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Musik

Eine Liebe zur Musik

Es ist eines der schöns­ten You­Tube-Vide­os, in dem kei­ne Tier­ba­bies vor­kom­men, und eines der weni­gen deut­schen Meme: Der DJ der guten Lau­ne.

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Ich kann mir das Video immer wie­der anse­hen, weil es auf wun­der­vol­le Wei­se abbil­det, was es bedeu­tet, Musik zu lie­ben. Außer­dem läuft Kid Cudi. Inzwi­schen hat selbst Bild.de das Video geklaut gefea­tured und berich­tet von dem sym­pa­thi­schen Wuschel­kopf, der Inter­views aber ableh­ne.

Wobei das nicht so ganz stimmt: You­Tube-User graf­and­ra­get, der den Clip vor einem Monat online gestellt und den DJ damit welt­be­rühmt gemacht hat­te, hat den namen­lo­sen Mann in sei­nem Gar­ten besucht und sich ein biss­chen was über Musik und Tanz erzäh­len las­sen:

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Musik

That’s When I Reach For My Revolver

Auf der einen Sei­te: Libe­ra­lis­mus. Die Idee, dass jede Band, deren Musik auch nur einer ein­zi­gen Per­son etwas bedeu­tet, ihre Exis­tenz­be­rech­ti­gung hat. Die Erin­ne­rung, dass selbst die „Punk­band“, in der ich vor zehn Jah­ren in Dins­la­ken Schlag­zeug gespielt habe, Fans hat­te – und wenn es nur dicke Kin­der aus dem Nach­bar­dorf waren.

Auf der ande­ren Sei­te: Revol­ver­held. Eine Band, die für mich alles ver­kör­pert, was in der Musik­in­dus­trie falsch gelau­fen ist. Ein Syn­onym für spie­ßi­ges Rock­be­am­ten­tum, für Musik, die von Leu­ten gehört wird, die sich nicht für Musik inter­es­sie­ren.

Was macht man also, wenn man einen Ruck­sack vol­ler Vor­ur­tei­le spa­zie­ren trägt? Man lässt sie sich eins zu eins im Real Life bestä­ti­gen. Zum Start der U20-Frau­en-Fuß­ball-WM, die zu einem erheb­li­chen Teil im Bochu­mer Ruhr­sta­di­on statt­fin­det, spiel­ten die Ham­bur­ger Chart­stür­mer ein kos­ten­lo­ses Kon­zert in der Bochu­mer Innen­stadt – was die Rege­ne­ra­ti­ons­zeit für Anwoh­ner und Gas­tro­no­men zwi­schen dem Fina­le der Her­ren-Fuß­ball-WM und dem Bochum Total (ab Don­ners­tag) auf ein abso­lu­tes Mini­mum redu­ziert. Der Kon­zert­ort in Wurf­wei­te mei­ner Woh­nung hat­te den Vor­teil, in direk­ter Nach­bar­schaft mei­ner Stamm­knei­pe zu lie­gen, so dass ich nach einem kur­zen Gang durch das Publi­kum (kei­ne Men­schen mit Hör­nern oder Zie­gen­fü­ßen gese­hen) den Auf­tritt aus siche­rer Ent­fer­nung und in bes­ter Gesell­schaft ver­fol­gen konn­te.

Aber so sehr ich mich auch um Unvor­ein­ge­nom­men­heit bemüh­te: Schon wäh­rend der ers­ten zwei Songs hat­te Sän­ger Johan­nes Stra­te das gan­ze Anbie­de­rungs-Arse­nal von „Bochum, seid Ihr da?“ und „Ich will Eure Hän­de sehen!“ abge­feu­ert, auf das er im Ver­lauf des Abends aber ger­ne noch mal zurück­griff. Und das bei Lie­dern, deren Egal­heit mun­ter zwi­schen Spät­neun­zi­ger-Drei­strei­fen­me­tal und deut­schem Schla­ger oszil­liert.

