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Gesellschaft

Glühwein gegen den Hunger

Eines muss man der Poli­tik las­sen: Wir haben jah­re­lang unent­deck­te Rechts­ter­ro­ris­ten, eine sich täg­lich ver­schär­fen­de Euro­kri­se, den längs­ten Cas­tor-Trans­port aller Zei­ten und doch haben es die Poli­ti­ker geschafft, heim­lich still und lei­se die Hun­ger­ka­ta­stro­phe in Ost­afri­ka zu lösen. Zumin­dest hat man davon seit Mona­ten nichts mehr gehört und gele­sen.

Sar­kas­mus bei­sei­te: Die Hun­ger­ka­ta­stro­phe ist natür­lich noch nicht gelöst. Und da die Vor­weih­nachts­zeit ja eh die Hoch­pha­se der Cha­ri­ty-Events ist und unse­re Akti­on „Sau­fen gegen den Hun­ger“ im August in jeder Hin­sicht erfolg­reich ver­lau­fen ist, haben Jan und ich uns etwas neu­es ein­fal­len las­sen:

Die Regeln der Akti­on blei­ben denk­bar ein­fach:

Wir wer­de den glei­chen Betrag, den wir am Wochen­en­de (16. – 18.12) ver­fei­ern/­ver­kös­ti­gen/­ver­sau­fen/­weg-eska­lie­ren/nach der Par­ty ver­fres­sen für Afri­ka spen­den.

Wir haben uns wie­der für die­ses Pro­jekt ent­schie­den gera­de weil es momen­tan kom­plett aus den Medi­en ver­schwun­den ist und die Gut­ten­bergs und Co. wie­der alle Auf­merk­sam­keit auf sich zie­hen.

Also, für jeden Ein­tritt, jedes Bier, jeden Schnaps/​Sekt/​Döner/​sonstwas kommt der glei­che Betrag auf das Spen­den­kon­to der ARD.

Dann wirds zwar logi­scher­wei­se dop­pelt so teu­er, aber der Kater wird durch ein gutes Gewis­sen aus­ge­gli­chen…! (und wenn das nicht wirkt: Aspi­rin)

Wie beim ers­ten Mal kön­nen und wol­len wir nicht über­prü­fen, ob die Teil­neh­mer sich auch tat­säch­lich an die (recht vagen) Regeln hal­ten, aber wir glau­ben wei­ter­hin an das Gute im Men­schen.

Alles Wei­te­re zu „Glüh­wein gegen den Hun­ger“ erfah­ren Sie bei Face­book – und wenn Sie spen­den wol­len, ohne etwas zu trin­ken, kön­nen Sie das selbst­ver­ständ­lich auch tun.

Ob es auch eine Bene­fiz-Sin­gle zu dem Pro­jekt geben wird, ist noch nicht ent­schie­den.

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So viel Hitler war selten

Die Sen­sa­ti­ons­mel­dung des Jah­res ent­neh­men wir heu­te „RP Online“:

Hitler in bayerischer Höhle entdeckt

Dage­gen ver­blasst selbst die­se Schlag­zei­le auf der Titel­sei­te der heu­ti­gen „Bild“:

Schweighöfer küsst Hitler

Tat­säch­lich ver­hält es sich dann aber doch ein biss­chen anders:

Der Raben­fels bei Ren­nerts­ho­fen birgt seit rund 80 Jah­ren ein Geheim­nis, das nur weni­gen bekannt war. Wenn man weiß, dass der Berg einst den Zweit­na­men „Hit­ler­fel­sen“ hat­te, kann man erah­nen, wor­um es geht. 1933 mei­ßel­te ein Anhän­ger Hit­lers ein Por­trät des Füh­rers in den Stein – und das ist bis heu­te erhal­ten.

Fern jeder Selbst­er­kennt­nis berich­tet „RP Online“:

Anwoh­ner fürch­ten jetzt, der Fels kön­ne zu einer Wall­fahrts­stät­te der rech­ten Sze­ne wer­den.

Und Mat­thi­as Schweig­hö­fer? Der ver­klei­det sich in sei­nem neu­en Film als Frau und hat dann eine Sze­ne, in der er einen Schau­spie­ler küsst, der Adolf Hit­ler dar­stellt.

