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Die besten James-Bond-Songs aller Zeiten

Am Don­ners­tag läuft „Sky­fall“, der 23. und neu­es­te James-Bond-Film, in den deut­schen Kinos an. Da es die Rei­he die­ses Jahr seit 50 Jah­ren gibt, ich seit 17 Jah­ren Fan bin und mich ver­gan­ge­ne Woche auf ein Musik­quiz zum The­ma vor­be­rei­tet habe, hal­te ich es für einen guten Zeit­punkt, Ihnen mei­ne ganz per­sön­li­che Rang­lis­te der bes­ten James-Bond-Songs aller Zei­ten zu prä­sen­tie­ren.

Das ist nicht ganz ein­fach: Geschmä­cker ändern sich über die Jah­re, wir ver­glei­chen hier Songs aus der Zeit, als die Beat­les ihre Kar­rie­re began­nen, mit wel­chen aus dem Zeit­al­ter von Lady Gaga und Jus­tin Bie­ber. Aber letzt­end­lich geht es ja dar­um, was mir im Jahr 2012 gefällt und was nicht.

Bei der Aus­wahl habe ich mich auf die Songs der 23 offi­zi­el­len Fil­me von Eon Pro­duc­tions der Fami­lie Broc­co­li kon­zen­triert und die min­des­tens zwei inof­fi­zi­el­len Bond-Fil­me („Casi­no Roya­le“ von 1967 und „Sag nie­mals nie“ von 1983) außen vor gelas­sen. Dass die Lis­te trotz­dem 25 Songs umfasst, liegt dar­an, dass es eini­ge Fil­me mit je zwei Songs gab.

Aber das wer­den Sie ja jetzt sehen und hören:

25. Shee­na Eas­ton – For Your Eyes Only („In gehei­mer Mis­si­on“, 1981)
Los geht’s mit einem Song, der nicht „für einen James-Bond-Song schlecht“, son­dern auch all­ge­mein­gül­tig schlecht ist. Ein Schmacht­fet­zen, der sei­nen natür­li­chen Lebens­raum erst 1989 erreich­te, als er auf „Kuschel­rock 3“ ver­ewigt wur­de (als bis­her ein­zi­ger Bond-Song über­haupt), und der auch dann noch ster­bens­lang­wei­lig gewe­sen wäre, wenn die Inter­pre­tin eine Stim­me gehabt hät­te. Schnell wei­ter!

24. Rita Coo­lidge – All Time High („Octo­pus­sy“, 1983)
Es war, wie wir noch sehen wer­den, nicht alles schlecht unter Roger Moo­re, aber gut waren die Songs in der mitt­le­ren Pha­se jetzt auch nicht. Wobei „All Time High“ wenigs­tens Poten­ti­al hat­te, wie die Ver­si­on beweist, die David Arnold mit Pulp (die übri­gens erfolg­los am Ideen­wett­be­werb für „Tomor­row Never Dies“ teil­ge­nom­men hat­ten) auf­ge­nom­men hat.

23. Gla­dys Knight – Licence To Kill („Lizenz zum Töten“, 1989)
Und noch ein Schmalz­schla­ger vom Fließ­band, der – gemein­sam mit Pat­ti LaBel­les „If You Asked Me To“ – den Film zu einem musi­ka­li­schen Total­aus­fall wer­den lässt und fast alles ver­eint, was in den Acht­zi­ger Jah­ren musi­ka­lisch falsch gelau­fen ist. Der Song beweist gleich­zei­tig, dass sich nicht jeder Titel eines James-Bond-Films auch ohne wei­te­res in den Text eines Pop­songs ein­flech­ten lässt („I Got a licence to kill /​ And you know I’m going straight for your heart /​ Got a licence to kill /​ Anyo­ne who tri­es to tear us apart“?!?). Und dann ist es mit 5:15 Minu­ten auch noch der längs­te von allen …

22. Car­ly Simon – Nobo­dy Does It Bet­ter („Der Spi­on, der mich lieb­te“, 1977)
Ach Gott, ja. Nicht wirk­lich schlimm wie „For Your Eyes Only“, aber doch ein arg belang­lo­ser Song einer ansons­ten ver­dien­ten Sän­ge­rin. Man merkt, dass Abba damals die Welt beherrsch­ten. Wenn die Strei­cher und Blä­ser nicht so arg chee­sy wären, hät­te das „Baby, you’­re the best“-Finale durch­aus ein schö­ner Moment wer­den kön­nen.

21. Madon­na – Die Ano­ther Day („Stirb an einem ande­ren Tag“, 2002)
Zum 40. Geburts­tag der Rei­he und zum 20. Film woll­ten sich die Pro­du­zen­ten mal rich­tig was gön­nen: Oscar-Preis­trä­ge­rin Hal­le Ber­ry als Bond-Girl, ganz vie­le Quer­ver­wei­se auf die Vor­gän­ger und ein Titel­song von Madon­na soll­ten es sein. Das Posi­tivs­te, was man über den Titel­song sagen kann, ist, dass er „defi­ni­tiv mal was ande­res“ war – und auf eine Art „Toxic“ von Brit­ney Spears vor­weg­nahm. Der Film ist eine an sei­nen eige­nen Digi­tal­ef­fek­ten ersti­cken­de Kata­stro­phe, nach der sich Eon völ­lig zurecht zu einem kom­plet­ten Reboot der Serie ent­schloss. Die bes­te Stel­le ist, wenn Pier­ce Bros­nan zu den Klän­gen von „Lon­don Cal­ling“ von The Clash nach Eng­land fliegt.

20. Lulu – The Man With The Gol­den Gun („Der Mann mit dem gol­de­nen Colt“, 1974)
Eine auch 1974 schon rüh­rend alt­mo­di­sche Idee, die Geschich­te des Films qua­si im Song­text zu erzäh­len. Aber die Blä­ser sind durch­aus Bond-wür­dig. Fun fact: Lulu ist die ein­zi­ge Inter­pre­tin, die sowohl einen Bond-Titel­song gesun­gen als auch den Euro­vi­si­on Song Con­test gewon­nen hat.

19. Chris Cor­nell – You Know My Name („Casi­no Roya­le“, 2006)
Wuss­ten Sie, dass Ali­ce Coo­per („The Man With The Gol­den Gun“) und Blon­die („For Your Eyes Only“) eige­ne Bond-Songs geschrie­ben hat­ten, die dann nicht ver­wen­det wur­den? Ich schrei­be das, weil ich ger­ne was über ver­dien­te Rock­mu­si­ker erzäh­len möch­te, ohne mich die­sem Lied stel­len zu müs­sen. Chris Cor­nell, der pein­lichs­te Über­le­ben­de des Seat­tle-Grunge von vor 20 Jah­ren, mit einem wahn­sin­nig bana­len Song, den ein­zig das Riff mit einem James-Bond-Song ver­bin­det. Ja, es ist „anders“ und „irgend­wie modern“, ohne gleich das Madon­na-Desas­ter zu wie­der­ho­len, aber der Song (und der irgend­wie unrund wir­ken­de Vor­spann) ist der Tief­punkt des ansons­ten wahn­sin­nig guten ers­ten Dani­el-Craig-Films.

18. Sheryl Crow – Tomor­row Never Dies („Der Mor­gen stirbt nie“, 1997)
Als David Arnold Haus­kom­po­nist der Serie wur­de, gab es eine Art Aus­schrei­bung für den Titel­song zu Pier­ce Brosn­ans zwei­tem Bond-Film, an der sich unter ande­rem Pulp, Saint Eti­en­ne, Marc Almond, die Car­di­gans und Space betei­lig­ten. Dass es aus­ge­rech­net Sheryl Crow wur­de, ist ver­mut­lich ein­zig und allein ihrem Welt-Hit „All I Wan­na Do“ von 1994 geschul­det. Im Grun­de ver­eint der Song alles, was man für einen ordent­li­chen Bond-Titel­song braucht, aber er bleibt doch selt­sam blut­leer, fällt aber immer­hin nicht nega­tiv auf.

17. Lou­is Arm­strong – We Have All The Time In The World („Im Geheim­dienst Ihrer Majes­tät“, 1969)
Ja, Lou­is Arm­strong, der ers­te fahr­rad­fah­ren­de Trom­pe­ter auf dem Mond. Eine Legen­de. Und ein völ­lig okay­er Song, der streng genom­men nur die Num­mer 2 im Film ist. Und doch: Was soll denn das?

16. Shir­ley Bas­sey – Moon­ra­ker („Moon­ra­ker“, 1979)
Da ist sie end­lich: Shir­ley Bas­sey, die gro­ße (inzwi­schen) alte Dame des Bond-Titel­songs. Auf den Euro­vi­si­on Song Con­test umge­rech­net wäre sie so etwas wie Lys Assia, Vicky Lean­dros, Caro­la, Fri­da & Agne­tha und Lena zusam­men. Wer drei Bond-Songs gesun­gen hat (und bei min­des­tens zwei wei­te­ren Fil­men zumin­dest auf dem Zet­tel stand), muss aller­dings auch damit leben kön­nen, wenn einer davon auf Platz 16 lan­det, auch wenn es an ihm eigent­lich gar nichts aus­zu­set­zen gibt.

