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Politik

Lucky & Fred: Episode 13

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Die SPD sucht einen Kanz­ler­kan­di­da­ten und Lucky und Fred suchen solan­ge mit, bis Fred sich am Ende breit­schla­gen lässt. Vor­her spre­chen die bei­den aber noch über die Bun­des­prä­si­den­ten­wahl in Öster­reich, den Sex­ap­peal von FPÖ und AfD, Donald Trump und TTIP. Fred erklärt, wie man rich­tig ein­parkt, und Lucky weiß, wer Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter wird. Das alles plus sehr viel Lakritz­scho­ko­la­de — nur in der 13. Aus­ga­be von Lucky & Fred.

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Digital Gesellschaft

Die Geräusche meiner Kindheit

Aus­ge­löst durch eine Kolum­ne von Caro­lin Emcke schrei­ben die Men­schen auf Twit­ter heu­te unter dem Hash­tag #geräu­sche­der­kind­heit Geräu­sche auf, die sie an ihre Kind­heit erin­nern. Das ist sehr toll, aber weil ich kei­nen Bock mehr habe, mei­ne Gedan­ken immer­zu in den Sphä­ren der Social Media zu ver­bal­lern, und weil 140 Zei­chen nun wirk­lich zu wenig sind, nut­ze ich die­ses Blog für das, wozu es mal gedacht war, und blog­ge:

  • Fuß­ball­re­por­ta­gen aus dem Nach­bar­gar­ten. Als mei­ne Geschwis­ter und ich noch sehr klein waren, hat­ten mei­ne Eltern einen Schre­ber­gar­ten, der sich seit Gene­ra­tio­nen im Fami­li­en­be­sitz befand. Wenn das Wet­ter gut war (aber auch, wenn es nicht so gut war), waren wir gefühlt das gan­ze Wochen­en­de dort. Unse­re Eltern schnit­ten Sträu­cher, zupf­ten Unkraut, mäh­ten den Rasen und bau­ten an der Gar­ten­lau­be her­um (kein Strom­an­schluss, ein Torf­klo hin­term Haus), wäh­rend wir Kin­der auf dem Klet­ter­ge­rüst schau­kel­ten, fri­sches Obst aßen (das natur­ge­mäß wohl eher sai­so­nal begrenzt und nicht, wie mei­ne Erin­ne­rung mir weis­ma­chen will, immer) oder irgend­wo her­um­lie­fen (ande­re Kin­der gab es in der Kolo­nie, soweit ich mich erin­nern kann, kaum). Fes­ter Bestand­teil eines sol­chen Wochen­en­des waren schrei­en­de Män­ner, unter­legt von einem viel­stim­mi­gen Rau­schen, die aus den Radi­os der umlie­gen­den Gär­ten schall­ten. Mein Inter­es­se für Fuß­ball außer­halb der gro­ßen inter­na­tio­na­len Tur­nie­re begann erst mit der Bun­des­li­ga­sai­son 1994/​95 (5. Platz, Pokal­sieg, Ste­fan Effen­berg, Hei­ko Herr­lich, Mar­tin Dah­lin), des­we­gen hat­te ich nur eine unge­fäh­re Ahnung, was die­se Geräu­sche zu bedeu­ten hat­ten. Sie durch­misch­ten sich auch, gera­de am Sonn­tag, ger­ne mit den tat­säch­li­chen Durch­sa­gen, die von der nahe­ge­le­ge­nen Bezirks­sport­an­la­ge her­über weh­ten, wo der SuS Dins­la­ken 09 sei­ne Spie­le absol­vier­te. Noch heu­te ist Fuß­ball für mich eher ein akus­ti­sches als ein visu­el­les Erleb­nis (das Geräusch eines ordent­lich getre­te­nen Leder­balls lässt mich auch heu­te immer noch sofort zusam­men­zucken, weil ich damit rech­ne, das Teil Sekun­den­bruch­tei­le spä­ter an den Hin­ter­kopf, gegen die Nase oder in den Unter­leib zu bekom­men) und vor allem Bun­des­li­ga­nach­mit­ta­ge ver­brin­ge ich lie­ber am Radio als vor dem Fern­se­her.
  • Die Feu­er­wehr­si­re­ne. In den 1980er und 1990er Jah­ren wur­den Brän­de und ähn­li­che Kata­stro­phen noch von einem anschwil­len­den Sire­nen­ge­heul beglei­tet, das angeb­lich die Feu­er­wehr­leu­te zum Dienst rufen soll­te. Für mich war das ein schreck­li­ches Geräusch mit dunk­lem Hin­ter­grund: nach eini­gen Brän­den in umlie­gen­den Indus­trie­ge­bie­ten, nach denen die Bevöl­ke­rung ange­hal­ten wor­den war, Türen und Fens­ter geschlos­sen zu hal­ten, war das Geräusch für mich gleich­be­deu­tend mit einem nahen­den, bei unver­schlos­se­nen Fens­tern unaus­weich­li­chen Ersti­ckungs­tod. Wenn die Sire­ne los­ging, wäh­rend wir nicht zuhau­se waren, kam eine zwei­te, min­des­tens genau­so schlim­me Mög­lich­keit in Betracht: der Alarm galt unse­rem Haus, das gera­de in Flam­men stand – und mit ihm mei­ne Spiel­sa­chen und Kuschel­tie­re. Erst im Nach­hin­ein däm­mert mir, dass das Geräusch bei mei­ner Oma, die die Bom­bar­die­rung gleich meh­re­rer deut­scher Groß­städ­te er- und über­lebt hat­te, und ihren Alters­ge­nos­sen mög­li­cher­wei­se noch ein klein biss­chen beschis­se­ne­re Asso­zia­tio­nen aus­ge­löst haben muss. Ein­mal im Monat wur­den die­se ver­damm­ten Sire­nen, die in der gan­zen Stadt auf höhe­ren Häu­sern (dar­un­ter auch auf unse­rer Schu­le) mon­tiert waren, getes­tet – und es war für mich immer eine Schreck­se­kun­de, bis ich mich ver­ge­wis­sert hat­te: „Ja, ers­ter Sams­tag im Monat, 11.30 Uhr – dies­mal haben wir noch mal Glück gehabt.“ Aller­dings habe ich bis heu­te kei­ne Ahnung, was eigent­lich pas­siert wäre, wenn es aus­ge­rech­net zu die­ser Zeit tat­säch­lich mal gebrannt hät­te.
  • Das Fie­pen einer Bild­röh­re. Wir waren jung, wir durf­ten eine hal­be Stun­de am Nach­mit­tag fern­se­hen und wir hat­ten Rock’n’Roll, Walk­man und Kon­zer­te noch nicht für uns ent­deckt: natür­lich konn­ten wir hören, wenn irgend­wo in der Woh­nung ein Fern­se­her ein­ge­schal­tet war – selbst ohne Ton. Noch heu­te sind Bild­röh­ren für mich die ein­zig waren Fern­seh­ge­rä­te – auch, weil die so schö­ne Din­ge mit den eige­nen Haa­ren machen, wenn man direkt davor steht. Inzwi­schen bin ich 32 Jah­re alt, höre Musik über­wie­gend über Kopf­hö­rer, habe bei gro­ßen Ver­an­stal­tun­gen vor, hin­ter und auf der Büh­ne gear­bei­tet – und krie­ge regel­mä­ßig einen Rap­pel, wenn ich so etwas wie Lap­top-Netz­tei­le, Akku­la­de­ge­rä­te oder Tra­fos von Halo­gen­lam­pen immer noch fie­pen hören kann. Wozu die gan­ze Mühe?!
  • Der Anlas­ser­zug eines Zweitakt-Rasen­mäh­rer­mo­tors. Nach sei­ner Pen­sio­nie­rung hat­te mein Groß­va­ter drei gro­ße Hob­bies: Rei­sen, Golf spie­len und sei­nen Rasen. Die ers­ten bei­den lie­ßen sich ganz gut kom­bi­nie­ren, die letz­ten bei­den hät­ten immer noch eine Teil­zeit-Beschäf­ti­gung als Green­kee­per zuge­las­sen. So aber pfleg­te er den hei­mi­schen Rasen mit jähr­li­chem Ver­ti­ku­tie­ren, aus­gie­bi­gem Ein­satz von Dün­ge- und Unkraut­ver­nich­tungs­mit­teln und regel­mä­ßi­gem Rasen­mä­hen. Der Rasen­mä­her ist min­des­tens so alt wie ich und auch heu­te noch im Ein­satz, was – neben Autos der Mar­ke Opel – stark zu mei­nem unbe­irr­ten Glau­ben an die deut­sche Inge­nieurs­kunst bei­getra­gen hat. Gestar­tet wird das Teil mit einem Seil­zug­star­ter (die­ses Wort habe ich gera­de natür­lich ergoo­gelt), wobei der Motor fast laut ist wie der einer klei­nen Pro­pel­ler­ma­schi­ne, der Mäher aber bei rich­ti­ger Bedie­nung auch ähn­li­che Geschwin­dig­kei­ten erreicht – nur halt auf der Erde. Als ich alt genug war, um die Auf­ga­be des Rasen­mä­hens über­neh­men zu kön­nen, griff ich auf eine alt­be­währ­te Tak­tik zurück: ich ließ das selbst­fah­ren­de Unge­tüm ein­mal ins Blu­men­beet bret­tern und muss­te danach nie wie­der ran.
  • Der Rasen­spren­ger mei­nes Groß­va­ters. Glei­cher Rasen, ande­res Werk­zeug: Ein Kreis­ra­sen­spren­ger (auch gera­de ergoo­gelt – toll, dass die­se Din­ge alle auch einen rich­ti­gen Namen haben!), der ver­mut­lich schon zu Vor­kriegs­zei­ten in den Krupp’schen Stahl­wer­ken gefer­tigt wor­den war, des­sen Geräusch­ku­lis­se jeden­falls etwas mecha­nisch-mar­tia­li­sches an sich hat­te. Schnap­pend dreh­te sich der Kopf zunächst ruck­wei­se in die eine Rich­tung und spie gro­ße Was­ser­fon­tä­nen auf den zu benet­zen­den Grund, nach einer Dre­hung von schät­zungs­wei­se 320 Grad schnell­te er mit einem Mal zurück in die Aus­gangs­po­si­ti­on und begann die nächs­te Run­de. Als Kin­der konn­te man sich einen Spaß dar­aus machen, genau vor dem Was­ser­strahl her­zu­ren­nen und sich dann im toten Win­kel in Sicher­heit zu brin­gen. Ich glau­be, das Gerät ist irgend­wann kaputt­ge­gan­gen (mut­maß­lich zer­ros­tet) – oder es wur­de gewinn­brin­gend an Steam-Punk-Fans ver­kauft.
  • Zuge­schla­ge­ne Auto­tü­ren. Als Kind habe ich gefühlt sehr viel Zeit mit War­ten ver­bracht: Dar­auf, dass mei­ne Freun­de end­lich von ihren Eltern zum Spie­len vor­bei­ge­bracht wür­den, oder dar­auf, dass Tan­ten, Onkels oder ähn­li­cher Besuch kam. Die­ses War­ten ging ein­her mit der auf­merk­sa­men Beob­ach­tung der Park­plät­ze unter unse­rer dama­li­gen Miet­woh­nung, wobei ich jetzt nicht die gan­ze Zeit auf der Fens­ter­bank saß und nach drau­ßen starr­te – ich konn­te ja auch auf die Geräu­sche ach­ten. Jede zuge­schla­ge­ne Auto­tür konn­te bedeu­ten, dass es gleich end­lich an der Tür klin­geln wür­de und mein zwangs­wei­se auf Pau­se gesetz­ter Tages­ab­lauf (gut: ich hät­te auch lesen, Kas­set­ten hören oder irgend­et­was spie­len kön­nen) wei­ter­ge­hen konn­te. Was die Rück­kehr mei­nes Vaters von der Arbeit angeht, so bin ich mir sicher, auch heu­te noch einen Kadett E Cara­van, Bau­jahr 1988, aus einer belie­big gro­ßen Men­ge ande­rer Fahr­zeu­ge her­aus­hö­ren zu kön­nen.
  • Die Schwimm­hal­le mei­ner Groß­el­tern. Bevor im Pri­vat­fern­se­hen jeder Hinz und Kunz einen Pool oder einen Schwimm­teich vor lau­fen­der Kame­ra in Eigen­ar­beit zusam­men­bau­te, hat­ten mei­ne Groß­el­tern schon Anfang der 1970er Jah­re eine der ers­ten pri­va­ten Schwimm­hal­len der Stadt. Die­ser Stand­ort­vor­teil half mir zwar weder dabei, beson­ders früh Schwim­men zu ler­nen, noch dabei, als Teen­ager Mit­schü­le­rin­nen in den Feri­en zum Besuch im Biki­ni zu bewe­gen, aber Schwim­men ist heu­te immer noch mei­ne liebs­te Art sport­li­cher Betä­ti­gung. Das Becken ist mit fünf mal zehn Metern gar nicht mal so klein und ermög­licht es auch einem unge­üb­ten Sport­ler, bei­na­he Welt­re­kord­zei­ten zu schwim­men – weil man ja stän­dig umkeh­ren muss und sich dabei ordent­lich absto­ßen kann. Aus Grün­den der Ener­gie­ef­fi­zi­enz ist das Becken bei Nicht­be­nut­zung mit einer 50 Qua­drat­me­ter gro­ßen Pla­ne bedeckt, die auf eine gro­ße elek­trisch betrie­be­ne Rol­le am Ende auf­ge­wi­ckelt wer­den kann. Das Geräusch der sich öff­nen­den Pla­ne war stets Teil der Vor­freu­de auf den zu erwar­ten­den Bade­spaß. Die­ser ging dann anschlie­ßen­den meist mit lau­tem Plat­schen (im Gegen­satz zu öffent­li­chen Schwimm­bä­dern durf­te man hier vom Becken­rand sprin­gen – man muss­te nur anschlie­ßend wie­der tro­cken machen) und Gekrei­sche ein­her, das von den geka­chel­ten Wän­den und der gro­ßen Fens­ter­front wider­hall­te und sich gera­de bei geöff­ne­ter Front im Som­mer auch weit über den angren­zen­den Gar­ten ver­teil­te. Stil­echt abge­schlos­sen ist ein sol­cher Schwimm­bad­be­such bis heu­te übri­gens erst mit einem anschlie­ßend auf einem Bade­hand­tuch in der Son­ne kon­su­mier­ten „Däumling“-Eis der Fir­ma Bofrost.

