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Und sie war 16

Die Sprin­ger-Bou­le­vard­zei­tung „B.Z.“ ver­öf­fent­licht heu­te den ers­ten Teil ihrer Bücher-Edi­ti­on „Klas­si­ker der Welt­li­te­ra­tur, mit Fleisch­wurst nach­emp­fun­den“:

Die Hertha-Lolita

Wenn Sie sich jetzt fra­gen: „Wor­um geht’s?“, hilft Ihnen die „B.Z.“ ger­ne mit einem rhe­to­ri­schen Fra­gen­ka­ta­log wei­ter:

Wor­um geht es? Um Sex? Ja. Sex mit einer 16-Jäh­ri­gen? Ja. Sex, auch mit einem ver­hei­ra­te­ten Mann? Ja. Sex im Kin­der­zim­mer, wäh­rend unten die klei­nen Geschwis­ter spiel­ten? Ja.

Sex im Him­mel­bett und Satz­bau aus der Höl­le? Aber hal­lo!

Nichts davon ist so ver­bo­ten, wie es sich anhört. Deut­sches Recht.

Und nichts davon soll sich so sab­bernd anhö­ren, wie es ist. Deut­scher Jour­na­lis­mus.

Im sieb­ten Absatz sind die „B.Z.“-Autoren immer noch damit beschäf­tigt, ihr The­ma weit­räu­mig zu umfah­ren:

Es geht um eine Cli­que von Fuß­ball­pro­fis, die das Herz und den Kör­per einer 16-Jäh­ri­gen unter­ein­an­der tausch­ten wie Schul­hof-Jun­gen ihre Pani­ni-Bil­der.

Die ers­ten Leser dürf­ten an die­ser Stel­le bereits aus­ge­stie­gen sein, denn die „B.Z.“ hat da bereits erklärt, dass sie kei­ne Namen nen­nen wird:

Wir müs­sen und wol­len das Mäd­chen schüt­zen. Wir dür­fen die Her­tha-Spie­ler nicht nen­nen – aus juris­ti­schen Grün­den.

Die Fuß­bal­ler hei­ßen des­halb „Her­tha-Spie­ler 1“, „Her­tha-Spie­ler 2“ und „Her­tha-Spie­ler 3“. „Einer ist ver­hei­ra­tet, einer hat eine Freun­din.“

Die „B.Z.“ schreibt von einem „bizar­ren Rei­gen“, den sie mit genug schmut­zi­gen Eck­da­ten anrei­chert, um den Leser bei der Stan­ge zu hal­ten, von dem sie sich aber auch immer wie­der mit Wer­tun­gen („Macho-Stolz“) zu distan­zie­ren ver­sucht.

Und auch wenn die „B.Z.“ vie­le ver­meint­li­che Details nennt („über Face­book zum Sex auf­ge­for­dert“, „1000 Euro für Oral­sex“, „Es gibt einen Schreib­tisch, eine Couch, ein Bett, einen gro­ßen Flach­bild­fern­se­her in der Ecke“), bleibt eine Fra­ge übrig: Was ist das eigent­lich für eine jun­ge Frau, die mit drei Fuß­ball­pro­fis in die Kis­te steigt – und dann mit die­ser Geschich­te zur „B.Z.“ rennt und den sym­pa­thi­schen Repor­tern „über 20 Sei­ten Text und neun Fotos“ zusteckt?

Die­se Fra­ge wird auch durch die­se Kurz­cha­rak­te­ri­sie­rung nicht beant­wor­tet, mit der die „B.Z.“ neben den skan­dal­gei­len und den fuß­ball­gei­len Lesern offen­sicht­lich auch noch ganz ande­re anspre­chen will:

Zum Tref­fen mit der B.Z. kommt das Mäd­chen in Hot­pants und Trä­ger­shirt. Es ist sich, kei­ne Fra­ge, sei­ner sexu­el­len Aus­strah­lung voll bewusst – und wirkt den­noch wie ein Kind. Die ver­schie­den­far­big lackier­ten Fin­ger- und Zehen­nä­gel, ihre Mäd­chen­stim­me.

„Mein Gott, ich höre mich an wie eine Schlam­pe“, sagt das Mäd­chen mit­ten im Inter­view und schlägt die Hän­de vor sein Gesicht. „Ich schä­me mich dafür.“

Ich wäre ver­sucht zu behaup­ten, das Ren­nen um den ekligs­ten Text des Jah­res sei damit ent­schie­den, aber:

Lesen Sie im nächs­ten Teil: Die Sache mit dem Mäd­chen spricht sich in Her­tha-Krei­sen her­um. Immer mehr Spie­ler mel­den sich – mit ein­deu­ti­gen Ange­bo­ten.

Nach­trag, 29. August: Die Fort­set­zung der – offen­bar kom­plett erfun­de­nen – Geschich­te gibt’s im BILD­blog.

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Film

Denkt denn niemand an die Kinder?

Beim Frei­han­dels­ab­kom­men, das die EU seit die­ser Woche mit den USA aus­zu­han­deln ver­sucht, geht es – neben vie­len ande­ren Din­gen – auch um Kul­tur. Frank­reich besteht dar­auf, dass die­se unan­ge­tas­tet bleibt und in dem Land auch wei­ter die­se wahl­wei­se furcht­bar depri­mie­ren­den oder herr­lich augen­zwin­kern­den Fil­me gedreht wer­den kön­nen, deret­we­gen ich beim Besuch im Pro­gramm­ki­no immer ger­ne bis nach den Trai­lern war­ten wür­de, bis ich Platz neh­me.