15. Ade­le – Sky­fall („Sky­fall“, 2012)
Das ist jetzt ein biss­chen unfair: Der Song ist neu, ich habe den Film noch nicht gese­hen und weiß nicht, wie das Lied im Vor­spann wirkt. Ade­le macht das durch­aus gut, obwohl ich mir ein biss­chen mehr von dem knal­li­gen „Rol­ling In The Deep“-Sound gewünscht hät­te, und der Song ist nach den bei­den rocki­gen Vor­gän­gern wie­der klas­si­scher Bond. Tat­säch­lich gibt es vor allem einen Grund dafür, dass er so weit hin­ten in die­ser Lis­te auf­taucht: die ande­ren Songs sind ein­fach bes­ser.

14. Matt Mon­ro – From Rus­sia With Love („Lie­bes­grü­ße aus Mos­kau“, 1963)
Der ers­te Bond-Song im eigent­li­chen Sin­ne, weil „Dr. No“ ja kei­nen gesun­ge­nen Titel­song hat­te. Mit 49 Jah­ren Abstand ist es schwer zu sagen, ob der Song damals cool und modern oder doch eher bie­der war. Der kal­te Krieg war damals auf sei­nem Höhe­punkt und Istan­bul, wo Tei­le des Films spie­len, war für die meis­ten Kino­gän­ger ein völ­lig exo­ti­scher Ort und kein Ziel für einen Wochen­end­trip. All das klingt durch bei Matt Mon­ro, der übri­gens ein Jahr spä­ter beim Euro­vi­si­on Song Con­test teil­nahm und Zwei­ter wur­de.

13. Gar­ba­ge – The World Is Not Enough („Die Welt ist nicht genug“, 1999)
Nach Sheryl Crow wag­ten die Pro­du­zen­ten Ende der Neun­zi­ger Jah­re ein biss­chen mehr und ver­pflich­te­ten Gar­ba­ge für den Titel­song, der dann letzt­lich doch erstaun­lich wenig Gar­ba­ge ent­hielt: Sän­ge­rin Shir­ley Man­son beklag­te sich Jah­re spä­ter, die Film­leu­te hät­ten ihnen stän­dig rein­ge­quatscht und am Ende sei qua­si nichts mehr von der Band im Song übrig geblie­ben. Das muss für die Musi­ker frus­trie­rend gewe­sen sein, tut dem Song aber kei­nen Abbruch.

12. Shir­ley Bas­sey – Dia­monds Are Fore­ver („Dia­man­ten­fie­ber“, 1971)
Shir­ley Bas­sey, die zwei­te. Nach­dem schon Sean Con­nery sein Come­back als James Bond fei­er­te und es aber­mals um wert­vol­le Boden­schät­ze ging, lag es wohl nahe, wie bei „Gold­fin­ger“ auf die Wali­se­rin zurück­zu­grei­fen. Sie mach­te das (wie üblich) per­fekt und der letz­te Refrain, wenn die Rhyth­mus­grup­pe rich­tig los­groovt, ist auch nach über vier­zig Jah­ren noch das, was man damals womög­lich als „schmis­sig“ bezeich­net hät­te.

11. a‑ha – The Living Day­lights („Der Hauch des Todes“, 1987)
Der ers­te Auf­tritt von Timo­thy Dal­ton als James Bond wird bis heu­te häu­fig unter­schätzt, dürf­te aber der bes­te Bond-Film der 1980er sein – und der mit dem zweit­bes­ten Titel­song die­ser Deka­de. Die Nor­we­ger von a‑ha sind bis heu­te die ein­zi­gen Nicht-Mut­ter­sprach­ler, die einen James-Bond-Titel­song sin­gen durf­ten. Auch wenn sie mit der Zusam­men­ar­beit mit Kom­po­nis­ten­le­gen­de John Bar­ry alles ande­re als zufrie­den waren, ist der Song eine wun­der­ba­re Kom­bi­na­ti­on aus zeit­ge­nös­si­scher Pop­mu­sik und klas­si­schem Bond-Sound.

10. Jack White & Ali­cia Keys – Ano­ther Way To Die („Ein Quan­tum Trost“, 2008)
Weil das mit dem Rock­sän­ger ja bei „Casi­no Roya­le“ so gut funk­tio­niert hat­te (*hust*), durf­te 2008 Jack White dran, des­sen Kar­rie­re als Sta­di­on- und Kir­mes­be­schal­ler damals noch in den Kin­der­schu­hen steck­te. Ihm zur Sei­te stand im ers­ten Duett der Bond-Geschich­te Ali­cia Keys, die es zwi­schen 2006 und 2009 geschafft hat, von Bob Dylan nament­lich in einem Lied erwähnt zu wer­den, einen James-Bond-Song zu sin­gen und mit Jay‑Z noch einen inter­na­tio­na­len Mega­hit zu haben. Die Kom­bi­na­ti­on der bei­den ist ein biss­chen gewollt außer­ge­wöhn­lich und man kann sich bes­ser zusam­men­pas­sen­de Stim­men vor­stel­len, aber so ein­drucks­voll wur­de seit den Sech­zi­gern kei­ne Gitar­re mehr bei Bond ein­ge­setzt. Der Vor­spann schafft das Kunst­stück, in einem Retro-Stil gehal­ten zu sein, der in sich selbst schon ver­al­tet aus­sieht und mit vier Jah­ren Abstand wirkt, als käme er nicht aus dem Jahr­zehnt, nach dem er aus­se­hen soll (mut­maß­lich 1960er), son­dern aus einem Acht­zi­ger-Jah­re-Com­pu­ter­spiel. Egal.

9. John Bar­ry Orches­tra – On Her Majesty’s Secret Ser­vice („Im Geheim­dienst Ihrer Majes­tät“, 1969)
Für den ers­ten (und ein­zi­gen) Bond-Film mit Geor­ge Lazen­by ver­zich­te­ten die Macher mal wie­der auf einen gesun­ge­nen Titel­song im Vor­spann und knall­ten den Zuschau­ern statt­des­sen die­ses orches­tra­le Brett vor den Latz, das auch nach 42 Jah­ren noch klingt, als sei es soeben von eini­gen fin­di­gen Retro-Pro­du­zen­ten erdacht wor­den. Tat­säch­lich hat­ten sich die Pro­pel­ler­heads das Werk 1997 für David Arnolds Bond-Song-Cover-Pro­jekt „Shaken And Stir­red“ vor­ge­nom­men, wo es zwar mit gei­len Big Beats auf­war­tet, in Sachen Wirk­mäch­tig­keit aber nicht ganz an John Bar­rys Ori­gi­nal her­an­kommt.

8. Nan­cy Sina­tra – You Only Live Twice („Man lebt nur zwei­mal“, 1967)
Okay, in Sachen chee­sy and con­tem­po­ra­ry ste­hen die Strei­cher­ar­ran­ge­ments dem Elend aus den Acht­zi­gern ver­mut­lich in nichts nach, aber es gibt ja noch die galop­pie­ren­den Wes­tern-Ele­men­te und die alles zusam­men­hal­ten­de Stim­me von Nan­cy Sina­tra. Die Strei­cher fei­er­ten 31 Jah­re spä­ter ihre Wie­der­auf­er­ste­hung in Rob­bie Wil­liams‘ „Mill­en­ni­um“ und tra­gen seit­dem noch ein biss­chen wei­ter zu John Bar­rys Ein­nah­men bei.

7. k.d. lang – Sur­ren­der („Der Mor­gen stirbt nie“, 1997)
Noch ein Song, der beim Song Con­test für „Tomor­row Never Dies“ durch­ge­fal­len war, es aber immer­hin auf den Sound­track und in den Abspann schaff­te. „Sur­ren­der“ ist ganz klas­si­scher Bond und gegen ihn kann eigent­lich nur gespro­chen haben, dass k.d. lang eben nicht Sheryl Crow war. Zum Glück. Kom­po­nist ist David Arnold, der auch den Score für „Der Mor­gen stirbt nie“ (und vier wei­te­re Bonds) schrieb, wes­we­gen das Motiv aus „Sur­ren­der“ im Film stän­dig zu hören ist, das des nomi­nel­len Titel­songs hin­ge­gen nie.

6. Mon­ty Nor­man Orches­tra – James Bond The­me („James Bond jagt Dr. No“, 1962)
Das ver­mut­lich bekann­tes­te Motiv der Film­ge­schich­te, das lang­le­bigs­te sowie­so. Die­se unglaub­li­che Cool­ness der Surf-Gitar­re, die auch nach 50 Jah­ren oft kopiert, aber nie erreicht wur­de. Wor­te sind nicht in der Lage, die­se 108 Sekun­den zu beschrei­ben. Welt­kul­tur­er­be!