Damit wären wir vor­erst am Ende mei­nes klei­nen Aus­flugs die Erin­ne­rungs­gas­se hin­un­ter. Ich bin sicher, dass mir schon bis heu­te Abend noch fünf ande­re Geräu­sche ein­ge­fal­len sein wer­den, die hier unbe­dingt hät­ten erwähnt wer­den müs­sen. Und in der nächs­ten Aus­ga­be machen wir es dann wie Mar­cel Proust und las­sen uns von Gebäck­stü­cken und ähn­li­chen Geschmä­ckern in der Zeit zurück­wer­fen.

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Musik Politik Gesellschaft

Now it’s all gone wrong

Heu­te ist ja der 30. Jah­res­tag der Reak­tor­ka­ta­stro­phe von Tscher­no­byl. Ich kann dazu aus­nahms­wei­se kei­ne per­sön­li­chen Erin­ne­rungs­an­ek­do­ten bei­steu­ern, ich weiß nur ganz dun­kel (aber auch das womög­lich nur aus Erzäh­lun­gen zurück­ge­kop­pelt), dass wir Kin­der irgend­wann nicht mehr drau­ßen spie­len durf­ten, und dass die „Sen­dung mit der Maus“ zu die­sem The­ma einen Platz sehr weit oben auf der Lis­te mei­ner Kind­heits­trau­ma­ta hat.

Es gibt bestimmt jede Men­ge Repor­ta­gen, Doku­men­ta­tio­nen und Essays, die man anläss­lich die­ses Jubi­lä­ums sehen, hören oder lesen kann. Man kann sich aber auch das Making Of anschau­en, das die Dreh­ar­bei­ten zum Musik­vi­deo „What We Made“ des bri­ti­schen Musi­kers Exam­p­le im Jahr 2006 zeigt. Das Video wur­de in Pryp­jat in der Ukrai­ne gedreht, jener Retor­ten­stadt, die extra für die Arbei­ter des Atom­kraft­werks Tscher­no­byl gebaut und andert­halb Tage nach dem Super-GAU, nur 16 Jah­re nach ihrer Grün­dung, eva­ku­iert wur­de.

Ich hat­te schon mehr­fach Vide­os aus Pryp­jat gese­hen – unter ande­rem die­se wahr­lich beein­dru­cken­den Droh­nen-Bil­der -, aber es ist irgend­wie noch mal was ande­res, wenn ein Musi­ker, des­sen Musik man schätzt, durch die­se Geis­ter­stadt mit Kran­ken­haus, Grund­schu­le und Kino wan­dert und in einer inter­es­san­ten Mischung aus hilf­los scher­zen­dem Teen­ager und Tou­ris­ten­füh­rer in die Kame­ra redet.

An einer Stel­le sagt er, nie­mand, der in Pryp­jat gewe­sen sei, noch für Kern­ener­gie sein kön­ne. Eigent­lich reicht es aber auch, die­ses Video zu sehen:

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Exam­p­le in Cher­no­byl from ben jones on Vimeo.

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Musik

In memoriam Prince

Jetzt also Prin­ce.

Ich wür­de lügen, wenn ich jetzt behaup­te­te, dass der Mann und sei­ne Musik eine gro­ße Rol­le in mei­nem Leben gespielt hät­ten. Mein iTu­nes zeigt exakt zwei sei­ner Songs („Pur­ple Rain“, natür­lich, und „Cin­na­mon Girl“), aber wäh­rend ich die Son­der­sen­dung auf Radio Eins höre, stel­le ich fest, dass da doch eini­ge sehr fei­ne Songs in sei­nem Œuvre vor­kom­men – und eini­ge völ­lig aus­ufern­de, über­pro­du­zier­te, mit­hin selbst­ver­lieb­te und damit für mich eher unhör­ba­re.