Ges­tern war ich nicht im Pro­gramm­ki­no, son­dern in „Ich, ein­fach unver­bes­ser­lich 2“ (zu dem es viel­leicht auch noch einen Pod­cast geben wird, falls Herr The­len sich den Film auch noch gibt), was bedeu­te­te, dass ich statt fran­zö­si­scher Art­house-Vor­schau­en sol­che zu Kin­der­fil­men über mich erge­hen las­sen muss­te. Deut­schen Kin­der­fil­men.

Da wäre zum Bei­spiel „V8 – Du willst der Bes­te sein“, das ich als „ ‚The Fast And The Furious‘ trifft auf ‚Die wil­den Fuß­ball­ker­le‘ “ bezeich­net hät­te, wenn es nicht vom Erfin­der des Letz­te­ren gewe­sen wäre:

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Auch nicht schön: „Sys­tem­feh­ler – Wenn Inge tanzt“, bei dem ich mich sehr wun­dern wür­de, wenn der Trai­ler nicht bereits die kom­plet­te Hand­lung vor­weg­näh­me:

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Und dann war da noch das hier:

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Jetzt sehe ich mich ers­tens in mei­nem Plan bestärkt, aus­wan­dern zu wol­len, bevor ich eine Fami­lie grün­de, und betrach­te zwei­tens das Kon­zept von „kul­tu­rel­ler Aus­nah­me“ und Film­för­de­rung doch eher kri­tisch.

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Literatur Digital

cmd+F „Nachtigall“

Ver­gan­ge­ne Woche hat der Inter­net­ver­sand­händ­ler Ama­zon (bekannt für den Ver­sand von Inter­neten) in Deutsch­land sein Ange­bot „Auto­Rip“ gestar­tet. Die Idee dahin­ter: Wer bei Ama­zon eine CD bestellt, kann sofort die MP3-Ver­si­on des Albums her­un­ter­la­den, schon bevor der eigent­li­che Ton­trä­ger per Post zuge­stellt wur­de.

Kei­ne ganz neue Idee, aber auch kei­ne schlech­te: Gera­de der ehe­ma­li­ge Com­pu­ter­her­stel­ler Apple ist ja inzwi­schen dazu über­ge­gan­gen, sei­ne Gerä­te ohne CD/DVD-Lauf­wer­ke aus­zu­lie­fern, so dass man die Musik gar nicht mehr ohne wei­te­res auf den Rech­ner, den MP3-Play­er oder das Mobil­te­le­fon bekommt.

Ich habe noch einen rich­ti­gen Com­pu­ter (also einen mit Lauf­werk), wes­we­gen „Auto­Rip“ für mich eher einen theo­re­ti­schen Nut­zen hat. Mir greift das Kon­zept aber auch noch nicht weit genug – ich will das Glei­che für Bücher!

Ich gehe davon aus, dass ich mich nie­mals mit soge­nann­ten E‑Book-Rea­dern und Tablets anfreun­den wer­de. Dafür mag ich Bücher ein­fach zu sehr. Aber Bücher sind lei­der nicht voll­text­durch­such­bar.

Zwar ist mein Gehirn ganz gut dar­in, sich grob zu mer­ken, was ich wo gele­sen habe – aber die Suche nach der exak­ten Text­stel­le ist häu­fig anstren­gend und nicht sel­ten gar erfolg­los. Wie prak­tisch wäre es da, alle Bücher, die ich im Regal habe, auch noch mal als PDF auf der Fest­plat­te zu haben: Ich müss­te nur noch wis­sen, nach wel­chen Wör­tern ich suchen muss, und könn­te die ent­spre­chen­de Text­stel­le sekun­den­schnell fin­den und die ent­spre­chen­de Pas­sa­ge sogar direkt per Copy & Pas­te wei­ter­ver­ar­bei­ten! Und wenn ich nicht mehr wüss­te, in wel­chem der vie­len Bücher von Dou­glas Adams oder Max Goldt die­se oder jene Stel­le jetzt vor­kam, könn­te ich buch­über­grei­fend danach suchen! Das wäre mir bei Büchern ein bis zwei zusätz­li­che Euro wert!

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Gesellschaft

Wie das Brötchen vor der Schlange

Ver­gan­ge­ne Woche fei­er­te die Gur­ken­ver­ord­nung der EU ihren 25. Geburts­tag. Es war ein trau­ri­ges Fest, denn die Ver­ord­nung weilt inzwi­schen nicht mehr unter uns. Den­noch ist sie zum Sym­bol gewor­den für den Regu­lie­rungs­wahn der Euro­päi­schen Uni­on – und schuld dar­an, dass Jour­na­lis­ten und Bür­ger der EU wirk­lich jeden Unfug zutrau­en.

Gesetz­lich gänz­lich unge­re­gelt ist aller­dings eine der größ­ten All­tags­gei­ßeln der Zivi­li­sa­ti­on: die War­te­schlan­ge. Man kennt sie in der Super­markt-Vari­an­te aus dem Klein­kunst-Dau­er­bren­ner „Die ande­re Schlan­ge ist immer schnel­ler“, als Num­mern­re­vue aus dem Bür­ger­bü­ro und – in ihrer wil­des­ten und unüber­sicht­lichs­ten Form – aus der Bäcke­rei.

