht, es sollte nur eben ausgewogen und korrekt sein. Selbst die „Bild“-Zeitung schafft es, zufriedenstellend aus Israel zu berichten …

  23. emblog
    16. August 2008, 15:37

    nachricht, information und unterhaltung…

    dass nachrichten uns täglich darüber informieren, was in der großen weiten welt so passiert ist klar. weniger klar ist den meisten menschen aber mittlerweile, warum etwas bestimmtes geschieht.
    durch coffee and tv bin ich auf ein sch……

  24. Gust
    16. August 2008, 23:27

    „Selbst die “Bild”-Zeitung schafft es, zufriedenstellend aus Israel zu berichten …“

    ¡¿o_O?!

    Ähem…

  25. Andi
    17. August 2008, 19:21

    Sicher, hast Du die „Bild“ z.B. während des Israel-Hisbollah-Krieges von 2006 gelesen? Natürlich berichtet sie boulevardmäßig, aber im Gegensatz zum Großteil der deutschen Medien nicht so widerlich antiisraelisch.

  26. Lukas
    17. August 2008, 19:49

    @Andi: Das könnte natürlich mit den Unternehmensgrundsätzen des Axel Springer Verlags zusammenhängen.

    Ansonsten wäre ich mit Formulierungen wie „widerlich antiisraelisch“ vorsichtig – oder würde sie wenigstens mit ein paar Beispielen zu unterfüttern versuchen.

  27. Andi
    18. August 2008, 13:31

    Ja, es ist schade, daß der Springer-Verlag extra einen Grundsatz formulieren muß, um nicht ebenfalls dem virulenten Antiisraelismus anheimzufallen, aber besser so als gar nicht. Zu Belegen: Hier ein Paper aus Harvard zur Berichterstattung über den Israel-Hisbollah-Krieg, das sich zwar hauptsächlich mit angelsächsischen Medien beschäftigt, aber ohne weiteres auch auf deutsche übertragbar ist. Hier ein widerlicher Artikel zum Thema aus der „Zeit“ und meine Meinung dazu. Und hier ein bißchen was über Hisbollywood. Mehr?

  28. david
    19. August 2008, 2:04

    „schon in der obsessiven europäischen Beschäftigung ist Antisemitismus zu erkennen“. hier dreht ja jemand völlig durch. Mehr? nein danke. mir ist schon schlecht.

  29. Andi
    19. August 2008, 12:50

    Dann ist es bloßer Zufall, daß über den Nahostkonflikt ständig und über andere Konflikte, in denen, oh, zum Beispiel über 5 Millionen Menschen gestorben sind wie im zweiten Kongokrieg, fast nie berichtet wird? Und darauf hinzuweisen ist „durchdrehen“? Pff …

  30. Lukas
    19. August 2008, 13:02

    Deine Argumentationskette ist beeindruckend. Bisher war ich davon ausgegangen, dass deutsche Medien über den Nahostkonflikt berichten, weil die Deutschen aus guten Gründen ein bestimmtes Verantwortungsgefühl gegenüber dem Staat Israel haben.

    Dass die deutschen Medien über palästinensische Selbstmordanschläge berichten, um sich an toten Juden zu weiden, halte ich für eine sehr gewagte Hypothese. Oder schlicht für Unfug.

  31. pat
    19. August 2008, 15:55

    Da kann ich Lukas nur zustimmen. Es ist sicherlich richtig, dass mehr über den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis berichtet wird, als über viele andere Konflikte in der Welt. Dafür gibt es aber eine Reihe anderer Gründe als Antisemitismus! Vor allem natürlich in Deutschland. Aber auch für die restliche Welt hat dieser Konflikt auf Grund seines Einflusses auf die politische Lage der gesamten Region (Stichworte: Öl oder Iran) und die Verflechtungen zum internationalen Terrorismus eine größere Bedeutung als z.B. der Krieg im Kongo. Der schwere Vorwurf des Antisemitismus sollte in Zukunft bitte bedachter eingesetzt werden.

