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Boulevard Of Breaking News

Ich brau­che irgend­ein Brow­ser-Plug­in, das ver­hin­dert, dass ich wei­ter­hin Mel­dun­gen aus dem „Panorama“-Ressort von „Spie­gel Online“ lese. Mit Selbst­be­herr­schung ist es da lei­der nicht getan: Erst kli­cke ich doch wie­der auf die Links mit den schwach­sin­ni­gen Über­schrif­ten und dann krie­ge ich wie­der einen Wut­an­fall über den Mist, den die Sei­te da pro­du­ziert.

Es ist ja noch nicht mal so, dass ich Bou­le­vard­jour­na­lis­mus ganz grund­sätz­lich ver­dam­men wür­de. Das „Bild“-Porträt über den Fah­rer, in des­sen Taxi Joa­chim Gauck zum Bun­des­prä­si­den­ten-Kan­di­da­ten wur­de, ist etwa ein gutes Bei­spiel für gelun­ge­nen Bou­le­vard: Ein eigent­lich unspek­ta­ku­lä­rer Neben­schau­platz wird mit den Mit­teln des gro­ßen Geschich­ten­er­zäh­lens ins Licht der Öffent­lich­keit gerückt, eine Fuß­no­te so weit auf­ge­bla­sen, dass es gera­de noch nicht über­trie­ben wirkt, und „Bild“ hat dabei – soweit ersicht­lich – kei­ne Per­sön­lich­keits­rech­te ver­letzt. Das macht Freu­de und tut nie­man­dem weh, das kön­nen sie bei „Bild“ also auch, wenn sie nur wol­len.

Bei „Spie­gel Online“ wol­len sie auch ganz drin­gend Bou­le­vard machen, aber sie kön­nen es nicht: Egal, ob die Leu­te dort nun über Pro­mi­nen­te schrei­ben, die sie der eige­nen Ziel­grup­pe erst noch vor­stel­len müs­sen; ob sie Quatsch-Über­schrif­ten ver­wen­den oder eine Mischung aus allem pro­du­zie­ren – die Arti­kel sind der­art lieb‑, sinn- und poin­ten­los zusam­men­ge­stop­pelt, dass ein ein­zel­ner Affe mit Goog­le Trans­la­te eine lesens­wer­te­re Mel­dung voll­brin­gen wür­de.

Vor­ges­tern erwisch­te es Rus­sell Brand, der der Ziel­grup­pe in Dach­zei­le und Vor­spann auch erst mal vor­ge­stellt wer­den musst:

Komiker Russell Brand: Schwärmen für die Meinungsfreiheit. Russell Brand mit seinem losen Mundwerk muss es ja wissen: Meinungsfreiheit ist wichtig. Wie wichtig, verdeutlichte Katy Perrys Ex jetzt mit einem verworrenen Gedankenspiel - und einem anzüglichen Verweis auf ein Mitglied des britischen Königshauses.

„Ver­wor­re­nes Gedan­ken­spiel“ klingt nach Irgend­was mit Hit­ler, war es dann aber doch nicht:

„Gut, dass es Rede­frei­heit gibt. Das bedeu­tet, ich kann sagen, dass ich Prinz Charles sexu­ell attrak­tiv fin­de“, sag­te Brand, wie die Zei­tun­gen „Dai­ly Mir­ror“ und „Sun“ über­ein­stim­mend berich­ten. Zudem kön­ne er dank der Rede­frei­heit sagen, die US-Prä­si­dent­schafts­wah­len sei­en ein bedeu­tungs­lo­ses Spek­ta­kel, das von den Machen­schaf­ten der­je­ni­gen ablen­ken sol­le, die den Pla­ne­ten kon­trol­lie­ren. „Nie­mand kann etwas dage­gen tun. Dan­ke, Amnes­ty.“

Wenn „Dai­ly Mir­ror“ und „Sun“ etwas über­ein­stim­mend berich­ten, muss es natür­lich auch auf „Spie­gel Online“ ste­hen. Aber gut: Da hat­te Rus­sell Brand also das gemacht, was deut­sche Come­di­ans eher sel­ten machen – einen Witz. Wit­ze nach­zu­er­zäh­len ist schon kniff­lig genug, Wit­ze zu erklä­ren hin­ge­gen soll­te sich eigent­lich von selbst ver­bie­ten.

Aber wir haben ja Rede- und Pres­se­frei­heit, also erklär­te „Spie­gel Online“:

Es wäre nun sicher­lich falsch, Brand ech­te Gelüs­te nach dem Prin­zen zu unter­stel­len. Schließ­lich wird dem 36-Jäh­ri­gen nach sei­ner Tren­nung von Katy Per­ry eine Liai­son mit der mexi­ka­ni­schen Male­rin Orie­la Medel­lin Amiei­ro nach­ge­sagt.

