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Rundfunk

Sternstunden der TV-Geschichte

Aus aktu­el­lem Anlass füh­le ich mich ver­pflich­tet, Ihnen ein Video zu prä­sen­tie­ren, das heu­te exakt fünf Jah­re alt wird.

Für alle, die nicht per­sön­lich ange­spro­chen wer­den, beant­wor­tet der Clip immer­hin die (nie gestell­te) Fra­ge, war­um Mari­na Rin­gel nie Mode­ra­to­rin einer gro­ßen Sams­tag­abend­show gewor­den ist:

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<per­sön­li­cher Moment>Herzlichen Glück­wunsch zum Geburts­tag, Mathias!</persönlicher Moment>

PS: Ein wei­te­res Video, an des­sen Ent­ste­hung ich betei­ligt war, gibt’s im Moment im BILD­blog.

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Klappe zu, Affe tot

Düs­sel­dorfs Ober­bür­ger­meis­ter Joa­chim Erwin ist in der Nacht zum Diens­tag ver­stor­ben und da er bereits seit län­ge­rem schwer krank war, lagen die Nach­ru­fe natür­lich schon fer­tig getippt in der Schub­la­de.

Wäh­rend die „Rhei­ni­sche Post“ in sal­bungs­vol­len Wor­ten auf das Leben und Wir­ken zurück­blickt, wäh­rend sogar poli­ti­sche Geg­ner loben­de Wor­te für den wirk­lich nicht unum­strit­te­nen Ver­stor­be­nen fin­den, ent­schied sich die „Neue Rhein Zei­tung“ („NRZ“) für einen ganz ande­ren, eher gewag­ten Weg: über dem Arti­kel des Düs­sel­dor­fer Redak­ti­ons­lei­ters Frank Preuss prangt zwar das Wort „Nach­ruf“, aber eigent­lich han­delt es sich um eine ver­mut­lich lan­ge geplan­te Abrech­nung:

Wer, schwerst­krank und abge­ma­gert, die Öffent­lich­keit wis­sen lässt, dass er am Tag der Arbeit mit Ver­kehrs­pla­nern in sei­nem Gar­ten dis­ku­tiert, löst nicht Bewun­de­rung aus, son­dern Mit­leid. Das gilt auch für den, der immer wie­der ver­kün­det, wie vie­le Urlaubs­ta­ge er der Stadt doch schen­ke. Wenn es um Düs­sel­dorf ging, dann ging es vor allem um ihn: Vor­schlä­ge, die ande­re mach­ten, hat­ten kaum Über­le­bens­chan­cen. Und Erwin genoss über sei­ne gesam­te Amts­zeit die Mär, dass ohne ihn nichts funk­tio­nie­ren kön­ne in die­ser Stadt.

[…]

Erwin, Schnell­den­ker mit stoi­ber­scher Akten­kennt­nis, enor­mem Fleiß und unbrems­ba­rer Ent­schei­dungs­freu­de, aber auch unbe­herrscht und ohne Kor­rek­tiv, war einer, der sich noch selbst ver­göt­ter­te, wenn ande­re ihn längst gelobt hat­ten. Dem es nicht lang­te, Sie­ge still und damit stil­voll zu genie­ßen: „Ich schwim­me auf einer Woge der Begeis­te­rung”, dik­tier­te er Jour­na­lis­ten Ende 2000. Sei­ne Eigen­wer­bung nahm bald krank­haf­te Züge an. Sich selbst zu hin­ter­fra­gen, lag nicht in sei­nem Uni­ver­sum, Kri­ti­ker bügel­te er in oft klein­ka­rier­ter Form ab. Dass erst Sou­ve­rä­ni­tät Grö­ße aus­macht, hat sich ihm nie offen­bart.

Nie Fra­gen, nur Lek­tio­nen

Und als er Rudi Assau­er, dem Mana­ger des FC Schal­ke 04, beim Anblick der Gel­sen­kir­che­ner Are­na einen Vor­trag dar­über hielt, wie man so etwas bes­ser bau­en kön­ne, teil­te der stau­nend Belehr­te das Schick­sal aller Gesprächs­part­ner Erwins: Der glaub­te nicht nur alles bes­ser zu wis­sen, er glaub­te es auch bes­ser zu kön­nen. Joa­chim Erwin stell­te nie Fra­gen, er erteil­te Lek­tio­nen.

