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Preis­fra­ge: Was ist das?

Eine Flasche Bier

a) Eine Fla­sche Bier.
b) Ein Wer­be­fo­to von Bit­bur­ger.
c) Ein Teil einer Bil­der­ga­le­rie bei „RP Online“.
d) Wich­ti­ger redak­tio­nel­ler Inhalt.

Machen wir’s kurz: So wie es aus­sieht, sind alle vier Ant­wor­ten rich­tig.

Die Braue­rei Bit­bur­ger hat eine neue Fla­sche auf den Markt gebracht, die laut Pres­se­mit­tei­lung durch „stil­vol­les und moder­nes Design“ über­zeugt. Und offen­bar über­zeug­te sie zumin­dest Chris­ti­an Kurth, der für das Wirt­schafts­res­sort bei „RP Online“ einen Arti­kel dar­über schrieb.

Nun kann man sagen, die Ein­füh­rung einer neu­en Bier­fla­sche habe einen gewis­sen Nach­rich­ten­wert – und über neue Auto­mo­del­le wür­de ja auch stän­dig berich­tet.

Schon frag­li­cher ist, war­um man die­ser Mel­dung eine fünf­tei­li­ge Bil­der­ga­le­rie anhän­gen muss, die nicht nur die Fla­sche in meh­re­ren Posi­tio­nen zeigt, son­dern auch offen­sicht­li­che Wer­be­sze­na­ri­en:

Junge, hübsche Menschen trinken Bitburger.

Junge, hübsche Menschen trinken noch mehr Bitburger.

Weil man sich für sol­che Fotos nur schwer Bild­un­ter­schrif­ten aus­den­ken kann, wur­de ein­fach der Arti­kel-Text absatz­wei­se rein­ko­piert. So kann der Leser Sät­ze wie

Selbst­zwei­fel kamen auf. Zu viel getrun­ken? Nein, das ist erst die zwei­te Fla­sche. Aber was ist es dann? Ein Pro­duk­ti­ons­feh­ler? Schnell im Kas­ten nach­ge­schaut. Tat­säch­lich – alle Fla­schen sind gleich, alle Fla­schen haben die­sen Knick. Was hat sich die Braue­rei Bit­bur­ger nur dabei gedacht, die klas­si­sche NRW-Fla­sche zu ver­än­dern?

gleich zwei Mal lesen. (Aber das ken­nen wir ja schon.)

Auf die Spit­ze getrie­ben wird der redak­tio­nel­le Inhalt durch die klei­ne Info­box „Die Braue­rei“, die unter dem Arti­kel ver­linkt ist:

Die Brauerei: Die Bitburger Brauerei, 1817 in der Südeifel gegründet, zählt zu den bedeutendsten Premium-Brauereien Deutschlands. Mit über 4 Millionen Hektolitern ist Bitburger eine der größten nationalen Pilsmarken. Herausragend ist ihre Position in der Gastronomie, wo Bitburger Premium Pils mit seinem fassfrischen Geschmack seit Jahrzehnten die Spitzenposition einnimmt. Bitburger ist das meistgezapfte Pils an deutschen Theken. Deutschlandweit führen über 43.000 Gastronomieobjekte Bitburger Premium Pils.

Wie Sie ver­mut­lich schon den For­mu­lie­run­gen „Pre­mi­um-Braue­rei“ und „fass­fri­scher Geschmack“ ent­neh­men konn­ten, han­delt es sich dabei um einen Pres­se­text der Bit­bur­ger-Braue­rei, den „RP Online“ wei­ter­ver­brei­tet.

Fran­zis­ka Bluhm, die stell­ver­tre­ten­de Chef­re­dak­teu­rin von „RP Online“, schrieb mir auf Anfra­ge:

[E]s han­delt sich bei dem Text weder um Wer­bung, Pro­mo­ti­on oder einen ande­ren als Anzei­gen zu kenn­zeich­nen­den Inhalt. Ein Erleb­nis im Super­markt und das Erschei­nen der Pres­se­mit­tei­lung haben unse­ren Redak­teur ver­an­lasst, eine Geschich­te dazu zu schrei­ben.