Trau­rig, gin­ge aber mit viel gutem Wil­len noch als Schluss­poin­te durch. Aber lei­der stand ja bei „Dai­ly Mail“ und „Sun“ noch mehr im Arti­kel. Und das muss­te auch noch mit, zur Not eben als letz­ter Absatz:

Hin­ter­grund von Brands Aus­sa­ge: Er wird beim The Secret Policeman’s Ball am 4. März in New York auf­tre­ten, einer tra­di­ti­ons­rei­chen Bene­fiz-Gala zuguns­ten von Amnes­ty Inter­na­tio­nal. Laut „Sun“ wird die Ver­an­stal­tung zu ihrem 50-jäh­ri­gen Bestehen erst­mals außer­halb Groß­bri­tan­ni­ens statt­fin­den.

Die gute Nach­richt: Den vier­ten Absatz errei­chen die wenigs­ten Leser wach oder leben­dig.

Heu­te nun lie­fert der sel­be Autor die­se Sen­sa­ti­ons­mel­dung ab:

Helena Bonham Carter: Handy mit Hasenohren. Helena Bonham Carters Leistungen sind preisverdächtig. Das fand offenbar auch Queen Elizabeth II. und zeichnete die Schauspielerin nun mit einem Orden aus. Die Verleihung hätte eine höchst würdevolle Angelegenheit werden können - wäre da nicht ein pinkfarbenes Handy gewesen.

Um die … äh: Poin­te gleich vor­weg­zu­neh­men: Bei dem pink­far­be­nen Han­dy han­del­te es sich „offen­bar“ nicht um das von Frau Bon­ham Car­ter.

Nach der Ver­lei­hung posier­te die Schau­spie­le­rin der Zei­tung zufol­ge für Foto­gra­fen. Die ent­deck­ten in Bon­ham Car­ters Hand ein pink­far­be­nes Mobil­te­le­fon mit Hasen­oh­ren, das offen­bar eher Nell als Bon­ham Car­ter selbst gehör­te. Ob das Han­dy wäh­rend der Zere­mo­nie los­ge­gan­gen sei, woll­ten die Foto­gra­fen wis­sen. „Nein“, wit­zel­te die Schau­spie­le­rin, „aber die Vier­jäh­ri­ge.“

Das Tele­fon war zwar selbst der „Dai­ly Mail“ nur eine Erwäh­nung am Ran­de wert gewe­sen, aber für „Spie­gel Online“ kann man natür­lich schon mal den Auf­hän­ger des Arti­kels dar­aus machen – gera­de, wenn man eine acht­tei­li­ge Bil­der­ga­le­rie dazu packen kann.

Nur ein Foto von dem ver­damm­ten pin­ken Han­dy, das gibt es natür­lich nicht.

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Das Amt

Die aus­ge­klü­gel­te deut­sche Büro­kra­tie ist sicher nur erfun­den wor­den, damit Kolum­nis­ten und Kaba­ret­tis­ten sich dar­über auf­re­gen und Leh­rer mit Adolf-Sau­er­land-Bär­ten und Leder­wes­ten „ja, genau“ rufen kön­nen.

Anders gesagt: Ich brauch­te einen neu­en Rei­se­pass. Im Mai geht’s nach Aser­bai­dschan und der alte Pass ist im ver­gan­ge­nen Juli abge­lau­fen. Außer­dem brau­che ich einen Ort, wo ich mei­ne weit­ge­hend unge­nutz­te „Miles & More“-Karte der Luft­han­sa depo­nie­ren kann, und da hat sich der Rei­se­pass in der Ver­gan­gen­heit als guter Platz erwie­sen. Braucht man ja dann eh bei­des zusam­men.

Über Wochen habe ich mich aus zwei Grün­den um die­ses Vor­ha­ben gedrückt: Ers­tens mei­ne Abnei­gung gegen­über War­te­räu­men aller Art, zwei­tens das Pass­fo­to. „Viel­leicht doch erst zum Fri­seur“, habe ich gedacht, aber da hät­te ich unter Umstän­den wie­der war­ten müs­sen, also hab ich es gar nicht erst ver­sucht und ein­fach auf einen Good Hair Day gewar­tet. Die Son­ne schien, das Radio hat­te mich am Mor­gen mal nicht mit Nickel­back begrüßt, die Haa­re taten nach dem Duschen unge­fähr das, was ich von ihnen erwar­tet hät­te, kurz­um: Es war die Gele­gen­heit, die ver­damm­ten Fotos machen zu las­sen und den Rei­se­pass in Angriff zu neh­men.

Tat­säch­lich gelang es den Mit­ar­bei­tern im ört­li­chen Foto­gra­fie­fach­ge­schäft, ein bio­me­tri­sches Bild von mir anzu­fer­ti­gen, auf dem ich aus­nahms­wei­se nicht wie ein soeben fest­ge­nom­me­ner Seri­en­kil­ler oder Jour­na­list aus­se­he. Im Zwei­fels­fall könn­te ich die über­zäh­li­gen Pass­bil­der sogar mei­nen Groß­el­tern zu Weih­nach­ten schen­ken, wenn mir mal wie­der nichts ein­fällt. Im Prin­zip ist das aber eh egal, denn das schlimms­te Foto, das jemals von mir ange­fer­tigt wur­de, ziert eh mei­nen Füh­rer­schein, der nie erneu­ert wer­den muss.