Eine Cha­rak­ter­schwä­che, die den Ruf der Lan­des­haupt­stadt in der Nach­bar­schaft als Heim­statt der Groß­spu­ri­gen zemen­tier­te und Ver­su­che regio­na­ler Zusam­men­ar­beit oft im Keim erstick­te. Nie­mand hat­te Lust, sich vor­füh­ren zu las­sen. „Wer nur geliebt wer­den will, kann nichts gestal­ten”, begrün­de­te Erwin und gewähr­te sich so Asyl.

Die Lis­te derer, die er men­schen­ver­ach­tend behan­del­te und belei­dig­te, ist lang. Letz­tes Opfer: die von ihm nicht erwünsch­te Umwelt­de­zer­nen­tin. Mit Medi­ka­men­ten voll­ge­pumpt wur­de er selbst im Ange­sicht des Todes nicht ent­spann­ter, nur im Ton sanf­ter. Man müs­se auch „mal hören, dass man ein Arsch ist”, hat er bei einem Vor­trag einst gesagt. Nur: Wer hät­te sich das in einem Kli­ma der Angst getraut?

In den Kom­men­ta­ren ent­sponn sich sogleich eine aus­gie­bi­ge Dis­kus­si­on (so also kriegt Der­Wes­ten sei­ne Com­mu­ni­ty ans Lau­fen), ob man denn sowas machen kön­ne: ein­tre­ten auf einen, des­sen Leich­nam noch nicht mal kalt ist.

Es gibt Lob für die muti­ge Ent­schei­dung:

Es gibt und gab nicht vie­le Jour­na­lis­ten die sich trau­en einen Teil der Wahr­heit über Herrn Erwin zu schrei­ben. Einer davon war Herr Preuss.

Die meis­ten ande­ren haben geschwie­gen.

Es gibt böse Kom­men­ta­re, die sogar extra das Wort „Schrei­ber­ling“ aus dem „Rat­ge­ber für erzürn­te Leser­brief­schrei­ber“ her­aus­ge­sucht haben:

Der Mann, der da geschrie­ben hat ist ein völ­lig uner­träg­li­cher Mensch, der von nor­ma­len mit­tel­eu­ro­päi­schen Umgangs­for­men offen­sicht­lich noch nie etwas gehört hat. Kein Aus­hän­ge­schild für die Zei­tung, son­dern ein­fach nur ein erbärm­li­cher, medio­krer, klei­ner Schrei­ber­ling, der an das Niveau eines Joa­chim Erwin nie­mals her­an­rei­chen wird.

An die­sem sehr kon­kre­ten Bei­spiel kann man eine zen­tra­le Fra­ge dis­ku­tie­ren, die nicht nur für den Jour­na­lis­mus, son­dern für unse­re gan­ze Kul­tur wich­tig ist: Wie geht man mit Ver­stor­be­nen um, über die man bedeu­tend mehr Schlech­tes als Gutes sagen könn­te? Streng genom­men könn­te man lob­hu­deln­de Nach­ru­fe als unjour­na­lis­ti­sche Lügen­ge­schich­ten brand­mar­ken und sich über die Auf­rich­tig­keit von „Schrei­ber­lin­gen“ wie Frank Preuss freu­en. Ande­rer­seits fal­len Sät­ze wie „eigent­lich war er ja schon ’n Arsch“ für gewöhn­lich frü­hes­tens beim drit­ten Schnaps nach dem Beer­di­gungs­kaf­fee und nicht unbe­dingt am offe­nen Grab.

Das Geheim­nis dahin­ter heißt Pie­tät und sorgt unter ande­rem dafür, dass man die Fra­ge „Wie sehe ich aus?“ mit­un­ter nicht ganz wahr­heits­ge­mäß beant­wor­tet. Wer das für Lügen hält, fin­det es ver­mut­lich auch „auf­rich­tig“, wenn er von unfreund­li­chen Super­markt­kas­sie­re­rin­nen ange­pflaumt wird.

Letzt­lich muss wohl jeder für sich selbst beant­wor­ten, was schlim­mer ist: Ein Nach­ruf, der die For­mu­lie­rung „den wären wir los“ nur unter Anstren­gung ver­mei­det, oder die Staats­trau­er-Ambi­tio­nen von „RP Online“ (nicht unter „Düs­sel­dorf ver­liert sein Herz“ zu haben), „Cen­ter TV“ und WDR. Viel­leicht auch ein­fach bei­des.

