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Musik

Neues aus der Werbehölle

Vor ein paar Tagen fei­er­te das Video zur neu­en Sin­gle von Avril Lavi­gne Pre­mie­re. Wenn „What The Hell“ im Musik­fern­se­hen läuft, müss­ten die Sen­der ver­mut­lich den Schrift­zug „Dau­er­wer­be­sen­dung“ ein­blen­den:

(Sony ist der Unter­hal­tungs­kon­zern, bei dem auch Avril Lavi­gnes neu­es Album erscheint, „Avril Lavi­gne“ und „Abbey Dawn“ sind die Par­füm- bzw. Mode­li­nie von Avril Lavi­gne.)

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Musik

Salzburg Calling

Gera­de so bei GoTV rein­ge­zappt und die Schluss­ein­blen­dung und die letz­ten vier Tak­te eines Songs mit­be­kom­men. Die klan­gen so viel­ver­spre­chend, dass ich den Song gleich mal bei You­Tube gesucht und – Oh Wun­der des Urhe­ber­rechts – auch gefun­den habe:

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Erfah­re mehr in der Daten­schutz­er­klä­rung von You­Tube.

Der ers­te Refrain kann nicht ganz das Ver­spre­chen ein­hal­ten, das der Song bis dahin auf­ge­baut hat. Bei der drit­ten Wie­der­ho­lung (er ist ja eine ein­zi­ge Wie­der­ho­lung) ent­fal­tet er aller­dings durch­aus sei­nen Charme. Nichts Welt­be­we­gen­des, aber zumin­dest mal wie­der ein biss­chen neu­es Leben in der extrem öde gewor­de­nen Schub­la­de mit der Auf­schrift „Indie Rock“.

Trip­pin In Lon­don kom­men – man kann es sich bei die­sem lei­der etwas doo­fen Namen den­ken – nicht aus Eng­land. Statt­des­sen kom­men sie – das kann man sich beim GoTV-Ein­satz den­ken – aus Öster­reich, genau­er: Salz­burg. Kämen sie aus Dins­la­ken, wür­den deut­sche Musik­jour­na­lis­ten sicher steil gehen.

Auf einer obsku­ren Sei­te namens MySpace gibt es wei­te­re Songs zu hören, bei iTu­nes gibt’s noch nix.

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Musik Digital

Von der GEMA entstellt

Weil wir gera­de über­le­gen, wie wir inhalt­lich wie­der mehr Musik in die­ses Blog krie­gen, ohne Mona­te nach einer Ver­öf­fent­li­chung hilf­lo­se Kurz­re­zen­sio­nen in die Tas­ten zu hau­en (bzw. wie­der das Wich­tigs­te zu ver­ges­sen), habe ich mich mal über die Pod­cast-Kon­di­tio­nen bei der GEMA infor­miert.

Die Lizenz sieht unter ande­rem vor, dass ein­zel­ne Epi­so­den des Pod­casts nicht län­ger als 30 Minu­ten sein dür­fen und die Musik pro Pod­cast nicht mehr als 75% der Gesamt­län­ge der ein­zel­nen Epi­so­de ein­neh­men darf.

Außer­dem gilt:

Als Song wird jedes ver­wen­de­te Musik­werk gezählt, das weder Intro noch Out­ro ist. Dabei darf jedes Lied nur zur Hälf­te aus­ge­spielt wer­den, und es muss am Anfang und am Ende in das lau­fen­de Lied hin­ein­mo­de­riert wer­den (sog. „talk over“).

Das ist lus­tig, weil die GEMA gleich­zei­tig auf fol­gen­den Sach­ver­halt hin­weist:

Nicht umfasst ist zudem das Urhe­ber­per­sön­lich­keits­recht (§ 14 UrhG). Es muss unab­hän­gig von einer Pod­cas­ting-Lizenz beach­tet wer­den. Das bedeu­tet, dass die genutz­ten Musik­wer­ke ohne geson­der­te Ein­wil­li­gung der Berech­tig­ten nicht bear­bei­tet bzw. umge­stal­tet wer­den dür­fen (§ 23 UrhG). Eine Ver­let­zung des Urhe­ber­per­sön­lich­keits­rech­tes kann ins­be­son­de­re vor­lie­gen bei Ent­stel­lung eines Musik­wer­kes, eine uner­laub­te Bear­bei­tung kann vor­lie­gen bei Neu­tex­tie­rung oder sons­ti­gen Ver­än­de­rung eines Musik­wer­kes.

Was, bit­te, soll ein hal­ber und zuge­quatsch­ter Song sein, wenn kei­ne „Ent­stel­lung“?!

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Musik

2010 – the year something broke

In Jah­res­end­zeit­stim­mung schaut man ja ger­ne zurück auf das enden­de Jahr, resü­miert und fer­tigt – wenn man der­lei Neu­ro­sen pflegt – obsku­re Lis­ten an. Auf eine Leser­wahl haben wir nach dem Muse-Deba­kel im Vor­jahr ein­fach mal ver­zich­tet und Unhei­lig per Akkla­ma­ti­on zu Ihrer Lieb­lings­band 2010 ernannt.

Doch die letz­ten Dezem­ber­ta­ge lie­ßen mich auch per­sön­lich nach­denk­lich zurück: Was hat­te ich eigent­lich gehört und gut gefun­den?

Mei­ne last.fm-Charts waren eini­ger­ma­ßen wert­los: Aus ver­schie­de­nen Grün­den tauch­ten Songs wie „Fire­f­lies“ (Owl City), „Baby“ (Jus­tin Bie­ber) oder „Catch Me I’m Fal­ling“ (Real Life, hät­ten Sie’s gewusst?) in mei­nen Jah­res-Top-25 auf, was ich in ers­ter Linie besorg­nis­er­re­gend fand. Außer­dem waren alle Songs des Albums von The Natio­nal dabei, was immer­hin schon mal einen deut­li­chen Hin­weis auf das Album des Jah­res gibt, denn so unfass­bar groß wie „High Vio­let“ war 2010 tat­säch­lich nichts mehr.

Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass ich das Bes­te wie üblich über­se­hen habe: Arca­de Fire, Get Cape. Wear Cape. Fly, Eels, Suf­jan Ste­vens – alles nicht oft genug gehört, weil mir der Sinn grad nach etwas Ande­rem stand. So habe ich ja auch „Only Revo­lu­ti­ons“ von Biffy Cly­ro erst im Okto­ber 2010 für mich ent­deckt, es ist also denk­bar, dass es auch im letz­ten Jahr wenigs­tens ein gutes Gitar­ren­rock-Album gab – wahr­schein­lich ist es aller­dings nicht, zu wenig ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im Rock­seg­ment pas­siert. Die Manic Street Pre­a­chers etwa haben mit „Post­cards From A Young Man“ ein durch­aus sehr gutes Spät­werk raus­ge­bracht, aber geknallt hat das jetzt auch nicht rich­tig. Und falls es span­nen­de Neu­lin­ge gab, muss ich sie alle­samt über­se­hen haben: The Hold Ste­ady haben sou­ve­rän gerockt, Jason Lyt­le hat mit sei­ner Post-Grand­ad­dy-Band Admi­ral Rad­ley schön ver­schro­be­nen Indie­rock gemacht, The Gas­light Anthem waren okay, Ende des Jah­res kam mit „All Soul’s Day“ ein ordent­li­ches Lebens­zei­chen von The Ata­ris – aber, Ent­schul­di­gung: Wir spre­chen vom Jahr 2010! Völ­lig okay, dass Ben Folds mit lyri­scher Unter­stüt­zung von Nick Horn­by end­lich mal wie­der ein rich­tig gutes Album gemacht hat, aber der Mann ist jetzt auch schon seit 17 Jah­ren dabei.