Aus der Fer­ne war die Demar­ka­ti­ons­li­nie zwi­schen ech­ten Fans (die – um das noch mal zu beto­nen – um Him­mels Wil­len ihren Spaß an der­lei Musik haben sol­len) und Mit­nah­me­men­ta­lis­ten gut zu erken­nen: Da, wo die Arme nicht mehr wie beim Bank­über­fall dau­er­haft erho­ben waren und im Takt wog­ten, da began­nen die, die sich das ein­fach nur mal anschau­en woll­ten. Vor­ne wur­de mit­ge­sun­gen („Und jetzt alle!“) und es kam zum Ein­satz von Sei­fen­bla­sen­flüs­sig­keit.

Es war schlimm. Unge­fähr nach einer hal­ben Stun­de hät­te ich mir eine Lesung vogo­ni­scher Dicht­kunst her­bei­ge­wünscht – oder alter­na­tiv irgend­je­man­des Hän­de, deren Fin­ger­nä­gel ich auch noch hät­te abna­gen kön­nen. Revol­ver­held sind eine Band, die mit ihrer naiv-dump­fen Pen­nä­ler­ly­rik und ihrer musi­ka­li­schen Sim­pli­zi­tät selbst Sil­ber­mond pro­gres­siv erschei­nen las­sen. Der Umstand, dass sich sol­che Musik bes­ser ver­kauft als die von Tom­te oder kett­car, könn­te dem deut­schen Volk der­einst vor irgend­ei­nem inter­na­tio­na­len Gerichts­hof noch zum Nach­teil gerei­chen. Und dann kamen die gan­zen Hits (also der Kram, dem man im Radio nicht aus­wei­chen kann) auch noch geballt zum Schluss.

Als die Band dann auch noch „Was geht“ anstimm­ten, eine Tri­bu­te-Album-erprob­te Remi­nis­zenz an die Fan­tas­ti­schen Vier (die ja selbst auf dem bes­ten Weg Rich­tung Revol­ver­held sind), war bei uns am Tisch alles vor­bei: Hek­tisch wur­de in Mobil­te­le­fo­nen und Taschen­ka­len­dern über­prüft, ob wir tat­säch­lich das Jahr 2010 schrie­ben. Erin­ne­run­gen an Bands wie Such A Sur­ge wur­den geweckt wie schla­fen­de Hun­de. Dann irgend­wann end­lich „Freun­de blei­ben“ und Abgang. Hat man das auch mal erlebt.

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Sport Musik

Und wieder mal besiegt

Nach der desas­trö­sen letz­ten Sai­son und dem Abstieg aus der 1. Bun­des­li­ga muss sich eini­ges ändern beim VfL Bochum. Des­halb kam es zur Grün­dung der Initia­ti­ve „Wir sind VfL“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, „die bestehen­den Ver­eins­struk­tu­ren und die sport­li­che Zukunft des VfL Bochum nicht nur kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, son­dern kon­struk­tiv und offen­siv mit­zu­ge­stal­ten“.

Zur Unter­stüt­zung und Unter­ma­lung die­ser Akti­on hat mein Kum­pel Tom­my Fin­ke ein Lied über den VfL auf­ge­nom­men:

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„Wir sind VfL (Jetzt erst recht!)“ kann man sich auf Tom­mys Web­site kos­ten­los her­un­ter­la­den.

Nach „Das hier ist Fuß­ball“ von Thees Uhl­mann über den FC St. Pau­li fehlt mir jetzt eigent­lich nur noch ein Borus­sia-Mön­chen­glad­bach-Song von Simon den Har­tog in mei­ner Samm­lung.

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Musik Rundfunk

Die Definition von Pop

Erin­nern data-epi-spa­cing Sie data-epi-spa­cing sich data-epi-spa­cing noch data-epi-spa­cing an data-epi-spa­cing den data-epi-spa­cing schreck­li­chen data-epi-spa­cing däni­schen data-epi-spa­cing Bei­trag data-epi-spa­cing beim data-epi-spa­cing Euro­vi­si­on data-epi-spa­cing Song data-epi-spa­cing Con­test data-epi-spa­cing in data-epi-spa­cing Oslo?

