Das ist grad aber ein bisschen blöd gelaufen im Bundestags-TV:

Aber auch hier ging es mit der Rückgabe des Doktortitels ganz schnell:

[via Philipp]
Das ist grad aber ein bisschen blöd gelaufen im Bundestags-TV:

Aber auch hier ging es mit der Rückgabe des Doktortitels ganz schnell:

[via Philipp]
Die Diskussion um die ominöse Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg erreicht in schwindelerregendem Tempo immer neue Meta-Ebenen: Ulf Poschardt, stellvertretender Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ und Herausgeber von „Rolling Stone“, „Musikexpress“ und „Metal Hammer“, veröffentlichte am Samstag in der „Welt“ einen Aufsatz über die Kulturtechnik des Samplings und des Mash-Ups.
In gewohnt uneindeutigem Oszillieren zwischen Ernst und Ironie ernennt er zu Guttenberg zum „Jay‑Z der bürgerlichen Politik“, verweist auf Hegel und fabuliert:
Sampling ist eine ebenso moderne wie konservative Kulturtechnik. Sie passt zu Karl Theodor zu Guttenberg. Beim jüngeren Publikum wird die Erregung über seinen Umgang mit Zitaten die Zuneigung eher verstärken, hat es sich doch in Zeiten des Copy and Paste daran gewöhnt, einen Teil seiner Schul- und Unileistungen durch virtuose Quellenrecherche zu perfektionieren. Die schlichteren Gemüter liefern dabei ab, was gewünscht war: eine vermeintlich kenntnisreiche Textoberfläche. Postmoderne Eliten jedoch versinken in den durch digitale Netze unendlich gewordenen Quellen, um an ihnen zu wachsen und die Grenzen des eigenen Wissens zu überwinden.
Poschardt muss es wissen: Sein ganzer Artikel ist eine geremixte Single-Version seiner eigenen Doktorarbeit, die unter dem Titel „DJ Culture“ als Buch eine sehr viel höhere Auflage erzielte als zu Guttenbergs Dissertation.
Wenn Sie unsere Definition des Begriffs „exklusiv“ für extravagant hielten, dann haben Sie noch nicht den/die/das aktuelle „Auf einen Blick“ gesehen:

Nochmal zum Mitdenken: Ja, die „Auf einen Blick“-Autorin Karen Webb schreibt exklusiv für „Auf einen Blick“. Wo gibt es so etwas schon sonst?
Andererseits ist das noch vergleichsweise harmlos, wenn man sich das vollständige Cover der Zeitschrift ansieht:

[via Petra O.]

Bochum/Berlin, 18. Februar 2011. Lukas Heinser und Stefan Niggemeier haben heute in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass sie sich auch vom Austragungsort Düsseldorf nicht davon abhalten werden, den Eurovision Song Contest erneut mit einem Videoblog zu begleiten. Im vergangenen Jahr hatten sie sich ohne Stativ und Windschutz nach Norwegen durchgeschlagen und mit ihrem OSLOG nach Meinung vieler Experten einen maßgeblichen Beitrag zum Erfolg von Lena Meyer-Landrut geleistet.
Heinser und Niggemeier selbst errangen in einem etwas weniger beachteten Wettbewerb den dritten Platz: in der Kategorie Unterhaltung bei der Wahl zu den „Journalisten des Jahres 2010“. Die Jury des „Medium Magazins“ fand, dass OSLOG „selbstironisch mit dem Medienhype um Lena spielte“ und „vorführte, welches Potential in einem solchen Blog stecken kann“. Heinser, dessen Ehrgeiz von Kennern mit dem von Stefan Raab verglichen wird, kommentierte das mit den Worten: „Beim nächsten Mal werden wir dieses verdammte Potential ausschöpfen!‘ “
Während die Personalfrage nach der Absage von Thomas Gottschalk und Günther Jauch ähnlich schnell entschieden war wie bei der deutschen Interpretin, war der Name der OSLOG-Neuauflage lange offen. Entwürfe wie dueslog.tv, dussellog.tv, und dorflog.tv wurden schließlich verworfen zugunsten von DUSLOG.tv. Das bewährte Konzept aus vergeigten Anmoderationen, exklusiven Interviews und vergessenen Interpretennamen soll beibehalten werden. Geplant ist allerdings eine weitere Qualitätssteigerung. „Wir erwägen die Investition in einen Windschutz für das Mikrofon“, sagt Heinser. Niggemeier ergänzt: „Und ich werde diesmal weniger Namen verwechseln als letztes Jahr in Dänemark.“
Die heiße Phase mit täglichen Videoberichten beginnt Anfang Mai. Bereits heute werden die neuen Seiten eingeweiht, die von Markus „Herm“ Hermann frisch tapeziert und mit einem noch moderneren Fernsehgerät ausgestattet wurden: Das Finale des deutschen Vorentscheides wird ab ca. 20 Uhr in einem Liveblog auf duslog.tv begleitet.
Ein ganz besonderer Musikwunsch erreicht uns auf etwas abseitigem Weg aus den Redaktionsräumen von Bild.de:

