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Leben Gesellschaft

Das anderste Weihnachten aller Zeiten

Vor uns liegt ein Weih­nachts­fest, das so anders ist, als wir es gewohnt sind — so zumin­dest der Tenor in Medi­en, Politiker*innen-Statements und per­sön­li­chen Gesprä­chen. Dabei ist „anders sein“ bei aller Tra­di­ti­on etwas, was Weih­nach­ten eben­so aus­macht wie unver­hei­ra­te­te Groß­on­kel. Klar: Alle glück­li­chen Weih­nachts­fes­te glei­chen ein­an­der, aber wie viel Pro­zent Über­ein­stim­mung braucht es ana­log zur DNA-Ana­ly­se in der Foren­sik, damit es ein Weih­nach­ten „wie immer“ ist?

Da war das Jahr, wo ich mich an Hei­lig­mor­gen erbrach, nicht mit in die Kir­che konn­te und Fami­li­en­es­sen und Besche­rung auf der Couch ver­brach­te; das letz­te Weih­nach­ten in der alten Woh­nung und das ers­te im neu­en Haus. Das Jahr, in dem mein Groß­va­ter erklär­te, dass es ihm zu anstren­gend gewor­den sei, der Ver­tei­lung und Ent­pa­ckung der Geschen­ke Drit­ter bei­woh­nen zu müs­sen, wes­we­gen es ab da nur noch sorg­sam beschrif­te­te Kuverts mit Geld­schei­nen gab. Oder das letz­te „rich­ti­ge“ Weih­nach­ten, so wie wir es gewohnt waren: drei Kin­der, Mama und Papa und die drei Groß­el­tern. Das war im Jahr 2011 und mei­nem Tage­buch ent­neh­me ich, dass es schon damals „nicht mehr das­sel­be“ war, weil der Gemein­de­pfar­rer, der uns alle getauft und kon­fir­miert hat­te, zwi­schen­zeit­lich in den Ruhe­stand gegan­gen war. Als mein Groß­va­ter im Jahr 2017 bei sei­ner all­jähr­li­chen Weih­nachts­an­spra­che auf die sonst übli­che Schluss­for­mel „… und hof­fen wir, dass der Lie­be Gott uns nächs­tes Jahr noch ein­mal an die­ser Stel­le hier zusam­men­führt“ ver­zich­te­te, wuss­ten wir alle, dass es das letz­te Weih­nachts­fest mit ihm sein wür­de. Was nie­mand ahnen konn­te (außer er selbst, womög­lich): 96 Stun­den spä­ter war er tot.

Für mich ist erst Weih­nach­ten, wenn ich am Nach­mit­tag des Hei­li­gen Abends „Pati­ence“ von Take That gehört habe — ein Song, der nun wirk­lich unter kei­nen Umstän­den ein Weih­nachts­lied ist. Der Grund dafür ist glei­cher­ma­ßen banal wie magisch (also wie das Leben selbst): Ende 2006 lief die gro­ße Come­back-Sin­gle der eins­ti­gen Boy­band im Radio rauf und run­ter — so auch auf der Rück­fahrt vom Weih­nachts­got­tes­dienst zu unse­rem Eltern­haus im Radio. Ein Jahr spä­ter saßen wir Kin­der gemein­sam in Mamas altem Ford Fies­ta, fuh­ren wie­der von der Kir­che zu den Eltern und im Radio lief wie­der die­ser Song, was – ange­sichts einer fünf­mi­nü­ti­gen Auto­fahrt und einer selbst bei WDR 2 mehr als ein­stel­li­gen Zahl von Lie­dern in den Rota­ti­ons­lis­ten – dann doch min­des­tens ein erstaun­li­cher Zufall war. In den Fol­ge­jah­ren ging ich auf Num­mer Sicher, brach­te den Song auf mei­nem iPho­ne mit nach Dins­la­ken und spiel­te ihn auf dem Weg von der Innen­stadt nach Epping­ho­ven ab. Das ist viel­leicht drei, vier Mal pas­siert und ich war über 20, als es begann, aber es ist mehr Weih­nachts­tra­di­ti­on als der Film „Drei Hasel­nüs­se für Aschen­brö­del“, von dem ich noch nie in mei­nem Leben auch nur eine Minu­te gese­hen habe.