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Herr data-epi-spa­cing Nig­ge­mei­er data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing ich data-epi-spa­cing haben data-epi-spa­cing – data-epi-spa­cing wäh­rend data-epi-spa­cing wir data-epi-spa­cing ver­such­ten, data-epi-spa­cing uns data-epi-spa­cing die­sen data-epi-spa­cing Ohr­wurm data-epi-spa­cing gegen­sei­tig data-epi-spa­cing aus data-epi-spa­cing dem data-epi-spa­cing Kopf data-epi-spa­cing zu data-epi-spa­cing prü­geln data-epi-spa­cing – data-epi-spa­cing lan­ge data-epi-spa­cing dar­über data-epi-spa­cing nach­ge­dacht, data-epi-spa­cing wor­an data-epi-spa­cing uns data-epi-spa­cing die­ser data-epi-spa­cing Song data-epi-spa­cing alles data-epi-spa­cing erin­nert. data-epi-spa­cing „Every data-epi-spa­cing Breath data-epi-spa­cing You data-epi-spa­cing Take“ data-epi-spa­cing (oder, data-epi-spa­cing für data-epi-spa­cing die data-epi-spa­cing Jün­ge­ren: data-epi-spa­cing „I’ll data-epi-spa­cing Be data-epi-spa­cing Miss­ing data-epi-spa­cing You“) data-epi-spa­cing war data-epi-spa­cing natür­lich data-epi-spa­cing dabei, data-epi-spa­cing mit data-epi-spa­cing ein data-epi-spa­cing biss­chen data-epi-spa­cing frem­der data-epi-spa­cing Hil­fe data-epi-spa­cing kamen data-epi-spa­cing wir data-epi-spa­cing auch data-epi-spa­cing auf data-epi-spa­cing „The data-epi-spa­cing Best“ data-epi-spa­cing von data-epi-spa­cing Tina data-epi-spa­cing Tur­ner data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing einen data-epi-spa­cing Hauch data-epi-spa­cing von data-epi-spa­cing „Dancing data-epi-spa­cing Queen“ data-epi-spa­cing kann data-epi-spa­cing man data-epi-spa­cing im data-epi-spa­cing Refrain data-epi-spa­cing auch data-epi-spa­cing erken­nen.

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Musik

Stadtteilpoeten

Wenn Wolf­gang Nie­de­cken der Dylan der Süd­stadt ist, ist Simon den Har­tog dann der Adam Green von Ehren­feld? (Und – was viel wich­ti­ger ist – wird er mich für die­sen Ver­gleich schla­gen, wenn wir uns das nächs­te Mal sehen?)

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Musik

Gesammelte Platten Mai 2010

This ent­ry is part 5 of 8 in the series Gesam­mel­te Plat­ten

Band Of Hor­ses – Infi­ni­te Arms
Bei „All Songs Con­side­red“ spre­chen sie längst nur noch von „bär­ti­ger Musik“, wenn bär­ti­ge jun­ge Män­ner auf ihre Gitar­ren ein­dre­schen und mehr­stim­mig melan­cho­li­sche Songs schmet­tern. Band Of Hor­ses hal­ten die­se Grund­re­geln auch auf ihrem drit­ten Album ein, was sich aber bedeu­tend lang­wei­li­ger liest, als es sich anhört. Musi­ka­lisch irgend­wo zwi­schen Nada Surf, Built To Spill und Fleet Foxes wird eher geschwelgt als gerockt: Weit­ge­hend sehr ent­spannt pen­delt „Infi­ni­te Arms“ zwi­schen Ent­spannt­heit und Melan­cho­lie und wäre damit ten­den­zi­ell eher ein Herbst-Album, aber gute Musik ist jah­res­zeit­los schön.
Anspiel­tipps: „Fac­to­ry“, „On My Way Back Home“, „Evening Kit­chen“, „Bart­les + James“. (LH, Rezen­si­ons­exem­plar)

