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Lucky & Fred: Episode 10

Da sind wir wieder! Weil ja zum Glück im letzten halben Jahr nicht viel passiert ist, sprechen wir über deutsche Schauspieler auf Facebook und die Strategielosigkeit der europäischen Sozialdemokratie. Lucky will seinen Friedensnobelpreis zurückgeben und Fred gibt Nachhilfe in Sachen Flugzeugtechnologie. Also ein Abend für die ganze Familie.

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Politik Gesellschaft

Lucky & Fred: Episode 9

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Am Anschlag auf Charlie Hebdo und die Pressefreiheit führt auch bei uns kein Weg dran vorbei: Wir diskutieren, was Satire darf, und fragen uns, wie man Salafist wird, während Lucky überraschend sein Mitgefühl für Karnevalisten entdeckt.
Über einen Umweg nach Wien gelangen wir nach Griechenland und zur Geldmaschine Olympische Spiele.
Fred hält einen Nachruf auf Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und Lucky freut sich auf die Oberbürgermeisterwahl in Bochum.

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Schlagzeilen nach Athen getragen

Paul Ronzheimer, “Pleite-Griechen”-Beauftragter von “Bild”, war kürzlich im griechischen Fernsehen. Dort tat er, was er in seinen Artikeln selten tut, und differenzierte zwischen der griechischen Bevölkerung und der griechischen Politik, weswegen er jede Menge Zustimmung bekam, wie er selbst schreibt.

Doch Ronzheimer war nicht allein im Fernsehen: Wir waren mit dabei — zumindest ein bisschen.

Die Zeitungsausrisse, mit denen die Grafiker der Sendung im Hintergrund Ronzheimers Lebenswerk bebilderten, hatten nämlich wir ausgerissen:

BILDblog vom 7. März 2010.

Coffee And TV vom 22. Juni 2011.

Ich kann übrigens gut verstehen, dass die Grafiker das nicht selbst machen wollten: Die obere Collage hat mich anderthalb Stunden gekostet.

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Jugend hetzt

Bild gibt den Pleite-Griechen die Drachmen zurück

Ich kenne Paul Ronzheimer nicht persönlich. Er ist Redakteur im Parlamentsbüro der “Bild”-Zeitung. Heute wird er gemeinsam mit seinem Kollegen Nikolaus Blome den mit 10.000 Euro dotierten Herbert Quandt Medien-Preis für ihre gemeinsame Artikel-Serie “Geheimakte Griechenland” erhalten. (Mehr dazu bei Stefan Niggemeier.)

Das alles wäre angedenk der Griechenland-Berichterstattung von “Bild” schon bizarr genug, aber Ronzheimer ist ein paar Jahre jünger als ich. Wie die meisten Jungjournalisten begann auch Ronzheimer seine Karriere bei einer Regionalzeitung, in seinem Fall der “Emder Zeitung”, seinen ersten Auftritt vor einem Millionenpublikum hatte er im Februar 2005 im “Quiz mit Jörg Pilawa” im ARD-Vorabend. Anschließend muss er auf die schiefe Bahn geraten sein, denn vom Januar bis Juni 2008 besuchte er die Axel Springer Akademie.

Bei Springer machte er alsbald Karriere: Mit Anfang Zwanzig fragte er einen dreimal so alten Jugendforscher, wie “die Jugend von heute” denn so ticke, nach einem halben Jahr bei “Welt kompakt” wechselte er zu “Bild”. Erste Meriten erwarb er sich dort, als er mit einer Kollegin den damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss ins “Bild-Verhör” nahm, gegen den damals wegen des Besitzes von kinderpornographischem Material ermittelt und der später deswegen verurteilt wurde. Auf dem Höhepunkt der Diskussion um die sogenannten Internetsperren (die Älteren werden sich erinnern) stellte Ronzheimer Tauss dann als durchgeknallten Perversling dar und trug so zur Stimmungsmache von “Bild” für die heute längst vergessenen Pläne der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen bei.

Vorläufiger Höhepunkt von Ronzheimers noch junger Karriere bei “Bild” (und damit ein Tiefpunkt für die deutsch-griechischen Beziehungen und die Rolle des Journalismus in Deutschland) war der Tag, an dem er “den Pleite-Griechen die Drachmen zurück” gab. Da stand er auf dem Athener Omonia-Platz und wedelte mit Drachmen-Scheinen im Gegenwert von 30 Euro.

