Das Amt

Von Lukas Heinser, 22. Februar 2012 23:21

Die ausgeklügelte deutsche Bürokratie ist sicher nur erfunden worden, damit Kolumnisten und Kabarettisten sich darüber aufregen und Lehrer mit Adolf-Sauerland-Bärten und Lederwesten „ja, genau“ rufen können.

Anders gesagt: Ich brauchte einen neuen Reisepass. Im Mai geht’s nach Aserbaidschan und der alte Pass ist im vergangenen Juli abgelaufen. Außerdem brauche ich einen Ort, wo ich meine weitgehend ungenutzte „Miles & More“-Karte der Lufthansa deponieren kann, und da hat sich der Reisepass in der Vergangenheit als guter Platz erwiesen. Braucht man ja dann eh beides zusammen.

Über Wochen habe ich mich aus zwei Gründen um dieses Vorhaben gedrückt: Erstens meine Abneigung gegenüber Warteräumen aller Art, zweitens das Passfoto. „Vielleicht doch erst zum Friseur“, habe ich gedacht, aber da hätte ich unter Umständen wieder warten müssen, also hab ich es gar nicht erst versucht und einfach auf einen Good Hair Day gewartet. Die Sonne schien, das Radio hatte mich am Morgen mal nicht mit Nickelback begrüßt, die Haare taten nach dem Duschen ungefähr das, was ich von ihnen erwartet hätte, kurzum: Es war die Gelegenheit, die verdammten Fotos machen zu lassen und den Reisepass in Angriff zu nehmen.

Tatsächlich gelang es den Mitarbeitern im örtlichen Fotografiefachgeschäft, ein biometrisches Bild von mir anzufertigen, auf dem ich ausnahmsweise nicht wie ein soeben festgenommener Serienkiller oder Journalist aussehe. Im Zweifelsfall könnte ich die überzähligen Passbilder sogar meinen Großeltern zu Weihnachten schenken, wenn mir mal wieder nichts einfällt. Im Prinzip ist das aber eh egal, denn das schlimmste Foto, das jemals von mir angefertigt wurde, ziert eh meinen Führerschein, der nie erneuert werden muss.

Dann ging ich ins Rathaus zum Bürgerbüro, zog eine Nummer und längst verdrängte Erinnerungen stiegen in mir wieder auf. Daran, wie ich vor acht Jahren bei meinem Umzug nach Bochum gefühlte vier Stunden hatte warten müssen. Oder daran, wie ich bei der Beantragung eines neuen Personalausweises nach einstündiger Wartezeit darüber informiert wurde, dass mein Passfoto nicht den Anforderungen entsprechen würde.1 Doch diesmal war ich vorbereitet: Ich hatte Buch und Kopfhörer dabei und mich vorher informiert, wo ich mich fußläufig mit Lebensmitteln, Getränken und Bettdecken versorgen könnte.

Ich hasse, wie gesagt, Warteräume aller Art. Dabei ist es weitgehend egal, ob am Ende der Wartezeit eine zahnärztliche Behandlung, ein Langstreckenflug oder der Versuch ansteht, einen Reisepass zu beantragen. Beim Warten denke ich die ganze Zeit daran, wie schön ich zur gleichen Zeit zuhause vor meinem Computer oder Fernseher (oder beidem) hocken und meine Zeit nach eigenem Ermessen verschwenden könnte. Außerdem habe ich tief in mir eine latente Angst vor dem deutschen Bürokratieapparat. Ich male mir immer aus, dass ich beim letzten Umzug irgendein Formular falsch ausgefüllt haben könnte und jetzt offiziell als tot gelte, wobei auch noch eine mir unbekannte Person Witwenrente bezieht, weil die ihr Formular ebenfalls nicht korrekt ausgefüllt hatte und die Dame vom Amt dann noch irgendwas durcheinandergebracht hat.

„Es warten 15 Personen vor Ihnen“, hatte mich der Zettel mit meiner Nummer drauf („Auf keinen Fall verlieren!“) informiert. Nach zwanzig Minuten waren davon fünf aufgerufen worden und ich suchte schon mal unauffällig nach dem geeignetsten Schlafplatz in diesem Warteraum, der den Charme eines unterirdischen Eiscafés versprühte, dessen Einrichter als einzige Anweisung erhalten hatten, dass die Möbel auch bei einem eventuellen Einsatz als Schlagwaffe nicht kaputtgehen und darüber hinaus leicht abzukärchern sein sollten. Auf einem Flachbildschirm wurden die Nummern angezeigt und die Tische, an die man sich zu begeben hatte, auf einem Flachbildschirm daneben liefen Bilder vom schönsten Ort Bochums, dem Westpark. Damit der Drang, sofort rauszurennen, nicht zu groß wurde, hatte man die Aufnahmen aber sicherheitshalber im Winter angefertigt, als die Bäume noch kahl waren. Gerade als die Zufallswiedergabe meines Handys „Fickt das System“ von Die Sterne spielte, leuchtete meine Nummer auf und ich machte mich unter Zuhilfenahme all meiner Jacques-Tati-Imitationskünste auf die Suche nach Tisch 6.

