Mein Fan-Problem

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 1. Juli 2012 22:03

Es mag so die 82. Minute im WM-Viertelfinalspiel Deutschland gegen Kroatien gewesen sein, als ich den Fernseher im Wohnzimmer meines Elternhauses zurückließ, in den Garten ging und meinen Fußball immer wieder gegen die Wand des Gartenhauses drosch. “So geht das, Ihr Versager”, rief ich an die Adresse der deutschen Mannschaft, die gerade in Lyon 0:2 zurücklag. Meine Mutter trat auf die Terrasse, beobachtete skeptisch mein wütendes Gebolze und verkündete, es stehe jetzt 0:3.

In der deutschen Mannschaft spielten damals so klangvolle Namen wie Christian Wörns, Jörg Heinrich, Dietmar Hamann, Michael Tarnat und Olaf Marschall.

* * *

Ich bin jetzt seit 22 Jahren Fußballfan — und das hat viel mit Missverständnissen zu tun:

Das erste Fußballspiel, an das ich mich erinnern konnte, war das Achtelfinale Deutschland gegen die Niederlande bei der Italia 90. Zuvor waren wir im Sommerurlaub in den Niederlanden gewesen, wo damals alle der Meinung waren, dass ihr Team Weltmeister werden würde. Alles war in Oranje dekoriert und seitdem bin ich Holland-Fan. Holland verlor gegen Deutschland, Deutschland wurde Weltmeister und ich musste – ebenso wie Franz Beckenbauer – annehmen, dass Deutschland auf Jahre unbesiegbar sein werde. Dann verlor Deutschland das EM-Finale 1992 gegen Dänemark1 und ich weinte als Achtjähriger heiße Tränen der Enttäuschung.

Da meine Begeisterung für Sport (genauso wie meine Begeisterung für den Eurovision Song Contest) von Anfang an vor allem von meiner Begeisterung für Zahlen und Statistiken geprägt wurde, tippte ich vor der WM 1994 alle Spiele des Turniers, errechnete die Gruppensieger und Achtelfinalpaarungen und kam zu dem Schluss, dass Deutschland seinen Titel verteidigen würde. Daraus wurde nichts, ich war wieder einmal bitter enttäuscht, aber der Gedanke, dass dieser Finalsieg 1990 nicht die Regel, sondern die Ausnahme gewesen sein könnte, kam mir erst viele Jahre später. Ich hatte mich unterdessen in die schwedische Mannschaft verliebt, die mit offenkundigen Weltklassespielern wie Thomas Ravelli, Patrik Andersson, Thomas Brolin, Henrik Larsson, Kennet Andersson und Martin Dahlin WM-Dritter wurde. Als ansonsten ahnungsloser Junge musste ich davon ausgehen, dass Schweden eine internationale Top-Mannschaft sei.

* * *

Endgültig vom Fußball angefixt, brauchte ich natürlich auch eine eigene Bundesligamannschaft. Meine Wahl fiel auf Borussia Mönchengladbach, was nicht so willkürlich wahr, wie es sich im ersten Moment anhören mag: Stefan Effenberg, der wegen seines Mittelfinger-Einsatzes gegen deutsche Fans bei der WM aus dem Kader geflogen war, wollte nach dem Turnier in die Bundesliga wechseln. Aus irgendeinem frühpubertären Grund fand ich die “Stinkefinger”-Aktion als Zehnjähriger cool und dachte mir: “Hey, wo der hingeht, das ist mein Verein: Bremen oder Mönchengladbach!” Für Gladbach sprachen dann aber auch noch die schwedischen Nationalspieler Patrik Andersson und Martin Dahlin und mein Patenonkel, der in Mönchengladbach wohnte.

Vor dem Beginn der Bundesligasaison 1994/95 hatte ich keine Ahnung, wie erfolgreich diese Borussia aus Mönchengladbach sein könnte, ein Jahr später waren “wir” Fünfter in der Bundesliga und DFB-Pokalsieger geworden.2 Ich musste wieder einmal annehmen, mich für eine Top-Mannschaft entschieden zu haben.

Am letzten Spieltag der Saison 1997/98 rettete sich Gladbach3 vor dem Abstieg, ein Jahr später stieg mein Verein dann doch in die zweite Liga ab. Ich beschloss, mich eher auf Musik zu konzentrieren, wo ich auf weniger Enttäuschungen hoffte. Nach einem Jahr lösten sich zwei meiner damaligen Lieblingsbands auf.

Als ich gerade nach Bochum gezogen war, qualifizierte sich der VfL für den UEFA-Cup, ein Jahr später stieg er ab. Gladbach entließ 2006, nach der erfolgreichsten Saison seit zehn Jahren, den Trainer und ging 2007 wieder in die zweite Liga. Letztes Jahr trafen beide Mannschaften in der Relegation aufeinander, ich konnte mich kaum entscheiden — und ein Jahr später beendete Gladbach die Saison in der ersten Liga auf Platz 4, Bochum Elfter in Liga Zwei.

Man lernt als Fußballfan viel fürs Leben, denn es gilt das gleiche, was Jason Lee in “Vanilla Sky” über die Liebe sagt:

You can do whatever you want with your life, but one day you’ll know what love truly is. It’s the sour and the sweet. And I know sour, which allows me to appreciate the sweet.

* * *

Was meine Liebe zum Fußball, aber auch die zur Musik, immer etwas schwierig gestaltet hat, waren die anderen Fans. Ich hatte immer Schwierigkeiten damit, Teil einer Gruppe zu sein. Ich denke dann immer: “Wir mögen ja gemeinsame Interessen haben, aber ich bin doch ganz anders als Ihr!”

