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Journalisten

Ich zucke immer zusam­men, wenn ich als „Jour­na­list“ vor­ge­stellt wer­de. Das hat wenig mit dem behaup­te­ten Kul­tur­kampf „Blog­ger vs. Jour­na­lis­ten“ zu tun (ich zucke auch zusam­men, wenn ich als „Blog­ger“ vor­ge­stellt wer­de) und viel mit dem, was in Deutsch­land für Jour­na­lis­mus gehal­ten wird.

„Jour­na­list“ ist kei­ne geschütz­te Berufs­be­zeich­nung, anders als zum Bei­spiel „Tier­arzt“. Metz­ger, Wil­de­rer und Auto­me­cha­ni­ker betrei­ben nach­weis­lich kei­ne Vete­ri­när­me­di­zin, das Werk von Volks­ver­het­zern, Lei­chen­fled­de­rern und sons­ti­gem cha­rak­ter­lo­sen Pack kann aber ohne wei­te­res als „Jour­na­lis­mus“ bezeich­net wer­den.

Des­halb wird Paul Ron­z­hei­mer, 25-jäh­ri­ger „Bild“-Redakteur, der auch ger­ne schon mal „den Plei­te-Grie­chen die Drach­men zurück“ gibt, mit dem Her­bert-Quandt-Medi­en-Preis (immer­hin benannt nach einem ande­ren gro­ßen Men­schen­freund und Wohl­tä­ter) aus­ge­zeich­net.

Und des­halb wer­den Druckerzeug­nis­se wie „Bild“, „Focus“ oder „Bun­te“ auch von seriö­sen Jour­na­lis­ten (die es natür­lich, um Him­mels Wil­len, auch gibt und die gut dar­an täten, die Bezeich­nung „Jour­na­list“ zu ver­tei­di­gen) als Jour­na­lis­mus ange­se­hen, obwohl es in der rest­li­chen zivi­li­sier­ten Welt eher unüb­lich ist, Bou­le­vard­jour­na­lis­mus als Jour­na­lis­mus wahr- oder auch nur ernst­zu­neh­men.

Jörg Kachelm­ann hat der „Zeit“ ein lan­ges Inter­view gege­ben und auch wenn die Inter­viewe­rin Sabi­ne Rück­ert selbst jetzt nicht gera­de als strah­len­des Bei­spiel für ordent­li­chen Jour­na­lis­mus bezeich­net wer­den kann, ist es ein beein­dru­cken­des Doku­ment.

Kachelm­ann sagt dar­in unter ande­rem:

Ich bin sicher, dass die Bou­le­vard­me­di­en über­all U‑Boote haben. In allen wich­ti­gen Orga­ni­sa­tio­nen haben die einen sit­zen, damit er mal kurz in den Com­pu­ter guckt. Wenn ich in einer Maschi­ne unter­wegs war, die nicht zu den Flug­li­ni­en des Fir­men­ver­bun­des Star Alli­ance gehört, hat mich nie ein Papa­raz­zo am Flug­platz erwar­tet.

Das lässt nur zwei Schlüs­se zu: Ent­we­der, der Mann ist ver­rückt (gewor­den), oder die­ses Land ist sehr viel upge­fuck­ter, als man sich das als Bür­ger gemein­hin vor­stel­len wür­de.

Das Inter­net­por­tal „Mee­dia“, des­sen Chef­re­dak­teur es als „ele­men­tars­te Auf­ga­be“ der Medi­en ansah, „das Dop­pel­le­ben des net­ten Herrn Kachelm­ann zu ent­hül­len“, und der es als „ruf­schä­di­gend für den Jour­na­lis­mus“ bezeich­net hat­te, den media­len Irr­sinn in Sachen Kachelm­ann zu hin­ter­fra­gen, die­ses Inter­net­por­tal jeden­falls schreibt heu­te über das Inter­view:

Schwenn habe nicht gebrüllt oder auf den Rich­ter­tisch gehau­en, wie die Bild berich­tet hat. Es ist nicht nur die­se Stel­le des Inter­views, die den Ein­druck erweckt, Kachelm­ann habe seit dem Pro­zess womög­lich eine etwas ver­scho­be­ne Wahr­neh­mung der Rea­li­tät. Zwar hat Schwenn tat­säch­lich nicht gebrüllt, aber sei­ne Art und Wei­se im Gericht vor­zu­ge­hen kann jeder, der anwe­send wahr nur als offe­ne Pro­vo­ka­ti­on emp­fun­den haben.

Kachelm­ann sagt, Schwenn habe nicht gebrüllt, und Schwenn hat nicht gebrüllt, aber Kachelm­ann hat eine „etwas ver­scho­be­ne Wahr­neh­mung der Rea­li­tät“? Was hat dann Ste­fan Win­ter­bau­er, Autor die­ser Zei­len? (Außer viel­leicht „den Schuss nicht gehört“.)

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Der hermetische Zirkel

Am Sonn­tag­abend ist die Dins­la­ke­ner McDonald’s‑Filliale bei einem Brand schwer beschä­digt wor­den.