Ich trug der Sachbearbeiterin mein Anliegen vor und während sie die nötigen Unterlagen ausdruckte, stellte ich wieder mal fest, was für ein zynisches, menschenverachtendes Konzept diesen Bürgerbüros, die Ende der 1990er Jahre überall aus dem Boden gestampft wurden, doch zugrunde liegt: Während ich in der Apotheke mit Markierungen auf dem Boden aufgefordert werde, Diskretion zu wahren, sitzt hier in diesem völlig offenen Bürgerbüro zwei Meter neben mir ein Mann, der sich in einer von Franz Kafka höchselbst ersonnenen Logikschleife befindet, und alle Umsitzenden kriegen jedes Wort mit. Dass er seinen beantragten Personalausweis nicht bezahlen kann, weil er kein Konto hat, aber kein Konto eröffnen kann, weil er keinen gültigen Personalausweis besitzt. Der dicke Sachbearbeiter sagte, er könne da auch nichts machen, der Mann wurde lauter und verließ irgendwann unter mittellautem Fluchen das Bürgerbüro. Meine Sachbearbeiterin warf mir einen vielsagenden Blick zu und ich schickte spontan ein Stoßgebet zum Lieben Gott, dass ich bitte niemals eine Arbeitsagentur von innen sehen möge.

Dann musste ich Formulare ausfüllen, wofür es unter anderem notwendig war, dass ich mich erinnerte, ob ich den Streitkräften eines anderen Landes gedient hatte. Da ich mir sicher war, den Dschungel-Einsatz mit der Fremdenlegion nur geträumt zu haben, kreuzte ich „Nein“ an. Dann musste ich auf einem Ausdruck unterschreiben: „Sie können das ganze Feld nutzen, aber nicht in den schwarzen Bereich reinschreiben!“ Zum Glück kann man das Formular offenbar mehrfach ausdrucken.

An einer Stelle musste ich kurz auf meinem Handy nachsehen, ob wir tatsächlich das Jahr 2012 hatten, denn ich wurde Zeuge eines beeindruckenden Beispiels für die sogenannte Medienkonvergenz: Die Sachbearbeiterin nahm das Foto, das der Mann vom Fotoladen (nennen wir ihn Herrn Ärmel) zuvor mit einer Digitalkamera von mir gemacht und auf Fotopapier ausgedruckt hatte, klebte es auf das Blatt Papier, auf dem ich gerade unterschrieben hatte, und legte dieses Blatt auf einen Scanner. Nach einer halben Minute war mein Foto im System, die Frau knibbelte es wieder von dem Papier ab und gab es mir zurück. Ich hatte 13 Euro für vier Fotos bezahlt, von denen ich nur eines brauchte, und das auch nur für eine halbe Minute.

Erstaunlicherweise holte sie dann aber kein Stempelkissen hervor, um die Abdrücke meiner Zeigefinger erst auf einem Blatt Papier zu nehmen und dann einzuscannen – Nein! – zu ihrem Arbeitsplatz gehört (wie zu mutmaßlich allen anderen Arbeitsplätzen in diesem riesigen Raum) ein Fingerabdruckscanner, mit dem sie die Linien auf meinen Fingerkuppen direkt in ihr System übertragen konnte. Die Abdrücke würden weder bei ihr noch in der Bundesdruckerei dauerhaft gespeichert, spulte sie die Datenschutzerklärung ab, sie würden lediglich auf einem Chip im Pass gespeichert. Ich nickte und verzichtete auf den Scherz, dass ich meinen Pass als erstes in die Mikrowelle legen würde.

Es ging ans Zahlen und ich war froh, mir vorab auf der Internetseite der Stadt Bochum die Preisliste angeschaut zu haben.2 59 Euro kostet so ein Reisepass für zehn Jahre, dafür bekommt man in Oslo zum Beispiel ein Eis. In etwa drei Wochen muss ich wieder hin und meinen Pass abholen. Dafür muss ich dann „eine Siebenhunderter-Nummer“ ziehen, mit denen man direkt zur Abholstelle vor darf.

