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Digital Unterwegs

Ich will Dich treffen, wo es am schönsten war

New York, NY

Face­book macht mein Inter­net kaputt. Wann immer mir etwas halb­wegs beson­de­res wider­fährt oder ich etwas tol­les ent­de­cke, pos­te ich das bei Face­book und dann ist gut. Des­we­gen ver­waist die­ses Blog lang­sam aber sicher und wird nur noch befüllt, wenn sich bei mir genug nega­ti­ve Ener­gie ange­sam­melt hat. Das ist nicht gut.

Mar­kus Herr­mann ali­as Herm, der uns zum Bei­spiel das Oslog und das Dus­log so schön tape­ziert hat, war letz­te Woche in New York. Er hat unge­fähr alles, was er dort erlebt hat (dach­te ich zunächst, waren aber nur zehn Pro­zent des­sen), bei Face­book geteilt, sich hin­ter­her aber auch noch die Mühe gemacht, das aus­führ­li­cher im Blog zu beschrei­ben.

Er war in zahl­rei­chen Fern­seh­stu­di­os, bei Goog­le, an jeder denk­ba­ren Tou­ris­ten­at­trak­ti­on und hat Mark Hop­pus, Conan O’Bri­en und Elmo aus der Sesam­stra­ße getrof­fen. Ihm sind die unglaub­lichs­ten Din­ge pas­siert und man sieht beim Lesen förm­lich, wie er da mit gro­ßen Augen durch die Gegend tappst.

Womög­lich fin­de ich das alles beson­ders toll, weil ich Herms Begeis­te­rung für Pop­kul­tur und die USA tei­le (letz­te­res ein biss­chen ein­ge­schränkt, aber – love them or hate them – irgend­wie kann man sich dem ja nicht ent­zie­hen) und ich fast auf den Tag genau fünf Jah­re vor ihm in New York war und vie­les ganz ähn­lich erlebt habe.

In jedem Fall wäre es viel zu scha­de, wie­der nur auf den „Gefällt mir“-Button zu kli­cken. Des­we­gen sei­en Ihnen die Ein­trä­ge aus New York aus­drück­lich auch hier im Blog emp­foh­len:

Herm in New York

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Fernsehen Rundfunk Digital

Auswärtsspiel: TVLab

Auf ZDF_​neo star­tet dem­nächst das „TVLab“, wo völ­lig neu­ar­ti­ge TV-Kon­zep­te vor­ge­stellt und erprobt wer­den sol­len.

Beglei­tet wird das Pro­jekt von einem Blog und ich hat­te die Ehre, den ers­ten Ein­trag zu ver­fas­sen. Die Aus­gangs­fra­ge lau­te­te „Wor­über sol­len wir reden, wenn nicht über das Fern­se­hen?“ und – ohne zu viel zu ver­ra­ten – ich kom­me zu dem Schluss: über nichts, bit­te!

Der Bei­trag bei blog.zdf.de

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Politik Gesellschaft

Oh Gott, Herr Doktor

Da hät­te ja auch kei­ner mit rech­nen kön­nen, dass das The­ma „Pro­mo­ti­ons­ver­fah­ren an deut­schen Hoch­schu­len“ noch mal außer­halb der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz gesell­schaft­lich und medi­al ven­ti­liert wird. Aber die Fäl­le, in denen deut­sche Poli­ti­ker ihre Dok­tor­gra­de wegen aus­gie­bi­gen Pla­gi­ats nach­träg­lich wie­der aberkannt bekom­men, tre­ten in den letz­ten Mona­ten der­art ver­mehrt auf, dass man durch­aus von einer Häu­fung oder einem Trend spre­chen könn­te.