Der deut­sche Durch­schnitts­bür­ger hat pani­sche Angst davor, über­gan­gen zu wer­den. Des­halb bil­det er am Bahn­steig eine im Prin­zip mensch­li­che, aber meist eher an Zom­bies gemah­nen­de Wand vor sich öff­nen­den Zug­tü­ren – die Bahn könn­te ja sonst ohne ihn los­fah­ren. Des­halb bleibt er in der U‑Bahn ste­hen, sobald er ein­ge­stie­gen ist – wenn er wei­ter durch­gin­ge und den gan­zen Wag­gon aus­nut­zen wür­de, könn­te er ja an sei­ner Ziel­hal­te­stel­le unter Umstän­den nicht recht­zei­tig aus­stei­gen. Jeder ist sich selbst der Nächs­te, nur die Stärks­ten über­le­ben.

Wäh­rend das Kli­schee besagt, dass Bri­ten sogar an jeder Bus­hal­te­stel­le in Reih und Glied war­ten, las­sen sich Deut­sche, wie­wohl stets zur Polo­nai­se bereit, meist nur unter Ein­satz von Waf­fen, min­des­tens aber von Gurt­pfos­ten, zum kor­rek­ten Schlan­ge­ste­hen zwin­gen.

Als die Deut­sche Post vor eini­gen Jah­ren das ein­zig sinn­vol­le War­te­sys­tem, die zen­tra­le War­te­schlan­ge, ein­führ­te, ver­glich die „Süd­deut­sche Zei­tung“ die­se mit dem „Prin­zip Wurst­the­ke“. Das mag zutref­fen, solan­ge es genau eine Bedie­nung hin­ter die­ser Wurst­the­ke gibt. Sind es aber zwei oder mehr, ist das Cha­os vor­pro­gram­miert – womit wir wie­der in der Bäcke­rei wären.

Hin­ter der The­ke ste­hen drei, vier, an Sonn­tag­mor­gen viel­leicht sogar fünf Ver­käu­fe­rin­nen. Theo­re­tisch neben­ein­an­der, prak­tisch wuseln sie zwi­schen Mohn­bröt­chen, Crois­sants und Mehr­korn­bro­ten umher wie Amei­sen in ihrem Bau – wie Amei­sen wis­sen sie aber auch genau, was sie tun und wo sie hin­müs­sen. Womit sie sich grund­le­gend von ihren Kun­den unter­schei­den.

Die ste­hen auf der ande­ren Sei­te der The­ke und ver­su­chen, sich an den Posi­tio­nen der auf­ge­stell­ten Kas­sen oder den Ver­käu­fe­rin­nen zu ori­en­tie­ren, und bil­den dabei drei, vier, fünf (die Anzahl kann auch schon mal die der Ver­käu­fe­rin­nen über­stei­gen) Mikro­schlan­gen, die sich aber nicht im rech­ten Win­kel zur The­ke posi­tio­nie­ren (das ist zumeist schon archi­tek­to­nisch aus­ge­schlos­sen), son­dern par­al­lel dazu. Dadurch bleibt für alle Betei­lig­ten – war­ten­de Kun­den, Ver­käu­fe­rin­nen, neu ein­tre­ten­de Kun­den, evtl. zu Hil­fe eilen­de UN-Blau­hel­me – völ­lig unklar, wie vie­le Schlan­gen es gibt, und wer in wel­cher steht. Das Ergeb­nis: Neid, Miss­gunst, Zwie­tracht.

Wie oft habe ich es als Kind erlebt, dass ich beim sams­täg­li­chen Bröt­chen­kauf schlicht über­gan­gen wur­de. Ich konn­te ja noch nicht mal über die The­ke schau­en und dann waren da auch noch all die­se alten Men­schen, die sich ein­fach vor­ge­drän­gelt haben! Und wie froh ich war, als die Bäcke­rei in unse­rem nie­der­län­di­schen Urlaubs­ort eine Num­mern­aus­ga­be ein­führ­te! Da konn­te man abschät­zen, wie lan­ge man noch war­ten muss, bis man auch wirk­lich bedient wird – und in der Zwi­schen­zeit schon mal einen hal­ben Tag an den Strand gehen oder eine mitt­le­re Fahr­rad­tour unter­neh­men.

Auch heu­te sind es häu­fig noch Rent­ner, die glau­ben, schon „dran“ zu sein. Man kann ihnen da aller­dings nur schwer­lich Vor­wür­fe machen: Die Lage ist ja meis­tens fast so unüber­sicht­lich wie in Syri­en und nach eini­gen Jah­ren, in denen man dau­ernd über­gan­gen wur­de, gewöhnt man sich an, auf die leicht pani­sche Fra­ge der Ver­käu­fe­rin­nen, wer der Nächs­te sei, mit „Ich!“ zu ant­wor­ten. Sind wir nicht alle ein biss­chen FDP?

Es ist daher erstaun­lich, dass die Grü­nen, die doch sonst alles regu­lie­ren wol­len, in ihrem Wahl­pro­gramm dem Kon­flikt­herd in jeder Nach­bar­schaft kei­ne ein­zi­ge Zei­le wid­men. Eine Par­tei, die sich für eine sinn­vol­le Orga­ni­sa­ti­on von Bäcke­rei-War­te­schlan­gen stark macht, hät­te durch­aus mei­ne Sym­pa­thien.

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Rundfunk Politik

Ich bin ein Kalauer

Eines ist schon mal sicher: US-Prä­si­dent Barack Oba­ma wird heu­te Nach­mit­tag in Ber­lin eine his­to­ri­sche Rede hal­ten. Drun­ter geht nicht, sonst ist Kai Diek­mann ent­täuscht.