Dann ging ich ins Rat­haus zum Bür­ger­bü­ro, zog eine Num­mer und längst ver­dräng­te Erin­ne­run­gen stie­gen in mir wie­der auf. Dar­an, wie ich vor acht Jah­ren bei mei­nem Umzug nach Bochum gefühl­te vier Stun­den hat­te war­ten müs­sen. Oder dar­an, wie ich bei der Bean­tra­gung eines neu­en Per­so­nal­aus­wei­ses nach ein­stün­di­ger War­te­zeit dar­über infor­miert wur­de, dass mein Pass­fo­to nicht den Anfor­de­run­gen ent­spre­chen wür­de. 1 Doch dies­mal war ich vor­be­rei­tet: Ich hat­te Buch und Kopf­hö­rer dabei und mich vor­her infor­miert, wo ich mich fuß­läu­fig mit Lebens­mit­teln, Geträn­ken und Bett­de­cken ver­sor­gen könn­te.

Ich has­se, wie gesagt, War­te­räu­me aller Art. Dabei ist es weit­ge­hend egal, ob am Ende der War­te­zeit eine zahn­ärzt­li­che Behand­lung, ein Lang­stre­cken­flug oder der Ver­such ansteht, einen Rei­se­pass zu bean­tra­gen. Beim War­ten den­ke ich die gan­ze Zeit dar­an, wie schön ich zur glei­chen Zeit zuhau­se vor mei­nem Com­pu­ter oder Fern­se­her (oder bei­dem) hocken und mei­ne Zeit nach eige­nem Ermes­sen ver­schwen­den könn­te. Außer­dem habe ich tief in mir eine laten­te Angst vor dem deut­schen Büro­kra­tie­ap­pa­rat. Ich male mir immer aus, dass ich beim letz­ten Umzug irgend­ein For­mu­lar falsch aus­ge­füllt haben könn­te und jetzt offi­zi­ell als tot gel­te, wobei auch noch eine mir unbe­kann­te Per­son Wit­wen­ren­te bezieht, weil die ihr For­mu­lar eben­falls nicht kor­rekt aus­ge­füllt hat­te und die Dame vom Amt dann noch irgend­was durch­ein­an­der­ge­bracht hat.

„Es war­ten 15 Per­so­nen vor Ihnen“, hat­te mich der Zet­tel mit mei­ner Num­mer drauf („Auf kei­nen Fall ver­lie­ren!“) infor­miert. Nach zwan­zig Minu­ten waren davon fünf auf­ge­ru­fen wor­den und ich such­te schon mal unauf­fäl­lig nach dem geeig­nets­ten Schlaf­platz in die­sem War­te­raum, der den Charme eines unter­ir­di­schen Eis­ca­fés ver­sprüh­te, des­sen Ein­rich­ter als ein­zi­ge Anwei­sung erhal­ten hat­ten, dass die Möbel auch bei einem even­tu­el­len Ein­satz als Schlag­waf­fe nicht kaputt­ge­hen und dar­über hin­aus leicht abzu­kär­chern sein soll­ten. Auf einem Flach­bild­schirm wur­den die Num­mern ange­zeigt und die Tische, an die man sich zu bege­ben hat­te, auf einem Flach­bild­schirm dane­ben lie­fen Bil­der vom schöns­ten Ort Bochums, dem West­park. Damit der Drang, sofort raus­zu­ren­nen, nicht zu groß wur­de, hat­te man die Auf­nah­men aber sicher­heits­hal­ber im Win­ter ange­fer­tigt, als die Bäu­me noch kahl waren. Gera­de als die Zufalls­wie­der­ga­be mei­nes Han­dys „Fickt das Sys­tem“ von Die Ster­ne spiel­te, leuch­te­te mei­ne Num­mer auf und ich mach­te mich unter Zuhil­fe­nah­me all mei­ner Jac­ques-Tati-Imi­ta­ti­ons­küns­te auf die Suche nach Tisch 6.

Ich trug der Sach­be­ar­bei­te­rin mein Anlie­gen vor und wäh­rend sie die nöti­gen Unter­la­gen aus­druck­te, stell­te ich wie­der mal fest, was für ein zyni­sches, men­schen­ver­ach­ten­des Kon­zept die­sen Bür­ger­bü­ros, die Ende der 1990er Jah­re über­all aus dem Boden gestampft wur­den, doch zugrun­de liegt: Wäh­rend ich in der Apo­the­ke mit Mar­kie­run­gen auf dem Boden auf­ge­for­dert wer­de, Dis­kre­ti­on zu wah­ren, sitzt hier in die­sem völ­lig offe­nen Bür­ger­bü­ro zwei Meter neben mir ein Mann, der sich in einer von Franz Kaf­ka höchselbst erson­ne­nen Logik­schlei­fe befin­det, und alle Umsit­zen­den krie­gen jedes Wort mit. Dass er sei­nen bean­trag­ten Per­so­nal­aus­weis nicht bezah­len kann, weil er kein Kon­to hat, aber kein Kon­to eröff­nen kann, weil er kei­nen gül­ti­gen Per­so­nal­aus­weis besitzt. Der dicke Sach­be­ar­bei­ter sag­te, er kön­ne da auch nichts machen, der Mann wur­de lau­ter und ver­ließ irgend­wann unter mit­tel­lau­tem Flu­chen das Bür­ger­bü­ro. Mei­ne Sach­be­ar­bei­te­rin warf mir einen viel­sa­gen­den Blick zu und ich schick­te spon­tan ein Stoß­ge­bet zum Lie­ben Gott, dass ich bit­te nie­mals eine Arbeits­agen­tur von innen sehen möge.