Und das Irre: Viele jubeln und reißen sich darum…

In der Person Ronzheimers, der zu diesem Zeitpunkt schon einige Drecksarbeit für die Volksverhetzungs-Taskforce von “Bild” erledigt hatte, überschritt die Zeitung an jenem Tag endgültig die Grenze zwischen Berichterstatter und Akteur. Es war ein “wir” (“Bild”, Deutschland, die Guten) gegen ein “die” (die Pleite-Griechen) geworden, daran ließ der Schluss seines “Artikels” keine Zweifel:

Seit Tagen spekulieren griechische und englische Zeitungen darüber, dass die “Bank of Greece” angeblich bereits ein Notprogramm zur Rückkehr zur Drachme vorbereitet.

Das wäre auch für unseren Euro das Beste …

Ronzheimers Arbeit blieb nicht folgenlos:

Auch BILD.de-Reporter Paul Ronzheimer bekam die Anti-Stimmung vieler Griechen zu spüren. Viele sind sauer auf die Deutschen, blafften ihn in Athen an.

Einer droht mit der Faust, brüllt: “Verschwindet hier!” Ein anderer: “Ihr Deutschen wollt uns doch am Abgrund sehen…”

Und über das Internet bekommt der Reporter seit Tagen dutzende Hass-Emails. Der Inhalt: Immer wieder NS-Vergleiche…

Neben seinen intensiven Abrissarbeiten am deutsch-griechischen Verhältnis und einem Ausflug zu den interessanterweise nicht so genannten Pleite-Iren fand Ronzheimer noch die Zeit, islamophobe Interessen zu bedienen: Im Oktober 2010 berichtete er im Rahmen der “Bild”-Serie “Wenn Multi-Kulti zum Irrsinn wird” über den “Islam-Mietvertrag” für ein Berliner Hochhaus. Weil die muslimischen Besitzer der Geschäftsimmobilie ihren potentiellen Mietern “Glücksspiele …, Prostitution, Verkauf, Produktion, Vertrieb oder Vermarktung von Alkohol oder Schweinefleisch, zinsbasiertes Bankgeschäft, Finanzgeschäfte oder Finanzdienstleistungen sowie Versicherungsgeschäft, mit Ausnahme von Versicherungen auf Gegenseitigkeit” untersagten, brüllte Ronzheimer staatstragend in die Welt:

Es ist ein Fall, der vielleicht mehr über Integration in Deutschland verrät als alle Politiker-Diskussionen zusammen.

IN BERLIN GIBT ES JETZT DEN ERSTEN MIETVERTRAG MIT ISLAM-KLAUSEL!

Was genau solche Auflagen “über Integration in Deutschland” verraten, verriet Ronzheimer dann zwar nicht, dafür musste er sich vom Deutschen Mieterbund erklären lassen, dass der Vermieter einer gewerblich genutzten Immobilie “alle möglichen Bedingungen stellen” darf. Die öffentliche Ordnung oder die freie Marktwirtschaft scheinen dadurch nicht wirklich in Gefahr, denn “in dem Gebäude in Berlin sind mehrere Etagen nicht belegt”.

Im Dezember durfte Ronzheimer mit den einschlägig erfahrenen Kollegen Rolf Kleine und Guido Brandenburg wild, aber ahnungslos auf der ARD rumhacken, weil die “ausgerechnet kurz vor Weihnachten” (also am 8. Juni) die Ausstrahlung ihres Programms über den Satelliten Hotbird eingestellt hatte und die deutschen Soldaten in Afghanistan “nur noch in die Röhre” schauen konnten.

Ronzheimers bisheriges Lebenswerks erweckt nicht unbedingt den Eindruck, als sei er jemand, der sich übermäßig für Details oder größere Zusammenhänge interessiert. Damit wäre er bei “Bild” freilich nur einer unter vielen, aber Ronzheimer ist gerade mal 25 Jahre alt. Und da setzt meine Vorstellungskraft aus.