Wenn ich während der zwei Wochen Eurovision denke, so langsam sei es aber auch mal gut, mit den Klischeeschwulen, die da blondiert und nasal flötend um mich rumtucken, muss ich mich nur dran erinnern, wie es im Fußballstadion aussieht: Homophobie statt Homosexualität, plumpes Gebrüll statt entzücktem Gekreische und generell null Taktgefühl. Natürlich: Nicht alle Fußballfans sind so, aber in der Summe ist es für mich dann doch schwer erträglich. Schon in der Kneipe sind mir diese Typen ein Graus, die immer hinter einem stehen und in jeder verdammten Szene die Spieler lautstark anbrüllen — dabei können Menschen im Fernsehen einen nun wirklich nicht hören.

* * *

Schlimmer als diese Fans, die es mit ihrer Begeisterung für den Sport dann vielleicht doch ein bisschen übertreiben, sind aber jene Leute, die sich zu internationalen Turnieren in schwarz-rot-goldene Schale werfen und gemeinsam mit der Boulevardpresse darauf hoffen, dass “wir” den Titel holen.

Natürlich kann man internationale Fußballturniere verfolgen, ohne die Abseitsregel oder die FIFA-Weltrangliste zu kennen. Auch habe ich in den letzten sechs Jahren verstanden, dass die Menschen, die ihre Häuser und Autos mit Deutschlandflaggen schmücken, in den allerwenigsten Fällen Neonazis sind. Aber diese Schönwetterfans sind schon schwer erträglich.

Wenn man von den unglücklichen Vogts-Weltmeisterschaften 1994 und ’98 und den EM-Totalausfällen 2000 und 2004 absieht, zählt Deutschland seit 26 Jahren kontinuierlich zu den vier besten Mannschaften Europas bzw. der Welt. Wer Fußball nur guckt, weil er auf einen Titelgewinn der eigenen Mannschaft4 hofft, ist kein Fan der Sportart, sondern einfach nur jemand, der sein Verhältnis zu dieser Sportart von einem einzigen Faktor abhängig macht: dem Titel. Mit dieser Einstellung kann man dieser Tage nicht mal mehr Fan des FC Bayern München werden — und selber Sport treiben sowieso nicht.

* * *

Das EM-Viertelfinale gegen Griechenland war sicher kein brillantes Spiel. Die deutsche Mannschaft hat sich gegen eine eher drittklassige Mannschaft zwei Gegentore eingefangen, das Spiel letztlich innerhalb einer sehr guten Viertelstunde gewonnen.

“Bild” titelte am nächsten Morgen:

Uns stoppt keiner mehr!

Die “Bild”-Schlagzeilen vor und nach dem Halbfinal-Aus, die mein Kollege Mats Schönauer im BILDblog gesammelt hat, stammen allerdings noch aus einer ganz anderen Welt: Ich finde es eh schwierig, wenn Journalisten (oder in diesem Fall: “Bild”-Mitarbeiter) “wir” sagen und damit die deutsche Mannschaft meinen. Wenn ein kleiner Junge und vielleicht auch älterer Fußballfan enttäuscht und wütend sind, ist das menschlich — aber Medien sollten nicht menschlich, sondern sachlich berichten. Was “Bild” da macht, geht über den normalen Wahnsinn eines enttäuschten Fans hinaus. Da arbeitet eine ganze Redaktion an Schlagzeilen, die all dem entgegenstehen, was sie selbst wenige Tage zuvor erarbeitet hat. Ein menschliches Gehirn müsste eigentlich implodieren, wenn sich sein Besitzer derart selbst widerspricht.

“Bild” reagiert wie ein trotziger Dreijähriger, der seiner Mutter “Ich hasse Dich!” entgegen schleudert, wenn sie ihm kein zweites Eis mehr kaufen mag, oder wie ein Stalker — in jedem Fall wie niemand, dem man rationales Denken unterstellen könnte.

Die Mannschaft sei “zu soft” für den Titel, so urteilt “Bild”. Die neoliberale Moral der Casting-Shows der “Bild”-Freund Dieter Bohlen und Heidi Klum wird so weiter im Bewusstsein junger Menschen verankert: “Du musst es nur hart genug wollen! Wenn Du es nicht schaffst, hast Du nicht hart genug gewollt!”

Hier werden Menschen so behandelt, als seien sie Maschinen, die man nur richtig optimieren muss, damit sie Erfolg haben. Und Erfolg heißt immer nur, Erster zu sein. Es geht nie darum, für sich selbst das Beste herauszuholen, sondern ausschließlich darum, “Bester” zu sein. Alles andere ist immer eine Enttäuschung. Wer so denkt, wird fast immer ein Leben voller Enttäuschungen führen.

* * *

Es spricht eh wenig dafür, dass im Sportjournalismus irgendjemand arbeitet, der Fußball liebt: Spiele werden in so viele statistische Werte (gelaufene Meter, gespielte Pässe, gewonnene Zweikämpfe, etc.) zerlegt, dass nicht mal ich als Statistik-Freund irgendeinen Sinn darin sehe — und ich weiß, dass Heiko Herrlich und Mario Basler in der Bundesligasaison 1994/95 mit jeweils 20 Treffern Torschützenkönige der Bundesliga wurden.

Der Statistikwahn der aktuellen Sportberichterstattung ist so, als ob man eine CD nach ihrer Spielzeit, der Beatzahlen der einzelnen Tracks und der Anzahl der Harmoniewechsel bewerten würde. Man möchte sich nicht vorstellen, wie solche Menschen ihre Ehepartner aussuchen. Wer die ganze Welt in angeblich objektive Zahlen zerlegt, wird irgendwann überrascht feststellen, dass er sie trotzdem nicht versteht.

Und dann immer diese Benotungen nach Fußballspielen! Natürlich hat Lukas Podolski am Donnerstag schlecht gespielt, aber was hat man davon, wenn man ihm dafür eine “6” geben kann?