Mei­ne Ver­bin­dung zu Prin­ce ist eher zwei­ter Hand: Ein Bekann­ter mei­ner Eltern arbei­te­te im War­ner-Press­werk in Als­dorf, was ich im Alter von etwa acht Jah­ren wahn­sin­nig auf­re­gend fand, denn: „Manch­mal kom­men auch die Musi­ker vor­bei, um sich das Werk anzu­se­hen. Mari­us Mül­ler-Wes­tern­ha­gen war mal da und Phil Coll­ins auch.“ Die­ser Mann nun erzähl­te am Kaf­fee­tisch mei­ner Eltern die Geschich­te, dass Prin­ce ein Album habe ver­öf­fent­li­chen wol­len, des­sen kom­plett schwar­ze Hül­le mit schwar­zem Text bedruckt wer­den soll­te – eigent­lich soll­te nicht mal ein Bar­code drauf zu sehen sein. Am Frei­tag vor der geplan­ten Ver­öf­fent­li­chung habe es einen Anruf gege­ben, dass Prin­ce das Album nicht mehr ver­öf­fent­li­chen wol­le und so hät­ten die Ange­stell­ten an einem Sams­tag auf dem Werks­hof gestan­den und die Ton­trä­ger unter eine Pla­nier­rau­pe (oder ein ähn­li­ches Gerät) gewor­fen. Aller­dings sei­en bei die­ser Akti­on nicht alle Exem­pla­re (ich kann mich wirk­lich nicht erin­nern, ob in der Geschich­te von LPs oder CDs die Rede war oder der Bekann­te die­ses Detail aus­ließ) ver­nich­tet wor­den: Ein paar sei­en auch in den Schreib­tisch­schub­la­den der Mit­ar­bei­ter ver­schwun­den und andern­orts wie­der auf­ge­taucht.

Die­se Geschich­te kann man heu­te – mit leicht abwei­chen­den Fak­ten – in der Wiki­pe­dia nach­le­sen. Im Jahr 1991 aber war es bei­na­he exklu­si­ves Spe­zi­al­wis­sen, das für einen Jun­gen, der gera­de in die Welt der Pop­kul­tur hin­ein­stol­pert, einen unschätz­ba­ren Wert hat­te – und des­halb bis zum heu­ti­gen Tag von mir nie wei­ter­ge­ge­ben wur­de. Bit­te­schön!

Mei­ne zwei­te zen­tra­le Prin­ce-Erin­ne­rung ist die, wie Sascha Lobo eines Tages ins BILD­blog-Büro kam, im Tür­rah­men die Zei­le „My name is Prin­ce“ sang und sag­te, er müs­se die­ses Album jetzt sofort hören. Wie noch­mal unser W‑Lan-Pass­wort sei.

Na ja – und dann natür­lich das hier:

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08.Prince.-.1999 from Mau­ricio Ona­te on Vimeo.

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Digital

Super sinnfrei

In ame­ri­ka­ni­schen Social-Media-Kanä­len gab es Ver­wir­rung um ein angeb­li­ches Kon­zert der Schirm­müt­zen­kap­pel­le Limp Biz­kit. Die Band hät­te angeb­lich an einer Tank­stel­le in Day­ton, Ohio auf­tre­ten sol­len, hieß es. Der Auf­tritt fand – natür­lich – nicht statt.

Eine beklopp­te Geschich­te? Och, joa.

Ich habe nur einen schreck­li­chen Ver­dacht: Die gan­ze Geschich­te hat sich jemand nur aus­ge­dacht, damit „Spie­gel Online“ die­se Über­schrift benut­zen kann:

Limp-Bizkit-Konzert: Tanke für Nichts

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Politik Gesellschaft

Lucky & Fred: Episode 12

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Bei einer Packung bel­gi­scher Zucker­waf­feln bespre­chen Lucky & Fred die The­men der ver­gan­ge­nen Wochen. Es geht um ein­ge­wan­der­te Extre­mis­ten, Live-Jour­na­lis­mus, die Pana­ma Papers und die Fra­ge, war­um die Tür­kei der legi­ti­me Nach­fol­ger von Edmund Stoi­ber ist. Dann gilt es wie­der Abschied zu neh­men von Ver­stor­be­nen und die bei­den ver­ra­ten vor­ab ihre letz­ten Wor­te.

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Sport

Onkel Fred weiß wie’s geht: Fahrradputzen

Die Fahr­rad­sai­son hat begon­nen und Tau­sen­de Hob­by- und Pro­fi­fah­rer machen sich wie­der auf den Weg. Aber was, wenn man das Renn­rad dre­ckig aus dem Kel­ler geholt hat? Onkel Fred gibt Tipps, wie man sein Bike in kur­zer Zeit wie­der in einen ordent­li­chen Zustand ver­set­zen kann:

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Digital Gesellschaft

Old man yells at cloud

Seit mei­ne Fami­lie ihre Som­mer­ur­lau­be in den Nie­der­lan­den ver­bringt (also seit kurz nach Ende des Wie­ner Kon­gress), ist es lieb gewon­ne­ne Tra­di­ti­on, bei Aus­flü­gen ins Nach­bar­land die dor­ti­gen Super­märk­te auf­zu­su­chen und all jene klei­nen Köst­lich­kei­ten in gera­de noch haus­halts­üb­li­chen Men­gen raus­zu­schlep­pen, die in Deutsch­land rät­sel­haf­ter­wei­se nicht zu haben sind: Pinda­kaas, Pas­ta Cho­ca, Kren­ten­bol­len, Vla und Hagels­lag. Erst letz­ten Monat nutz­te ich eine Fami­li­en­fei­er im Grenz­ge­biet, um anschlie­ßend noch mal ordent­lich was fürs hol­län­di­sche Brut­to­in­lands­pro­dukt zu tun. 1 In Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung sind die­se gro­cery shop­ping sprees aller­dings zuneh­mend sym­bo­li­scher gewor­den: Scho­ko­la­denstreu­sel bekommt man hier schon lan­ge, seit eini­ger Zeit auch Vla und seit kur­zem bekommt man bei jedem Dis­coun­ter abge­pack­te Rosi­nen­bröt­chen, die den nie­der­län­di­schen Ori­gi­na­len zumin­dest in Kon­sins­tenz und Optik zum Ver­wech­seln ähneln. Das nimmt den Pro­duk­ten den Reiz der begrenz­ten Ver­füg­bar­keit und sorgt neben­her für so ernüch­tern­de Erkennt­nis­se wie die, dass ich eigent­lich gar kei­nen Pud­ding mag.

Holländische Spezialitäten.

Ich habe Pro­ble­me, mich zu ent­schei­den. Des­we­gen mei­de ich Restau­rants mit gro­ßen Kar­ten, 2 Kauf­häu­ser und die­se Bars mit 246 Sor­ten Gin. Noch schlim­mer sind Früh­stücks­büf­fets und „All you can eat“-Läden, weil ich da immer das Gefühl habe, ich müss­te jetzt wirk­lich alles pro­bie­ren und ver­zeh­ren – ich hab ja schließ­lich dafür gezahlt und das Zeugs steht da jetzt rum und darf eh nicht zurück in die Küche. Und wäh­rend ich beim Betre­ten von Buch­hand­lun­gen seit jeher leicht depres­si­ve Schü­be bekom­me, weil ich den­ke: „Das wer­de ich bis zum Ende mei­nes Lebens nie­mals alles lesen kön­nen“, sind Leih­bü­che­rei­en noch schlim­mer, denn da kann ich ja nicht mal mehr auf eine Inter­ven­ti­on mei­nes Kon­to­stands hof­fen. Lau­ter offe­ne Türen, also Zeit, klaus­tro­pho­bisch zu wer­den.

