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Und wieder mal besiegt

Nach der desas­trö­sen letz­ten Sai­son und dem Abstieg aus der 1. Bun­des­li­ga muss sich eini­ges ändern beim VfL Bochum. Des­halb kam es zur Grün­dung der Initia­ti­ve „Wir sind VfL“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, „die bestehen­den Ver­eins­struk­tu­ren und die sport­li­che Zukunft des VfL Bochum nicht nur kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, son­dern kon­struk­tiv und offen­siv mit­zu­ge­stal­ten“.

Zur Unter­stüt­zung und Unter­ma­lung die­ser Akti­on hat mein Kum­pel Tom­my Fin­ke ein Lied über den VfL auf­ge­nom­men:

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„Wir sind VfL (Jetzt erst recht!)“ kann man sich auf Tom­mys Web­site kos­ten­los her­un­ter­la­den.

Nach „Das hier ist Fuß­ball“ von Thees Uhl­mann über den FC St. Pau­li fehlt mir jetzt eigent­lich nur noch ein Borus­sia-Mön­chen­glad­bach-Song von Simon den Har­tog in mei­ner Samm­lung.

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Abseitige Klagen

„Das nicht gege­be­ne Tor war der Knack­punkt des Spiels. Das Spiel wäre ganz anders gelau­fen. Die Deut­schen haben ein gutes Team mit viel Qua­li­tät. Sie haben eine gute Chan­ce, die WM zu gewin­nen.“

Soweit der eng­li­sche Mit­tel­feld­spie­ler James Mil­ner laut „FR Online“.

Trai­ner Fabio Capel­lo äußer­te sich dem­nach wie folgt:

„Es wäre für uns sehr wich­tig gewe­sen, dass zwei­te Tor aner­kannt zu bekom­men. Ich ver­ste­he nicht, war­um wor in unser heu­ti­gen Zeit mit soviel Tech­no­lo­gie immer noch über sol­che Din­ge reden müs­sen. Ich glau­be, dass wir nach dem 1:2 gut gespielt haben. Es hät­te 2:2 ste­hen müs­sen. Was danach pas­siert, war ent­täu­schend auf­grund der Feh­ler. Die Deut­schen haben ihre Kon­ter sehr gut gefah­ren. Deutsch­land ist eine gro­ße Mann­schaft und hat gut gespielt, wir haben Feh­ler gemacht, aber der Schieds­rich­ter hat einen noch grö­ße­ren gemacht. Aber das ist Fuß­ball.“

Wer­fen wir nun einen Blick auf die „Stim­men zum Spiel“ auf der offi­zi­el­len Web­site des Fuß­ball­welt­ver­bands FIFA:

Dort sagt Mil­ner voll­stän­dig:

„Die Deut­schen haben ein gutes Team mit viel Qua­li­tät. Sie haben eine gute Chan­ce, die WM zu gewin­nen.“

Und Capel­lo doziert:

„Wir haben gut gespielt, Deutsch­land ist eine der größ­ten Mann­schaf­ten hier. Wir haben eini­ge Feh­ler gemacht, die haben sie mit Kon­tern aus­ge­nutzt. Die klei­nen Din­ge ent­schei­den immer über die Ergeb­nis­se. Nach dem drit­ten Gegen­tor waren wir etwas nie­der­ge­schla­gen. Der Feh­ler war, nach ein­ge­nem Frei­stoß den Kon­ter zum Tor zu bekom­men.“

Mit kei­nem Wort geht die FIFA auf das nicht gege­be­ne Tor für Eng­land ein und auch zum Spiel Argen­ti­ni­en gegen Mexi­ko gibt es auf fifa.com kei­ner­lei Kri­tik am Schieds­rich­ter, der ein Tor für Argen­ti­ni­en gege­ben hat­te, nach­dem er auf der Sta­di­on­lein­wand gese­hen hat­te, dass es ein­deu­tig Abseits war.

Offen­bar sieht die FIFA noch schlech­ter als die Schieds­rich­ter, die sie bei die­ser WM ein­setzt.

Mit Dank auch an Sebas­ti­an.

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Gunter Sachs will längere Latte

Die Nicht­mel­dung des Jahr­zehnts ent­neh­men wir heu­te – Wer hät­te das gedacht? – „RP Online“:

Sieben Zentimeter pro Seite: Playboy-Legende fordert größere Tore. Düsseldorf (RPO). Fotograf Gunter Sachs fordert eine Vergrößerung der Fußball-Tore, damit die Torausbeute wieder in die Höhe geht. Die Playboy-Legende will die Tore um sieben Zentimeter an beiden Seiten und um neun Zentimeter nach oben ausweiten.