Wirtschaftsverbände und Lehrer kritisieren die Notenvergabe an Schulen in ihrer aktuellen Form als wenig aussagekräftig. Ich habe es immer schon für Unfug gehalten, dass jemand, der Medizin studieren möchte, dafür gute Schulnoten in Geschichte, Englisch, Sport und Religion braucht. Und wenn Sie jetzt sagen: “Ja, aber irgendwie muss man so eine Studienplatzzulassung ja regeln”, dann entgegne ich Ihnen: “Wenn unser Bildungssystem es nicht einmal auf die Kette bekommt, gerechte und logische Zulassungsverfahren zu entwickeln, dann brauchen wir mit dem Versuch, künftige Eliten auszubilden, ja gar nicht erst anzufangen!”

* * *

Im November 2009 war aus einem Volk von 82 Millionen potentiellen Bundestrainern kurzzeitig eine Nation von 82 Millionen Psychologen geworden: Nach dem Suizid des depressiven Nationaltorhüters Robert Enke erklärten Funktionäre, Fans und Medien, es müsse ein sogenanntes Umdenken einsetzen.

Walter M. Straten, damals stellvertretender Sportchef bei “Bild”, hatte sich damals von der “Süddeutschen Zeitung” so zitieren lassen:

“Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein”, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, “ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht”.

Schnell zeigte sich, dass Stratens Aussage exakt so ernst zu nehmen war, wie andere Aussagen der “Bild”-Chefredaktion.

In der Zwischenzeit ist ein Bundesligatrainer wegen Burnouts zurückgetreten, hat ein Schiedsrichter einen Suizidversuch unternommen, wird einem Bundesligaprofi vorgeworfen, sein Haus in Brand gesetzt zu haben.

Jedes Mal zeigen sich alle entsetzt und jedes Mal geht es danach weiter: Fußballer sind entweder Helden oder Luschen, es gibt nur hop oder top.

Als Fan fand ich den Satz “Es ist doch nur ein Spiel”, immer schlimm. Er kann nur von Menschen kommen, die selbst nie mitgefiebert und mitgelitten haben. Aber an etwas anderes sollte man immer mal wieder erinnern: Diese Götter oder Versager, die da Tore schießen oder Chancen vergeben, die brillant aufspielen oder grandios vergeben, das sind letztendlich auch nur Menschen. Also: “nur”.

  1. Das sich nicht mal regulär qualifiziert hatte und in meinem Panini-Sammelalbum nur mit einem zweiteiligen Mannschaftsfoto gewürdigt wurde, nicht mit einer Doppelseite voller Einzelporträts! []
  2. Das Pokalfinale in Berlin hatte ich als mein zweites Fußballspiel überhaupt sogar live im Berliner Olympiastadion verfolgt. []
  3. Mit Schützenhilfe von Hansa Rostock! []
  4. Oder schlimmer noch: der eigenen Nation. []

28 Kommentare

  1. Huge
    1. Juli 2012, 23:28

    Nur ein Einwand: Es arbeiten im Sportjournalismus sehr wohl Menschen, die Fußball lieben. Und anderen Sport.

  2. Malte M. Boettcher
    2. Juli 2012, 4:06

    Hallo,
    ich lese euren Blog sehr gerne und stimme auch diesem Artikel über die Scheinheiligkeit im Sportjurnalismus und dem Öffentlichen Leistungsdruck der Akteure im Kern zu. Ist ja ähnlich dem aktuellen Bildblog Posts.
    Natürlich finde ich die Praktiken der Presse, insb. der Springer Presse, wie mit Misserfolgen umgegangen wird verwerflich.
    Dennoch muss ich zu diesem Artikel einiges Klarstellen:
    Natürlich kann ich die Gedankengänge eines “echten” Fussballfans nachvollziehen, der jedes Wochenende ins Stadion geht, oder einem bestimmten Verein hinterherfiebert, wenn er die “Saisonfans”, die sich nur für die EM oder WM interessieren ablehnt. Ich selbst habe neuerdings ganz ähnliche Gefühle zu den Fans einer derzeit von HBO verfilmten Romanreihe. Als Fan liebe ich sowohl die Romane, wie auch die Serie, kann aber Menschen nicht leiden, die sich als die größten Fans ausgeben, obwohl Sie nie die Bücher gelesen haben.
    Die Gefühle sind vergleichbar zu deinen, obwohl mir natürlich auf Grund der Beschaffenheit eine Waffe bleibt: Das gnadenlose Spoilern.
    Trotzdem muss man sich als harter Fan, und das habe auch ich gelernt, damit abfinden, das die eigene Passion eben irgendwann massentauglich wird und man selbst kein Exklusivrecht daran hat. Ich kann verstehen, dass die Serie auch Menschen gefällt die die Romane nicht kennen, wie ich auch verstehen kann, dass die WM/EM auch Menschen gefällt, die sonst wenig mit Fussball zu tun haben wollen.
    Ich bin auch einer dieser “Saisonfussballfans”.
    Fussball ist für mich ein schöner Sport, aber ich kann dem Gedanken absolut nichts abgewinnen mich jedes Wochenende damit zu beschäftigen, oder einem Verein hinterher zu laufen, zu dem sowieso nur die wenigsten Spieler eine regionale Bindung haben und die meisten eingekauft wurden.
    Wenn du das magst ist es deine Sache und das respektiere ich. Es ist bestimmt auch ein schönes und populäres Hobby.
    Die EM/WM spiele verfolge ich weil ich es mag in einer Gruppe zusammen einem bestimmten Ereigniss/Ausgang entgegen zu fiebern. Gemeinsam zu hoffen und zu bangen, zu feiern oder zu trauern. Natürlich weiß ich auch was Abseits bedeutet, obwohl ich die Fifa-Weltrangliste auch nicht kenne. Fussball ist eben ein schöner Sport, aber eben nicht mehr. Die WM/EM ist auch die einzige Zeit in der ich mir das alte Mäntelchen Deutsch nochmal überziehe, obwohl ich sonst Patriotismus eher affig finde.
    Das bedeutet aber nicht, das meine Emotionen zu einem Spiel der DFB-Elf geheuchelt sind, oder weniger wert. Für diese kurze Zeit bin ich natürlich ein echter Fan und will das Deutschland gewinnt. Und wenn wir verlieren ist es traurig. Der Abend ist dann meistens auch gelaufen, denn gemeinsames Fiebern hinterlässt auch emotionale Spuren.
    Aber am nächsten Tag sollte man mit seinem Leben weiter machen…
    Fussballist eben unberechenbar und auf dem hohen Niveau auf dem Top-Athleten spielen erst recht. Da ist viel von der sog. Tagesform der Spieler, oder dem taktischen Glück abhängig, und wenn die eigene Mannschaft verliert geht die Welt nicht unter. Keiner brauch vor seinem Haus sitzen und heulen, dass sein Leben vorbei ist. Ich habe das auch nicht getan, nach dem ich Star Wars EP I-III zum ersten mal gesehen habe und das war wirklich scheiße!
    Aber Deutschland hat im Alltag andere Probleme als Fussball oder Popkultur.

