Beiträge vom Januar, 2010

Adam and Steve

Von Lukas am Mittwoch, 27. Januar 2010 12:57

Heute wird die Firma “Apple” (die meinen defekten iPod übrigens nach nur zwei Monaten ausgetauscht bekommen hat) offensichtlich ein Gerät vorstellen, das – wenn ich das richtig verstanden habe – über einen Flux-Kompensator, einen Warp-Antrieb und ein Autoradio verfügen wird, das ausschließlich gute Musik spielt. (Okay: Letzteres wird vermutlich technisch unmöglich sein.)

Bevor es aber so weit ist, möchte ich Ihnen zwei Texte zum Thema empfehlen.

Der eine beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Journalisten und Apple:

Der Jubel von heute abend ist seit Tagen bereits zu hören – er hat in den Blättern und Sendern längst begonnen. Und wenn auch das in den Fanblogs und Magazinen für Videogamer nichts Neues ist: In der Tages- und Wochenpresse ist es zumindest in den aktuellen Ausmaßen ungewohnt, um nicht zu sagen verantwortungslos.

“Steve Jobs als Messias einer Branche” von Peter Sennhauser

Der andere stammt von einem Mann, der nicht gerade oft durch eine besonnene und vernünftige Kommentierung der Welt auffällt. Aber er sorgt mit seiner verzerrten Wahrnehmung der Welt durchaus für einen Moment des Innehaltens:

Ich liebe es, wenn der Postbote bei mir läutet, meine Abo-Hörzu auf dem Fernseher liegt, mein Nachbar mich fragt, wie es mir geht und ich die alte Dame im dritten Stock über den eisglatten Gehweg zum Gemüsetürken begleite

“Lieber Steve Jobs (Mr. Apple)” von Franz Josef Wagner

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Feels Like Home

Von Lukas am Dienstag, 26. Januar 2010 0:13

Menschen mit entsprechenden Erfahrungen erklären gerne, ein Kind zu bekommen würde die Sichtweise auf die Welt völlig verändern. Ich bin weit davon entfernt, dem widersprechen zu wollen (oder zu können), aber ich kann diesen Menschen zurufen: “Für einen Perspektivwechsel braucht’s keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr. Ein Umzug tut’s auch.”

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich mit Fragen zu Bodenbelägen, Wandfarben, Telefonanbietern und Möbeln herumgeschlagen. Ich habe angefangen, Werbeprospekte auf Kühlschränke, Waschmaschinen und Duschköpfe abzusuchen. Ich bin in eine Welt abgetaucht, in der man sich freut, dass die Farbe, die man gerade gleichmäßig auf Zimmerdecke und eigenem Haupthaar verteilt hat, wasserlöslich ist (was der Lack für Heizkörper und Fußleisten übrigens nicht ist). Gespräche im Freundes- und Familienkreis drehen sich plötzlich um Küchenfronten und die richtige Methode, gerade Linien abzukleben.

Bei der Renovierung ist mir aufgefallen, wie egal einem dieses Internet werden kann: Für die wirklich bedeutsamen Nachrichten hat man ja WDR 2, alles weitere kann man abends in zwanzig Minuten überfliegen. Und falls sich jemand Sorgen macht, weil man seit der Frage “Welcher dieser beiden Drähte gehört wo hin?” kein Statusupdate mehr bei Facebook durchgeführt hat, wird er schon anrufen oder eine SMS schicken.

Am Wochenende bin ich endlich umgezogen. Das zeitliche Verhältnis von Vorbereitung und Durchführung entsprach dabei in etwa dem Verhältnis zwischen WM-Qualifikation und Im-richtigen-Moment-den-Fuß-Hinhalten im Finale.

Jetzt stehe ich vor neuen Herausforderungen: Wie sortiere ich meine Bücher neu? Wie kriege ich meine Wohnung richtig beheizt? In welchem der vielen Zimmer könnte ich jetzt schon wieder Schlüssel und Portemonnaie liegen gelassen haben? Zumindest bei der ersten Frage können Freunde mit Fachwissen weiterhelfen.