Was ich mei­ne ist: Weih­nach­ten ist immer anders und im Grun­de genom­men dann auch immer ähn­lich, wes­we­gen Komö­di­en über Fami­li­en­weih­nach­ten auch so gut funk­tio­nie­ren: Weil sie die frei­wil­li­gen und unfrei­wil­li­gen Ritua­le; die Freu­de und das Elend; die Wie­der­ho­lun­gen, die alle so lan­ge mit den Augen rol­len las­sen, bis sie nicht mehr statt­fin­den und die Augen für­der­hin nicht mehr gerollt, son­dern feucht wer­den; und den Ver­such, Weih­nach­ten „wie immer“ bege­hen zu wol­len, auf den kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner run­ter­bre­chen und in der tra­gi­schen Poin­te gip­feln, dass Weih­nach­ten eben lei­der genau­so wird wie immer.

Dou­glas Adams hat­te in den 1980er Jah­ren die Idee, ein Com­pu­ter­pro­gramm zu ent­wi­ckeln, das die stets deckungs­glei­chen Aus­sa­gen des dama­li­gen US-Prä­si­den­ten Ronald Rea­gan von allei­ne repro­du­ziert, mit dem Fern­ziel, irgend­wann sämt­li­che wich­ti­gen Politiker*innen durch Künst­li­che Intel­li­gen­zen zu erset­zen, die sich dann mit­ein­an­der unter­hal­ten. Adams konn­te Donald Trump nicht vor­her­se­hen, aber er hat im Grun­de genom­men Face­book und Twit­ter vor­weg­ge­nom­men, wo sich jede Men­ge Bots und ein­zel­ne ver­wirr­te, ein­sa­me See­len in einem fort­wäh­ren­den Nicht-Dia­log befin­den. Aber wenn die Mensch­heit aus­stür­be (ein Gedan­ke, der, bei Licht bese­hen, sel­ten so nahe­lie­gend war wie im Jahr 2020), könn­ten Spo­ti­fy-Play­lis­ten, Strea­ming­diens­te und die zen­tra­len Logis­tik-Pro­gram­me der Back­wa­ren-Indus­trie jähr­lich ein Weih­nachts­fest emu­lie­ren. Robo­ter an ver­wais­ten Pro­duk­ti­ons­stra­ßen wür­den sich mit Tas­sen vol­ler Glüh­wein, auf denen „Weih­nachts­markt Müns­ter 1993“ steht und deren Hen­kel schon etwas beschä­digt sind, zupros­ten und sich – wo tech­nisch mög­lich – gegen­sei­tig unan­ge­mes­sen berüh­ren, wäh­rend Smart-Home-Gerä­te die Woh­nun­gen in allen Far­ben des Regen­bo­gens blin­ken las­sen.

Und irgend­wo wür­de eine Kaf­fee­ma­schi­ne beseelt den­ken: „Alles wie immer!“

Ich wün­sche Euch und Euren Lie­ben trotz allem fro­he und besinn­li­che Weih­nach­ten im klei­nen Kreis, Gesund­heit und uns allen ein bes­se­res Jahr 2021!

Die­ser Text erschien ursprüng­lich in mei­nem News­let­ter „Post vom Ein­hein­ser“, für den man sich hier anmel­den kann.

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Rundfunk

Cinema And Beer: Die Folge für 2020

Seit 2012 machen Tom The­len und Lukas Hein­ser „Cine­ma And Beer“: Erst gehen sie ins Kino, dann in eine Knei­pe, um beim Bier über das gera­de Gese­he­ne zu spre­chen. Jedes Jahr gab es min­des­tens eine Fol­ge die­ses Erfolgs­pod­casts — dann kam 2020 …

… und sie nah­men trotz­dem eine auf! Ohne Kino, ohne Bier, aber mit jeder Men­ge Emp­feh­lun­gen für Zeugs, was man wäh­rend der Fei­er­ta­ge und des Lock­downs so bin­gen kann. „Zwei wei­ße Dudes reden über Seri­en – Der Pod­cast“! Unser Weih­nachts­ge­schenk für Euch!