Dann muss­te ich For­mu­la­re aus­fül­len, wofür es unter ande­rem not­wen­dig war, dass ich mich erin­ner­te, ob ich den Streit­kräf­ten eines ande­ren Lan­des gedient hat­te. Da ich mir sicher war, den Dschun­gel-Ein­satz mit der Frem­den­le­gi­on nur geträumt zu haben, kreuz­te ich „Nein“ an. Dann muss­te ich auf einem Aus­druck unter­schrei­ben: „Sie kön­nen das gan­ze Feld nut­zen, aber nicht in den schwar­zen Bereich rein­schrei­ben!“ Zum Glück kann man das For­mu­lar offen­bar mehr­fach aus­dru­cken.

An einer Stel­le muss­te ich kurz auf mei­nem Han­dy nach­se­hen, ob wir tat­säch­lich das Jahr 2012 hat­ten, denn ich wur­de Zeu­ge eines beein­dru­cken­den Bei­spiels für die soge­nann­te Medi­en­kon­ver­genz: Die Sach­be­ar­bei­te­rin nahm das Foto, das der Mann vom Foto­la­den (nen­nen wir ihn Herrn Ärmel) zuvor mit einer Digi­tal­ka­me­ra von mir gemacht und auf Foto­pa­pier aus­ge­druckt hat­te, kleb­te es auf das Blatt Papier, auf dem ich gera­de unter­schrie­ben hat­te, und leg­te die­ses Blatt auf einen Scan­ner. Nach einer hal­ben Minu­te war mein Foto im Sys­tem, die Frau knib­bel­te es wie­der von dem Papier ab und gab es mir zurück. Ich hat­te 13 Euro für vier Fotos bezahlt, von denen ich nur eines brauch­te, und das auch nur für eine hal­be Minu­te.

Erstaun­li­cher­wei­se hol­te sie dann aber kein Stem­pel­kis­sen her­vor, um die Abdrü­cke mei­ner Zei­ge­fin­ger erst auf einem Blatt Papier zu neh­men und dann ein­zu­scan­nen – Nein! – zu ihrem Arbeits­platz gehört (wie zu mut­maß­lich allen ande­ren Arbeits­plät­zen in die­sem rie­si­gen Raum) ein Fin­ger­ab­druck­scan­ner, mit dem sie die Lini­en auf mei­nen Fin­ger­kup­pen direkt in ihr Sys­tem über­tra­gen konn­te. Die Abdrü­cke wür­den weder bei ihr noch in der Bun­des­dru­cke­rei dau­er­haft gespei­chert, spul­te sie die Daten­schutz­er­klä­rung ab, sie wür­den ledig­lich auf einem Chip im Pass gespei­chert. Ich nick­te und ver­zich­te­te auf den Scherz, dass ich mei­nen Pass als ers­tes in die Mikro­wel­le legen wür­de.

Es ging ans Zah­len und ich war froh, mir vor­ab auf der Inter­net­sei­te der Stadt Bochum die Preis­lis­te ange­schaut zu haben. 2 59 Euro kos­tet so ein Rei­se­pass für zehn Jah­re, dafür bekommt man in Oslo zum Bei­spiel ein Eis. In etwa drei Wochen muss ich wie­der hin und mei­nen Pass abho­len. Dafür muss ich dann „eine Sie­ben­hun­der­ter-Num­mer“ zie­hen, mit denen man direkt zur Abhol­stel­le vor darf.

  1. Ich ging am nächs­ten Tag ein­fach in eine Zweig­stel­le des Bür­ger­bü­ros, wo das sel­be Foto anstands­los akzep­tiert wur­de.[]
  2. Wie auch immer ich die gefun­den haben mag.[]
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Politik Gesellschaft

Liebe ist …

… über die eige­ne Frau zu sagen, man habe sie „als eine über­zeu­gen­de Reprä­sen­tan­tin eines mensch­li­chen und eines moder­nen Deutsch­lands wahr­ge­nom­men“.

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Musik

Up and coming

Din­ge, die ich nor­ma­ler­wei­se auf Pres­se­kon­fe­ren­zen mache: Käst­chen auf mei­nen Notiz­block malen; mich über die Fra­gen der anwe­sen­den Jour­na­lis­ten auf­re­gen; in den aus­ge­teil­ten Pres­se­mit­tei­lun­gen lesen, was die Leu­te gleich noch sagen wer­den; The­men­be­rei­che anspre­chen, die noch nicht ange­spro­chen wur­den (sel­ten).

