Papier ist geduldig

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 14. November 2012 22:11

Gestern gab es gleich zwei schlechte Nachrichten im Mediensektor: Das Stadtmagazin “Prinz” wird im Dezember zum letzten Mal als gedruckte Ausgabe erscheinen und die “Frankfurter Rundschau” meldete Insolvenz an.

Sofort ging das Geraune wieder los, Print sei tot. Wahrscheinlich konnte man auch wieder das Idiotenwort “Totholzmedien” lesen. Gerne würde ich diesen Leuten ins Gesicht schreien, dass sie Unrecht haben. Das Problem ist: Ich würde mir selbst nicht glauben. Das Problem bin ich selbst.

Das letzte Mal, dass ich ein Printerzeugnis gekauft habe, war die September/Oktober-Ausgabe der “Spex”. Davor hatte ich in diesem Jahr vielleicht fünf, sechs andere Zeitungen und Zeitschriften gekauft. Nicht, weil ich die Produkte scheiße fände, im Gegenteil, aber: Wann soll ich die denn lesen?

Vielleicht liegt es daran, dass ich von zuhause aus arbeite — mein Weg vom Frühstücks- zum Schreibtisch beträgt sieben Meter, der Gang zur Tageszeitung im Briefkasten wäre ein Umweg. Als ich im ersten Semester meines Studiums noch täglich von Dinslaken nach Bochum gependelt bin, habe ich in dieser Zeit jeden Monat “Musikexpress”, “Rolling Stone”, “Visions” und “Galore” gelesen, dazu zahlreiche Bücher und an manchen Tagen gar Zeitungen. Tatsächlich habe ich alle Zeitschriften, die ich 2012 gekauft habe, in Bahnhofskiosken erworben. Aber auf Zugfahrten kann ich auch endlich mal in Ruhe Podcasts hören oder ein Buch lesen — oder halt die ganze Zeit auf den Bildschirm meines iPhones starren.

Es ist bescheuert, Texte auf einer Fläche lesen zu wollen, die kleiner ist als mein Handteller, und wir werden vermutlich eines Tages alle dafür bezahlen. Aber es ist auch so herrlich praktisch, in der S-Bahn, im Café oder morgens noch vor dem Aufstehen im Bett zu lesen, was gerade in der Welt passiert. Ein Buch würde ich so nie lesen wollen, aber Nachrichten? Warum nicht!

Gemessen daran ist die Tageszeitung, die ich auf dem Weg zum Bäcker kaufen könnte, natürlich alt. Dass sie deshalb überflüssig sei, ist natürlich auch so ein Quatsch-Argument der Internet-Apologeten: Schon vor 30 Jahren konnte es einem passieren, dass die “Tagesschau” um 20 Uhr berichtete, was man schon im “Morgenmagazin” auf WDR 2 gehört hatte. Es geht ja nicht nur um die reine Nachricht, sondern auch um deren Aufbereitung. Und selbst wer den ganzen Tag am Internet hängt, wird nicht alles mitbekommen haben, was sich an diesem Tag ereignet hat. Andererseits ist der Nutzwert einer Zeitung, die fast ausschließlich die gleichen Agenturmeldungen bringt, die am Vortag schon auf zweitausend Internetseiten zu lesen waren, tatsächlich gering. Das gilt leider auch für eine Lokalzeitung, die ihre schönen Enthüllungen schon vorab im eigenen Webportal veröffentlicht hat.

Natürlich liest man Zeitungen ganz anders als Webseiten: Das Auge streift Meldungen, Überschriften und Fotos, nach denen man nie gesucht hätte, die einen aber dennoch ansprechen können — nicht selten zur eigenen Überraschung. Ich liebe gut gemachte Zeitungen, trotzdem lese ich sie nicht. Ich weiß auch, was gutes Essen ist, trotzdem geht nichts in der Welt über Burger, Currywurst und Pizza. Aber warum bin ich, warum sind wir Menschen so?

Es kann mir niemand erzählen, dass die Lektüre eines Textes auf einem Bildschirm (egal ob Smartphone, Tablet oder Monitor) mit der eines Buchs vergleichbar ist. Der Text ist derselbe, aber “Lektüre” ist dann offenbar doch etwas anderes als schlichtes Lesen. Schon ein Taschenbuch fühlt sich nicht so wertig an wie eine gebundene Ausgabe mit Lesebändchen, die digitale Textanzeige ist dagegen ein Witz.1 Aber offensichtlich gibt es Menschen, denen das an dieser Stelle dann vielbeschworene sinnliche Leseerlebnis nicht so wichtig ist. Ich würde ja auch keine 20 Euro für eine Flasche Wein bezahlen.