    Also lass dir gesagt sein, obwohl ich auch mitfiebern und mitleiden kann, dass Fussball eben auch “nur” ein Spiel ist.

  3. Links anne Ruhr (02.07.2012) » Pottblog
    2. Juli 2012, 6:13

    […] Mein Fan-Problem (Coffee And TV) – […]

  4. Wichtige Nachrichten – 02.07.2012 | newsabstracts
    2. Juli 2012, 8:16

    […] gegen diese Art der “Berichterstattung”, nicht nur vom Springer-Blatt: (bildblog.de + coffeandtv.de + […]

  5. Matze
    2. Juli 2012, 9:37

    Erst einmal: Gut, dass du nicht (wie ich) Eintracht Frankfurt-Fan bist, bei dem, was du aus Bochum und Gladbach (bei letzteren mit Ausnahmen wie der vergangenen Saison)…

    Aber Spaß beiseite: Du hast natürlich völlig recht. Und es ist schön zu lesen, dass ich nicht der einzige bin, der Fußball (und natürlich die Statistiken) mag, aber den gemeinen Fußballfan eher anstrengend findet.

    Deshalb war es bei der EM für mich auch immer ein Problem, den richtigen Ort zum Schauen zu finden: Public Viewing auf gar keinen Fall, Kneipen mit Vorsicht – aber man will ja auch nicht immer nur zu Hause schauen …

  6. Fritz
    2. Juli 2012, 10:33

    Wenn du ernsthaft “20 Tore in einer Saison” als Statistik verglichst mit der prozentualen Passerfolgsquote in einem Spiel ist es vielleicht kein Wunder, dass du dem allen keinen Sinn mehr anerkennen kannst. Aus diesen Statistiken liest man ein Spiel. Der Fußball entwickelt sich schneller als jede andere Sportart und das liegt natürlich auch vor allem an der Masse, weil die genug Geld mitbringt.

    Das Problem ist, dass in Deutschland diese Statistiken immernoch ignoriert werden. Da wird dann Khediras Passspiel als präziser gelobt als das von Schweinsteiger. Wenn man allerdings in die Statistik des Spiels schaut sieht man, dass Sami eine Quote von 86% hatte und Schweinsteiger von 94%. Da spielt dann nämlich die persönliche Wahrnehmung eine Rolle.

    Auf der Basis machen die Noten keinen Sinn, weil die, die sie geben nicht verstehen, was auf dem Platz passiert. Anders wären die sclechten Noten von Özil in den ersten Spielen nicht zu verstehen. Dabei hat er wunderbare Arbeit geleistet und Räume geschaffen, durch die dann die Tore gefallen sind. Deutsche Experten sehen immer nur die Tore und die direkten Vorlagen, was überhaupt zur Situation führt verstehen sie nicht. Wenn das ein Fan nicht versteht, gerne. Einer, der zwanzig Jahre in dem Beruf arbeitet hat das gefälligst zu wissen. Ein Politikjournalist, der nicht versteht was eine parlamentarische Demokratie ist würde wohl kaum seinen Job behalten.

    Auf einer 1–6 Skala gehen die Noten in Ordnung. Podolski bswp hat nihts auf die Reihe bekommen. Wenn du in einer Klaussur nur “WEiß nicht” aufs Blatt schreibst wirst du auch nur 0 Punkte bekommen. Oder ist das auch wieder falsch? Sind ja Menschen, die darf man niemals benoten. Genauso ist fraglich wie du als Medienjournalist arbeiten wilslt mit so einer Einstellung. Dann verkneife dir bitte jede Kritk, die Medienschaffenden sind auch nur Menschen und was gerade aus deiner Sparte an persönlichen Beleidigungen gegen Künstler kommt ist nicht mehr feierlich. Veronica Ferres mag eine eindimensionale Schauspielerin sein, aber wieso wird sie ständig so persönlich beleidigt? Geht das in Ordnung? Wieso maßen sich Kritker an das Publikum von Mario Barth als Unterschicht zu diskriminieren? Vielleicht erstmal vor der eigenen Tür kehren, bevor man auf andere einschlägt.

    Dass alles ist Hochleistungssport, worum sollte es sonst gehen? Das ist ein Wettbewerb, zudem sind sie Profis. Als Amateur kann man gerne zum Spass spielen, als Profi ist es der Beruf.

    Was dieser vollkommen falsche Vergleich mit Neoliberalismus soll ist mir schleierhaft, außer der offensichtlichen Anbiederung an gewisse politische Schichten. Nach deiner Definition waren auch die Olympioniken damals neoliberal. Dumm, wenn man ein Wort so häufig benutzt, dass es nur noch eine Worthülse ist und bedeutet “Die, die ich nicht mag”

    Der gesamte Sinn des Turnier ist als Team zu gewinnen und nicht “das Beste für sich selbst rauszuholen”. Wo so eine asozialie ich bezogenheit hinführt hat man bei den Holländern gesehen.