Zuletzt hat es Sil­va­na Koch-Mehrin erwischt, die Vor­zei­ge­frau der FDP. Die Poli­ti­ke­rin reagier­te dar­auf mit dem durch­aus humor­vol­len Ein­fall, ihren geplan­ten Wech­sel als Voll­mit­glied in den Aus­schuss für Indus­trie, For­schung (!) und Ener­gie des Euro­päi­schen Par­la­ments knall­hart durch­zu­zie­hen. Sie ersetzt dort ihren Par­tei­kol­le­gen Jor­go Chat­zi­markakis, des­sen Dok­tor­ar­beit der­zeit eben­falls – ich wünsch­te mir wirk­lich, ich wür­de mir das nur aus­den­ken – von der zustän­di­gen Uni­ver­si­tät wegen Pla­gi­ats­ver­dachts über­prüft wird. (Wenn Sie Ihrem Unmut über Frau Koch-Mehrins neue Auf­ga­be Aus­druck ver­lei­hen wol­len, emp­feh­le ich Ihnen die Zeich­nung die­ser klei­nen Online-Peti­ti­on.)*

Längst ist offen­sicht­lich, was im Früh­jahr eher ver­hal­ten geäu­ßert wur­de: Etwas ist faul im Staa­te Deutsch­land. 1 Die deut­sche Bil­dungs­mi­nis­te­rin Annet­te Scha­van reagier­te auf die Situa­ti­on, indem sie von den Uni­ver­si­tä­ten „Selbst­kri­tik“ for­der­te, was nun auch nicht unbe­dingt zu den zwei­hun­dert nahe­lie­gends­ten Gedan­ken gezählt hät­te. Dabei ist es ja gera­de der desas­trö­sen Hoch­schul­po­li­tik der ver­gan­ge­nen tau­send Jah­re 2 zu ver­dan­ken, dass an den Unis die Absol­ven­ten und Dok­to­ren gleich­sam am Fließ­band pro­du­ziert wer­den: Jeder zusätz­li­che von ihnen sorgt für mehr Punk­te in den unsäg­li­chen „Hoch­schul-Ran­kings“ und für mehr Dritt­mit­tel.

Kath­rin Spoerr hat das haus­ge­mach­te Dilem­ma in ihrem Leit­ar­ti­kel in „Welt kom­pakt“ gut zusam­men­ge­fasst:

Das Pro­blem ist aber nicht, dass zu vie­le pro­mo­vie­ren, son­dern, dass die deut­schen Uni­ver­si­tä­ten von der Poli­tik im Unkla­ren gelas­sen wer­den über ihren künf­ti­gen Sinn. For­mel­haft wird an „For­schung und Leh­re“ fest­ge­hal­ten, tat­säch­lich aber kom­men immer weni­ger Pro­fes­so­ren neben ihren vie­len Pflich­ten rund ums Leh­ren dazu, for­schen zu kön­nen. Sie hal­ten Vor­le­sun­gen und Prü­fun­gen, ver­schwen­den in über­flüs­si­gen Gre­mi­en Arbeits- und Lebens­zeit, und ein immer grö­ßer wer­den­der Teil ihrer Ener­gie muss in Stel­lung­nah­men zu Stu­den­ten­kla­gen inves­tiert wer­den, die mit ihren Noten unzu­frie­den waren. Zeit und vor allem Ruhe für For­schung bleibt wenig.

Dabei, so Spoerr, bewei­se die Bereit­schaft von Pro­fes­so­ren, „auch Men­schen zu pro­mo­vie­ren, die nicht Wis­sen­schaft­ler wer­den wol­len“, „deut­lich mehr Gespür für die Gesell­schaft und ihre Anfor­de­run­gen als die schein­hei­li­gen Mah­nun­gen von Scha­van“. Womit wir beim eigent­li­chen Kern des Pudels 3 Pro­blems wären: Der Dok­tor­ti­tel ist eigent­lich ein aka­de­mi­scher Grad und kein Ornat für Visi­ten­kar­ten und Mes­sing­schil­der.