Bitteschön:
[via Empty]
Vor einigen Jahren wollte ich schon einmal über die Arbeitsbedingungen von Schüler- und Jugendreportern bei Lokalzeitungen schreiben. Auslöser war damals ein … nun ja: unfassbar schlechter Artikel, den ich über die „Einslive Krone“ gelesen hatte. Ich hätte darüber geschrieben, dass die hoffnungsvollen Jüngst-Journalisten als besonders preiswerte Arbeitssklaven missbraucht werden, dass ihre Artikel unredigiert (oder ohne weitere Erklärungen redigiert) veröffentlicht werden und sie so aus ihren möglichen Fehlern nie würden lernen können. Dann stellte ich fest, dass der unfassbar schlechte Artikel von einer „WAZ“-Redakteurin geschrieben worden war, und vergaß das Thema erst mal.
Dann sind wir beim BILDblog auf den Fall einer Jugendreporterin beim Kölner „Express“ gestoßen, die es geschafft hatte, Online- und Print-Redaktion Artikel unterzujubeln, die aus Pressemitteilungen und Agenturmeldungen abgeschrieben waren. Die Fahrgestellnummer Handlungsorte hatte die Autorin ins Einzugsgebiet der Zeitung verlegt.
Ein solches Verhalten ist zweifellos völlig unjournalistisch. Aber so ein Text muss ja theoretisch auch erst mal an einer Redaktion vorbei, bevor er veröffentlicht wird. Dass „fact checking“ in den meisten deutschen Redaktionen ein Fremdwort ist, ist klar (es ist ja auch eins), aber nach gewissen Erfahrungen der letzten Jahre sollte man als Endredakteur doch zumindest einmal kurz den Namen von angeblichen Zitatgebern googeln. Bei der „Express“-Reporterin hätte in zwei der drei Fälle das erste Suchergebnis die tatsächliche Wirkungsstätte der entsprechenden Personen verraten und damit weitere Fragen aufwerfen müssen.
Der erste Zeitungsartikel, in dem mein Name in der Autorenzeile stand, erschien im Mai 1997 in der Dinslakener Lokalausgabe der „Neuen Rhein Zeitung“ (die damals glaube ich noch „Neue Ruhr Zeitung“ hieß). Im Zuge eines „Zeitung in der Schule“-Projekts hatten wir mit der ganzen Klasse den Hundeübungsplatz der Polizei in Wesel besucht und Reportagen darüber geschrieben. Aus drei dieser Reportagen verschnitten die Redakteure dann einen neuen Artikel, den sie druckten. Was ausgerechnet an unseren Texten so gut gewesen sein soll, haben wir nie erfahren.
Fünfeinhalb Jahre später fing ich als freier Reporter für die Dinslakener Lokalausgabe der „Rheinischen Post“ an. Vor meinem ersten Termin gab man mir eine Mappe mit, in der alles stand, was man als junger Journalist zu beachten hatte. Ich weiß nicht mehr, was drin stand, aber „nicht abschreiben!“ stand womöglich irgendwo dabei. Der Rest war learning by doing – oder genauer: learning by reading what has become of your own texts.
Mein erster Text wurde komplett im Wortlaut veröffentlicht, was sicher nicht an dessen Qualität lag. In anderen Texten korrigierte die Redaktion die ungewöhnlichen Namen der Protagonisten zur gängigen und damit falschen Schreibweise oder sorgten dafür, dass sich die Jugendlichen bei einem Rockfestival die „Dröhnung am Freitagabend schmecken“ ließen. Bei der Zeitungslektüre meiner Reportage über einen Schwimmmeister im städtischen Freibad erfuhr ich, dass die Blondinen bei „Baywatch“ nicht „drall“, sondern „hübsch“ sind. Für Überschriften galt damals, was auch heute noch für jede Lokalredaktion gilt: Hauptsache, sie sind nichtssagend und auf keinen Fall grammatisch korrekt oder gar knackig.
Rückmeldungen gab es kaum, aber das mag auch daran liegen, dass ich als Kulturreporter die Artikel meist noch am Abend in die Redaktion mailte und nur selten mit den Kollegen vor den völlig veralteten Redaktionscomputern saß. Aber auch wenn ich da war, gab es nicht viele Gespräche über meine Texte.
Das alles hilft den jungen Reportern (und den Zeitungen) nicht weiter. Natürlich ist es toll, schon in jungen Jahren große Artikel für die Zeitung schreiben zu dürfen, aber zu optimieren gibt es eigentlich immer was. Zwar muss man annehmen, dass den allermeisten Lesern die Qualität von Zeitungstexten eher egal ist, aber wer für 12 bis 20 Cent pro Zeile vorher noch stundenlang in Schalterhallen Kunstwerke aus Simbabwischen Serpentinstein begucken oder sich auf einem kalten Supermarktparkplatz mit Renault-Bastlern über Tuning unterhalten musste, der hat als Dreingabe wenigstens ein bisschen konstruktive Kritik verdient.
Angesichts der chronischen Unterbesetzung vieler Lokalredaktion mag es fast wie ein Wunschtraum klingen, aber irgendjemand sollte eigentlich noch mal vor Veröffentlichung über jeden Text drübergucken – besonders über die von Berufsanfängern, die noch nicht mal theoretisch mit journalistischer Ethik in Kontakt gekommen sind.
Die Geschichte mit den umgesiedelten Agenturmeldungen ist da noch vergleichsweise ungefährlich. Da gab es etwa den Fall einer Jugendreporterin, die ein Interview gemacht hatte mit einem Mädchen, das in einer sozialen Einrichtung lebt. Dabei ging es auch um die Vorgeschichte, warum sie aus ihrem kleinen Heimatdorf in diese Einrichtung in der nächsten größeren Stadt gekommen war. Der Artikel erschien schließlich mit voller Namensnennung des Mädchens, das anschließend tagelang in der Angst lebte, einer ihrer Verwandten könnte diese Geschichte lesen. Zum Glück schien sich niemand aus ihrer Familie weiter für den Jugendreporterteil zu interessieren.
Ich halte es nach wie vor für eine gute Idee, als Journalist die sprichwörtliche Lokal-Schule von Kaninchenzüchterverein und Seidenmalereiausstellung durchlaufen zu haben. Damit kann man auch gar nicht früh genug anfangen (unvergessen die Germanistik-Studenten im ersten Semester, die gerne „was mit Medien“ machen wollten, aber noch nie irgendeinen Text geschrieben hatten). Aber diese hoffnungsvollen jungen Leute, sollen irgendwann, wenn sich die ganzen frühvergreisten Schreibbeamten aus den Redaktion zurückgezogen haben werden, ja auch mal an vorderster Front stehen. Und da kann es nicht schaden, sich von Anfang an um sie zu kümmern.
Vor ein paar Tagen feierte das Video zur neuen Single von Avril Lavigne Premiere. Wenn „What The Hell“ im Musikfernsehen läuft, müssten die Sender vermutlich den Schriftzug „Dauerwerbesendung“ einblenden:







(Sony ist der Unterhaltungskonzern, bei dem auch Avril Lavignes neues Album erscheint, „Avril Lavigne“ und „Abbey Dawn“ sind die Parfüm- bzw. Modelinie von Avril Lavigne.)
Gerade so bei GoTV reingezappt und die Schlusseinblendung und die letzten vier Takte eines Songs mitbekommen. Die klangen so vielversprechend, dass ich den Song gleich mal bei YouTube gesucht und – Oh Wunder des Urheberrechts – auch gefunden habe:
Der erste Refrain kann nicht ganz das Versprechen einhalten, das der Song bis dahin aufgebaut hat. Bei der dritten Wiederholung (er ist ja eine einzige Wiederholung) entfaltet er allerdings durchaus seinen Charme. Nichts Weltbewegendes, aber zumindest mal wieder ein bisschen neues Leben in der extrem öde gewordenen Schublade mit der Aufschrift „Indie Rock“.
Trippin In London kommen – man kann es sich bei diesem leider etwas doofen Namen denken – nicht aus England. Stattdessen kommen sie – das kann man sich beim GoTV-Einsatz denken – aus Österreich, genauer: Salzburg. Kämen sie aus Dinslaken, würden deutsche Musikjournalisten sicher steil gehen.
Auf einer obskuren Seite namens MySpace gibt es weitere Songs zu hören, bei iTunes gibt’s noch nix.
Oh, diese böse Postmoderne: Auf Smartphones, den Gerät gewordenen Versprechen der ständigen Erreichbarkeit und Beschleunigung, erfreuen sich Foto-Apps großer Beliebtheit, die digitale Schnappschüsse aussehen lassen wie Analogfotos aus der eigenen Kindheit.
Völlig frei von Apps, Beschleunigung und Postmoderne sind die Fotos, die meine gute Freundin Teresa Stutzinger macht und vom kommenden Sonntag an in der Bochumer Kneipe Ebstein ausstellt.