Mein Verhältnis zu Vinyl-Schallplatten ist eher theoretischer Natur: Ich habe nur ein paar, das meiste sind Singles, die ich aus einer Mischung von Schnäppchenjagd, Witz und Sammelleidenschaft erworben habe.2 Ich besitze nicht mal eine ordentliche Stereoanlage, auf der ich die Dinger abspielen könnte, weiß aber natürlich um den legendären Ruf von Vinyl. Meine Sozialisation fand mit CDs statt und ehrlich gesagt frage ich mich manchmal schon, warum anfällige Schallplatten besser sein sollen als die dann doch recht robusten Silberscheiben. Und natürlich sind CDs für mich viel wertiger als MP3s, auch wenn ich viele CDs nur einmal aus der Hülle nehme, um sie in MP3s zu verwandeln. Aber MP3s sind für mich immer noch besser als Streaming-Dienste wie Spotify: Da “habe” ich ja wenigstens noch die Datei. Bei einem Streaming-Dienst habe ich Zugang zu fast allen Tonträgern der letzten 50 Jahre, wodurch jedes Album quasi völlig wertlos wird, auch wenn ich im Monat zehn Euro dafür bezahle, alles hören zu können. Dennoch nutze ich Spotify, wenn auch eher für Klassische Musik und zum Vorhören von Alben, die ich mir dann später kaufe. Ich gucke auch DVDs auf einem Laptop, dessen Bildschirm ungefähr Din-A-4-Größe hat und dessen Auflösung höher ist als die der DVD selbst.

Schadet es also dem Produkt, wenn das Medium als weniger wertig empfunden wird? Ich finde ja. Ich habe im Internet grandiose Texte gelesen, die ich glaub ich noch besser gefunden hätte, wenn ich sie auf Papier gelesen hätte. Nur, dass ich sie auf Papier nie gelesen hätte, weil ich sie dort nie gesucht und gefunden hätte. Und weil ich zu wenig Zeit habe, noch bedrucktes Papier zu lesen, weil ich fast den ganzen Tag vor dem Internet sitze. Es ist bekloppt!

Die meisten Menschen, die ich kenne, haben kein besonderes Verhältnis zu Pferden oder Autos, sie wollen nur möglichst schnell an irgendeinem Ziel ankommen. Das Auto ist schneller als das Pferd — basta! Das war vor hundert Jahren schlecht für die Pferdezüchter und Hufschmiede, aber so ist das. Der Automobilindustrie ginge es auch noch bedeutend schlechter, wenn wir endlich alle Raketenrucksäcke hätten oder uns beamen könnten.

Die meisten Menschen wollen auch einfach nur Musik hören. Von den Arschlöchern mal ab, denen es egal ist, ob die Musiker dafür auch entsprechend entlohnt werden, ist das völlig legitim, sie brauchen keine sieben CD-Regale in der Wohnung und Deluxe-Boxsets. Ihre Umzüge sind mutmaßlich auch weniger anstrengend.

Es gibt offensichtlich Menschen, die Bücher lesen, die keine Bücher mehr sind. Auch das ist legitim und beim Umzug von Vorteil. Ich kann das nicht verstehen, aber ich kann schon nicht verstehen, wie man sich Romane aus der Bücherei ausleihen kann: Wenn mir ein Buch gefällt, will ich Stellen unterstreichen und es anschließend, als Trophäe und zum Wiederhervorholen, im Regal stehen haben.

Die meisten Menschen brauchen aber offenbar auch keine gedruckten Zeitungen und Zeitschriften mehr — außer, sie ziehen gerade um. Ich würde das gern ebenfalls merkwürdig finden. Aber ich bin ja offenbar genauso.

  1. Anderseits kann eine Volltextsuche schon sehr, sehr praktisch sein. []
  2. Eine spanische Pressung von “September” von Earth, Wind And Fire? Klar! Die Originalauflage von Sandie Shaws “Puppet On A String”? Brauch ich als ESC-Fan natürlich dringend! []

36 Kommentare

  1. jensen
    14. November 2012, 22:27

    Ich liebe Zeitungen immer noch und lese sie auch weiterhin regelmäßig. Aber ich höre auch hauptsächlich Schallplatten.