  32. Andi
    19. August 2008, 21:27

    Mal davon abgesehen, daß sich meine Kritik nicht auf deutsche Medien beschränkt, die Obsession umfaßt ganz Europa, drückt sich dieses angebliche „Verantwortungsgefühl gegenüber Israel“ also darin aus, zuerst aus Hisbollah-Sicht zu berichten und dann Hamas Hilfsgelder zu überweisen? Don’t make me laugh. Und was die alte Ente betrifft, daß Nahost wichtiger sei als z.B. Pakistan oder Tschetschenien (lies: Georgien): Osama bin Laden sagt das auch. Aber natürlich, böse sind hier nicht Terroristen wie bin Laden und Arafat, sondern ein Wort wie „Antisemitismus“, das unsere zarten deutschen Gefühle verletzt.

    Und jetzt nochmal in halbwegs ruhig: Die (Neid)Obsession der arabischen Welt über 1% des Landes im Nahen Osten zu übernehmen, heißt notwendig auch, ihren Antisemitismus zu übernehmen. Oder gibt es einen anderen Grund, warum die Palästinenser von 1949-1967 keine Anstalten unternommen haben, in ihren damals von Ägypten und Jordanien besetzten Gebieten einen Staat zu gründen? Oder bis heute nichts unternehmen, 80% des ehemaligen Mandatsgebiets Palästina aus den Händen Jordaniens zu ziehen? Oder warum Saddam Hussein den Familien erfolgreicher Selbstmordattentäter 25.000$ überwiesen hat? Oder oder oder, weitere Fakten seien dem interessierten Leser zum Selbststudium überlassen, für den Anfang empfehle ich ein Googlen von „Samir Kuntar“.

    Mag ja sein, höre ich da? Mag ja sein, aber der Nahostkonflikt ist doch ein wichtiger globalpolitischer Fokuspunkt, höre ich da? Richtig, aber warum? Weil die Araber sich um ihre palästinensischen „Brüder“ sorgen? Erneut, don’t make me laugh, die arabischen Herrscher sorgen sich noch nicht mal um ihre eigenen Völker. Weil die Terroristen aus der Lage der Palästinenser neue Rekruten gewinnen? Schon besser, aber auch hier erneut, wie sind die Palästinenser in diese Lage geraten, und ist das Ziel der Terroristen Frieden (= keine Rekruten mehr) oder etwas anderes (Tod den Juden, z.B.), und sollten wir diese Rekrutierungsbemühungen durch einseitige und exzessive Berichterstattung unterstützen? Noch besser: „Fokuspunkt“ ist ein anderes Wort für Obsession, und diese Obsession erweist sich für die arabischen Despoten seit 60 Jahren als sehr nützlich, weil sie unter anderem von der himmelschreienden Unterdrückung und Rückständigkeit ihrer eigenen Gesellschaften ablenkt. Und entsprechend heißt die Fortsetzung dieser Obsession in den westlichen Medien, einem Alkoholiker seine Flasche zu geben.

    So, und während wir in Coabhängigkeit dafür sorgen, daß über 300 Millionen Araber weiter in Armut und Hoffnungslosigkeit geknechtet werden, rutschen Kriege wie in Tschetschenien (lies erneut: Georgien) oder der im Kongo (ich dachte immer, ich wäre zynisch, aber 5 Millionen Tote im Herzen Afrikas als bedeutungslos wegzuwischen, raubt selbst mir den Atem) unter unserem Radar durch, mit dem Ergebnis, daß wir uns dann groß wundern und Krokodilstränen heulen, wenn Ströme schwarzer Flüchtlinge vor unseren Mittelmeerinseln ertrinken oder die Sowjetunion wiedererrichtet wird. Ist es bei alldem, bei all dieser unverhohlenen Heuchelei und gnadenlosen Menschenverachtung dann ein Wunder, daß ich das böse, böse A-Wort benutze? Aber warum sollte ich Rücksicht nehmen auf die Gefühle von Leuten, die kein Hirn haben und kein Herz?

  33. Lukas
    19. August 2008, 21:58

    Aha.

  34. Andi
    19. August 2008, 22:24

    Ist das Deine ganze Antwort?

  35. Coffee And TV: » Dancing With Tears In My Eyes
    3. Dezember 2008, 23:28

    […] Nähe der Flüchtlingslager waren, und einmal mehr geht es um das heillose Durcheinander, das seit Generationen im Nahen Osten herrscht, und das mit “Jeder gegen Jeden” unzureichend, aber irgendwie […]