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Digital

Grimme legt nach

Bei der Bekannt­ga­be der Nomi­nie­run­gen für den Grim­me Online Award hat­ten die Ver­ant­wort­li­chen des Grim­me-Insti­tuts noch gescherzt: Pein­lich­kei­ten wie im letz­ten Jahr wol­le man die­ses Jahr um jeden Preis ver­mei­den, außer­dem dür­fe die Jury ja maxi­mal zwei Web­sei­ten nach­no­mi­nie­ren. Von die­sem Recht mach­te die Jury prompt Gebrauch.

So schlimm wie im letz­ten Jahr, als die Jury das dama­li­ge Jury-Mit­glied Mario Six­tus nach­no­mi­nier­te (der dar­auf­hin sofort aus der Jury aus­stieg und am Ende den Preis natür­lich – und eigent­lich zu Recht – gewann), ist es in die­sem Jahr nicht gewor­den. Die­ses Jahr ent­schied man sich nur, die Quo­te öffent­lich-recht­li­cher Ange­bo­te an den Nomi­nie­run­gen von erst 23,5% auf 26,3% zu erhö­hen – immer­hin stra­te­gisch geschickt zu einer Zeit, zu der Tho­mas Knü­wer im Urlaub ist.

Wenigs­tens ist die jetzt nach­no­mi­nier­te „WDR Media­thek regio­nal“ schon seit mehr als einem hal­ben Jahr online. Außer­dem ist sie bedeu­tend ein­fa­cher zu bedie­nen als die eben­falls nomi­nier­te ZDF-Media­thek, was aber auch kei­ne gro­ße Kunst ist. Ein­bet­ten kann man die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Fil­me aber auch beim WDR nicht, so dass ich auf einen Bei­spiel­bei­trag ver­lin­ken muss. Auch hier darf/​muss die Nomi­nie­rung als Signal an die Poli­tik ver­stan­den wer­den, die bald dar­über ent­schei­den muss, wie viel öffent­lich-recht­li­che Sen­der im Inter­net machen dür­fen.

Erfah­rungs­ge­mäß lässt eine Nach­no­mi­nie­rung dar­auf schlie­ßen, dass die Web­sei­te auch einen Award krie­gen wird – immer­hin sieht es so aus, als fin­de die Jury das Ange­bot bes­ser als alle Vor­schlä­ge der Nomi­nie­rungs­kom­mis­si­on. Und das scheint mir das Kern­pro­blem des GOA zu sein: es gibt eine Nomi­nie­rungs­kom­mis­si­on, eine Jury und über allem das Grim­me-Insti­tut, das sei­nen guten Namen her­gibt. Sie alle mögen für sich genom­men jeweils nur das Bes­te wol­len, aber die strik­te Tren­nung, die für Trans­pa­renz sor­gen soll, führt in Wahr­heit immer zu Cha­os und Häme in der Blogo­sphä­re. Und auch wenn die sicher nicht der allei­ni­ge Maß­stab sein soll­te: ein Online-Preis, der regel­mä­ßig Onli­ner gegen sich auf­bringt, ist nichts wert.

Ach so, ich schrieb von zwei Nach­no­mi­nie­run­gen: neben der WDR-Media­thek wur­de intro.de in die Lis­te auf­ge­nom­men, das Online­por­tal zu Deutsch­lands stu­den­tischs­tem Musik­ma­ga­zin. Das erstrahlt seit kur­zem in einem zweinul­li­gen, lang­sa­men und unüber­sicht­li­chen … äh: Glanz und ist damit so egal wie das dazu­ge­hö­ri­ge Heft.

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Digital

Hackepeter wird Kacke später

Die Bild­un­ter­schrift des Tages ent­neh­men wir heu­te taz.de:

taz.de über Hackfressen

[via Franz]

Nach­trag, 24. Mai: Irgend­wann in den letz­ten Tagen muss taz.de die Bild­un­ter­schrift geän­dert haben.

Jetzt sieht sie jeden­falls so aus:

taz.de bezeichnet Neonazis nicht weiter als “Hackfressen”

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Musik Digital

Auswärtsspiel: Der große Grand-Prix-Führer 2008

Wir wis­sen auch nicht mehr war­um, aber Ste­fan Nig­ge­mei­er und ich, wir haben uns sämt­li­che 43 Titel, die die­ses Jahr in zwei Halb­fi­nals und einem Fina­le am Grand Prix teil­neh­men, ange­hört. Mehr­mals. Und dar­über geschrie­ben. Näm­lich hier.