Es ist ein will­kom­me­ner Anlass, mich einem Trau­ma zu wid­men, das mich seit fast zwan­zig Jah­ren ver­folgt: Im Som­mer 1994 hat­ten mir mei­ne Eltern anläss­lich der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft in den USA erlaubt, wäh­rend der gro­ßen Feri­en einen Fern­se­her in mei­nem Kin­der­zim­mer auf­zu­stel­len. 1 Da nicht die gan­ze Zeit Fuß­ball lief, ich den Fern­se­her wäh­rend der sechs Wochen aber aus­gie­big nut­zen woll­te, muss­te ich mich auch an die ande­ren Inhal­te der damals sechs frei emp­fang­ba­ren Pro­gram­me her­an­ar­bei­ten. Ich sah also alle Fol­gen der Wie­der­ho­lung der inzwi­schen völ­lig in Ver­ges­sen­heit gera­te­nen TV-Serie „Wenn die Lie­be hin­fällt“ mit Bri­git­te Mira, die RTL-Late-Night-Show von Tho­mas Koschwitz und auch ein eher tra­shi­ges ZDF-For­mat mit dem dama­li­gen In-ein-Bana­nen-Mikro­fon-Spre­cher und heu­ti­gen Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker Ken Jeb­sen, das offen­bar „Mond­schein­show“ hieß.

Ich erin­ne­re mich an weni­ge Inhal­te die­ser Sen­dung, aber ich erin­ne­re mich dun­kel, dass ich sie schon als Zehn­jäh­ri­ger ziem­lich doof fand. Fern­seh­pro­du­zen­ten wären also gut bera­ten, die alten Bän­der noch ein­mal raus­zu­su­chen – die glei­chen Inhal­te kann man ja heu­te sicher noch mal auf die Zuschau­er los­las­sen, wenn man sie nur mil­de über­for­dern will.

Jeden­falls fiel in die­sen Som­mer auch der Besuch von US-Prä­si­dent Bill Clin­ton in Ber­lin. Bei Koschwitz war ein Schü­ler­zei­tungs­re­por­ter zu Gast, der ein Inter­view mit Clin­ton geführt hat­te, und in der „Mond­schein­show“ alber­te sich Jeb­sen im Vor­feld durch Ber­lin und such­te nach deutsch­spra­chi­gen Sät­zen, die Clin­ton in der Tra­di­ti­on von Ken­ne­dys „Ich bin ein Ber­li­ner“ zum Bes­ten geben könn­te. 2

Die Idee, mit der er am Ende selbst ankam, hat sich seit­dem in mei­nem Hirn fest­ge­fres­sen:

Ber­lin ist schön, so steht’s im Skript. Ich, Clin­ton, hab es nicht getippt!

Was macht eigent­lich Oli­ver Pocher heu­te?

  1. Die WM ist noch nicht das Trau­ma, aber nah dran.[]
  2. Ich mer­ke gera­de: Die stets der Zukunft zuge­wand­ten Leu­te von der „Bild“-Zeitung haben sich offen­bar die alten Bän­der kom­men las­sen.[]
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Digital Politik

Alles Könner

Erin­nern Sie sich noch an die Zeit, kurz bevor und kurz nach­dem Barack Oba­ma zum US-Prä­si­den­ten gewählt wur­de? Die Men­schen in aller Welt waren von einer eigen­tüm­li­chen Eupho­rie beseelt – und von einer schwe­ren lin­gu­is­ti­schen Demenz, die sich als äußerst anste­ckend erwies. Oba­mas Wie­der­wahl im ver­gan­ge­nen Novem­ber wur­de da schon in jeder Hin­sicht reser­vier­ter auf­ge­nom­men.

Ich hat­te mein Blog mit den gesam­mel­ten Oba­ma-Tritt­brett­fahr­ten schon fast ver­ges­sen. Und dann kam ges­tern die­se E‑Mail:

Lie­be Blog­ge­rin­nen und Blog­ger,

Jugend­li­che aus der You­Tube-Com­mu­ni­ty waren in den letz­ten Wochen auf­ge­for­dert, ihre Bewer­bungs­vi­de­os für die You­Tube-Kanz­ler­schaft 2013 zu pro­du­zie­ren und online zu stel­len. Über 5000 User haben jetzt gewählt und fünf Spit­zen­kan­di­da­ten ins Ren­nen geschickt. Bei der fina­len Poli­tik-Game­show „Yes, You Kanz­ler!“ wer­den die Jugend­li­chen von nam­haf­ten Politiker/​innen gecoacht; durch den Abend führt Pro­Sie­ben-Mode­ra­to­rin Had­net Tes­fai. Wir laden Blogger/​innen herz­lich ein über das gro­ße Wahl­fi­na­le zu berich­ten und per­sön­lich vor­bei­zu­kom­men.

Bei Inter­es­se fin­den Sie wei­te­re Infor­ma­ti­on hier.

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Musik

Es gibt Menschen, die tragen T‑Shirts

Als ich kürz­lich bei mei­nen Eltern zu Besuch war, habe ich aus dem Klei­der­schrank mei­nes ehe­ma­li­gen Jugend­zim­mers zwei pop­kul­tu­rel­le Rari­tä­ten mit­ge­nom­men.