Immer­hin haben nicht alle Bands so ent­täuscht wie Wir Sind Hel­den, Shout Out Louds, Ste­reo­pho­nics oder – rich­tig schlecht – Jim­my Eat World und Danko Jones. Weezer haben angeb­lich schon wie­der min­des­tens ein Album ver­öf­fent­licht. Die meis­ten mei­ner Lieb­lings­bands hat­ten sich eh eine Aus­zeit genom­men und ihre Sän­ger solo vor­ge­schickt: Alles über­rag­te dabei Jón­si von Sigur Rós, des­sen „Go“ zu den bes­ten Alben des Jah­res gehört. Jakob Dylan war schon zum zwei­ten Mal ohne Wall­flowers unter­wegs, hat die Band aber immer noch nicht auf­ge­löst. Dabei ist das düs­ter-fol­ki­ge „Women & Coun­try“ eigent­lich bes­ser als alles, was er vor­her gemacht hat. Fran Hea­ly (Tra­vis) und Bran­don Flowers (The Kil­lers) lie­ßen erst The­ra­pie­sit­zun­gen erwar­ten, klan­gen dann aber gar nicht mehr so anders als ihre Bands – eben gut, aber auch nicht mehr so rich­tig span­nend. Carl Barât gehört auch irgend­wie in die­se Auf­zäh­lung, obwohl er die Dir­ty Pret­ty Things ja längst auf­ge­löst hat und es die Liber­ti­nes wie­der gibt. Kele (Bloc Par­ty) und Paul Smith (Maxï­mo Park) hab ich ver­passt. Und die­ses Jahr ver­öf­fent­licht dann Thees Uhl­mann (Tom­te) sein Solo-Debüt …

In Sachen Hip-Hop ging auch nicht mehr so rich­tig viel: Kid Cudi blieb mit sei­nem Zweit­werk hin­ter den Erwar­tun­gen zurück, Kanye West hat ein irres Gesamt­kunst­werk raus­ge­bracht, das mit dem Album eines Ein­zel­in­ter­pre­ten wenig gemein hat und sich mir womög­lich erst in ein, zwei Jahr­hun­der­ten erschlie­ßen wird. Emi­nem war durch­aus kraft­voll wie­der da, krieg­te den meis­ten Air­play aber für ein Duett mit der lang­sam unver­meid­li­chen Rihan­na. Aus Groß­bri­tan­ni­en kam immer­hin Pro­fes­sor Green mit einem dre­ckig-bun­ten Grime-Strauß.

Im Pop gab es (neben Lady Gaga) vor allem zwei The­men: Das gro­ße Come­back von Take That als Quin­tett und Lena. Mit Hil­fe von Stuart Pri­ce (s.a. Scis­sor Sis­ters) nahm die eins­ti­ge Vor­zei­ge-Boy­group (Huch, aus wel­chem Par­al­lel­uni­ver­sum kam denn die­se Kli­schee-For­mu­lie­rung?) ein erstaun­lich elek­tro­ni­sches Album auf – „reif“ hat­te die Band seit ihrem Come­back 2006 ja die gan­ze Zeit geklun­gen. Die zu „Pro­gress“ gehö­ren­de Doku­men­ta­ti­on „Look Back, Don’t Sta­re“ zeigt die Fünf dann auch als wei­se älte­re Her­ren, die ihre Dämo­nen lang­sam aber sicher alle bekämpft haben und jedem Mann Mitte/​Ende Zwan­zig Mut machen, in zehn bis fünf­zehn Jah­ren so gut aus­zu­se­hen wie nie zuvor. Oder man zeugt wenigs­tens eine Toch­ter wie Lena Mey­er-Land­rut, die exakt fünf Tak­te brauch­te, bis sich erst alle Zuschau­er von „Unser Star für Oslo“ und dann 85% der deut­schen Bevöl­ke­rung in sie ver­lieb­ten. Natür­lich war der Tri­umph beim Euro­vi­si­on Song Con­test eine mit­tel­schwe­re Sen­sa­ti­on und auch für mich per­sön­lich ein Erleb­nis, aber das Album „My Cas­set­te Play­er“ war lei­der trotz­dem eine ziem­li­che Ent­täu­schung. Text­lich schwer rüh­rend, aber auch völ­lig see­len­los pro­du­ziert, ragt das von Ellie Goul­ding geschrie­be­ne „Not Fol­lo­wing“ her­vor, der Rest ist nett, aber belang­los.

Was kam sonst aus Deutsch­land? Toco­tro­nic, die mich etwas rat­los zurück­lie­ßen, Erd­mö­bel mit dem bes­ten deutsch­spra­chi­gen Album seit Jah­ren, Die Fan­tas­ti­schen Vier, die sich irgend­wo zwi­schen „Bild“-Interview (in Mor­gen­män­teln im Bett!) und Wer­be­deals voll­ends der Bedeu­tungs­lo­sig­keit hin­ga­ben, wäh­rend Fet­tes Brot ihr vor­läu­fi­ges Ende ver­kün­de­ten. Und dann halt so Leu­te, die man per­sön­lich kennt wie Tom­my Fin­ke, Enno Bun­ger oder die phan­ta­sischen Poly­a­na Fel­bel.

Auf vier bis acht groß­ar­ti­ge Alben folgt eine gan­ze Men­ge Mit­tel­maß und die Gewiss­heit, dass ich vie­les sicher noch über­hört habe. Dafür haben mich die Alben, die ich dann tat­säch­lich gehört habe, zu sehr auf­ge­hal­ten: The Natio­nal, Erd­mö­bel, Del­phic, Jón­si, Jakob Dylan und die Vor­jah­res­über­se­hun­gen Biffy Cly­ro und Mum­ford & Sons. Die Lis­te mei­ner Lieb­lings­songs wird irgend­wo hin­ter Platz 8 recht schnell belie­big, hat aber immer­hin einen rich­ti­gen Kra­cher auf der Eins: „Tokyo“ von The Wom­bats, mit denen ich ehr­lich gesagt am aller­we­nigs­ten gerech­net hät­te.

In den Charts domi­nier­ten erst die Fuß­ball­hym­nen (das vom Kom­merz zer­stör­te „Wavin‘ Flag“ von K’na­an und das nur ner­vi­ge „Waka Waka“ von Shaki­ra), ehe sich das Land zum Jah­res­en­de zwei wahn­sin­nig unwahr­schein­li­che Num­mer-Eins-Hits gönn­te: Eine 17 Jah­re alte Kreu­zung zwei­er Ever­greens auf der Uku­le­le, gesun­gen vom schwer­ge­wich­ti­gen und zwi­schen­zeit­lich ver­stor­be­nen Isra­el Kama­ka­wi­wo’o­le und ein aus dem Wer­be­fern­se­hen bekann­ter, ursprüng­lich nicht als Sin­gle ange­dach­ter Song von Empire Of The Sun, die andert­halb Jah­re zuvor erfolg­los ver­sucht hat­ten, mit einem sehr viel ein­gän­gi­ge­ren Song über das Wer­be­fern­se­hen erfolg­reich zu sein. In den Album­charts durf­te sowie­so jeder mal ran und wenn gera­de kein gro­ßer Name (Peter Maf­fay, AC/​DC, Iron Mai­den, Joe Cocker, Depe­che Mode, Bruce Springsteen) sein neu­es Album raus­ge­hau­en hat­te, schos­sen wie selbst­ver­ständ­lich Unhei­lig wie­der an die Spit­ze der Hit­pa­ra­de.

Na ja: Neu­es Jahr, neu­es Glück.