  2. Alex
    14. November 2012, 22:52

    “Und weil ich zu wenig Zeit habe, noch bedrucktes Papier zu lesen, weil ich fast den ganzen Tag vor dem Internet sitze.”
    Dieses Zitat von Dir ist wesentlich. Heutzutage hecheln alle durch alle möglichen Texte im Internet aus lauter Panik, irgend etwas zu verpassen. Keiner traut sich mehr, der Zeitung/Zeitschrift zu vertrauen, dass hier das Wesentliche aufbereitet wird. Man könnte ja was verpassen (eigentlich müsste jedem klar sein, dass man schon rein technisch nur Promille der täglichen Veröffentlichungen wahrnehmen kann, nur ist der Zugang zum Rest heute wesentlich einfacher als früher).

    Im Übrigen gibt es, gerade im ländlichen Raum, viele, die nach wie vor die lokale Tageszeitung abboniert haben. Ich wüsste niemanden in meinem Bekanntenkreis, der in den letzten 10 Jahren auf sein Abo einer lokalen Ausgabe der NOZ verzichtet hätte.

    Aber vielleicht hab ich nur einen anderen Bekanntenkreis als Du.

  3. Markus Uhl
    14. November 2012, 23:29

    ein wunderbarer Text Lukas!
    Mir gehts genauso, ich hab seit Jahren keine Zeitung mehr gelesen. Früher regelmäßig.
    Heutzutage ist Internet immer und überall zugänglich und hat man mal ein paar freie Minuten in seinem Alltag surft man eben mal schnell.
    Die Zeitung ist zeitaufwendiger, Zeit ist knapp und deshalb fehlt mir die Zeitung nicht wirklich auch wenn das Leseerlebnis natürlich in keinster Weise vergleichbar ist. Aber das fehlt mir auch nicht. Wahrscheinlich sind wir alle so auf unsere Screens und Displays fixiert, dass andere Darstellungsformen gar keinen Platz mehr haben.
    Und bei den CDs bin ich ebenfalls bei Dir, ich will meine Sammlung, meine ‘Trophäen’ im Regal stehen haben, wenns sein muss auch mal als mp3. Aber niemals Streaming oder Massen-mp3s. Hab nie die Leute verstanden die sich damit gebrüstet haben, dass sie sich 10.000 mp3s von irgendjemand auf die Festplatte gezogen haben. Null Bezug zur Musik, null Wertigkeit, einfach nur kostenlose Masse – für mich schon immer völlig unverständlich

  4. pillenknick
    14. November 2012, 23:34

    „Keiner traut sich mehr, der Zeitung/Zeitschrift zu vertrauen, dass hier das Wesentliche aufbereitet wird.“
    Und das ist das nächste verräterisches Statement.

    Neben der reinen Information ist Vertrauen für Zeitungen ein wesentlicher Aspekt. Es nützt einem Nachrichtenmedium wenig, wenn niemand ihm zutraut, vertraut, dass die Nachrichten auch richtig sind.

    Ich selbst habe jahrelang täglich Tageszeitung gelesen, und der Preis für das Abo war nicht der Grund, warum ich die Zeitung nicht abonnierte, als ich dann von zuhause auszog. Ich habe ihr nicht mehr vertraut, weil ich an genügend Texte lesen musste, von denen ich wusste, dass sie falsch waren – nicht grundfalsch, aber hier und da schlichen sich immer Unwahrheiten ein. Wie kann ich da noch sicher sein, dass ich dort, wo ich mich nicht auskenne, richtig informiert werde? Das hat mit der Angst vor dem Verpassenkönnen wenig zu tun.
    Dass ich die reinen Fakten (sofern es so etwas überhaupt gibt) schon vorher im Zweifel online erfahren hatte, war sozusagen nur das I-Tüpfelchen.