Din­ge, die ich auf Pres­se­kon­fe­ren­zen eher sel­ten mache: Gro­ße Augen krie­gen; nach jemand Ver­trau­tem Aus­schau hal­ten, dem ich freu­de­strah­lend zulä­cheln kann; am Liebs­ten „Yeah!“ brül­len wol­len.

Letz­te Woche war einer die­ser sel­te­ner Fäl­le. Nach­dem für das dies­jäh­ri­ge Zelt­fes­ti­val Ruhr mit Acts wie Sta­tus Quo, Sun­ri­se Ave­nue, Tim Bendz­ko und Sil­ly schon ande­re Ziel­grup­pen ver­sorgt waren, fiel auf der Pres­se­kon­fe­renz der Name Ed Sheeran und ich hät­te am Liebs­ten „Yeah!“ gebrüllt.

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Ed Sheeran hat­te ich bei mei­nen Songs und Alben des letz­ten Jah­res sehr weit oben auf der Lis­te. Ver­gan­ge­ne Woche ist sein phan­tas­ti­sches Debüt „+“ auch in Deutsch­land erschie­nen, nach­dem Kat­ja Petri schon ein paar Wochen zuvor sei­nen Song „Lego House“ bei „Unser Star für Baku“ gesun­gen hat­te.

Am 28. August wird Ed Sheeran also beim Zelt­fes­ti­val Ruhr auf­tre­ten und ich wer­de da sein. Der Vor­ver­kauf hat heu­te begon­nen.

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Digital Sport

Zweites Futur bei Sonnenaufgang

Es müs­sen unwür­di­ge Sze­nen gewe­sen sein, als sich die Spie­ler von Bay­er Lever­ku­sen dar­um strit­ten, wer denn nun nach dem Cham­pi­ons-League-Ach­tel­fi­nal­spiel das Tri­kot von Lio­nel Mes­si haben darf.

Ande­rer­seits haben sie sportbild.de damit zu sprach­li­chen Höchst­leis­tun­gen ange­spornt:

Vol­ler Stolz ging Kad­lec in der Fol­ge über den Platz in Rich­tung Kabi­ne. „Die­ses Tri­kot bekommt einen Ehren­platz bei mir“, sag­te er der Bild, und es wirk­te fast so, als hät­te er gut über­rascht gewe­sen sein kön­nen, in der Kabi­ne nach der Plei­te, die das Aus­schei­den in der Königs­klas­se bedeu­tet haben dürf­te, nicht nur fröh­li­che Gesich­ter anzu­tref­fen…

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Musik Digital

Im Flachen rollen

Geht ja bald wie­der los mit die­sem Kar­ne­val.

Bei „Spie­gel Online“ schon heu­te:

Karrierepause: Adele sagt Adele
Tat­aaa!

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Musik Digital

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Rundfunk

Bretter, die die Welt bedeuten

Vor etwa vier Wochen habe ich auf Face­book ein Video ent­deckt, das ich seit­dem etwa eine Mil­li­on mal ange­schaut habe.

Hier mal die Ver­si­on von You­Tube, wo das Video seit März 2009 zu sehen ist:

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Die ers­ten zwan­zig, drei­ßig Male habe ich anschlie­ßend vor Lachen kei­ne Luft mehr bekom­men, aber inzwi­schen geht’s.

So unge­fähr alles an die­sem Video ist rät­sel­haft — und damit mei­ne ich nicht ein­mal die Fra­ge, ob es irgend­je­man­den auf die­sem Pla­ne­ten gibt, der sagt: „Hey, rutsch­fes­te Küchen­bret­ter! Das hab ich mir immer gewünscht! Komisch, dass es die erst jetzt gibt.“

Ich mei­ne: Was macht der Mann da? Wer im Sport­un­ter­richt mal Gerä­te­tur­nen auf dem Lehr­plan hat­te, weiß, wie schwer es ist, über einen Kas­ten oder einen Bock zu kom­men. Jer­ry Knoll (so, haben mei­ne Recher­chen erge­ben, heißt der Mann) fliegt aus dem Stand über die hal­be The­ke und zieht sich dann, einem Rod­ler gleich, nach vor­ne.

In die­sem Clip, den QVC im ver­gan­ge­nen Dezem­ber ver­öf­fent­licht hat, sieht man es noch bes­ser:

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Eine mög­li­che Erklä­rung für die­sen Move wäre die Fern­be­die­nung in der Hand von Chris­ti­ne Marks: Sekun­den, bevor Knoll abhebt, sen­det die­se Fern­be­die­nung offen­bar irgend­ein Signal aus, jeden­falls leuch­tet sie vor­ne. Was will die Frau in einer Sen­dung für Koch­ge­rä­te über­haupt mit einer Fern­be­die­nung — außer, ihren Gast mit­hil­fe eines klei­nen Kata­pults, eines Trak­tor­strahls oder irgend­ei­ner ande­ren Vor­rich­tung über die The­ke zu schleu­dern?