Songs & Alben 2010 – Die Lis­ten

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Musik

Eigentlich sind sie als Punkband unterwegs

Sie wer­den es ver­mut­lich nicht mit­be­kom­men haben und auch die spe­zi­ells­ten Spe­cial-Inte­rest-Web­sei­ten schwei­gen sich zu dem The­ma aus, aber heu­te ist ein ganz beson­de­rer Tag: Der ers­te öffent­li­che Auf­tritt der Band Zucht­schau jährt sich zum zehn­ten Mal.

Sie wer­den über die­se Band nichts fin­den, denn damals war das Inter­net durch­aus noch ver­gess­lich, aber es ist ein guter Moment, aus dem Schat­ten der Anony­mi­tät her­aus zu tre­ten und zu sagen: Ich war Teil von Zucht­schau.

Die recht kur­ze und in wei­ten Tei­len ereig­nis­lo­se Geschich­te die­ser Band begann im Janu­ar 2000 auf dem Schul­hof eines Dins­la­ke­ner Gym­na­si­ums. Mat­thi­as, ein lang­jäh­ri­ger Schul­freund von mir, plan­te mit zwei Schü­lern aus der Stu­fe über uns, gemein­sam eine Band zu grün­den. Nur ein Schlag­zeu­ger fehl­te ihnen noch. Da ich von mei­nem sieb­ten bis zum drei­zehn­ten Lebens­jahr Schlag­zeug­un­ter­richt bekom­men hat­te und man sowas ja bestimmt nicht ver­lernt, bot ich mich an. Am dar­auf fol­gen­den Frei­tag fand die ers­te Pro­be im Kel­ler des legen­dä­ren ND-Jugend­zen­trums statt.

Ich woll­te ger­ne eine Band grün­den, die nach Ben Folds Five klang, aber danach sah es nicht aus: Wir hat­ten nicht nur kei­nen Pia­nis­ten, son­dern auch kei­nen Bas­ser. Mat­thi­as und Tho­mas wür­den Gitar­re spie­len, Sebas­ti­an sin­gen. Unser Saxo­pho­nist (!) war nur bei weni­gen Pro­ben dabei. Auch vom Gen­re her muss­te ich Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, denn Tho­mas und Sebas­ti­an woll­ten eine Punk­band grün­den. Mei­ne eige­nen Erfah­run­gen mit dem The­ma beschränk­ten sich damals noch auf eini­ge Songs der Toten Hosen und der Ärz­te, die ich im Musik­fern­se­hen gese­hen hat­te, aber das war mir egal: Haupt­sa­che Musik machen, berühmt wer­den und Mäd­chen abgrei­fen.

Beim Band­na­men hat­te ich eben­so wenig zu sagen: Er stand fest, seit Tho­mas und Sebas­ti­an im Vor­jahr bei einer Teckel-Zucht­schau auf unse­rem Schul­hof ein Hin­weis­schild mit dem Schrift­zug „Zucht­schau“ ent­wen­det hat­ten, das seit­dem Tho­mas‘ Jugend­zim­mer schmück­te.

Tho­mas brach­te damals zu jeder Pro­be einen neu­en Song mit, die wir alle recht schnell drauf hat­ten. Ich spiel­te immer den glei­chen Beat, er spiel­te vier Akkor­de, Mat­thi­as gnie­del­te irgend­was dazu und von Sebas­ti­an ver­stand man kaum was, weil er über einen schwa­chen klei­nen Gitar­ren­ver­stär­ker sang. Was sich von der Her­an­ge­hens­wei­se schwer nach Punk anhört, klang im Ergeb­nis aber wie vier bra­ve Söh­ne aus der Mit­tel­schicht, die ver­su­chen, Punk zu spie­len.

Nach weni­gen Wochen wech­sel­ten wir vom Jugend­zen­trum in den Kel­ler mei­nes Eltern­hau­ses, wo ich mich jetzt an mei­nem eige­nen Schlag­zeug ver­aus­ga­ben konn­te. Stil­echt wur­den zu jeder Pro­be Dop­pel­kek­se und Eis­tee gereicht.

Zur Geburts­tags­fei­er mei­nes Vaters kam es zum ers­ten Auf­tritt vor Publi­kum, den man wohl­wol­lend als „avant­gar­dis­tisch“ bezeich­nen könn­te, musik­wis­sen­schaft­lich prä­zi­se als „schlecht“. Alles dröhn­te und schep­per­te, von Sebas­ti­ans Stim­me war so gut wie nichts zu hören. Unter­des­sen begann sich der dro­hen­de Abstieg der Band abzu­zeich­nen: Der Schlag­zeu­ger (also ich) hat­te sich selbst das Gitar­ren­spiel bei­gebracht und woll­te nun eige­ne Songs bei­steu­ern – das tod­si­che­re Ende jeder Band.

Von Din­gen wie MySpace konn­te man damals nur träu­men: Mit einem ein­zi­gen Mikro­fon nah­men wir das Geschep­per im Pro­be­raum am PC auf und über­spiel­ten es anschlie­ßend auf eine Musik­kas­set­te, die Tho­mas und Sebas­ti­an beim Besuch eines Wohl­stands­kin­der-Kon­zerts der Band mit­ge­ben woll­ten.

Einem Auf­tritt beim Nach­bar­schafts­fest soll­te im August end­lich der ers­te offi­zi­el­le Auf­tritt fol­gen: Wir waren im Nach­wuchs­pro­gramm des tra­di­ti­ons­rei­chen Stadt­fests „DIN-Tage“ vor­ge­se­hen. Das Kon­zert stand unter kei­nem guten Stern, denn zunächst muss­ten wir (um des Fami­li­en­frie­dens wil­len – sehr punk) auf unse­ren selbst­ge­bas­tel­ten Back­drop ver­zich­ten, den unser Band­lo­go zier­te:

Logo der Band Zuchtschau

Mein Groß­va­ter hat­te das Ban­ner zufäl­li­ger­wei­se zu Gesicht bekom­men und fühl­te sich beim Anblick unse­res Dackels offen­bar an eine Orga­ni­sa­ti­on erin­nert, die nach sei­nen Aus­sa­gen „Tau­send hin­ter­rücks erschos­sen und in die Luft gesprengt“ habe. Auf gar kei­nen Fall dürf­ten wir damit in die Öffent­lich­keit, sag­te er, und wir müss­ten auch mal an die Kar­rie­ren unse­rer Eltern den­ken. Wir hät­ten aber gar kein wei­te­res Bett­la­ken bema­len müs­sen, da das Kon­zert wegen einer Unwet­ter­war­nung sowie­so abge­sagt wur­de. Das ange­kün­dig­te Gewit­ter soll­te Dins­la­ken frei­lich nie errei­chen.

Im Dezem­ber 2000 soll­te dann aber wirk­lich der ers­te Auf­tritt statt­fin­den – beim tra­di­ti­ons­rei­chen „School’s Out“, bei dem nun wirk­lich jede Dins­la­ke­ner Band, die län­ger als ein paar Wochen exis­tier­te, irgend­wann mal gespielt hat. Für das Kon­zert hat­te sich das Kul­tur­amt der Stadt etwas ganz beson­de­res ein­fal­len las­sen: Es soll­te einen Sam­pler mit Songs von allen auf­tre­ten­den Bands drauf geben. Die Bands, die – wie wir – kei­ne ordent­li­chen Auf­nah­men vor­wei­sen konn­ten, beka­men einen hal­ben Tag im Ton­stu­dio spen­diert. In Zei­ten, wo ange­sichts lee­rer Kas­sen als ers­tes bei Kul­tur- und Jugend­ar­beit gespart wird, klingt die­se Anek­do­te wie eine Geschich­te aus einer längst ver­gan­ge­nen sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Epo­che, aber sie ist wirk­lich erst zehn Jah­re her.