Die „Rhei­ni­sche Post“ berich­tet vom Groß­ein­satz von Feu­er­wehr und Poli­zei:

Das gesam­te Gewer­be­ge­biet Mit­te, indem sich das Schnell­raustarant (sic) befin­det, wur­de in der Zeit von 22.15 bis 0.45 Uhr von Poli­zis­ten abge­sperrt, um zu ver­hin­dern, dass die Lösch­ar­bei­ten von Schau­lus­ti­gen behin­det (sic) wer­den.

Das mit der Absper­rung scheint nur mit­tel­gut geklappt zu haben. Oder der Foto­graf, der für „RP Online“ die 14-teil­i­ge Bil­der­ga­le­rie „Hier brennt ein McDonald’s ab“ foto­gra­fiert hat, hat­te ein sehr, sehr star­kes Tele­ob­jek­tiv dabei.

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Musik Rundfunk

Blöd On Blöd

Ich habe all das, was zu Bob Dylans sieb­zigs­tem Geburts­tag gesen­det, gesun­gen und geschrie­ben wur­de, nicht sehen, hören, lesen wol­len – und bin doch eini­ger­ma­ßen zuver­sicht­lich, den schlech­tes­ten Bei­trag zum The­ma gefun­den zu haben: Er lief im Rock’n’Roll-Maga­zin „Bri­sant“ im ARD-Vor­abend und wenn Dylan davon Wind bekä­me, wür­de er die Ver­ant­wort­li­chen schär­fer angrei­fen als die Adres­sa­ten in „Mas­ters Of War“.

Der Mode­ra­tor erklärt zunächst mal, dass sich die­ser Bob Dylan „im Lau­fe der Jah­re zu einem eigen­wil­li­gen, aber genia­len Rock-Poe­ten ent­wi­ckelt“ habe. Logi­scher wird’s anschlie­ßend nicht mehr.

Schon der ers­te Satz des Bei­trags lässt sich nicht von Raum und Zeit beir­ren:

„Like A Rol­ling Stone“ ist zum bes­ten Rock­song aller Zei­ten gekürt wor­den und Sän­ger Bob Dylan ist Mit­te der Sech­zi­ger Jah­re ein Halb­gott.

Doch weg von den Göt­tern, hin­ab in die Höl­le: Musik­ma­na­ger Tho­mas M. Stein habe Dylans Werk „ana­ly­siert“, erklärt die Spre­che­rin, doch bevor wir erfah­ren, wie es klingt, wenn Tho­mas M. Stein etwas ana­ly­siert, erfah­ren wir erst mal, wie es aus­sieht, wenn Tho­mas M. Stein etwas signiert – zum Bei­spiel sein eige­nes Hör­buch, das bei ihm deko­ra­tiv und in mehr­fa­cher Aus­fer­ti­gung auf dem Schreib­tisch liegt:

Dylan sei des­we­gen ein Mythos, erklärt Stein (nach­dem er zunächst „war“ gesagt hat­te, aber viel­leicht hat er auch nur dar­auf spe­ku­liert, dass sein O‑Ton der­einst in den Nach­ru­fen noch mal wie­der­ver­wen­det wird), weil er „wun­der­ba­re Lie­der, wun­der­ba­re Tex­te“ geschrie­ben habe. Denn eine schö­ne Stim­me habe der Mann ja nun wahr­lich nicht.

Nur: Er hat eine gan­ze Gene­ra­ti­on bewegt. Ver­ges­sen Sie nicht Wood­stock, das sind legen­dä­re Auf­trit­te, die Bob Dylan gemacht hat. Damals nur mit der Klamp­fe und mit der Gitar­re, ohne gro­ßen Back­ground, wäh­rend­des­sen ande­re schon rock­mä­ßig wei­ter – Rol­ling Stones und San­ta­na, wie sie alle hie­ßen – schon mit gro­ßem Orches­ter gereist sind, hat er sich sehr stark zurück­ge­hal­ten.

Was Tho­mas M. Stein bei sei­ner Ana­ly­se des Leben ’n‘ Werk Bob Dylans offen­bar ent­gan­gen ist: Dylan ist beim Wood­stock Fes­ti­val gar nicht auf­ge­tre­ten (die Rol­ling Stones übri­gens auch nicht und Car­los San­ta­na nicht mit Orches­ter).

Wei­ter Tho­mas M. Stein:

Er hat spä­ter einen Knick bekom­men in der Kar­rie­re, lus­ti­ger­wei­se, weil er von der nor­ma­len Akus­tik­gi­tar­re zur elek­tri­schen Gitar­re über­ge­gan­gen ist. Das haben ihm die alten Fans übel genom­men.

Ja, übel genom­men haben sie’s ihm, aber nicht „spä­ter“, son­dern beim New­port Folk Fes­ti­val 1965 – mehr als vier Jah­re vor Wood­stock.

Aber gehen wir doch noch ein paar Schrit­te zurück in die Geschich­te:

Hier in Min­ne­so­ta, USA kommt Robert Allen Zim­mer­man 1941 zur Welt.

Nun ist „hier in Min­ne­so­ta“ eigent­lich ein biss­chen unprä­zi­se, weil der Staat mit 225.000 Qua­drat­ki­lo­me­tern fast so groß ist wie die Bun­des­re­pu­blik ohne DDR, aber zum Glück kann man das ja bild­lich etwas prä­zi­sie­ren:

Irgend­wo ent­lang die­ser Stra­ße, also.