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Rundfunk Politik Gesellschaft

Germany’s Next Topvictim

Sie wol­len sich nicht an Coro­na-Schutz­maß­nah­men hal­ten, glau­ben an Ver­schwö­rungs­theo­rien und ver­glei­chen sich mit Opfern des Natio­nal­so­zia­lis­mus: Mit den sog. „Quer­den­kern“ stimmt eine gan­ze Men­ge nicht.

Aber ist es klug, ihren wir­ren Ansich­ten so viel Auf­merk­sam­keit zu schen­ken? War­um wird eigent­lich immer die NS-Zeit zu haar­sträu­ben­den Ver­glei­chen her­an­ge­zo­gen? Und was wären Ver­glei­che, die ein biss­chen mehr Sinn erge­ben? Ein paar Ideen dazu gibt es hier im Video:

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Leben Gesellschaft

Entsetzen in Dinslaken: Der Wendler dreht durch!

Für Dins­la­ken, die sym­pa­thi­sche Stadt im Grü­nen, ist es der schwers­te Schick­sals­schlag seit dem Ende des Stein­koh­le­berg­baus: Der größ­te Sohn der Stadt ist plötz­lich Coro­na-Leug­ner! Ein Bei­trag über das bis­he­ri­ge Lebens­werk Micha­el Wend­lers und dar­über, was sein Melt­down für sei­ne alte Hei­mat bedeu­tet.

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Digital Gesellschaft

Bist Du noch wach? — 6. Wie geht noch mal Konzentration?

Wor­um geht es bei den dies­jäh­ri­gen Nobel­prei­sen und wel­che guten Nach­rich­ten gab es in letz­ter Zeit? Das sind nur zwei der Fra­gen, denen Sue und Lukas in der neu­es­ten Fol­ge auf den Grund gehen.

Wir wol­len wis­sen, war­um man auf Papier bes­ser lesen kann als am Bild­schirm, und wie groß die Deut­sche Ein­heit wirk­lich ist.

Wir zer­pflü­cken den pop­kul­tu­rel­len Kanon und sagen end­lich die Wahr­heit über schlech­te Fern­seh­se­ri­en, Bücher und Bands!

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Gesellschaft

Bist Du noch wach? — 5. Was bringt Dich zum Lachen?

In der fünf­ten Fol­ge „Bist Du noch wach?“ spre­chen Sue und Lukas über Tan­nen­bäu­me, Tier­vi­de­os und lebens­wer­te Städ­te.

Lukas ver­rät exklu­siv den lus­tigs­ten Witz der Welt und die Schön­heit des Ruhr­ge­biets — außer­dem lachen wir sehr viel und es geht sehr viel um Nudeln.

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Literatur Digital

Jan Böhmermanns Twitterwochen

Jan Böh­mer­mann hat sei­ne fern­seh­freie Zeit genutzt, um ein Buch zu ver­öf­fent­li­chen, das er über elf Jah­re geschrie­ben hat – näm­lich in Form von Bei­trä­gen auf dem Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter. Ich ver­su­che eigent­lich, Böh­mer­mann und Twit­ter in mei­nem Leben mög­lichst wenig Raum zu geben, aber in den letz­ten Tagen konn­te man kaum einen toten Fisch wer­fen, ohne irgend­ei­nen Arti­kel oder ein Inter­view zum Buch zu tref­fen.

Ver­gan­ge­nen Don­ners­tag mach­te Böh­mer­mann – natür­lich auf Twit­ter – publik, dass die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“ (für die ich in der Ver­gan­gen­heit eine Hand­voll Tex­te geschrie­ben habe) ein mit ihm geführ­tes und druck­fer­ti­ges Inter­view kurz­fris­tig aus dem Blatt genom­men habe; laut Böh­mer­mann auf „per­sön­li­che Anwei­sung“ von FAZ-Her­aus­ge­ber Jür­gen Kau­be.