Und so kom­me ich dann auch mit dem Kon­zept „Strea­ming“ über­haupt nicht klar: Seit ich Kun­de bei Musik­strea­ming­diens­ten bin (erst Spo­ti­fy, dann Apple Music) habe ich weni­ger Musik gehört als je zuvor in mei­nem Leben. Jede Woche wer­den mir dut­zen­de neue Songs und Alben ange­zeigt, von denen ein Algo­rith­mus glaubt, dass sie mir gefal­len könn­ten – also höre ich lie­ber das, was ich ken­ne, und kau­fe die neu­es­ten Wer­ke der Künst­ler, von denen ich sonst schon alles habe. 3 Natür­lich auf CD, denn das ist ja mein ande­res Dilem­ma: Ich will den gan­zen Kram natür­lich auch besit­zen. Ins Regal stel­len. Anfas­sen kön­nen. Haben. MP3s waren irgend­wie auch noch okay, denn da „habe“ ich ja die Datei auf der Fest­plat­te. Strea­ming ist da wie Auto lea­sen: zah­len, aber am Ende nichts besit­zen.

Glei­ches Dilem­ma bei Fern­seh­se­ri­en: Weil ich es mag, wenn mei­ne Ama­zon-Bestel­lun­gen noch am sel­ben Tag ver­schickt wer­den, damit ich sie am über­nächs­ten Werk­tag im Post­amt abho­len kann, bin ich „Prime“-Kunde – und bekom­me unge­fragt die Opti­on, hun­der­te Fern­seh­se­ri­en jeder­zeit kos­ten­los anschau­en zu kön­nen. So könn­te ich die Stun­den, in denen Pro­Sie­ben kei­ne Wie­der­ho­lun­gen von „The Big Bang Theo­ry“ zeigt, mit Wie­der­ho­lun­gen von „The Big Bang Theo­ry“ über­brü­cken. Wenn ich denn „The Big Bang Theo­ry“ gucken wol­len wür­de – oder irgend­ei­ne ande­re Fern­seh­se­rie.

Fern­se­hen ist für mich wie für ande­re Leu­te Sport: Wenn jemand mit­kommt und mich dazu zwingt, ist es meist ganz okay. Allei­ne fal­len mir meist hun­dert Sachen ein, die ich drin­gen­der erle­di­gen müss­te. 4 Dann möch­te ich aber ger­ne auch, dass die Pro­gramm­pla­ner mir gna­den­los vor­ge­ben, was ich wann zu gucken habe. So wie frü­her, als ich jeden Mon­tag­abend zu mei­nen Groß­el­tern gegan­gen bin, um „Akte X“ zu gucken, weil mei­ne Eltern kei­ne Satel­li­ten­schüs­sel hat­ten. Der 50 Meter lan­ge Rück­weg durch einen nächt­li­chen Gar­ten gewinnt für einen 12-Jäh­ri­gen deut­lich an Span­nung, wenn er sich vor­her mit Ali­ens, Zom­bies oder Ver­schwö­run­gen beschäf­tigt hat. Wenn ich Fern­se­hen nicht line­ar (oder, wie ich es nen­ne: „nor­mal“) gucken kann, will ich es gar nicht sehen. Und dann die­se Men­gen! „Guck Dir ‚Brea­king Bad‘ an!“ – alles klar: 62 Fol­gen, 5 sehe ich aus, als hät­te ich so viel Zeit?! Ich habe bei mei­nen Eltern noch einen lau­fen­den Meter VHS-Kas­set­ten mit über hun­dert Fol­gen „Nash Bridges“ ste­hen, die ich Ende der 1990er Jah­re auf Vox mit­ge­schnit­ten habe!

Die­se moder­nen Fern­seh­se­ri­en sind aber eh nichts für mich: Hand­lungs­strän­ge, die sich über Wochen und Mona­te ent­fal­ten, „hori­zon­ta­les Erzäh­len“, Chro­no­lo­gie­sprün­ge – urgs! Genau­so schlimm wie die­se unend­li­chen Kino­fil­me von Chris­to­pher Nolan und Zack Sny­der! Ich lese auch am liebs­ten Bücher mit weni­ger als 300 Sei­ten, dann kann ich mehr ver­schie­de­ne lesen. Wie dem älte­ren Herrn im War­te­zim­mer beim Arzt, der sehr detail­liert, aber völ­lig poin­ten­frei erzählt, was er neu­lich im War­te­zim­mer beim Bür­ger­bü­ro erlebt hat, möch­te ich sonst immer rufen: „Komm zum Punkt!“ Aber ich schwei­fe ab.

Neu­lich woll­te ich „Sols­bu­ry Hill“ von Peter Gabri­el hören. Zu Schul­zei­ten hät­te ich dazu erst mei­nen Vater befragt und wäre dann in die Stadt­bi­blio­thek gefah­ren. 6 Wenn das ent­spre­chen­de Album dort auch nicht ver­füg­bar gewe­sen wäre, hät­te ich nach­ein­an­der die – mitt­ler­wei­le natür­lich alle geschlos­se­nen – Plat­ten­lä­den mei­ner Hei­mat­stadt abklap­pern müs­sen. Ich erin­ne­re mich, wie ich Anfang 2000 bei bit­te­rer Käl­te mit mei­nem Fahr­rad jeden Ort in Dins­la­ken ansteu­er­te, an dem ich Ton­trä­ger hät­te käuf­lich erwer­ben kön­nen – sogar den Kar­stadt und die drei Video­the­ken. 7 Nir­gend­wo gab es den Sound­track zu „Fight Club“. Andert­halb Wochen spä­ter fuhr ich mit mei­nen Freun­den mit dem Zug nach Essen, um die CD dort, in der gro­ßen Stadt, end­lich zu erwer­ben. Das glei­che ein paar Mona­te spä­ter mit dem Album „St. Amour“ von Tom Liwa. Was mei­nen Sie, wie eupho­risch ich jeweils war, als ich die CDs end­lich nach hau­se schlep­pen und dort hören konn­te? Heu­te: drei Klicks – Mega-Span­nungs­bo­gen! Und so habe ich dann neu­lich auch blitz­schnell das (wirk­lich phan­tas­ti­sche) ers­te selbst­be­ti­tel­te Album von Peter Gabri­el 8 hören kön­nen. Und seit­dem nie wie­der, denn es wäre ja theo­re­tisch jeder­zeit ver­füg­bar, genau­so wie fast jedes ande­re Album der Musik­ge­schich­te. Kein „Ich hab das jetzt gekauft, da muss ich es auch jeden Tag hören“-Rechtfertigungszwang mehr, kein „Ich hab doch nur sound­so vie­le CDs“-Ressourcenmangel. Kein Wun­der, dass Kon­zep­te wie Poly­amo­rie und Offe­ne Bezie­hung plötz­lich näher lie­gen als auf dem Dorf.