Ein­ge­sandt von Dia­man­dis.

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Musik Sport

Fähnchen im Wind

Eines der bes­ten Alben des ver­gan­ge­nen Jah­res ist ganz klar „Trou­ba­dour“ von K’na­an. Die­ses phä­no­me­na­le Hip-Hop-Album des gebür­ti­gen Soma­liers hat es hier im Blog auf kei­ne Lis­te geschafft, weil ich es (wie üblich) zu spät ent­deckt habe – sei­ne Taug­lich­keit als Reno­vie­rungs- und Umzugs­sound­track hat es im Janu­ar dann aber voll unter Beweis gestellt.

Zu den bes­ten Songs des Albums zählt die­ser hier, „Wavin‘ Flag“:

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Als ich hör­te, dass „Wavin‘ Flag“ die Hym­ne der Fuß­ball-WM wer­den soll, dach­te ich: „Geil. End­lich mal nicht so ein auf­ge­drück­ter Mist wie Ana­sta­cia (2002) oder so ein halb­ga­res Amal­gam wie bei Her­bert Grö­ne­mey­er (2006), son­dern ein jun­ger, auf­stre­ben­der Künst­ler mit einer Bot­schaft!“, und ich sah die Men­schen schon in den Stra­ßen ihre Fah­nen schwen­ken.

Nun ja: „Wavin‘ Flag“ ist der Wer­be­song eines Limo­na­den­her­stel­lers, der weder mit Afri­ka noch mit Fuß­ball son­der­lich viel am Hut hat, aber lang­jäh­ri­ger Part­ner des Fuß­ball­welt­ver­bands FIFA ist. Der Song bekam ein, zwei Make­overs ver­passt, bis zum Bei­spiel das hier pas­sier­te:

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Aus dem Text wur­den die aller­meis­ten Ver­wei­se auf Armut, Hun­ger und Krieg getilgt, jetzt wird nur noch lus­tig gefei­ert – das Span­nungs­feld, das den Song mal aus­ge­macht hat, ist kaputt, dafür gibt es Nach­schub für die Sta­di­on-Mit­gr­öl-Chö­re. Das alles ist immer noch okay und bes­ser als die Bei­trä­ge von Ana­sta­cia und – bei allem Respekt – Her­bert Grö­ne­mey­er, nur irgend­wie ist es auch ziem­lich weich­ge­spült, um auch ja in jedem Win­kel der Welt gut rüber­zu­kom­men.

Wesent­lich span­nen­der ist da das Mix­tape „The Mes­sen­gers“, das K’na­an gemein­sam mit J.Period zusam­men­ge­stellt hat: Nach­ein­an­der wer­den Fela Kuti, Bob Mar­ley und Bob Dylan gewür­digt, was – vor allem bei Dylan, der auf den ers­ten Blick nicht so ganz in die musi­ka­li­sche Linie pas­sen will – groß­ar­tig funk­tio­niert.

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Sport

Eine neue Liga ist wie ein neues Leben

Das war nicht schön, am Sams­tag in der Stamm­knei­pe zu ste­hen und den VfL Bochum mit hän­gen­den Fah­nen unter­ge­hen zu sehen. Als Fan von Borus­sia Mön­chen­glad­bach ist man zwar Kum­mer gewohnt (und nach dem 1:6 in Han­no­ver, das die Bochu­mer in die unglück­li­che Aus­gangs­la­ge vor dem letz­ten Spiel­tag brach­te, auch nicht frei von schlech­tem Gewis­sen), aber die­ses kampf- und lieb­lo­se Geki­cke da tat schon weh.

Noch wäh­rend sich die Stadt von die­sem Tief­schlag zu erho­len ver­such­te (was bei die­sem grau­en Wet­ter noch ein wenig län­ger dau­ert), hat Frank Goo­sen, Kaba­ret­tist, Schrift­stel­ler und treu­er VfL-Fan eine Brand­re­de … äh: geschrie­ben, die „Der Wes­ten“ ges­tern ver­öf­fent­licht hat.