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Digital

Auswärtsspiel: Heute wegen Twitter

Nach der Bekannt­ga­be der Nomi­nie­run­gen für den Grim­me Online Award in Düs­sel­dorf am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag hat Dani­el Fie­ne, Cam­pus­ra­dio-Legen­de von Radio Q und einer der Macher von „Was mit Medi­en“, Kath­rin und mich zum The­ma Twit­ter inter­viewt.

Das Ergeb­nis kann man sich als Pod­cast hier anhö­ren und her­un­ter­la­den.

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Rundfunk Digital

Zitatenstrauß: Jon Stewart

Am Don­ners­tag hat­te Jon Ste­wart in der „Dai­ly Show“ David Perl­mut­ter zu Gast, den Autor des Buchs „Blog­wars“ über den wach­sen­den Ein­fluss von Blogs in der Poli­tik.

Mit­ten­drin äußer­te Ste­wart gro­ßes Unver­ständ­nis für Skep­sis und Kri­tik Blogs gegen­über:

I don’t know how you can be nega­ti­ve about some­thing that is just …

It’s like say­ing: „I don’t like the­se wri­ters“, becau­se it’s just wri­ting. You may not like what it says, you may not like the style that it says, but: that’s it, the work speaks for its­elf. If you find someone that you think is wort­hwi­le, has inte­gri­ty, then you fol­low them.

Das gan­ze Inter­view kann man sich hier anse­hen.

[Zita­ten­strauß, die Serie]

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Digital

Cinemascope für Anfänger

Ich habe gera­de einen ganz schö­nen Schreck bekom­men, als ich die Start­sei­te von n‑tv.de auf­ge­ru­fen habe:

Aus zwei mach eins mit n-tv.de

Irgend­wann fiel mir dann auch wie­der ein, woher mir die­ses Tech­nik bekannt vor­kam

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Digital

Und wieso eigentlich nicht ich?

Heu­te wur­den die Nomi­nie­run­gen für den Grim­me Online Award 2008 bekannt gege­ben. Da ich noch nicht die Zeit hat­te, mir alle nomi­nier­ten Inter­net­an­ge­bo­te näher anzu­se­hen, schrei­be ich aber nicht über die Nomi­nier­ten, son­dern über die net­te klei­ne Ver­an­stal­tung in den Räu­men der Lan­des­an­stalt für Medi­en NRW in Düs­sel­dorf:

Bekanntgabe der Nominierungen für den GOA 2008

Dem Adolf-Grim­me-Insti­tut haf­tet ja immer eine gewis­se Spie­ßig­keit an: Es sitzt in Marl und hängt irgend­wie mit dem Deut­schen Volks­hoch­schul­ver­band zusam­men – Ung­la­mou­rö­se­res kann man sich kaum vor­stel­len, ohne beim Auf­schrei­ben min­des­tens die Bewoh­ner meh­re­rer ost­deut­scher Land­stri­che und ein paar Per­so­nen zu belei­di­gen. Trotz­dem (ver­mut­lich eher: genau des­halb) macht das Grim­me-Insti­tut aber sehr gute und lobens­wer­te Arbeit – ich selbst habe kürz­lich erst an einem sehr inter­es­san­ten Semi­nar über Medi­en­jour­na­lis­mus teil­neh­men dür­fen.

Wo, wenn nicht im weit­ge­hend ablen­kungs­frei­en Marl, soll­ten sich Men­schen durch fast 1.900 vor­ge­schla­ge­ne Inter­net­sei­ten kli­cken; wer, wenn nicht eine Nomi­nie­rungs­kom­mis­si­on aus Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­lern, VHS-Stu­di­en­lei­tern und Online­jour­na­lis­ten, soll­te eine sol­che Mas­se erst auf 250 näher zu betrach­ten­de Ange­bo­te und dann auf 17 Nomi­nie­run­gen ein­schrän­ken? So erklär­te Uwe Kam­mann, Direk­tor des Adolf-Grim­me-Insti­tuts, dann auch das Selbst­ver­ständ­nis des Prei­ses: Ori­en­tie­rung und Hil­fe lie­fern in der Flut von Inter­net­an­ge­bo­ten. Im ver­gan­ge­nen Jahr habe ich so das groß­ar­ti­ge Blog „USA erklärt“ ken­nen­ge­lernt.