Statt über meine Mitbewohner kann ich mich jetzt über die Selbstmontagemöbel schwedischer Prägung aufregen, die jeder ander Mensch (oder zumindest: jede mir bekannte Frau) in diesem Universum in einer halben Stunde aufgebaut bekommt, während ich nach vier Stunden mit heiserer Stimme kreische: “Ach, als ob diese eine Schraube für die Statik des ganzen Regals entscheidend wäre …”

Schwerer noch wird es, mich an die Supermärkte im neuen Stadtteil zu gewöhnen. Vergangene Woche bin ich zehn Minuten durch den Aldi geirrt, ohne die verdammten Nudeln zu finden. Und ohne Nudeln fehlt mir schon mal ein Drittel meines Speiseplans. Außerdem muss ich eine neue “Bild”-Verkaufsstelle finden — oder besser: mehrere.

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Online vs. Print (Umzugs-Edition)

Von Lukas am Sonntag, 17. Januar 2010 22:20

Pro Print
In Online-Artikel kann man keine Tassen und Gläser einschlagen.

Pro Online
Online-Texte färben nicht ab.

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Ein Loch ist im Dach

Von Lukas am Mittwoch, 13. Januar 2010 14:42

Bei der Schalker Veltins-Arena ist – möglicherweise in Folge der hohen Schneelast, 80 Millionen Experten spekulieren schon wieder – ein Teil des Glasfaserdachs eingerissen.

Damit man sich selbst ein Bild der Lage machen kann, hat “Der Westen”, das Online-Portal der WAZ-Mediengruppe, eine kleine Bildergalerie zusammengestellt, die das Ausmaß des Schadens zeigt:

Das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, Spielstätte des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, ist in einem Teilbereich über der Haupttribühne eingebrochen. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, Spielstätte des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, ist in einem Teilbereich über der Haupttribühne eingebrochen. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, Spielstätte des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, ist in einem Teilbereich über der Haupttribühne eingebrochen. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, Spielstätte des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, ist in einem Teilbereich über der Haupttribühne eingebrochen. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, Spielstätte des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, ist in einem Teilbereich über der Haupttribühne eingebrochen. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, Spielstätte des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, ist in einem Teilbereich über der Haupttribühne eingebrochen. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Entweder der Fotograf hat sich (bei Temperaturen um den Gefrierpunkt) keinen Millimeter bewegt, während er die Bilder gemacht hat — oder “Der Westen” zeigt einfach sechs Mal das gleiche Bild in einem anderen Ausschnitt.

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Winning In The Name Of

Von Lukas am Mittwoch, 13. Januar 2010 13:51

Es ging im Dezember durch alle Medien: Rage Against The Machine waren “Christmas No. 1″ in den britischen Charts. Die wichtigste Chartplatzierung des Jahres war in den letzten Jahren sonst geradezu traditionell an die Gewinner der Castingshow “X Factor” gegangen, aber 2009 war es die 17 Jahre alte Schmuseballade “Killing In The Name Of” der Alternative-Politrocker aus L.A. — einer “Guerilla-Aktion” bei Facebook sei Dank.

Letztlich machte es aber keinen Unterschied, ob Castingstar Joe McElderly oder RATM auf Platz 1 gingen: Beide Künstler stehen bei Sony unter Vertrag. Im Gegenteil dürfte der heraufbeschworene Kulturkampf der Major-Plattenfirma überdurchschnittlich hohe Verkaufszahlen beschert haben, weil Unterstützer beider Seiten intensiv gekauft bzw. heruntergeladen haben, um ihren Favoriten vorne zu sehen.

Das Online-Musikmagazin Crud hat bereits im Dezember aufgeschrieben, dass es ein paar auffällige Verbindungen zwischen Jon Morter, dem Gründer der Facebook-Gruppe “RAGE AGAINST THE MACHINE FOR CHRISTMAS NO.1″, und Sony zu geben scheint — und erinnerte gleichzeitig daran, dass es auch im Weihnachtsgeschäft 2008 eine “Graswurzelbewegung” um die Weihnachts-Nummer-1 gab: Damals gab es den Versuch (ebenfalls u.a. mit Hilfe einer Facebook-Gruppe), Jeff Buckleys Version von Leonard Cohens “Hallelujah” auf Platz 1 zu kaufen, damit nicht die Interpretation des selben Songs von “X Factor”-Siegerin Alexandra Burke gewinnt. 2008 ging das noch schief, Burke stand mit ihrem Song an Weihnachten ganz oben, der 1997 verstorbene Buckley nur auf Platz 2. Beide Songs erschienen auf Labels (Buckley: Columbia, Burke: Epic), die letztlich zu Sony gehören — und wenn Leonard Cohen selbst Nr. 1 geworden wäre, hätte es wiederum Columbia getroffen.

