
Im eisernen Griff der Mafia, oder was?

Eingesandt von Daniel E.
Am Sonntag ist es endlich soweit: Die A 40 wird zwischen Duisburg und Dortmund gesperrt, um darauf einen riesigen Tisch zu errichten und ein Volksfest zu feiern. Die Idee kann man charmant finden oder bekloppt, aber es wird hoffentlich tolle Bilder geben, die mithelfen, das Image des Ruhrgebiets zu verbessern.
Der Westdeutsche Rundfunk bringt deshalb mehrere Sondersendungen, die er in mehreren Pressemitteilungen vollmundig ankündigt:
Kein Stau, kein Stress, keine Autos – am 18. Juli geht auf der Autobahn A40 alles. Die RUHR 2010 sperrt den so genannten Pott-Highway.
Den was?!
den so genannten Pott-Highway.
Ach was. Und wer nennt den so?
Der Westdeutsche Rundfunk – und zwar offensichtlich nur der Westdeutsche Rundfunk.
Aua.
Bob Dylan hat viele entscheidende Fragen gestellt: Wie viele Straßen muss ein Mann entlanggehen, bis man ihn einen Mann heißen darf? Wie viele Meere muss eine weiße Taube überfliegen, bevor sie im Sand schläft? Wie lang kann ein Berg existieren, bis er ins Meer erodiert ist? Und auch, wenn die Antwort eh irgendwo im Wind weht, fehlt eine entscheidende Frage (die 1963 freilich schwer progressiv bis völlig unverständlich gewesen wäre): Wie oft muss man eine Freundschaftsanfrage bei Facebook ablehnen, bevor der Anfragende endlich versteht?
Facebook ist vermutlich jetzt schon das wichtigste Ding seit Erfindung des World Wide Web. Es ersetzt das eigene Telefonbuch (oder übernimmt es einfach), ist Kontaktverzeichnis und ‑börse zugleich, darüber hinaus Raucherecke, Spielplatz, Veranstaltungskalender und was nicht noch alles. Außerdem hat es eine besorgniserregende Macht und – wie jedes ordentliche Computerunternehmen – einen nicht weniger besorgniserregenden Chef. (David Fincher hat gerade einen Film über Mark Zuckerberg gedreht – das macht er sonst nur bei Serienmördern, Psychopathen und Menschen, die immer jünger werden.)
Nichtsdestotrotz ist Facebook auch ein wichtiger Bestandteil meines Leben, wobei man nie vergessen darf, dass es nicht das Leben ist (zur Unterscheidung: Facebook ist das, wo man sich ein paar Stunden Zeit lassen kann, um schlagfertig zu sein). Und während manche Leute das alte MySpace-Prinzip (für die Jüngeren: MySpace war 2006 halb so wichtig wie Facebook heute) weiterverfolgen, das eigentlich ein Panini- oder Pokemon-Prinzip ist und „Krieg‘ sie alle!“ lautet, dürften die Meisten Facebook doch eher als die Summe aller bisher angehäuften Freundeskreise nutzen, angereichert um einige lose Bekannte und Verwandte und um Leute, die einem noch mal wichtig sein könnten.
Ich achte ziemlich genau darauf, wen ich bei Facebook als „Freund“ hinzufüge, und auch wenn ich mich wohl von meinem Plan verabschieden muss, nie mehr als 222 Kontakte zu haben, ist es doch ein einigermaßen elitärer Haufen. Alle paar Monate gehe ich mit der Heckenschere durch meine Kontaktliste und entrümpel sie von Karteileichen und Leuten, die schlichtweg – Verzeihung! – nerven. Ich halte es nur für höflich, bei Freundschaftsanfragen, die nicht völlig offensichtlich sind („Luke, ich bin Dein Vater!“), kurz hinzuzufügen, woher man sich kennen könnte bzw. sollte. Menschen, die mit einem ähnlich selektiven Namens- und Gesichtsgedächtnis geschlagen sind wie ich, freuen sich über derlei Hinweise. Andererseits gilt es auch zu akzeptieren, wenn eine Freundschaftsanfrage ignoriert oder abschlägig beschieden wird – womit wir wieder bei Bob Dylan wären. Selbst die Funktion „I don’t even know this person“ scheint nicht zu verhindern, Minuten später schon wieder von den gleichen Massenbefreundern angefragt zu werden, deren Verhältnis zu einem selbst sich auch nach minutenlangem Googeln nicht erschließt.
Und dann ist da noch etwas: What happens in Facebook stays in Facebook.