Direkt zu Beginn mei­nes Stu­di­ums gaben sich mei­ne Dozen­ten größ­te Mühe, den Ball flach zu hal­ten: Pro­fes­so­ren woll­ten unter kei­nen Umstän­den mit „Herr Pro­fes­sor“ ange­spro­chen oder ange­schrie­ben wer­den und Dok­to­ren stell­ten klar, dass ihr Titel nun ein­mal Teil ihrer Arbeit und eine Spros­se auf der aka­de­mi­schen (wohl­ge­merkt!) Kar­rie­re­lei­ter sei. Ein Dozent sag­te, er ver­wen­de sei­nen Dok­tor­ti­tel eigent­lich nur, wenn ihm Ärz­te oder Sprech­stun­den­hil­fen blöd kämen – mit einem Dok­tor (weiß ja kei­ner, wel­cher Pro­fes­si­on) wür­den die dann gleich ganz anders spre­chen.

Das war eine völ­lig neue Welt­sicht für mich. Ich war es eher gewohnt, dass mein Groß­va­ter (an dem in Sachen Titel­hu­be­rei min­des­tens ein Öster­rei­cher ver­lo­ren gegan­gen ist) selbst enge Freun­de in deren Abwe­sen­heit als „Pro­fes­sor“ bezeich­net und Geburts­tags­ein­la­dun­gen an die Fami­lie sei­nes Schwie­ger­sohns an „Fami­lie Dr. med.“ adres­siert. 4 In mei­ner Hei­mat­stadt lie­fen Men­schen rum, die sich ihren frisch erwor­be­nen Dok­tor­ti­tel nach­träg­lich mit der eige­nen Schreib­ma­schi­ne auf ihren Leihaus­weis der Stadt­bi­blio­thek setz­ten.

An die­sem Punkt setzt der Gast­bei­trag an, den Fritz Strack, Pro­fes­sor für Sozi­al­psy­cho­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Würz­burg, für „Spie­gel Online“ geschrie­ben hat. Strack (für mei­nen Opa: „Pro­fes­sor Strack“) beginnt bei der in Deutsch­land übli­chen, bei Licht betrach­tet eher exo­ti­schen Tra­di­ti­on, den Dok­tor­ti­tel im Per­so­nal­aus­weis zu ver­mer­ken.

Durch die wie­der­hol­te Ver­knüp­fung von Namen und Grad wird die Anre­de „Herr oder Frau Dok­tor“ als Höf­lich­keits­ge­bot obli­ga­to­risch, die dann dem­je­ni­gen all­mäh­lich das Gefühl gibt, der Dok­tor sei doch Teil des eige­nen Namens. Die Ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Gebrauch auf Tür­schil­dern, Brief­köp­fen und beim Ein­trä­gen ins Tele­fon­buch wer­den zur Selbst­ver­ständ­lich­keit.

Damit wer­de der Dok­tor­grad zu „einer Art Adels­ti­tel“, mit des­sen Hil­fe das gesell­schaft­li­che Pres­ti­ge „aus eige­ner Kraft erwor­ben und für den per­sön­li­chen und beruf­li­chen Vor­teil genutzt wer­den“ kön­ne.

War­um wohl woll­ten sonst so vie­le Leu­te pro­mo­vie­ren? Es sind eben nicht nur Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler, die eine beruf­li­che Tätig­keit in For­schung und Leh­re anstre­ben. Vie­le sind ein­fach scharf auf das zusätz­li­che Geld und die Kar­rie­re­chan­cen, die die Titel­funk­ti­on des fak­ti­schen Namens­zu­sat­zes mit sich brin­gen. Vor allem für den Auf­stieg in Füh­rungs­po­si­tio­nen in Wirt­schaft oder Poli­tik ist ein sicht­ba­rer Dok­tor­grad von unschätz­ba­rem Vor­teil.

Das unter­schei­det die­se Men­schen von mei­nen beschei­de­nen Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lern an der Uni: Für sie ist der Dok­tor­grad ein Mit­tel zum Zweck, der ihnen Instant-Anse­hen brin­gen soll. Dabei soll­te die Dok­tor­ar­beit eigent­lich Beru­fung und Haupt­auf­ga­be im aka­de­mi­schen All­tag sein und nichts, was man über Jah­re neben sei­ner „Berufs- und Abge­ord­ne­ten­tä­tig­keit als jun­ger Fami­li­en­va­ter in mühe­volls­ter Klein­ar­beit“ (Ex-Dok­tor Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg) zum eige­nen Schmu­cke vor­an­treibt. Über­spitzt gesagt ist die Dok­tor­ar­beit etwas, was einen am Hun­ger­tuch nagen lässt und einem außer Erkennt­nis­ge­winn und Respekt in der Wis­sen­schafts­ge­mein­de nichts ein­brin­gen soll­te – zumin­dest kei­nen beschleu­nig­ten Auf­stieg in Poli­tik und Wirt­schaft.