Die Über­schrift hab ich mir vom Kol­le­gen und Hit­ler-Blog­ger Dani­el Erk geborgt, des­sen neu­es Buch „So viel Hit­ler war sel­ten“ heißt.

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Digital Gesellschaft

Absolut nicht aussagekräftig

Es ist ein erschüt­tern­de Nach­richt, die „Spie­gel Online“ heu­te über­bringt:

Nir­gend­wo in Deutsch­land wer­den mehr rech­te Straf­ta­ten gezählt als in dem bevöl­ke­rungs­rei­chen Nord­rhein-West­fa­len.

Und nicht nur das: Auch die meis­ten Ver­kehrs­un­fäl­le, Ehe­schei­dun­gen und Ster­be­fäl­le wer­den im bevöl­ke­rungs­rei­chen Nord­rhein-West­fa­len gezählt. (Aber auch die meis­ten Ehe­schlie­ßun­gen und Gebur­ten.)

Tat­säch­lich bringt es erstaun­lich wenig, die abso­lu­ten Zah­len ver­schie­de­ner Bun­des­län­der zu irgend­ei­nem The­ma zu ver­glei­chen.

Im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2010 (PDF) steht zum Bei­spiel:

Die – in abso­lu­ten Zah­len – meis­ten poli­tisch rechts moti­vier­ten Gewalt­ta­ten mit extre­mis­ti­schem Hin­ter­grund ereig­ne­ten sich mit 149 regis­trier­ten Delik­ten in Nord­rhein-West­fa­len, das aller­dings bezo­gen auf je 100.000 Ein­woh­ner im mitt­le­ren Feld der Sta­tis­tik liegt.

Jörg Diehl, Düs­sel­dor­fer Kor­re­spon­dent des Online-Maga­zins, ver­brei­tet die wenig erstaun­li­che Null­in­for­ma­ti­on schon län­ger:

Das Kli­schee besagt zwar, Skin­heads und Neo­na­zis trie­ben vor allem im Osten der Repu­blik ihr Unwe­sen, doch in Wahr­heit wer­den nir­gend­wo in Deutsch­land mehr rech­te Straf­ta­ten gezählt als in dem bevöl­ke­rungs­rei­chen Nord­rhein-West­fa­len.

(31. August 2011)

Das Kli­schee besagt zwar, Skin­heads und Neo­na­zis trie­ben vor allem im Osten der Repu­blik ihr Unwe­sen, doch in Wirk­lich­keit wer­den nir­gend­wo in Deutsch­land mehr rech­te Straf­ta­ten gezählt als in Nord­rhein-West­fa­len.

(15. Juni 2011)

Das Gute an Diehls aktu­el­lem Arti­kel aber ist, dass man bei der Lek­tü­re kaum bis zu dem unsin­ni­gen Satz durch­dringt – vor­her ist man näm­lich schon über den Ein­stieg gestol­pert und bewusst­los lie­gen geblie­ben:

Man hät­te mei­nen kön­nen, die Neo­na­zis hiel­ten sich erst ein­mal zurück. Man hät­te den­ken kön­nen, die all­ge­mei­ne Empö­rung über die der Zwi­ckau­er Zel­le zuge­schrie­be­nen Ver­bre­chen mach­te sie viel­leicht nach­denk­lich. Doch das Gegen­teil scheint der Fall zu sein: Wäh­rend die Repu­blik mit der bit­te­ren Erkennt­nis ringt, dass es hier­zu­lan­de tat­säch­lich rechts­ra­di­ka­le Ter­ro­ris­ten gibt, schla­gen die Glat­zen in Dort­mund wie­der zu.

Natür­lich: Bei all der „all­ge­mei­nen Empö­rung“ wer­den Neo­na­zis „nach­denk­lich“. Weil das, was die­se Leu­te jah­re­lang am Liebs­ten gemacht hät­ten, schon jah­re­lang gemacht wur­de.