Es ist eine bit­te­re Abrech­nung, die den Tau­sen­den Fans aus der See­le spre­chen dürf­te, die immer zu ihrem Ver­ein gehal­ten haben, nur um irgend­wann fest­zu­stel­len, dass ihr Ver­ein eini­ge struk­tu­rel­le Pro­ble­me hat:

Die­ser Ver­ein ist mitt­ler­wei­le durch­sup­pt von einem Ges­tus der Mit­tel­mä­ßig­keit, einer Hal­tung, die kein Ziel, kei­ne Visi­on kennt, nur Lan­ge­wei­le. Wer ein­mal das Glück hat­te, den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den auf einer Sai­son­ab­schluss­fei­er spre­chen zu hören, weiß, wo das her­kommt: Nicht der VfL Wolfs­burg sei deut­scher Meis­ter gewor­den, hieß es da, son­dern VW. Auf dem zwei­ten Platz sei­en Alli­anz und Tele­kom gelan­det. Und so wei­ter. So rich­tet man sich in einer Opfer­rol­le ein, die im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes un-sport­lich ist. Kein Rhön­rad­fah­rer kann sei­nen Sport mit die­sem Habi­tus betrei­ben

Trotz all der (sicher­lich berech­tig­ten) Vor­hal­tun­gen ist Goo­sens Text nicht durch­weg nega­tiv. Er zeigt sogar neue Mög­lich­kei­ten auf:

Wie gesagt, der Ver­ein braucht eine Iden­ti­tät und eine Idee von sich selbst. Er braucht auf allen Ebe­nen Per­so­nal, das die­se Idee ver­kör­pert und dafür kämpft. Wir wol­len wie­der Lust auf unse­ren Ver­ein haben. Wenn es dafür nötig ist, ihn umzu­bau­en, soll­ten wir sofort damit anfan­gen

Für mich klingt das, als habe da jemand sei­nen Hut in den Ring gewor­fen.

„Gebt uns unse­ren Ver­ein zurück“ bei „Der Wes­ten“

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Ein Denkmal für Heiko Herrlich

Hei­ko Herr­lich war der Größ­te. Zumin­dest war er einer der ganz Gro­ßen in der gol­de­nen Bun­des­li­ga-Sai­son 94/​95, als Borus­sia Mön­chen­glad­bach nahe­zu alles gelang. Mit Mar­tin Dah­lin bil­de­te er den effek­tivs­ten Sturm der Liga und wur­de am Ende Tor­schüt­zen­kö­nig. Beim DFB-Pokal­fi­na­le gegen den VfL Wolfs­burg schos­sen die über­ra­gen­den Män­ner der Sai­son die Tore: Dah­lin, Ste­fan Effen­berg und natür­lich Hei­ko Herr­lich. Es war die Krö­nung einer groß­ar­ti­gen Sai­son und für einen elf­jäh­ri­gen Jun­gen im Ber­li­ner Olym­pia­sta­di­on war klar, dass es der Auf­takt einer neu­en Ära für die Borus­sen sein wür­de. Wir wür­den um die Meis­ter­schaft mit­spie­len und ich wür­de spä­ter so von den Spie­lern spre­chen, wie es mein Paten­on­kel von Net­zer, Vogts, Heyn­ckes und Kleff tat.

Hei­ko Herr­lich war ein Ver­rä­ter. Das Pokal­fi­na­le war sein letz­tes Spiel für Glad­bach. Er woll­te weg, aus­ge­rech­net zur ande­ren Borus­sia, nach Dort­mund. Für einen Elf­jäh­ri­gen, der gera­de sei­ne ers­te Sai­son als Fan hin­ter sich gebracht hat­te, war es unvor­stell­bar, war­um man Mön­chen­glad­bach über­haupt ver­las­sen wol­len wür­de – geschwei­ge denn nach Dort­mund und unter die­sen Umstän­den. Dass sich Herr­lich und die Ver­eins­füh­rung vor Gericht wie­der tra­fen, sprach damals ein­deu­tig gegen den Spie­ler, der bestimmt eh nur auf Koh­le aus war. Dann ver­schwand er aus mei­nem Focus.

Als ich wie­der von ihm hör­te, war Hei­ko Herr­lich krank. Die ver­fick­te Arsch­loch­krank­heit Krebs. Am Tag nach­dem er kahl­köp­fig eine Pres­se­kon­fe­renz gege­ben hat­te, frag­te mich mei­ne Mut­ter, ob ich die Bil­der in der Zei­tung gese­hen hat­te. Ich hat­te Mit­leid mit Hei­ko Herr­lich und Respekt vor sei­nem Über­le­bens­wil­len. Men­schen­le­ben zäh­len dann eben doch viel, viel mehr als Fuß­ball.

Was wei­ter mit Hei­ko Herr­lich pas­sier­te, habe ich kaum mit­be­kom­men. Musik war wich­ti­ger gewor­den als Fuß­ball und dass Herr­lich sich im Trai­ning Nasen- und Joch­bein gebro­chen hat­te, erfuhr ich erst Jah­re spä­ter aus einer sehr berüh­ren­den SWR-Doku über den Spie­ler, der sich immer wie­der zurück­ge­kämpft hat­te, bis ihm nach vie­len Rück­schlä­gen die Moti­va­ti­on aus­ging und er statt­des­sen Trai­ner wur­de.

