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Another Decade Under The Influence: 2010

Dieser Eintrag ist Teil 1 von bisher 10 in der Serie Another Decade Under The Influence

Heute in zehn Wochen ist Silvester — und mit dem Jahr endet auch das Jahrzehnt. Vor zehn Jahren habe ich das zum Anlass genommen, hier im Blog eine zehnteilige Serie zu veröffentlichen, in der ich sehr, sehr länglich auf jedes einzelne Jahr, seine popkulturellen und persönlichen Momente zurückgeblickt habe. Ich hab nicht mehr so viel Zeit und Nerven, 10.000 Zeichen zu verballern, Ihr nicht mehr die Zeit und Aufmerksamkeitsspanne, das zu konsumieren — also gibt’s für jedes Jahr ein Foto und ein paar Stichworte. Say hello to #anotherdecadeundertheinfluence!

2010. Meine erste Wohnung, ganz für mich allein. Eine unglaublich aufwendige Renovierung (mein Papa hat mal eben neuen Estrich gegossen, bevor wir den Fußboden verlegt haben) und das Gefühl, endlich wieder ein Zuhause zu haben. So viele neue Freund*innen, so viele gute Gespräche, so viele Abende (und Nächte) im Freibeuter (wo ich nur in diesem Jahr, grob überschlagen, einen vierstelligen Betrag zurückgelassen, aber immerhin mehrere Musikquizze gewonnen habe). Zwei Winter wie auf Hoth und ein constructive summer. Ein legendäres Haldern-Festival, eine kaum minder legendäre Geburtstagsfeier, bei der die Leute auf den Tischen getanzt haben, bevor sie umfielen. (Die Tische. Und die Leute. Natürlich alles im Freibeuter.) Ein Kulturhauptstadtjahr mit gesperrter A40 und Loveparade-Katastrophe. Knutschen und Rauchen. Meine ersten Einsätze als DJ (die Leute ham getanzt, die Leute ham geschrien). Dienstreisen nach Oslo (mit Stefan Niggemeier und Lena Meyer-Landrut), London (mit meinem Onkel Thomas) und Rom. Mein neuer Job als BILDblog-Chefredakteur mit Auftritten im Fernsehen und Radio. Ein Jahr mit durchgetretenem Gaspedal (und das, obwohl ich, hahaha, vermutlich nicht mehr als 300 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt habe) und exquisitem Soundtrack. And my head told my heart / Let love grow / But my heart told my head / This time no / This time no. You’re a beautiful girl and you’re a pretty good waitress / But Jesse I don’t think I’m the guy. Hallo, ich bin Lukas, 27, ich komme aus Bochum und das ist mein sogenanntes Leben. Ein Jahr, in dem selbst die leisen Momente laut waren. Da ist es gut, wenn man einen Platz hat, an den man sich zurückziehen kann (zum Schlafen und zum Arbeiten, denn was hab ich da wohl sonst noch gemacht?), und an dem einen keine Mitbewohner stören. Endlich wieder ein Zuhause, endlich angekommen und sofort aufgebrochen ins Leben.

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Diese Serie läuft parallel hier im Blog und auf Instagram.

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Internetmäander

Ich habe ein wichtiges Jubiläum verpasst: Irgendwann Ende November, Anfang Dezember muss es sich zum 15. Mal gejährt haben, dass der erste von mir geschriebene Text im World Wide Web veröffentlicht wurde. ((Die lächerlichen “Homepages”, die meine Freunde und ich in den Monaten zuvor bei AOL bzw. Tripod (Kinder, fragt Eure Großeltern, was das war) hochgeladen hatten, zählen nicht als Text.)) Es handelte sich um eine Kritik zum Film “Jackie Chan ist Nobody”, an den ich mich heute kein bisschen erinnern kann, und sie erschien auf “Schröders kleine Filmseiten”. Weil das Internet damals noch vergessen konnte, müsste ich die NSA um eine Sicherungskopie des Textes bitten, wenn ich ein entferntes Interesse daran hätte, meine Rezension noch einmal nachzulesen.

Das heißt auch: In ein paar Monaten werde ich mein halbes Leben ins Internet schreiben.

Ich glaube nicht, dass ich das Internet damals als Offenbarung, Chance oder Sensation begriffen habe. Mir war damals klar, dass die Zahl meiner Leser nicht signifikant steigen würde, verglichen mit den Texten, die ich in den sieben, acht Jahren zuvor in meine Schreibmaschine gehackt habe. Und meine Verwandten in den USA hätten meine Texte ja auch lesen können, wenn ich sie ihnen gefaxt hätte. Das Internet wurde erst richtig cool, als ich begriff, dass ich dort Fotos von meinen Lieblingsschauspielerinnen und obskure B-Seiten meiner Lieblingsbands herunterladen konnte. Ich fand den Eingangskanal immer beeindruckender als den Ausgangskanal.