Mit einem Demo unse­res Songs „Held im Traum­land“ fuh­ren wir in ein klei­nes Duis­bur­ger Stu­dio und ver­such­ten, das Lied irgend­wie auf Band zu ban­nen. Schlag­zeug und Rhyth­mus­gi­tar­re wur­den gleich­zei­tig ein­ge­spielt (ohne Klick­spur natür­lich, das hät­ten wir nie hin­be­kom­men), der Rest spä­ter drü­ber­ge­legt. „Ihr wisst schon, dass Ihr im Refrain schnel­ler wer­det?“, frag­te unser Pro­du­zent (kräf­tig gebaut, Ket­te rau­chend und schnauz­bär­tig) besorgt und wir ant­wor­te­ten – lei­der wahr­heits­ge­mäß – damit, dass das Absicht sei. Am Ende des Tages hat­ten wir tat­säch­lich einen fer­ti­gen Song, auf dem sogar ein Bass zu hören war – Mat­thi­as hat­te noch eben eine sehr schlich­te Bass­spur ein­ge­spielt.

Das „School’s Out“ kam und in Sachen Grö­ßen­wahn konn­te uns kaum jemand etwas vor­ma­chen: Wie die gro­ßen Rock­bands, die wir aus dem Fern­se­hen kann­ten, hat­ten auch wir Com­pu­ter­ge­schrie­be­ne Set­lis­ten, eige­ne Time­ta­bles („Dins­la­ken, GER: Sound­check 4pm, Doors 4.30pm, Din­ner 5pm, Zucht­schau 5.45pm“) und eine schrift­li­che Dreh­ge­neh­mi­gung für unse­ren Freund mit­ge­bracht, der das Kon­zert auf Video 8 ban­nen soll­te. Tat­säch­lich ver­folg­ten eini­ge Leu­te unse­ren Auf­tritt, sogar eini­ge „Fans“ waren ange­reist: dicke, pick­li­ge Jun­gen aus der Nach­bar­stadt, die noch uncoo­ler waren als wir.

Wir bret­ter­ten durch unser Set, wobei ich im Rück­blick anneh­men muss, dass wir nicht für fünf Cent Pfen­nig gerockt haben. Bei unse­rem Song „Win­ke, Win­ke“ (eine von Ramm­stein inspi­rier­te Hym­ne auf die Tele­tub­bies – I kid you not) zer­schmet­ter­te Sebas­ti­an das Kin­der­key­board, auf dem er das Intro gespielt hat­te, vor den Augen ver­wirr­ter Secu­ri­ty-Ange­stell­ter auf der Büh­ne. Am Ende waren wir so schnell gewe­sen, dass wir noch Zeit hat­ten, eine (weder geplan­te noch geprob­te) Zuga­be nach­zu­schie­ßen.

Head­li­ner (auch für so etwas gab es im Dins­la­ken des Jah­res 2000 noch Geld) des School’s Out war die Mag­de­bur­ger Band Scycs, deren Sin­gle „Radio­star“ wei­land ein klei­ner Hit war. Die Musi­ker gin­gen auf unse­ren Vor­schlag ein, gemein­sam mit allen Bands des Abends ein Weih­nachts­lied zu into­nie­ren, doch der Ver­such ende­te in einem rie­si­gen Cha­os, des­sen Aus­ma­ße ich womög­lich noch irgend­wo auf Video habe.

Im Jahr 2001 spiel­ten wir bei einem Band­wett­be­werb in Moers unse­ren ein­zi­gen Auf­tritt außer­halb Dins­la­kens, außer­dem bei einem Akti­ons­tag gegen Rechts, beim ein­zi­gen Dins­la­ke­ner Enten­ren­nen, beim hun­derts­ten Geburts­tag unse­rer Schu­le und tat­säch­lich (ganz ohne Back­drop) bei den DIN-Tagen.

An einem Frei­tag im Novem­ber ver­lie­ßen Mat­thi­as und ich die Band. Sebas­ti­an hat­te sich weni­ge Stun­den zuvor einen Bass gekauft.

Doch wie klang die­se Band, der es so ergan­gen ist wie Tau­sen­den Nach­wuchs-Spi­nal-Taps vor und nach ihnen? Unge­fähr so:

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Die Über­schrift die­ses Ein­trags ist bei Tom­my Fin­ke geklaut.

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Musik Rundfunk

Leser fragen, Heinser antworten (1)

Lese­rin Katha­ri­na S. aus K. fragt: „Unhei­lig. Was ist das für Musik, wer hört das?“

Lukas Hein­ser ant­wor­tet: Vie­le Men­schen, die sich sonst nicht für Musik inter­es­sie­ren

Und: Elmar The­ve­ßen, Stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur und Ter­ro­ris­mus­exper­te des ZDF:

Was hat ihn am meis­ten beschäf­tigt, beein­druckt, betrof­fen gemacht?

„Zwi­schen all dem Leid in die­sem Jahr haben die Bil­der von der Ret­tung der Berg­leu­te in Chi­le so unend­lich gut getan. Dazu noch der Song ‚Gebo­ren, um zu leben‘. Genau dar­um geht es doch eigent­lich bei allem, auch wenn wir das manch­mal ver­ges­sen“, so The­ve­ßen.

[Quel­le: Pres­se­news­let­ter des ZDF.]

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Musik

Bevor es zu spät ist

Nach­dem ich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die bes­ten Alben (Bon Iver, The Gas­light Anthem; Mum­ford & Sons, Emmy The Gre­at, Biffy Cly­ro) jeweils erst nach Sil­ves­ter ent­deckt habe, dach­te ich mir, dass es die­ses Jahr anders wer­den muss: Ich bit­te also jetzt schon um Hin­wei­se, was ich even­tu­ell über­se­hen haben könn­te.

Bis­her ganz oben auf mei­ner Short­list für die bes­ten Alben 2010 ste­hen:

  • Erd­mö­bel – Kro­kus
  • The Natio­nal – High Vio­let
  • Del­phic – Aco­ly­te
  • Jón­si – Go
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Musik

Und dann kam Polli

Vor vie­len Jah­ren schrieb ich in einer der Rezen­sio­nen, die ich damals in Fließ­band­ar­beit für ein Online-Musik­ma­ga­zin anfer­tig­te, über das völ­lig okaye Debüt­al­bum von Jona Stein­bach den fol­gen­den, weder klu­gen noch schö­nen Satz:

Viel­leicht schafft man es irgend­wann, eine CD mal nicht als Mani­fest einer geschei­ter­ten Gene­ra­ti­on, son­dern ein­fach nur als Ton­trä­ger zu begrei­fen.

Als ein gutes Jahr spä­ter das Zweit­werk des Köl­ners erschien, stand auf der dazu­ge­hö­ri­gen Pres­se­info das fol­gen­de, angeb­li­che Zitat:

Das Mani­fest einer geschei­ter­ten Gene­ra­ti­on.

Spä­tes­tens da wuss­te ich: Die­se, auch „Wasch­zet­tel“ genann­ten, Pres­se­infos sind das Schlimms­te, was das Musik­busi­ness zu bie­ten hat. (Und das Musik­busi­ness hat immer­hin Prof. Die­ter Gor­ny zu bie­ten.)

Selbst Sät­ze, die einem unter nor­ma­len Umstän­den nicht wei­ter auf­fal­len wür­den, wir­ken in Pres­se­infos dumm und gestelzt. Und dann gibt es ja noch die gan­ze Kli­schee-Grüt­ze von wegen „in kei­ne Schub­la­de pas­sen“, „rei­fer gewor­den“ und „ihr bis­her bes­tes Album“. Wenn man Glück hat (ja, wirk­lich: Glück) steht da wenigs­tens noch eine Lat­te von Künst­lern, die angeb­lich so ähn­lich klin­gen, und man kann schon vor dem Hören abschät­zen, ob man sich das jetzt wirk­lich antun will.