Im ver­gan­ge­nen Win­ter über­nahm Hei­ko Herr­lich den Trai­ner­pos­ten beim VfL Bochum und ich freu­te mich sogar ein biss­chen, dass ich wie­der mehr von ihm mit­be­kam. Die ers­ten Spie­le lie­fen her­vor­ra­gend, dann ging es berg­ab. Als ich vor zwei Wochen beim Spiel gegen den HSV im Sta­di­on war, wur­de der Name des Trai­ners bei der Mann­schafts­vor­stel­lung vor­sichts­hal­ber gar nicht erst auf­ge­ru­fen. Bochum kämpf­te, war aber abschluss­schwach, als stün­den Klo­se und Gomez im Sturm, und ver­lor letzt­lich unglück­lich mit 1:2. Noch nie zuvor hat­te ein Ver­ein, des­sent­we­gen ich im Sta­di­on war, ver­lo­ren.

Und dann letz­ten Mitt­woch die­se Pres­se­kon­fe­renz beim VfL: Hei­ko Herr­lich, wie­der eine Spur zu selbst­be­wusst und rea­li­täts­fern, teil­te in alle Rich­tun­gen aus. Und als der „Bild“-Reporter, der Herr­lich so kon­se­quent anduz­te, dass sich selbst Wal­di Hart­mann geschämt hät­te, dem Trai­ner Selbst­zwei­fel ein­re­den woll­te, leg­te Herr­lich los – nicht laut wie Gio­van­ni Tra­pat­to­ni oder Tho­mas Doll, son­dern ganz ruhig. Und jeder, der Eltern hat oder mal auf eine Schu­le gegan­gen ist, weiß: Das knallt viel mehr.

Hei­ko Herr­lich hat­te bei „Bild“ eh nichts mehr zu ver­lie­ren und griff die Zei­tung des­halb fron­tal an. Er erklär­te, war­um ihn „Bild“ sei­nes Erach­tens run­ter­schreibt (weil er nicht mit der Zei­tung reden woll­te, vgl. Jür­gen Klins­mann), er nahm gleich den nächs­ten Schritt vor­weg („Und ich weiß auch, dass es da viel­leicht ’nen Bume­rang gibt, ne?“) und er sag­te, er wer­de „auf­rich­tig“ blei­ben. Und dann ließ er noch so ganz neben­bei den Namen Gün­ter Wall­raff fal­len, was natür­lich wie­der so gar nicht zum Kli­schee des doo­fen Fuß­bal­lers pass­te.

Herr­lichs Nach­satz zum The­ma ist in Mar­mor zu mei­ßeln:

Und drü­cken Sie auf Auf­nah­me, dass ich’s mei­nen Kin­dern irgend­wann zei­gen kann: Euch gegen­über, Ihnen gegen­über bleib‘ ich auf­rich­tig. Die wer­den stolz sein auf mich, irgend­wann.

Es sind Momen­te wie die­se, in denen sonst die Musik anschwillt und in denen Men­schen auf Tische stei­gen und „Oh Käp­t’n, mein Käp­t’n“ skan­die­ren. Und es sind Momen­te, die bit­te, bit­te blei­ben sol­len, in Zei­ten, in denen Leu­te wie Miri­am Piel­hau oder Mat­thi­as Stei­ner in „Bild“ intims­te Momen­te nach Schick­sals­schlä­gen aus­brei­ten, und sich selbst Sibel Kekil­li, die vor sechs Jah­ren im Zen­trum einer „Bild“-Kampagne von his­to­ri­schem Aus­maß stand, mit dem Blatt ver­söhnt zu haben scheint.

Sport­lich sieht es nicht gut aus für Hei­ko Herr­lich (wofür man sich heu­te auch noch beim deut­schen Meis­ter VfL Wolfs­burg bedan­ken kann, der aus­ge­rech­net gegen den Bochu­mer Kel­ler­kon­kur­ren­ten SC Frei­burg ver­lie­ren muss­te), aber mensch­lich war sein Auf­tritt beein­dru­ckend. Hei­ko Herr­lich ist einer der Gro­ßen.

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Sprachlosigkeit: Die nächsten Tage

Edi­to­ri­sche Notiz: Die­sen Ein­trag habe ich ges­tern Nacht und heu­te Mor­gen kon­zi­piert. Als er fer­tig war, war er schon lan­ge über­holt. Ich ver­öf­fent­li­che ihn trotz­dem.