Doch es kommt noch schlim­mer. Viel schlim­mer, als sich die kran­ken Köp­fe hin­ter „Saw“, „Hos­tel“ und „Final Desti­na­ti­on“ es sich jemals hät­ten aus­den­ken kön­nen.

Auf­tritt Bern­hard Brink.

Den Schla­ger­sän­ger, der „in einem ande­ren Gen­re zuhau­se ist“, hat das ARD-Team offen­bar in sei­nem Lieb­lings­wein­lo­kal ange­trof­fen, wo er von der „gro­ßen Zeit der APO, Ende der Ach­ten­sech­zi­ger, in der gro­ßen Pro­test­zeit“ schwär­men darf. Er habe sich selbst „auch ’n Play­back besorgt von dem Klas­si­ker, hier“, des­sen Titel Brink offen­bar nicht mehr ein­fal­len will, was er aber char­mant mit einer eige­nen Inter­pre­ta­ti­on von „Blo­win‘ In The Wind“ über­geht.

So schlimm ist dann wie­der­um Bern­hard Brinks Gesangs­ein­la­ge nicht – zumin­dest, wenn man sie mit den zusam­men­hang­lo­sen Sät­zen ver­gleicht, die jetzt wie­der aus dem Off blub­bern:

Doch Bob Dylan will sich vor kei­nen Kar­ren span­nen las­sen; nicht für die Frie­dens­be­we­gung, nicht für die Musik­in­dus­trie. Dar­an ändert auch sei­ne Lie­be zu Sän­ge­rin Joan Baez nichts. Inter­views gibt er sel­ten – und wenn, dann kurz und schmerz­haft.

Man könn­te anneh­men, die „Brisant“-Leute hät­ten sich Joan Baez hier als eine Art Kar­ren gedacht, wenn es nicht kei­nen Grund gebe, anzu­neh­men, dass sie sich irgend­et­was gedacht haben.

Es folgt ein kur­zer Aus­schnitt, in dem sich ein sehr jun­ger Bob Dylan über eine sehr dum­me Inter­view-Fra­ge echauf­fiert, dann geht der über­ra­schen­de Ein­satz von Kon­nek­tiv­par­ti­keln wei­ter:

Den­noch: Von den zehn bes­ten Schall­plat­ten der Pop­ge­schich­te stam­men zwei von Bob Dylan.

Bis hier­hin ist es ein pein­li­cher, ahnungs­lo­ser Bei­trag. Doch jetzt wird der Jubi­lar nicht mehr nur von Schla­ger­bar­den besun­gen, jetzt wer­den ihm halt­lo­se Vor­wür­fe gemacht:

Ohne ihn hät­te es die deut­sche Rock­band BAP womög­lich nie gege­ben.

Natür­lich! Wenn in Deutsch­land alle Dyla­no­lo­gen abge­sagt haben mit dem Hin­weis, für sol­che Quatsch­for­ma­te wür­den sie nicht den Ham­pel­mann machen, dann gibt es immer noch Wolf­gang Nie­de­cken, den „Dylan der Süd­stadt“, von dem man einen kur­zen O‑Ton kriegt.

Dann spricht wie­der die Bou­le­vard-Fern­seh-Tan­te:

Der Mensch Dylan aber bleibt prak­tisch unsicht­bar: Nie­mand weiß genau­es über sei­ne vier Kin­der, das Schei­tern sei­ner ers­ten Ehe, wenig über sei­ne Dro­gen­sucht.

Das „aber“ hat natür­lich wie­der kei­ne logi­sche Funk­ti­on und tat­säch­lich gibt es über zwei der vier Dylan-Kin­der nicht mal Wiki­pe­dia-Ein­trä­ge, aber als Regis­seur von „Ame­ri­can Pie 3“ bzw. als Sän­ger der Wall­flowers sind Jes­se und Jakob Dylan dann doch irgend­wie mal so ein biss­chen in Erschei­nung getre­ten.

Doch zurück zu Bob und des­sen Schaf­fen, das Tho­mas M. Stein wie folgt zusam­men­fasst:

Er hat gezeigt, dass man neben „Lala“ auch noch was ande­res sin­gen kann.

Das hät­te nicht mal der Graf von Unhei­lig ver­dient.

[via Ralf]

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Digital

Auswärtsspiele: Duslog & Journalist

Seit ver­gan­ge­nem Sonn­tag hal­ten Ste­fan Nig­ge­mei­er und ich in uns einem Luft­kur­ort pen­sio­nier­ter Gene­rä­le ver­steckt – in Düs­sel­dorf. Der Grund dafür ist der Euro­vi­si­on Song Con­test, der die­ses Jahr über­ra­schend in der Stadt zwi­schen Köln und Dins­la­ken statt­fin­det. Was wir hier genau machen, kann man in bereits vier Fol­gen auf duslog.tv ver­fol­gen.

Vor­her habe ich noch knapp 10.000 Zei­chen dar­über geschrie­ben, was uns hier mut­maß­lich erwar­ten wird. Die­sen Text fin­den Sie in der aktu­el­len Aus­ga­be der Zeit­schrift „Der Jour­na­list“ und auf journalist.de.