Wer sei­ne Arti­kel in einer der­ar­ti­gen rhe­to­ri­schen und logi­schen Schief­la­ge eröff­net, kann sie auch so been­den. Bei Jörg Diehl liest sich das so:

Jetzt aller­dings könn­ten die Dort­mun­der Neo­na­zis mit Sven K. einen schlag­kräf­ti­gen Kader ver­lie­ren. Seit Sonn­tag sitzt der 24-Jäh­ri­ge in Unter­su­chungs­haft und schon macht in Jus­tiz­krei­sen ein Wort die Run­de, das eigent­lich auch von den lin­ken Akti­vis­ten sehr begrüßt wird. Es lau­tet: Siche­rungs­ver­wah­rung.

Offi­zi­ell indes mag sich die Staats­an­walt­schaft dazu nicht äußern. Noch nicht.

Lin­ke Akti­vis­ten begrü­ßen das Wort „Siche­rungs­ver­wah­rung“ (aber nur eigent­lich) und die Staats­an­walt­schaft mag sich dazu noch nicht äußern. Und das alles im bevöl­ke­rungs­rei­chen Nord­rhein-West­fa­len.

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Man hat sich entschuldigt

In unse­rer belieb­ten Rei­he „Öfter mal ‚man‘ sagen“ heu­te zu Gast: Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg, Ex-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter und Ex-Dok­tor.

In dem ohne­hin hoch­gra­dig ver­stö­ren­den Gespräch, das „Zeit“-Chefredakteur Gio­van­ni di Loren­zo mit Gut­ten­berg geführt hat, ereig­net sich unter ande­rem fol­gen­der Dia­log:

ZEIT: Wel­che Fra­gen sind es denn, die Ihnen die Wohl­mei­nen­den stel­len?

Gut­ten­berg: Es ist vor allem die Fra­ge, wie es bei jeman­dem, des­sen poli­ti­sche Arbeit man sehr geschätzt hat, zu einer so unglaub­li­chen Dumm­heit wie die­ser Dok­tor­ar­beit kom­men konn­te. Und ich hat­te noch nicht die Mög­lich­keit, die­se Fra­gen in aller Offen­heit zu beant­wor­ten.

ZEIT: Was kön­nen Sie denn jetzt in aller Offen­heit sagen?

Gut­ten­berg: Es steht völ­lig außer Fra­ge, dass ich einen auch für mich selbst unge­heu­er­li­chen Feh­ler began­gen habe, den ich auch von Her­zen bedaue­re. Das ist in die­ser sehr hek­ti­schen Zeit damals auch ein Stück weit unter­ge­gan­gen. Eben­so, wie man sich damals bereits ent­schul­digt hat.

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Warum „Bild“ wohl über Herzog herzog?

Irgend­wann wird „Bild“ in der Rubrik „Ver­lie­rer des Tages“ mal über irgend­ei­ne Per­son schrei­ben: „XXX wur­de in einer gro­ßen deut­schen Bou­le­vard­zei­tung zum Ver­lie­rer des Tages erklärt. BILD meint: Zu Recht“

Bis es soweit ist, begnügt sich die Zei­tung mit sol­chen Vari­an­ten:

Verlierer: Kult-Regisseur Werner Herzog (69, "Fitzcarraldo") wurde in der Schule die Liebe zur Musik (vorerst) ausgetrieben. Fast eine Stunde habe der Lehrer ihn vor der Klasse stehen lassen, um ihn zum Singen zu zwingen. "Ich sang und schwor mir, nie wieder zu singen", verriet Herzog der "Zeit". BILD meint: Has(s)t du Töne?!

Das ergibt unge­fähr gar kei­nen Sinn. Nach der glei­chen Logik könn­te „Bild“ einem Kriegs­heim­keh­rer sein Kriegs­trau­ma vor­wer­fen oder einem Fern­seh­mo­de­ra­tor, des­sen ver­meint­li­ches Pri­vat­le­ben in der Bou­le­vard­pres­se aus­ge­brei­tet wur­de, des­sen Abnei­gung gegen­über der sel­bi­gen.