5. Tom Jones – Thun­der­ball („Thun­der­ball“, 1965)
Man könn­te es sich nicht aus­den­ken: Um den Pos­ten als Sän­ger bei „Thun­der­ball“ kon­kur­rier­ten die bei­den cools­ten Män­ner des Uni­ver­sums – Tom Jones und John­ny Cash. Cashs Song hät­te zwar einen ordent­li­chen Wes­tern-Sound­track abge­ge­ben, pass­te aber über­haupt nicht zu Bond. Aber dafür gab es ja den wali­si­schen Tiger, der – beglei­tet von den Blä­sern, die damals schon die Mau­ern von Jeri­cho zum Ein­sturz gebracht hat­ten – ein­fach alles rich­tig mach­te. Inklu­si­ve des (mut­maß­lich) längs­ten jemals gehal­te­nen Tons der Bond-Geschich­te.

4. Shir­ley Bas­sey – Gold­fin­ger („Gold­fin­ger“, 1964)
„Gold­fin­ger“ gilt als womög­lich bes­ter Bond-Film der Geschich­te, sein Titel­song ist defi­ni­tiv der bes­te der ers­ten Deka­de. Es ist schwer vor­stell­bar, dass auch nur irgend­ein Pop­song aus dem Jahr 2012 in 48 Jah­ren noch so dyna­misch, packend und zeit­los wir­ken wird. Hier passt ein­fach alles! Fun fact: Jim­my Page, spä­te­rer Gitar­rist von Led Zep­pe­lin, ist als Ses­si­on-Musi­ker zu hören.

3. Duran Duran – A View To A Kill („Im Ange­sicht des Todes“, 1985)
Es war, wie gesagt, nicht alles schlecht unter Roger Moo­re: Zum Ende sei­ner Bond-Kar­rie­re im Alter von gefühlt 182 Jah­ren bekam er noch ein­mal einen ordent­li­chen Titel­song in dem fast alles ver­eint ist, was in den Acht­zi­ger Jah­ren musi­ka­lisch rich­tig gelau­fen ist. Ein ech­ter Stamp­fer, zu dem man auf den damals so genann­ten Feten sicher gut schwo­fen konn­te, wie man damals sag­te.

2. Paul McCart­ney & The Wings – Live And Let Die („Leben und ster­ben las­sen“, 1973)
Was ist noch bes­ser, als einen James-Bond-Song gesun­gen und den Euro­vi­si­on Song Con­test gewon­nen zu haben? Klar: Einen James-Bond-Song gesun­gen und vor­her bei den Beat­les gespielt zu haben. Dann kann man in 3:15 Minu­ten auch pro­blem­los min­des­tens drei ver­schie­de­ne Songs anstim­men. „Live And Let Die“ ist immer noch fes­ter und sehr beein­dru­cken­der Pro­gramm­punkt in Paul McCart­neys Solo­kon­zer­ten, bei dem Pyro­tech­nik im Gegen­wert eines Klein­wa­gens zum Ein­satz kommt. (Er ist damit neben „The Living Day­lights“ und „Thun­der­ball“ auch einer von drei Bond-Songs, die ich schon live gehört habe.)

1. Tina Tur­ner – Gol­de­nEye („Gol­de­nEye“, 1995)
„Gol­de­nEye“ war der ers­te James-Bond-Film, den ich im Kino gese­hen habe (dann direkt zwei­mal) und viel­leicht sogar mein ers­ter über­haupt. Inso­fern bin ich viel­leicht ein wenig vor­ein­ge­nom­men, aber es ist doch ein ver­dammt bril­lan­ter Song. Geschrie­ben von Bono und The Edge von U2, die danach auch nicht mehr viel hin­ge­kriegt hät­ten, was bes­ser gewe­sen wäre, und vir­tu­os vor­ge­tra­gen von Tina Tur­ner, die damals im drit­ten oder vier­ten Früh­ling ihrer Kar­rie­re stand. In Kom­bi­na­ti­on mit dem Vor­spann und dem Film ins­ge­samt ist „Gol­de­nEye“ ein­deu­tig der bes­te Bond-Song ever.

Die gan­ze Lis­te (oder so was in der Art) kön­nen Sie auch bei Spo­ti­fy hören.

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The best of whom?

Ich hat­te ja schon mal von der Idee berich­tet, einen Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof für Cover­ver­sio­nen (Sitz: Töten­sen) ins Leben zu rufen. Die­ser Gedan­ke wur­de gera­de wie­der akut, als ich auf Bild.de über die­se Schlag­zei­le stol­per­te:

Videopremiere von "Best Of You": Anastacia covert "Foo-Fighters"-Hit

Ja, für­wahr: Ana­sta­cia, die Anfang des Jahr­hun­derts eini­ge Hits hat­te, die mir auch nach dem Nach­schla­gen in der Wiki­pe­dia nicht mehr ins Ohr zurück­ge­kom­men sind, hat sich einen der bes­ten Foo-Figh­ters-Songs vor­ge­nom­men.

Bild.de erklärt:

Für „It’s A Man’s World“ hat die US-Sän­ge­rin klas­si­sche Rock­songs von männ­li­chen Mega-Stars neu inter­pre­tiert, dar­un­ter den „Foo-Figh­ters-Hit „Best Of You“.

Ana­sta­cia wird mit den Wor­ten zitiert:

„Ich wür­de ein Cover­al­bum mit klas­si­schen Män­ner-Rock­songs machen. Wie ich selbst!! Das ‚Chick‘, das eini­ge eine B**ch mit Eiern nen­nen!“

Und so klingt es, wenn das Hühn­chen, das auch eine Hün­din mit Eiern ist, los … äh: rockt:

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.myvideo.de anzu­zei­gen.

Ana­sta­cia – Best of you – MyVi­deo

Las­sen Sie mich an die­ser Stel­le kurz Sean Con­nery in der Rol­le des John Patrick Mason in „The Rock“ zitie­ren:

Your „best“?! Losers always whine about their best. Win­ners go home and fuck the prom queen.

Ich habe wirk­lich nichts gegen Cover­ver­sio­nen, solan­ge ich das Gefühl habe, dass da irgend­et­was Eige­nes vom Inter­pre­ten in die neue Ver­si­on mit ein­fließt. Das hier ist viel­leicht noch schlim­mer als das „Ring Of Fire“-Massaker von den H‑Blockx, weil dahin­ter kei­ne ein­zi­ge eige­ne Idee zu erken­nen ist, nur ein halb­wegs bekann­tes Ori­gi­nal, das mit zu viel Weich­spü­ler zu heiß gewa­schen wur­de.

Zu den ande­ren Songs auf Ana­sta­ci­as Cover­al­bum zäh­len unter ande­rem „Sweet Child O‘ Mine“ von Guns N‘ Roses, „Back In Black“ von AC/​DC, „Use Some­bo­dy“ von den Kings Of Leon, „You Give Love A Bad Name“ von Bon Jovi, „Won­der­wall“ von Oasis und „Black Hole Sun“ von Sound­gar­den.

Anders gesagt: Ein ganz nor­ma­ler Abend in der Karao­ke­bar.

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Nach Düsseldorf gefahren

Das Schrei­ben von Pres­se­infos zählt zu den schlimms­ten Auf­ga­ben im Stein­bruch der Unter­hal­tungs­in­dus­trie. Oft genug müs­sen un(ter)bezahlte Prak­ti­kan­ten, die kei­ner­lei Ver­hält­nis zum zu bewer­ben­den Künst­ler, Pro­dukt oder Ereig­nis haben, sie unter Zeit­druck zusam­men­zim­mern. Ich habe in mei­nem Leben ca. 2.000 Pro­mo­tex­te für Musik­ver­öf­fent­li­chun­gen gele­sen und zwei geschrie­ben und kei­ner davon wäre mir irgend­wie in posi­ti­ver Erin­ne­rung geblie­ben.

Inso­fern ist die Aus­zeich­nung für den espri­tigs­ten Pro­mo­text des Jah­res, die wir in weni­gen Zei­len ver­lei­hen wer­den, mut­maß­lich die ein­zi­ge ihrer Art und mit­hin gleich ein Preis fürs Lebens­werk.

Aus­ge­zeich­net wird der oder die unbe­kann­te Verfasser(in) des offi­zi­el­len Pro­mo­tex­tes zur „No One Can Catch Us“-Tour von Lena Mey­er-Land­rut.