Der Tweet mach­te die Run­de, die Empö­rung war groß, auch ich habe Böh­mer­manns „offe­nen Brief“ an Kau­be ret­weetet – und mich am nächs­ten Mor­gen geär­gert, dass ich mich da wie­der im ers­ten emo­tio­na­len Moment vor einen PR-Kar­ren habe span­nen las­sen. Böh­mer­mann hat­te geschrie­ben: „Sowas habe ich wirk­lich noch nie erlebt“, aber nach ein biss­chen Nach­den­ken fiel mir ein, dass ich selbst vor acht Jah­ren im BILD­blog über einen Fall geschrie­ben hat­te, der zumin­dest ein Stück weit ver­gleich­bar war: Diet­her Dehm, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter der Lin­ken und als Musi­ker unter ande­rem am Text von Klaus Lages Hit „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ betei­ligt, hat­te damals ein neu­es Album her­aus­ge­bracht, über das sogar Bild.de einen län­ge­ren, durch­aus wohl­wol­len­den Text ver­öf­fent­licht hat­te. Der Text blieb nicht lan­ge online.

Mög­li­cher­wei­se hat­te Eri­ka Stein­bach, damals noch CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te, etwas damit zu tun, denn sie hat­te sich öffent­lich­keits­wirk­sam auf Twit­ter über die „Elo­ge“ auf Dehm beklagt. Diet­her Dehm, der in der Zwi­schen­zeit durch eine unan­ge­neh­me Nähe zu Ver­schwö­rungs­freaks wie Ken Jeb­sen auf­fäl­lig gewor­den ist, hat­te mir damals am Tele­fon erzählt, ihm sei­en Namen „aus den Frak­ti­ons­spit­zen der drei Par­tei­en“ CDU, SPD und FDP zu Ohren gekom­men, die am Wochen­en­de in der „Bild“-Redaktion „vor­stel­lig gewor­den“ sein sol­len, um sich über die posi­ti­ve Bericht­erstat­tung über ihn und sei­ne neue CD zu beschwe­ren. „Bild“ woll­te damals, wie so oft, nicht auf unse­re Fra­gen ant­wor­ten.

Doch zurück zu Jan Böh­mer­mann und sei­nem Twit­ter-Buch, das ich nicht gele­sen habe und auch nicht lesen möch­te, weil ich Böh­mer­manns Auf­tre­ten – gera­de auf Twit­ter – wahn­sin­nig anstren­gend fin­de. Nichts gegen ein biss­chen Wider­sprüch­lich­keit bei einer öffent­li­chen Per­so­na, aber die­ses Oszil­lie­ren zwi­schen Ober­stu­fen-Sar­kas­mus, ernst­haf­ter Empö­rung über gesell­schaft­li­che Miss­stän­de und nur not­dürf­tig iro­nisch gebro­che­ner Eitel­keit ist mir ein biss­chen zu viel.

Eine Freun­din hat mir aber einen Aus­schnitt aus dem Buch geschickt – aus eini­ger­ma­ßen nahe­lie­gen­den Grün­den:

USFO (Unser Star für Oslo): Ich bin für die Dunkelhaarige (Lena Meyer-Landrut).

Das Ding ist: Das ist Quatsch.

Der „Witz“ an die­sem Tweet war ja, dass im Fina­le von „Unser Star für Oslo“, dem deut­schen Vor­ent­scheid für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2010, zwei dun­kel­haa­ri­ge Frau­en gegen­ein­an­der antra­ten: Lena Mey­er-Land­rut, die die Sen­dung und schließ­lich auch den ESC in Oslo gewann, und Jen­ni­fer Braun, deren Song „I Care For You“ anschlie­ßend noch ein biss­chen Radio-Air­play abbe­kam (und bei dem ich mir wirk­lich nicht sicher bin, ob ich ihn jemals wie­der­erkannt hät­te).

Natür­lich kann es sein, dass Jan Böh­mer­mann, als er den Tweet für sein Buch aus­wähl­te und mit Anmer­kun­gen ver­sah, sich ein­fach nicht mehr dar­an erin­ner­te, dass an jenem Abend zwei dun­kel­haa­ri­ge Frau­en auf der TV-Büh­ne gestan­den hat­ten und sein Tweet also durch­aus in jenem Moment auch eine Spur von Humor ent­hal­ten hat­te. Das wäre aller­dings ein bemer­kens­wer­ter Zufall, wenn man sich das durch­aus ange­spann­te Ver­hält­nis zwi­schen ihm und Lena Mey­er-Land­rut vor Augen hält.

Und dann war da ja noch mei­ne ganz per­sön­li­che Twit­ter-Begeg­nung mit Jan Böh­mer­mann:

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Musik Gesellschaft

Bist Du noch wach? — 4. Sind wir schon nach Corona?