Es gibt auch kei­nen Anhalts­punkt, war­um „Bild“ Her­zog heu­te einen aus­wi­schen kön­nen woll­te: Im (hoch­gra­dig ver­stö­ren­den) „Zeit“-Artikel äußert sich der Regis­seur nicht über die Zei­tung oder Frie­de Sprin­ger, ja gera­de ges­tern war bei Bild.de anläss­lich des 20. Todes­ta­ges von Klaus Kin­ski noch ein Inter­view mit Her­zog erschie­nen.

Auch ein Blick ins „Bild“-Archiv macht nicht schlau­er, för­der­te aber eine schö­ne Bild­un­ter­schrift vom 23. April 2010 zuta­ge:

Alt-Bun­des­prä­si­dent Wer­ner Her­zog mit sei­ner Frau Alex­an­dra Frei­frau von Ber­li­chin­gen

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Digital

Jetzt oder Apophänie

Täg­lich gibt es neue Erkennt­nis­se, Spe­ku­la­tio­nen und Mut­ma­ßun­gen über die rechts­ra­di­kal moti­vier­te Mord­se­rie, die die Pres­se etwas wider­wil­lig nicht mehr als „Döner-Mor­de“ zu bezeich­nen ver­sucht.

Seit Mon­tag berich­ten die Medi­en dar­über, dass es even­tu­ell eine wie auch immer gear­te­te Ver­bin­dung zwi­schen der im Rah­men der Mord­se­rie eben­falls erschos­se­nen Poli­zis­tin und den Mör­dern gege­ben haben könn­te.

Der Arti­kel bei „Spie­gel Online“ endet mit den Wor­ten:

In Poli­zei­krei­sen kur­siert inzwi­schen eine neue Theo­rie der Tat: Dem­nach könn­ten sich die abge­tauch­ten Rechts­ter­ro­ris­ten und mut­maß­li­chen Kil­ler, Uwe Mund­los und Uwe Böhn­hardt, von der Beam­tin erkannt gefühlt haben. Viel­leicht führ­ten die Neo­na­zis etwas ande­res im Schil­de, als Kie­se­wet­ter und ihr Kol­le­ge Mar­tin A. dem Duo zufäl­lig über den Weg lie­fen. Das erklär­te, war­um die Täter das Risi­ko auf sich nah­men, zwei bewaff­ne­te Poli­zis­ten am hell­lich­ten Tag auf einem beleb­ten Platz nie­der­zu­schie­ßen. Sie glaub­ten, umge­hend han­deln zu müs­sen.

Das war nicht von Anfang an der letz­te Absatz. In der ers­ten Ver­si­on folg­ten noch zwei wei­te­re Sät­ze:

Offi­zi­el­len Anga­ben zufol­ge mach­ten die Beam­ten an die­sem brül­lend hei­ßen 25. April 2007 gera­de eine Pau­se, als sie atta­ckiert wur­den. Und dem Ver­neh­men nach aßen sie dabei Döner.

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Musik Rundfunk

Sehweg nach Indien entdeckt

Vor einem Jahr hat­te ich Ihnen von Poly­a­na Fel­bel vor­ge­schwärmt, einem Boy/​Girl Duo aus Köln. Die Band macht zur Zeit Baby­pau­se (das Girl ist Mut­ter gewor­den), aber man kann jetzt auch Musik von Poly­a­na Fel­bel kau­fen.

Streng genom­men kann man das seit elf Mona­ten, als die sehr schö­ne Debüt-EP erschien, aber die neu­es­te Ver­öf­fent­li­chung ist schon etwas beson­de­res: Auf dem Sam­pler der Erst-Inter­net-dann-auch-TV-Sen­dung „TV Noir“ ist neben exklu­si­ven Mit­schnit­ten von Wil­liam Fitzs­im­mons, Hea­ther Nova und Klee auch der Song „India“ von Poly­a­na Fel­bel ent­hal­ten. Und die­se CD kön­nen Sie bei Ama­zon, iTu­nes oder im loka­len Plat­ten­la­den erwer­ben.

Hier kli­cken, um den Inhalt von You­Tube anzu­zei­gen.
Erfah­re mehr in der Daten­schutz­er­klä­rung von You­Tube.