  1. Ich ging am nächsten Tag einfach in eine Zweigstelle des Bürgerbüros, wo das selbe Foto anstandslos akzeptiert wurde. []
  2. Wie auch immer ich die gefunden haben mag. []

29 Kommentare

  1. Jens
    22. Februar 2012, 23:27

    Pass beim Abholen auf!

    Als ich – im besagten Bürgerbüro am Rathaus – meinen neuen Personalausweis abholte (noch ohne Biometrie, dafür mit Twitter-Avatarbildchen… hat ohne Probleme geklappt!), wurde ich beinahe von einem nahezu lautlosen Reinigungswägelchen überfahren, was da ‚rumschwebte.

  2. Sam
    22. Februar 2012, 23:36

    Ich kann dich beruhigen! In 21 Jahren (2033) bekommen alle einen neuen Führerschein, die ihn bis 2013 gemacht haben :)

    http://www.focus.de/politik/we.....45549.html

    Ich freue mich auf Juli, da kann ich endlich meinen Perso erneuern. Das Foto gehört verboten…

  3. frank
    23. Februar 2012, 0:16

    Was mich an der deutschen Bürokratie beeindruckt ist, dass es im Bürgerbüro für jeden Arbeitsplatz einen Fingerabdruck- und einen Dokumentenscanner, nicht aber eine Digitalknipse gibt.

  4. Bernhard
    23. Februar 2012, 0:38

    Für eine kurze Zeit hatte ich gehofft, dass hier eine verspätete Review der RTL-Sitcom mit Jochen Busse kommt. Aber diese dokumentarische Wortbeitrag ist auch nicht schlecht.

  5. Julian
    23. Februar 2012, 6:31

    Lustiger Artikel und ich habe das an anderen Stellen auch schon so erlebt. Aber ich denke es hängt schon auch deutlich davon ab, in welcher Stadt Du das machst. Bei uns in Nürnberg checken die schon an der Information, ob Du alles dabei hast und das Bild passt und die Wartezeiten waren immer super. Ich war in letzter Zeit öfter dort und es waren selten mehr als 3 Leute vor mir. Ob Du Deinen Pass abholen kannst, kann man online abfragen und sich sogar per E-Mail benachrichtigen lassen und man geht an einen speziellen Abholschalter an dem es noch schneller geht. Selbst das Bild kann man am Automaten im Haus machen lassen. Wobei es da auch noch auf dem Papierweg zur Sachbearbeiterin transportiert wird. Das wäre aber wirklich der einzige Kritikpunkt den ich aktuell hätte.

  6. Nummer Neun
    23. Februar 2012, 7:48

    Ha ich stell mir grade vor, was die Stadt Nürnberg macht, damit die Wartezeiten „super“ sind und lande dabei bei lustigen Clowns und mobilen Eisverkäufern im Warteraum. Stark :)

  7. Sonja
    23. Februar 2012, 7:51

    Geht doch!

    „Mein“ Amt ist eine erfreuliche Union mit der Stadtbücherei eingegangen. Über dem Tisch bei den Zeitungen hängt sogar einer von den Nummernbildschirmen, so dass man den seelenzerstörenden Warteraum völlig vermeiden kann.

  8. Thomas
    23. Februar 2012, 7:54

    Lederwesten!!

  9. Laura
    23. Februar 2012, 8:18

    Oh mein Gott, ich hab gerade ahnungslos und unvorbereitet auf den „Welt online“-Link geklickt und werde nie wieder schlafen können! Bitte das nächste Mal entsprechend kennzeichnen so was..

  10. FS
    23. Februar 2012, 8:34

    Da lebe ich ja in Bonn auf einer Insel der Seligen! Man kann sich für Behördengänge eines von vier über die Stadt verteilten Bürgerbüros aussuchen, sich per Mail einen Termin geben lassen, der wird per Mail bestätigt, man kommt an und wird direkt und ohne Wartezeit bedient. Ach ja, und zumindest das Amt in dem ich war (Godesberg) ist in einem Gründerzeit-Bau.

  11. SvenR
    23. Februar 2012, 8:39

    Niemand wartet gern. Und ich besonders ungern. Wobei ich durch viel zu häufige Flugreisen nach London nach dem 11. September 2001 speziell konditioniert wurde. In der Hochphase vorm A dass den Pass achtmal zu zeigen (beim Gepäckaufgeben, beim Anstellen an die erste Leibesvisotation, Passkontrolle wg. Ausreise, bei der zweiten Leibesvisitation dann komischerweise nicht, beim Betreten des Gates, beim Boarding vorm Einsteigen in den Bus, im Flieger am Ende der Treppe vorm Hinsetzen, während des Fluges auch nicht, Passkontrolle beim Einreisen, direkt nach der Einreise dann noch mal von der Metropolitan Police mit der Frage, ob man den Bargeld dabei habe…) und vor den jeweiligen Stationen dann schön in Schlangen herummäandern. Zu jener Zeit ist man nach London City von Frankfurt aus mit BA vom Fluggaststeig B54 im Terminal 2 geflogen, dass gab einem das Gefühl, dass man das erste Viertel des Weges schon mal gelaufen ist, und das zweite dann im Vorfeldbus hin und im Flieger auf der Rollbahn wieder zurück gefahren ist.