Strack lei­tet aus sei­nem Essay zwei Kern­for­de­run­gen ab: Eine Ände­rung des deut­schen Per­so­nal­aus­weis­ge­set­zes und eine Refor­ma­ti­on der Pro­mo­ti­ons­re­geln für Medi­zi­ner. Ich fin­de, das klingt nach einem guten Anfang.

In den Medi­en ist der Anteil der Dok­to­ren übri­gens eher über­schau­bar, wes­we­gen man sich mit einem ande­ren Pres­ti­ge-Gene­ra­tor zu behel­fen ver­sucht: Hier ist fast jeder Trä­ger irgend­ei­nes Medi­en­prei­ses.

*) Nach­trag, 26. Juni: Frau Koch-Mehrin ver­zich­tet auf ihren Sitz im Aus­schuss für Indus­trie, For­schung und Ener­gie.

  1. Ver­ball­hor­nung des Aus­spruchs „Etwas ist faul im Staa­te Däne­mark“ („Some­thing is rot­ten in the sta­te of Den­mark“) aus Wil­liam Shake­speares Dra­ma „Ham­let“ (Mar­cel­lus, Akt 1, Sze­ne 4).[]
  2. Anspie­lung auf den Slo­gan „Unter den Tala­ren: Muff von tau­send Jah­ren“ der Stu­den­ten­pro­tes­te in den spä­ten 1960er Jah­ren.[]
  3. Wohl­fei­ler Ver­weis auf den Aus­ruf „Das also war des Pudels Kern!“ in Johann Wolf­gang Goe­thes Tra­gö­die „Faust“ (Faust, Stu­dier­zim­mer­sze­ne, Zei­le 1323).[]
  4. Wobei die­ses Ver­hal­ten nicht auf schnö­de Dok­to­ren- und Pro­fes­so­ren­ti­tel beschränkt ist: es gibt ja auch noch Diplom-Inge­nieu­re, Stadt­bau­rä­te und Mark­schei­der. Nur ich war­te bis­her ver­geb­lich auf Post an Lukas Hein­ser, B.A. – was aber irgend­wie auch ganz beru­hi­gend ist.[]
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Most People Are DJ’s

Die Dis­kus­si­on um die omi­nö­se Dok­tor­ar­beit von Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg erreicht in schwin­del­erre­gen­dem Tem­po immer neue Meta-Ebe­nen: Ulf Pos­ch­ardt, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur der „Welt am Sonn­tag“ und Her­aus­ge­ber von „Rol­ling Stone“, „Musik­ex­press“ und „Metal Ham­mer“, ver­öf­fent­lich­te am Sams­tag in der „Welt“ einen Auf­satz über die Kul­tur­tech­nik des Sam­plings und des Mash-Ups.

In gewohnt unein­deu­ti­gem Oszil­lie­ren zwi­schen Ernst und Iro­nie ernennt er zu Gut­ten­berg zum „Jay‑Z der bür­ger­li­chen Poli­tik“, ver­weist auf Hegel und fabu­liert:

Sam­pling ist eine eben­so moder­ne wie kon­ser­va­ti­ve Kul­tur­tech­nik. Sie passt zu Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg. Beim jün­ge­ren Publi­kum wird die Erre­gung über sei­nen Umgang mit Zita­ten die Zunei­gung eher ver­stär­ken, hat es sich doch in Zei­ten des Copy and Pas­te dar­an gewöhnt, einen Teil sei­ner Schul- und Uni­leis­tun­gen durch vir­tuo­se Quel­len­re­cher­che zu per­fek­tio­nie­ren. Die schlich­te­ren Gemü­ter lie­fern dabei ab, was gewünscht war: eine ver­meint­lich kennt­nis­rei­che Text­ober­flä­che. Post­mo­der­ne Eli­ten jedoch ver­sin­ken in den durch digi­ta­le Net­ze unend­lich gewor­de­nen Quel­len, um an ihnen zu wach­sen und die Gren­zen des eige­nen Wis­sens zu über­win­den.