Hier die ers­ten Zei­len:

Bei Raab gewon­nen. Plat­ten­ver­trag unter­schrie­ben. „Satel­li­te“ ver­öf­fent­licht. Bei Wet­ten, Dass ..? auf­ge­tre­ten. Ers­tes Album gemacht. Nach Oslo geflo­gen. Zwölf Punk­te von Lett­land gekriegt. Ein Schild­krö­ten­mäd­chen syn­chro­ni­siert. Wer­be­wirk­sam in einem Klein­wa­gen geses­sen. In der Sesam­stras­se ergrei­fen­des Duett mit Ernie gesun­gen. „Taken By A Stran­ger“ ver­öf­fent­licht. Zwei­tes Album gemacht. Sechs Songs gleich­zei­tig in den Top 100 gehabt. Kai Pflau­me und Gary Bar­low beim Echo ken­nen­ge­lernt. Deutsch­land­tour absol­viert. Nach Düs­sel­dorf gefah­ren. Dort von Frank Elst­ner inter­viewt wor­den. Acht Punk­te von Lett­land gekriegt. Für Mat­thi­as Schweig­hö­fer gesun­gen. Ein Bett gekauft. Rein­ge­legt. Aus­ge­schla­fen.

Die Jury lobt vor allem die kla­re Satz­struk­tur, das Under­state­ment, das auch ein Pars pro toto sein könn­te („Zwölf Punk­te von Lett­land gekriegt“), die Gleich­set­zung von Kai Pflau­me und Gary Bar­low und die Erwäh­nung von Frank Elst­ner.

Ich male nach­her noch eine Urkun­de, die ich dann per­sön­lich bei Con­tra Pro­mo­ti­on abge­ben wer­de.

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Drawn This Way

Lady Gaga lässt auf ihrer aktu­el­len Deutsch­land­tour kei­ne Pres­se­fo­to­gra­fen zu. Aber das wis­sen Sie ja schon.

Man kann in so einer Situa­ti­on Zeter und Mor­deo Zen­sur und Pres­se­frei­heit schrei­en, man kann aber auch aus der Not eine Tugend machen.

So wie die „Han­no­ver­sche All­ge­mei­ne Zei­tung“, die statt der offi­zi­ell abge­seg­ne­ten PR-Fotos („aus Sofia, auf­ge­nom­men im August“) ein­fach das zeigt, was ihr Gerichts­zeich­ner wäh­rend des Kon­zerts so pro­du­ziert hat:

Mit Dank an Hel­ge.

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Das ist doch kein Untergang!

Ich schwö­re, ich woll­te das nicht. Ich woll­te eigent­lich nur lesen, was sie bei „Spie­gel Online“ über die (tat­säch­lich wahn­sin­nig gute) neue CD von Ben Folds Five geschrie­ben haben. Jan Wig­ger schmeißt mit Anspie­lun­gen auf das Gesamt­werk der Band nur so um sich und gibt 8,7 von 10 mög­li­chen Punk­ten. (0,5 zu viel, viel­leicht, aber das müss­te ich noch aus­pen­deln.)

Und dann hab ich wei­ter­ge­le­sen, was Andre­as Bor­chol­te über „Babel“, die neue Plat­te von Mum­ford & Sons schreibt, von der ich ehr­lich gesagt nicht all­zu viel erwar­te (aber das hat­te ich von Ben Folds Five auch nicht). Bor­chol­te fin­det sie offen­bar ziem­lich schlimm, aber bevor ich zur Wer­tung kam, las ich erst mal das hier:

Anfang August tra­ten die Lon­do­ner zum ers­ten Mal nach dem Erfolg ihres Debüts „Sigh No More“ in den USA auf – und wähl­ten nicht etwas das nächst­bes­te Foot­ball-Sta­di­on (was gemes­sen an ihrer Popu­la­ri­tät durch­aus drin gewe­sen wäre), son­dern spiel­ten in einem Park in Hobo­ken, der zuvor noch nie als Kon­zert­büh­ne genutzt wur­de. 15.000 kamen und konn­ten gemein­sam mit Sän­ger Mar­cus Mum­ford die Son­ne über Man­hat­tans Tür­men (Babel!) am gegen­über­lie­gen­den Ufer unter­ge­hen sehen: Hach, die­se apo­ka­lyp­ti­sche Roman­tik!

Ich ver­su­che jetzt, in Echt­zeit wie­der­zu­ge­ben, was mein Gehirn bei den Wor­ten „am gegen­über­lie­gen­den Ufer unter­ge­hen“ zu mir sag­te:

Hobo­ken, NJ. West­ufer des Hud­son.
Man­hat­tan. Ost­ufer. Ooooos­ten.
Son­ne. Geht im Wes­ten unter.
Kann. Nicht. Sein.
Uargh.
Lies noch mal.
Nee. Kann nicht.
Sicher­heits­hal­ber Goog­le fra­gen.
Nee.
Muss ich das jetzt auf­schrei­ben?

Viel­leicht brau­che ich doch mal Urlaub.

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Musik

You were the fighter, I was the kid against the world

An einem grau­en Novem­ber­nach­mit­tag des Jah­res 2000 erreich­te mich via Use­net die Nach­richt, dass sich Ben Folds Five auf­ge­löst hät­ten – jene Band, an die ich gera­de mit vol­ler Hin­ga­be mein jugend­li­ches Herz ver­schenkt hat­te. Es war nicht die ers­te Band, die auf­hör­te, als ich sie gera­de für mich ent­deckt hat­te (da waren schon die New Radi­cals und die Smas­hing Pump­kins gewe­sen) und es war natür­lich nicht die letz­te: es folg­ten unter ande­rem Vega 4, muff pot­ter., Oasis, a‑ha und R.E.M. Und doch hat mich die Auf­lö­sung von Ben Folds Five damals schwer trau­ma­ti­siert – wohl auch, weil ich im Jahr zuvor mit 16 die Chan­ce nicht genutzt hat­te, die Band in Köln live zu sehen.

Im letz­ten Jahr haben Ben Folds Five zum ers­ten Mal seit damals wie­der einen gemein­sa­men Song auf­ge­nom­men (das schreck­lich ega­le „House“ für Ben Folds‘ Retro­spek­ti­ve), die­ser Tage erscheint ihr neu­es Album. 1 Eine güns­ti­ge Gele­gen­heit für die nächs­te Lieb­lings­band, die Büh­ne zu ver­las­sen.

Und so kün­dig­te Andrew McMa­hon dann auch pünkt­lich ges­tern an, das Kapi­tel Jack’s Man­ne­quin nach einem letz­ten Kon­zert am 11. Novem­ber zu been­den.

Vor zehn Jah­ren wäre wie­der mal eine klei­ne Welt für mich zusam­men­ge­bro­chen, doch dies­mal blieb mein Herz stark. Es zwick­te kurz, weil ich es natür­lich auch wie­der nie geschafft hat­te, die Band live zu sehen, aber dies­mal ist alles nicht so schlimm.

Das liegt vor allem dar­an, dass Jack’s Man­ne­quin schon die zwei­te Band ist, der Andrew McMa­hon vor­stand: Some­thing Cor­po­ra­te haben mich durch mei­ne Stu­di­en­zeit beglei­tet, auf Jack’s Man­ne­quin war ich merk­wür­di­ger­wei­se erst vor drei Jah­ren gesto­ßen. Ihr Zweit­werk „The Glass Pas­sen­ger“ dürf­te „The Man Who“ von Tra­vis, „Auto­ma­tic For The Peo­p­le“ von R.E.M. und „Rockin‘ The Sub­urbs“ von Ben Folds locker auf die Plät­ze der meist gehör­ten Alben ver­wie­sen haben, obwohl die einen beträcht­li­chen zeit­li­chen Vor­sprung hat­ten.

Die Songs haben mich durch die letz­ten Jah­re beglei­tet wie sonst nur mei­ne bes­ten Freun­de: Sie waren immer da, egal, ob es mir gut ging oder schlecht. Ich habe schwers­te Stun­den damit ver­bracht, die Kern­aus­sa­ge von „Swim“ – „just keep your head abo­ve“ – man­tra­ar­tig vor mich hin zu sin­gen, und bin in Momen­ten größ­ter Eupho­rie zu „The Reso­lu­ti­on“ oder „Dark Blue“ wie ein Flum­mi durch Stra­ßen und Ver­gnü­gungs­lo­ka­le gehüpft.

Es ist eigent­lich unwahr­schein­lich, dass man sich mit über 25 noch mal der­art in eine Band ver­knallt, aber bei Jack’s Man­ne­quin war es so. Oder eigent­lich: Bei bei­den Bands von Andrew McMa­hon, denn auch die Alben von Some­thing Cor­po­ra­te zäh­len zu denen, die ver­mut­lich nie von mei­nem iPod flie­gen wer­den. In den Tex­ten fin­de ich so viel von mir und mei­nem Leben wie­der, dass selbst kett­car und Tom­te dage­gen alt aus­se­hen.