Im Zuge der Regierungskrise in Nordirland, wo Iris Robinson, die Frau des Regierungschefs, eine Affäre mit einem deutlich jüngeren Mann hatte und auch Geldzahlungen eine Rolle spielen, hatten die Medien schnell die passende musikalische Untermalung gefunden: “Mrs. Robinson” von Simon & Garfunkel, der Titelsong zum Film “The Graduate”, in dem eine ältere Mrs. Robinson eine Affäre mit einem deutlich jüngeren Mann hat. Prompt soll auch der Song mal wieder auf Platz 1 gekauft werden. Der Soundtrack war 1968 bei Columbia erschienen, das seit 1988 zu Sony gehört.

Nun sollte man diese Indizien nicht überbewerten: Ein Riesenkonzern wie Sony hat immer viele Eisen im Feuer — und wenn ich Ihnen hier rate, Kilians- oder Tocotronic-CDs zu kaufen, landet Ihr Geld letztlich beim selben Major (Universal), wie wenn Sie – was Gott verhüten möge – CDs von Aura Dione oder Brunner & Brunner erwürben. RATM-Gitarrist Tom Morello, ein Mann mit einigermaßen gesunden Grundsätzen gegen Globalisierung und Kapitalismus, hat dann auch alle Verschwörungstheorien brüsk zurückgewiesen und vermutlich ließe sich für jeden anderen Major eine ähnliche Sammlung Liste anlegen.

Man sollte sich nur im Klaren darüber sein, dass dieses ganze Web-2.0-ige “Guerilla”-Ding dann letzten Endes doch wieder Geld in die Kassen der nicht mehr ganz so großen big player spült. Die berichterstattenden Medien scheinen das ein bisschen zu übersehen.

Mit Dank auch an Martin L.

Kategorie: Digital Ist Besser, Rock'n'Roll High School | Kommentare (9)

Von der Muse geleckt

Von Lukas am Dienstag, 12. Januar 2010 16:55

In den Abendstunden des 27. September 2009 zweifelte ich am Konzept der Demokratie. Ich fuhr mit dem Zug durch die Landschaft, aber weder der wunderschöne Sonnenuntergang noch die weiten Wiesen und Felder konnten darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland von einem Moment auf den anderen hässlich geworden war. Das Volk hatte eine schwarz-gelbe Koalition gewählt — bzw. wie Dieter Nuhr sagte: “Die CDU hat nicht gewonnen, sie ist nur übrig geblieben!”

Als ich heute die Auswertung unserer Leserwahl aufrief, fühlte ich mich ähnlich.

Ich meine: Muse?! Wirklich?! Muse?!

Warum nicht gleich Nickelback oder Revolverheld? Das wäre wenigstens aufrichtig schlecht gewesen.

Aber nun gut: Über Geschmack soll man nicht streiten, da hat halt ein Teil der Leserschaft einfach keinen. Egal.

Mit dem Rest kann ich im Großen und Ganzen ganz gut leben, also dürfen Sie die Listen jetzt auch sehen.

Und zwar hier.

Die Gewinner unserer Verlosungen wurden schon benachrichtigt.

Kategorie: Digital Ist Besser, Rock'n'Roll High School | Kommentare (21)

Don’t mention the war!

Von Lukas am Dienstag, 12. Januar 2010 11:54

Manchmal braucht es keinen Kontext.

Manchmal ist es einfach schön, Freunde zu haben, die einem abfotografierte Werbeanzeigen aus dem US-”Playboy” vom November 1970 schicken:

Lufthansa - At long last: a German uniform you'll love seeing around

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Ich, WDR 2

Von Lukas am Sonntag, 10. Januar 2010 23:06

Radio-Symbolbild

Ich renoviere ja zur Zeit eine ehemals milde sanierungsbedürftige Zwei-Zimmer-Wohnung in der Nähe der Bochumer Innenstadt, weswegen ich auch so selten dazu komme, irgendwelche Texte zu schreiben. Weil die Geräusche, die so eine Renovierung macht, extrem langweilig sind (und ich mich immer noch jedes Mal erschrecke, wenn meine Gas-Therme anspringt), habe ich mir ein Radio in die Wohnung gestellt. Es soll mich mit aktuellen Nachrichten und gefälliger Musik versorgen, soll unterhalten, aber nicht anstrengen — kurzum: Es soll das tun, wozu ein Nebenbeimedium wie das Radio heutzutage da ist.