Die Analogaufnahmen, allesamt unbearbeitet, zeigen Landschaften oder Alltagsdetails, Personen sind meist eher zu erahnen als zu erkennen. Sie sind an „Traumorten“ entstanden und erinnern Teresa an schöne Erlebnisse an diesen Orten. Daher auch der Titel der Ausstellung: „Dreaming of Paradise“.
Und tatsächlich haben ihre Fotos etwas traumhaftes, rührendes. Sie strahlen diese natürliche Wärme aus, die auf Digitalfotos meist völlig fehlt. Sie zeigen Blumen, Seifenblasen und Sonnenuntergänge, was natürlich irrsinnig kitschig sein könnte, hier aber wunderbar funktioniert – es sei denn, man findet so einen Einschlag Hippie-Romantik per se doof.
Die Vernissage am Sonntag, 30. Januar 2011 um 15 Uhr wird musikalisch begleitet von den hier im Blog schon gefeierten Polyana Felbel aus Köln.
Dreaming of Paradise
im Ebstein, Bochum
30. Januar – 1. Juni 2011
Ich habe mit dem von „Bild“ herbeigekreischten „Schwuchtel-Skandal“ bei der Kölner Stunksitzung, über den ich gestern im BILDblog geschrieben habe, verschiedene Probleme.
Da ist zunächst einmal ein germanistisches: Da stellt sich ein Kabarettist hin und sagt in seiner Rolle als Ex-Bischof Walter Mixa folgende Worte:
Aber der Höhepunkt war der Weltjugendtag hier in Köln: Benedikt und Joachim, der zum-Lachen-in-den-Keller-geht-Meisner, ließen sich wie zwei frischvermählte Schwuchteln über den Rhein schippern.
Nun wäre es verständlich, wenn sich Homosexuellenverbände über die Verwendung der despektierlichen Vokabel „Schwuchtel“ beklagten (wobei man nicht weiß, wie der echte Walter Mixa im privaten Rahmen über diese Bevölkerungsgruppe spricht), aber es würde wohl kaum jemand ausschließen, dass sich nicht irgendwo zwei Schwule finden ließen, die nach ihrer Verpartnerung in grotesken Gewändern auf einem Schiff feiern wollen.
Man muss schon Politiker sein, um aus dem obigen Vergleich etwas anderes zu machen, wie die Katholische Nachrichten Agentur (kna) zusammenfasst:
Die Darstellung von Papst und Kardinal als „Schwuchteln“ sei „niveaulos und absolut primitiv“, sagte Martin Lohmann, Chef des Arbeitskreises engagierter Katholiken in der CDU, der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Dienstag).
Der frühere bayrische Wissenschaftsminister (!) Thomas Goppel geht gleich einen Schritt weiter und bemüht seinerseits einen Vergleich:
Der Sprecher der „Christsozialen Katholiken in der CSU“, Thomas Goppel, hatte den WDR vor einer Fernsehausstrahlung gewarnt. Den betroffenen Kabarettisten Bruno Schmitz nannte er einen „degoutanten Versager“, der sich „im geistigen Sinn wie die U‑Bahn-Randalierer“ verhalte. CSU-Rechtspolitiker Norbert Geis erklärte, der Karnevals-Beitrag sei ein „Ausdruck von Bosheit und Dummheit“. Das sei „nicht einmal unterstes Niveau: bodenlos,“ kritisierte Geis.
Immerhin: Mit Gewalt im öffentlichen Personennahverkehr verbindet die Bayern fast so eine lange Tradition wie mit der katholischen Kirche.
Was mich ebenfalls verwirrt ist die Empörung, die sich unter bislang eher unbekannten Vereinen und Verbänden Raum bricht:
Der Bundesverband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) hat den WDR aufgefordert, eine Papst Benedikt XVI. und Kardinal Joachim Meisner verunglimpfende Szene aus der „Stunksitzung“ nicht auszustrahlen. Der Sender solle Flagge zeigen und auf die Gefühle von Christen Rücksicht nehmen, forderte der KKV-Vorsitzende Bernd‑M. Wehner am Freitag in Köln. Diese machten „immerhin etwa zwei Drittel der Rundfunkgebührenzahler“ aus, sagte er.