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Da brat‘ mir doch einer ’ne Madonna!

Ich bin ja jetzt auch schon 27 Jah­re alt und ein paar Jah­re aus der Varie­tä­ten­lin­gu­is­tik raus, von daher muss ich die Fra­ge ein­fach stel­len: Hä?

22-jährige Sängerin aus England bricht alle Chart-Rekorde: Adele brät sogar Madonna ab!

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Digital Gesellschaft

Die Kunst des stilvollen Entkommens

Aus einer aktu­el­len Pres­se­mit­tei­lung des Ver­gleichs­por­tals fluege.de:

Wer trick­reich bucht, kann den­noch spa­ren

Japan-Rei­sen­de, die der­zeit spon­tan von Tokyo nach Deutsch­land flie­gen möch­ten, müs­sen zur­zeit viel Geld bezah­len – bis zu 8.200 Euro für ein Eco-Ticket. Das ergab eine Aus­wer­tung des größ­ten deut­schen Flug­por­tals fluege.de (2 Mio. Nut­zer im Monat, AGOF inter­net facts 2010-III). Wer Japans Kata­stro­phe lie­ber stil­voll mit einem First-Class-Ticket ent­kom­men möch­te, der muss der­zeit bei­spiels­wei­se für einen Flug von Tokyo nach Mün­chen sogar über 20.000 Euro bezah­len. (…)

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Musik Digital

About A Girl

Okay, das war schon blöd von Bild.de, auf den gefake­ten Twit­ter-Account von Emin­ems Toch­ter rein­zu­fal­len. Und hin­ter­her zu berich­ten, dass alle, inklu­si­ve man selbst, auf die Fäl­schung rein­ge­fal­len ist, den Ursprungs­ar­ti­kel aber unver­än­dert online zu las­sen, ist auch nicht so rich­tig cle­ver.

Was ich per­sön­lich aber haar­sträu­bend däm­lich fand, ist eine ganz ande­re Sache. Beim lus­ti­gen Rät­sel­spaß, um wes­sen Toch­ter es sich denn han­deln kön­ne, hat Bild.de auch Kurt Cobain im Ange­bot:

Handelt es sich bei dem gesuchten Papa um die verstorbene Rock-Legende Kurt Cobain († 28)?

28?!?

Jedes Kind (also: jedes Kind, das allei­ne auf dem Schul­hof steht, weil es unglaub­lich uncool und nerdig ist, aber in zehn Jah­ren sau­cool sein wird, wäh­rend die heu­te coo­len Kin­der dann mit Anzug und Kra­wat­te an ihrem Schreib­tisch in der Spar­kas­se hocken) weiß, dass Kurt Cobain zum „Club 27“ gehört und dem­nach – eben­so wie Jimi Hen­drix, Jim Mor­ri­son, Janis Jop­lin und Bri­an Jones – mit 27 gestor­ben ist.

Ich beto­ne das auch, weil ich seit Novem­ber älter bin, als Kurt Cobain je gewor­den ist.

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Kampagnenjournalismus

War­um musst du sprin­gen wie der Sprin­ger dich schuf
Mäd­chen, hat­test du nicht eigent­lich einen ande­ren Beruf

(Wir Sind Hel­den – Zieh Dir was an)

Wenn man Besu­cher­zah­len und Ver­lin­kun­gen als Para­me­ter für Erfolg ansieht, war es eine sehr erfolg­rei­che Woche fürs BILD­blog. Was uns aller­dings ver­wun­dert hat: Nicht einer der vie­len Arti­kel über die Son­der­be­hand­lung, die „Bild“ Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg ange­dei­hen ließ, hat letzt­lich unse­ren Ser­ver zum Knir­schen gebracht, son­dern der wüten­de, leicht hilf­lo­se Brief einer Pop­sän­ge­rin.

Die Wer­be­agen­tur Jung von Matt hat­te bei Judith Holo­fer­nes und ihrer Band Wir Sind Hel­den ange­fragt, ob die­se nicht im Rah­men einer Wer­be­kam­pa­gne „ihre of­fe­ne, ehr­li­che und un­ge­schön­te Mei­nung zur BILD“ äußern woll­ten. Das war ange­sichts der Tat­sa­che, dass Holo­fer­nes mit ihrer Mei­nung zu „Bild“ nie hin­term Berg gehal­ten hat­te, eine stei­le Anfra­ge – nach Maß­stä­ben von Wer­bern also womög­lich eine bril­lan­te Idee.

Aber Sän­ge­rin und Band woll­ten nicht auf ein Pla­kat, sie teil­ten ihre Ansich­ten der Mensch­heit lie­ber unent­gelt­lich mit: auf der eige­nen Web­site, bei uns und spä­ter, als bei­de Ser­ver am Boden waren oder in den Sei­len hin­gen, auch noch anders­wo.

Die Reak­tio­nen haben alles getoppt, was wir (und wohl auch die Band selbst) erwar­tet hät­ten. Mehr als 50.000 Men­schen haben inzwi­schen den Facebook-„Gefällt mir“-Button unter dem BILD­blog-Ein­trag geklickt, was für uns eine so unvor­stell­bar hohe Zahl ist, dass ich sie nur noch mit der Ein­woh­ner­zahl mei­ner alten Hei­mat­stadt ver­glei­chen kann. So gese­hen geht da also noch was.