    Ich kann nur für mich sprechen, wenn ich sage, dass ich – vergliche ich eine Tageszeitung (und das ist in der Regel oft die, die den eigenen Ort mit einem Lokalteil bedient) mit der Fülle des Internets – mich von der Zeitung schlechter informiert fühle, weil sie an meiner Lebensrealität vorbeigeht. Ich bin mir bewusst, dass ich mich gewzungenermaßen selektiv und subjektiv informiere und Themen bisweilen auch auslasse, die aus guten Gründen in einer Zeitung ihren Platz finden. Es ist mir aber lieber Themen zu durchdringen, als von allem Häppchen hingeworfen zu bekommen, mit denen ich ohne genügend Vorwissen nicht viel anfangen kein, weil die Einordnungskompetenz der Zeitungen auch Grenzen kennt.
    Dass dies Eigeninitiative erfordert und es mit Konsum nicht getan ist, ist die andere Seite der Medaille, aber schlecht ist das deswegen noch lange nicht – außer vielleicht für die Medienhäuser.

  5. rgroth
    15. November 2012, 0:45

    Hallo Lukas, ich bin bei Dir:

    ich fand es einerseits befreiend, dass ein Kumpel meine Vinyl digitalisieren ließ (also: er hatte dieselben und sein Praktikant erwarb praktische Erfahrung) – trotzdem habe ich dann noch 5 Jahre gebraucht, diese Tonnage endlich zu veräußern. Jäger-Mentalität halt – die Gespräche auf den LP-Messen waren aber super ;-)

    @Print: Ich kaufe mir seit einiger Zeit (selektiv) gebundene Ausgaben von Büchern, die ich bereits als Paperback habe – eben wegen der Wertigkeit.

    Ich lese nur dann etwas auf dem Screen, wenn es keine (bezahlbare) Alternative gibt.

  6. Muttiderlibero
    15. November 2012, 9:19

    Besitze ein iPad, kaufe aber trotzdem mehrmals wöchentlich Printprodukte. Auch wenn ich oft nur 5 Prozent des Inhalts lese. Manchmal lohnt sich der Kauf schon wegen eines einzigen Artikels. So ne Art flattr in der Offline-Welt.

  7. Christian
    15. November 2012, 9:27

    Immer wenn irgendwo ein Geschäft schließt denke ich mir “Schade, das war so ein schönes Geschäft… gekauft habe ich dort aber ja nie was”

  8. Tim
    15. November 2012, 9:32

    @ Alex

    Keiner traut sich mehr, der Zeitung/Zeitschrift zu vertrauen, dass hier das Wesentliche aufbereitet wird.

    Im Gegenteil: Zeitungen und Zeitschriften haben in den letzten 10 Jahren so viele wichtige Dinge nicht geschrieben, so viele komplexe Themen nicht begriffen, so viele Meinungen nicht gebracht, so viele Trends verschlafen, daß ich ihnen einfach nicht mehr viel zutraue.

    Im Internet kann man sich viel besser informieren. Ausnahme: lokale Berichterstattung, aber da hoffe ich auf die Zukunft.

  9. stephan
    15. November 2012, 10:36

    Lustig. Ich habe diesen interessant aufbereiteten Text gemütlich auf meinem Smartphone gelesen. Hierher hat mich eine aggregierte Meldung bei bildblog gebracht. Derweil jammern Döpfner und Co über den Verfall des Qualitätsjournalismus und wollen Aggregatoren mit Gebühren belegen. Ist ne lustige Welt da draußen…

  10. Uli
    15. November 2012, 10:58

    “die digitale Textanzeige ist dagegen ein Witz.”
    Da muss ich klar widersprechen, E-Ink Displays sehen absolut grandios aus und stehen gedrucktem Papier in nichts nach. Leider kennen viele inzwischen nur noch spiegelnde, blickwinkelabhängige, Stromfresser von “Tatsch” LCD Displays, damit möchte ich wirklich kein Buch lesen.

  11. Claudia
    15. November 2012, 11:10

    Schöner Text, der interessante Einblicke gewährt. Ich gehöre zur weitgehend traditionellen Lesersorte, die (obwohl keineswegs uralt :) beispielsweise gern am sonntäglichen Frühstückstisch ausgedehnt in der FAS blättert und mit Genuss in den Artikeln stöbert. Ich habe auch keinen Kindle o.ä., obwohl eine Schriftvergrößerung auf dem Bildschirm mittlerweile sehr angenehm wäre, sondern eine Menge Bücher, die ich mit Leidenschaft überall hinschleppe, wo ich gehe oder stehe. Ich fasse sehr gern Papier an, und falls ich jemals in die Verlegenheit kommen sollte, auf einer Parkbank übernachten zu müssen, wären gedruckte Zeitungen vermutlich meine Rettung.