    Spieler wie Lahm, Özil und Wiese haben es verdient von der BILD niedergemacht zu werden. Sie machen schließlich für das Blatt Werbung. Dann sollen sie auch die negativen Seiten davon auskosten dürfen.

  7. Lukas Heinser
    2. Juli 2012, 12:34

    @Fritz: Natürlich sollen die alle ihre Höchstleistungen abrufen. Aber manchmal reichen eben auch die Höchstleistungen nicht — oder es reicht nicht zur Höchstleistung. Warum das eine verlorene Spiel (entscheidend hin oder her) jetzt die Grenze zwischen “Helden” und “Versagern” bilden soll, ist mir unbegreiflich.

    Das ist dieses FC-Bayern-denken, wo eine Saison schon ein Desaster ist, wenn man nur Zweiter wird. Und wie ich schrieb: Wer so denkt, wird fast zwangsläufig ein Leben voller Enttäuschungen führen (auch der FC Bayern hat von 49. Bundesligasaisons nur 21 gewonnen).

    Was ich hatte sagen wollen, hat Gunnar Jans von der “Abendzeitung” mit ein paar zehntausend Wörtern weniger ausgedrückt.

  8. Tharben
    2. Juli 2012, 15:00

    Ach, Herr Heinser. Wegen solcher Text liebe ick dir.

    Ich habe mit jungen Menschen zu tun, die in dem Hamsterrad gefangen sind, das du in dem Abschnitt ab “Die Mannschaft sei “zu soft” für den Titel” bis “Wer so denkt, wird fast immer ein Leben voller Enttäuschungen führen.” beschreibst. Sie sind psychische Wracks.

  9. JJPreston
    2. Juli 2012, 15:38

    Ein paar Anmerkungen @Fritz

    “Aus diesen Statistiken liest man ein Spiel.”

    Statistiken helfen auch nur in der Gesamtbetrachtung, aber allein aus ihnen lässt sich kein Spiel ablesen. Beispiel: Am 4. Spieltag 2007/2008 trennten sich der HSV und Bayern München 1:1, der Ausgleich für den HSV fiel in der 87. Minute. Es gab 7 Gelbe Karten. Das Chancenverhältnis war 4:3 für den HSV, das Eckenverhältnis 6:5 für Bayern. Der HSV war in der Zweikampfbilanz leicht überlegen, die Bayern beim Ballbesitz. Nach dem Spiel war der HSV 5. und Bayern Tabellenführer. Was war der Schlüssel, weswegen das Spiel genau so ausgehen musste?
    (Auflösung weiter unten.)

    “Das Problem ist, dass in Deutschland diese Statistiken immernoch ignoriert werden. Da wird dann Khediras Passspiel als präziser gelobt als das von Schweinsteiger. Wenn man allerdings in die Statistik des Spiels schaut sieht man, dass Sami eine Quote von 86% hatte und Schweinsteiger von 94%. Da spielt dann nämlich die persönliche Wahrnehmung eine Rolle.”

    Ja, dass man das sieht, spielt tatsächlich eine Rolle. Ein Bastian Schweinsteiger könnte mit 3-Meter-Sicherheitspässen in einem ganzen Spiel 100 % Passquote erzielen – wenn Khedira bei 60 % Passquote auch nur ein riskanter Steilpass gelingt, der zum Tor führt, war Khedira der bessere Mann. Das erklärt keine Statistik der Welt. Punkt.

    “Dabei hat er wunderbare Arbeit geleistet und Räume geschaffen, durch die dann die Tore gefallen sind.”

    Und in welcher Statistik stand das?

    “Wieso maßen sich Kritker an das Publikum von Mario Barth als Unterschicht zu diskriminieren?”

    Weil sie nicht auf die Statistik der Eintrittskarten geschaut haben, sondern auf das Publikum selbst… ^^

    “Der gesamte Sinn des Turnier ist als Team zu gewinnen und nicht “das Beste für sich selbst rauszuholen”. Wo so eine asozialie ich bezogenheit hinführt hat man bei den Holländern gesehen.”

    Ach ja? Warum nehmen dann San Marino, Andorra, Kasachstan oder die Färöer überhaupt an der EM-Qualifikation teil, wo sie doch sicher sein können, niemals Europameister zu werden?

    Und nun die Auflösung des Rätsels von oben:
    Schlüssel zum Punktgewinn war der 19-jährige Rechtsverteidiger Jerome Boateng, der Franck Ribéry komplett aus dem Spiel nahm und seine Seite in seinem Startelf-Debüt beim HSV komplett abdichtete, so dass die Bayern relativ einfallslos kaum zu Chancen kamen, obwohl dem HSV van der Vaart, Kompany und Demel fehlten. Dass das 0:1 durch Klose aus dem Nichts fiel, vermag ebenso keine Statistik zu erklären, weder damals noch heute.
    Woher ich das weiß? Ich hab’s gesehen.

  10. Stefan
    2. Juli 2012, 17:18

    Danke. Du sprichst mir aus der Seele.