Beach Fos­sils – Beach Fos­sils
Beach Fos­sils klin­gen wie vor vier­zig Jah­ren oder wahl­wei­se eben auch wie Real Estate, die Pro­duk­ti­on ist rau­schig und ver­mumpft, und so rich­tig Dri­ve ist da auch nicht drin. Und trotz­dem sind sie groß­ar­tig. Andau­ernd muss ich sie hören, was viel­leicht etwas weni­ger mit der Musik zu tun hat als viel mehr mit einem in mir lan­ge ver­lo­ren geglaub­ten Ent­span­nungs­ge­fühl beim Hören lah­mer, halb­psy­che­de­li­scher Trend-Indie­mu­sik zusam­men hängt. So ein Meta-Moment, in dem mir rela­tiv wurscht wird, ob das, was ich höre, hoch­gra­dig inno­va­tiv ist oder nicht. Ein biss­chen wie Vel­vet Under­ground auch und Joy Divi­si­on, falls Sie da Refe­ren­zen brau­chen.
Anspiel­tipps: „Day­d­ream“, „Win­dow View“, „Wide Awa­ke“. (MS)

The Black Keys – Brot­her
Man bräuch­te ein Beam­ge­rät. Das den­ke ich so oft. Ein­fach rein und zack! ist man am gewünsch­ten Ort und muss nicht der Bahn das Geld in den Rachen wer­fen. Die­se Insti­tu­ti­on trans­por­tiert eh nur noch Mil­lio­nä­re, die­ser Tage. Lei­der gibt es noch kein Beam­ge­rät, aber das neue Album der Gebrü­der Black Keys ist ein klei­ner Ver­such.
Wenn man auf Play drückt, ertönt ein blue­si­ger Gitar­ren­sound aus den 70ern und beamt sich dann mal schnell ins Zeit­al­ter des Gara­gen­rock um dann wei­ter zu hüp­fen ins Jetzt. Sie neh­men aus den Jah­ren des Rock ein­fach das Bes­te mit.
„Brot­hers“, das sechs­te Werk mit dem super Cover, das nur den Titel trägt: „This is an album by The Black Keys. The name of the album is Brot­hers.“, ist viel­leicht das smoot­hes­te bis jetzt. Dan Auer­bach und Patrick Car­ney lie­fern ab.
Sie haben den dre­cki­gen Sound ihrer Vor­gän­ger­al­ben mit ein wenig fun­ky Smooth gekop­pelt, „Sinis­ter Kid“ drischt und macht lust auf Tan­zen bis man nicht mehr kann. Bei „Tigh­ten Up“ haben die bei­den sich Dan­ger Mou­se ins Stu­dio gebeamt und mei­nen unglaub­lich lang­wie­rigs­ten Ohr­wurm erschaf­fen (auch das Video dazu ist nur zu Emp­feh­len).
Oder man beamt sich ein wenig in ein Zeit­kon­ti­nu­um, in dem man die Zeit mal ver­gisst und ein­fach die­se super Plat­te genießt.
High­lights: „Tigh­ten Up“, „Sinis­ter Kid“. (AK)

The Divi­ne Come­dy – Bang Goes The Knight­hood
Ich bin ein wenig in Sor­ge, dass ich schon sehr bald nur noch neue Alben von Bands kau­fen wer­de, die ich sowie­so schon ken­ne und schät­ze, dass ich die­se Alben ein paar Mal hören und dann sagen wer­de: „Ja, schön, aber die hat­ten auch schon bes­se­re …“ Nun ja, wer ein Divi­ne-Come­dy-Album kauft, weiß, was ihn erwar­tet und genau das bekommt er auch: Luf­ti­gen Pop mit eher baro­cker Instru­men­tie­rung, intel­li­gen­te Tex­te und viel bri­ti­schen Stil – also ein biss­chen wie die Pet Shop Boys in ana­log. Neil Han­non macht also unge­fähr da wei­ter, wo er vor vier Jah­ren auf „Vic­to­ry For The Comic Muse“ auf­ge­hört hat (kul­mi­nie­rend im gro­ßen Selbst­zi­tat „The Lost Art Of Con­ver­sa­ti­on“), und das ist ja nicht das Schlech­tes­te. Die rich­tig her­aus­ra­gen­den Songs feh­len bis auf die Sin­gle „At The Indie Dis­co“ ein wenig, dafür ist der Ope­ner „Down In The Street Below“ so laid back wie kaum etwas seit der „Rege­ne­ra­ti­on“.
Anspiel­tipps: „Down In The Street Below“, „At The Indie Dis­co“, „When A Man Cries“, „I Like“. (LH)