Ich habe mich notgedrungen für WDR 2 entschieden. Bei meinen Eltern ist WDR 2 seit Jahrzehnten in den Radios in Küche, Wohnzimmer und Auto eingestellt, und ich selbst höre den Sender seit einiger Zeit beim Frühstück, noch dazu jeden Samstagnachmittag, wenn Fußball ist. Es ist der Sender, mit dem ich aufgewachsen bin, und noch heute erinnern mich Namen wie Horst Kläuser, Michael Brocker oder Gisela Steinhauer an die Nachmittage meiner Kindheit, an denen wir zum Einkaufen fuhren oder zu Freunden gebracht wurden und im Autoradio das “Mittagsmagazin” laufen hatten.

Ich höre WDR 2 nicht, weil der Sender so gut wäre, sondern weil er alternativlos ist: Eins Live ist für mich inzwischen unerträglich geworden, WDR5 hat einen viel zu hohen Wortanteil und zu lange Beiträge, wegen derer man dann zwanzig Minuten lang den Staubsauger nicht einschalten darf, und Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur kann ich auch noch hören, wenn ich ebenso tot bin wie die Macher. CT das radio wäre naheliegend, habe ich kürzlich auch probiert, aber da fehlten mir dann tagsüber wieder die Inhalte. Es bleibt also wirklich nur WDR 2, wo die meisten Moderatoren ganz sympathisch sind, die meisten Beiträge vorhersehbar bieder und man insgesamt weiß, was man hat — so wie in einer langjährigen Ehe halt.

Das Problem ist: Der durchschnittliche Hörer hört einen Sender am Tag etwa 30 Minuten beim Frühstück, Autofahrer evtl. ein bisschen mehr. Das Programm ist nicht darauf ausgelegt, den ganzen Tag über zu laufen. Wer es trotzdem eingeschaltet lässt, bekommt die Quittung: Die ständige Wiederholung.

Ein Beitrag, der in der “Westzeit” lief, kann bequem noch mal bei “Zwischen Rhein und Weser” recycelt werden. Was im “Mittagsmagazin” vorkam, kann bei “Der Tag” vier Stunden später noch einmal laufen. Die Kurzform bekommt man in der Zeit dazwischen alle zwei Stunden in den Nachrichten eingespielt. Der “Stichtag” wird eh zwei Mal am Tag ausgestrahlt (9.40 Uhr und 17.40 Uhr) — beide Male mit der wortgleichen An- und Abmoderation.

Besonders schlimm war es rund um den Jahreswechsel: Viele Redakteure hatten Urlaub und Rückblicke und Vorschauen auf kulturelle oder sportliche Großereignisse konnten beliebig oft gesendet werden. Zeitlose Beiträge wie der über die kalten Füße (“Warum hat man sie, was kann man dagegen tun?”) oder den Kauf des richtigen Ski-Helms wurden vermutlich im Oktober produziert und laufen bis März alle anderthalb Wochen, dann werden sie eingemottet und erst im Folgewinter wieder hervorgeholt.

Zwischendurch läuft viel Musik, aber nur wenig unterschiedliche. Nach ein paar Tagen weiß ich, welche Songs auf welchen Rotationsstufen laufen. Auf der höchsten beispielsweise “Aeroplane” von Reamonn, “Wheels” von den Foo Fighters, “Fireflies” von Owl City und elendigerweise auch “If Today Was Your Last Day” von Nickelback. “I Will Love You Monday (365)” von Aura Dione ist ganz offensichtlich der grauenerregendste Song des Jahres 2009 (vielleicht auch der schlechteste Song, der jemals aufgenommen wurde), aber das muss ja nicht alle 14 Stunden aufs Neue bewiesen werden. Stanfour kommen von der Insel Föhr, was jedes verdammte Mal in der Abmoderation erwähnt werden muss — dass Föhr die zweitgrößte deutsche Nordseeinsel ist, erfährt man nur alle drei bis vier Einsätze.