11. Novem­ber
Die ARD eröff­net ihren Abend mit einem „Brenn­punkt“ zum Tode Robert Enkes, es mode­riert Rein­hold Beck­mann. Weil die DFB-Pres­se­kon­fe­renz fast schon in gan­zer Län­ge in der „Tages­schau“ zu sehen war, unter­hält sich Beck­mann für den Rest der Sen­dung mit „Kicker“-Chefredakteur Rai­ner Holz­schuh. Zu Gast bei „Stern TV“ sind Ex-Natio­nal­tor­hü­ter Eike Immel, irgend­ein Psy­cho­lo­ge und „Super­nan­ny“ Katha­ri­na Saal­frank, die erklä­ren soll, wel­che Per­spek­ti­ven ein acht Mona­te altes Mäd­chen hat, deren Adop­tiv­va­ter sich gera­de umge­bracht hat. Gün­ther Jauch ver­spricht, dass man sich für die nächs­te Aus­ga­be um den Zug­fah­rer bemü­hen wer­de, der zur Zeit lei­der noch unter Schock ste­he. Zu Gast bei „Mar­kus Lanz“ ist Ex-Natio­nal­tor­hü­ter und ZDF-Exper­te Oli­ver Kahn, der zum The­ma „Sport­ler und Emo­tio­nen“ lei­der wenig bei­zu­tra­gen hat.

12. Novem­ber
„Bild“ macht mit einem ganz­sei­ti­gen Foto von der Pres­se­kon­fe­renz von Enkes Wit­we auf. Auf Sei­te 6 ist ein Fak­si­mi­le des Abschieds­briefs abge­bil­det, dar­über: „So sieht der BILD-Zeich­ner die letz­ten Sekun­den im Leben von Robert Enke.“ Die „ZDF-Repor­ter“ haben „aus gege­be­nem Anlass“ mal unter­sucht, wie leicht man eigent­lich auf so Bahn­glei­se gelan­gen kann. Bei „Harald Schmidt“ par­odiert man die Medi­en­hys­te­rie, indem man im Ver­lauf der Sen­dung gan­ze 19 Mal zu einem Repor­ter schal­tet, der neben dem Ein­gang zur Stu­dio­toi­let­te steht.

13. Novem­ber
„Enke tot, Schwei­negrip­pe und heu­te auch noch Frei­tag der 13.“, titelt „Bild“ etwas unge­lenk, aber in Hor­ror­film-Optik. Der NDR muss eine ande­re Fol­ge der „NDR-Quiz­show“ sen­den als vor­ge­se­hen, weil einem Redak­teur gera­de noch ein­ge­fal­len ist, dass es bei einer Fra­ge um den Tor­wart von Han­no­ver 96 geht. Bei „Aspek­te“ im ZDF hat man sich ent­schie­den, Peter Hand­kes „Die Angst des Tor­manns beim Elf­me­ter“ mit ein paar Ver­satz­stü­cken anti­ker Tra­gö­di­en zu kom­bi­nie­ren.

14. Novem­ber
Nach­dem „Bild“ den vier­ten Tag in Fol­ge mit Enke auf­macht, macht sich in Fan­fo­ren Empö­rung breit. Ein­zel­ne Kom­men­ta­to­ren rufen zum Boy­kott der Zei­tung auf. Statt des abge­sag­ten Län­der­spiels Deutsch­land – Chi­le zeigt das ZDF einen Film mit Vero­ni­ka Fer­res.

15. Novem­ber
Horst-Eber­hard Rich­ter ver­han­delt in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ anhand der Bei­spie­le Robert Enke und Sebas­ti­an Deis­ler die Unmensch­lich­keit des Pro­fi­fuß­balls. Im „Dop­pel­pass“ des DSF sto­ßen Jörg Won­tor­ra und Udo Lat­tek auf das Andenken von Robert Enke an.

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Sport

It Ain’t Over ‚til It’s Over

Wenn’s nach mir gegan­gen wäre, hät­te die Bun­des­li­ga­sai­son um 16:15 Uhr wirk­lich vor­bei sein kön­nen:

1. Bundesliga, Tabelle: 1. Gladbach 3:0 Tore 3 Pkt

Es gibt Din­ge, von denen eigent­lich klar ist, dass man sie nie tun darf: Sich über ein Fes­ti­val-Lin­e­up freu­en, bevor der Zeit­plan raus ist (und man fest­stellt, dass alle Bands, die man sehen will, gleich­zei­tig spie­len); den eige­nen Freun­den vor dem ent­schei­den­den Date vom aktu­el­len love inte­rest erzäh­len und Sie­ge von Borus­sia Mön­chen­glad­bach vor dem Abpfiff fei­ern. Ich hab heu­te zur Abwechs­lung mal wie­der letz­te­res getan.