Die Reak­tio­nen waren über­wie­gend, aber nicht aus­schließ­lich posi­tiv. Und sie war­fen auch Fra­gen auf, die ein Face­book-Freund von mir so auf den Punkt brach­te:

War­um ist das so ne Sen­sa­ti­on, das „Wir sind Hel­den“ nicht für BILD wer­ben? Das ist doch wohl das Min­des­te, das man von jeman­dem mit Anstand erwar­ten kann.

Ja, das stimmt natür­lich. Den­noch wer­ben Leu­te wie Hans-Diet­rich Gen­scher, Gre­gor Gysi, Jona­than Mee­se, David Gar­rett, Phil­ipp Lahm, Richard von Weiz­sä­cker, aber natür­lich auch Til Schwei­ger für das Blatt. Die dür­fen dann zwar auch ein biss­chen Kri­tik äußern, aber sie machen natür­lich trotz­dem für bun­des­wei­te Pla­ka­tie­rung und 10.000 Euro für einen guten Zweck gemein­sa­me Sache mit „Bild“. (Bemer­kens­wert übri­gens, dass der am ehes­ten „kri­tisch“ zu nen­nen­de Bei­trag aus­ge­rech­net der Radio­spot des Komi­kers Atze Schrö­der ist.) Die dama­li­ge Frau­en­recht­le­rin und heu­ti­ge „Bild“-Gerichtsreporterin Ali­ce Schwar­zer war übri­gens schon bei einer frü­he­ren „Bild“-Kampagne dabei.

Offen­bar ist der (an vie­len Stel­len rüh­rend unge­len­ke) Brief von Judith Holo­fer­nes ein biss­chen wie das Kind aus „Des Kai­sers neue Klei­der“, das „Aber der ist doch nackt!“ ruft. „End­lich sagt’s mal jemand“, lau­te­te an vie­len Stel­len der Tenor, was einen natür­lich schon ein biss­chen betrübt zurück lässt, wenn man seit Jah­ren zu bele­gen ver­sucht, was Holo­fer­nes jetzt noch mal auf­schreibt:

Die BILD –​Zei­tung ist kein au­gen­zwin­kernd zu be­trach­ten­des Trash-​Kul­­tur­­gut und kein harm­lo­ses “Guil­ty Plea­su­re” für wohl­fri­sier­te Auf­stre­ber, kei­ne wit­zi­ge so­zia­le Re­fe­renz und kein Li­­fes­­tyle-​Zi­­tat. Und schon gar nicht ist die Bild –​Zei­tung das, als was ihr sie ver­kau­fen wollt: Hass­ge­lieb­tes, aber wei­test­ge­hend harm­lo­ses In­ven­tar eines ei­gent­lich viel schlaue­ren Deutsch­lands.

Genau das war ja die Moti­va­ti­on von Ste­fan Nig­ge­mei­er und Chris­toph Schult­heis, als sie vor fast sie­ben Jah­ren BILD­blog gegrün­det haben: zu zei­gen, dass „Bild“ eben „kein lus­ti­ges Quatsch­blatt“ ist, wie Ste­fan es immer wie­der aus­ge­drückt hat.

Das scheint plötz­lich auch der „Spie­gel“ erkannt zu haben, der mor­gen – ein Zufall, tat­säch­lich – mit die­ser Geschich­te auf­macht:

Bild — Die Brandstifter

Ich habe das Heft noch nicht gele­sen, die Vor­ab­be­spre­chun­gen fal­len ziem­lich ent­täuscht aus und doch ist es bemer­kens­wert, dass sich ein gro­ßes deut­sches Medi­um so expli­zit mit „Bild“ befasst.

Den etwa 40.000 BILD­blog-Lesern an einem durch­schnitt­li­chen Tag (die­se Woche waren es meist mehr oder sehr viel mehr) und den 50.000 Face­book-Likes des Hel­den-Auf­sat­zes steht eine „Bild“-Auflage gegen­über, die zwar kon­ti­nu­ier­lich sinkt, aber immer noch bei 2,9 Mil­lio­nen liegt. Die Reich­wei­te (eine Zahl, die durch das Wer­fen von Hüh­ner­kno­chen bei Voll­mond ermit­telt wird) liegt sogar bei über elf Mil­lio­nen. Dage­gen neh­men sich selbst die Auf­la­ge und die Reich­wei­te des „Spie­gel“ (knapp eine Mil­li­on und 5,9 Mil­lio­nen) eher beschei­den aus, aber es ist eben ein Viel­fa­ches des­sen, was wir oder ein Medi­en­ma­ga­zin wie „Zapp“ erreicht. (Zumal der Anteil der Leu­te, die „Bild“ bis­her „irgend­wie ganz okay“ fan­den, unter den „Spiegel“-Lesern deut­lich grö­ßer sein dürf­te, als unter denen des BILD­blog.)