Die gan­ze Sen­dung mit Poly­a­na Fel­bel (und Annett Loui­san) kön­nen Sie auch heu­te Nacht noch ein­mal auf 3sat sehen, zu Beginn einer mit­tel­gro­ßen „TV Noir“-Nacht um 3.20 Uhr.

Alter­na­tiv gibt es die Sen­dung, von der ich immer noch nicht weiß, ob ich sie wegen ihrer Schwar­z/­Weiß-Ästhe­tik schön oder prä­ten­ti­ös fin­den soll, aber auch in die­sem Inter­net.

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Digital

Selena Gomez‘ kleiner Einblick

Jah­re­lang unent­deck­te Rechts­ter­ro­ris­ten, die Euro­kri­se, Regie­rungs­wech­sel in Grie­chen­land und Ita­li­en, Schüs­se auf das Wei­ße Haus und Por­no­fil­me bei Ryan Air – wir leben in schwe­ren Zei­ten.

Auch „Spie­gel Online“, lan­ge Jah­re Markt­füh­rer unter den deut­schen Nach­rich­ten­web­sites, berich­tet über die­se schwe­ren Zei­ten:

Bieber-Freundin Selena Gomez: Schwere Zeiten. Eine 20-Jährige behauptet, Justin Bieber sei der Vater ihres Kindes. Die Freundin des Teenie-Idols, sonst alles andere als zurückhaltend, hat die Gerüchte bisher nicht kommentiert. Nun gab Selena Gomez einen Einblick in ihre Gefühlswelt. Zumindest einen kleinen.

Sele­na Gomez, Sie erin­nern sich, ist die Haupt­dar­stel­le­rin der Dis­ney-Chan­nel-Serie „Die Zau­be­rer vom Waver­ly Place“, eine erfolg­rei­che Pop­sän­ge­rin und die Freun­din von Jus­tin Bie­ber, dem womög­lich größ­ten Pop­star unse­rer Tage.

Bie­ber hat­te in den ver­gan­ge­nen Wochen mit einer „pikan­ten Ange­le­gen­heit“ zu tun, die „Spie­gel Online“ ger­ne noch mal für uns zusam­men­fasst:

Die 20-jäh­ri­ge Mariah Yea­ter behaup­tet, der 17-Jäh­ri­ge sei der Vater ihres Kin­des. Bie­ber bestrei­tet das und erklär­te sich auch zu einem DNA-Test bereit. Nach eini­gem Wir­bel hat Yea­ter ihre Kla­ge auf einen Vater­schafts­test offen­bar zurück­ge­zo­gen, hält aber an ihrer Dar­stel­lung fest. Es scheint sich jedoch gegen sie zu wen­den: Nun berich­tet TMZ auch noch von angeb­li­chen SMS, die Yea­ter als Lüg­ne­rin ent­tar­nen sol­len.

(Nein, „Spie­gel Online“ ver­linkt nicht auf TMZ und erklärt auch nicht, was es mit die­ser angeb­li­chen SMS auf sich haben soll. Das steht da ein­fach nur so im Text rum.)

Aber das ist ja nur die Vor­ge­schich­te. „Spie­gel Online“ hat­te uns ja einen Ein­blick in die Gefühls­welt von Frau Gomez ver­spro­chen, zumin­dest einen klei­nen.

Blin­zeln Sie bes­ser jetzt noch mal schnell, denn gleich könn­ten Sie den ent­schei­den­den Moment ver­pas­sen:

Es war also ein guter Zeit­punkt für Gomez, um die Talk­show von Ellen DeGe­ne­res zu besu­chen. Es sei­en zwei ver­rück­te Wochen gewe­sen, sag­te die Mode­ra­to­rin. „Das ist noch harm­los aus­ge­drückt“, ant­wor­te­te Gomez. Es sei nicht leicht, damit umzu­ge­hen.

„War denn alles in Ord­nung bei dir?“, frag­te DeGe­ne­res. „Ja, war es“, sag­te Gomez.

Puh, durch­at­men.

Das war’s?

Zum Glück ging es dann schnell mit eher ange­neh­men Pro­blem­chen wei­ter. DeGe­ne­res und Gomez plau­der­ten fort­an über die tief­hän­gen­den Hosen von Jus­tin Bie­ber.

Das war’s.