Zurück aus der kur­zen Som­mer­pau­se wid­men sich Sue und Lukas wie­der den ele­men­ta­ren Fra­gen des Lebens: Wie schenkt man, ohne Feh­ler zu machen? Wer wird Bundeskanzler*in? Ist Coro­na end­lich vor­bei?

Außer­dem spre­chen die bei­den über die Wech­sel­wir­kung von Musik und Lie­bes­kum­mer und dar­über, wie man einer mid­life cri­sis begeg­net. Außer­dem kommt über­ra­schend viel Laven­del vor.

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Digital Gesellschaft

Bist Du noch wach? — 3. Was steht auf Deiner Bucket List?

In der neu­en Fol­ge „Bist Du noch wach?“ benut­zen Sue und Lukas so schö­ne Wör­ter wie „Bucket List“ und „Cele­bri­ty Crush“ und bren­nen auch sonst ein Feu­er­werk für Liebhaber*innen der Lin­gu­is­tik ab (Koch/​Oesterreicher, 1994).

Sue warnt vor gewünsch­ten Hän­ge­mat­ten, Lukas davor, ihn anzu­ru­fen, und gemein­sam machen sie sich auf die Suche nach ihrer eige­nen Krea­ti­vi­tät.

E‑Mails (zum Bei­spiel mit eige­nen Fra­gen oder exklu­si­ven Schimpf­wör­tern für das Boh­ren in Alt­bau­woh­nun­gen) neh­men wir unter bistdunochwach@coffeeandtv.de ent­ge­gen!

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Digital Gesellschaft Literatur

Bist Du noch wach? — 2. Kannst Du gut mit Lob umgehen?

In der zwei­ten Fol­ge spre­chen Sue und Lukas unter ande­rem über Bücher, die ihr Leben nach­hal­tig ver­än­dert haben — was nahe­lie­gen­der­wei­se zu einer Dis­kus­si­on über pro­ble­ma­ti­sche Songs von Ade­le und Bruce Springsteen führt.

Es geht um Netz-Bekannt­schaf­ten, die Fra­ge, war­um Lukas nicht exis­tiert, und um Leben und Tod. Dafür spre­chen wir nicht über Din­ge, bei denen man ein­fach wort­los gehen darf, wenn sie jemand anders sagt.

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Lukas’ Bücher:

  • Dou­glas Adams: „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“
  • Hell­muth Kara­sek: „Bil­ly Wil­der — Eine Nah­auf­nah­me“
  • Johann Wolf­gang Goe­the: „Die Lei­den des jun­gen Wert­hers“
  • John Green: „The Fault in our Stars“ („Das Schick­sal ist ein mie­ser Ver­rä­ter“)
  • Wolf­gang Herrn­dorf: „Tschick“
  • Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re: „Remix“

Sues Bücher:

  • Nick Horn­by: „High Fide­li­ty“
  • Gary Kel­ler: „The One Thing“
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Leben Gesellschaft

Bist Du noch wach? — 1. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich gerne sagen?

„Bist Du noch wach?“ und ande­re gro­ße und klei­ne Fra­gen des Lebens: In der ers­ten Fol­ge ihrer neu­en Pod­cast-Rei­he spre­chen Sue und Lukas unter ande­rem über Freund­schaf­ten mit sich selbst, Fuß­ball und Ablauf­da­ten für Frau­en. Lukas erzählt die schöns­ten Par­ty-Anek­do­ten von Kon­fron­ta­tio­nen mit Sicher­heits­be­hör­den und die bei­den geben wich­ti­ge Tipps zum Selbst­fri­sie­ren — und was sie ihren jün­ge­ren Ichs sonst noch mit auf den Weg geben wür­den.

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Musik Film Rundfunk

Ein bisschen Schwachsinn

Okay, fan­gen wir mit den wich­ti­gen Fak­ten an: Die Spre­cher­ka­bi­ne, in der Gra­ham Nor­ton sitzt und sei­ne Gra­ham-Nor­ton-Kom­men­ta­re abgibt, ist viel zu groß. Und zu hell. Und er scheint gar nicht zu frie­ren — aber viel­leicht hat er auch ein­fach sei­nen Ruck­sack vor die Lüf­tung gestellt, so wie wir es alle machen, um kei­ne Erkäl­tung zu bekom­men.