* * *

Ein Vor­wurf, der immer mal wie­der auf­kam, lau­te­te, mit ihrer Ant­wort hät­ten Wir Sind Hel­den „Bild“ nur noch mehr Auf­merk­sam­keit ver­schafft. Mit der glei­chen Logik könn­te man Green­peace vor­wer­fen, indi­rek­te PR für BP zu machen. Das alte Man­tra „Any PR is good PR“ steht im Raum, das ich für ziem­li­chen Unfug hal­te. Fra­gen Sie mal Jörg Kachelm­ann, wel­che Aus­wir­kun­gen die stän­di­ge Erwäh­nung sei­nes Namens in den Medi­en wäh­rend der letz­ten elf Mona­te auf des­sen Kar­rie­re und Leben gehabt haben! Zudem braucht die „Mar­ke“ „Bild“ unge­fähr so drin­gend wei­te­re Auf­merk­sam­keit von jun­gen, kri­ti­schen Men­schen, wie die „Mar­ke“ „Apple“ von Micro­soft-Ver­eh­ren und Linux-Fans.

Der ande­re Haupt-Kri­tik­punkt war, die Band wol­le doch nur auf sich auf­merk­sam machen. Ste­fan Win­ter­bau­er, der Blin­de unter den Ein­äu­gi­gen bei „Mee­dia“, schrieb:

Es ist bezeich­nend, dass “Wir sind Hel­den” einen sol­chen Popu­la­ri­täts­schub mit einer eher ober­fläch­li­chen und wir­ren Bild-Schel­te erreicht und nicht mit ihrer Musik. Das jüngst erschie­ne­ne Best-of-Album “Tau­send wir­re Wor­te” schaff­te es nicht mehr in die Top-Ten der Album Charts und ran­giert auch bei Down­load-Platt­for­men wie iTu­nes weit hin­ten.

Die Kom­men­ta­re bei „Mee­dia“ fie­len über­wie­gend ver­nich­tend aus, eini­ge zeig­ten sich gar „ent­täuscht“ von dem Medi­en­dienst, was inso­fern erstaun­lich ist, als das ja immer­hin eine vage posi­ti­ve Erwar­tungs­hal­tung vor­aus­set­zen wür­de.

Natür­lich kann man der Band die­sen Vor­wurf machen. Ich glau­be nur, dass er in die­sem spe­zi­el­len Fall ins Lee­re läuft: Es ist ja nicht das ers­te Mal, dass Judith Holo­fer­nes öffent­lich zu gesell­schaft­li­chen The­men Stel­lung bezieht, und auch nicht das ers­te Mal, dass sie „Bild“ schilt. Wenn eine Frau, die sonst für ihre durch­dach­ten Tex­te gelobt wird, sich regel­recht aus­kotzt und dabei ein Brief ent­steht, den man unter ästhe­ti­schen Gesichts­punk­ten eher so als „mit­tel“ bezeich­nen wür­de, neh­me ich ihr die Empö­rung wirk­lich ab.

* * *

Nun kam am Frei­tag auch die neue Sin­gle der Hel­den auf den Markt, wes­we­gen man der Akti­on ein „Geschmäck­le“ attes­tie­ren kann. Aller­dings lag uns das Ange­bot der Band, den Text zu ver­öf­fent­li­chen, schon neun Tage vor­her vor. Dass es letzt­lich so lan­ge dau­er­te, lag an der Ver­peilt­heit auf bei­den Sei­ten.

Und so rich­tig berech­nend wirkt Judith Holo­fer­nes auch nicht, wenn sie im Inter­view mit jetzt.de schon gegen die nächs­ten sti­chelt:

Also, wenn die­se E ‑Mail uns fünf schlaue, net­te Leu­te in die Arme treibt, die uns bis jetzt schei­ße fan­den, und wir die dann viel­leicht gegen die fünf Leu­te ein­tau­schen kön­nen, die uns in ihrem Plat­ten­re­gal neben den „Gra­fen“ gestellt aha­ben [sic!], weil sie „halt irgend­wie so deut­sche Tex­te mögen“, dann ist das doch ein guter Deal.

* * *

Und wäh­rend ich die­sen Ein­trag schrieb, erreich­te mich die Nach­richt, dass der Brief von Judith Holo­fer­nes mor­gen in einer ganz­sei­ti­gen Wer­be­an­zei­ge von „Bild“ in der „taz“ erschei­nen wird. Damit set­ze ich dann ger­ne auch dar­auf, wer aus die­sem Schar­müt­zel als Ver­lie­rer her­vor­ge­hen wird: die „taz“, wenn mor­gen wie­der ein paar hun­dert Abo-Kün­di­gun­gen ein­ge­hen.

Dis­clo­sure: Ich kann mit dem aktu­el­len Album von Wir Sind Hel­den nichts anfan­gen.

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Til Schweiger, die Guttenbergs und „Bild“

In der nicht enden wol­len­den Debat­te über den Betrug Karl-Theo­dor zu Gut­ten­bergs beim Ver­fas­sen sei­ner Dok­tor­ar­beit hat sich ein wei­te­rer Exper­te zu Wort gemel­det: der Schau­spie­ler und Regis­seur Til Schwei­ger.

„Ich habe, als ich noch stu­diert habe, auch abge­schrie­ben“, sag­te Schwei­ger im Radio-Ham­burg-Inter­view. Des­we­gen jetzt Gut­ten­bergs Rück­tritt zu for­dern, hal­te er für über­trie­ben, „weil ich fin­de, dass er eigent­lich bis jetzt einen super Job gemacht hat als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter“.