Menschen, die via Twitter eine nicht näher definierte Zielgruppe über Abendplanung, Arbeitgeber und Unterleibsbeschwerden informieren, mögen es unverständlich finden, aber bei Facebook spreche ich zu einem klar umrissenen Publikum – für uneingeschränkt öffentliche Verlautbarungen habe ich ja immer noch dieses Blog. In meinem Facebook-Account wird sich nichts finden, was streng privat oder gar intim ist, aber es handelt sich dabei dennoch um classified information. Das ist ein Vertrauensvorschuss an meine Facebook-Kontakte und wer mein Vertrauen missbraucht, wird hart bestraft. (Na ja: So hart, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Ich hab ja auch keine Lust, mich vor dem UNO-Tribunal zu verantworten.)
Gab’s sonst noch was? Ach ja: Bitte denken Sie ein paar Sekunden nach, bevor Sie mich zu irgendwelchen Veranstaltungen oder in irgendwelche Gruppen einladen wollen.
PS: Die Deutschlandfähnchen auf den Benutzerbildern könnten dann auch mal langsam weg. Es ist vorbei!
Erinnern data-epi-spacing Sie data-epi-spacing sich data-epi-spacing noch data-epi-spacing an data-epi-spacing den data-epi-spacing schrecklichen data-epi-spacing dänischen data-epi-spacing Beitrag data-epi-spacing beim data-epi-spacing Eurovision data-epi-spacing Song data-epi-spacing Contest data-epi-spacing in data-epi-spacing Oslo?
Herr data-epi-spacing Niggemeier data-epi-spacing und data-epi-spacing ich data-epi-spacing haben data-epi-spacing – data-epi-spacing während data-epi-spacing wir data-epi-spacing versuchten, data-epi-spacing uns data-epi-spacing diesen data-epi-spacing Ohrwurm data-epi-spacing gegenseitig data-epi-spacing aus data-epi-spacing dem data-epi-spacing Kopf data-epi-spacing zu data-epi-spacing prügeln data-epi-spacing – data-epi-spacing lange data-epi-spacing darüber data-epi-spacing nachgedacht, data-epi-spacing woran data-epi-spacing uns data-epi-spacing dieser data-epi-spacing Song data-epi-spacing alles data-epi-spacing erinnert. data-epi-spacing „Every data-epi-spacing Breath data-epi-spacing You data-epi-spacing Take“ data-epi-spacing (oder, data-epi-spacing für data-epi-spacing die data-epi-spacing Jüngeren: data-epi-spacing „I’ll data-epi-spacing Be data-epi-spacing Missing data-epi-spacing You“) data-epi-spacing war data-epi-spacing natürlich data-epi-spacing dabei, data-epi-spacing mit data-epi-spacing ein data-epi-spacing bisschen data-epi-spacing fremder data-epi-spacing Hilfe data-epi-spacing kamen data-epi-spacing wir data-epi-spacing auch data-epi-spacing auf data-epi-spacing „The data-epi-spacing Best“ data-epi-spacing von data-epi-spacing Tina data-epi-spacing Turner data-epi-spacing und data-epi-spacing einen data-epi-spacing Hauch data-epi-spacing von data-epi-spacing „Dancing data-epi-spacing Queen“ data-epi-spacing kann data-epi-spacing man data-epi-spacing im data-epi-spacing Refrain data-epi-spacing auch data-epi-spacing erkennen.
Das data-epi-spacing alles data-epi-spacing ist data-epi-spacing aber data-epi-spacing harmlos data-epi-spacing gegen data-epi-spacing Lady data-epi-spacing Gaga, data-epi-spacing die data-epi-spacing das data-epi-spacing Prinzip data-epi-spacing Pop data-epi-spacing ausfüllt data-epi-spacing wie data-epi-spacing niemand data-epi-spacing sonst data-epi-spacing dieser data-epi-spacing Tage. data-epi-spacing Ihre data-epi-spacing aktuelle data-epi-spacing Single data-epi-spacing „Alejandro“ data-epi-spacing verfügt data-epi-spacing nicht data-epi-spacing nur data-epi-spacing über data-epi-spacing ein data-epi-spacing beeindruckend data-epi-spacing irres data-epi-spacing Video, data-epi-spacing sie data-epi-spacing klingt data-epi-spacing auch data-epi-spacing wie data-epi-spacing hundert data-epi-spacing bereits data-epi-spacing bekannte data-epi-spacing Songs data-epi-spacing gleichzeitig:
Maura data-epi-spacing Johnston data-epi-spacing und data-epi-spacing Jay data-epi-spacing Smooth data-epi-spacing haben data-epi-spacing sich data-epi-spacing bei data-epi-spacing NPR data-epi-spacing ausgiebig data-epi-spacing Gedanken data-epi-spacing darüber data-epi-spacing gemacht data-epi-spacing und data-epi-spacing erklären data-epi-spacing in data-epi-spacing dreieinhalb data-epi-spacing Minuten data-epi-spacing mal data-epi-spacing eben, data-epi-spacing wie data-epi-spacing Popmusik data-epi-spacing funktioniert.
Die Nichtmeldung des Jahrzehnts entnehmen wir heute – Wer hätte das gedacht? – „RP Online“:

Eingesandt von Diamandis.
2010 scheint sich unerfreulicherweise als Jahr des großen Musikersterbens in die Geschichtsbücher brennen zu wollen: Stuart Cable, der frühere Schlagzeuger der Stereophonics, ist tot.
Wie mittlerweile eigentlich üblich, erreichte mich die traurige Nachricht per Facebook.
Ich hätte es aber auch zufällig auf der Startseite von – hold your breath – Bild.de erfahren können:

Nicht erfahren hätte ich es hingegen (Stand 14.55 Uhr) auf den „News“-Seiten der Musikzeitschriften „Visions“, „Musikexpress“ und „Rolling Stone“. Aber was hätte ich auch da gewollt?
Bei meinen Versuchen, wieder mal der Letzte zu sein, der einen Internet-Hype entdeckt hat, bin ich auf das Blog „Analoge Jugend“ gestoßen.
Versehen mit Überschriften aus den schönsten deutschsprachigen Popsongs der letzten 20 Jahre finden sich dort Fotos aus einer fernen Welt:
Analoge Jugend is a blog about the last generation of kids growing up without social media, digital cameras and a desperate force of self-expression.
Ich weiß nicht, wie diese Fotos auf … sagen wir mal: heute 15-Jährige wirken (mutmaßlich: „antik“), aber ich fand das Blog beim Durchklicken gleichermaßen herzerwärmend und beunruhigend: Etwa bei jedem zweiten Bild war ich mir sicher, frühere Klassenkameraden oder mich selbst entdeckt zu haben.
Mit frappierender Deckungsgleichheit kreisen die Bilder um Klassenfahrten (und damit um Reisebusse, holzverkleidete Partyräume und und Regenjacken), um Strände an Meeren und Baggerseen und um sehr viel Blödsinn mit und ohne Alkohol.
Mit diesem unscheinbaren, aber kulturhistorisch wichtigen Blog wäre dann auch gleich mal mit dem lästigen Gerücht aufgeräumt, wonach „die Jugendlichen“ „ja“ „heutzutage“ alle gleich aussähen.
Sie taten es immer schon:



An der Ruhr-Uni Bochum wird so langsam aber sicher die dringend notwendige Sanierung in Angriff genommen. Das ist gut, hat aber einen kleinen bis mittelgroßen Nachteil: Mein früherer Heimatsender CT das radio wird dadurch … äh: obdachlos.
Jetzt ist die derzeitige Mannschaft des Campusradios auf der Suche nach einer neuen Bleibe, die – so nehme ich an – in Uninähe liegen und wenig bis nichts kosten sollte. Und da dachte ich, vielleicht haben Sie ja eine Idee.
Das ambitionierte Immobiliengroßprojekt in Innenstadtnähe ist ja noch lange nicht fertig.
Für Vorschläge sind die Kollegen dankbar und es gibt sogar etwas zu gewinnen.
Statler & Waldorf, Abbott & Costello, Simon & Garfunkel – die Liste glorreicher Duos ist lang.
Und damit zu etwas völlig Anderem: In knapp zwei Wochen findet in Oslo der Eurovision Song Contest statt. Auf den Schultern von Lena Meyer-Landrut lastet eine höhere Erwartungshaltung als auf denen von Jogi Löw, denn es geht darum, nach 28 Jahren endlich wieder Weltmeister Papst Meistersänger zu werden.
Aus Gründen, die uns selbst nicht ganz klar sind und die wir noch nicht einmal mit „Alkohol“ angeben können, fahren Stefan Niggemeier und ich nach Oslo, um uns den ganzen Irrsinn aus der Nähe anzuschauen und kleine Filme darüber ins Internet zu stellen.
Die Pilotfolge sehen Sie hier:
Alles weitere finden Sie dann auf oslog.tv.
Stop the press!
Obwohl das Thema „Wetter“ im Moment nicht gerade zu den erfreulichsten zählt, gibt es sensationelle Nachrichten von der Waterkant Wetterkarte:
Niemandsland verschwunden
Dinslaken. Viele größere Städte, schimpften Bürger in Zuschriften an die Stadt, seien auf der Wetterkarte des WDR in der „Lokalzeit Duisburg“ abgebildet, nur Dinslaken nicht. Ein kritischer Bewohner erklärte, ein Kontakt in dieser Sache mit dem WDR sei erfolglos geblieben. Das ließ die städtische Pressestelle nicht ruhen. Eine Mail und ein Telefongespräch, vielleicht auch die kollegialen Kontakte zu Studioleiter Klaus Beck, führten zum Ziel. Auf der regionalen Wetterkarte des Lokalzeit ist Dinslaken jetzt gut leserlich vertreten.
Soweit die Pressestelle der Stadt.