Da hät­ten wir zum Einen ein frosch­grü­nes T‑Shirt in XXL – eine Grö­ße, die ich ver­mut­lich nie aus­fül­len wer­de, wenn ich mir mei­ne männ­li­chen Vor­fah­ren so anschaue:

Es ist das ein­zi­ge Stück offi­zi­el­les Mer­chan­di­se, das je von etwas erschie­nen ist, an dem ich betei­ligt war: Als wir im Dezem­ber 2000 mit unse­rer „Punk­band“ Zucht­schau das ers­te offi­zi­el­le Kon­zert spiel­ten, hat­te das Kul­tur­amt der Stadt Dins­la­ken im Vor­feld nicht nur einen Sam­pler mit den betei­lig­ten Bands pro­du­zie­ren las­sen, son­dern auch grö­ße­re Men­gen die­ses flip­pi­gen Klei­dungs­stücks in Auf­trag gege­ben. Ich bin mir nicht ganz sicher, was weni­ger Absatz fand.

Das ande­re T‑Shirt ist noch ein paar Mona­te älter und noch obsku­rer:

Zero

Als die Smas­hing Pump­kins im Herbst 2000 auf ihre Abschieds­tour gin­gen (nur, damit Bil­ly Cor­gan die Band sechs Jah­re spä­ter mit neu­em Per­so­nal wie­der­be­le­ben konn­te), war ich beim Kon­zert in Ober­hau­sen dabei.

Im Nach­hin­ein neh­me ich an, dass es sich bei dem damals von mir am Weges­rand erwor­be­nen T‑Shirt nicht um ein Ori­gi­nal­pro­dukt gehan­delt haben könn­te. Schließ­lich gab es die „Zero“-Shirts sonst nur in schwarz und mei­nes Wis­sens auch nicht mit aktu­el­len Tour­da­ten.

Dafür kann mein Exem­plar mit ein paar ganz beson­de­ren Schreib­wei­sen auf­war­ten, die mir seit­dem das Leben und den Wort­schatz ver­süßt haben:

Sempember.

Stockholkm.

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Musik

May contain music

Tra­vis haben in Ber­lin die Auf­nah­men zu ihrem sieb­ten Album been­det. Bevor es die ers­te Sin­gle gibt, gibt es schon mal einen Teaser in Form eines Musik­vi­de­os, das die Band mit Wolf­gang Becker („Good Bye, Lenin!“) gedreht hat:

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Hihi, klei­ner Scherz. Natür­lich kön­nen Sie das Video in Deutsch­land nicht sehen, weil wegen Wahn­sinn­al­le­be­kloppt­don’t­get­mestar­ted.

Zumin­dest nicht im offi­zi­el­len You­Tube-Kanal der Band:

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Aber den Song „Ano­ther Guy“ kön­nen Sie in jedem Fall kos­ten­los her­un­ter­la­den, wenn Sie auf travisonline.com kurz Ihre E‑Mail-Adres­se hin­ter­las­sen.

Mich kickt das Lied auf Anhieb nicht so rich­tig, aber eine gewis­se hyp­no­ti­sche Ein­gän­gig­keit ent­fal­tet sich doch sofort und irgend­wie ist es dann auch ganz schnell in mei­nem Kopf und mei­nem Her­zen. Und die Stim­me von Fran Hea­ly ist natür­lich immer noch groß­ar­tig.

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Musik Rundfunk

Von Stimmen und Tassen

Wenn Sie eine Drei­vier­tel­stun­de Zeit und ein biss­chen was für Musik übrig haben, soll­ten Sie sich die­se Key­note anse­hen, die Dave Grohl, „the unof­fi­ci­al Mayor of Rock ’n‘ Roll“ (Ste­phen Thomp­son), ver­gan­ge­ne Woche beim South By Sou­thwest Music Fes­ti­val in Aus­tin, TX gehal­ten hat:

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Ich mag ja die­se ame­ri­ka­ni­sche Art, die­se Mischung aus Lako­nie und Pathos, und ich muss­te schon stark an mich hal­ten, nicht sofort die E‑Gitarre ein­zu­stöp­seln und mei­nen Nach­barn mei­ne immer noch kläg­li­chen Ver­su­che, das „Mon­key Wrench“-Riff nach­zu­spie­len, um die Ohren zu hau­en.

Und wenn Sie dann noch etwas Zeit haben und noch ein wenig mehr Inspi­rie­ren­des über Musik zu sich neh­men wol­len, dann lesen Sie bit­te die­sen Blog­ein­trag, den Anke Grö­ner ver­gan­ge­ne Woche dar­über geschrie­ben hat, was es für sie bedeu­tet, „Tos­ca“ 1 zu sin­gen:

Ich habe einen unge­heu­ren Respekt vor dem Mann bzw. vor sei­nen Wer­ken, und des­we­gen dau­ert es jede blö­de Woche immer ein biss­chen, bis ich mich wirk­lich traue, den ers­ten Ton von mir zu geben. Das ist so, als ob du als Rie­sen-Bie­be­ris­ta das ers­te Mal vor ihm stehst und nur „Hal­lo“ sagen willst, aber dich irgend­wie nicht traust, denn man kann ja nicht ein­fach so als klei­ner Fan dem Super­star „Hal­lo“ sagen. Im Kopf glau­be ich immer, dass so ziem­lich alle Töne, die ich sin­ge, total schief sind und kräch­zig und schlimm und dass noch kein Fens­ter zer­sprun­gen ist, wenn ich das b“ sin­ge, ist eh ein Wun­der. Aber da ist plötz­lich das „Hal­lo“: Ich kann das b“ näm­lich sin­gen. Und es strengt nicht mal an. Jeden­falls brau­che ich kei­ne Kraft dafür.