Seit 2013 sit­ze ich beim Euro­vi­si­on Song Con­test neben dem deut­schen Kom­men­ta­tor Peter Urban und das bedeu­tet, dass wir sechs Tage in einer klei­nen, kal­ten Kabi­ne ver­brin­gen, die auf einem wack­li­gen Gerüst in einer gro­ßen, dunk­len Hal­le in einer ansons­ten sicher­lich sehr sehens­wer­ten Stadt steht. Peter macht das seit 1997, Gra­ham Nor­ton seit 2009 — und er tut dies auch in „Euro­vi­si­on Song Con­test: The Sto­ry of Fire Saga“, dem aller­ers­ten Spiel­film, der sich mit dem euro­päi­schen Gesangs­wett­be­werb beschäf­tigt — und von Ame­ri­ka­nern für den ame­ri­ka­ni­schen Strea­ming­dienst Net­flix pro­du­ziert wur­de.

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Will Fer­rell spielt Lars Ericks­song, einen islän­di­schen Musi­ker, der seit frü­her Kind­heit (genau­er: seit dem Sieg von ABBA 1974 in Brigh­ton) davon träumt, den Euro­vi­si­on Song Con­test zu gewin­nen. Sein Vater Erick (Pier­ce Bros­nan), ein hand­fes­ter islän­di­scher Fischer, hält davon wenig und das hei­mi­sche Publi­kum will von Lars und sei­ner Band Fire Saga, die im wesent­li­chen aus ihm und sei­ner Kind­heits­freun­din Sig­rit (Rachel McA­dams) besteht, immer nur die glei­chen islän­di­schen Trink­lie­der hören. Durch eine Ver­ket­tung eher unglück­li­cher Umstän­de pas­siert es aber, dass Fire Saga für Island am ESC teil­neh­men, und wer im Leben mehr als einen Film gese­hen hat, weiß, dass es exakt zwei Mög­lich­kei­ten geben kann, wie das Gan­ze endet (Spoi­ler Alert: es ist die eine, nicht die ande­re).

Der Plot die­ser Komö­die passt auf ein Stück Gold­kon­fet­ti, wie es am Ende jedes Song Con­tests von der Hal­len­de­cke reg­net. Der ESC ist in die­ser Geschich­te aber nicht nur der Hin­ter­grund, vor dem sich die Hand­lung ent­fal­tet, son­dern – der Titel deu­tet es schon an – auch der Mit­tel­punkt. Die ech­te Über­ra­schung, wenn sich Ame­ri­ka­ner eines so euro­päi­schen The­mas anneh­men, dem selbst hier mit einer sehr spe­zi­el­len Mischung aus hei­li­gem Ernst und Iro­nie begeg­net wird: es funk­tio­niert!

Denn streng genom­men soll­te es ja unmög­lich sein, sich über eine Ver­an­stal­tung lus­tig zu machen, bei der nie­mand weiß, wie augen­zwin­kernd Wind­ma­schi­nen, Trick­klei­der und Vier-Qua­drat­me­ter-Eis­lauf­bah­nen, die die gera­de vor­ge­tra­ge­nen Kom­po­si­tio­nen wahl­wei­se unter­stüt­zen oder von ihnen ablen­ken sol­len, eigent­lich genau gemeint sind, ohne sich die gan­ze Zeit über die­sen ver­meint­li­chen Schwach­sinn und jene, die ihn lie­ben, zu erhe­ben. Schwe­den hat es 2016 mit dem Inter­val Act „Love, Love, Peace, Peace“ (übri­gens geschrie­ben von unse­rem Kom­men­ta­to­ren-Kol­le­gen Edward af Sil­lén) in vier­ein­halb Minu­ten vor­ge­macht, „Euro­vi­si­on“ schließt dort in zwei Stun­den an, in denen wenig ande­res pas­siert als dass ESC ist.