Und woher nimmt der Kame­ra­mann, der ja bis zu die­sem Moment eine eher behä­bi­ge Prä­sen­ta­ti­on von Küchen­uten­si­li­en ein­ge­fan­gen hat, die Geis­tes­ge­gen­wart, in die­sem Moment auf­zu­zie­hen, und den Stunt somit in vol­ler Schön­heit in die hei­mi­schen Wohn­zim­mer vol­ler Tif­fa­ny-Lam­pen, Por­zel­lan­pup­pen und Schmink­uten­si­li­en zu über­tra­gen?

All das ist merk­wür­dig, meis­ter­haft aber ist Knolls Aus­ruf: „Uargh, die Bret­ter!“, den er wäh­rend des Falls absetzt und mit einem „Da sind sie!“ abschließt, das vie­le Inter­net­kom­men­ta­to­ren an Gollum aus „Der Herr der Rin­ge“ erin­ner­te.

Ich habe einen guten Teil der letz­ten vier Wochen damit zuge­bracht, die­sen Aus­ruf in sei­ner rhei­ni­schen Fär­bung genau­es­tens zu stu­die­ren und nach­zu­ah­men. Mit ein wenig Kon­zen­tra­ti­on ist es mir auch gelun­gen, mich der­art zu kon­di­tio­nie­ren, dass ich mitt­ler­wei­le ohne nach­zu­den­ken „Uargh, die Bret­ter!“ aus­ru­fe, wann immer mir etwas run­ter­fällt — also etwa 40 Mal am Tag.

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Print Digital

Ups, verworfen!

Hier iirrt „Mee­dia“:

Groenewold will klagen und Presserat anrufen. Fall Wulff: Recherche-Vorwürfe gegen Bild

Man kann „Bild“ ja vie­les vor­wer­fen, aber Recher­che ist erfah­rungs­ge­mäß sel­ten dabei.

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Musik

Stay Another Day

2012 hat sich offen­bar dazu ent­schlos­sen, musi­ka­lisch „mein“ Jahr zu wer­den. Nicht nur, dass die Kili­ans ihr drit­tes Album auf­neh­men, auch Ben Folds Five haben sich nach über 12 Jah­ren wie­der zusam­men­ge­tan, um gemein­sam eine Plat­te ein­zu­spie­len, und als rei­che das alles noch nicht, erwar­tet mich auch noch ein neu­es Werk der Lieb­lings­band mei­ner Tween­ager-Jah­re.

Jawohl: East 17 sind zurück! Mal wie­der. Anders als beim letz­ten Come­back ist dies­mal Tony Mor­ti­mer wie­der an Bord, dafür fehlt Bri­an Har­vey (der es immer­hin fer­tig gebracht hat, von sei­nem eige­nen Mer­ce­des über­fah­ren zu wer­den, wäh­rend er am Steu­er saß).

Im ver­gan­ge­nen Herbst gab es schon mal eine neue Sin­gle mit Kurz­zeit-Band­mit­glied Blair Dre­e­lan, die das Aller­al­ler­al­ler­schlimms­te befürch­ten ließ, und jetzt gibt es den neu­en Song mit dem däm­li­chen Titel „I Can’t Get You Off My Mind (Cra­zy)“, der … äh … also …

Sehen Sie selbst:

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East 17 mit Band! Tony Mor­ti­mer mit E‑Gitarre! Und der Song könn­te auch von Snow Pat­rol sein, ist aber noch ein biss­chen lang­wei­li­ger. (Ich kann Ihnen aber ver­spre­chen, dass Sie den Refrain ab dem vier­ten Mal Hören nur schwer wie­der los­wer­den.)

Gut, die Reak­tio­nen des Publi­kums wir­ken ein biss­chen über­trie­ben, aber dafür zeigt John Hen­dy einen inter­es­san­ten Auto­scoo­ter-Tanz­mo­ve – wobei die ange­deu­te­ten Lenk­be­we­gun­gen natür­lich auch ein Ver­weis auf Bri­an Har­veys Mer­ce­des-Zwi­schen­fall sein könn­ten.

Ins­ge­samt ist das alles weit­ge­hend ver­stö­rend, aber auch irgend­wie ein­la­dend auf ’ne Art. Ich bin jetzt jeden­falls tat­säch­lich ein klei­nes biss­chen gespannt auf „Dark Light“, das im April erschei­nen soll.

Die Song­ti­tel klin­gen jeden­falls alle schon mal sehr … viel­ver­spre­chend:

1. I Can’t Get You Off My Mind (Cra­zy)
2. Cra­zy Fool
3. Night­li­fe
4. Coun­ting Clouds
5. Break Ur Heart
6. Fri­day Night
7. Kiss Of Win­ter
8. Bro­ken Valen­ti­ne
9. Whe­re Does Love Go
10. You Must Be An Angel

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Musik

Something To Arrive

Wir schal­ten kurz nach Ober­loh­berg, wo unser Außen­re­por­ter Simon den Har­tog ein paar Brea­king News zu ver­kün­den hat:

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Eine neue Web­site gibt es auch – und wenn es nach dem Logo geht, wird die neue Plat­te wohl ein Kon­zept­al­bum über Micha­el Knight und sein Auto:

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Gesellschaft Literatur

Woanders is‘ auch scheiße

Wenn ich Men­schen aus dem Aus­land erklä­ren soll, wo ich her­kom­me, höre ich mich immer noch viel zu oft mit „near Colo­gne“ ant­wor­ten. Bei den meis­ten Ame­ri­ka­nern kann man ja froh sein, wenn sie davon mal gehört haben. Bri­ten hin­ge­gen ken­nen, so sie denn mini­mal fuß­ball­in­ter­es­siert sind, natür­lich Dort­mund und Schal­ke, manch­mal sogar Bochum. Die „Ruhr Area“ aller­dings ist eher was für Leu­te, die im Erd­kun­de­un­ter­richt gut auf­ge­passt haben, aber so wür­den eh nur die Wenigs­ten über ihre Hei­mat spre­chen.

Bergbaumuseum Bochum

Das Ver­hält­nis der „Ruhr­is“ zum Ruhr­ge­biet ist ein zutiefst ambi­va­len­tes: Eine unheil­vol­le Mischung aus Lokal­pa­trio­tis­mus und Selbst­ver­ach­tung, aus Stolz und Skep­sis, Tra­di­ti­ons­be­wusst­sein und Wur­zel­lo­sig­keit führt dazu, dass sich im fünft­größ­ten Bal­lungs­raum Euro­pas nie­mand zuhau­se fühlt. Ein Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl ent­steht erst ganz lang­sam, Jahr­zehn­te nach der Blü­te­zeit der Ruhr­in­dus­trie und auch recht wider­wil­lig.

Kon­rad Lisch­ka und Frank Pata­long stam­men auch aus dem Ruhr­ge­biet. Lisch­ka ist 32 und in Essen auf­ge­wach­sen, Ptalaong 48 und aus Duis­burg-Wal­sum. Heu­te arbei­ten bei­de bei „Spie­gel Online“ in Ham­burg, aber sie haben ein Buch geschrie­ben über die „wun­der­ba­re Welt des Ruhr­potts“: „Dat Schöns­te am Wein is dat Pils­ken danach“.

Der Alters­un­ter­schied der bei­den und ihre unter­schied­li­che Her­kunft (Lisch­ka kam mit sei­nen Eltern aus Polen ins Ruhr­ge­biet, Pata­long ist Kind einer Arbei­ter­fa­mi­lie) machen den beson­de­ren Reiz des Buches aus, denn ihre Hin­ter­grün­de sind gera­de unter­schied­lich genug, um fast das gan­ze Ruhr­ge­biet an sich zu cha­rak­te­ri­sie­ren. Lisch­ka ist (wie ich auch) ohne nen­nens­wer­te Schwer­indus­trie vor Augen auf­ge­wach­sen, bei Pata­long konn­te man die Wäsche tra­di­tio­nell nicht drau­ßen trock­nen las­sen, weil sie dann schwarz gewor­den wäre. Sie beschrei­ben eine Regi­on, die bin­nen kür­zes­ter Zeit von Men­schen aus halb Euro­pa besie­delt wur­de, die jetzt alle in ihren eilig hoch­ge­zo­ge­nen Sied­lun­gen hocken und fest­stel­len, dass die Gold­grä­ber­zeit lan­ge vor­bei ist. Für die meis­ten endet die Welt immer noch an der Stadt­teil­gren­ze, wofür Lisch­ka das wun­der­schö­ne Wort „Lokalst­pa­trio­tis­mus“ erson­nen hat. Ent­schul­di­gung, ich komm aus Epping­ho­ven, was soll ich da mit jeman­dem aus Hies­feld? 1

Das Buch ist geprägt von der so typi­schen Hass­lie­be der Ruhr­ge­biets­ein­woh­ner zu ihrer … nun ja: Hei­mat, zusam­men­ge­fasst im Aus­spruch „Woan­ders is‘ auch schei­ße“. Men­schen, die sich gott­weiß­was dar­auf ein­bil­den, aus einer bestimm­ten Stadt zu stam­men oder dort wenigs­tens „ange­kom­men“ zu sein, fin­det man viel­leicht in Düs­sel­dorf, Mün­chen oder Ham­burg, aber nicht im Ruhr­ge­biet. Wir sind nur froh, wenn man uns nicht mit Din­gen wie einem „Kul­tur­haupt­stadt­jahr“ behel­ligt, und packen alle Möch­te­gern-Hips­ter mit Röh­ren­jeans, asy­m­e­tri­schem Haar­schnitt und Jute­beu­tel in den nächs­ten ICE nach Ber­lin. Hier bit­te kei­ne Sze­ne, hier bit­te über­haupt nichts, Dan­ke! 2

Emschermündung bei Dinslaken

Ich fürch­te, dass das Buch für Men­schen, die kei­ner­lei Ver­bin­dung zum Ruhr­ge­biet haben, des­halb in etwa so inter­es­sant ist wie eines über das Paa­rungs­ver­hal­ten perua­ni­scher Wald­amei­sen. Es muss von einer völ­lig frem­den Welt erzäh­len, in der Kin­der auf qual­men­de Abraum­hal­den klet­tern, die Leu­te eine Art Blut­pud­ding essen, der Pan­has heißt, und in der eine Spra­che gespro­chen wird, die im Rest der Repu­blik ein­fach als „fal­sches Deutsch“ durch­geht.