Zwei Trends sei­en in die­sem Jahr erkenn­bar, hieß es: der zu Online-Vide­os und zu Nut­zer­be­tei­li­gung, wobei letz­te­re inzwi­schen weit über Kom­men­tar­funk­tio­nen hin­aus­gin­ge. Damit war die Hor­ror­vor­stel­lung für eini­ge Jour­na­lis­ten dann auch schön umris­sen: „Fern­se­hen“ im Inter­net, gemacht von Men­schen, die womög­lich noch nie ein Fern­seh­stu­dio, geschwei­ge denn eine Jour­na­lis­ten­schu­le von innen gese­hen haben, und noch dazu die Ein­bin­dung der Leu­te, die frü­her nur abni­cken soll­ten, was man ihnen vor­setz­te.

Ande­re Jour­na­lis­ten fin­den das frei­lich toll. So berich­te­te Jens Reh­län­der von GEO.de, das mit einer Mul­ti­me­di­a­re­por­ta­ge über die Koral­len­in­sel Raja Ampat nomi­niert ist, völ­lig nach­voll­zieh­bar davon, wie enthu­si­as­tisch er nach einem Jahr in der Online-Redak­ti­on sei, nach­dem er 20 Jah­re Print gemacht habe. Er sprach von der Ver­än­de­rung des Berufs­bilds Jour­na­list und davon, dass die Repor­ter von Geo nach Fei­er­abend und am Wochen­en­de ihre Mul­ti­me­dia­in­hal­te zusam­men­schnei­den. Dann sag­te er noch, dass es Inter­net­nut­zer lie­ber authen­tisch als extrem pro­fes­sio­nell hät­ten, und man gar nicht vor­ha­be, mit Pod­casts und Vide­os Radio und Fern­se­hen Kon­kur­renz zu machen. Und ich dach­te nur noch: „Klu­ger Mann!“

Gut ein Vier­tel der Nomi­nie­run­gen ent­fiel auf pro­gramm­be­glei­ten­de Ange­bo­te öffent­lich­lich-recht­li­cher Sen­der, was man natür­lich durch­aus kri­ti­sie­ren kann, wenn man eh bei jeder pas­sen­den und unpas­sen­den Gele­gen­heit das öffent­lich-recht­li­che Sys­tem kri­ti­sie­ren will. Dass die ZDF-Media­thek nomi­niert wur­de, kann man durch­aus als poli­ti­sche Ent­schei­dung ver­ste­hen, immer­hin sol­len die öffent­lich-recht­li­chen Sen­der nach Plä­nen der EU-Kom­mis­si­on ihre Inhal­te zukünf­tig nur noch sie­ben Tage online stel­len dür­fen, was für den Gebüh­ren­zah­ler in etwa so geist­reich ist wie ein Maler­meis­ter, der Ihnen nach sie­ben Tagen die bereits bezahl­ten Tape­ten wie­der von den Wän­den kratzt. Die­ses The­ma führ­te dann auch zu klei­ne­ren Dis­kus­sio­nen zwi­schen Ver­tre­tern des WDR und der Düs­sel­dor­fer Staats­kanz­lei und zu span­nen­den Gesprä­chen nach dem offi­zi­el­len Teil. Dass es im Jahr 2008 über­haupt noch als preis­wür­dig gilt, wenn ein Fern­seh­sen­der fast alle sei­ne Inhal­te online ver­füg­bar hat, ist schon eini­ger­ma­ßen tra­gisch, in Deutsch­land aber eben auch Fakt. Wenn sich die Jury an die Bewer­tungs­kri­te­ri­en hält (Stich­wort „Nut­zer­freund­lich­keit“), dürf­te die ZDF-Media­thek trotz­dem kei­ne Chan­ce auf den Preis haben.

Markus Beckedahl von netzpolitik.org

Ins­ge­samt ist die Lis­te der Nomi­nier­ten schon recht brav, man könn­te sagen: Grim­me-Insti­tut halt. Mir fie­le so spon­tan aber kein son­der­lich „unbra­ves“ Inter­net­pro­jekt ein, das ich hät­te vor­schla­gen kön­nen. Dass ver­gleichs­wei­se weni­ge Blogs nomi­niert wur­den (dafür mit Netz­po­li­tik und Stö­rungs­mel­der zwei poli­ti­sche und das sehr per­sön­li­che der ALS-Pati­en­tin San­dra Scha­dek), erklär­te Prof. Chris­toph Neu­ber­ger aus der Nomi­nie­rungs­kom­mis­si­on damit, dass sich die Stan­dards im Web jedes Jahr änder­ten und Mul­ti­me­dia­li­tät inzwi­schen einen höhe­ren Stel­len­wert habe.