Weil ich im Vor­ver­kauf kei­ne Kar­ten für den Glad­ba­cher Block gekriegt hat­te, war ich heu­te auf gut Glück zum Ruhr­sta­di­on gefah­ren. Dort gab es tat­säch­lich noch Kar­ten, aber eben nur für die Bochu­mer Kur­ve. Mit ungu­tem Gefühl mei­ne Eig­nung als Under­co­ver-Agent betref­fend stell­te ich mich also zwi­schen die Bochu­mer Fans (zu denen ich mich als Zuge­zo­ge­ner an jedem ande­ren Spiel­tag auch zäh­le) und stell­te mir die – wie ich annahm theo­re­ti­sche – Fra­ge, ob ich bei mög­li­chen Glad­ba­cher Toren wohl ruhig blei­ben könn­te.

VfL Bochum -  Borussia Mönchengladbach 0:1

Die Fra­ge wur­de in der 19. Minu­te beant­wor­tet: Ich konn­te. (In der letz­ten Sai­son habe ich mir beim 1:0 der Glad­ba­cher mei­ne Stim­me völ­lig rui­niert. Fal­scher Block hat also auch was für sich.) Etwas über­ra­schend ging Glad­bach, das die ers­ten fünf Minu­ten die inter­es­san­te Spiel­va­ri­an­te kom­plett ohne Mit­tel­feld aus­pro­biert hat­te, durch Aran­go in Füh­rung. Sie­ben Minu­ten spä­ter kes­sel­te es erneut, die ers­ten Bochum-Fans ver­lie­ßen das Sta­di­on und die Borus­sia tat etwas, wofür sie nicht unbe­dingt immer berühmt ist: sie spiel­te schö­nen und schlüs­si­gen Offen­siv-Fuß­ball. Das 3:0 in der 41. Minu­te war die logi­sche Fol­ge und Mön­chen­glad­bach war Tabel­len­füh­rer.

Bis hier­hin waren die Borus­sen-Fans schon häu­fig die lau­te­ren Anhän­ger gewe­sen, jetzt waren sie die ein­zi­gen. In der Bochu­mer Kur­ve rich­te­te sich jener abgrund­tie­fe Hass, den man außer­halb von Fuß­ball­sta­di­en nur in Ter­ror­camps und Musik­fo­ren im Inter­net fin­det, plötz­lich gegen die eige­ne Mann­schaft. Zu gern wäre man in der Halb­zeit­pau­se in der Kabi­ne gewe­sen, um Mar­cel Kol­ler bei sei­nem Wut­an­fall zu beob­ach­ten. Aber die „High­lights“ der ers­ten Spiel­hälf­te auf der Video­lein­wand waren auch schon ein schö­ner Ersatz.

Nach der Pau­se fiel den Bochu­mer Spie­lern plötz­lich wie­der ein, war­um sie eigent­lich ins Sta­di­on gekom­men waren, und in der 51. Minu­te stand es 1:3. Was dann folg­te, kann ich erst nach Sich­tung der Fern­seh­bil­der heu­te Abend ver­ste­hen: Es müs­sen maxi­mal fünf Ball­kon­tak­te nach dem Wie­der­an­pfiff gewe­sen sein und schon hat­te Aza­ouagh zum zwei­ten Mal für die Bochu­mer getrof­fen. Da däm­mer­te mir, dass die ers­te Halb­zeit ein Traum gewe­sen war und mich die Glad­ba­cher gera­de mit Holz­häm­mern zu wecken gedach­ten. Ver­ka­tert, mit­ten in der Nacht, an einem Ort, den ich nicht kann­te. Und dann hol­te sich Dan­te in der 59. Minu­te eine der däm­lichs­ten roten Kar­ten der Fuß­ball­ge­schich­te ab und Borus­sia war zu zehnt.

Klar, dass vier Minu­ten spä­ter der Aus­gleich fiel. In nicht mal einer Vier­tel­stun­de, die mir aller­dings vor­kam wie ein vier­stün­di­ger tsche­chi­scher Expe­ri­men­tal-Film ohne Unter­ti­tel, war das kom­plet­te Spiel gekippt. In einem der weni­gen Momen­te, in denen ich noch den­ken konn­te, dach­te ich: „Respekt, wie die Bochu­mer sich da noch mal auf­ge­rap­pelt haben! Glad­bach hät­te ab einem 0:2‑Rückstand nur noch auf Hal­ten gespielt.“ Ich woll­te nach hau­se, aber ich durf­te das Sta­di­on auf kei­nen Fall ver­las­sen, denn die letz­te Hoff­nung waren mei­ne Seri­en: Noch nie hat­te Glad­bach ver­lo­ren, als ich im Sta­di­on war, und noch nie hat­te Bochum etwas ande­res als Unent­schie­den gespielt.