Ungefähr die Hälfte aller WDR2-Songs klingt so ähnlich, dass man sich beim Zählen ständig vertut: Eine junge Frau singt ein bisschen soulig über einen Typen, der sie schlecht behandelt, den sie aber trotzdem liebt. Sie bleibt eine tapfere, eigenständige Frau, während im Hintergrund das von den 1960er-Jahren inspirierte Arrangement mit Bläsern und Chören schunkelt. Mark Ronson hat das Tor zur Hölle aufgestoßen, als er Amy Winehouse und Lily Allen produzierte.

Eine Zeit lang denke ich, dass es an der eigenen Radioerfahrung liegt, dass mir das alles auffällt. Dann kommen meine Geschwister zum Anstreichen und verkünden, welcher Song in welcher Stunde laufen wird (bei Eins Live kann man es auf die Minute genau vorhersagen). Nach vier Tagen kenne ich die Schichtpläne der Nachrichtensprecher und die Sendeuhr, nach acht Tagen bin ich die Sendeuhr.

Noch öfter als Beiträge und Musikstücke wiederholt sich die Werbung — jede halbe Stunde. Ex-Deutschlandfunk-Chef Ernst Elitz hatte völlig Recht, als er einmal sinngemäß sagte, Radiowerbung habe – im Gegensatz zu Kino- oder Fernsehwerbung – nie neue Ästhetiken erschaffen und neue Trends gesetzt, sondern sei immer nur nervtötend gewesen.

Ich weiß jetzt, dass es bei Praktiker bis zum Wochenende 20% auf alles (“außer Tiernahrung”) gab, was ich allerdings schon vorher wusste, weil man beim Renovieren auffallend oft Baumärkte ansteuert. Manfred “Bruce Willis” Lehmann wirbt außerdem noch für einen Küchenmarkt, was marketingtechnisch sicher suboptimal ist, weil jetzt ständig die Leute bei Praktiker nach den Küchen-Rabatt-Aktionen fragen. Guildo Horn wirbt für die Küchen in einem Einrichtungsmarkt, Werner Hansch für einen anderen und Ludger Stratmann ebenfalls für einen. Es gibt Rabattaktionen in der Galeria Kaufhof und Null-Prozent-Finanzierung bei Opel und Peugeot. Und Seitenbacher-Müsli ist gut für die Verdauung.

Die dreckigsten Arbeiten sind abgeschlossen, mein gutes altes Telefunken-Radio hat viel Staub, aber nur sehr wenige Farbspritzer abbekommen. So langsam könnte ich meinen einen iPod mitbringen und an die alten Aktivboxen anschließen. Aber ich würde auch etwas vermissen: Die ständig ins Programm eingestreuten Evergreens von den Lightning Seeds und The Beautiful South, die vorgelesenen Hörer-E-Mails und die immer neuen Versuche, Verkehrsmeldungen mit humoristischen Einlagen zu verbinden.

Das Frequenzwahl-Rädchen meines Telefunken wird auch nach dem Umzug unberührt bleiben.

Kategorie: TV On The Radio | Kommentare (48)

Neues von PR-Online

Von Lukas am Sonntag, 10. Januar 2010 18:32

Es ist keine Neuigkeit, dass “RP Online” gerne die Fahrgestellnummer Agentur-Kennung aus Meldungen rausschleift und durch ein “(RPO)” ersetzt, damit es aussieht, als sei handele es sich um selbsterdachte Inhalte. Die Agenturen sehen das zwar nicht unbedingt gerne, aber der Kunde ist König und hat das Recht zu dieser Umdeklarierung.

Seit einiger Zeit gibt es bei “RP Online” sogenannte “Firmenporträts”. Dabei handelt es sich um Werbetexte von Anzeigenkunden, die man daran erkennt, dass sie im Ressort “Firmenporträt” veröffentlicht werden, Dachzeile und grafische Elemente blau (statt gelb) sind und ober- und unterhalb des Textes auf dessen Funktion als Anzeige hinweisen:

ANZEIGE BoConcept Düsseldorf und Köln: Null-Prozent-Finanzierung auf edle Designmöbel

RP ONLINE ist weder für den Inhalt der Anzeige noch für ggf. angebotene Produkte verantwortlich.