Und das ist auch der Grund, war­um mich das Ende von Jack’s Man­ne­quin so wenig trifft: Ich habe bei­de Bands immer haupt­säch­lich als „Andrew McMa­hon und ein paar ande­re Typen“ wahr­ge­nom­men, auch wenn in bei­den Bands die ande­ren Mit­glie­der durch­aus Anteil am Song­wri­ting hat­ten. So wie Andrew McMa­hon es jetzt for­mu­liert, 2 wird er sogar mit den glei­chen Leu­ten wei­ter Musik machen. Viel­leicht wird er bei zukünf­ti­gen Kon­zer­ten die bes­ten Songs bei­der Bands spie­len, was für mich natür­lich ein abso­lu­ter Traum wäre. 3

Andrew McMa­hon hat gesagt, dass das Pro­jekt Jack’s Man­ne­quin, das eigent­lich als Neben­pro­jekt zu Some­thing Cor­po­ra­te gestar­tet war, immer sehr eng mit sei­ner Leuk­ämie-Erkran­kung ver­knüpft war, die kurz vor der geplan­ten Ver­öf­fent­li­chung des Debüt­al­bums „Ever­y­thing In Tran­sit“ fest­ge­stellt wur­de. Andrew bekam eine Stamm­zel­len­trans­plan­ta­ti­on von sei­ner Schwes­ter und ver­öf­fent­lich­te die sehr bewe­gen­de Doku­men­ta­ti­on „Dear Jack“ über sei­ne Zeit im Kran­ken­haus und sei­ne Gene­sung. Fast alle Songs auf „The Glass Pas­sen­ger“ haben etwas mit die­ser Zeit zu tun und wenn er in „The Reso­lu­ti­on“ singt: „I’m ali­ve /​ But I don’t need a wit­ness /​ To know that I sur­vi­ve“, dann hat er allen Grund dazu. Und weil es ja manch­mal etwas absei­ti­ge Grün­de braucht, um Ver­nünf­ti­ge Din­ge zu tun, war Andrew McMa­hons Geschich­te für mich einer der Grün­de, mich end­lich mal bei der Deut­schen Kno­chen­mark­spen­der­da­tei erfas­sen zu las­sen, was ich Ihnen mit eini­ger respekt­vol­ler Bestim­mung auch ans Herz legen wür­de.

Es gibt also kei­nen Grund, jetzt einen Nach­ruf auf Jack’s Man­ne­quin und die Musik von Andrew McMa­hon zu ver­fas­sen, aber es ist – nach­dem ich sei­nen 30. Geburts­tag letz­te Woche ver­passt habe – eine gute Gele­gen­heit, die­sen inspi­rie­ren­den Mann und sei­ne groß­ar­ti­gen Songs an die­ser Stel­le mal ein biss­chen zu wür­di­gen.

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  1. Genau genom­men war­te ich stünd­lich auf die E‑Mail mit dem Down­load­link, den ich als Co-Finan­zier von „The Sound Of The Life Of The Mind“ vor­ab erhal… Oh, mein Gott: Da ist er!!!!1[]
  2. Und auch vor­her schon ange­deu­tet hat­te.[]
  3. Die Kon­zer­te soll­ten dann aller­dings min­des­tens drei Stun­den dau­ern, damit mei­ne per­sön­li­chen Favo­ri­ten grob abge­deckt wären.[]
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Musik

Und Jay‑Z singt uns ein Lied

Viel­leicht haben Sie am Sonn­tag­abend die Abschluss­fei­er der Para­lym­pics in Lon­don gese­hen:

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Cold­play als Back­ing Band für Jay‑Z und Rihan­na. Es ist schwer, sich irgend­ei­ne Kom­bi­na­ti­on leben­der Künst­ler vor­zu­stel­len, die noch grö­ßer sein könn­te.

Aber Herr Car­ter hat gera­de letz­te Woche noch mit Pearl Jam gespielt:

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Das „Spin Maga­zi­ne“ hat dazu einen schö­nen Hin­ter­grund­text ver­öf­fent­licht, der erklärt, wie die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Band und Rap­per zusam­men­kam.

Pearl-Jam-Bas­sist Jeff Ament sagt dar­in:

„It’s the first time I’ve been that clo­se to some­bo­dy who real­ly, real­ly raps,“ says Ament. „Just to see his body while we were play­ing: it basi­cal­ly beco­mes a metro­no­me. You see him stret­ching things out over notes, brin­ging it back in. It was real­ly cool. His eyes were clo­sed the who­le time. It’s all rhythm.“

Und wo wir grad bei Jay‑Z sind: Im Maga­zin der „New York Times“ war letz­te Woche ein durch­aus lesens­wer­tes Por­trät, geschrie­ben von Zadie Smith.

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Musik Digital

Caught in a bad romance

Geht wei­ter: Nach dem DJV NRW beschwert sich jetzt die „Deut­sche Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten Uni­on“ (dju) über die Art, wie das Manage­ment von Leo­nard Cohen mit Jour­na­lis­ten umgeht.

Und Eins­li­ve beklagt sich völ­lig zu Recht über die Repres­sio­nen, denen die Bericht­erstat­ter bei den gest­ri­gen Kon­zer­ten von Cold­play und Lady Gaga in Köln aus­ge­setzt waren:

Am Diens­tag­abend (04. Sep­tem­ber) haben in Köln gleich zwei Kon­zert-High­lights statt­ge­fun­den. Lady Gaga und Cold­play – prä­sen­tiert von 1LIVE. Nor­ma­ler­wei­se wür­det ihr an die­ser Stel­le eine Bil­der­ga­le­rie mit Fotos von den Kon­zer­ten fin­den. Doch durch Foto­ver­trä­ge wird die Bericht­erstat­tung über Kon­zer­te zuneh­mend erschwert.

Tja. Da prä­sen­tiert Eins­li­ve die Kon­zer­te und kann dann nicht mal eine Bil­der­ga­le­rie anbie­ten. Aus unter­schied­li­chen Grün­den: Cold­play woll­ten alle Rech­te an den geschos­se­nen Fotos haben (was, um das noch mal zu beto­nen, eine grö­ßen­wahn­sin­ni­ge und mit dem deut­schen Urhe­ber­recht schwer zu ver­ein­ba­ren­de For­de­rung ist), und Lady Gaga ließ gar kei­ne Pres­se­fo­to­gra­fen rein.

Es dür­fen nur die Bil­der ver­öf­fent­licht wer­den, die ihr eigens enga­gier­ter Tour­fo­to­graf geschos­sen hat. Für Bild­jour­na­list Peter Waf­zig geht das zu weit: „Sie pro­du­ziert ein Bild von sich selbst, das sie ger­ne in der Öffent­lich­keit sehen möch­te und sorgt dafür, dass die Pres­se ganz mas­siv beein­flusst wird.“

Dass Lady Gaga ein Bild von sich selbst pro­du­ziert, dürf­te nie­man­den ernst­haft über­ra­schen. Ich fra­ge mich aber, was sich an die­ser Insze­nie­rung geän­dert hät­te, wenn neben dem offi­zi­el­len auch ande­re Foto­gra­fen Bil­der hät­ten machen kön­nen. Wenn Frau Gaga nicht gera­de auf der Büh­ne stol­pert und einem Pres­se­fo­to­gra­fen ein beson­ders unvor­teil­haf­tes Bild gelingt, wer­den sich die Bil­der im Gro­ßen und Gan­zen ähneln. In den aller­meis­ten Fäl­len kann die Pres­se eh nur die Insze­nie­rung wei­ter trans­por­tie­ren, die sie vor­ge­setzt bekommt. Ein Kon­zert ist ja in der Regel kein Fuß­ball­spiel, wo sich in den Fan­blö­cken immer wie­der Sze­nen abspie­len, die der Ver­band lie­ber nicht in der Zei­tung sehen wür­de – und selbst da müss­te man ja noch mal län­ger über­le­gen, ob es die Idio­ten nicht eher anspornt, wenn ihre men­schen­ver­ach­ten­den Ban­ner hin­ter­her im Fern­se­hen zu sehen sind, egal, wie erho­ben der Zei­ge­fin­ger der Repor­ter dabei ist.

Aber zurück zu Lady Gaga: Die bräuch­te die Medi­en womög­lich gar nicht mehr. Auf Twit­ter kann sie zu 29 Mil­lio­nen (über­wie­gend wahn­sin­nig loya­len) Fol­lo­wern direkt spre­chen – nicht mal ein Auf­tritt bei „Wet­ten dass..?“ oder eine Titel­sei­te in der „Bild“-Zeitung kann da mit­hal­ten. Der Hebel, an dem die klas­si­schen Medi­en (zu denen auch die Web­site eines Radio­sen­ders gehört), ist nicht nur kür­zer gewor­den, er ist kom­plett ver­schwun­den.

Wenn es Eins­li­ve drauf anle­gen wür­de, könn­ten sie ein­fach kei­ne Songs von Cold­play und Lady Gaga mehr spie­len. Das wäre mal ein State­ment, könn­te aber auch nach hin­ten los­ge­hen (Stich­wort: 29 Mil­lio­nen Fol­lower). Und dann wür­de voll­ends offen­sicht­lich, dass sich die Medi­en nach Belie­ben von der Unter­hal­tungs­in­dus­trie, die doch eigent­lich schon tot war, am Nasen­ring durch die Mane­ge zie­hen las­sen. Die Musik­ma­nage­ment­fir­men sind kein Mine­ral­öl­kon­zern, der Image­schä­den und Umsatz­ein­bu­ßen befürch­ten muss, wenn er eine Ölplatt­form in der Nord­see ver­sen­ken will. Bleibt also nur noch: Pro­tes­tie­ren.