Eine Pres­se­mit­tei­lung von Sep­tem­ber, offen­bar.

Nach­trag, 13:54 Uhr: Obwohl das ja alles total in Ord­nung war, hat „RP Online“ den Info-Kas­ten dann doch noch ein biss­chen ver­än­dert:

Die Brauerei: Die Bitburger Brauerei, 1817 in der Südeifel gegründet, zählt zu den bedeutendsten Premium-Brauereien Deutschlands. Mit mehr als vier Millionen Hektolitern ist Bitburger eine der größten nationalen Pilsmarken.

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Musik Rundfunk

Warum tut denn niemand was?

Es gibt Pres­se­mit­tei­lun­gen, die hin­ter­las­sen nichts als Angst und Schre­cken.

Hier die High­lights der ver­gan­ge­nen Tage:

Der Count­down auf der Söh­ne Mann­heims-Web­site kün­digt es an: in weni­gen Tagen ist es soweit – ab dem 08.08.08 ist die neue Sin­gle „Das Hat Die Welt Noch Nicht Gese­hen“ der Söh­ne end­lich im Han­del und als Down­load erhält­lich.

(Löwen digi­tal, Digi­ta­les Pro­dukt­ma­nage­ment)

Unter dem Titel „Der Dativ ist dem Geni­tiv sein Tod“ prä­sen­tiert das WDR Fern­se­hen drei Fol­gen der BASTIAN-SICK-SCHAU. Nach­dem der Jour­na­list und Best­sel­ler-Autor Bas­ti­an Sick mit sei­ner wit­zi­gen Mischung aus Lesung, Deutsch­stun­de und Gram­ma­tik-Come­dy seit län­ge­rem schon die größ­ten Hal­len füllt, bekommt Deutsch­lands bekann­tes­ter Sprach­pfle­ger nun end­lich sei­ne eige­ne Fern­seh­show: Das Bes­te aus sei­nen Büh­nen­pro­gram­men, kom­bi­niert mit Sket­chen, hoch­ka­rä­ti­gen Gäs­ten und einem klei­nen „Deutsch-Quiz“.

(WDR Fern­se­hen)

Die­se Nach­richt dient dem Ver­such, tech­ni­sche Pro­ble­me beim email-Ver­sand zu lösen.
Vie­len Dank für Ihr Ver­ständ­nis und freund­li­che Grü­ße
ZDF-Pres­se­stel­le

(ZDF, nach meh­re­ren Mona­ten jetzt offen­bar end­lich gelöst)

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Digital

Mehr Selbstreferentialität kann ich nicht

Für ihre Juni-Aus­ga­be ihres Maga­zins hat­ten mir (und drei ande­ren Medi­en­schaf­fen­den) die Redak­teu­re des Medi­en­ma­ga­zins „Insight“ die Fra­ge „Wie stop­fen Sie das Som­mer­loch? gestellt“

Damals hielt ich fol­gen­de Ant­wort für wit­zig:

Da ich viel über Medien schreibe, gibt es bei mir kein Sommerloch. Die zahlreichen "lustigen" Reportagen und Schalten, mit denen Zuschauer und Leser so qequält werden, bieten genug Stoff bis September. Und falls ich doch ein Sommerloch verspüre, erzähle ich einfach dem nächsten Reporter, ich hätte einen Pottwal im Baggerloch gesehen, und warte ab.

Ich wür­de die Fra­ge heu­te anders beant­wor­ten.