Pos­ch­ardt muss es wis­sen: Sein gan­zer Arti­kel ist eine gere­mix­te Sin­gle-Ver­si­on sei­ner eige­nen Dok­tor­ar­beit, die unter dem Titel „DJ Cul­tu­re“ als Buch eine sehr viel höhe­re Auf­la­ge erziel­te als zu Gut­ten­bergs Dis­ser­ta­ti­on.

Ulf Pos­ch­ardt: Die DJ-Revo­lu­ti­on frisst ihre Kin­der

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Kultur

Es gilt das erbrochene Wort

Ich ver­eh­re Jochen Malms­hei­mer seit mehr als einer Deka­de. Ich schrie­be nicht, wenn er und sein dama­li­ger Tre­sen­le­sen-Kol­le­ge Frank Goo­sen mir nicht gezeigt hät­ten, was man alles Schö­nes mit der deut­schen Spra­che anfan­gen kann (der Rest mei­nes Schrei­bens stützt sich auf die Gesamt­wer­ke von Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re, Chris­ti­an Kracht und natür­lich Max Goldt). Des­halb freut es mich beson­ders, dass Herrn Malms­hei­mer das gelun­gen ist, was in unse­rer bei­der Hei­mat­stadt Bochum maxi­mal alle zwei Wochen pas­siert: Er hat einen „Eklat“ aus­ge­löst.

Ort und Grund war die Eröff­nung des Zelt­fes­ti­vals Ruhr, das auch in die­sem Jahr wie­der hoch­ka­rä­ti­ge Künst­ler, aber auch Acts wie Ich + Ich, die Simp­le Minds oder die H‑BlockX an den Gesta­den des male­ri­schen Kem­n­ader Sees ver­sam­melt. Malms­hei­mer war gela­den, ein Gruß­wort zu spre­chen, und er nutz­te die Gele­gen­heit, dass die gesam­te Stadt­spit­ze wehr­los vor ihm saß, zu einer „Sua­da“ („West­deut­sche All­ge­mei­ne Zei­tung“), um „vom Leder zu zie­hen“ (ebd.), zu einer „Lita­nei“ („Ruhr Nach­rich­ten“) und um zu „scho­cken“ (ebd.).

Da ich nicht zu den rund 500 gela­de­nen Wür­den­trä­gern aus Poli­tik, Wirt­schaft und Kul­tur gehör­te (it’s a long way to the top, even in Bochum), muss ich mich auf die Aus­zü­ge aus der elf­sei­ti­gen Rede ver­las­sen, die die „Ruhr Nach­rich­ten“ ins Inter­net gestellt haben. Die­se gefal­len mir jedoch außer­or­dent­lich.

Zum Bei­spiel das, was Malms­hei­mer über das geplan­te, jedoch nicht vor der Wie­der­kehr Chris­ti fer­tig­ge­stell­te Bochu­mer Kon­zert­haus zu sagen hat:

…dies ist die Stadt, die voll­mun­dig, um nicht zu sagen: groß­mäu­lig, die Not­wen­dig­keit zur Instal­la­ti­on eines voll­kom­men unnüt­zen Kon­zert­hau­ses ver­kün­det, ohne einen Bedarf dafür zu haben und die Kos­ten des lau­fen­den Betrie­bes decken zu kön­nen, und das alles in einem Kul­tur­raum, der inzwi­schen über mehr nicht aus­ge­las­te­te Kon­zert­häu­ser ver­fügt, als er Orches­ter unter­hält, und die das alles dann doch nicht hin­kriegt, weil der Regie­rungs­prä­si­dent zum Glück sol­chen und ähn­li­chen Unfug einer Gemein­de unter­sagt hat, die ihre Rech­nun­gen in einer Grö­ßen­ord­nung im Kel­ler ver­schlampt, die unser­ei­nen für Jah­re in den Knast bräch­te und die finan­zi­ell noch nicht mal in der Lage ist, die Frost­schä­den des letz­ten Win­ters im Stra­ßen­netz zu besei­ti­gen…

Den gekürz­ten Rest gibt’s auf ruhrnachrichten.de.