An diesen Ausführungen ist so gut wie alles empörenswert: Zunächst einmal verbitte ich mir als Christ die Vereinnahmung und Entmündigung durch Herrn Wehner und seinen Verein. Als Protestant tangiert es meine religiösen Gefühle nullkommagarnicht, wenn irgendwelche Kardinäle und Bischöfe verspottet werden. Und das hat nichts mit der Konfession zu tun: Auch mögliche Witze über die Trunkenheitsfahrt von Margot Käßmann lassen meine religiösen Empfindungen unberührt. Ich mag sie schlecht und unlustig finden (wie den unsäglichen Käßmann-Standup von Harald Schmidt), aber sie richten sich gegen – Entschuldigung, liebe Katholiken – Menschen und nicht gegen meine Religion. Und selbst wenn, würde ich den Sketch gerne selbst sehen und mich notfalls von allein darüber echauffieren – eine Bevormundung durch den WDR im Namen irgendwelcher Verbände ist da wenig sachdienlich.
„Bild“ räumte Goppel in der Münchener Regionalausgabe ebenfalls Raum für seine Empörung ein und freute sich in der Kölner Ausgabe (zu früh, s. BILDblog), dass der WDR auf eine Ausstrahlung des Sketches verzichten werde. Dabei handelt es sich um die gleiche Zeitung, die Kurt Westergaard, den Zeichner der umstrittenen Mohammed-Karikaturen, als „mutig“ und Angela Merkels Laudatio auf ihn als „großes Bekenntnis zur Freiheit der Presse und der Meinungen“ bezeichnet hatte.
Ich bin mir sicher, dass ein guter Teil der Menschen, die nun den Mixa-Darsteller Bruno Schmitz beschimpfen und bedrohen, andererseits der Meinung sind, dass die Reaktionen auf Westergaards Zeichnungen in Teilen der muslimischen Welt völlig übertrieben und barbarisch waren. Da kann man ja noch froh sein, dass es im Islam keine kalendarisch verordneten Phasen der Witzigkeit gibt, in denen sich irgendwelche Menschen mit einem etwas anderen Humorverständnis über Jesus oder Maria lustig machen.
Damit sind wir bei einem Religionsverständnis angekommen, das mich als gläubiger Christ verwirrt und das auf einer rationalen Ebene allenfalls „irrational“ zu nennen ist: Mir ist völlig schleierhaft, warum Menschen, die an einen allmächtigen Gott glauben, meinen, diesen verteidigen zu müssen.
Wenn sich dieser Gott von Menschen beleidigt fühlt, sollte er doch selbst genug Möglichkeiten haben, dies den Betreffenden kurzfristig (Sintflut, beim Kacken vom Blitz getroffen) oder langfristig (an der Himmelspforte abgewiesen) mitzuteilen. Auf gar keinen Fall braucht er popelige Menschen, die in seinem Namen sauer sind und ihn somit entmündigen.
Ich mag mich da irren (und werde das sicher noch früh genug erfahren), aber ein Gott, der Wesen wie das Nilpferd, den Nasenbären oder Sarah Palin erschaffen hat, hat doch offenbar einen ziemlich guten Humor und bedarf demnach nicht der (mutmaßlich unverlangten) Fürsprache von humorfreien Menschen wie Eva Herman oder Thomas Goppel.
Vor sechs Wochen schrieb ich hier im Blog, es handle sich bei „The European” um ein „konservatives Internetmagazin, dessen erklärtes Ziel es ist, innerhalb der nächsten Jahre so wichtig zu werden, wie es sich selbst seit dem ersten Tag nimmt“.
Damit lag ich anscheinend falsch: „The European“ sieht sich selbst nicht als konservativ, sondern als Plattform, auf der die „großen gesellschaftlichen Debatten“ „diskursiv“ „verhandelt“ werden, wie Chefredakteur Alexander Görlach im Namen der Redaktion klarstellte. Außerdem ist „The European“ bereits wichtig – womöglich sogar, und das ist die eigentliche Sensation, noch wichtiger, als es sich selbst nimmt.
Jedenfalls hat Chefredakteur Alexander Görlach gestern (offenbar nur in seinem eigenen Namen) erklärt:

Huch! Ein Blatt mit mehr als 60-jähriger Tradition, das von vielen aus Gewohnheit immer noch für ein führendes Nachrichtenmagazin gehalten wird, hat Angst vor einem … äh: „Blog“, das seit sechzehn Monaten am Start ist? Also quasi das Facebook des Polemisierens Meinungsjournalismus?
Scheint so:
Ganze vier Kolumnen durfte Matthias Matussek für uns schreiben. Die Chefredaktion des Magazins hat ihm, so verlautete aus Kreisen des Nachrichtenblattes, weitere Publikationen als Kolumnist auf The European verboten. Begründung: The European sei ein direkter Konkurrent des Hamburger Nachrichtenportals. Das ehrt The European natürlich. Wir grüßen die Hamburger Kollegen.
Das „Verbot“ dürfte vor allem eine arbeitsrechtlichen Hintergrund haben: Ein Redakteur darf nicht einfach für ein Medium arbeiten, das vergleichbare Inhalte anbietet – egal, wie groß oder klein, wichtig oder egal es ist. Görlach sieht das erwartungsgemäß anders:
Uns zeigt die nervöse Reaktion des Medienriesen, dass uns der Wurf eines Online-Magazins, das ausschließlich auf pointierten Meinungs- und Debattenjournalismus setzt, gelungen ist.
Seit September 2010 stellt Görlach für Bild.de übrigens den „Blog-Radar“ zusammen, in dem er zusammenfasst, was „das Netz“ (also meistens die Autoren von „The European“) von diesem oder jenen Thema halten. So berichtete er im November beispielsweise, das „Netz“ laufe „Sturm gegen Abzocke bei Weihnachtsliedern“, und schloss sich damit der erschreckenden Ahnungslosigkeit vieler Medien an. Sein „Blog-Radar“ vom 2. Dezember war dann bis heute der letzte. Womöglich scheinen sie bei „The European“ Bild.de noch als Konkurrenz zu betrachten. Immerhin.
Weil wir gerade überlegen, wie wir inhaltlich wieder mehr Musik in dieses Blog kriegen, ohne Monate nach einer Veröffentlichung hilflose Kurzrezensionen in die Tasten zu hauen (bzw. wieder das Wichtigste zu vergessen), habe ich mich mal über die Podcast-Konditionen bei der GEMA informiert.
Die Lizenz sieht unter anderem vor, dass einzelne Episoden des Podcasts nicht länger als 30 Minuten sein dürfen und die Musik pro Podcast nicht mehr als 75% der Gesamtlänge der einzelnen Episode einnehmen darf.
Außerdem gilt:
Als Song wird jedes verwendete Musikwerk gezählt, das weder Intro noch Outro ist. Dabei darf jedes Lied nur zur Hälfte ausgespielt werden, und es muss am Anfang und am Ende in das laufende Lied hineinmoderiert werden (sog. „talk over“).
Das ist lustig, weil die GEMA gleichzeitig auf folgenden Sachverhalt hinweist:
Nicht umfasst ist zudem das Urheberpersönlichkeitsrecht (§ 14 UrhG). Es muss unabhängig von einer Podcasting-Lizenz beachtet werden. Das bedeutet, dass die genutzten Musikwerke ohne gesonderte Einwilligung der Berechtigten nicht bearbeitet bzw. umgestaltet werden dürfen (§ 23 UrhG). Eine Verletzung des Urheberpersönlichkeitsrechtes kann insbesondere vorliegen bei Entstellung eines Musikwerkes, eine unerlaubte Bearbeitung kann vorliegen bei Neutextierung oder sonstigen Veränderung eines Musikwerkes.
Was, bitte, soll ein halber und zugequatschter Song sein, wenn keine „Entstellung“?!