Ich wer­fe bei­de Tex­te, Dave Groh­ls Key­note und Anke Grö­ners Blog­ein­trag, jetzt ein­fach mal zusam­men, was viel­leicht ein biss­chen unzu­läs­sig ist, aber letzt­lich geht es bei­de Male dar­um, sei­ne Stim­me und damit den eige­nen Platz in der Welt zu fin­den. Und wenn Dave Grohl sagt, dass es nur dar­auf ankom­me, wie man selbst sei­ne Stim­me fin­de, dann hat er ver­dammt recht. Es soll­te Phil­ipp Poi­sel, Max Her­re oder Ben Howard sehr, sehr egal sein, dass ich mit ihren Stim­men so rein gar nichts anfan­gen kann. Selbst, dass ich ihre Songs nicht hören mag, soll­te für sie völ­lig uner­heb­lich sein. Ich habe da die­se etwas hip­pie­mä­ßi­ge Ein­stel­lung, dass Musik ihre Berech­ti­gung hat, wenn sie nur einer Per­son etwas bedeu­tet – ein­zi­ge Aus­nah­me: Nazi-Rock.

Und natür­lich hat Grohl des wei­te­ren recht, wenn er sagt, man kön­ne den „Wert“ von Musik nicht ein­fach so bestim­men – und als kna­cki­ge Bei­spie­le ein­fach mal „Gang­nam Style“ und Atoms For Peace auf­führt. Ich hat­te auf mei­ner Lis­te der bes­ten Songs 2012 ja an rela­tiv pro­mi­nen­ter Stel­le „Call Me May­be“ von Car­ly Rae Jep­sen auf­ge­führt, wofür ich mir von man­chen Freun­den Fra­gen nach mei­nem Geis­tes­zu­stand gefal­len las­sen muss­te. 2 Dabei lie­be ich den Song noch heu­te und er berei­tet mir deut­lich mehr Freu­de, als irgends­o­ei­ne ange­sag­te neue Indie­band aus Eng­land. Und nur dar­um soll­te es gehen: Wel­che Musik einem Freu­de berei­tet, nicht, wel­che Musik man hören „soll­te“, um irgend­wo dazu zu gehö­ren.

Ich möch­te, weil ich ein­mal in Fahrt bin, nun völ­lig unzu­läs­si­ger­wei­se auch noch einen Text von Alex­an­der Gor­kow aus der heu­ti­gen „Süd­deut­schen Zei­tung“ 3 hin­zu­zie­hen, der vor­der­grün­dig von dem geschei­ter­ten Inter­view­ver­such von Hin­nerk Baum­gar­ten an Kat­ja Rie­mann han­delt. Es geht aber dann rela­tiv schnell und auch rela­tiv furi­os um sehr viel mehr, kurz um Clint East­wood (auch „schwie­rig“) und dann um unge­fähr alles:

Im Umgang vie­ler Medi­en mit unse­ren Künst­lern nun aber offen­bart sich eine über­aus deut­sche Betrach­tung des Künst­ler­tums an sich – und so eben auch des Künst­lers oder der Künst­le­rin: Es regiert bei uns en gros eine mit­tel­al­ter­li­che, min­des­tens klein­staat­li­che, mit­nich­ten renais­sance­haf­te, geschwei­ge denn auf­klä­re­ri­sche Sehn­sucht, wenn es um die Publi­kums­kunst geht.

Es regiert statt­des­sen, gespeist durch alle Arten von Medi­en, vor allem aber durch die Unter­hal­tungs­blät­ter und eben die TV-Sen­der, die urdeut­sche Vor­stel­lung vom Künst­ler als fah­ren­dem Schar­la­tan, der mit Schna­bel­schu­hen und Schel­len­müt­ze dafür zu sor­gen hat, einer furcht­ba­ren Ansamm­lung trü­ber, ver­blö­de­ter Tas­sen – der soge­nann­ten Bevöl­ke­rung – die Zeit bis zum Exitus zu ver­trei­ben.

Es ist, gera­de im dar­stel­len­den Gewer­be und befeu­ert von den gro­ßen auch öffent­lich-recht­li­chen Fern­seh­an­stal­ten, der aller­dümms­te Eska­pis­mus, der der Maxi­me zu fol­gen hat, dass jene Bevöl­ke­rung nicht zu über­for­dern sei. Die vie­len sen­sa­tio­nel­len deut­schen Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler haben des­halb nicht etwa in ers­ter Linie gut zu sein. Gin­ge es danach, wäre Vero­ni­ca Fer­res kein Star, sie wür­den auf einer Brettl­büh­ne her­um­knö­deln. Deut­sche Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler haben, zumal ihnen fast immer zu Unrecht uner­mess­li­cher mate­ri­el­ler Reich­tum ange­dich­tet wird („die Rei­chen und die Schö­nen“), zu parie­ren.

Die Hal­tung dahin­ter lau­tet: Bring mir Freu­de, oder ich bring dich um.

Wie konn­te es jetzt pas­sie­ren, dass ich von den durch­weg posi­ti­ven Tex­ten von Dave Grohl und Anke Grö­ner so schnell bei die­sem kul­tur­pes­si­mis­ti­schen Wut­an­fall von Alex­an­der Gor­kow gelan­det bin? Es sind wohl irgend­wie zwei Sei­ten einer Medail­le, der Spaß an der Kunst und deren mit­un­ter uner­freu­li­che Rezep­ti­on auf der ande­ren Sei­te.