Musiksammlung.

Dou­glas Adams hat über das Ver­hält­nis von Men­schen und Tech­no­lo­gie geschrie­ben:

I’ve come up with a set of rules that descri­be our reac­tions to tech­no­lo­gies:

1. Any­thing that is in the world when you’­re born is nor­mal and ordi­na­ry and is just a natu­ral part of the way the world works.

2. Any­thing that’s inven­ted bet­ween when you’­re fif­teen and thir­ty-five is new and exci­ting and revo­lu­tio­na­ry and you can pro­ba­b­ly get a care­er in it.

3. Any­thing inven­ted after you’­re thir­ty-five is against the natu­ral order of things.

Die Zahl „thir­ty-five“ kann man bei mir bequem durch „twen­ty-five“ erset­zen. Mit 13 war ich online, 9 es ist für mich so nor­mal wie elek­tri­scher Strom oder ana­lo­ges Anten­nen­fern­se­hen. Mit 15 habe ich mei­ne ers­ten Tex­te ins Inter­net geschrie­ben und das war so, wie eine eige­ne Zei­tung her­aus­zu­ge­ben: toll. Des­we­gen habe ich dann mit 23 einen Blog auf­ge­macht. Und obwohl ich hier in den nach unten offe­nen Kom­men­tar­spal­ten 10 eini­ge Freun­de gefun­den habe, muss ich zuge­ben, dass ich die­sen Rück­ka­nal gar nicht zwin­gend gebraucht hät­te. Und hier sind ja zumeist total ver­nünf­ti­ge Leu­te unter­wegs! Stel­len Sie sich mal vor, Sie arbei­ten für die „Tages­schau“, hal­ten Ihre Zuschau­er für eini­ger­ma­ßen auf­ge­klärt und müs­sen dann erle­ben, was die auf Ihrer Sei­te oder gar bei Face­book kom­men­tie­ren. Da wird der Betreu­ungs­schlüs­sel nahe­ge­le­ge­ner The­ra­pie­ein­rich­tun­gen schnell über­reizt!

Ich hät­te des­halb ger­ne mein Inter­net von 2010 zurück: Blogs statt Face­book, ICQ statt Whats­App und E‑Mail statt Slack. Auch die Com­pu­ter waren damals noch bes­ser: Mac­Books hat­ten ver­schie­de­ne Anschlüs­se für ver­schie­de­ne Gerä­te und ein CD/DVD-Lauf­werk, Mobil­te­le­fo­ne pass­ten noch in Hosen­ta­schen und auch die Betriebs­sys­te­me waren noch bedeu­tend bes­ser als nach dem 17. Upgrade. „Online gehen“ setz­te, wenn schon nicht mehr die leicht umständ­li­che Ein­wahl per Modem, so doch zumin­dest einen Com­pu­ter vor­aus, der zumeist auch noch an einen Platz gebun­den war. Heu­te „geht“ man ja nicht mehr online, man ist es. Immer, über­all. Kein drin­nen und drau­ßen mehr. 11 Das Foto, gera­de gemacht, ist jetzt schon auf allen Gerä­ten, die mit dem Kon­to ver­bun­den sind – oder, wenn Sie pro­mi­nent sind, beim Hacker.

Neu­es­ter Trend: Live-Vide­os. Jour­na­lis­ten, glei­cher­ma­ßen geblen­det vom Moment des Dabei­seins und den neu­en tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, strea­men wie besof­fen von Par­tei­ta­gen, Kon­fe­ren­zen und Fes­ti­vals, 12 die sie eigent­lich besu­chen, um zu beob­ach­ten, zu ana­ly­sie­ren und ein­zu­ord­nen. Posi­ti­ver Neben­aspekt von so viel Live-Leben aller­dings: Der frü­her oft so gefürch­te­te Dia- oder Video­abend nach einer gro­ßen (oder auch klei­nen) Rei­se ist zurecht fast kom­plett aus­ge­stor­ben.

Mag sein, dass ande­re Men­schen mit die­ser per­ma­nen­ten Ver­füg­bar­keit von allem, inkl. ihrer selbst, bes­ser klar­kom­men als ich. Gesprä­che mit Psy­cho­lo­gen und Sozio­lo­gen legen aller­dings nahe, dass dem nicht so ist. Aber man kann sich ja jeder­zeit sein Ent­schleu­ni­gungs-Maga­zin mit Land­haus­flair und Laven­del­duft auf dem iPad angu­cken oder die Medi­ta­ti­ons-App star­ten. Oder halt ein­fach durch­dre­hen, die Möbel aus dem Fens­ter schmei­ßen und den Kopf gegen die Wand schla­gen.

  1. Wie das unge­fähr aus­sieht, hat­te ich vor sie­ben Jah­ren hier im Blog schon­mal gezeigt.[]
  2. Ich ver­fü­ge näm­lich auch nicht über eine die­ser Lebens­mit­tel­un­ver­träg­lich­kei­ten, die einem die Aus­wahl mas­siv ein­grenzt – solan­ge kei­ne Wal­nüs­se im Essen sind oder es sich um gefüll­te Nudeln han­delt, kann und mag ich alles essen.[]
  3. Tol­le neue Alben von Weezer und den Pet Shop Boys, übri­gens![]
  4. Sport, zum Bei­spiel.[]
  5. Und damit noch für ame­ri­ka­ni­sche Seri­en noch ver­gleichs­wei­se wenig.[]
  6. Musik aus der Stadt­bi­blio­thek ging übri­gens immer total in Ord­nung, die konn­te man ja erst auf Kas­set­te und spä­ter dann auf die Fest­plat­te kopie­ren, also „haben“ – ver­su­chen Sie das mal mit einem Buch![]
  7. Video­the­ken! „Wie Net­flix, nur mit Kos­ten für Mie­te und Per­so­nal.“[]
  8. Oder „Car“, wie wir Nerds sagen.[]
  9. Wenn auch anfangs nur sehr wenig, sehr lang­sam, dafür aber sehr teu­er.[]
  10. Die Älte­ren erin­nern sich viel­leicht noch an die­ses Bon­mot aus der guten, alten Zeit.[]
  11. Vie­le Leu­te wis­sen dabei nicht mal, dass sie das Inter­net nut­zen, die nut­zen nur Face­book.[]
  12. Wenn’s gut läuft. Wenn’s schlecht läuft, strea­men sie live aus Poli­zei­ope­ra­tio­nen.[]
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Rundfunk Gesellschaft