Unter Bezug­nah­me auf mei­nen Ein­trag von letz­ter Woche und nach loser Rück­spra­che mit mir ver­öf­fent­lich­te die Pres­se­stel­le der Stadt Dins­la­ken am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag fol­gen­de Pres­se­mit­tei­lung:

Dins­la­ken in den Medi­en
Selbst­iro­nie ist gefragt – auch Gelas­sen­heit

Dinslaken/​München/​Frankfurt. Pünkt­lich zur Rei­se­zeit erschien kürz­lich in der renom­mier­ten Süd­deut­schen Zei­tung (SZ) unter „Hip­pen­stocks Stra­te­gien“ ein Car­toon: Vor der Rezep­ti­on eines offen­bar über­buch­ten Hotels ein Ehe­paar mit Kof­fern. Der Por­tier dahin­ter zu den Tou­ris­ten: „In der ers­ten Woche tei­len Sie Ihr Zim­mer mit einem Ehe­paar aus Dins­la­ken – ich den­ke, des­halb der Rabatt.“

In der aktu­el­len Aus­ga­be des Sati­re­ma­ga­zins „Tita­nic“ geht es in einem ande­ren Car­toon auch um die­se Stadt. Der hier gebo­re­ne Lukas Hein­ser, der­zeit in Bochum woh­nend, befürch­tet, durch die bun­des­weit kurz hin­ter­ein­an­der ver­brei­te­ten Kari­ka­tu­ren sei Dins­la­ken in der Medi­en­land­schaft offen­bar „end­gül­tig irgend so ein hin­ter­wäld­le­ri­sches Kaff“ gewor­den.

Der jun­ge Mann, der in sei­nem Block (www.coffeeandtv.de) gele­gent­lich aus und über sei­ne Hei­mat­stadt schreibt, teil­te der Stadt­pres­se­stel­le über­dies mit, Wet­ter­ex­per­te Jörg Kachelm­ann und TV-Plau­de­rer Roger Wil­lem­sen hät­ten sich läs­ternd über die Stadt im Grü­nen aus­ge­las­sen. Unter ande­rem soll Wil­lem­sen die Star-Sopra­nis­tin San­dra Schwarz­haupt gefragt haben, war­um sie in New York und nicht zum Bei­spiel in Dins­la­ken stu­diert habe.

Was Jörg Kachelm­ann, der Inten­dant der Dins­la­ke­ner Burg­hof­büh­ne und ich dazu zu sagen haben, kön­nen Sie drü­ben bei Ste­fan in den Kom­men­ta­ren lesen.

Ich war­te der­weil auf einen Anruf auf­ge­reg­ter Lokal­re­dak­teu­re, die ein gro­ßes Por­trät über mich brin­gen wol­len. Ist ja Som­mer­loch.

PS: Ich bin gar nicht in Dins­la­ken gebo­ren.

Nach­trag, 9. August: Mehr Selbst­re­fe­ren­tia­li­tät kann ich wohl

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Ballspielhaftes Verhalten

Dins­la­ken hat zur Zeit ein Rat­ten­pro­blem.

Und was für eins:

Drei Generationen von Wanderratten dribbeln derzeit durch die Stadt.

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Back to the Futur II

Es ist (gera­de bei Lokal­zei­tun­gen) nicht gänz­lich unüb­lich, über kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen, deren Ablauf man sich leicht aus­ma­len kann, zu schrei­ben ohne selbst vor Ort gewe­sen zu sein. Dabei muss man natür­lich hof­fen, dass kei­ne unvor­her­ge­se­he­nen Ereig­nis­se gesche­hen (z.B. das Fort­blei­ben eines Hits oder des gan­zen Head­liners) – und dass man nicht ver­se­hent­lich über Ereig­nis­se berich­tet, die noch gar nicht statt­ge­fun­den haben.