Foals – Total Life Fore­ver
Dass ich mal was über Mathe schrei­ben wür­de. Aber die Her­ren Foals aus dem Ver­ei­ni­gen König­reich haben mit ihrer neu­en Plat­te „Total Life Fore­ver“ und ihrem Math-Rock ein­fach mit­ten in mein der­zei­ti­ges Elek­tro-Rock-Herz getrof­fen. Seit zwei Wochen lauf ich jetzt schon mit der Plat­te durch die Stra­ßen und grin­se in mich rein, wenn ich von den Beats im Ohr ange­feu­ert wer­de.
Bei „Spa­nish Saha­ra“ hal­te ich dann inne, weil ich jedes mal sowas von über­rum­pelt wer­de, wenn bei 4:12 ein Sound ein­setzt, der wie Som­mer­re­gen und Wun­der­ker­zen klingt. Jedes­mal bleib ich ste­hen oder schlie­ße die Augen und lass die­ses Lied über mich reg­nen. Das Kon­zept geht auf, wahn­sin­nig geni­al kom­po­nier­te Melo­dien gepaart mit einem super Schlag­zeug und der Stim­me von Sän­ger Yan­nis Phil­ip­pa­kis erzeu­gen ein­fach eine per­fek­te Gän­se­haut.
Es ist die­se Mischung aus futu­ris­ti­scher Welt­an­schau­ung und trotz­dem an alten Din­gen fest­hal­ten. Das Album passt als Gesamt­werk wun­der­bar zusam­men. Die Songs neh­men sich nichts weg, son­dern zei­gen ver­schie­de­nen Per­sepek­ti­ven und wer­fen neu­es Licht auf die Welt. Schö­ne Welt da, bei den Foals.
Anspiel­tipps: „Black Gold“, „Spa­nish Saha­ra“, „Ala­bas­ter“. (AK)

Gis­bert zu Knyphau­sen – Hur­ra! Hur­ra! So nicht
Men­schen kom­men und gehen und die wenigs­ten blei­ben. Die meis­ten gehen wie­der und die aller­we­nigs­ten las­sen etwas zurück. Mit Herrn zu Knyphau­sen war das ähn­lich. Ihn brach­te mir jemand mit, der dann wie­der ging, und er war einer der weni­gen, die gin­gen und etwas da lie­ßen, und so denk ich immer auch ein wenig an ihn, wenn ich Gis­bert höre.
Wenn wir jetzt in die neue Plat­te rein­sprin­gen, dann merkt man, dass Herr Knyphau­sen ein wenig ver­schmit­zer gewor­den ist („Es ist still auf dem Park­platz Krach­gar­ten“). Ähn­lich wie Dami­en Rice, der ein­mal in einem Inter­view sag­te, er wür­de nicht ewig nur trau­ri­ge Lie­der schrei­ben kön­nen, weil er gar nicht so melan­cho­lisch ist. Und so geht es mir mit Gis­berts zwei­tem gro­ßen Album „Hur­ra! Hur­ra! So nicht“. Natür­lich sind die Töne nach­denk­lich und beschrei­ben die­se Gefühls­nost­al­gie und Momen­te, aber es schwingt jetzt auch Opti­mis­mus in den Lie­dern mit. Auch das typi­sche Knyphau­sen-jaja­ja­ja ist dabei und das Talent, die irr­wit­zi­gen Momen­te des Lebens ins Bil­der umzu­bas­teln.
Es ist jetzt nicht mehr nur Gis­bert mit sei­ner Gitar­re, nein, es ist auch ein Schlag­zeug und ein Bass dabei! Und wenn mir auch die alten Lie­der des­halb so gefal­len haben, weil es nur er, die Gitar­re und du waren, so muss ich doch sagen, dass das Arran­ge­ment sehr gut gewor­den ist! Die Lie­der packen an der rich­ti­gen Stel­le, das Schlag­zeug morst die klei­nen musi­ka­li­schen Bot­scha­fen direkt ins Ohr und ins Herz. Die neue Plat­te ist gut, rich­tig gut!
Anspiel­tipps: „Grau Grau Grau“, „Es ist still auf dem Park­platz Krach­gar­ten“, „Krä­ne“. (AK)