Dan Stevens als Alexander Lemtov in "Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga"

Bei einer Par­ty, die der leicht über­kan­di­del­te (im Ver­gleich zu ech­ten ESC-Kan­di­da­ten dann aber doch eher boden­stän­dig wir­ken­de) rus­si­sche Teil­neh­mer schmeißt, hüp­fen gleich zehn ESC-Alum­ni durchs Bild und sin­gen mit dem Film-Cast ein Med­ley, in dem von „Water­loo“ bis zu Chers „Belie­ve“ alles abge­feu­ert wird, was die Camp-Kano­ne her­gibt. Die Cha­rak­te­re, die eigent­lich auch kaum mehr sind als Skiz­zen für Kari­ka­tu­ren, sind alle erstaun­lich lie­bens­wert und man merkt ihren Darsteller*innen an, wie viel Spaß sie bei die­sem quat­schi­gen Pro­jekt hat­ten. (Demi Lova­to muss nicht viel mehr tun als zu sin­gen, aber wer beim Super Bowl mit der Natio­nal­hym­ne von der Halb­zeit­show ablen­ken kann, füllt auch knapp zwei Minu­ten Scre­en­ti­me maxi­mal aus.) Will Fer­rell, der auch die Idee zu dem Film hat­te und gemein­sam mit Andrew Ste­e­le das Dreh­buch geschrie­ben hat, trägt für sei­ne Rol­le eine ange­grau­te blon­de Locken­per­rü­cke, wes­we­gen sich für das deut­sche Publi­kum eine ver­wir­ren­de Meta-Ebe­ne ergibt, auf der Tho­mas Gott­schalk sei­ne Dro­hung von 2001, am ESC teil­neh­men zu wol­len, doch noch wahr gemacht hat.

Die ein­zel­nen Songs und Insze­nie­run­gen, die im Film fast ein biss­chen zu kurz kom­men, sind erschüt­ternd authen­tisch: Von Fire Sagas „Dou­ble Trou­ble“ bis zum über-sexua­li­sier­ten „Lion Of Love“ (Russ­land) ist alles exakt so beim ESC vor­stell­bar. Die Net­flix-Crew hat sogar beim letzt­jäh­ri­gen Grand Prix in Tel Aviv in der ech­ten Hal­le gedreht — nicht gera­de zur Freu­de der tat­säch­li­chen Dele­ga­tio­nen aus den Teil­neh­mer­län­dern, deren Zeit­plan durch Son­der­pro­ben für Madon­nas schließ­lich über­aus unter­wäl­ti­gen­den Gast-Auf­tritt sowie­so schon arg ein­ge­dampft war. Und selbst eini­ge Sät­ze, die bei inter­nen Mee­tings und nach den Pro­ben fal­len, sind schmerz­haft nah dran an dem, was man dort so hört oder selbst sagt. Ech­te ESC-Fans wer­den natür­lich anmer­ken, dass man­che Details wie etwa die Punk­te­ver­ga­be im Halb­fi­na­le (also bit­te!?) falsch wie­der­ge­ge­ben wer­den, aber dann pas­siert schon wie­der etwas, was so lie­be­voll-absurd ist, dass zumin­dest eini­ge Anhän­ger dar­über hin­weg­se­hen dürf­ten.

Will Ferrell und Rachel McAdams in "Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga"

„Euro­vi­si­on“, ent­stan­den in enger Zusam­men­ar­beit mit der Euro­pean Broad­cas­ting Uni­on, dem Ver­an­stal­ter des ech­ten ESC seit 1956, ist eine Mischung aus „This is Spi­nal Tap“ und „Hil­fe, die Amis kom­men“ mit einem Hauch von „Litt­le Miss Suns­hi­ne“. Beim ame­ri­ka­ni­schen Publi­kum könn­te er dar­an schei­tern, dass die Ver­an­stal­tung, um die er kreist, weit­ge­hend unbe­kannt ist und voll­kom­men unrea­lis­tisch erscheint. Eigent­lich gedacht als Begleit­pro­gramm für den ech­ten Song Con­test, des­sen Rech­te Net­flix für die USA erwor­ben hat, ist der Film nach der Coro­na-beding­ten Absa­ge des ESC 2020 in Rot­ter­dam aber ein char­man­ter Ersatz für jene Mil­lio­nen Men­schen, die sich das Event jedes Jahr anschau­en. Und nächs­tes Jahr gibt es die Wind­ma­schi­nen und Trick­klei­der dann wie­der bei ech­ten Auf­trit­ten!