Die­se rei­fe Leis­tung voll­brach­te die Lokal­re­dak­ti­on der „Neu­en Rhein Zei­tung“ („NRZ“) in Dins­la­ken 1 die­se Woche. Am Diens­tag, 18. Dezem­ber druck­te sie ein (nicht als sol­ches gekenn­zeich­ne­tes) Archiv­fo­to der Dins­la­ke­ner Band Kukala­ka und schrieb dar­un­ter fol­gen­den Text, den jeder halb­wegs Infor­mier­te als lee­res Norm­ge­schwa­fel erken­nen konn­te:

Die Post ging ab beim Jugend-Musik­fes­ti­val von Stadt Dins­la­ken und Din-Town am Frei­tag­abend in der Kath­rin-Türks-Hal­le. Auf zwei Büh­nen brach­ten 14 loka­le Bands die Hal­le und ihre Fans zum Kochen. Von Hip-Hop bis Rock reich­te die Palet­te des dar­ge­bo­te­nen Pro­gramms. Bis weit in die Nacht hin­ein rock­ten und fei­er­ten die jugend­li­chen Besu­cher, was das Zeug hielt, und der fre­ne­ti­sche Jubel war wohl der schöns­te Dank an die Bands.

Fehlt eigent­lich nur noch der „Höhe­punkt des bun­ten Trei­bens“, für den man frei­lich wis­sen müss­te, wer denn da so gespielt hat – oder eben noch spie­len soll, denn das „Jugend-Musik­fes­ti­val“, das natür­lich auch einen Namen hat, fin­det frei­lich erst am mor­gi­gen Frei­tag, 21. Dezem­ber statt.

Jetzt lau­tet die ers­te Fra­ge natür­lich: Ist das schlimm, wur­de damit die jour­na­lis­ti­sche Sorg­falts­pflicht ver­letzt? Die Ant­wort ist kom­pli­ziert und führt uns hin­ein in den Kanin­chen­bau des Jour­na­lis­mus: Der kon­kre­te Fall, in dem ein Kon­zert beschrie­ben wur­de, bei dem kein Mit­ar­bei­ter gewe­sen sein kann, weil es ja noch gar nicht statt­ge­fun­den hat, ist viel­leicht nicht son­der­lich tra­gisch, er ist bei­na­he lus­tig. Aber er wirft zum Bei­spiel die Fra­ge auf, wie gewis­sen­haft Jour­na­lis­ten, die ein jugend­kul­tu­rel­les Groß­ereig­nis im Kalen­der nicht wie­der­fin­den, bei ande­ren The­men wie Kom­mu­nal­po­li­tik oder Kri­mi­na­li­tät arbei­ten.

Auch ist das Vor­ge­hen nicht ganz klar: War­um ver­wen­det man am Diens­tag ein Archiv­fo­to und einen sol­chen Blind­text, um ein (ver­meint­li­ches) Ereig­nis vom Frei­tag zu beschrei­ben? In der Sams­tags­aus­ga­be ergä­be eine sol­che Pseu­do-Aktua­li­tät ja noch einen Sinn, aber drei Tage spä­ter? Neh­men wir an, man ging in der Redak­ti­on von vor­ne her­ein davon aus, dass das Kon­zert am 14. Dezem­ber sei, und hat dafür kei­ne Mit­ar­bei­ter gefun­den: War­um berich­tet man dann trotz­dem über ein Ereig­nis, das einem so egal ist, dass man sei­nen Ter­min 2 ver­gisst? Nun, viel­leicht kam da einem Redak­teur der übli­che Lokal­zei­tungs-Gedan­ke, wonach die Objek­te der Bericht­erstat­tung ja zumeist auch Abon­nen­ten sind (wes­we­gen man auch nie von miss­lun­ge­nen Kon­zer­ten loka­ler Schul­chö­re, Musik­schu­len oder eben Bands lesen wird) und die­se ja bestimmt ger­ne etwas über sich oder ihre Ver­an­stal­tung in der Zei­tung lesen wür­den.