    Wenn ich weiß, dass ich warten muss, dann kann ich eine gewisse Zeit durch dieses Training ganz gut rumkriegen. Was mich immernoch unmittelbar in den Wahnsinn treibt, sind U-Bahnen an milden Frühlingstagen, die alle sechs Minuten kommen, nur wenn ich darauf warte sich 30 min gar nicht blicken lassen. Oder rote Ampel mitten in der Nacht, an denen außer mir niemand vorbeikommt, und die Linksabbiegerspur drei Grünphasen der Geradeausampel abwarten muss, WOBEI DOCH DA NIEMAND IST.

    (Note to self: Lukas unauffällig nach dem Führerschein fragen)

  12. Fabienne
    23. Februar 2012, 9:42

    Auch wenn es im hiesigen Bürgerbüro nicht ganz so extrem ist, ich musste herzhaft lachen! Danke!

  13. Markus
    23. Februar 2012, 11:22

    Grandios. Hier in einer Kleinstadt mit unter 30.000 Einwohnern ist das zwar alles nicht so schlimm, aber ich verstehe es sehr gut.

    Immerhin hast Du von dem Reisepass länger was als von einem Eis. :D

  14. hans
    23. Februar 2012, 11:25

    Ich liebe ja diese Beiträge, weil ich soetwas entgegen allen Klischees noch nie erlebt habe :) Lohnsteuerkarte, Ausweis, Pass immer gerade ich an den freundlichsten Sachbearbeiter und es sich maximal zwei Leute vor mir. Gilt für Ordnungsämter in Westfalen und Vorpommern.

    Was ich allerdings seltsam finde @Kafka: In welchem Amt kann man bitteschön nicht in bar bezahlen?! War dort Gegenteiltag (haha…; weil üblicherweise das EC-Kartengerät kaputt ist.

  15. Alberto Green
    23. Februar 2012, 14:58

    Als ich mal beim Persoverlängern zu viel Geld dabei hatte, habe ich meinen rosanen Lappen mit der bleichen, hustenden Hans-Castorp-Version von mir drauf gegen so eine schnieke Plastikkarte getauscht.

  16. El Marc
    23. Februar 2012, 15:02

    Danke für die gute Idee mit der Miles&More-Karte im Pass. Hab die bisher bei Buchungen immer erst zu spät wiedergefunden…!

  17. Hans Hütt
    23. Februar 2012, 15:03

    Sehr witzig, danke!

  18. Petra
    23. Februar 2012, 17:04

    Mein Selbstwertgefühl und Zwerchfell danken dir für den Welt Online-Link. Ich werde mich nie wieder für mein Gesichtskrampf-Passfoto schämen.

    59 Euro kostet so ein Reisepass für zehn Jahre, dafür bekommt man in Oslo zum Beispiel ein Eis.
    – Jetzt echt?!

  19. herbert
    23. Februar 2012, 17:42

    und was passiert jetzt, wenn man seinen Reisepass in die Mikrowelle legt?

  20. Matthias
    23. Februar 2012, 20:59

    Habe meine Passbilder in meiner Wohnung geknipst und ausgedruckt. Wurden anstandslos akzeptiert.

  21. Andreas
    24. Februar 2012, 9:59

    59 Euro kostet so ein Reisepass für zehn Jahre, dafür bekommt man in Oslo zum Beispiel ein Eis. – Zehn Jahre lang, oder wie?

  22. pseu
    24. Februar 2012, 14:17

    Hui, ich hab in genau diesem Büro mal tatsächlich – und nicht nur gefühlt – 4 Stunden gewartet.