Dann sind über­pro­por­tio­nal vie­le Ange­bo­te für Kin­der dabei, was man noch damit recht­fer­ti­gen kann, dass Ori­en­tie­rung beson­ders auf die­sem Gebiet Not tut und päd­ago­gisch wert­vol­le Inter­net­sei­ten sowie­so unter­stüt­zens­wert sind. Mit Hobnox ist ein Ange­bot nomi­niert, das ich zwar für sehr span­nend, mög­li­cher­wei­se gar revo­lu­tio­när hal­te, sich aber auch noch in der Beta-Pha­se befin­det …

Man kann also wie­der kräf­tig an der Lis­te rum­mä­keln, was man als Blog­ger ver­mut­lich sogar tun muss, weil ja so vie­le böse „kom­mer­zi­el­le“ und „gebüh­ren­fi­nan­zier­te“ Ange­bo­te auf der Lis­te ste­hen, man kann aber das Anlie­gen und die Ent­schei­dun­gen des Grim­me-Insti­tuts akzep­tie­ren und, wenn’s denn sein muss, ein­fach einen eige­nen Award aus­ru­fen – so wie Til Schwei­ger, nach­dem er beim Deut­schen Film­preis über­gan­gen wor­den war.

Nicht ohne Stolz will ich aber zum Schluss dar­auf hin­wei­sen, dass ich beim Über­flie­gen der Lis­ten unter den Mit­ar­bei­ter an den nomi­nier­ten Pro­jek­ten schon wie­der zwei ehe­ma­li­ge Dins­la­ke­ner gefun­den habe.

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Rundfunk

Housebesuch

Ich habe erst heu­te (und damit pas­send zum ges­tern gesen­de­ten Staf­fel­fi­na­le) fest­ge­stellt, dass „RP Online“ vor mehr als einem Jahr sechs Medi­zi­ner zu „Dr. House“ befragt hat.

Sie fin­den die Serie alle­samt unrea­lis­tisch und Dr. Gre­go­ry House min­des­tens unsym­pa­thisch, wenn nicht gar unhalt­bar, aber das soll uns nicht groß inter­es­sie­ren, denn es han­delt sich ja um eine fik­tio­na­le Serie und nicht um einen medi­zi­ni­schen Fach­auf­satz.

Ihre Ein­schät­zun­gen sind nichts­des­to­trotz fast durch­gän­gig inter­es­sant und hier in einer sie­ben­tei­li­gen Klick­stre­cke nach­zu­le­sen.

Nach­trag, 8. Mai: Mei­ne Mut­ter wies mich dar­auf hin, dass die „NRZ“ vor ein paar Wochen etwas ganz ähn­li­ches gemacht hat. Aller­dings ist der Arzt, der die Serie dort ana­ly­siert, Fan.

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Programmhinweis: Jugendmedienevent 2008

Wenn Sie zwi­schen zwölf und 25 Jah­re alt sind (ich Sie also nicht unbe­dingt sie­zen müss­te) und sich für Medi­en und Jour­na­lis­mus inter­es­sie­ren, hät­te ich da was für Sie:

Die Jun­ge Pres­se ver­an­stal­tet vom 14. bis zum 17. August 2008 in Mainz und Essen (erst zwei Tage Mainz, dann zwei Tage Essen) das Jugend­me­di­en­event 2008.

Für wenig Geld gibt es dort einen Aus­flug zum ZDF und zahl­rei­che Vor­trä­ge und Work­shops mit erfah­re­nen und nam­haf­ten Jour­na­lis­ten – sowie einen mit mir, denn ich wer­de dort etwas über das Web 2.0 im All­ge­mei­nen und Blogs im Spe­zi­el­len erzäh­len.