Irgend­wie ist der „NRZ“ der Feh­ler aber dann doch noch auf­ge­fal­len (oder sie wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen), denn ges­tern fand sich in der für bun­te Mel­dun­gen reser­vier­ten „7. Spal­te“ fol­gen­de Bot­schaft:

Da waren wir ein wenig vor­aus­ei­lend. Doch wir hof­fen, dass das Musik­fes­ti­val der Jugend­li­chen beim School’s out am Frei­tag, 21. Dezem­ber, ein wirk­li­cher Erfolg wird. 14 loka­le Bands wer­den auf zwei Büh­nen ab 17.30 Uhr alles von Hip-Hop bis Rock spie­len. Die Tickets kos­ten an der Abend­kas­se 5 Euro, im Vor­ver­kauf (Bür­ger­bü­ros) gibt’s 60 Cent Rabatt. Rein kom­men nur Kids ab 14 Jah­re. Bit­te Aus­weis vor­zei­gen.

Nun ja, was sol­len die Redak­teu­re machen? In Sack und Asche zu Kreu­ze krie­chen und sich „Wir schrei­ben über alles – auch über nie pas­sier­tes“ in die Stirn rit­zen wäre viel­leicht ein wenig zu viel des Guten und offen­bar gibt es in der gan­zen Mit­ar­bei­ter-Kar­tei ja wirk­lich nie­man­den, der sich mit so einem Jugend­the­ma befasst und der städ­ti­schen Pres­se­mit­tei­lung noch etwas hin­zu­fü­gen könn­te. Nur, mal ehr­lich: Wer eine so deut­li­che Scheiß­egal-Hal­tung an den Tag legt, der soll­te sich nicht wun­dern, wenn ihm die letz­ten Leser in drei­ßig Jah­ren weg­ge­stor­ben sind.

[via mei­ne Mut­ter, mal wie­der]

  1. Wo sonst?[]
  2. In der Regel fand das „School’s Out“ – daher auch der Name – immer am letz­ten Frei­tag vor Weih­nach­ten statt.[]
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Rundfunk

!!!Witzig

Gera­de eine Pres­se­mit­tei­lung vom ZDF erhal­ten:

Die Sati­re­ex­per­ten von „Fron­tal 21“ schla­gen wie­der zu.

„Grund­gü­ti­ger“, dach­te ich. „Seit wann ver­fü­gen die denn beim ZDF über der­art viel Selbst­iro­nie und prei­sen ihre stets schwach recher­chier­te und vor­ein­ge­nom­me­ne Pri­vat­fern­seh­ma­ga­zin-Par­odie als „Sati­re“ an?“

Dann las ich wei­ter:

In ihrem „!!!Sati­ri­schen Jah­res­rück­blick 2007“ am Diens­tag, 18. Dezem­ber 2007, 23.30 Uhr zei­gen Wer­ner Doyé und Andre­as Wie­mers alles, was 2007 „Toll!“ war: Horst See­ho­fer als Vor­kämp­fer der sexu­el­len Befrei­ung, Wolf­gang Schäub­le als Action-Held in „Schäub­le rel­oa­ded“ und die gan­ze Wahr­heit über Knut den Eis­bä­ren und sei­ne bru­ta­len Hob­bys.

Da ich „Fron­tal 21“ aus den oben genann­ten Grün­den nie sehe, kann ich die Qua­li­tät von „Toll!“ schlecht beur­tei­len. Die Beschrei­bung lässt aller­dings Schlimms­tes ver­mu­ten.

P.S.: Ja, die Sen­dung heißt tat­säch­lich „!!!Der sati­ri­sche Jah­res­rück­blick 2007“. Mit drei Aus­ru­fe­zei­chen vor dem Titel.

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Musik Digital

Brains N‘ Blödsinns

Es ist ja nicht so, dass Feh­ler nur „Bild“ oder „Spie­gel Online“ unter­lau­fen und immer gleich wahn­sin­nig schlimm sein müs­sen. Manch­mal pas­sie­ren sie auch Musik­jour­na­lis­ten, die Pres­se­mit­tei­lun­gen blind ver­trau­en und zu faul sind, in der Wiki­pe­dia nach­zu­schau­en. Ich wer­de zum Bei­spiel nie ohne Nach­zu­schla­gen den Namen des Bright-Eyes-Sän­gers kor­rekt schrei­ben kön­nen, aber des­halb guck ich ja auch immer wie­der nach. „Brain Out­sour­cing“ nennt man das, glau­be ich.