The Natio­nal – High Vio­let
Eigent­lich hat­te ich ja bereits Anfang Mai ein paar hun­dert lob­prei­sen­de Absät­ze über die­ses Album geschrie­ben und eigent­lich nicht gedacht, dass da noch etwas hin­zu­zu­fü­gen sein könn­te. An mei­ner per­sön­li­chen Wer­tung, die objek­tiv irgend­wo bei 100 von 5 Ster­nen liegt, weil das halt ein­fach so ist, hat sich auch nichts geän­dert. Viel­leicht ist es aber ganz gut, mei­nen Anfangs­ein­druck nach mitt­ler­wei­le fast mehr­mo­na­ti­gem Hören und auch mal Nicht­hö­ren auf den neu­es­ten Stand zu brin­gen: Ent­ge­gen aller mei­ner Erwar­tun­gen über­sprin­ge ich den unty­pi­schen Ope­ner „Ter­ri­ble Love“ immer noch nicht, wenn ich das Album höre. Was für ein Knal­ler, mit einer Demo-Auf­nah­me anzu­fan­gen, wenn man sei­ne fünf­te LP ver­öf­fent­licht. In der Süd­deut­schen Zei­tung stand über „High Vio­let“: Kon­sens­rock. Mit schlech­ter Note. Ich mag mich irren, aber ist etwas von vorn­her­ein als lang­wei­lig zu ver­ur­tei­len, wenn jeder es irgend­wie hören kann, ohne sich über­ge­ben zu müs­sen? Oder weil die Gitar­ren einem nicht das Gehör zer­sä­gen, son­dern man sie sozu­sa­gen erst­mal suchen muss? Wei­ter möch­te ich mich gar nicht auf­re­gen. Super Sache, das Album! (MS)