Das ist „Spie­gel Online“ einen eige­nen Arti­kel wert, der als Top­mel­dung des „Panorama“-Ressorts auf der Start­sei­te ange­teasert wird. Und eine neun­tei­li­ge Bil­der­ga­le­rie, natür­lich.

Die tief­hän­gen­den Hosen wer­den dann sicher mor­gen groß abge­han­delt.

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Rundfunk

Schlagzeilen nach Athen getragen

Paul Ron­z­hei­mer, „Plei­te-Grie­chen“-Beauf­trag­ter von „Bild“, war kürz­lich im grie­chi­schen Fern­se­hen. Dort tat er, was er in sei­nen Arti­keln sel­ten tut, und dif­fe­ren­zier­te zwi­schen der grie­chi­schen Bevöl­ke­rung und der grie­chi­schen Poli­tik, wes­we­gen er jede Men­ge Zustim­mung bekam, wie er selbst schreibt.

Doch Ron­z­hei­mer war nicht allein im Fern­se­hen: Wir waren mit dabei – zumin­dest ein biss­chen.

Die Zei­tungs­aus­ris­se, mit denen die Gra­fi­ker der Sen­dung im Hin­ter­grund Ron­z­hei­mers Lebens­werk bebil­der­ten, hat­ten näm­lich wir aus­ge­ris­sen:

BILD­blog vom 7. März 2010.

Cof­fee And TV vom 22. Juni 2011.

Ich kann übri­gens gut ver­ste­hen, dass die Gra­fi­ker das nicht selbst machen woll­ten: Die obe­re Col­la­ge hat mich andert­halb Stun­den gekos­tet.

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Musik

Ich sang die ganze Zeit von Dir

Im Früh­jahr 2001 waren Ash groß. „Shi­ning Light“ lief auf Viva 2 rauf und run­ter und die Band spiel­te bei der guten alten Oster­rock­nacht in der Düs­sel­dor­fer Phil­ips­hal­le. Alan Bangs frag­te Sän­ger Tim Whee­ler damals, ob er eigent­lich noch mit der Frau zusam­men sei, über die er das Lied geschrie­ben habe, und Whee­ler ant­wor­te­te: Ja, das sei ja auch sonst komisch, den Song jeden Abend spie­len zu müs­sen. Inzwi­schen ist Tim Whee­ler mit Emmy The Gre­at zusam­men, die bei­den ver­öf­fent­li­chen in Kür­ze ein gemein­sa­mes Weih­nachts­al­bum. „Shi­ning Light“ spie­len Ash aber immer noch.

Man darf in der Musik wie in der Lite­ra­tur das Lyri­sche Ich nie mit dem Ver­fas­ser ver­wech­seln. John­ny Cash hat (nach allem, was wir wis­sen) nie einen Mann in Reno erschos­sen, nur um ihn ster­ben zu sehen. Und doch erwar­tet man beson­ders bei Lie­bes­lie­dern oft einen Zusam­men­hang zwi­schen Werk und Rea­li­tät – zumal, wenn der per­for­men­de Künst­ler sie selbst geschrie­ben hat.

Ande­rer­seits wird es natür­lich auch schnell unin­ter­es­sant, für wen ein Lie­bes­lied gedacht war, weil alle den Song auf ihren jeweils aktu­el­len Schwarm oder Part­ner pro­ji­zie­ren. Und irgend­wo in der Welt sitzt dann eine allein­er­zie­hen­de Mut­ter, die damit leben muss, dass ihr frü­he­rer Lebens­ge­fähr­te immer noch ein Hei­den­geld damit macht, sie zu besin­gen, obwohl er sie schon nach drei Mona­ten betro­gen hat, und für hun­dert­tau­sen­de Pär­chen ist ihr Lied (also das der Frau) jetzt „ihr Lied“ (also das der Pär­chen).