Da ich posi­tiv enden möch­te, hier ein­fach noch schnell ein Song einer mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­bands, des­sen Bot­schaft mei­ne lin­ke Wade ziert!

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  1. Für alle, deren Musik­zeit­strahl auch erst mit den Beat­les beginnt: „Tos­ca“ ist laut Wiki­pe­dia eine Oper von Gia­co­mo Puc­ci­ni aus dem Jahr 1900.[]
  2. Dabei müss­ten die doch am Bes­ten wis­sen, wie ich so drauf bin.[]
  3. Online nicht ver­füg­bar.[]
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Leben

(I’ve Got) The Power

Ihr Ver­sa­gen kün­dig­te sich stets mit einer bedroh­li­chen Stim­me an: Waren die Bat­te­rien im Tchi­bo-Walk­man im Begriff, leer zu gehen, so wur­den die Hör­spiel­kas­set­ten lang­sa­mer und wo gera­de noch Man­fred Stef­fen aus Lön­ne­ber­ga berich­tet hat­te, sag­te nun eine Gra­bes­stim­me: „uuuuund raaaa­ann­teee iii­in deeen Schuuuupp­ööööön“.

Der­art leer­ge­spiel­te Bat­te­rien reich­te ich als Kind stets an mei­nen Vater wei­ter, der sie – so es sich um Akkus han­del­te – neu auf­lud oder sie in eine alte Tief­kühl­do­se mit der Auf­schrift „Alte Bat­te­rien (noch gut)“ leg­te, aus deren Bestän­den er die vie­len Wand­uh­ren und Wecker unse­res Haus­halts ver­sorg­te. Denn dafür reich­te die Ladung der Bat­te­rien immer noch – teils jah­re­lang.

Zu Beginn mei­nes Stu­di­ums hat­te ich eine rie­si­ge Samm­lung von „noch guten“ Bat­te­rien: Der Weg zur Uni und zurück for­der­te sei­nen Tri­but, der Disc­man saug­te Bat­te­rien leer wie Vam­pi­re unschul­di­ge Mäg­de. Ich hät­te eine Hotel­lob­by, Bör­se oder Nach­rich­ten­re­dak­ti­on 1 ver­sor­gen kön­nen, kann­te aber nie­man­den, der dort arbei­tet.

Heu­te sieht die Welt ganz anders aus: MP3-Play­er und Mobil­te­le­fon (seit eini­gen Jah­ren auch noch ein und das­sel­be Gerät) haben einen inter­nen Akku, der an guten Tagen den Weg von einer Steck­do­se zur nächs­ten über­brückt, und ich weiß nicht, wann ich das letz­te Mal Bat­te­rien in der Hand hat­te, geschwei­ge denn gekauft habe. Das ist blöd, wenn die Wand­uhr in der Küche plötz­lich nicht mehr nur nach­geht, son­dern gleich ganz ste­hen bleibt. 2

Zunächst war ich über­rascht, dass mei­ne Wand­uhr tat­säch­lich ste­hen blei­ben kann. Ich habe das Gefühl, kei­ne ein­zi­ge Bat­te­rie aus­ge­tauscht zu haben, seit ich in die­ser Woh­nung woh­ne. 3 In einer Kis­te, in die ich kürz­lich alle Inhal­te eines Schran­kes gepackt hat­te, die ich beim nächs­ten Umzug unbe­dingt weg­wer­fen will, 4 und die ich jetzt immer sehr umständ­lich vom Regal neh­men muss, fand ich dann tat­säch­lich aber doch noch ein paar Bat­te­rien, die einem Fernsteuer‑K.I.T.T. bei­gele­gen hat­ten, den mir die Betrei­ber irgend­ei­nes Online-Shops vor ein paar Jah­ren mal in der Hoff­nung geschickt hat­ten, ich wür­de hier im Blog über ihr Unter­neh­men schrei­ben. 5

Kann man Bat­te­rien über­haupt noch im Laden kau­fen oder sind die inzwi­schen genau­so ver­schwun­den wie Glüh­bir­nen und ich muss ein­fach hof­fen, dass sie alle ewig hal­ten?

  1. Also: die ein­zi­gen Orte, an denen meh­re­re Wand­uh­ren neben­ein­an­der hän­gen.[]
  2. Dass die Wand­uhr auf dem Küchen­tisch lie­gend tadel­los wei­ter­läuft, weil das Uhr­werk nicht mehr gegen die Schwer­kraft arbei­ten muss, hat­te ich vor sechs Jah­ren schon mal the­ma­ti­siert, wie mir gera­de über­ra­schend wie­der ein­fiel.[]
  3. Ich ver­mu­te lai­en­haft irgend­was mit Elek­tro­smog und Induk­ti­on als Grund.[]
  4. „Heu­te jedoch nicht.“[]
  5. Muha­ha­ha.[]
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Musik

Opa erzählt vom Rock

Ich hab mir neu­lich ein Stück mei­ner Jugend gekauft, für 1,59 Euro im Gebraucht­wa­ren­be­reich von Ama­zon:

Myballoon (Symbolbild).