Frehn Hawel arbei­tet bei einer Ver­an­stal­tungs­agen­tur und kennt das Pro­blem. Er ver­sucht, zwi­schen Manage­ment und Foto­gra­fen zu ver­mit­teln: „Es ist eigent­lich nicht im Sin­ne des Künst­lers. Es ist für die Pro­mo­ti­on oder die Pres­se­ar­beit für eine Tour­nee eher hin­der­lich, wenn man die­se Ver­trä­ge auf­setzt, weil dadurch ein­fach Berich­te weg­fal­len, die man viel­leicht auch braucht, um den Vor­ver­kauf anzu­kur­beln.“

Das mit dem Vor­ver­kauf scheint ganz gut geklappt zu haben: Cold­play haben das Köl­ner Sta­di­on aus­ver­kauft, Lady Gaga für heu­te die Köln­are­na (das gest­ri­ge Zusatz­kon­zert war nicht ganz aus­ver­kauft) – mit freund­li­cher Unter­stüt­zung von Eins­li­ve, wo bis zuletzt Kar­ten ver­lost wur­den. Künst­ler und Sen­der waren Geschäfts­part­ner und einer von bei­den hat den ande­ren über den Tisch gezo­gen. Kon­se­quent wäre, auf die Prä­sen­ta­ti­on solch „schwie­ri­ger“ Künst­ler künf­tig zu ver­zich­ten.

Ich kann die Empö­rung über die­se Foto­gra­fen­ver­trä­ge völ­lig nach­voll­zie­hen: Sie sind mora­lisch und juris­tisch hoch­gra­dig frag­wür­dig. Aber es fällt mir schon schwer, die­se Art von Empö­rung ernst zu neh­men:

Es ist ein Span­nungs­feld zwi­schen Manage­ment, Ver­an­stal­tern und Foto­gra­fen. Über Face­book und ande­re sozia­le Netz­wer­ke bil­det sich zuneh­mend Wider­stand gegen die Foto­ver­trä­ge. Auch Jour­na­lis­ten­ver­bän­de war­nen vor Ein­grif­fen in die Pres­se­frei­heit. Es ist auf der einen Sei­te durch­aus ver­ständ­lich, dass Bands wis­sen wol­len, wo ihre Bil­der ver­öf­fent­licht wer­den. Es muss aber die Fra­ge geklärt wer­den: Wo hört ein gewis­ses Maß an Kon­trol­le auf und wo geht Zen­sur los?

„Pres­se­frei­heit“! „Zen­sur“! Natür­lich!

Das geht nicht mehr als „Weh­ret den Anfän­gen“ durch, das ist eine völ­li­ge Fehl­ein­schät­zung der Situa­ti­on: Die Manage­ments machen Ange­bo­te und ich fürch­te, die Medi­en kön­nen nicht mehr tun, als sich nicht dar­auf ein­zu­las­sen. Die Selbst­in­sze­nie­rungs­ma­schi­ne­rie wird das natür­lich nicht stop­pen. Die hat gewon­nen.

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But you don’t really care for music, do you?

Aus Grün­den, die ich nicht ganz nach­voll­zie­hen kann, ver­sorgt mich der Lan­des­ver­band des Deut­schen Jour­na­lis­ten-Ver­bands (DJV) mit sei­nen Pres­se­mit­tei­lun­gen. Meis­tens lösche ich die sofort, weil im Betreff so Signal­wör­ter wie „Soli­da­ri­tät“ oder „Streik“ vor­kom­men. Aber heu­te hab ich mal eine gele­sen. Eine nur mit­tel­gu­te Idee.

DJV ruft Medi­en zu Cohen-Boy­kott auf

Der DJV-NRW ruft die Medi­en dazu auf, nicht über die bei­den Deutsch­land-Kon­zer­te von Leo­nard Cohen zu berich­ten. Das Manage­ment des Künst­lers kne­belt Bild­jour­na­lis­ten mit Foto­ver­trä­gen und lässt Text­jour­na­lis­ten auf ihre Akkre­di­tie­rung war­ten. „Bei­des bedeu­tet einen mas­si­ven Ein­griff in die Frei­heit der Bericht­erstat­tung“, kri­ti­siert DJV-Lan­des­vor­sit­zen­der Hel­mut Dah­l­mann.

Das mit der „Frei­heit der Bericht­erstat­tung“ wird sicher span­nend, aber lesen wir erst mal wei­ter:

Song­wri­ter Leo­nard Cohen tritt am 5. und 6. Sep­tem­ber in Ber­lin und Mön­chen­glad­bach auf. Jour­na­lis­ten, die über eines der bei­den Kon­zer­te berich­ten wol­len, müs­sen für ihre Akkre­di­tie­rung zahl­rei­che Bedin­gun­gen erfül­len. So woll­te die zustän­di­ge deut­sche Pro­mo­ti­on-Agen­tur im Zuge eines Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­rens zum Bei­spiel von einer Text­jour­na­lis­tin wis­sen, ob ein Vor­be­richt geplant sei. Mit­ge­teilt wur­de ihr zudem, dass das Manage­ment des Künst­lers erst kurz vor dem Kon­zert über Zu- oder Absa­gen für Medi­en­ver­tre­ter ent­schei­den wür­de. „Eine Akkre­di­tie­rung auch nur ansatz­wei­se mit einer Ankün­di­gung zu ver­bin­den, ist ein star­kes Stück“, fin­det Hel­mut Dah­l­mann, der die Hin­hal­te­tak­tik der Agen­tur eben­falls ver­ur­teilt.

Für Herrn Dah­l­mann mag es ein „star­kes Stück“ sein, eine Akkre­di­tie­rung auch nur ansatz­wei­se mit einer Ankün­di­gung zu ver­bin­den, aber wie wür­de man es denn anders­rum nen­nen, wenn eine Akkre­di­tie­rung nicht mal Ansatz­wei­se mit einem Nach­be­richt ver­knüpft wird?

Kon­zert­ver­an­stal­ter, Pro­mo­ter oder Label­mit­ar­bei­ter berich­ten immer wie­der von Musik­jour­na­lis­ten, die sich bei jedem anste­hen­den Kon­zert auf die Gäs­te­lis­te set­zen las­sen und dann nach zehn Kon­zer­ten immer noch kei­ne ein­zi­ge Zei­le geschrie­ben haben, meist, weil das Kon­zert „dann doch nichts“ für den ver­meint­li­chen Auf­trag­ge­ber war.

Ein Kon­zert­saal ist kein Gerichts­saal, der einer inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit immer offen zu ste­hen hat. Kon­zer­te wer­den unter kom­mer­zi­el­len Aspek­ten ver­an­stal­tet und wenn alle, die bei sol­chen Ereig­nis­sen wie einem Leo­nard-Cohen-Kon­zert ger­ne auf der Gäs­te­lis­te ste­hen wür­den, auch drauf kämen, gin­ge ver­mut­lich nur noch die Hälf­te der ver­füg­ba­ren Kar­ten über­haupt in den frei­en Ver­kauf. Dann wäre das Geschrei in den Zei­tun­gen aber auch wie­der groß und die Gewinn­span­ne der Kon­zert­ver­an­stal­ter klein.

Doch auch die Foto­jour­na­lis­ten ver­sucht das Cohen-Manage­ment erheb­lich zu kne­beln: Foto­gra­fen müs­sen bei ihrer Akkre­di­tie­rung unter­zeich­nen, dass sie die Fotos nur ein ein­zi­ges Mal in einem ein­zi­gen, zuvor benann­ten Medi­um ver­öf­fent­li­chen. Beson­ders pikant ist dabei, dass das Manage­ment gleich­zei­tig ver­langt, die Bil­der selbst nut­zen zu dür­fen. „Hier wer­den Urhe­ber­rech­te mit Füßen getre­ten“, stellt der Vor­sit­zen­de des DJV-NRW klar – und ruft daher zum Boy­kott der Kon­zer­te auf. „Unter die­sen Umstän­den soll­ten alle Medi­en auf eine Bericht­erstat­tung ver­zich­ten.“

Das Wort „auch“ im ers­ten Satz fin­de ich ein biss­chen irri­tie­rend, aber die Empö­rung ist natür­lich berech­tigt: Auch nach län­ge­rem Nach­den­ken will mir kein Grund ein­fal­len, der die Beschrän­kung auf ein Medi­um irgend­wie recht­fer­ti­gen könn­te, und ein­fach so Nut­zungs­rech­te ein­for­dern zu wol­len, ist ein­fach Wahn­sinn, der in sol­chen Fäl­len häu­fig dar­auf hin­aus läuft, dass die Foto­gra­fen ihre Bil­der nicht mal für ihr Port­fo­lio ver­wen­den sol­len dür­fen, das Manage­ment die Moti­ve aber bei Gefal­len gleich kom­plett und kos­ten­los aus­schlach­ten darf. Das ist ein kras­ses Miss­ver­hält­nis, das aber wenig mit Pres­se­frei­heit zu tun hat, und viel mit dem Zustan­de­kom­men oder Nicht­zu­stan­de­kom­men einer Geschäfts­be­zie­hung.