Wenn ich selbst Pres­se­tex­te ver­fas­sen soll­te (zum Bei­spiel, damit Dins­la­ke­ner Lokal­re­dak­tio­nen aus­führ­li­che Ankün­di­gun­gen von Kon­zer­ten abdru­cken konn­ten, in die sie kei­ne Sekun­de eige­ner Arbeit inves­tie­ren muss­ten), dann ging das nur mit sehr viel Über­win­dung und unter Selbst­hass und Schmer­zen.

Den­noch über­win­de ich mich etwa ein­mal im Jahr und hacke eine Pres­se­info in die Tas­ten – wenn man anschlie­ßend eine hal­be Stun­de heiß duscht, geht’s meis­tens wie­der. Die zu lob­prei­sen­den Künst­ler müs­sen aber a) Freun­de von mir sein und b) Musik machen, die mir wirk­lich, wirk­lich gefällt. Bei­des war im Fall von Poly­a­na Fel­bel gege­ben und so schrieb ich die Pres­se­info, um alle Pres­se­infos zu been­den.

Poly­a­na Fel­bel, das sind Poly­a­na Fel­bel und Taka Cha­nai­wa aus Köln („einer Stadt, die man nicht gera­de mit den Wei­ten des nord­ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nents oder den Wäl­dern Skan­di­na­vi­ens ver­bin­det“, wie es in der Pres­se­info fak­tisch eini­ger­ma­ßen kor­rekt heißt) und ges­tern haben sie dort ihr ers­tes offi­zi­el­les Kon­zert gespielt. Rund 50 Men­schen hat­ten sich im Thea­ter der „Wohn­ge­mein­schaft“ (ein etwas bemüht im urba­nen Retro-Chic gehal­te­nes Etwas mit Knei­pe, Hos­tel und Büh­ne) ver­sam­melt und den Raum damit auf mucke­li­ge 30° Cel­si­us auf­ge­heizt. Eini­ge kamen gar ver­klei­det, was sich aller­dings mit der Rhein­län­dern offen­bar inne­woh­nen­den, ansons­ten aber völ­lig unver­ständ­li­chen Affi­ni­tät zu Schnaps­zahl-Daten erklä­ren lässt.

Das Vor­pro­gramm bestritt ein auf­stre­ben­der Singer/​Songwriter und Zoll­be­am­ten-Bespa­ßer aus Bochum, dann ging es rich­tig los: Pol­li und Taka eröff­ne­ten mit einem Cover von Cold­plays „Green Eyes“ und es dau­er­te unge­fähr zehn Sekun­den, bis sich Gän­se­haut und Sprach­lo­sig­keit Raum bra­chen. Mit jedem wei­te­ren Stück – neben eini­gen Eige­nen auch Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen von „The Blower’s Daugh­ter“ (Dami­en Rice), „Use Some­bo­dy“ (Kings Of Leon) und „Kids“ (MGMT) – wuchs die Begeis­te­rung und am Ende des Abends war ein Jeder, ob Männ­lein oder Weib­lein, ein biss­chen in Pol­li ver­liebt.

Das ist aber auch tol­le Musik, die­ser Folk, den die bei­den da machen: Einer­seits fili­gran wie ein letz­tes, ver­trock­ne­tes Blatt im Herbst­wind, ande­rer­seits mit einer unge­heu­ren Kraft und Stimm­ge­walt vor­ge­tra­gen. Ver­glei­che mit Kath­le­en Edwards, Lori McKen­na oder Hem klop­fen an und müs­sen nicht gescheut wer­den (um eine in der Pres­se­info unbe­nutz­te Phra­se doch noch zu ver­bra­ten). Es ist ein­fach toll zu sehen, wie zwei jun­ge Men­schen mit Spaß und Ernst­haf­tig­keit Musik machen und damit einen voll gepack­ten Raum zum Schwei­gen und Schwel­gen brin­gen.

Für die nun dräu­en­den dunk­len Aben­de sei­en Ihnen Poly­a­na Fel­bel daher schwers­tens ans Herz gelegt. Hör­pro­ben gibt es auf einer obsku­ren klei­nen Inter­net­sei­te namens MySpace und hier:

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Musik

Gesammelte Platten August/​September 2010

This ent­ry is part 8 of 8 in the series Gesam­mel­te Plat­ten

Best Coast – Cra­zy For You
Stel­len Sie sich vor, Blon­die hät­ten ein Beach-Boys-Tri­bu­te-Album auf­ge­nom­men. Ver­ges­sen Sie wie­der, was Sie sich gera­de vor­ge­stellt haben, und hören Sie sich „Cra­zy For You“ an, das Debüt­al­bum von Best Coast. Auf dem Cover sieht man eine Kat­ze, deren Hin­tern die Umris­se Kali­for­ni­ens hat. Da fra­ge ich Sie: Was will man mehr?
Anspiel­tipps: „Boy­fri­end“, „The End“, „Sum­mer Mood“, „Each And Ever­y­day“. (LH)

The Black Angels – Phos­phene Dream
Da woll­te ich gera­de mit einer Emp­feh­lung ange­ben, die ich mir in Lon­don im renom­mier­ten Rough-Trade-Plat­ten­la­den geholt habe, und stel­le fest, dass das natür­lich das neue Hype/­Kon­sens-The­ma ist: The Black Angels aus Aus­tin, Texas, wahl­wei­se ein­sor­tiert unter „Psy­che­de­lic Rock“, „Stoner Rock“ oder auch „Blues Rock“. Die Musik klingt jeden­falls, als stam­me sie aus dem ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert – „Sun­day After­noon“ könn­te gar von den spä­ten Beat­les stam­men, „River Of Blood“ von den Doors und so man­ches erin­nert an The Vel­vet Under­ground, die auch für den Band­na­men Pate stan­den. Dröh­nen­de Gitar­ren, schep­per­ne­des Schlag­werk – herr­lich!
Anspiel­tipps: „Bad Vibra­ti­ons“, „Sun­day After­noon“, „Tele­pho­ne“. (LH)

Erd­mö­bel – Kro­kus
Ich wür­de nie behaup­ten, wirk­lich zu ver­ste­hen, wovon Mar­kus Ber­ges hier singt. Die Wor­te sind deutsch (zumin­dest die meis­ten), aber die Sät­ze, die dar­aus ent­ste­hen, tra­gen sie­ben Sie­gel. Doch es ist eine ver­spiel­te Peter­Licht-Rät­sel­haf­tig­keit, kein „Oh mein Gott, ich bin zu dumm!“-Gefühl wie bei Toco­tro­nic. Wie bei den frü­hen R.E.M.-Alben ist es aber auf eine gewis­se Wei­se auch ganz egal, wovon die Tex­te han­deln (obwohl die musi­ka­li­sche Ver­ar­bei­tung eines wit­te­rungs­be­ding­ten Not­halts in der nie­der­rhei­ni­schen Pro­vinz längst über­fäl­lig war und jetzt end­lich in „Emma“ nach­ge­holt wur­de), weil der Gesang auch als zusätz­li­ches Instru­ment funk­tio­niert. Musi­ka­lisch ist das Album mit sei­nen vie­len Sam­ba- und Jazz-Anlei­hen eh top und wenn es am Ende heißt „Das Leben ist schön“, dann ver­steht man das auch beim ers­ten Hören. Ich bin zu faul, das zu veri­fi­zie­ren, aber es könn­te sich um das bes­te deutsch­spra­chi­ge Album des Jah­res han­deln.
Anspiel­tipps: „77ste Lie­be“, „Frem­des“, „Wort ist das fal­sche Wort“, „Emma“, „Kro­kus­se“, „Das Leben ist schön“. (LH)