So begann ich ges­tern einen Ein­trag, in dem ich mich über den „visions.de-Newsflash“ von Diens­tag Abend lus­tig machen woll­te. Dar­in hieß es, Sebas­ti­an Bach, der Ex-Sän­ger von Skid Row, wer­de am Frei­tag sein neu­es Solo­al­bum „Angel Down“ ver­öf­fent­li­chen und auf dem Album wer­de Axl Rose auf drei Lie­dern zu hören sein.

Bis dahin war ja alles rich­tig, aber dann stand da:

Das Beson­de­re dar­an: Es sind die ers­ten Auf­nah­men, die seit 13 Jah­ren von Axl Rose ver­öf­fent­licht wer­den.

Die­ser Satz ist natür­lich falsch, war aber kom­plett aus der Pres­se­mit­tei­lung der Pro­mo-Agen­tur raus­ko­piert. Von daher woll­te ich die armen Online-Prak­ti­kan­ten bei visions.de jetzt auch nicht aus­schimp­fen.

Heu­te leg­ten sie aber einen neu­en „News­flash“ vor, in dem es plötz­lich hieß:

Der Guns N’Ro­ses-Front­mann ist dabei zum ers­ten Mal seit dem Jahr 1997 auf einer Auf­nah­me zu hören.

Jetzt woll­te ich doch mal wider­spre­chen, denn natür­lich erschien 1999 „Oh My God“, der ers­te (und bis heu­te ein­zi­ge) neue Guns‑N‘-Roses-Song, der nach „Use Your Illu­si­on“ ver­öf­fent­licht wur­de.1 Und das ist weder drei­zehn noch zehn, son­dern acht Jah­re her.

Aber dann fiel mir auf: Der Blöd­sinn war wie­der nur kopiert – von bild.de. Die haben näm­lich ein exklu­si­ves Pre­lis­tening zu „Angel Down“ und über­schrei­ben das so:

bild.de: “Hören Sie exklusiv in die neuen Songs von Axl Rose rein!”

Es folgt noch ein mit­tel­lan­ger Text, der sich vor allem bei­na­he aus­schließ­lich um Axl Rose dreht und unter ande­rem fol­gen­des behaup­tet:

Erst 1997 mel­de­te er sich mit einem Song zum Schwar­zen­eg­ger-Film „End of Days“ zurück, anschlie­ßend mach­te er sich an die Arbeit zum Album „Chi­ne­se Demo­cra­cy“.

Das ist natür­lich ziem­li­cher Unfug, denn „End Of Days“ lief 1999 an und Rose arbei­tet unge­fähr seit 1994 an dem Album.

Die Auf­nah­men zum Sebas­ti­an-Bach-Album haben nicht lan­ge gedau­ert. Ein gutes oder ein schlech­tes Omen?

Wohl vor allem ein Omen dafür, dass es schnel­ler geht, bei drei Songs mit­zu­sin­gen (und davon einen mit­zu­schrei­ben), als im Allein­gang ein epo­cha­les Meis­ter­werk schaf­fen zu wol­len.

War­um erwar­te ich über­haupt, dass in einem bild.de-Artikel sinn­vol­le Sachen über Rock­bands drin­ste­hen? Guns N‘ Roses schei­nen ja mitt­ler­wei­le so exo­tisch und ver­ges­sen, dass man nicht mal von einem Musik­ma­ga­zin Fach­kennt­nis­se erwar­ten kann.

1 Auf „The Spa­ghet­ti Inci­dent?“ waren ja aus­schließ­lich Cover­ver­sio­nen, die zäh­len nicht als „neue Songs“ und sind auch schon 14 Jah­re alt.