Nun möch­te ich nicht ver­heim­li­chen, dass mei­ne Mei­nung über Schwei­ger seit lan­gem sehr viel schlech­ter ist als mei­ne Mei­nung über Gut­ten­berg nach den Ereig­nis­sen der letz­ten Tage. Bei allen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten und Zwei­feln an sei­nen Metho­den wuss­te der Minis­ter zumin­dest bis­her wenigs­tens mit sou­ve­rä­nen Auf­trit­ten zu über­zeu­gen, bei denen ich dach­te: „Ich mag die­sen Kerl nicht, aber er macht das schon ver­dammt gut!“ Wann immer ich Til Schwei­ger sehe (und vor allem höre), ver­flu­che ich den Tag, an dem Paul Nip­kow das Fern­seh­ge­rät erfun­den hat.

Jeden­falls ist es nicht das ers­te Mal, dass die Namen „Schwei­ger“ und „zu Gut­ten­berg“ gemein­sam in der Pres­se ste­hen: Von diver­sen Preis-Ver­lei­hun­gen und „Ein Herz für Kinder“-Galas ab, ist vor allem das Pass-Spiel, das Schwei­ger seit eini­ger Zeit via „Bild“ mit Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg betreibt, bemer­kens­wert.

Als die Minis­ter­gat­tin sich im ver­gan­ge­nen Herbst als Gast-Mode­ra­to­rin der umstrit­te­nen RTL-2-Sen­dung „Tat­ort Inter­net“ ver­such­te und dafür viel Kri­tik erhielt, mel­de­te sich Schwei­ger in „Bild“ zu Wort:

Til Schwei­ger, selbst Vater von vier Kin­dern, sag­te BILD: „Ich ver­fol­ge seit 2 Wochen den media­len Auf­schrei über das For­mat ‚Tat­ort Inter­net‘ und den Hohn und Spott, der über Frau zu Gut­ten­berg aus­ge­schüt­tet wird, das macht mich erst sprach­los und dann vor allen Din­gen wütend! In was für einer Gesell­schaft leben wir denn?“

Der Schau­spie­ler fragt: „Wo bleibt der Bei­fall? Wo ist der empör­te Auf­schrei über die­se wider­li­chen, arm­se­li­gen Schwei­ne? Hab ich noch nichts von gele­sen, ich lese nur von ‚an den Pran­ger stel­len‘, ‚Hexen­jagd‘ usw… War­um macht man sich mehr Gedan­ken um die Pri­vat­sphä­re von einem Mann, der Kin­dern por­no­gra­fi­sche Fotos von sich schickt und sich dann mit ihnen ver­ab­re­det? So naiv kann doch nie­mand sein, oder doch? All denen, die in den letz­ten zwei Wochen ihre hämi­schen Kom­men­ta­re ver­fasst haben, rufe ich zu: Redet mit euren Kin­dern, klärt auf und warnt sie, denn es könn­te euer Kind als nächs­tes betrof­fen sein!“

Das war schon eine ganz gute Gene­ral­pro­be für Schwei­gers Stamm­tisch-Auf­tritt bei Mar­kus Lanz, wo er sich über das „deut­sche Gut­men­schen­tum“ und „intel­lek­tu­el­le Men­schen“ empör­te und Sexu­al­straf­tä­tern ihre Men­schen­rech­te abspre­chen woll­te, was ihm das erwart­ba­re Lob von „Bild“ ein­brach­te:

Kinderschänder-Debatte: Til Schweiger: Wut-Ausbruch im TV!
Aber nicht nur von „Bild“ selbst:

Auch Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg (34), Prä­si­den­tin der deut­schen Sek­ti­on von „Inno­cence in Dan­ger“, hat den TV-Auf­tritt von Til Schwei­ger (47) ver­folgt. Gut­ten­berg zu BILD: „Es ist toll, dass Til Schwei­ger unbe­que­me Wahr­hei­ten aus­spricht und sei­ne Popu­la­ri­tät dafür ein­setzt, Men­schen wach­zu­rüt­teln! Ich weiß, dass ihm vie­le Men­schen zu die­sem Mut gra­tu­lie­ren.“

Doch die Minis­ter­gat­tin und der Krea­tiv­wirt­schaft­ler kom­mu­ni­zie­ren nicht nur indi­rekt:

Schwei­ger: „(…) Sogar Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg hat mir eine SMS geschickt.“
BILD: Was hat die Minis­ter­gat­tin geschrie­ben?
Schwei­ger: „Sie hat sich bei mir bedankt!“

Falls Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg doch noch sei­nen Hut neh­men muss, wäre Schwei­ger womög­lich der Wunsch-Nach­fol­ger der „Bild“-Redaktion. Wobei die Sol­da­ten das ver­mut­lich nicht so gut fän­den …

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Von der Außenwelt abgeschnitten

Zuge­ge­ben: In der Pres­se­stel­le des Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums möch­te man die­ser Tage auch nicht arbei­ten.