Ben Folds – Lonely Ave­nue
Da ist es also end­lich, das Album, auf dem Ben Folds Tex­te von Nick Horn­by ver­tont hat. Alle Zwei­fel, ob die Tex­te eines Schrift­stel­lers nicht etwas zu sper­rig für Pop­songs sein könn­ten, zer­schla­gen sich spä­tes­tens mit dem zwei­ten Track des Albums: „Pic­tu­re Win­dow“ ist der bes­te Folds-Songs seit min­des­tens fünf Jah­ren. Und Geschich­ten über ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re hat Folds ja immer schon erzählt, war also inso­fern selbst schon immer schwer lite­ra­risch tätig. Nach dem etwas spe­zi­el­len „Way To Nor­mal“ ist „Lonely Ave­nue“ musi­ka­lisch wie­der deut­lich ent­spann­ter und melan­cho­li­scher gewor­den
Anspiel­tipps: „Pic­tu­re Win­dow“, „Doc Pomus“, „From Abo­ve“, „Saskia Hamil­ton“, „Belin­da“. (LH)

I Bla­me Coco – The Pre­par­ty
Ich wuss­te ja von nichts, also nicht wie Sting mit bür­ger­li­chem Namen heißt (Gor­don Sum­ner). Weder, dass er eine modeln­de und sin­gen­de Toch­ter hat (Coco Sum­ner ali­as Eli­ot Pau­li­ne Sum­ner). Geschwei­ge denn, dass die gute Dame ent­ge­gen­ge­setzt aller Kli­schees, die man dann sofort abspult wenn der Herr Papa ein erfolg­rei­cher und von mir wert­ge­schät­zer Musi­ker ist, erfüllt.
Ganz und gar nicht, Coco Sum­ner fetzt! So rich­tig, eine taf­fe jun­ge Künst­le­rin, die sich hin­ter ihrem Vater nicht ver­ste­cken braucht. Die Stim­me rau­chig, die Songs erfri­schend und pas­send für gedie­gen­de Aben­de mit Freun­den, zum herr­lich tan­zen oder, oder, oder!
Der Ope­ner auf Pre­par­ty heißt „Bohe­mi­an Love“ und so rela­xed und gemüt­lich klin­gen auch vie­le der ande­ren Songs. „Voice In My Head“ erin­nert dann schon an den Herrn Vater, was aber wun­der­bar stim­mig ist. Ein biss­chen Reg­gae ein wenig Folk, aber vor allem eine ange­nehm wür­zi­ge Stim­me und eine gefühl­te Relaxt­heit die sich bei mir ein­schleicht. Was nicht heißt das die Plat­te ein­schlä­fert, nein, viel­mehr gibt es die­se Momen­te, in denen man sich ent­spannt zurück leh­nen kann und genießt.
Die neue Plat­te „The Con­stant“ ist auch schon drau­ßen und ist auch äußerst hörens­wert!
Anspiel-genie­ßer-tipps: „Bohe­mi­an Love“, „How Did All The­se Peo­p­le Get In My Room“, „Voice In My Head“. (AK)

Manic Street Pre­a­chers – Post­cards From A Young Man
Die Solo­al­ben, die James Dean Brad­field und Nicky Wire 2006 ver­öf­fent­licht haben, waren das bes­te, was den Manic Street Pre­a­chers pas­sie­ren konn­te, denn seit­dem erlebt die Band ihren zwei­ten Früh­ling: „Send Away The Tigers“ war groß, „Jour­nal For Pla­gue Lovers“ rau – und mit ihrem zehn­ten Album zie­len die Manics noch mal ganz prä­zi­se in Rich­tung Sta­di­on. Strei­cher, Chö­re, ein­gän­gigs­te Melo­dien – alles ist dabei und Brad­fields Stim­me klingt sogar noch ein biss­chen bes­ser als frü­her. „Post­cards From A Young Man“ ist als Alters­werk gewollt, in den Tex­ten klingt eini­ges an Resi­gna­ti­on und Melan­cho­lie mit, aber alt klingt die Band kein biss­chen. Und wenn es jetzt Tra­di­ti­on wird, dass Nicky Wire auf jedem Album einen Song sin­gen darf, dann dür­fen die Manics von mir aus ger­ne bis zum Ren­ten­al­ter wei­ter­ma­chen. „The Future Has Been Here 4 Ever“ klingt jeden­falls schon mal arg nach den Rol­ling Stones.
Anspiel­tipps: „(It’s Not War) Just The End Of Love“, „Some Kind Of Not­hing­ness“, „Hazel­ton Ave­nue“. (LH, Rezen­si­ons­exem­plar)

Las­se Mat­thies­sen – Stray Dog
Man­che Din­ge sind etwas ganz beson­de­res. Man­che Musi­ker sind etwas ganz beson­de­res. Man­che Musi­ker kön­nen allei­ne auf einer Büh­ne ste­hen und man­che haben noch ein paar mehr Musi­ker dabei.
Las­se Mat­thies­sen, ursprüng­lich aus Däne­mark und jetzt Part­ti­me-Ber­li­ner, ist so ein Beson­de­rer, der allei­ne und manch­mal mit sei­ner Band im Quar­tett sein Publi­kum ver­zau­bert.
Immer mit den lei­sen Tönen, dem gekonn­ten Spie­len mit Laut und Lei­se, auch dem Laut und Lei­se in sei­ner Stim­me. Mit uner­war­te­ten Brü­chen, Gefühl und Witz. Mit sei­ner Gitar­re, einer Mund­har­mo­ni­ka und sei­ner Band, bestehend aus Vio­li­ne (Søren Sten­sby), Kon­tra­bass (Niels Knud­sen) und Schlag­zeug (Ter­kel Nør­gaard), hat Las­se Mat­thies­sen etwas ganz beson­de­res geschaf­fen. Zwi­schen Singer/​ Song­wri­ter, Folk, Indie und Jazz ver­wan­deln sich die Akkor­de zu wun­der­ba­ren Melo­dien.
Ich hat­te das gro­ße, gro­ße Glück ihn in einer mei­ner klei­nen Lieb­lings­or­te (der Popo Bar in Neu­kölln) in Ber­lin bei einem Live-Kon­zert zu sehen. Was mich immer beson­ders glück­lich macht, wenn inner­halb einer Band alle Musi­ker Raum haben für ihr Instru­ment und sich zusam­men so wun­der­bar ergän­zen.
Am Ende bleibt ein kol­lek­tiv zufrie­de­nes Publi­kum.
Habe mir gleich die CD geschnappt und freu mich, hier CD und Kon­zert Review in einem Abzu­lie­fern.
Anspiel­tipps: „Befo­re We Dissap­pear“, „Soon The Spring“, „Bor­ro­wed Time“, „Whe­re Are You“. (AK)

Pro­fes­sor Green – Ali­ve Till I’m Dead
Beschrei­bun­gen wie „der eng­li­sche Emi­nem“ sind natür­lich nie wirk­lich aus­sa­ge­kräf­tig, hel­fen einem aber enorm bei der gro­ben Ein­ord­nung. „Die männ­li­che Lady Sove­reign“ wür­de es schon bes­ser tref­fen, aber allein die Samples („Just Be Good To Me“ von The SOS Band, gesun­gen von Lily Allen, und „Need You Tonight“ von INXS) spre­chen für sich. „Ali­ve Till I’m Dead“ ist eine cle­ve­re, höchst ver­gnüg­li­che Rap-Plat­te für Leu­te, die Mike Skin­ners Akzent nicht ertra­gen.
Anspiel­tipps: „Just Be Good To Green“, „I Need You Tonight“, „Do For You“, „Mons­ter“, „Clo­sing The Door“. (LH)