  23. Hab
    24. Februar 2012, 17:12

    Hm, ihr Deutschen macht aber auch alles kompliziert. :)
    Hier bei unserer Bezirksbehörde in Oberösterreich:
    Bei meinem Pass hat es 20 Minuten für die Antragstellung gedauert (inklusive Wartezeit). Pass wird aber nach Hause geschickt, also keine Wartezeit.
    Einziger Nachteil: Man kann Mittwoch Nachmittag nicht auf die Behörde, weil sie da zu hat, dafür Montags bis 20:00. :)

  24. Torsten
    25. Februar 2012, 2:17

    Genialer Erfahrungsbericht…

    …da hab ich mich glatt zurück erinnert an das Jahr 2010. Damals brauchte ich für die Anmeldung zur Hochzeit ein neues Ausweisdokument. Der Personalausweis war schon seit Jahren abgelaufen. Da ich aber in all der Zeit einen gültigen Reisepass hatte, kam mir nie in den Sinn, einen neuen zu beantragen (was besonders Müttern schwer zu vermitteln ist „Junge, aber Du kannst doch nicht ohne Personalausweis….“). Doch just in dem Jahr lief dummerweise auch gerade die Gültigkeit meines Passes ab. Aus Kostengründen entschied ich mich dann dafür, den Ausweis neu zu beantragen. Durch mein Vorhaben nach der Eheschließung den Namen meiner Frau anzunehmen war abzusehen, dass ich in Kürze die ganze Prozedur noch einmal durchlaufen muss. Die „biometrisch korrekten“ Passbilder erstellte ich mir damals selbst… mit der Kamera meines Handys vor einer hellen Badezimmerwand (was endlos viele Versuche brachte, ehe ich mich mit einem der völlig bekloppten Gesichtsausdrücke anfreunden konnte – in schwarz-weiß sieht sowas noch einmal um einiges unheimlicher aus). Danach gings zu einer nahe gelegenen Drogerie-Kette, wo ich mir dann das auserwählte und für gut befundene Bild für 35 Cent acht mal in Passbildgröße auf einen Abzug ausdruckte und… das Bild dann im Bürgerbüro erstaunlicherweise ohne Probleme akzeptiert wurde.

  25. Fräulein vom Amt
    25. Februar 2012, 19:04

    Lieber Lukas Heinser,
    ich scanne täglich diese Fotos und die Fingerabdrücke und kann dir verraten, dass in unserm Amt der Fotoautomat die teuren Bilder als tempDatei bereitstellen kann. Dann hast du 4 Fotos für 6 Euro ausgedruckt, die du auf keinen Fall den Großeltern schenken kannst, so finster sind sie. Um die BürgerInnen nicht noch mehr zu frustrieren, greife ich nur im Notfall auf die Bilddatei zurück. Dabei ginge es papierlos und ohne Gebühr…

  26. Armin
    25. Februar 2012, 19:55

    Was seid Ihr da lahm in Deutschland: Hier in Grossbritannien muss man sein Fuehrerscheinbild alle 10 Jahre erneuern, fuer guenstige £20 (soweit ich mich erinnern kann) + was immer das Bild kostet.

    OK, zugestanden, dafuer haben wir hier den Quatsch mit dem Personalausweis nicht.

  27. VolkerB
    25. Februar 2012, 22:31

    Lukas,
    der echte Frust kommt erst nach dem Abholen: Dein Pass wird nicht die 10 Jahre halten, die er gültig ist, denn der Einband beginnt sich schon nach einem Monat aufzulösen und blättert spätestens beim dritten Auslandseinsatz gefährlich ab. Kein Einzelfall: Deutsche Wertarbeit, die in den Schlangen auf den Flughäfen dieser Welt zu „bestaunen“ ist.
    Toi, toi, toi mit deinem neuen Reisedokument! Ich wünsche es dir nicht, aber es würde mich interessieren, ob meine Voraussage eintrifft.

  28. DaW
    26. Februar 2012, 18:14

    Wieso eigentlich „deutsche Bürokratie“? Auch in Filmen oder Medien aus anderen Ländern wird sie doch immer wieder thematisiert (z.B. bei den Simpsons und natürlich bei DEM Klassiker schlechthin: dem Passierschein A38 bei Asterix und Obelix). Und ich selbst habe die polnische schon erleben dürfen, als ich ein Anschreiben vom Woiwodschaftsamt in dreifacher Anfertigung bekam – und jegliche Übersetzungsversuche von vorherein aufgab, als ich ein beliebiges Datum in der Vergangenheit erblickte und genau wusste, worum es in diesem Zusammenhang geht – „Laut Gesetz/Verordnung x vom … gilt…“. Meine muttersprachlichen Mitbewohner mussten sich das Schreiben dann auch mehrmals durchlesen, um seinen Sinn zu begreifen.

    Ansonsten: Ich weiß schon, warum ich mich seit Jahren um einen Pass drücke. :) Danke für den Bericht.

  29. Wie das Brötchen vor der Schlange – Coffee And TV
    22. Juni 2013, 15:01

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