Daran hat sich auch in den vielen Jahren, die ich auf verschiedensten Plattformen im Internet publiziert habe und in denen ich damit teilweise meinen Lebensunterhalt bestritten habe, nicht groß geändert. Natürlich weiß ich theoretisch, dass die mehr als 70.000 Zugriffe, die etwa unsere Oslog-Folge mit Lena Meyer-Landrut und Hape Kerkeling hatte, deutlich mehr sind als die maximal 50, 60 Zuschauer, die meine Freunde und ich im Jahr 1999 mit unseren selbst gedrehten Actionfilmen erreichen konnten. Und 2.000 Zuhörer hätte ich mit meinen Bands auch nie erreicht. Aber ich hab diese Sachen ehrlich gesagt immer in erster Linie für mich gemacht — ob sie hinterher auch Rezipienten finden, war mindestens zweitrangig.

Ich habe ins Internet geschrieben, bevor ich je das Wort “Blog” gehört hatte. Meine Schulfreunde und ich hatten eine Seite, auf der wir uns über unsere Erlebnisse ausgetauscht haben, lange bevor wir wussten, was ein “Social Network” ist, und bevor Facebook – oder auch nur MySpace ((Kinder, bitte wieder die Großeltern fragen.)) – gegründet wurde. Für mich ist das Internet so selbstverständlich wie fließend Warmwasser und elektrischer Strom und ich habe nie verstanden, warum manche ein großes Gewese darum machen, das Internet zu kritisieren oder zu verteidigen. Man kann mit Wasser seine Hände waschen oder sein Kind in der Badewanne ertränken und man kann mit elektrischem Strom Kartoffelsuppe nach altem Familienrezept kochen oder “Taff” auf ProSieben gucken — und so ist das Internet auch genau das, was man draus macht.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich nie so ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt habe, wie es auf Barcamps und Treffen wie der re:publica ((Allein die Schreibweise schon!)) zelebriert wird. Ich habe das Internet immer für ein sehr praktisches Werkzeug gehalten und ich finde es schön, dass ich dort Dinge machen und konsumieren kann, die nie im Fernsehen oder Radio laufen und nie von einem Verlag gedruckt werden würden, aber ich halte auch mein Schweizer Taschenmesser, ((Seit Weihnachten 1994 in meinem Besitz.)) meinen Staubsauger und meinen Dosenöffner für sehr praktische Werkzeuge und würde dennoch nie zu einem Treffen von Taschenmesser-, Staubsauger- oder Dosenöffnerfans gehen. ((Das mag freilich auch damit zusammenhängen, dass ich ein grundsätzliches Problem damit habe, Teil einer Gruppe zu sein.))

Ich will das hier jetzt gar nicht im Einzelnen aufdröseln, aber wenn ich sehe, was Geheimdienste, Regierungen und Anwaltskanzleien mit dem Internet veranstalten, macht mich das betroffen und wütend. Der Generalverdacht gegenüber der Bevölkerung, der sich in der Sammlung quasi aller Kommunikationsdaten manifestiert, ist unerträglich und auch irgendwie unlogisch: Schon seit Jahrzehnten werden Hämmer verkauft, mit denen man wahlweise Regale zusammenbauen oder jemanden erschlagen kann, ((In einigen Haushalten soll es zu Situationen gekommen sein, wo beides mehr oder weniger zeitgleich stattgefunden hat.)) von der vielseitigen Einsatzmöglichkeit von Messern und Autos ganz zu schweigen. Ich bin nicht der Meinung, dass man alles überwachen muss, weil Terroristen “Technik nutzen”, und ich hänge auf der staatstheoretischen Ebene der humanistischen Idee an, die Tim Berners-Lee kürzlich formuliert hat:

Any democratic country has to take the high road; it has to live by its principles. I’m very sympathetic to attempts to increase security against organised crime, but you have to distinguish yourself from the criminal.

Und weil Tim Berners-Lee der Mann ist, der das World Wide Web erfunden hat, nutze ich diesen Zirkelschluss, um zum Schluss zu kommen:

Ich mag das Internet, macht es nicht kaputt!

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Ein Blog kann eine Brücke sein

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It’s not my home, it’s their home

Es ist womöglich schon mal an der einen oder anderen Stelle angeklungen, dass ich 20 Jahre meines Lebens in einer Stadt verbracht habe, die Dinslaken heißt.

Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern, aber ich kann natürlich versuchen, daraus irgendwie Kapital zu schlagen. Deswegen habe ich, als wir fürs Duslog in Düsseldorf waren, Stefan Niggemeier einfach mal kurz nach Dinslaken geschleift und ihm meine alte Heimat gezeigt.

Herausgekommen ist ein etwas spezieller Imagefilm, der bald bei der Dinslakener Stadtinformation käuflich zu erwerben sein wird:

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