Phil­ip Sel­way – Fami­li­al
Ganz bedäch­tig klingt der ers­te Song „By Some Mira­cle“, auf Sanft­pfo­ten tra­gen sich die Töne ins Ohr. Mit „Fami­li­al“ beginnt das Solo­al­bum des Drum­mers DER Band (Radio­head) wirk­lich mit lei­sen Tönen. Ein biss­chen mys­te­ri­ös. Ein wenig wun­der­lich, aber Radio­head war schon immer wun­der­lich und mys­te­ri­ös.
Lei­se Kan­ten und anschmieg­sa­me Ecken zeich­nen die­ses Album aus. Die Melo­dien sind nicht auf­dring­lich, die Tex­te ste­hen für die Zwi­schen­tö­ne im Leben. Und doch bleibt die Span­nung der Plat­te fast durch­ge­hend auf­recht erhal­ten.
Und mehr will ich zu die­ser Spät­som­mer/Herbst- und bestimmt wie­der ent­deck­ba­ren Früh­jahrs­plat­te gar nicht sagen. Sel­ber lau­schen, ist eh bes­ser!
Anspiel­tipp: „Bey­ond Reason“, „The Ties That Bind Us“. (AK)

Wir Sind Hel­den – Bring mich nach Hau­se
Ich will ehr­lich sein: Nach unse­rer ener­vie­ren­den Lis­tening-Ses­si­on hat­te ich kein Bedürf­nis mehr, das Album noch ein­mal auf­zu­le­gen. Das mag der Band gegen­über unge­recht sein, aber da war ein­fach so viel ande­re Musik, die mich mehr inter­es­siert hat.
Anspiel­tipps: „Alles“, „Bring mich nach Hau­se“. (LH, Rezen­si­ons­exem­plar)

Mit­ar­beit an die­ser Aus­ga­be:
AK: Anni­ka Krü­ger
LH: Lukas Hein­ser

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Musik

Are we human or are we Freiheit?

Mei­ne data-epi-spa­cing Ver­bun­den­heit data-epi-spa­cing mit data-epi-spa­cing der data-epi-spa­cing Mün­che­ner data-epi-spa­cing Frei­heit data-epi-spa­cing hat­te data-epi-spa­cing ich data-epi-spa­cing ja data-epi-spa­cing schon data-epi-spa­cing mehr­fach data-epi-spa­cing the­ma­ti­siert. data-epi-spa­cing Nach­dem data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing Band data-epi-spa­cing ca. data-epi-spa­cing 15 data-epi-spa­cing Jah­re data-epi-spa­cing völ­lig data-epi-spa­cing von data-epi-spa­cing mei­nem data-epi-spa­cing Schirm data-epi-spa­cing ver­schwun­den, data-epi-spa­cing aber data-epi-spa­cing selbst­ver­ständ­lich data-epi-spa­cing nie data-epi-spa­cing „weg“ data-epi-spa­cing war, data-epi-spa­cing gibt data-epi-spa­cing es data-epi-spa­cing nun data-epi-spa­cing … data-epi-spa­cing äh data-epi-spa­cing … data-epi-spa­cing Nach­rich­ten: data-epi-spa­cing Am data-epi-spa­cing 1. data-epi-spa­cing Okto­ber data-epi-spa­cing erscheint data-epi-spa­cing das data-epi-spa­cing neue data-epi-spa­cing Album, data-epi-spa­cing das data-epi-spa­cing „Ohne data-epi-spa­cing Limit“ data-epi-spa­cing hei­ßen data-epi-spa­cing wird.

Wäh­rend data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing Band data-epi-spa­cing in data-epi-spa­cing den data-epi-spa­cing 1980er data-epi-spa­cing Jah­ren data-epi-spa­cing ja data-epi-spa­cing immer data-epi-spa­cing etwas data-epi-spa­cing zu data-epi-spa­cing Unrecht data-epi-spa­cing in data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing Schla­ger-Ecke data-epi-spa­cing gescho­ben data-epi-spa­cing wur­de data-epi-spa­cing (eine data-epi-spa­cing Erfah­rung, data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing Sil­ber­mond data-epi-spa­cing oder data-epi-spa­cing Phil­ipp data-epi-spa­cing Poi­sel data-epi-spa­cing irri­tie­ren­der­wei­se data-epi-spa­cing nicht data-epi-spa­cing machen data-epi-spa­cing müs­sen), data-epi-spa­cing scheint data-epi-spa­cing sie data-epi-spa­cing sich data-epi-spa­cing jetzt data-epi-spa­cing ihrem data-epi-spa­cing Schick­sal data-epi-spa­cing erge­ben data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing Rol­le data-epi-spa­cing der data-epi-spa­cing altern­den data-epi-spa­cing Schla­ger­fuz­zi­es data-epi-spa­cing ange­nom­men data-epi-spa­cing zu data-epi-spa­cing haben. data-epi-spa­cing Die data-epi-spa­cing TV-Pre­mie­re data-epi-spa­cing zur data-epi-spa­cing neu­en data-epi-spa­cing Sin­gle data-epi-spa­cing „Seit data-epi-spa­cing der data-epi-spa­cing Nacht“ data-epi-spa­cing war data-epi-spa­cing jeden­falls data-epi-spa­cing vor­letz­te data-epi-spa­cing Woche data-epi-spa­cing im data-epi-spa­cing MDR-Fern­se­hen data-epi-spa­cing bei data-epi-spa­cing „Musik data-epi-spa­cing für data-epi-spa­cing Sie“.

Die­se data-epi-spa­cing Sin­gle data-epi-spa­cing hat data-epi-spa­cing es data-epi-spa­cing dann data-epi-spa­cing auch data-epi-spa­cing gleich data-epi-spa­cing in data-epi-spa­cing sich, data-epi-spa­cing denn data-epi-spa­cing sie data-epi-spa­cing ist data-epi-spa­cing gleich­zei­tig data-epi-spa­cing ein data-epi-spa­cing Angriff data-epi-spa­cing auf data-epi-spa­cing den data-epi-spa­cing König data-epi-spa­cing des data-epi-spa­cing Pop­schla­gers data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing den data-epi-spa­cing guten data-epi-spa­cing Geschmack data-epi-spa­cing Bands data-epi-spa­cing wie data-epi-spa­cing The data-epi-spa­cing Kil­lers data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing Scis­sor data-epi-spa­cing Sis­ters, data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing mein­ten, data-epi-spa­cing unge­straft data-epi-spa­cing im data-epi-spa­cing Dis­co­fox data-epi-spa­cing wil­dern data-epi-spa­cing zu data-epi-spa­cing dür­fen.