Und sei­en wir ehr­lich: Der Ver­zicht auf eine Bericht­erstat­tung ist die ein­zi­ge, stump­fe Waf­fe, die den Foto­gra­fen und Jour­na­lis­ten zur Ver­fü­gung steht. Es ist Leo­nard fuck­ing Cohen, dem Kon­zert­be­rich­te in der „Rhei­ni­schen Post“ und der „NRZ“ ver­mut­lich ega­ler sind als die zwei­mil­li­ons­te „Hallelujah“-Version auf You­Tube.

Außer­dem sieht’s ja nun mal so aus: Die Künst­ler, das Manage­ment und die Ver­an­stal­ter laden ein, wer kommt, muss sich an deren Vor­stel­lun­gen hal­ten. Kon­zer­te stel­len nicht die sel­be Öffent­lich­keit dar wie poli­ti­sche Ent­schei­dungs­vor­gän­ge, sie sind pri­va­ter Spaß vor einer Tei­löf­fent­lich­keit.

In den gro­ßen Medi­en­me­tro­po­len kommt manch­mal auf jeden Kon­zert­be­su­cher einer die­ser Kon­zert­fo­to­gra­fen, die gera­de in den klei­nen Clubs gern in der ers­ten Rei­he ste­hen und Fotos machen wol­len. Das Equip­ment ist für jeden erschwing­lich gewor­den, also knip­sen die meis­ten ein­fach drauf los. Kon­zert­fo­to­gra­fie ist eine Kunst­form und nicht alle, die sie prak­ti­zie­ren, beherr­schen sie auch. Und bei den Klick­stre­cken von irgend­wel­chen Lokal­zei­tun­gen oder Musik­por­ta­len fra­ge ich mich wirk­lich, wer das sehen will: 67 Bil­der von irgend­ei­ner Band wäh­rend der ers­ten drei Lie­der (wo das Licht bei vie­len Kon­zer­ten absicht­lich schei­ße ist), von schräg unten auf­ge­nom­men, kön­nen doch nicht mal die Leu­te inter­es­sie­ren, die selbst dabei waren. Die haben ja sowie­so 134 unschar­fe Bil­der auf ihrem Mobil­te­le­fon.

Aber zurück zum DJV:

Immer wie­der macht der DJV auf haar­sträu­ben­de Akkre­di­tie­rungs­be­din­gun­gen im Kon­zert­jour­na­lis­mus auf­merk­sam: Die Metho­de ist kein Betriebs­un­fall, son­dern hat Sys­tem. So ver­such­ten schon 2009 Musi­ker wie Ramm­stein oder Tom Jones mit ihren Kne­bel­ver­trä­gen die Bild­jour­na­lis­ten aus­zu­plün­dern.

Natür­lich hat das Sys­tem. Es nennt sich Unter­hal­tungs­in­dus­trie.

Die Deals, die dort ablau­fen, sind hin­läng­lich bekannt: Die eine Sei­te winkt mit Frei-CDs, Gäs­te­lis­ten­plät­zen und Inter­view­s­lots, die ande­re mit Medi­en­prä­senz. In vie­len kos­ten­lo­sen Musik- und Stadt­ma­ga­zi­nen (aber nicht nur dort) kann man sehr gut nach­voll­zie­hen, wie Wer­be­plät­ze und Bericht­erstat­tung flä­chen­mä­ßig kor­re­lie­ren. Es gibt tat­säch­lich Maga­zi­ne, die eine Ver­an­stal­tung noch nicht mal in ihren Kalen­der auf­neh­men, wenn als Gegen­leis­tung nicht wenigs­tens eine klei­ne Anzei­ge geschal­tet wird. Und wenn Sie sagen, das habe doch mit Jour­na­lis­mus nichts zu tun, dann sage ich: stimmt!

Man kann sich doch nicht stän­dig zum will­fäh­ri­gen Voll­stre­cker von PR-Agen­ten machen und über Film­pre­mie­ren, Video­drehs, neue Alben und Bran­chen­events berich­ten, als sei irgend­et­was davon rele­van­ter als man es selbst macht, und dann plötz­lich rum­jam­mern, wenn der Geschäfts­part­ner die Details neu ver­han­deln will.

Klar: Ohne Pres­se wären die alle nicht berühmt. Aber wenn sie nicht berühmt wären, wür­den sich die Zeit­schrif­ten mit ihnen auf dem Cover auch nicht so gut ver­kau­fen. Jede Sei­te muss sich über­le­gen, wie weit sie das Spiel mit­ma­chen will (dass die Fan­tas­ti­schen Vier im wört­li­chen Sin­ne mit „Bild“ ins Bett gestie­gen sind, ver­ste­he ich bis heu­te nicht), aber die Grund­re­geln von Jour­na­lis­mus kann man hier nicht anle­gen.

Ein Ramm­stein-Kon­zert ist kein steu­er­lich bezu­schuss­tes Stadt­thea­ter und Tom Jones nicht der Bür­ger­meis­ter.

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Musik

I woke up to the Sound of German hip hop in my head

Es nützt ja nichts mehr, das zu leug­nen: Ich glau­be, ich mag jetzt deutsch­spra­chi­gen Hip-Hop. Zumin­dest teil­wei­se.

Alles begann mit der „Echo“-Verleihung im März, als Cas­per mit sei­nem Album „XOXO“ in der Kate­go­rie „Hip-Hop /​ Urban“ obsieg­te. „Toll: Wenigs­tens die­ser sym­pa­thi­sche Schluf­fi und nicht so homo­pho­be Hon­ks wie Bushi­do oder Sido“, dach­te ich, klick­te bei Cas­pers Face­book-Pro­fil auf „Gefällt mir“ und kauf­te „XOXO“ sofort bei iTu­nes.

Dann dau­er­te es ein biss­chen, bis ich mich in das Album rein­ge­fun­den hat­te, aber inzwi­schen haben drei Songs in mei­nem iTu­nes die Höchst­wer­tung von fünf Ster­nen. Hier ist einer davon:

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Als Cas­per beim Geburts­tags­fes­ti­val vom Grand Hotel van Cleef vor­letz­ten Sonn­tag in Ham­burg als Über­ra­schungs­gast auf die Büh­ne kam, um erst bei Thees Uhl­manns „Und Jay‑Z singt uns ein Lied“ mit­zu­rap­pen und dann mit der Band sein eige­nes Uhl­mann-Duett „XOXO“ per­form­te, war das einer der groß­ar­tigs­ten Momen­te, den ich die­ses Jahr auf einem Kon­zert erlebt habe.

Über Cro hat­te ich ja neu­lich schon geschrie­ben, hier aber auch noch mal ein Fünf-Ster­ne-Song:

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Seit ein paar Wochen läuft jetzt die gemein­sa­me Sin­gle von Mar­te­ria, Yasha & Miss Plat­num im Radio. Und nach ein paar Durch­gän­gen war ich mir sicher, dass mir auch „Lila Wol­ken“ gefällt:

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Und irgend­wann wer­den die Plat­ten­fir­men sicher auch ver­stan­den haben, dass Hörer, denen ein Song gefällt, die­sen am Liebs­ten sofort kau­fen wür­den – und nicht erst ein paar ver­damm­te Wochen spä­ter.

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Musik

Für Neil Armstrong

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Musik Print

Baby guck mich an, ich bin ein Rockstar

Die gute Nach­richt: Auch nach fünf Jah­ren inten­si­ve­rer Beschäf­ti­gung mit den eher unschö­nen Sei­ten des Jour­na­lis­mus glau­be ich offen­bar immer noch an das Gute in der Bran­che.

Die schlech­te Nach­richt: Des­we­gen habe ich ges­tern Unfug geschrie­ben.

In mei­nem Cro-Kon­zert­be­richt hat­te ich behaup­tet, dass wegen des Foto-Ver­bots für Pres­se-Foto­gra­fen in der Lokal­pres­se kei­ne Kon­zert­re­zen­sio­nen erschie­nen sind. Das war blau­äu­gig.

Die „Ruhr Nach­rich­ten“ been­den ihren Arti­kel mit einer kri­ti­schen ent­täusch­ten Anmer­kung zum Foto-Ver­bot:

Wenig nach­voll­zieh­bar war indes, dass das Manage­ment des Künst­lers kurz­fris­tig alle Foto­gra­fen vom Kon­zert aus­ge­schlos­sen hat­te. Etwa drei Stun­den vor der Show wur­de mit­ge­teilt, dass kei­ne Fotos von exter­nen (Presse-)Fotografen ange­fer­tigt wer­den dür­fen. Ledig­lich die vom Manage­ment frei­ge­ge­be­nen Bil­der durf­ten im Nach­gang der Show benutzt wer­den. Ob sol­che Extra-Würs­te tat­säch­lich von Nöten sind, darf bezwei­felt wer­den. Immer­hin pro­fi­tiert auch der Künst­ler selbst von der Arbeit der Foto­gra­fen und der Pres­se vor Ort.