Man könnte also sagen, dass “RP Online” sich einigermaßen Mühe gegeben hat, die Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen einzuhalten — wäre da nicht die schlechte Angewohnheit von “RP Online”, fremde Texte als eigene auszugeben:

BoConcept Düsseldorf und Köln: Null-Prozent-Finanzierung auf edle Designmöbel (RPO) Vom 23.12.09 bis 06.01.2010 bietet der Einrichter BoConcept eine Null-Prozent-Finanzierung auf alle Neuaufträge. „Wir möchten möglichst vielen Menschen moderne Designmöbel zugänglich machen, das ist unsere Philosophie.“, so Arne Kristiansen, der Geschäftsführer von BoConcept NRW.

Outsource2india: Der Weg zur Traumfigur (RPO) Wir wissen alle genau, wie es funktioniert, dauerhaft seine Figur zu verbessern – Bewegung, vernünftige Ernährung, weniger Süßigkeiten, viel trinken, dann purzeln die Pfunde von allein.

Online zur SWK wechseln: Jetzt günstiger Strom für den Niederrhein. Sicher. Nah. (RPO) Die Strompreise steigen stetig. Weil das die Haushaltskosten zunehmend stark belastet, bieten die SWK STADTWERKE KREFELD AG in der Region Niederrhein ein Direktstromprodukt für private Stromkunden über das Internet an.

Zahnarztpraxis Dr. med. dent Dagmar Strosek: Anvida - Zahnersatz zum Nulltarif (RPO) Zahnersatz ist immer auch eine Kostenfrage. Immer mehr Haushalte und Familien müssen vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten gründlich rechnen, bevor sie zum Zahnarzt gehen. Gute Nachrichten für preisbewusste Patienten gibt es jetzt aus Düsseldorf: Dort wird die erste Anvida-Praxis von Dr. med. dent Dagmar Strosek und ihrem Team geführt.

Acht spezielle Tage vom 17. bis 25. Oktober: Roche-Bobois Düsseldorf in neuem Glanz (RPO) Mode ist, was in der Luft liegt, sagte einmal ein großer Designer. Voll im Trend. In dieser Saison lädt Roche-Bobois zur Entdeckung der Trend-Nuancen und Trend-Stimmungen ein. Rechtzeitig zu den 8 speziellen Tagen präsentiert Roche-Bobois  seinen Flagship Store Düsseldorf mit frisch renovierten und komplett neu gestalteten Räumen.

Überraschenderweise gar nicht als “Anzeige” gekennzeichnet ist übrigens der Link, der im Navigationsmenü von “Regionales” zu den “Mercedes-Benz-News” führt:

Mercedes-Benz-News

Dabei haben schon Gerichte entschieden, dass der Nutzer vor einem Klick wissen muss, ob er auf eine Anzeigenseite kommt oder auf redaktionelle Inhalte.

Mit Dank auch an Sebi.

Kategorie: Digital Ist Besser | Kommentare (1)

TV-Tipp: Der Wendler-Clan

Von Lukas am Sonntag, 3. Januar 2010 13:15

Was fällt Ihnen alles zum Thema “Dinslaken” ein? Dalli dalli!

Michael “Der” Wendler, selbsternannter König des Popschlagers und Botschafter der Stadt Dinslaken in der Welt des Glitzers und Glamours, hat jetzt endlich seine eigene TV-Serie über sich und seine Familie. Ich erwarte eine Mischung aus “This Is Spinal Tap” und “Die Fussbroichs” und freue mich, dass meine Hometown gefühlte 100 Jahre nach “Nase vorn” mal wieder einen regelmäßigen Sendeplatz im deutschen Fernsehen bekommt.

Stefan Niggemeier hat die erste Folge von “Der Wendler-Clan” schon gesehen und bremst ein wenig meine Euphorie. Allerdings kommt er ja auch nur aus Osnabrück …

Der Wendler-Clan
ab Sonntag, 3. Januar 2010
jeden Sonntag um 19 Uhr auf Sat.1

Kategorie: TV On The Radio | Kommentare (23)