    Mir gefällt außerdem dieser rastlose Zeitgeist nicht, der alles unbedingt gleichzeitig und vor allem superschnell machen möchte. Je mehr die Multitasking-Mitmenschen, mit ihren vermeintlich nachhaltigen Kaffee-zum-Weglaufen-Bechern, iPhones und Laptops beladen, durch die Gegend rennen und sich keine Zeit nehmen, etwas mit Muße zu genießen, einfach mal nur eine einzige Sache auf einmal zu tun, je mehr wende ich mich ab von dieser allumfassenden Hatz. Dass in diesen Zeiten die vergleichsweise gemütliche Informationsweise der Printmedien kaum noch eine Chance hat, wundert mich nicht. Was gedruckt ist, steht geschrieben, und kann nicht mehr geändert werden. Ich habe vermutlich gerade deshalb mehr Vertrauen in die Printmedien, weil online Texte problemlos manipuliert und korrigiert werden können oder manchmal sogar einfach wieder verschwinden.

    Im Übrigen finde ich, dass die vernetzte Welt natürlich unglaublich schnell Informationen wie auch Gerüchte verbreiten kann, man aber häufig ganze Schwünge schlechter, fehlerhafter und nachlässig geschriebener Texte anlesen und dann beiseite schieben muss, um an das wirklich (für mich) Lesenswerte zu kommen. Das wiederum bedeutet, ich muss viel mehr lesen, abwägen und vergleichen, bevor ich einer Information überhaupt trauen kann. Es wird zu viel und zu laut gebrüllt für meinen Geschmack und oft zu wenig nachgedacht. Ich möchte wirklich kein Journalist sein dieser Tage.

  12. Mike
    15. November 2012, 11:34

    Ich finde gerade in diesen Zeiten Zeitungen herrlich. Gemütlich sitzen und ein wenig schmökern. Fässt sich auch toll an, riecht gut und knistert.
    In der Hinsicht bin ich Liebhaber, ich besitze auch keine E-Books, Computerspiele allerdings besitze ich fast nur noch als Digital Download. (Was ja auch Nacteile hat, wenn der Hersteller pleite geht und ich dann nicht mehr rankomme)

    Und vielen Dank nochmal für das heraustellen des Idiotenwortes “Totholzmedien”. Das ist so ekelhaft selbstbeweihräuchernd von einer selsternannten Internetboheme, die sich auch gerne mal “Hypervernetzte” nennt und dabei eigentlich nur auf einem Twitteraccount Links zu Nachrichtenportalen oder Blogs postet.

    Ich bin großer Fan des Internets, aber diese blinde Hochjubelei geht mir gehörig auf die Nerven.
    Es wird doch großteils auch überhaupt nicht zur Bildung genutzt. Theoretisch kann man im Internet alles lernen vom Küssen bis zum Bomben bauen. Aber was wird genutzt? Lustige Tiervideos, gucke ich ja selber gerne.
    Kennt man auch aus der analogen Welt, Tag der offenen Tür in Museen. Meist traurig besucht, auch wenns nichts kostet.
    Die Vielfalt bringt eben auch ihre Nachteile. Der absolute Großteil liest politische Nachrichten nur noch in Medien, die seiner politischen Überzeugung entsprechen, dabei würde doch gerade das Internet doch wirklich jede Strömung abdecken.

  13. comicfreak
    15. November 2012, 11:45

    ..ich liebe Bücher, und meine (mittlerweile stark abgespeckte) Sammlung umfasst ca. 2300 Stück.
    Trotzdem kommt mir immer mehr auf den reader (hätte ich nie geglaubt), weil:
    -ich im Urlaub nicht mehr 10 Bücher mitschleppen will
    -ich bei Essen lesen kann, ohne umständlich die Seiten offen zu halten
    -ich zu jeder Zeit 50 Bücher dabei habe,wann immer ich unerwartete Wartezeit ;) habe
    -auch die Lieblingsbücher des Nachwuchses mit sämtlichen farbigen Abbildungen dabei sind (die stehen aber auch nochmal im Regal daheim)
    -alle Bücher auch in opaverträglicher Großschrift dabei sind
    -ich letztens ein ebook-Mängelexemplar hatte, und der Händler hat mein Buch binnen 2 Tagen repariert!
    -ich im Bett lesen kann, ohne dass das Licht meinen Partner stört oder mir die Arme abfallen
    -weitere 10 Punkte :D

    Aber ich liebe gedruckte Bücher.