  11. Fritz
    2. Juli 2012, 17:38

    jjpreston
    Wie gesagt, wenn man Statistiken auf Gelbe Karten und Tore reduziert sind sie nicht aussagefähig. Denn dann müsste man sich wundern, warum eine Mannschaft in Unterzahl ein Spiel gewinnt, man hat ja nur die Statistik Rote Korte und 2:1 gewonnen. Alledings gibt es heutzutage deutlich mehr Statistiken.
    Die Spieler sind heute gläsern. Man kann genau nachweisen, wann und wo sich welcher Spieler aufgehalten hat und welche er Aktionen er dort durchgeführt hat. Die Richtung seiner Pässe allgemein und wieviel davon ankamen.
    Am Bildschirm sieht man nur einen kleinen Teil des Spiels und im Stadion kann man auch nicth überallhingucken, sondern wenn nur einen Spieler genau beobachten, da kommen dann die Statistiken mit ins Spiel.
    Wenn ich nur den Fernsehausschnitt sehe, sehe ich selten, mit was für Läufen abseits des Balles Özil Räume schafft (die sonst immer gerne von Müller genutzt worden) Dazu muss man natürlich erstmal verstehen, dass Özil das tut und warum. Und genau dort wissen gerade TV Experten viel zu wenig.
    Dabei ist alles kostenlos im Internet oder per App zu bekommen.

    und diese Statistiken und Schaubilder können auch erklären, warum Ribery in ihrem Beispiel nicht zum Tor gekommen ist.

    Die beiden “Standardwerke”, die kostenlos zugänglich sind, sind Zonal Marking und whoscored. Leider gibt es nur wenig auf deutsch, weil es wie gesagt hier eher abgelehnt wird.

    http://www.zonalmarking.net/20.....li-double/
    Hier ist der Bericht für das Italien Spiel. Mittig sieht man gut von wo Pirlo seine Pässe schlägt, wo er dabei stand und ob sie angekommen sind. Des weiteren kann man auch nachsehen, welcher Spieler von welchen Spieler wo die Pässe bekommen hat, wo ein Stürmer stand als er aufs Tor schoss und wohin seine Schüsse gingen. Zonal Marking zeigt nur einen kleinen Ausschnitt, aber ich denke man erkennt daran gut, was man alles nachgucken kann. Grob gesagt: Alles.

    Das gleiche könnte man in dem von ihnen genannten Spiel auch tun und sehen, dass Ribery sich nicht durchsetzt.

    Ich rede als von den heutigen Statistiken und nicht einfachen kurzen Spielberichten, wo Tore und Auswechslungen festgehalten sind.

    Die Statisiken erklären das alles, auch wenn Sie das nicht glauben. Wie gesagt dort steht genau wo Schweinsteiger wann den Ball hingeschlagen hat, wo er stand und ob er ankaml. Da sieht man den Sicherheitspass oder den Fehlpass. Mir ging es in dem Beispiel auch nur allgemein, um die subjektive Wahrnehmung, wenn jemand sagt “Schweini haut so viele Pässe daneben, Khedira macht das viel besser” weil es ja eben nicht stimmt.
    Ich wollte lediglich aufzeigen, dass die Wahrnehmung nunmal falsch ist, und Statistiken dazu da sind, dass Objektiv zu widerlegen.(Die Zahlen waren aus dem Kopf, ich habe nochmal nachgeschaut: Schweinsteiger hat im Griechenlandspiel 118 Pässe geschlagen mit 92% Erfolgschance und Khedira 77 mit 88%.) Dass Schweinsteiger dickere Fehler gemacht hat, darum ging es gar nicht.

    In all den Statistiken werden sie auch finden, warum Özil eine gute EM gespielt hat. Um zu verstehen was er vor allem abseits des Balles macht, einfach auf youtube das 2:0 Deutschland England bei der WM 2010 anscahuen und sehen was Klose mit dem Verteidiger am rechten Bildrand macht. Das ist Extremform, aber genau darum geht es. Er zieht in raus und schafft damit den Raum, den Müller nutzt und das Tor vorbereitet.
    Hier ist dann die Frage: Was ist mehr wert, die Hereingabe von Müller, die direkt das Tor vorbereitet oder Klose, der den Raum für all das überhaupt erst schafft? Ein guter Trainer weiß alles zu schätzen, nur kommt sowas in unserer Nachberichterstattung viel zu kurz und führt zu einer schlechten Wahrnehmung der Spieler (ÖZIL HATTE JA GAR KEINE VORLAGE!!!)

  12. Fritz
    2. Juli 2012, 17:40

    “Spielverlagerung” ist ein dt Blog, sehr ähnlich zu Zonal Marking.

  13. Lukas Heinser
    2. Juli 2012, 17:44

    @Fritz:

    Die Statisiken erklären das alles, auch wenn Sie das nicht glauben.

    Und mit dieser Einstellung macht Ihnen Fußball noch Spaß?

    (Das ist keine rhetorische Frage, ich kann es mir nur selbst überhaupt nicht vorstellen.)

  14. Fritz
    2. Juli 2012, 17:49

    Lukas: Da sind wir einer Meinung. Nur ging es in dem Artikel, ja um noch einges anderes.
    vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich über solche eine Berichterstattung kaum noch empören kann, weil ich da abestumpft bin. Das ist ja leider alles nichts Neues. Gerade beim Fußball gibt es keine Zwischentöne.
    Von außen ist das vielleicht salopp und naiv dahergesagt, aber ich verstehe nicht wieso Spieler das überhaupt noch ernst nehmen. Das ist comichaft und bizzar. Vielleicht sollte in den Medienschulungn nicht auf möglichst gesäuberte und angepasste Sprache Wert gelegt werden, sondern einfach den Spielern sagen “Es ist vollkommen egal was die schreiben, nehmt es nicht ernst.”

    Zu dem Gewinnen: Ab einem gewissen Level gehört der Erfolg dazu und Atheleten sind nunmal erfolgshunrig, genauso wie Spitzenpolitiker. Wenn man Bayern München nimmt kann man bei der Kaderpolitik und den Ausgaben auch nicht wirklich zufrieden sein mit dem Abschneiden. Den Spielern muss außerhalb des Platzes klar sein, dass es wichtigere Dinge gibt, es geht ja beim Fußall nicht um Leben und Tod (es geht um viel mehr als das). Aber auf dem Platz kann doch nur der Sieg zählen. Als Profi und ales einer der Favoriten kann man sich doch nicht hinststellen und mit dem Halbfinalaus zufrieden sein. Irgendwoher muss auch die Motivation kommen und die ist der Titel.