Malms­hei­mers Wor­te jeden­falls ver­fehl­ten nicht ihr Ziel. Ober­bür­ger­meis­te­rin Otti­lie Scholz ließ eine erneu­te Ein­la­dung, sich zu bla­mie­ren, nicht unge­nutzt ver­fal­len, wie die „WAZ“ berich­tet:

Die Ober­bür­ger­meis­te­rin beschwer­te sich bei den Ver­an­stal­tern, die­se distan­zier­ten sich sogleich von ihrem Gast; in sei­nem „pola­ri­sie­ren­den Vor­trag“ habe Malms­hei­mer „für sich selbst gespro­chen“.

Das hat­te Malms­hei­mer selbst frei­lich direkt klar­ge­stellt – aber dafür hät­te man ihm natür­lich zuhö­ren müs­sen:

Dabei möch­te ich gleich zu Beginn dar­auf hin­wei­sen, dass ich, anders als jene, die vor mir adres­sier­ten, aus­schließ­lich für mich sel­ber spre­che, eine Fähig­keit, die ich mir unter Mühen antrai­nier­te und die mich eigent­lich seit­dem hin­rei­chend aus­füllt.

[via Jens]

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Digital Gesellschaft

silence.

Ich woll­te was schrei­ben.

Muss ich jetzt nicht mehr.

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Musik Rundfunk

Die Definition von Pop

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Lady data-epi-spa­cing Gaga data-epi-spa­cing – data-epi-spa­cing Ale­jan­dro data-epi-spa­cing – data-epi-spa­cing MyVi­deo

Mau­ra data-epi-spa­cing John­s­ton data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing Jay data-epi-spa­cing Smooth data-epi-spa­cing haben data-epi-spa­cing sich data-epi-spa­cing bei data-epi-spa­cing NPR data-epi-spa­cing aus­gie­big data-epi-spa­cing Gedan­ken data-epi-spa­cing dar­über data-epi-spa­cing gemacht data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing erklä­ren data-epi-spa­cing in data-epi-spa­cing drei­ein­halb data-epi-spa­cing Minu­ten data-epi-spa­cing mal data-epi-spa­cing eben, data-epi-spa­cing wie data-epi-spa­cing Pop­mu­sik data-epi-spa­cing funk­tio­niert.

Lady data-epi-spa­cing Gaga data-epi-spa­cing Vs. data-epi-spa­cing Ace data-epi-spa­cing Of data-epi-spa­cing Base data-epi-spa­cing bei data-epi-spa­cing npr.org

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Digital Gesellschaft

Kolossale Analogie

Screenshot: analogejugend.tumblr.comBei mei­nen Ver­su­chen, wie­der mal der Letz­te zu sein, der einen Inter­net-Hype ent­deckt hat, bin ich auf das Blog „Ana­lo­ge Jugend“ gesto­ßen.

Ver­se­hen mit Über­schrif­ten aus den schöns­ten deutsch­spra­chi­gen Pop­songs der letz­ten 20 Jah­re fin­den sich dort Fotos aus einer fer­nen Welt:

Ana­lo­ge Jugend is a blog about the last gene­ra­ti­on of kids gro­wing up wit­hout social media, digi­tal came­ras and a despe­ra­te force of self-expres­si­on.

Ich weiß nicht, wie die­se Fotos auf … sagen wir mal: heu­te 15-Jäh­ri­ge wir­ken (mut­maß­lich: „antik“), aber ich fand das Blog beim Durch­kli­cken glei­cher­ma­ßen herz­er­wär­mend und beun­ru­hi­gend: Etwa bei jedem zwei­ten Bild war ich mir sicher, frü­he­re Klas­sen­ka­me­ra­den oder mich selbst ent­deckt zu haben.