Aber wer von hier „wech kommt“, der wird an vie­len Stel­len „ja, genau!“ rufen – oder sich wun­dern, dass er die Gegend, in der er auf­ge­wach­sen ist, so ganz anders wahr­ge­nom­men hat, denn auch das ist typisch Ruhr­ge­biet. Frank Pata­long erklärt an einer Stel­le, wel­cher Ort im Ruhr­ge­biet bei ihm immer ein Gefühl von Nach­hau­se­kom­men aus­löst, und obwohl ich da noch nie drü­ber nach­ge­dacht habe, bin ich in die­sem Moment voll bei ihm: Auf der Ber­li­ner Brü­cke, der „Nord-Süd-Ach­se“, auf der die A 59 die Ruhr, den Rhein-Her­ne-Kanal und den Duis­bur­ger Hafen über­spannt. Wenn wir frü­her aus dem Hol­land-Urlaub kamen, war dies der Ort, an dem wir wuss­ten, dass wir bald wie­der zuhau­se sind, und auch heu­te ist das auf dem Weg von Bochum nach Dins­la­ken der Punkt, wo ich mei­ne Erwach­se­nen­welt des Ruhr­ge­biets ver­las­se und in die Kind­heits­welt des Nie­der­rheins zurück­keh­re.

Lisch­ka und Pata­long ver­klä­ren nichts, sie sind mit­un­ter für mei­nen Geschmack ein biss­chen zu kri­tisch mit ihrer alten Hei­mat, aber dabei spre­chen sie Punk­te an, die mir als immer noch hier Leben­dem in der Form wohl nie auf­ge­fal­len wären. Zum Bei­spiel das stän­di­ge Schimp­fen auf „die da oben“, das bei den hie­si­gen Lokal­po­li­ti­kern lei­der zu min­des­tens 80% berech­tigt ist, das aber auch zu einer gewis­sen Kul­tur- und Intel­lek­tu­el­len­feind­lich­keit geführt hat. Die Zei­ten, in denen man sich als Arbei­ter­kind in sei­ner alten Umge­bung recht­fer­ti­gen muss­te, weil man zur Uni ging, dürf­ten vor­bei sein, aber ein Blick in die Kom­men­ta­re unter einem belie­bi­gen Arti­kel beim Lokal­rum­pel­por­tal „Der Wes­ten“ zeigt, dass Muse­en, Biblio­the­ken oder Thea­ter zumin­dest für eini­ge Ein­woh­ner des Ruhr­ge­biets immer noch „über­flüs­si­ger Schnick­schnack“ sind.

Graffito an der S-Bahn-Station Bochum-Ehrenfeld

Und wäh­rend ich dar­über nach­den­ke, dass die Arbei­ter in Liver­pool, Detroit oder New Jer­sey irgend­wie sehr viel mehr für ihren Stolz berühmt sind und dann teil­wei­se auch noch Bruce Springsteen haben, fällt mir auf, dass ich zumin­dest selbst natür­lich wahn­sin­nig stolz bin auf die­se Gegend. Ja, das, was an unse­ren Städ­ten mal schön war, ist seit Welt­krieg und Wie­der­auf­bau über­wie­gend weg, aber wir haben wahn­sin­nig viel Grün in den Städ­ten 3, ein schö­nes Umland und das bes­te Bier. Genau genom­men isses hier gar nicht schei­ße, son­dern eigent­lich nur woan­ders.

Und selbst wenn wir Ruhr­is inner­lich ziem­lich zer­ris­se­ne Cha­rak­te­re sind, die in ihren häss­li­chen Klein­städ­ten unter­schied­li­cher Grö­ße ste­hen und gucken, wie aus den Rui­nen unse­rer gol­de­nen Ver­gan­gen­heit irgend­et­was neu­es ent­steht: Es tut gut zu sehen, dass wir dabei nicht allei­ne sind. Will­kom­men im Pott!

Kon­rad Lisch­ka & Frank Pata­long – Dat Schöns­te am Wein is dat Pils­ken danach
Bas­tei Lüb­be, 271 Sei­ten
16,99 Euro.

  1. Bei­des sind Stadt­tei­le von Dins­la­ken, was schon in Köln kei­ner mehr kennt.[]
  2. Ver­zei­hung, ich bin da etwas vom The­ma abge­kom­men. Aber ich woh­ne in einem soge­nann­ten „Sze­ne­vier­tel“ und wer­de da schnell emo­tio­nal.[]
  3. Im Buch ver­weist Lisch­ka auf das soge­nann­te „Pan­tof­fel­grün“, ein Wort, das außer ihm und dem Pres­se­spre­cher der Stadt Dins­la­ken glau­be ich nie jemand ver­wen­det hat.[]