Irgend­wann kamen die Glad­ba­cher dann auch mal wie­der ins Spiel und in die Nähe des Bochu­mer Tores. Zum Schluss hät­te jede Mann­schaft noch einen Sieg­tref­fer lan­den kön­nen, aber für Bochum wäre er zuge­ge­be­ner­ma­ßen etwas ver­dien­ter gewe­sen. Doch es blieb bei den sechs Toren, die natür­lich alle­samt auf der ande­ren Sei­te des Sta­di­ons gefal­len waren. Der Abpfiff kam und ich war erleich­tert, dass die Sai­son wenigs­tens nicht schon wie­der mit einer Nie­der­la­ge begon­nen hat­te. Jetzt nur schnell weg! Als ich zuhau­se aus der U‑Bahn stieg, spiel­te die Shuff­le-Funk­ti­on mei­nes iPods „Don’t Look Back In Anger“.

Viel­leicht war es aber auch ganz gut, dass das mit der Tabel­len­füh­rung nichts wur­de: Zum letz­ten Mal war Glad­bach am ers­ten Spiel­tag der Sai­son 98/​99 auf Platz 1 und stieg am Ende als 18. ab.

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Die Meisterschaft ist quasi schon entschieden

Ja, das kann man natür­lich nach dem ers­ten von 306 Bun­des­li­ga­spie­len schon mal machen:

Wolfsburg schon wieder Spitze

Das Jahr 2009 bestand übri­gens aus auf­fal­lend vie­len Don­ners­ta­gen – zumin­dest bis zum 2. Janu­ar.

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Digital Sport

Wenn Basketball mal langweilig wird …

Im Fina­le der ame­ri­ka­ni­schen Bas­ket­ball-Liga NBA spie­len LA Lakers und Orlan­do Magic gera­de sie­ben Mal gegen­ein­an­der.

Was glau­ben Sie, wie vie­le Bil­der­ga­le­rien man damit fül­len kann? Also: Mit den pro­mi­nen­ten Zuschau­ern die­ser Spie­le? Wenn man „RP Online“ ist?

Da hät­ten wir zunächst mal eine all­ge­mei­ne, 24-teil­i­ge Bil­der­ga­le­rie, deren Betex­t­ung zwi­schen voll­ende­tem Wahn­sinn und Selbst­iro­nie oszil­liert:

Dagegen hat Rapper Will I Am mächtig Spaß mit Leonardo DiCaprio. Hie einmal von hinten.Von vorn hatten wir den ja schon ein paar Mal.

Zac Efron (ich schreib mal „High School Musi­cal“ in Klam­mern dazu, Sie schei­nen mei­ne Begeis­te­rung für den Dis­ney Chan­nel ja nur bedingt zu tei­len) war übri­gens auch im Publi­kum. Und weil er dabei eine Woll­müt­ze trug (das scheint tat­säch­lich der Auf­hän­ger zu sein), kann man damit natür­lich noch mal eine eige­ne neun­tei­li­ge Bil­der­ga­le­rie befül­len:

In Sachen Basketball kennt Efron sich aus.

In allen drei High-School-Musical-Teilen spielt er Basketball...

... in "17 Again", seinem aktuellen Film, auch.

Ach, und dann war Rihan­na auch noch bei meh­re­ren Spie­len.

Um das beson­de­re Ver­hält­nis von „RP Online“ und Rihan­na zu ver­ste­hen, muss man wis­sen, dass sich im Archiv etli­che Bil­der­ga­le­rien zur jun­gen Sän­ge­rin (aus Bar­ba­dos, Hit: „Umbrel­la“) befin­den, deren Betex­t­ung eigent­lich nur den Schluss zulässt – wir bege­ben uns hier ins schlam­mi­ge Ter­rain der Spe­ku­la­ti­on -, dass bei „RP Online“ ein 15-jäh­ri­ger Prak­ti­kant arbei­tet, des­sen gan­zes Zim­mer mit Rihan­na-Pos­tern tape­ziert ist und der kei­nen Zugang zu kal­ten Duschen hat.