  15. Fritz
    2. Juli 2012, 17:54

    Lukas Heinser
    2. Juli 2012, 17:44

    Sogar nochmehr als davor. Genauso wie manche Leute analysieren, ob Kate von William schwanger ist beschäftige ich mich mit der Analyse von Fußball spielen. Ich wollte schließlich wissen was falsch läuft und nicht mit “Wir brauchen Typen und wir müssen die nationalhymne singen” um die Ecke kommen.

    Dass muss jeder für sich entscheiden, eine gewisse Naivität gehört zu jedem Fansein dazu. Aber wenn sie Musiker sind hören sie auch, wenn sich jemand verspielt und das kann dann auch fies sein, während andere fröhlich weitermitsingen.

    Es wird ja überall nach ursachen für die Niederlage gesucht und ich denke, wenn man sich nicht auf die ewige “Wir brauchen Eier” Rhetorik einlassen will dann sind Statistiken nunmal ein guter Weg wirklich rauszufinden was schief läuft oder warum ein Spieler gut ist.
    (gibt ja auch leute, die in MMOs auf die dritte nachkommastelle ausrechnen wie viel mehr Schaden eine Waffe als die andere macht, wenn ihnen das Spass macht, gerne)

  16. C
    2. Juli 2012, 20:47

    “Ich habe es immer schon für Unfug gehalten, dass jemand, der Medizin studieren möchte, dafür gute Schulnoten in Geschichte, Englisch, Sport und Religion braucht.”

    Da hast du unser Bildungssystem leider gründlich missverstanden. Aber ich kläre dich gerne auf.

    Die Noten in der Schule dienen nicht zur Abbildung des Grades an Sachwissen – der 1er-Geschichtsabiturient ist nicht stante pede ein relevanter Historiker.

    Sie sind vielmehr ein Instrument zur Messung von Hintergrundvariablen (Auffassungsgabe, Leistungsbereitschaft, etc.). Für diesen Zweck haben sie große Reliabilität und Validität.

  17. dilbert
    2. Juli 2012, 21:40

    Man kann es ja noch fast verstehen, dieses pendel der medien wenn es um so emotionalisierte dinge wie fussball geht. Einer boulevardgazette wie der Bild würde wohl keiner ihrer leser sachliche überschriften abnehmen. Da geht nur schwarz/weiss.
    Nur hat diese schwarz/weiss-denke so nach und nach weite teile der medien verseucht. Dieses hochjubeln und runterschreiben wird heutzutage bei praktisch jedem thema benutzt um aufmerksamkeit in einem bunten, schreienden markt zu erheischen.
    Erschreckend ist das dort kaum ein unterschied mehr auszumachen ist zwischen boulevard und angeblich seriösen medien.

  18. OJ
    2. Juli 2012, 23:45

    Süß, wie Sie sich von ihrem kindlich-unaufgeklärtem Alter Ego distanzieren, weil sie endlich erkannt haben, dass es ja wirklich ganz schön “schwierig” ist, wenn jemand “wir” sagt und damit die Nationalmannschaft meint.

  19. Milo
    3. Juli 2012, 11:22

    @Fritz
    Vielleicht beschränkst Du Dich zu sehr auf Statistik, wenn Du den Wert von Spielanalysen erklären willst. Du hast ja sinnvollerweise auf Spielverlagerung.de hingewiesen. Dort findet man ja nicht nur Zahlen, sondern viel mehr:
    – es wird nachvollzogen, mit welcher Spielidee die Mannschaften antreten
    – es wird besprochen, welche Rolle die einzelnen Spieler in einem taktischen Konzept einnehmen
    – es wird gezeigt, welche Schwachstellen und welche Stärken diese Taktiken haben
    – es werden etwa Tore in ihrer Entstehung erklärt, nicht allein durch Zahlen, sondern vor allem durch die Dynamik des Geschehens, durch die Wechselwirkung der Aktionen der Mannschaften

    Das bietet alles eine gute Grundlage, zu verstehen, wieso ein Spiel so und nicht anders verlief. Und ich gebe Dir absolut recht: Eine solche Kompetenz sollte man von professionellen Sportjournalisten erwarten dürfen, anstatt dass sie populäre Cojones-Scheindebatten führen.

  20. Wie Deutschland 2012 Europameister wurde. « 3Toastbrot
    3. Juli 2012, 16:15

    […] Liebe Deutschland ringt um Fassung Mein Fan-Problem Offener Brief von Arnd Zeigler EM-Journal ’12-71. Teilen Sie dies mit:DiggRedditGefällt […]

  21. amfenster
    3. Juli 2012, 17:03

    #14
    “Als Profi und ales einer der Favoriten kann man sich doch nicht hinststellen und mit dem Halbfinalaus zufrieden sein. Irgendwoher muss auch die Motivation kommen und die ist der Titel.”

    Na es würde mich auch sehr wundern, wenn Spieler und Trainer mit dem Ausscheiden im Halbfinale *zufrieden* wären. Natürlich treten die an, um den Titel zu gewinnen. Aber es liegt in der Natur des Turniers, dass sämtlichen Teilnehmern bis auf den Gewinner des Finales gar nichts anderes übrig bleibt, als sich mit den Plätzen dahinter “zufriedenzugeben”.
    Genau diese Vorstellung, man müsse nur alles auf “Richtigmachen” programmieren und da würde es bei der deutschen Elf eben am Wollen scheitern, ist es doch, was Lukas in seinem Artikel anprangert.