In Nick Horn­bys „High Fide­li­ty“ erklärt der Ich-Erzäh­ler Rob Flem­ming:

All my life I have wan­ted to go to bed with — no, have a rela­ti­onship with — a musi­ci­an: I’d want her to wri­te songs at home, and ask me what I thought of them, and may­be include one of our pri­va­te jokes in the lyrics, and thank me in the slee­ve notes, may­be even include a pic­tu­re of me on the insi­de cover, in the back­ground some­whe­re, and I could watch her play live from the back, in the wings (alt­hough I’d look a bit of a berk at the Lau­der, whe­re the­re are no wings: I’d be stan­ding on my own, in full view of ever­y­bo­dy).

Die Idee ist ver­mut­lich nur so lan­ge roman­tisch, wie die Bezie­hung noch intakt ist.

Auf sei­nem letz­ten Album erzählt Ben Folds in „Belin­da“ die Geschich­te eines altern­den Musi­kers, der jeden Abend sei­nen ein­zi­gen Hit spie­len muss, den er vor Jah­ren für sei­ne Ehe­frau geschrie­ben hat­te, bevor er sie für eine jün­ge­re Frau („big breasts /​ a nice smi­le /​ and no kids eit­her“) ver­ließ. Der Text zu „Belin­da“ stammt aus der Feder von Nick Horn­by und lan­ge dach­te ich, dass er damit auf eine ver­que­re Art Folds‘ per­sön­lichs­ten Text geschrie­ben hät­te.

Denn auch Folds spielt bei Kon­zer­ten immer noch „The Luckiest“. Als die­ses zau­ber­haf­te Lie­bes­lied vor zehn Jah­ren auf „Rockin‘ The Sub­urbs“ erschien, muss­te man anneh­men („I don’t get many things right the first time“), dass er das Lied für sei­ne drit­te Frau und die Mut­ter sei­ner Zwil­lin­ge („my col­la­bo­ra­tor, part­ner and wife“, wie er sie im Book­let bezeich­net) geschrie­ben hat­te. Im Jahr 2006 lie­ßen sich die bei­den schei­den.

In den Liner Notes zu sei­nem Retro­spek­ti­ve-Album „The Best Imi­ta­ti­on Of Mys­elf“ (auf dem auch drei neue Ben-Folds-Five-Songs sind, die ich hier sträf­li­cher­wei­se noch gar nicht gewür­digt habe) erklärt Folds nun, das Lied extra für einen Film geschrie­ben zu haben, in dem es dann doch kei­ne Ver­wen­dung fand.

Folds schreibt:

Any­way, I did­n’t under­stand com­ple­te­ly what I was wri­ting abaout until years later when I met my Fleur [sei­ne vier­te Ehe­frau].

Es erscheint auf den ers­ten Blick recht unglaub­wür­dig, dass aus­ge­rech­net so ein groß­ar­ti­ger Love­song „ein­fach so“ ent­stan­den sein soll­te. Ande­rer­seits ist das ja genau die Magie von Pop und womög­lich sind „I’ll Catch You“ (The Get Up Kids), „The Book Of Love“ (The Magne­tic Fields) oder „Balu“ (kett­car) in Wahr­heit auch für nie­mand spe­zi­el­len geschrie­ben. Dafür sind dann die Men­schen echt, die sich in „Song For The Dum­ped“ (Ben Folds Five) oder „Not Fair“ (Lil­ly Allen) ihre mensch­li­chen bzw. sexu­el­len Unzu­läng­lich­kei­ten vor­wer­fen las­sen müs­sen.

Jeden­falls hat Ben Folds die Geschich­te mit dem Film auch den Leu­ten vom „A.V. Club“ noch ein­mal erzählt, die ihn in sei­nem Stu­dio in Nash­ville, TN besucht haben. Den Song gespielt hat er bei der Gele­gen­heit auch:

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.avclub.com anzu­zei­gen.


Ben Folds dis­cus­ses and per­forms „The Luckiest“

„The Luckiest“ funk­tio­niert übri­gens auch sehr schön als Sam­ple in Novels „I Am“ und Ben Folds Five pla­nen, gemein­sam ein neu­es Album auf­zu­neh­men.

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Musik

Bernd Begemanns Gewaltphantasien

Ich hat­te mich neu­lich ein wenig über deutsch­spra­chi­ge Gegen­warts­mu­sik empört. Ein paar Wochen spä­ter hab ich Kraft­klub live gese­hen und damit die ers­te neue Band mit deut­schen Tex­ten seit sie­ben Jah­ren, die mich gekickt hat. Hop­fen und Malz sind also noch nicht ganz ver­lo­ren.