Mit frap­pie­ren­der Deckungs­gleich­heit krei­sen die Bil­der um Klas­sen­fahr­ten (und damit um Rei­se­bus­se, holz­ver­klei­de­te Par­ty­räu­me und und Regen­ja­cken), um Strän­de an Mee­ren und Bag­ger­seen und um sehr viel Blöd­sinn mit und ohne Alko­hol.

Mit die­sem unschein­ba­ren, aber kul­tur­his­to­risch wich­ti­gen Blog wäre dann auch gleich mal mit dem läs­ti­gen Gerücht auf­ge­räumt, wonach „die Jugend­li­chen“ „ja“ „heut­zu­ta­ge“ alle gleich aus­sä­hen.

Sie taten es immer schon:

Jugendliche, irgendwo in Deutschland, 1997.

Jugendliche, irgendwo in Deutschland, 2000.

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Rundfunk

Redaktionsräume gesucht

Ruhr-Uni Bochum

An der Ruhr-Uni Bochum wird so lang­sam aber sicher die drin­gend not­wen­di­ge Sanie­rung in Angriff genom­men. Das ist gut, hat aber einen klei­nen bis mit­tel­gro­ßen Nach­teil: Mein frü­he­rer Hei­mat­sen­der CT das radio wird dadurch … äh: obdach­los.

Jetzt ist die der­zei­ti­ge Mann­schaft des Cam­pus­ra­di­os auf der Suche nach einer neu­en Blei­be, die – so neh­me ich an – in Uni­nä­he lie­gen und wenig bis nichts kos­ten soll­te. Und da dach­te ich, viel­leicht haben Sie ja eine Idee.

Das ambi­tio­nier­te Immo­bi­li­en­groß­pro­jekt in Innen­stadt­nä­he ist ja noch lan­ge nicht fer­tig.

Für Vor­schlä­ge sind die Kol­le­gen dank­bar und es gibt sogar etwas zu gewin­nen.

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Sport

Eine neue Liga ist wie ein neues Leben

Das war nicht schön, am Sams­tag in der Stamm­knei­pe zu ste­hen und den VfL Bochum mit hän­gen­den Fah­nen unter­ge­hen zu sehen. Als Fan von Borus­sia Mön­chen­glad­bach ist man zwar Kum­mer gewohnt (und nach dem 1:6 in Han­no­ver, das die Bochu­mer in die unglück­li­che Aus­gangs­la­ge vor dem letz­ten Spiel­tag brach­te, auch nicht frei von schlech­tem Gewis­sen), aber die­ses kampf- und lieb­lo­se Geki­cke da tat schon weh.

Noch wäh­rend sich die Stadt von die­sem Tief­schlag zu erho­len ver­such­te (was bei die­sem grau­en Wet­ter noch ein wenig län­ger dau­ert), hat Frank Goo­sen, Kaba­ret­tist, Schrift­stel­ler und treu­er VfL-Fan eine Brand­re­de … äh: geschrie­ben, die „Der Wes­ten“ ges­tern ver­öf­fent­licht hat.

Es ist eine bit­te­re Abrech­nung, die den Tau­sen­den Fans aus der See­le spre­chen dürf­te, die immer zu ihrem Ver­ein gehal­ten haben, nur um irgend­wann fest­zu­stel­len, dass ihr Ver­ein eini­ge struk­tu­rel­le Pro­ble­me hat:

Die­ser Ver­ein ist mitt­ler­wei­le durch­sup­pt von einem Ges­tus der Mit­tel­mä­ßig­keit, einer Hal­tung, die kein Ziel, kei­ne Visi­on kennt, nur Lan­ge­wei­le. Wer ein­mal das Glück hat­te, den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den auf einer Sai­son­ab­schluss­fei­er spre­chen zu hören, weiß, wo das her­kommt: Nicht der VfL Wolfs­burg sei deut­scher Meis­ter gewor­den, hieß es da, son­dern VW. Auf dem zwei­ten Platz sei­en Alli­anz und Tele­kom gelan­det. Und so wei­ter. So rich­tet man sich in einer Opfer­rol­le ein, die im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes un-sport­lich ist. Kein Rhön­rad­fah­rer kann sei­nen Sport mit die­sem Habi­tus betrei­ben