Der fol­gen­de Über­blick ist sicher unvoll­stän­dig: „Rihan­nas sexy Auf­tritt in Kanye Wests Video“ (12 Bil­der), „Rihan­na als Miss Ter­mi­na­tor“ (30 Bil­der, ein­ge­lei­tet mit den Wor­ten „End­lich mal wie­der ein Auf­tritt von einer unse­rer Lieb­lings­sän­ge­rin­nen“), „Hat Rihan­na ihren Geschmack ver­lo­ren?“ (7 Bil­der), „Jus­tin Tim­ber­la­ke schickt Rihan­na in die Wüs­te“ (9 Bil­der), „Wur­de Rihan­na von Chris Brown geschla­gen?“ (7 Bil­der), „Und die Gewin­ne­rin ist… Rihan­na!“ (15 Bil­der), „Rihan­na und Co. erhal­ten ‚Ame­ri­can Music Award‘ “ (23 Bil­der), „Rihan­na – die immer schö­ne Sti­li­ko­ne“ (28 Bil­der), „Rihan­na und Bey­on­cé im Ver­gleich“ (20 Bil­der), „Rihan­na im schrä­gen Gothic-Look“ (11 Bil­der), „Sän­ge­rin Rihan­na als Modell“ (7 Bil­der), „Rihan­na für Unicef – so schön kann Hel­fen sein“ (11 Bil­der), „Rihan­na auf der Mai­län­der Mode­wo­che“ (19 Bil­der), „Duffy und Rihan­na beim Schuh-Shop­ping“ (9 Bil­der), „Rihan­nas sexy Auf­tritt in Mani­la“ (26 Bil­der), „Rihan­na begeis­tert bei den BET-Awards“ (8 Bil­der), „Rihan­na hat sich neu erfun­den“ (13 Bil­der), „Das düs­te­re Video von Rihan­na“ (10 Bil­der), „Für den guten Zweck: Rihan­na mit Milch­bart“ (11 Bil­der), „Rot­licht-Alarm bei Rihan­na“ (8 Bil­der), „Rihan­nas Out­fits im Vier-Punk­te-Check“ (12 Bil­der) und natür­lich der Klas­si­ker „Rihan­na ist stolz auf ihren Po“ (14 Bil­der).

Jeden­falls war Rihan­na auch da. Das reicht für sie­ben Bil­der und kom­pe­ten­te Ein­schät­zun­gen:

Rihanna sieht endlich wieder glücklich aus. Die Sängerin besuchte das Spiel der Los Angeles Lakers bei den Orlando Magic.

Basketball ist halt ab und zu auch mal langweilig. Rihanna, die auch an den Fingern tätowiert ist, vetreibt sich die Zeit mit einem Softdrink.

Nach vier Spie­len füh­ren die Lakers übri­gens 3:1 gegen Orlan­do …

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Tausend Stimmen singen, singen

Am Don­ners­tag war ich end­lich mal wie­der bei Scu­det­to. Neben „HSV-Kult­au­tor“ Axel For­me­seyn (der u.a. erzähl­te, wie er als HSV-Prä­si­di­ums­mit­glied die „Bild“-Zeitung boy­kot­tier­te) und Ex-VfL-Bochum-Pro­fi 1 Tho­mas Stick­roth war auch Tom­my Fin­ke zu Gast, den ich ja im letz­ten Sep­tem­ber schon mal gelobt hat­te. 2

Tom­my Fin­ke spiel­te eige­ne Fuß­ball­songs, die er für die Fil­me von Scu­det­to-Gast­ge­ber Ben Rede­lings geschrie­ben hat­te, und stell­te die schlech­tes­te Ver­eins­hym­ne aller Zei­ten vor. Dass das kei­ne Über­trei­bung war, muss­ten wir im Saal als­bald am eige­nen Leib erfah­ren – und Sie kön­nen es jetzt auch: im Scu­det­to-Blog oder direkt hier.

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Und wo wir grad von Scu­det­to spra­chen: Der Geist von Malen­te, der Bochu­mer Laden für alles, was mit Fuß­ball und Fan­kul­tur zu tun hat, macht ab heu­te Aus­ver­kauf.

  1. Nur „VfL“ ist für mich natür­lich Borus­sia Ver­ein für Lei­bes­übun­gen 1900 e.V. Mön­chen­glad­bach.[]
  2. Ich hab mir dann am Don­ners­tag­abend auch end­lich sei­ne EP und sein Album im Down­load­s­to­re gekauft.[]
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Barack Around The Clock

Ich bin mir grad nicht sicher, was ich davon hal­ten soll.

Aber eigent­lich sind Sie ja auch alt genug, um selbst zu ent­schei­den, wie wit­zig oder doof die­ses T‑Shirt-Motiv des renom­mier­ten Labels Ver­ve ist:

Jazz We Can

[Mit Dank an Gui­do für den Hin­weis!]