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Fischen im Netz

Das Inter­net hat die Arbeit von Jour­na­lis­ten erheb­lich ver­ein­facht: Bin­nen weni­ger Sekun­den kann man Agen­tur­mel­dun­gen auf ihren Wahr­heits­ge­halt über­prü­fen (vor­aus­ge­setzt, man will), uralte Tex­te aus obsku­ren Archi­ven her­aus­su­chen und per E‑Mail Ansprech­part­ner in aller Welt kon­tak­tie­ren. Vor allem aber hat man blitz­schnell Infor­ma­tio­nen über jun­ge Leu­te zur Hand, über die zuvor noch nie­mand geschrie­ben hat – außer sie selbst.

Das fiel mir ges­tern wie­der auf, als ich auf der Inter­net­sei­te des „San Fran­cis­co Chro­nic­le“ einen Arti­kel über einen Stu­den­ten aus Ber­ke­ley las, der am frü­hen Sams­tag­mor­gen ersto­chen wur­de. Schon ohne die Fami­lie des Opfers heim­ge­sucht zu haben, konn­ten die Autoren am Sams­tag­abend eine eini­ger­ma­ßen leben­di­ge Cha­rak­te­ri­sie­rung des Toten abge­ben:

Chris­to­pher W.*, who loved ’80s music, poker, base­ball and foot­ball, accor­ding to his MySpace page, would have recei­ved his under­gra­dua­te degree later this month and was going to begin gra­dua­te school in nuclear engi­nee­ring at UC Ber­ke­ley in the fall.

[…]

W.* was acti­ve in his fra­ter­ni­ty, ser­ving as vice pre­si­dent and pledge edu­ca­tor.

„Nobo­dy can have a bet­ter set of fri­ends than I do,“ he wro­te on his MySpace page. „I’m a Sig­ma Pi for life.“

W.* lis­ted on MySpace the Bible as one of his favo­ri­te books and Jesus as one of his top inte­rests.

Among his heroes, he lis­ted „Jesus, my mom, my dad, my big brot­her, real­ly wise peo­p­le.“

* Anony­mi­sie­rung von mir

Exkurs: Dass die Opfer eines Ver­bre­chens (eben­so wie die Täter) meist mit vol­lem Namen genannt und auf Fotos gezeigt wer­den, ist im angel­säch­si­schen Jour­na­lis­mus nor­mal. Anders als in Deutsch­land, wo „Bild“ und Kon­sor­ten häu­fig die unrühm­li­che Aus­nah­me dar­stel­len, sind die Prot­ago­nis­ten von Kri­mi­nal­fäl­len in Groß­bri­tan­ni­en und den USA oft auch in den soge­nann­ten Qua­li­täts­me­di­en voll­stän­dig iden­ti­fi­zier­bar. Ent­spre­chend war es lei­der wenig über­ra­schend, dass BBC und CNN im „Fall Amstet­ten“ zu den ers­ten Medi­en gehör­ten, die Täter und Opfer bei vol­lem Namen nann­ten, bevor deutsch­spra­chi­ge Medi­en nach­zo­gen (lesen Sie dazu auch die­sen sehr klu­gen Ein­wurf bei medienlese.com). Exkurs Ende.

Doch zurück zum Toten von Ber­ke­ley und sei­nem MySpace-Pro­fil: Immer­hin hat man beim „Chro­nic­le“ (vor­erst) dar­auf ver­zich­tet, auch Fotos von sei­ner Sei­te zu ver­öf­fent­li­chen. Es ist nicht unwahr­schein­lich, dass sie noch zum Ein­satz kom­men wer­den, denn nie war es ein­fa­cher, an per­sön­li­che Bil­der und Infor­ma­tio­nen von Betrof­fe­nen zu kom­men – „Wit­wen­schüt­teln“, ganz ohne anstren­gen­de Haus­be­su­che, bei denen man Gefahr lau­fen könn­te, im Ange­sicht der Hin­ter­blie­be­nen doch noch Gewis­sens­bis­se zu bekom­men.

Als im Janu­ar eine Bie­le­fel­der Schü­le­rin beim Ski­fah­ren töd­lich ver­un­glück­te, nutz­ten „Bild am Sonn­tag“ (s. BILD­blog) und RTL (s. Indis­kre­ti­on Ehren­sa­che) Pri­vat­fo­tos aus dem Schue­lerVZ-Pro­fil der Toten zur Illus­tra­ti­on ihrer Arti­kel und Bei­trä­ge. Bei Schue­lerVZ muss man sich – anders als bei MySpace – erst ein­mal anmel­den, um die Pro­fi­le der ande­ren Mit­glie­der ein­se­hen zu kön­nen.