Dafür wur­den wäh­rend des Kon­zerts tau­sen­de Han­dy­fo­tos gemacht und Vide­os gedreht, die schon wenig spä­ter im Inter­net kur­sier­ten. Kon­se­quen­ter­wei­se hät­te Cros Manage­ment auch alle Han­dys ein­kas­sie­ren las­sen müs­sen – so bleibt ein fader Bei­geschmack. Auch wenn das Kon­zert rich­tig gut war.

Es braucht schon sehr wenig Selbst­ach­tung, um eine Kon­zert­kri­tik, die so schließt, dann mit zwei der vom Manage­ment frei­ge­ge­be­nen Bil­der zu bebil­dern. Da kann man einem bocki­gen Klein­kind, das statt Gemü­se lie­ber Fast Food möch­te, den Bur­ger auch gleich auf dem Sil­ber­ta­blett ser­vie­ren.

Die­se Merk­wür­dig­keit ver­blasst aller­dings völ­lig gegen das Fass, das die „WAZ“ gleich­zei­tig auf­ge­macht und zum Über­lau­fen gebracht hat.

Im über­re­gio­na­len Kul­tur­teil gab Georg Howahl Cro einen „klei­nen Foto­tipp für Pan­dar­ap­per“ mit auf den Weg:

Lie­ber Cro, wenn Du dich dem­nächst, an einem ein­sa­men, kal­ten Win­ter­abend mal wie­der selbst auf den ein­schlä­gi­gen Netz­ka­nä­len suchst: Wäre es da nicht schön, wenn du zur Abwechs­lung auch mal ein gutes Bild oder Video von dir fän­dest? Denk mal drü­ber nach!

„Zur Abwechs­lung“, weil es auf You­Tube „zwölf (!) kräch­zen­de, unschar­fe Wackel­vi­de­os“ von Cros Auf­tritt in Bochum zu sehen gebe, was aller­dings bei genau­er Betrach­tung erstaun­lich wenig mit der Fra­ge zu tun hat, ob Foto­gra­fen Fotos (also: Stand­bil­der ohne Ton) von dem Auf­tritt machen durf­ten.

Auf der glei­chen Sei­te erklär­te der Bochu­mer Lokal­re­dak­teur Jür­gen Stahl:

Die WAZ hat sich ent­schlos­sen, auf eine Kri­tik des Cro-Auf­tritts zu ver­zich­ten. Kei­ne Fotos, kei­ne Kon­zert­be­spre­chung.

Eine kla­re, nach­voll­zieh­ba­re Ansa­ge, die nur leicht davon kon­ter­ka­riert wird, dass die „WAZ“ nicht einen, nicht zwei, son­dern gleich drei Kon­zert­be­spre­chun­gen ver­öf­fent­licht hat.

Eine erschien im Lokal­teil von Hat­tin­gen, eine im Lokal­teil von Wit­ten und eine im Lokal­teil von Bochum.

Letz­te­re geschrie­ben von dem Jür­gen Stahl, der erklärt hat­te, die „WAZ“ wer­de kei­ne Kri­tik des Kon­zer­tes ver­öf­fent­li­chen. Sei­nen WAZ-Kol­le­gen Ingo Otto (in Bochum berühmt für sei­ne beson­de­re Gabe, bei wirk­lich jedem The­ma und Motiv noch eine blon­de jun­ge Frau im Bild zu plat­zie­ren) zitiert Stahl mit den Wor­ten, einen kom­plet­ten Aus­schluss wie bei Cro habe er noch nie erlebt.

Stahl erklärt, dass die Orga­ni­sa­to­ren kei­ne Schuld tref­fe, dann wie­der­holt er sei­ne Ankün­di­gung:

Auf wei­te­re Infor­ma­tio­nen aus dem Spar­kas­sen­zelt müs­sen die WAZ-Leser ver­zich­ten. Die Redak­ti­on hat sich ent­schlos­sen, über das 75-minü­ti­ge Cro-Gast­spiel nicht zu berich­ten. Kei­ne Foto­er­laub­nis, kei­ne Kon­zert­be­spre­chung.

Dann refe­riert er aber doch noch, dass „sämt­li­che 4200 jun­gen Besu­cher die Hit­ze­schlacht unbe­scha­det über­stan­den“ haben, dass „etli­che Kin­der und Jugend­li­che (90 Pro­zent weib­lich) schon Stun­den vor Kon­zert­be­ginn auf Ein­lass“ gewar­tet hat­ten, „um sich die begehr­ten Plät­ze direkt vor der Büh­ne zu sichern“, der „größ­te Tee­nie-Auf­marsch der letz­ten Jah­re in Bochum“ ohne beson­de­re Zwi­schen­fäl­le ver­lau­fen sei und dass ange­sichts der Tem­pe­ra­tu­ren im Zelt das Mit­brin­gen eige­ner Geträn­ke erlaubt war.

Gut: Kein Wort über die Musik, aber Stahl hat es trotz­dem geschafft, mit dem Kon­zert, über das er kein Wort ver­lie­ren woll­te, eine hal­be Sei­te zu fül­len. Das muss­te er natür­lich auch, denn der Platz war ja ver­mut­lich fest ein­ge­plant, außer­dem war der Redak­teur ja auch extra vor Ort gewe­sen.

Also onkelt Stahl auch noch in einem Kom­men­tar:

Wir Medi­en­men­schen machen im Umgang mit Pro­mi­nen­ten immer wie­der eine Erfah­rung: Je grö­ßer der Name, des­to unkom­pli­zier­ter die Zusam­men­ar­beit. Im Musik­ge­schäft ist es beson­ders auf­fäl­lig. Bei­spiel Zelt­fes­ti­val 2012: Wäh­rend die Rock-Legen­den von Sta­tus Quo sofort und ger­ne zu einem WAZ-Leser­tref­fen bereit waren, ließ New­co­mer Cro eine ent­spre­chen­de Anfra­ge unse­rer Zei­tung lan­ge unbe­ant­wor­tet, um schließ­lich abzu­leh­nen. Scha­de, aber bei wei­tem nicht so skan­da­lös wie das Arbeits­ver­bot, dass der Jüng­ling kur­zer­hand offen­bar will­kür­lich vor sei­nem Kon­zert „erließ“. Wer der­art selbst­herr­lich mit Fans und Medi­en umgeht, wird als­bald wie­der dort lan­den, wo er her­ge­kom­men ist: ganz unten.

Nun mögen Sta­tus Quo für Jür­gen Stahl einen gro­ßen Namen haben, aber es geht ja um etwas ganz ande­res als WAZ-Leser­tref­fen. Und beim The­ma „exzen­tri­sche Wün­sche bezüg­lich Kon­zert­fo­tos“ sind Künst­ler wie Lin­kin Park, Cold­play, Brit­ney Spears, The Off­spring, Tom Jones und Ramm­stein schon nega­tiv auf­ge­fal­len. Gro­ße Namen, wahn­sin­nig kom­pli­zier­te Zusam­men­ar­bei­ten.

Auch ist Cro ja nicht „selbst­herr­lich mit Fans und Medi­en“ umge­gan­gen, son­dern „nur“ mit Medi­en. Dass die das nicht gut fin­den, ist klar und ver­ständ­lich, aber es ist ja auch nicht der Unter­gang des Abend­lan­des oder der Pres­se­frei­heit, nicht über ein Kon­zert berich­ten zu kön­nen. Denn was ist ein Kon­zert? Men­schen bezah­len Geld dafür, damit sie ande­ren Men­schen beim Musi­zie­ren zuse­hen kön­nen. Ob Drit­te, die kein Geld bezahlt haben, hin­ter­her drü­ber schrei­ben, ist da erst mal ziem­lich zweit­ran­gig.

Klar: Ohne Medi­en wäre kaum ein Pop­star da, wo er heu­te ist. (Wobei: Wie vie­le Hörer mag Cro der „WAZ“ und den „Ruhr Nach­rich­ten“ ver­dan­ken?) Wenn man sich dann aber den müh­sam gefüll­ten Platz in der Zei­tung und Jür­gen Stahls bil­li­ges „ganz unten“-Gerumpel anschaut, stellt sich schon die Fra­ge, wer hier eigent­lich wen drin­gen­der braucht.

Die Ant­wort weiß Ed Sheeran, der pas­sen­der­wei­se nächs­ten Diens­tag beim Zelt­fes­ti­val Ruhr spielt. Schau­en wir mal, ob mit Foto­gra­fen und Lokal­re­dak­teu­ren oder ohne.