  14. Dr. Golz
    15. November 2012, 13:22

    @ #11/Claudia:

    Ein Kommentar, der mir besonders aus der Seele spricht! Muss man irgendwie anders (älter) sein, damit einem das Perverse “dieser allumfassenden Hatz” auffällt? Und man merkt, dass in der Schnelligkeit allein kein wirklicher Fortschritt liegt!

    Das Internet hat übrigens auch schon vor 10 Jahren Spaß gemacht – trotz langsamem Analogmodem. Und die Webseiten waren noch nicht mit multimedialem “Content” vollgerotzt, wie sie heute vielfach sind.

  15. jojoschi
    15. November 2012, 13:26

    Es hat alles so seine Vor- und Nachteile. Aber wenn ich alleine daran denke, wie viele interessante Texte ich im Internet gelesen habe, die ich so noch nie in einer Tageszeitung gesehen habe, bin ich doch immer wieder erstaunt. Alleine Blogs wie nerdcore oder coudal.com bieten ein unglaublich breites Themenspektrum, dass in dieser Form eigentlich nur im Internet möglich ist.
    Ich lese lieber Texte im Internet als in einer Tageszeitung. Wenn ich einen interessanten Text finde, der mir gefällt, kann ich mir diesen einfach per Instapaper bookmarken und irgendwann später lesen. Bei der Tageszeitung muss ich dann tagelang Papier mit mir rumschleppen.

  16. dovid
    15. November 2012, 14:42

    Leih dir mal von einem bekannten für zwei Wochen ein Amazon kindle und dann sag mir nochmal, dass man so keine Bücher lesen kann/mag/liebt.

  17. Viv
    15. November 2012, 15:05

    Obwohl Tageszeitungen teilweise schon “veraltet” sind, mit ihren Nachrichten, wenn ich sie vor der Schule (ja, auch Jugendliche können etwas mit diesem merkwürdigen Teil, genannt “Zeitung”, anfangen und auch mit Büchern!) finde ich das eigentlich sogar toll. Heutzutage geht alles so schnell und immer schneller. Zeitung bedeutet eine ruhende Konstante. Ich könnte nicht ohne meine Tageszeitung. Das Meiste was drin steht hat man Abends oder Morgens vorher schon im Internet gelesen/im Radio gehört, aber die Zeitung muss irgendwie sein. Vermittelt ein gutes Gefühl. Dasselbe wie mit der ZEIT, die sein muss. Es ist eine Art Anker, es entspannt. Kaffee, ZEIT, Croissant und die Welt ist in Ordnung.
    Übrigens ein gleiches Gefühl bei CDs: die fühlen sich einfach “echter” an :D

  18. readerferret
    15. November 2012, 17:47

    Es geht ja nur um subjektive Befindlichkeiten.
    Ich halt es wie comicfreak, ich liebe Bücher, und hab sie bisher immer in Papierform gelesen. Seit zwei Jahren hab ich ein Ipad und lese mittlerweile hauptsächlich darauf. Ich finds super, sonst würde ich es ja nicht machen.
    Was mich etwas stört, ist diese typisch deutsche Tendenz aus digitalen Lesern, so etwas wie Leser zweiter Klasse zu machen. Ein Buch habe eine höhere Werthaltigkeit, oder Papier- Leser seien irgendwie edlere und bessere Menschen ist Gefasel übelster Art.
    Ob man die Texte jetzt digital, auf Papier oder in Tonscherben geritzt lesen möchte, kann ja noch jedem selber überlassen bleiben. Aber wie ich schon sagte, ist ja alles eine Frage der eigenen Befindlichkeit.