Was bringt jemanden, der bei Facebook angibt, die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, den “Independent”, “Guardian”, die “New York Times” und den “New Yorker” zu mögen (witzigerweise aber auch “Griechenland Zeitung, Athens News, Berlin, Breathtaking Athens (All about Travel / Visit Athens ), Greece”), dazu, in Europas größter Boulevardzeitung Halbwahrheiten und plumpe Hetze zu verbreiten? In einem Alter, in dem die meisten anderen Menschen keine Tageszeitung lesen? Laut Tarifvertrag verdient ein Redakteur im 1. bis 3. Berufsjahr fast 3.000 Euro brutto, aber das allein kann doch keine Erklärung sein.

Man muss ja noch nicht mal Max Goldt bemühen, der jeden, “der zu dieser Zeitung beiträgt”, als “gesellschaftlich absolut inakzeptabel” bezeichnet hatte, denn es ist ja nicht nur der Umstand, dass Ronzheimer für “Bild” arbeitet, sondern vor allem das wie. Man wüsste zu gerne, was in ihm vorging, als er da in Athen stand und “mit Drachmen-Scheinen wedelte wie mit Bananen vor Affen im Zoo” (Michalis Pantelouris). Ich wüsste gern, ob seine Eltern stolz sind auf das, was ihr Sohn da macht, oder ob sie sich für ihn schämen. Ich meine: 25, das ist jünger als meine kleine Schwester!

Mein Weltbild lässt es zugegebenermaßen schon nur schwer zu, dass Menschen unter 80 in die Junge Union oder bei den Jungliberalen eintreten und ihre hochschulpolitischen Metzger damit nicht nur wählen, sondern selber Teil davon sind. Andererseits verzeihe ich jedem hochtalentierten Jungfußballer einen Wechsel zum FC Bayern, auch wenn sich die wenigsten dort durchsetzen. Aber ein Kerl wie Ronzheimer, der lässt mich völlig ratlos zurück. Er ist ja offensichtlich nicht dumm, man muss also annehmen, dass er sehr genau weiß, an was für menschenverachtenden, böswilligen Kampagnen er da fleißig mitarbeitet.

Mehr noch: Ronzheimer scheint sich bei seiner Arbeit ja richtig wohl zu fühlen. Was treibt diesen offensichtlich Getriebenen an? Woher kommt sein Hass auf die Griechen? Oder hat er gar keinen Hass und hetzt nur gegen das ganze Volk, weil er es kann — und bei “Bild” auch soll? Und wäre letzteres nicht sogar noch schlimmer?

Vor rund zwanzig Jahren gab es bei “Bild” schon mal einen jungen Überflieger mit lässiger Frisur und stylischer Brille. Sein Name: Kai Diekmann. Vor Paul Ronzheimer liegt womöglich eine große Zukunft.

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[…] Ich bin der Sohn eines Griechen, der während der Militärdiktatur nach Deutschland emigriert ist, und nach dem Ende der Junta in den griechischen Staatsdienst gegangen ist, weil er gelernt hat, dass Demokratie etwas ist, das man sich jeden Tag erarbeiten muss. Und ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Menschen getroffen, der auch nur annähernd so viel arbeitet wie mein Vater. Heute liest er offene Briefe in der Bild-Zeitung, im Stern und wo nicht noch alles, in denen Journalisten Deutschland zur reichen Tante fantasieren, die jetzt aber streng mit ihrem frechen Neffen sein muss, weil der so unverantwortlich mit ihrem Geld herumwirft. Ich bin selbst Journalist und ich schäme mich, wenn ich daran denke, dass mein Vater das liest. […]

Ich kann die Verachtung nicht in Worte fassen, die ich für die Kollegen mit ihren offenen Briefen empfinde, die sich ohne jede Recherche einen demütigenden Witz nach dem anderen aus den Fingern gesaugt haben, die sehenden Auges Vorurteile bis hin zum rassistischen Hass geschürt haben und die dabei nichts erreicht haben als den Zockern in den entsprechenden Investmentbanken noch ein bisschen in die Hände zu spielen. […]

Michalis Pantelouris, Hamburger Journalist mit griechischen Vorfahren, schreibt in seinem Blog Print Würgt über die mediale Hetze von “Bild” und Konsorten.