Heu­te stand der Start der Bun­des­wehr­re­form auf dem Pro­gramm, in den letz­ten Tagen gab es die eine oder ande­re unschö­ne Mel­dung über die wis­sen­schaft­li­che Repu­ta­ti­on des Minis­ters und dann berich­te­te die „Finan­cial Times Deutsch­land“ auch noch, dass die Bun­des­wehr eine „gro­ße Wer­be­kam­pa­gne“ bei „Bild“, „Bild am Sonn­tag“ und Bild.de schal­ten wol­le.

Wegen die­ser „FTD“-Meldung hat­te ich eini­ge BILD­blog-Fra­gen an das Minis­te­ri­um. Aus der Erfah­rung weiß ich, dass ich bei Ver­su­chen, den rich­ti­gen Ansprech­part­ner zu tref­fen, immer zunächst den fal­schen anru­fe und es auch nie mög­lich ist, mich zu ver­bin­den.

Doch so weit kam ich heu­te nicht. Als ich die Lis­te der Pres­se­spre­cher durch­klick­te, bot sich mir fol­gen­des Bild:

Weil ich ger­ne den Wald vor lau­ter Bäu­men nicht sehe, frag­te ich Freun­de und Kol­le­gen, ob sie die Kon­takt­da­ten der Spre­cher irgend­wo sähen. Nein, taten sie nicht.

Die Sei­ten mit den Ansprech­part­nern sind alle auf dem Stand vom heu­ti­gen 24. Febru­ar 2011. Im Goog­le-Cache fin­den sich noch die Ver­sio­nen von letz­ter Woche und die sahen bei­spiels­wei­se so aus:

Die Über­sichts­sei­te, auf der sonst immer die „Zen­tra­le Ser­vice­num­mer für Pres­se­an­fra­gen und Medi­en­ver­tre­ter nach Dienst und am Wochen­en­de“ ange­ge­ben war, wur­de offen­bar schon am Diens­tag über­ar­bei­tet.

Alt:

Neu:

Ich habe jetzt mal nicht beim Minis­te­ri­um nach­ge­fragt, was das zu bedeu­ten hat.

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Most People Are DJ’s

Die Dis­kus­si­on um die omi­nö­se Dok­tor­ar­beit von Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg erreicht in schwin­del­erre­gen­dem Tem­po immer neue Meta-Ebe­nen: Ulf Pos­ch­ardt, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur der „Welt am Sonn­tag“ und Her­aus­ge­ber von „Rol­ling Stone“, „Musik­ex­press“ und „Metal Ham­mer“, ver­öf­fent­lich­te am Sams­tag in der „Welt“ einen Auf­satz über die Kul­tur­tech­nik des Sam­plings und des Mash-Ups.

In gewohnt unein­deu­ti­gem Oszil­lie­ren zwi­schen Ernst und Iro­nie ernennt er zu Gut­ten­berg zum „Jay‑Z der bür­ger­li­chen Poli­tik“, ver­weist auf Hegel und fabu­liert:

Sam­pling ist eine eben­so moder­ne wie kon­ser­va­ti­ve Kul­tur­tech­nik. Sie passt zu Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg. Beim jün­ge­ren Publi­kum wird die Erre­gung über sei­nen Umgang mit Zita­ten die Zunei­gung eher ver­stär­ken, hat es sich doch in Zei­ten des Copy and Pas­te dar­an gewöhnt, einen Teil sei­ner Schul- und Uni­leis­tun­gen durch vir­tuo­se Quel­len­re­cher­che zu per­fek­tio­nie­ren. Die schlich­te­ren Gemü­ter lie­fern dabei ab, was gewünscht war: eine ver­meint­lich kennt­nis­rei­che Text­ober­flä­che. Post­mo­der­ne Eli­ten jedoch ver­sin­ken in den durch digi­ta­le Net­ze unend­lich gewor­de­nen Quel­len, um an ihnen zu wach­sen und die Gren­zen des eige­nen Wis­sens zu über­win­den.

Pos­ch­ardt muss es wis­sen: Sein gan­zer Arti­kel ist eine gere­mix­te Sin­gle-Ver­si­on sei­ner eige­nen Dok­tor­ar­beit, die unter dem Titel „DJ Cul­tu­re“ als Buch eine sehr viel höhe­re Auf­la­ge erziel­te als zu Gut­ten­bergs Dis­ser­ta­ti­on.

Ulf Pos­ch­ardt: Die DJ-Revo­lu­ti­on frisst ihre Kin­der

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Ein exklusiver Hund

Wenn Sie unse­re Defi­ni­ti­on des Begriffs „exklu­siv“ für extra­va­gant hiel­ten, dann haben Sie noch nicht den/​die/​das aktu­el­le „Auf einen Blick“ gese­hen:

Monica Lierhaus: So stolz! So stark! So tapfer! "Auf einen Blick"-Autorin Karen Webb schreibt exklusiv über den bewegendsten TV-Auftritt des Jahres.

Noch­mal zum Mit­den­ken: Ja, die „Auf einen Blick“-Autorin Karen Webb schreibt exklu­siv für „Auf einen Blick“. Wo gibt es so etwas schon sonst?

Ande­rer­seits ist das noch ver­gleichs­wei­se harm­los, wenn man sich das voll­stän­di­ge Cover der Zeit­schrift ansieht:

Monica Lierhaus: Deutschlands schönster Hund.
[via Petra O.]