  19. Link(s) vom 15. November 2012 — e13.de
    15. November 2012, 18:14

    […] Papier ist geduldig „Schadet es also dem Produkt, wenn das Medium als weniger wertig empfunden wird? Ich finde ja. Ich habe im Internet grandiose Texte gelesen, die ich glaub ich noch besser gefunden hätte, wenn ich sie auf Papier gelesen hätte. Nur, dass ich sie auf Papier nie gelesen hätte, weil ich sie dort nie gesucht und gefunden hätte. Und weil ich zu wenig Zeit habe, noch bedrucktes Papier zu lesen, weil ich fast den ganzen Tag vor dem Internet sitze. Es ist bekloppt!“ […]

  20. egghat
    15. November 2012, 22:16

    @Alex:

    “Keiner traut sich mehr, der Zeitung/Zeitschrift zu vertrauen, dass hier das Wesentliche aufbereitet wird. ”

    Mit Grund. Weil das Wesentliche für mich was anderes ist als das Wesentliche für dich.

  21. Hendrik
    16. November 2012, 0:27

    Schön, wie die Kommentare hier eine enorme Meinungsbreite darstellen. Ich bin Jahrgang 1981 und kaufe mehrmals wöchentlich Zeitungen oder Zeitschriften. Daran schuld ist eine ganz einfache Faustregel, die ich mir mal vor vielen Jahren gegeben habe: “Wenn du am Kiosk stehst und überlegst, ob du die Zeitung kaufen sollst oder nicht, dann kauf sie.”

    Es geht nichts über eine Seite 3 in der SZ, einen langen FAZ-Aufsatz, Martenstein in der Zeit, den Economist oder den Guardian. Das könnte ich alles online lesen, will ich aber nicht :-) und ich verbringe durchaus viel Zeit im Netz.

    Ach ja – keine Zeit ist kein gutes Argument für irgendetwas.

  22. Jens
    16. November 2012, 6:25

    Ich lese gerne Zeitungen, wobei es schon so ist, dass ich die meisten Informationen schon kenne. Das “neben bei entdecken von anderen Geschichten” ist aber ein schöner Aspekt.

    Was ich jedoch schade finde (und das beschreibt pillenknick ja auch schon): Wenn man Fehler in Bereichen findet, wo man sich auskennt. Da frage ich mich dann immer: Ist das auch bei den Themen, wo ich mich nicht auskenne?

  23. Pottblog
    16. November 2012, 6:47

    Links anne Ruhr (16.11.2012)…

    Bochum: Sponsoring: Die Millionen der städtischen Töchter (Ruhr Nachrichten) – Datteln/Herne: Betriebsgenehmigung von Shamrock (Herne) und Datteln I-III erlischt (WAZ.de) – Siehe auch: Gericht: Betriebsgenehmigung erloschen (RP-On…

  24. ClaudiaBerlin
    16. November 2012, 8:36

    Du schreibst:

    “Bei einem Streaming-Dienst habe ich Zugang zu fast allen Tonträgern der letzten 50 Jahre, wodurch jedes Album quasi völlig wertlos wird, auch wenn ich im Monat zehn Euro dafür bezahle, alles hören zu können. ”

    Das ist doch recht seltsam, findest du nicht? Wenn ich jederzeit hören kann, wonach es mich gelüstet, wozu es dann “besitzen”???

  25. Inge_CH
    16. November 2012, 13:47

    Für mich ist das alles völlig zutreffend.

    Ich glaube ich habe seit mehr als fünf Jahren kein Print mehr gelesen, ausser auf dem Flughafen. Ebooks finde ich super, in der Bibliothek bin ich Dauergast, CDs besitze ich keine mehr. Ich freue mich drauf, dass es bald gute Onlinebibliotheken geben wird. Nein, ich bin nicht 25 sondern über 40. Ich glaube, die meisten Leute haben ihr Zeitungsabo nur noch aus Faulheit, wie das fürs Fitnesstudio…

  26. Hannah
    16. November 2012, 15:05

    Ich bin irgendwie in beiden Welten zuhause – ich finde es extrem praktisch, zwischendurch mal eben zu schauen, ob sich etwas Dramatisches ereignet hat (meistens nicht ;-) ), aber längere Texte lesen sich angenehmer auf Papier. Manchmal bin ich sogar kurz davor, zum Internetausdrucker zu werden, wenn ich online einen Text entdecke, der vielversprechend ist, aber zu lang, um ihn bequem am Bildschirm lesen zu können – auch Uni-Texte, die ja fast ausnahmslos auch digital zur Verfügung stehen, drucke ich grundsätzlich aus, weil ich festgestellt habe, dass mehr hängen bleibt, wenn ich offline lese – mir, schneller als ich das am Computer kann, wichtiges anstreichen oder notieren kann.
    Bei Musik gehe ich ganz ähnlich wie du vor, Lukas – ich kaufe immer noch CDs (für Platten bin ich zu jung, da bediene ich mich höchstens mal an der Sammlung meines Vaters), die ich sofort digitalisiere – aber irgendwie ist es für mich ein schöneres Gefühl, tatsächlich einen Tonträger in der Hand zu haben, am besten noch ein schönes Cover und Booklet – da können MP3-Einkäufe einfach nicht mithalten.