Bernd Bege­mann, des­sen Musik ich auch eher nur zu Tei­len schät­ze, hat offen­sicht­lich auch ein Pro­blem mit dem, was man die­ser Tage so zu hören bekommt:

„Der nor­ma­le Indiero­cker hat die­se Akus­tik­gi­tar­re, fängt ein Lied in A‑Moll an und singt dar­über, dass sei­ne Freun­din nicht zurück­ruft, dass er ein biss­chen trau­rig ist, ein biss­chen besorgt ist wegen der Welt, weil er so sen­si­bel ist. Mei­ne Güte, die­se Typen müss­te man alle bei den Ohren packen und auf die Tisch­kan­te schla­gen.“

Gesagt hat er das in einem Inter­view mit Radio Dreyeck­land und man muss Bege­manns lei­ern­den Sprach­fluss schon ertra­gen kön­nen, um das 20 Minu­ten lang aus­zu­hal­ten. Aber dafür bekommt man ein paar char­man­te Kol­le­gen-Bas­hings, Bege­manns Unter­schei­dung zwi­schen Schla­ger und Pop, sowie sei­ne etwas eige­ne Defi­ni­ti­on des Begriffs „Pop“ zu hören, was die zeit­li­che Inves­ti­ti­on durch­aus recht­fer­tigt. (Ich woll­te erst „mehr recht­fer­tigt als ein hal­bes Tim-Bendz­ko-Album“ schrei­ben, aber die­se Aus­sa­ge wäre ja qua­si all­ge­mein­gül­tig.)

Bernd Bege­mann im Inter­view

[via taz Pop­b­log]

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Rundfunk Digital

Gelegentlich angeblich

Falls Sie die letz­ten Tage unter einem Stein oder auf einem ande­ren Pla­ne­ten ver­bracht haben soll­ten: Hape Ker­ke­ling hat am Sams­tag bei „Wet­ten dass..?“ ver­kün­det, dass er nicht als Nach­fol­ger von Tho­mas Gott­schalk zur Ver­fü­gung stün­de. Eines der „drei wich­ti­gen Ämter in Deutsch­land“ (neben Kanzler/​in und Bun­des­trai­ner) ist damit nach wie vor unbe­setzt.

Das … äh: „Nach­rich­ten­por­tal“ rentner-news.de („Von Rent­nern – für Rent­ner“) hat heu­te Vor­mit­tag die „ulti­ma­ti­ve Wahr­heit über die ‚Wet­ten dass.…?‘-Nachfolge von Tho­mas Gott­schalk“ ent­hüllt:

Wie aus dem nähe­ren Umfeld des ZDF nach der Sen­dung ver­lau­te­te, sol­len eini­ge Vor­stands­mit­glie­der des ZDF erst wäh­rend der Live-Über­tra­gung erfah­ren haben, dass Hape Ker­ke­ling gele­gent­lich angeb­lich homo­se­xu­ell ist.

Auf­grund man­geln­der Erfah­run­gen auf die­sem Gebiet erschien ihnen dies inkom­pa­ti­bel zu den Pro­gramm­richt­li­ni­en des ZDF , und man ver­zich­te­te vor­sichts­hal­ber auf ein Enga­ge­ment von Hape Ker­ke­ling.

Die ande­ren Medi­en, sonst hyper­ak­tiv, wenn es um das The­ma „Wet­ten dass..?“ geht, haben die Geschich­te bis­her nicht auf­ge­grif­fen. Was womög­lich damit zusam­men­hän­gen könn­te, dass 20 Jah­re dann doch eine Zeit sind, in der selbst beim ZDF eine Nach­richt ankommt. So lang ist Ker­ke­lings Outing durch Rosa von Praun­heim bei „Explo­siv – Der hei­ße Stuhl“ fast auf den Tag genau her.

Nach­trag, 16.45 Uhr: Womög­lich han­delt es sich bei rentner-news.de aber auch ein­fach nur um eine Sati­re-Sei­te