Über Humor

Da war ja jetzt auch nicht unbe­dingt mit zu rech­nen gewe­sen, dass Geis­tes­wis­sen­schaf­ten in Deutsch­land doch noch zum Main­stream-The­ma wer­den. Aber in einem Land mit 80 Mil­lio­nen Bun­des­trai­nern und 80 Mil­lio­nen Anti-Ter­ror-Exper­ten ist natür­lich auch noch Platz für 80 Mil­lio­nen Ger­ma­nis­ten.

Nach den gro­ßen Erfol­gen der Pro­se­mi­nar­rei­he „Remix und Zitat“ (vgl. Hege­mann, 2010; zu Gut­ten­berg, 2011) und der Übung „Rei­me sind Schwei­ne: Das poli­ti­sche Gedicht im 21. Jahr­hun­dert“ (vgl. Grass, 2012) befin­den wir uns bereits seit vor­letz­tem Win­ter­se­mes­ter in der Ring­vor­le­sung „Was muss Humor kön­nen sein dür­fen?“ (vgl. Heb­do, 2015), für die wir auch in die­sem Jahr wie­der mehr Refe­ren­ten als Zuhö­rer haben gewin­nen kön­nen.

Weil nicht der gesam­te Stoff klau­sur­re­le­vant ist, habe ich mir erlaubt, eine klei­ne Hand­rei­chung zusam­men­zu­stel­len, die nur die zen­tra­le Fra­ge „Was ist eigent­lich lus­tig?“ beant­wor­tet:

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Nun, da wir die­se Fra­ge geklärt hät­ten, kön­nen Sie den Rest des Tages nut­zen, um das Haus zu put­zen, mit Ihren Kin­dern zu spie­len, oder ein gutes, trau­ri­ges Buch zu lesen!

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Literatur

Hinter dem Horizont geht’s weiter

„lit.COLOGNE zählt nicht: Da ist über­all aus­ver­kauft!“

Ist das Koket­te­rie, Under­state­ment oder ech­ter Selbst­zwei­fel? Bei Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re weiß man ja nie. Ver­mut­lich hät­ten die Mit­ar­bei­ter vom Ver­lag und vom WDR allei­ne den Sen­de­saal („Ist das eigent­lich der gro­ße?“) voll­ge­macht, aber es gibt wohl auch genug zah­len­de Gäs­te und auch noch genug zah­lungs­wil­li­ge, für die dann aber lei­der echt kein Platz mehr ist. Qua­si-Heim­spiel, Come­back, jetzt aber wirk­lich!

Stuck­rad-Bar­re hat, das war in den letz­ten Tagen viel­leicht gele­gent­lich mal in den Feuil­le­tons und Kul­tur­sen­dun­gen ange­klun­gen, ein neu­es Buch geschrie­ben, das „Panik­herz“ heißt, von ihm selbst kon­se­quent als „Memoir“ bezeich­net wird und eine Bestands­auf­nah­me der ers­ten vier­zig Jah­re Leben ist, die auch Stoff für acht­zig Jah­re gebo­ten hät­ten. Jetzt sind’s eben 564 Sei­ten gewor­den.

Im ers­ten Kapi­tel, das hier heu­te Abend live vor­ge­le­sen wird, geht es um die Zeit in der Redak­ti­on der kurz­le­bi­gen ARD-Sen­dung „Pri­vat­fern­se­hen“ mit Fried­rich Küp­pers­busch. Das ist inso­fern lus­tig, weil Fried­rich selbst auf der Büh­ne sitzt und vor­liest, was da über ihn, Küp­pers­busch, in der drit­ten Per­son geschrie­ben steht. Ich habe mehr als 15 Jah­re spä­ter in der Redak­ti­on sei­ner (von vorn­her­ein als kurz­le­big geplan­ten) WDR-Sen­dung „Tages­schaum“ gear­bei­tet und neben mir sitzt der Redak­ti­ons­lei­ter bei­der Sen­dun­gen und ich ver­su­che, alle sei­ne Reak­tio­nen zu deu­ten. Hal­lo, Her­me­neu­tik!

Es geht dann aber recht schnell auch um das, was „Panik­herz“ für die etwas bou­le­var­desker ein­ge­stell­ten Jour­na­lis­ten inter­es­sant macht: um Dro­gen, Abstür­ze und Selbst­zwei­fel. In einer lan­gen, aber gran­dio­sen Pas­sa­ge erklärt Stuck­rad-Bar­re, war­um er unter kei­nen Umstän­den zu sei­nem 20-jäh­ri­gen Abi­tref­fen gehen konn­te – dass jeder sei­nen Auf­stieg und Fall, wenn schon nicht live medi­al mit­er­lebt, in der Wiki­pe­dia nach­le­sen kann, spielt dabei kei­ne Rol­le, er fin­det genug ande­re Grün­de.

In den vor­ge­le­se­nen Kapi­teln sind Selbst­zwei­fel und Maxi­mal­ab­stür­ze mit­un­ter schon auf Poin­te gebürs­tet, das hilft hier natür­lich, denn über zwei Stun­den Elends­beich­te wären dann – lit.COLOGNE hin oder her – viel­leicht doch ein biss­chen zu viel. Kann man ja dann zuhau­se noch mal nach­le­sen und fest­stel­len, dass es eigent­lich gar nicht lus­tig ist. Und ohne Stuck­rads Udo-Lin­den­berg-Imi­ta­tio­nen (es geht in dem Buch viel um Udo Lin­den­berg, den Hel­den seit Kind­heits­ta­gen und Ret­ter in den dun­kels­ten Stun­den) fehlt bei der Lek­tü­re im Lehn­stuhl dann auch was.