  22. Schluss, aus, vorbei! Die Euro 2012 in Polen und der Ukraine. « hulza
    3. Juli 2012, 18:55

    […] ganz zu schweigen, doch davon soll hier nicht lange die Rede sein, darüber haben sich zum Beispiel Lukas Heinser (“Da arbeitet eine ganze Redaktion an Schlagzeilen, die all dem entgegenstehen, was sie […]

  23. Mein Fan-Problem – Coffee And TV | shared – Der Abfall, der bleibt
    7. Juli 2012, 23:36

    […] Mein Fan-Problem – Cof­fee And TV. This entry was posted in Allgemein by Dogma Pillenknick. Bookmark the permalink. […]

  24. Ayetho
    14. Juli 2012, 10:03

    Der “Streng dich an, dann schaffst du alles”-Gedanke verkauft einem Erfolg als individuelle Aufgabe und Leistung und verkennt dabei, dass zu Erfolg viel mehr Umstände nötig sind als nur persönliche Motivation: Beim Sport ist es das Wetter, die Tagesform und nicht zuletzt das Niveau der Gegner. Auf die Gesellschaft gewendet ist Erfolg auch nicht nur abhängig davon, zu wollen, sondern man braucht Glück, das ensprechende fördernde Umfeld und in Deutschland nicht zuletzt reiche Eltern, sonst würden sich die Einkommensunterschiede ja nicht derart reproduzieren, wie sie es tun. Und das ist der Punkt: Wenn Erfolg individuell zugeschrieben wird, dann wird es auch Misserfolg. Das ist er aber nicht. Stattdessen haben Individuen Schuld, wenn sie an Strukturen scheitern, und die Leute, die von diesen Strukturen profitieren, sind fein raus. Und das ist die Neoliberalität dieses Gedankens.

  25. ST
    14. Juli 2012, 10:24

    Was ist deine Schlussfolgerung daraus, Ayetho? Streng dich nicht an? Arbeite nicht hart? Es lohnt sich nicht??
    Kennst du noch den “perfekte Welle”-Song von Juli? Mal als Analogie sehr gut.
    Als Surfer hast du auf die Wellen keinen(!) Einfluss. Um auf die “perfekte Welle” zu treffen, brauchst du Glück. Ja. Aber du musst dem Glück auch eine Chance geben, d.h. du musst mit deinem Board ständig am Strand sein! Und, was oft vergessen wird, wenn du ein schlechter Surfer bist, nützt dir die beste Welle nix, du fällst vom Brett. D.h. die vielen Stunden, die du auf schlechten Wellen geritten bist, hast du geübt und trainiert. Dadurch bist du so gut geworden, dass du die perfekte Welle nutzen kannst.

    Also, sind es Glück und die Eltern (=Umfeld)?
    Das reicht nicht für Erfolg!
    Geht es ohne reiche Eltern? Klar!
    Die perfekte Welle (=Glück) kommt dann schon.

  26. Ayetho
    14. Juli 2012, 12:10

    Das Bild passt gar nicht so schlecht. Auf deinen Erfolg hast du nämlich wie auf die perfekte Welle auch keinen (zumindest wenig) Einfluss. Denn der Alltag vieler Menschen schaut ja gerade so aus, dass sie sich anstrengen, und es nichts bringt, es sich nicht lohnt, weil eben beispielsweise soziale Ressourcen fehlen, mit denen sich andere Leute Vorteile verschaffen können. Aber so weit muss es ja auch erstmal kommen – für Akademikerkinder ist ja eher normal, aufs Gymnasium zu gehen, für Arbeiterkinder eher nicht. Wenn dein Leben als Kind von geringverdienden Eltern durch dein soziales Umfeld schon so früh so durchstrukturiert ist, dann kommst du vielleicht gar nicht auf die Idee, aufs Gymnasium zu gehen, sondern machst das, was deine Eltern gemacht haben und was alle deine Freunde machen … Anstrengung ohne Erfolg ist der Tod von Motivation. Meine Schlussfolgerung? Anstrengen, und bei Erfolg denen helfen, die nicht das Glück hatten.

  27. ST
    15. Juli 2012, 23:03

    Auf die Welle habe ich keinen Einfluss, aber bedeutet denn nur eine “perfekte Welle” Erfolg?
    Das ist jetzt natürlich Ansichtssache, da kann jeder eine andere Meinung haben.
    Um in dem Bild zu bleiben, wäre es ein Erfolg, ein richtig guter Surfer zu werden, auch wenn man keinen Millionen-Werbevertrag bekommt (Sowas solls ja auch für Surfer geben).
    Für den Alltag vieler Menschen heißt das z.B. dass es ihnen wirklich gut geht. Der deutsche Lebensstandard ist dermaßen hoch im weltweiten Vergleich, sogar für Jobcenter-Kunden. Wenn man über seine Ansprüche und Wunschvorstellungen nachdenkt und sich auf das besinnt was man hat, lässt sich ein Erfolgsgefühl viel häufiger erreichen. (Es kann eben nicht jeder einen Ferrari fahren.)

    Wenn man aber sich über den Durchschnitt hinaus entwickeln will, muss man etwas anderes machen als “was deine Eltern gemacht haben und was alle deine Freunde machen … ”
    Es ist sicherlich nicht einfach (z.B. durch teilweise Aufgabe des bisherigen Freundeskreises), aber machbar. Dafür gibt es auch in Deutschland Beispiele.

    Um nochmal zur “Welle” zu kommen: Wenn man sich also derart entwickeln will und daran arbeitet, kommt irgendwann eine perfekte, oder zumindest sehr, sehr gute Welle.

    “Meine Schlussfolgerung? Anstrengen, und bei Erfolg denen helfen, die nicht das Glück hatten.”
    Du argumentierst ja, dass sich trotz Anstrengungen kein Erfolg erreichen lässt. Daher ist deine Schlussfolgerung so nicht korrekt gefolgert – auch wenn ich sie teile. :)

  28. Ich bin ein Kalauer – Coffee And TV
    19. Juni 2013, 13:07

    […] WM ist noch nicht das Trauma, aber nah dran. […]

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