Stre­cken data-epi-spa­cing Sie data-epi-spa­cing Ihre data-epi-spa­cing Bei­ne data-epi-spa­cing durch, data-epi-spa­cing dre­hen data-epi-spa­cing Sie data-epi-spa­cing ihre data-epi-spa­cing PC-Laut­spre­cher data-epi-spa­cing ganz data-epi-spa­cing auf data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing legen data-epi-spa­cing Sie data-epi-spa­cing eine data-epi-spa­cing flot­te data-epi-spa­cing Soh­le data-epi-spa­cing aufs data-epi-spa­cing Par­kett data-epi-spa­cing – data-epi-spa­cing das data-epi-spa­cing Par­kett, data-epi-spa­cing in data-epi-spa­cing dem data-epi-spa­cing ich data-epi-spa­cing mich data-epi-spa­cing kurz data-epi-spa­cing ver­bis­sen data-epi-spa­cing hat­te, data-epi-spa­cing als data-epi-spa­cing ich data-epi-spa­cing den data-epi-spa­cing Song data-epi-spa­cing das data-epi-spa­cing ers­te data-epi-spa­cing Mal data-epi-spa­cing gehört data-epi-spa­cing habe:

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Mün­che­ner data-epi-spa­cing Frei­heit data-epi-spa­cing – data-epi-spa­cing Seit data-epi-spa­cing der data-epi-spa­cing nacht data-epi-spa­cing – data-epi-spa­cing MyVi­deo

(Bit­te data-epi-spa­cing beach­ten data-epi-spa­cing Sie data-epi-spa­cing auch data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing „Human“-Keyboardmelodie data-epi-spa­cing bei data-epi-spa­cing 0:38, data-epi-spa­cing falls data-epi-spa­cing Sie data-epi-spa­cing es data-epi-spa­cing so data-epi-spa­cing weit data-epi-spa­cing geschafft data-epi-spa­cing haben.)

Wenn data-epi-spa­cing Ihnen data-epi-spa­cing danach data-epi-spa­cing ist, data-epi-spa­cing kön­nen data-epi-spa­cing Sie data-epi-spa­cing auf data-epi-spa­cing der data-epi-spa­cing Web­site data-epi-spa­cing der data-epi-spa­cing Band data-epi-spa­cing Aus­schnit­te data-epi-spa­cing aus data-epi-spa­cing allen data-epi-spa­cing 16 data-epi-spa­cing neu­en data-epi-spa­cing Songs data-epi-spa­cing hören. data-epi-spa­cing Im data-epi-spa­cing Herbst data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing im data-epi-spa­cing kom­men­den data-epi-spa­cing Früh­jahr data-epi-spa­cing ist data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing Mün­che­ner data-epi-spa­cing Frei­heit data-epi-spa­cing auf data-epi-spa­cing gro­ßer data-epi-spa­cing „30 data-epi-spa­cing Jahre“-Jubiläumstour.

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Spexen für Anfänger

Wir Sind Hel­den haben ein Album ver­öf­fent­licht, das unse­re Autoren spal­tet: Katha­ri­na Schliebs ist begeis­tert von sei­ner Tie­fe, Lukas Hein­ser woll­te es nach zwei Durch­gän­gen eigent­lich nie wie­der auf­le­gen. Gemein­sam haben sie sich noch ein­mal durch „Bring mich nach Hau­se“ gehört und ihre Ein­drü­cke in ein Chat­fens­ter geschrie­ben.

Her­aus­ge­kom­men ist so etwas ähn­li­ches wie ein Text:

Katha­ri­na: „In den Biblio­the­ken städ­ti­scher Bal­lun­gen /​ sta­peln sich Bücher über läp­pi­sche Wal­lun­gen /​ neben Bän­den vol­ler Lie­der über Beu­len und Schräg­la­gen /​ und die Wän­de hal­len wie­der vom Heu­len und Weh­kla­gen.“ – Was für ein gro­ßer Text über die Klei­nig­kei­ten, die zur Soap des Lebens auf­ge­bla­sen wer­den.
Lukas: Den Song wür­de ich glaub ich skip­pen, wenn ich das Album hören wür­de.
Katha­ri­na: Der ist unglaub­lich schön in sei­ner zar­ten Sub­ti­li­tät. Gänz­lich undra­ma­tisch fließt es so dahin, und die­se Trom­pe­te ist wun­der­bar. (Ist es eine Trom­pe­te?) Ich hab den ges­tern im Zug immer wie­der auf repeat gehört. Die­ses Album ist eben etwas schwe­rer zugäng­lich.
Lukas: Ich find die­ses „Dra­ma-Dra­ma­ti­ker“ im Refrain so unfass­bar nerv­tö­tend.
Katha­ri­na: Ja, aber da haben wir eine Über­schnei­dung von Text/​Musik/​Aussage. Das ist so fein auf­ge­baut: Die Mäd­chen regen sich über die Jungs auf, die Jungs über die Mäd­chen, und die Ren­ter ste­hen für die Zuschau­er, die dann auch noch einen guten Rat parat haben – Früh­ver­grei­sung der Bes­ser­wis­ser Anfang 20… ach! Und alles ist immer so dra­ma­tisch, dabei pupst das Leben ein­fach unspek­ta­ku­lär vor sich hin. Und Judith Holo­fer­nes sagt im Inter­view: Es ist Zeit, mal weni­ger zu wol­len und die Din­ge ein­fach mal gesche­hen zu las­sen.
Lukas: Das sagt sich natür­lich leicht, wenn man gera­de ein Album auf­ge­nom­men hat, auf dem man defi­ni­tiv zu viel gewollt hat.
Katha­ri­na: Hat man? Ich find nicht!
Lukas: Das drit­te Album war ja schon ein biss­chen über­am­bi­tio­niert, aber das neue lässt mich noch rat­lo­ser zurück als Toco­tro­nic. Viel­leicht bin ich auch ein­fach nicht gebaut für Intel­lek­tu­el­len-Pop.
Katha­ri­na: Ja, das ist scha­de, dass es viel­leicht zu „intel­lek­tu­ell“ und damit schwe­rer zugäng­lich ist… ande­rer­seits müs­sen WsH auch kei­ne Ansprü­che erfül­len. Judith hat auch gesagt, sie hät­te schon beim 3. Album etwas dämo­nisch gedacht: „Mal gucken, wer da jetzt noch mit­kommt.“
Lukas: Was natür­lich eine schö­ne Wei­ter­ent­wick­lung vom Slo­gan-Pop des ers­ten Albums ist. Wobei die Slo­gans ja nur ver­schach­tel­ter gewor­den sind.
Katha­ri­na: Das gan­ze Album ist im Prin­zip das ers­te und das zwei­te Album nur in bes­ser! Die The­men sind die glei­chen, immer!
Lukas: Na, die The­men sind bei unge­fähr jeder Band immer die­sel­ben.
Katha­ri­na: „Dra­ma­ti­ker“ wäre zum Bei­spiel „Geht aus­ein­an­der“.
Lukas: Die­ser Sprach­witz, der bei „Die Zeit heilt alle Wun­der“ noch char­mant und unver­braucht war (obwohl das im Rück­blick auch nähe­rungs­wei­se albern ist), ermü­det mich auf die Dau­er. Das wird so Chris­ti­an-Mor­gen­stern-mäßig, Heinz-Erhardt-esk.
Katha­ri­na: Ja, aber irgend­wie find ich das immer noch lus­tig: Dra­ma­ti­ker, Bati­ker, Sta­ti­ker, Talar­sti­cker, Star­ki­cker. „Wer zu viel frisst aus Frust ver­lässt danach oft die Bar dicker“ – ich muss immer grin­sen. Und das ist ja nur das eine Lied! War­te mal die ande­ren ab!

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Parental Advisory

Saturn bie­tet in sei­nem MP3-Shop gera­de die „Top 100 Hard Rock + Hea­vy Metal Alben“ für je 4,99 Euro an:

Top 100 Hard Rock + Heavy Metal Alben für je 4,99 Euro

Äh, Moment. Kann ich das drit­te Album von links noch mal sehen?

Mumford & Sons - Sigh No More (Albumcover)

Aha.

Da passt es natür­lich schön ins Bild, dass WDR 2 heu­te eine Ver­si­on von „Litt­le Lion Man“ gespielt hat, in der allen Erns­tes sämt­li­che Refrains bei „I real­ly fucked it up this time /​ Did­n’t I, my dear“ ohne das „fucked“ aus­kom­men muss­ten.