Zwi­schen­durch den­ke ich: Da sit­zen jetzt echt der Mann, des­sent­we­gen ich schon als Kind zum Fern­se­hen woll­te, und mit dem ich heu­te ab und zu Pod­casts pro­du­zie­re, und der Mann, des­sent­we­gen ich als Teen­ager mit dem Schrei­ben ange­fan­gen habe, auf einer Büh­ne und lesen aus einem Buch, das zwar eigent­lich eine Auto­bio­gra­phie – Ver­zei­hung: ein Memoir! – ist, das aber auch super als Atlas der Pop­kul­tur der letz­ten 20 Jah­re taugt. Tell me more, tell me more!

Zwi­schen dem Auf­tritt mit Rock­star­ges­te zu „Sub­ur­bia“ von – natür­lich! – den Pet Shop Boys und der Ver­ab­schie­dung mit völ­lig auf­rich­tig wir­ken­der Dank­bar­keit lie­gen vie­le Sei­ten des Buches und eini­ges an Geplän­kel zwi­schen den bei­den Vor­tra­gen­den. Wer alles deu­ten und inter­pre­tie­ren will, sieht das geal­ter­te ADHS-Kind wäh­rend die­ser Zeit siche­rer – und damit weni­ger albern – wer­den. Wer bei der lan­gen Umar­mung, bevor Fried­rich Ben­ja­min die Büh­ne zur Zuga­be über­lässt, nicht schlu­cken muss, hat ein frit­tier­tes Herz.

Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re ist wie­der da und es sieht aus, als pla­ne er zu blei­ben. Aber jetzt ent­schul­di­gen Sie mich bit­te: ich hab noch über 400 Sei­ten vor mir.

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Politik

Lucky & Fred: Episode 11

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Pünkt­lich wie immer erklä­ren Lucky & Fred, war­um die AfD mit Deutsch­land nichts am Hut hat, wer die Social-Media-Pro­fi­le von Eri­ka Stein­bach betreut und wie man im Spei­se­wa­gen der Deut­schen Bahn eine Ves­per­plat­te bekommt. Fred bewun­dert VW, Lucky hus­tet Fred was und gemein­sam geden­ken sie der vie­len ver­stor­be­nen Pro­mi­nen­ten der letz­ten Mona­te.

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Wei­ter­füh­ren­de Links:

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Film

Spotlight

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In einer Zeit des Pres­se-Ster­bens und der „Lügenpresse“-Schreihälse singt „Spot­light“ ein klei­nes Lob­lied auf den inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus. Anfang der 2000er, als das Modell Tages­zei­tung noch nicht völ­lig im Ster­ben liegt, deckt ein Recher­che-Team des „Bos­ton Glo­be“ die sys­te­ma­ti­sche Ver­tu­schung von Kin­des­miss­brauch in der katho­li­schen Kir­che auf.

Die Jour­na­lis­ten, die uns „Spot­light“ zeigt, wer­den aber nicht zu über­gro­ßen Hel­den sti­li­siert, son­dern sind halt ein­fach Leu­te, die ihre Arbeit machen. Ihr Recher­che­pro­zess wird nicht glo­ri­fi­ziert, son­dern in klei­ne, teil­wei­se wirk­lich extrem unspek­ta­ku­lä­re aber eben not­wen­di­ge Schrit­te zer­legt, zum Bei­spiel wenn meter­wei­se Jahr­bü­cher durch­kämmt und in Excel-Tabel­len über­tra­gen wer­den, um die Mus­ter der Ver­tu­schung nach­wei­sen zu kön­nen. Auch die Ver­feh­lun­gen der Jour­na­lis­ten wer­den ange­spro­chen, wenn Opfer bekla­gen, dass sie schon vor Jah­ren Hin­wei­se auf die Grö­ße der Geschich­te gelie­fert hät­ten, aber im All­tags­ge­schäft unter­ge­gan­gen sind.

Das Script umschifft dabei erfreu­li­cher­wei­se diver­se typi­sche Hol­ly­wood-Fal­len. Vie­le Dreh­buch­schrei­ber wären sicher­lich der Ver­su­chung erle­gen, das Team auf weni­ger Leu­te run­ter zu bre­chen – und denen idea­ler­wei­se noch eine Love­sto­ry anzu­dich­ten. Statt­des­sen wird „Spot­light“ schon fast eher zu einem Ensem­ble-Film, der sehr vie­le Cha­rak­te­re unter einen Hut bekommt. Viel­leicht ist das auch einer der Grün­de, war­um nie­mand aus dem Cast eine Oscar-Nomi­nie­rung für eine Haupt­rol­le erhal­ten hat, weil die­se eher schwie­rig aus­zu­ma­chen ist.

Das Dreh­buch bleibt über die guten zwei Stun­den Lauf­zeit strikt fokus­siert, kaum wird auf Neben­kriegs­schau­plät­ze wie die Finan­zie­rungs­si­tua­ti­on des Inves­ti­vativ-Teams ein­ge­gan­gen.*
Regis­seur Tom McCar­thy insze­niert im Diens­te des fak­ten­las­ti­gen Script ohne gro­ßen Pomp. Eine der inten­sivs­ten Momen­te des Films zeigt schlicht drei Leu­te, die um ein Tele­fon ver­sam­melt sit­zen. Optisch alles ande­re als bom­bas­tisch, hat die­ser Moment doch gewal­ti­ge Schlag­kraft, weil sich hier die schie­re Grö­ße des Skan­dals ent­fal­tet.

Nor­ma­ler­wei­se bin ich kein gro­ßer Fan von den typi­schen „Was danach geschah“-Texttafeln, die qua­si obli­ga­to­risch am Ende jedes „Based on real events“-Film ste­hen. Hier zeigt die­ses Stil­mit­tel aber sei­ne vol­le Wucht, wenn zum Schluss nicht das Schick­sal der Film­cha­rak­te­re the­ma­ti­siert wird, son­dern schlicht eine nicht enden wol­len­de Lis­te der Städ­te durch­läuft, in denen Miss­brauchs­fäl­le in der Kir­che auf­ge­deckt wur­den.

*) Auch wenn die Fra­ge, wo in Zukunft inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­lis­mus statt­fin­den soll, ein inter­es­san­ter Neben­aspekt des Films ist. Nicht umsonst trom­melt das sehr unter­stüt­zens­wer­te Recher­che-Netz­werk correctiv.org gera­de inten­siv für die­sen Film.