Die Pressestelle des Westdeutschen Rundfunks wollte dieses Großereignis indes nicht mit einer eigenen Verlautbarung würdigen.
Hans Leyendecker hat für die gestrige Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ ein großes Porträt über die Menschen im Vielvölkerbundesland Nordrhein-Westfalen geschrieben – natürlich vor dem Hintergrund der heutigen Landtagswahl:
In den Rau-Wahlkämpfen klebten die Sozialdemokraten Plakate mit dem Spruch „Wir in Nordrhein-Westfalen und unser Ministerpräsident“. Rau gelang es, die Identifikation der Bürger mit dem künstlich zustande gekommenen Land zu steigern. Im Landtagswahlkampf 2010 klebt die CDU Plakate mit dem Konterfei von Rüttgers und dem Slogan „Wir in Nordrhein-Westfalen“. Manchmal findet sich auch der Zusatz: „Unser Ministerpräsident“. Lediglich auf das „und“ hat die CDU bei der Kopie verzichtet.
Das ist jetzt so ein Absatz, der für die meisten Menschen, die nicht gerade als Wahlplakathistoriker arbeiten, von eher minderem Interesse ist. Wen interessiert schon, ob da jetzt ein „und“ mehr oder weniger auf dem Plakat ist?
Es wäre weitgehend egal – wenn sueddeutsche.de die Onlineversion des Artikels nicht ausgerechnet mit diesem Foto bebildert hätte:

Mit Dank an Felix.
Wenn Kimberly Hoppe nicht gerade von Beerdigungen twittert, schreibt sie in der „Münchner Abendzeitung“ über Leute und in ihrem Blog über ihr Leben als „LEUTE-Kolumnistin“.
Das ist alles nicht schön, aber man muss schon dankbar sein, dass Frau Hoppe nur über Leute schreibt und nicht etwa über Zeitgeist-Themen. Nachdem sie im vergangenen September das Wort „Vorglühen“ für sich entdeckt (und zum „Wort des Jahres“ ernannt) hatte, ist sie nun auf etwas völlig neues, außergewöhnliches gestoßen:
“Was kann ich tun, um Idioten-Männer mit depperten Gefühlsschwankungen zu vergessen?”, frage ich sie.
Ihre Antwort folgt zackig: “Komm mit in den E‑Garten und lass uns Flunkyball spielen!”
Watt???
Muss in der Mini-Martin-Phase schrecklichst gealtert sein und jegliche Neu-Trends verpasst haben. Hilfe!!
Was, bitte, ist Flunkyball!?
Da es schon wieder um Alkohol geht, drängt sich natürlich die Frage auf, ob das diesbezügliche Gefälle zwischen meiner niederrheinischen Heimat und München tatsächlich so groß ist. Vielleicht bekommt, wer Weißbier trinkt, auch sonst nur wenig von der Welt mit.

Meine erste Begegnung mit diesem crazy … äh: „Neu-Trend“ liegt jedenfalls schon geschmeidige vier Jahre zurück und fand – wie es sich gehört – auf einem Dinslakener Kirchhof statt.
Freuen Sie sich also schon jetzt darauf, wenn Kimberly Hoppe, die Frau, die „Polylux“ jung aussehen lässt, nächstes Jahr das „Konterbier“ entdeckt.