Im März brach­te die „New York Times“ ein gro­ßes Por­trät über das Call­girl, das die poli­ti­sche Kar­rie­re des New Yor­ker Gou­ver­neurs Eli­ot Spit­zer been­det hat­te – wei­te Tei­le stamm­ten aus Tele­fon­in­ter­views, die die Redak­teu­re mit der jun­gen Frau geführt hat­ten, ande­re Details und Fotos waren direkt ihrer MySpace-Sei­te ent­nom­men. Patri­cia Drey­er, „Panorama“-Chefin von „Spie­gel Online“ und Ex-Unter­hal­tungs­chefin bei „Bild“, muss­te wenig mehr machen, als den „New York Times“-Artikel noch zu über­set­zen und mit indi­rek­ter Rede zu ver­se­hen, um bei „Spie­gel Online“ einen „eige­nen“ gro­ßen Arti­kel dar­aus zu machen. Wie­der inklu­si­ve aller MySpace-Fotos, die dort plötz­lich mit den Quel­len­hin­wei­sen „AP“ und „AFP“ ver­se­hen waren.

Ende März brach­te die „taz“ einen län­ge­ren Arti­kel dar­über, wie sich „Bild“ immer wie­der bei Stu­diVZ bedient und frag­te auch in der Pres­se­stel­le von Stu­diVZ nach, wie man dort eigent­lich zu dem The­ma ste­he. Die Ant­wort fiel wenig über­ra­schend schwam­mig aus:

Die jour­na­lis­ti­sche Ver­wer­tung von Bil­dern aus Stu­diVZ ist nicht in unse­rem Inter­es­se. Das steht auch ein­deu­tig in unse­ren AGB. Wird den­noch ein Foto von einem unse­rer Nut­zer zu die­sem Zweck unau­to­ri­siert ver­wen­det, so han­delt es sich hier­bei um eine Ver­let­zung der Urhe­ber­rech­te. Der Nut­zer kann gegen das ent­spre­chen­de Medi­um vor­ge­hen.

Doch noch ein­mal zurück zum „San Fran­cis­co Chro­nic­le“, der – das muss man viel­leicht noch mal erwäh­nen – durch­aus zu den ame­ri­ka­ni­schen Qua­li­täts­zei­tun­gen zählt und des­sen Redak­teu­re regel­mä­ßig mit Jour­na­lis­mus­prei­sen geehrt wer­den: In einem wei­te­ren Arti­kel auf der heu­ti­gen Titel­sei­te wer­den dort Aus­sa­gen vom Bru­der des Opfers mit Zita­ten aus dem MySpace-Blog des Toten gegen­über­ge­stellt. Die Aus­sa­ge, der Ver­stor­be­ne sei ein fried­li­cher und reli­giö­ser Mensch gewe­sen, wer­den mit hor­mon- und alko­hol­ge­schwän­ger­ten Par­ty­ge­schich­ten ver­schnit­ten, die für jeden „Chronicle“-Leser drei Maus­klicks weit ent­fernt sind.

Ich muss also mei­ne eige­ne Mei­nung zur infor­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mung, die ich hier schon ein­mal aus­ge­brei­tet habe, etwas ein­schrän­ken: Zwar glau­be ich nach wie vor, dass per­sön­li­che Blog­ein­trä­ge und Par­ty­fo­tos eines Tages für Per­so­nal­chefs wie­der völ­lig irrele­vant sein wer­den (ein­fach, weil es sie von jedem Bewer­ber und dem Per­so­nal­chef selbst geben wird), aber es besteht eben immer die Gefahr, unfrei­wil­lig zum Gegen­stand pseu­do-jour­na­lis­ti­scher Bericht­erstat­tung zu wer­den.

Ich wür­de nicht wol­len, dass, soll­te ich mor­gen unter einem LKW lie­gen, die Zei­tun­gen über­mor­gen mein Leben und Wesen so zusam­men­fass­ten: „Lukas moch­te, wie er auf sei­nem MySpace-Pro­fil schrieb, Acht­zi­ger-Jah­re-Komö­di­en und Musik von Oasis und Phil Coll­ins.“

Nach­trag, 6. Mai: BILD­blog gibt Tipps, wie man sich halb­wegs gegen die Ver­wen­dung von Fotos schüt­zen kann.