Trotz all der (sicher­lich berech­tig­ten) Vor­hal­tun­gen ist Goo­sens Text nicht durch­weg nega­tiv. Er zeigt sogar neue Mög­lich­kei­ten auf:

Wie gesagt, der Ver­ein braucht eine Iden­ti­tät und eine Idee von sich selbst. Er braucht auf allen Ebe­nen Per­so­nal, das die­se Idee ver­kör­pert und dafür kämpft. Wir wol­len wie­der Lust auf unse­ren Ver­ein haben. Wenn es dafür nötig ist, ihn umzu­bau­en, soll­ten wir sofort damit anfan­gen

Für mich klingt das, als habe da jemand sei­nen Hut in den Ring gewor­fen.

„Gebt uns unse­ren Ver­ein zurück“ bei „Der Wes­ten“

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Auswärtsspiel: Lieder unseres Lebens

Auf der Lis­te der Din­ge, die ich in mei­nem Leben unbe­dingt mal tun woll­te, kann ich einen wei­te­ren Punkt abha­ken.

Nein, nicht „Sex bei Schwe­re­lo­sig­keit“. Aber ein Text von mir steht jetzt bei „RP Online“.

Die Kol­le­gen der sehr emp­feh­lens­wer­ten Jugend­bei­la­ge „Herz­ra­sen“ betrei­ben dort die Serie „Lie­der unse­res Lebens“ und ich durf­te einen Gast­bei­trag schrei­ben. Weil ich bei der letz­ten ähn­lich gela­ger­ten Akti­on schon „Such Gre­at Heights“ von The Pos­tal Ser­vice gefei­ert habe, ist die­ses Mal was ande­res dran.

Lie­der unse­res Lebens: Still Fight­ing It (Ben Folds)

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Klickbefehl (25)

[…] Ich bin der Sohn eines Grie­chen, der wäh­rend der Mili­tär­dik­ta­tur nach Deutsch­land emi­griert ist, und nach dem Ende der Jun­ta in den grie­chi­schen Staats­dienst gegan­gen ist, weil er gelernt hat, dass Demo­kra­tie etwas ist, das man sich jeden Tag erar­bei­ten muss. Und ich habe in mei­nem gan­zen Leben noch nie einen Men­schen getrof­fen, der auch nur annä­hernd so viel arbei­tet wie mein Vater. Heu­te liest er offe­ne Brie­fe in der Bild-Zei­tung, im Stern und wo nicht noch alles, in denen Jour­na­lis­ten Deutsch­land zur rei­chen Tan­te fan­ta­sie­ren, die jetzt aber streng mit ihrem fre­chen Nef­fen sein muss, weil der so unver­ant­wort­lich mit ihrem Geld her­um­wirft. Ich bin selbst Jour­na­list und ich schä­me mich, wenn ich dar­an den­ke, dass mein Vater das liest. […]

Ich kann die Ver­ach­tung nicht in Wor­te fas­sen, die ich für die Kol­le­gen mit ihren offe­nen Brie­fen emp­fin­de, die sich ohne jede Recher­che einen demü­ti­gen­den Witz nach dem ande­ren aus den Fin­gern gesaugt haben, die sehen­den Auges Vor­ur­tei­le bis hin zum ras­sis­ti­schen Hass geschürt haben und die dabei nichts erreicht haben als den Zockern in den ent­spre­chen­den Invest­ment­ban­ken noch ein biss­chen in die Hän­de zu spie­len. […]

Mich­a­lis Pan­te­lou­ris, Ham­bur­ger Jour­na­list mit grie­chi­schen Vor­fah­ren, schreibt in sei­nem Blog Print Würgt über die media­le Het­ze von „Bild“ und Kon­sor­ten.