Nach­trag 20:02 Uhr: Damit hät­te ich nun wirk­lich nicht gerech­net:

Update 15:35 Uhr: Der Guns N’Ro­ses-Front­mann ist dabei natür­lich nicht zum ers­ten Mal seit dem Jahr 1997 auf einer Auf­nah­me zu hören, wie Bild dort fälsch­lich schreibt, son­dern seit 1999, als er den Song „Oh My God“ für den „End Of Days“-Soundtrack bei­steu­er­te. Dar­auf mach­te uns das Blog Cof­fee And TV auf­merk­sam und erin­nert uns dar­an, dass Feh­ler über­alls pas­sie­ren und man der Bild-Zei­tung wirk­lich nie trau­en darf.

(visions.de)

All­machts­phan­ta­sien! Haha­ha­ha­ha!

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Leben

Eisen- und Haushaltswaren

Ich hof­fe doch, ich tre­te nie­man­dem zu nahe, wenn ich schrei­be, dass die Lek­tü­re von Pres­se­mit­tei­lun­gen der Poli­zei Bre­men bis­her nicht zu mei­nen Hob­bies gehör­te, weil ich mir ein­fach nicht vor­stel­len konn­te, dass die Ereig­nis­se in der Han­se­stadt für mich als Bochu­mer (und wir haben immer­hin Toto & Har­ry) unter­halt­sam sein könn­ten.

Ich habe mich geirrt:

POL-HB: Nr: 0447 – Poli­zei spreng­te alle Ket­ten

Bre­men (ots) – -
Ort: Bre­men, Flie­der­stra­ße
Zeit: 26. Juli 2007, 10.50 Uhr

Die “ fes­seln­den Momen­te des Lebens“ erleb­te ges­tern Mor­gen eine 23-jäh­ri­ge Bre­me­rin, und das gleich über meh­re­re Stun­den. Die jun­ge Frau bat die Poli­zei über Not­ruf um Hil­fe, da sie der­zeit ans Bett gefes­selt sei. Als die Beam­ten bei der ver­meint­lich hilf­lo­sen Frau ein­tra­fen, war die Erleich­te­rung bei der 23-Jäh­ri­gen groß. Nach einer Par­ty am Vor­abend, die sich durch den groß­zü­gi­gen Aus­schank alko­ho­li­scher Geträn­ke offen­bar recht kurz­wei­lig gestal­te­te, über­mann­te die letz­ten Gäs­te dann auch noch der Über­mut. Bevor sie die Ört­lich­keit ver­lie­ßen, ket­te­ten sie die Gast­ge­be­rin ein­ver­nehm­lich mit einem Paar Hand­schel­len an den Bett­pfos­ten und ver­schwan­den fei­xend in den grau­en Mor­gen. Nach ein paar Stun­den Schlaf woll­te sich die jun­ge Frau befrei­en, stell­te dann aber kon­ster­niert fest, dass nicht das mit rotem Plüsch ver­se­he­ne Paar Hand­fes­seln benutzt wur­de, wel­ches sich per Hand öff­nen lässt. Viel­mehr kam eine Neu­erwer­bung des dort offen­sicht­lich zu den Haus­halts­wa­ren zäh­len­den Arm­schmucks zum Ein­satz. Für die­ses Paar fehl­te jedoch der Schlüs­sel, so dass die hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten der Poli­zei­be­am­ten gefor­dert waren. Mit einem Bol­zen­schnei­der wur­de die Ket­te durch­trennt, und mit einem Draht konn­ten die Fes­seln auf­ge­schlos­sen wer­den. Ohne den wei­te­ren Ver­lauf der recht unter­halt­sa­men Par­ty genau­er zu hin­ter­fra­gen, ver­lie­ßen die Beam­ten dis­kret den Ort des Gesche­hens.

[via „Spie­gel Online“]