  27. Alex
    17. November 2012, 1:02

    @ Tim und Egghat
    Wenn man glaubt, dass man durch das Internet alles im Blick hat, dann ist das ein Irrtum. Es ist eben nicht möglich, alles im Netz zu lesen. Also konzentriert man sich auf die Quellen, denen man vertraut. Die mögen zahlreicher sein als bei den Zeitungen, aber es ist natürlich, sich auf die Quellen zu konzentrieren, die der eigenen Meinung entsprechen.
    Letztendlich wird die eigene Meinungsbildung aufgrund der einfachen Suche nach der eigenen Meinung eher verschlechtert.

    Eine Mischung aus beiden wäre wohl gut. Die Zeitung, um Themen zu sehen, die ich in meinem von mir selbst gefilterten Internet übersehe, und das Internet, um andere Meinungen zur Zeitung zu finden.

    Ich lese, als Liberaler (im herkömmlichen, nicht im politischen Sinn), ab und an die TAZ ganz gern, in der vollen Erwartung, mich darüber aufregen zu können. Ab und an hab ich aber auch schon die Meinung übernommen, weil sie mir sinnvoll erschien.

  28. mathepauker
    17. November 2012, 15:04

    • Nach dem Lesen des dritten Absatzes fragte ich mich, ob die BILDblogger die Zeitung nicht mehr kaufen.

    • Bei herkömmlichen Zeitungen finde ich das Format unhandlich. Außerdem steht viel drin, aber mich interessiert gar nicht alles. Zwangsläufig kaufe ich also mehr Papiermasse, als ich eigentlich müsste. Das ist doch Verschwendung – und für mich einer der Gründe, kein Blatt zu kaufen. Über das Tagesgeschehen halte ich mich mit Radio und WWW auf dem Laufenden.

    • Was Archivierung und Durchsuchbarkeit (siehe erste Fußnote) angeht, sind digitale Inhalte leichter zu handhaben.

    • Ein ganzes Semester zu pendeln ist bestimmt lästig und zeitaufwändig. Aber ich kenne Studenten, die waren ein ganzes Studium lang zwischen Limburgerhof und der TU Kaiserslautern (vergleichbare Zeit wie Dinslaken – RUB) unterwegs.

    • Neben dem Platzverbrauch haben CDs den Nachteil, dass sie im Gegensatz zu Dateien verschleißen. Mit meinen Tonträgern gehe ich vorsichtig um, aber irgendwann sind dann trotzdem Kratzer drin. Auch Booklets aus Papier sind dem natürlichen Zerfall unterworfen. Festplatteninhalte sind da viel robuster. (Dafür kann man auf Papier Gedrucktes wesentlich einfacher lesen, weil kein nur mit Strom arbeitendes Zugangsgerät erforderlich ist.)

    • In meinen Büchern unterstreiche oder markiere ich nichts, dazu sind mir die Werke zu heilig. Meine letzte Musiklehrerin in der Schule konnte nicht verstehen, dass ich es unschön fand, wenn einzelne Einträge im Schülerduden »bearbeitet« waren. Nach dem Abitur wollte ich das Buch weiterverwenden und es hätte mich ziemlich geärgert, wenn dann noch einzelne und (spätestens seit der letzten Schulstunde) irrelevante Hervorhebungen vorhanden gewesen wären.

    • Wer das Blog hier schon länger liest oder alle Beiträge kennt, merkt übrigens, wie Lukas manchmal Meinungen und Einstellungen ändert. Früher fand er Smartphones nutzlos, heute besitzt und verwendet er selbst eins.

  29. Lukas Heinser
    19. November 2012, 13:28

    @Mathepauker: Ihr Archivwissen im Bezug auf dieses Blog ist mir ein bisschen unheimlich. Tatsächlich kaufen wir “Bild” aber nicht mehr als gedruckte Zeitung, sondern haben sie im PDF-Abo.

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