Mybal­loon müs­sen irgend­wann im Jahr 2000 oder 2001 mei­ne Auf­merk­sam­keit erregt haben, als ihr Debüt­al­bum „Per­fect View“ in der „Neuheiten“-Sektion der Dins­la­ke­ner Stadt­bi­blio­thek stand – damals mei­ne Haupt­quel­le für neue Musik, die über mein Taschen­geld­bud­get hin­aus­ging. Sie­ben, acht Songs von „Per­fect View“ fan­den ihren Weg in mei­ne MP3-Samm­lung (für gan­ze Alben war der Spei­cher­platz damals noch zu teu­er), wobei ihr „Hit“ „On My Way“ nicht dabei war, wie ich gera­de bei der Wiki­pe­dia-Lek­tü­re amü­siert fest­ge­stellt habe. Aber dafür Songs wie „Never Let You Go“, „Come Around“, „Gre­at Big Days“ und vor allem „Hap­py“, die auf etli­chen Mix­tapes (für mich und ande­re) lan­de­ten und mich so durch Ober­stu­fe und Zivil­dienst beglei­te­ten. Im Som­mer 2003, als die Finanz­not der Kom­mu­nen noch nicht ganz so offen­sicht­lich war, spiel­ten Mybal­loon gar bei frei­em Ein­tritt vor ca. 50 Besu­chern auf dem Dins­la­ke­ner Stadt­fest.

Es war die­ser Sound, wie es ihn damals tau­send­fach gab: Hym­ni­sche Pop­songs mit ein biss­chen Schmiss in der Instru­men­tie­rung, aber auch brei­ten Key­board­flä­chen und Chö­ren im Hin­ter­grund, mit etwas Melan­cho­lie und einem biss­chen Pathos und mit eher ega­len Tex­ten. Es war die gute alte Zeit von Viva Zwei und „Visi­ons“, von Bands wie Goo Goo Dolls, Third Eye Blind, Fee­der, 3 Colours Red oder Vega4. In Deutsch­land gab es Bands wie Rea­dy­ma­de und Miles und – die Wenigs­ten wer­den sich erin­nern – Uncle Ho, Heyday, Hyper­child (Sän­ger: Axel Bos­se), Re!nvented und – zu einem gewis­sen Grad – Rea­m­onn.

Sol­che Musik wird heu­te nicht mehr gemacht. Das Hym­ni­sche ist an vie­len Stel­len dem Wei­ner­li­chen gewi­chen, die E‑Gitarren wur­den aus­ge­stöp­selt und die Key­boards und Syn­the­si­zer wer­den heu­te anders­wo ein­ge­setzt. Eine Zeit­lang klan­gen alle neu­en Bands wie Franz Fer­di­nand und/​oder The Strokes, dann fin­gen jun­ge deut­sche Musi­ker alle­samt an, in ihrer Mut­ter­spra­che zu sin­gen.

Wel­che deut­schen Bands sin­gen denn heu­te noch auf Eng­lisch? Wenn wir die Scor­pi­ons und The Boss Hoss mal außen vor las­sen, sind die Beat­steaks die größ­te unter ihnen, dann kom­men die Dono­ts, dann viel­leicht irgend­wann Slut – alle sind sie seit über 15 Jah­ren dabei, der Nach­wuchs ist nie nach­ge­wach­sen. Die letz­te eng­lisch­spra­chi­ge Band aus Deutsch­land, an die ich mich erin­nern kann, waren Oh, Napo­le­on. Kei­ne Ahnung, was aus denen gewor­den ist, aber der Schlag­zeu­ger hat gera­de sein Solo­de­büt ver­öf­fent­licht – auf Deutsch, natür­lich. Da wirkt die Fra­ge, war­um Deutsch­land beim Euro­vi­si­on Song Con­test eigent­lich immer nur auf Eng­lisch sin­ge, plötz­lich gar nicht mehr so bescheu­ert.

Aber zurück zu Mybal­loon: „Per­fect View“ ist nach heu­ti­gen Maß­stä­ben natür­lich kein dol­les Album – das war es ver­mut­lich nicht mal bei sei­nem Erschei­nen vor 13 Jah­ren. Aber die Songs, die ich damals gehört habe und deren Klang sich unum­kehr­bar mit dem Ein­druck von Son­nen­un­ter­gän­gen am Rhein und dem Geschmack von OhmeinGott­zwin­gen­Sie­mich­nicht­mi­chan­den­Na­men­die­ser­Ge­trän­ke­zuerin­nern ver­knüpft hat, die leuch­ten immer noch vor sich hin. Für 1,59 Euro jetzt auch in mei­nem Regal (zzgl. drei Euro Ver­sand­kos­ten).

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Musik

Und Berlin war wie New York

Es nützt ja nichts, das zu leug­nen: Ich mag die neue Sin­gle von Bos­se.

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Die­ses per­len­de Ben-Folds-Kla­vier! Die­se völ­lig reim­frei­en Stro­phen! Die­ser Shoop-Shoop-Refrain! Und vor allem: Die­se Geschich­te, die er da erzählt!

Von Dosen­bier, vom ers­ten Kuss, von der musi­ka­li­schen Sozia­li­sa­ti­on, von Sehn­suchtsor­ten, von der Jugend an sich. Alles ganz schlicht, glei­cher­ma­ßen kon­kret und all­ge­mein­gül­tig.

Wenn Axel Bos­se im letz­ten Refrain „oh yeah, wha­te­ver, never­mind“ singt, krieg ich jedes Mal Gän­se­haut. Und habe wie­der die­se grie­se­li­gen VHS-Bil­der aus Seat­tle auf Vox vor Augen. Am Tag, als Kurt Cobain starb.