The New Por­no­graph­ers – Tog­e­ther
Ein­mal Kana­di­er sein! Man stellt sich auf die Stra­ße vor die eige­ne Haus­tür, hebt kaum merk­lich für ein bis zwei Sekun­den die Hand, sagt etwas wie „Ich habe eine Gitar­re da drin, möch­te von euch viel­leicht irgend­wer mit­spie­len?“ und schwupps, hat man ein Orches­ter in der Hüt­te. Kei­ne Beschwer­den bit­te, die­se Vor­stel­lung bestä­tigt sich qua­si allei­ne, also ohne Stütz­rä­der, sozu­sa­gen von selbst, unge­fragt, wenn Sie mögen, wenn man sich nur mal Bro­ken Social Sce­ne anschaut und den Baum von Quer­ver­wei­sen, Zita­ten, Mit­glie­der­wech­seln, Aus­hilfs­gi­tar­ris­ten, Sän­ge­rin­nen und Sän­gern und so wei­ter ver­sucht nach­zu­voll­zie­hen, ohne dabei zumin­dest einen Notiz­block zu haben. Ein kaum über­wind­ba­rer Arbeits­berg. Zurück zum The­ma. The New Por­no­graph­ers bestehen, lässt man die halt­lo­se Anschul­di­gung, es han­de­le sich dabei um Sän­ger Carl New­man mit Gäs­ten, aus drei haupt­säch­lich mit Song­wri­ting und Sin­gen beschäf­tig­ten Men­schen, von denen A.C., oder Carl, New­man nur einer ist, und einer Rei­he wei­te­rer Musi­ker. Die übri­gen bei­den Song­schrei­ber der Band sind Neko Case, die vor nicht all­zu­lan­ger Zeit mit dem Solo­al­bum „Midd­le Cyclo­ne“ ein ganz schön tol­les Ding abge­lie­fert hat, und Dani­el Bejar, dem ein­zi­gen fes­ten Mit­glied der auch gar nicht so mar­gi­nal bekann­ten Band Des­troy­er. Hät­te ich das Bedürf­nis, geohr­feigt zu wer­den, wür­de ich für die New Por­no­graph­ers also ein Wort benut­zen, das mit S anfängt und mit uper­group auf­hört, aber ich bin ja nicht von allen guten Geis­tern ver­las­sen. Was soll die­se gan­ze Ein­lei­tung? Man erwar­tet von einer Band mit solch einem Kalei­do­skop der Eigen­köp­fig­keit und Solo­plat­ten­er­fah­rung mög­li­cher­wei­se eine ver­kopf­te, anstren­gen­de, über­kan­di­del­te Ver­öf­fent­li­chung nach der ande­ren. Das Bemer­kens­wer­te ist, dass „Tog­e­ther“ weni­ger eitel nicht sein könn­te. Es klingt, als wäre Carl New­man damals nicht nur ein­fach auf die Stra­ße gelau­fen, um Leu­te zu suchen, die mit ihm musi­zie­ren wol­len, son­dern hät­te in der Fra­ge auch ganz ein­deu­tig noch die For­mu­lie­rung „Bit­te bringt eine Tüte gute Lau­ne pro Per­son mit!“ benutzt. Ein hoch­gra­dig erhei­tern­des und schö­nes Album ist das hier. Wenn hier über­haupt ein Kon­zept durch­ge­zo­gen wer­den soll­te, dann ver­mut­lich ein­fach das, einen Rie­sen­spaß zu haben. Hat man die Band ein­mal live gese­hen, ver­dich­tet sich die­ser Ein­druck zusätz­lich, was lei­der manch­mal zu einem Hauch Schü­ler­band­ge­fühl führt. Muss ja aber auch nichts Schlim­mes sein.
Anspiel­tipps: „Val­ky­rie In The Rol­ler Dis­co“, „Crash Years“, „We End Up Tog­e­ther“. (MS)

Mit­ar­beit an die­ser Aus­ga­be:
AK: Anni­ka Krü­ger
LH: Lukas Hein­ser
MS: Mar­kus Steidl

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Musik

Melodien für Vuvuzelen

Falls Ihnen beim Deutsch­land-Spiel aus dem einen oder ande­ren Grund lang­wei­lig wird:

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Musik

Babies Of The 80’s

Am Abend des 24. März 2009 tra­ten in Ham­burg Franz Fer­di­nand und Man­do Diao auf und damit gegen­ein­an­der an.

Einen der­art Ziel­grup­pen­zer­fet­zen­den Abend hat Köln am 15. Juni 2010 nicht ganz erlebt – aber es war ver­dammt nah dran: Wäh­rend im Luxor die wie­der­ver­ein­ten Get Up Kids auf­spiel­ten, leg­ten The Hold Ste­ady im Gebäu­de 9 los.

Bei bei­den Kon­zer­ten gleich­zei­tig war ver­mut­lich nie­mand, aber dies hier wäre nicht das Dienst­leis­tungs­blog Cof­fee And TV, wenn wir dafür nicht eine Lösung gefun­den hät­ten:

Kon­zert­be­richt The Get Up Kids
Kon­zert­be­richt The Hold Ste­ady

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Digital Musik

Word Gets Around

2010 scheint sich uner­freu­li­cher­wei­se als Jahr des gro­ßen Musi­ker­ster­bens in die Geschichts­bü­cher bren­nen zu wol­len: Stuart Cable, der frü­he­re Schlag­zeu­ger der Ste­reo­pho­nics, ist tot.

Wie mitt­ler­wei­le eigent­lich üblich, erreich­te mich die trau­ri­ge Nach­richt per Face­book.

Ich hät­te es aber auch zufäl­lig auf der Start­sei­te von – hold your breathBild.de erfah­ren kön­nen:

Stereophonics:
Ex-Drummer Stuart Cable ist tot

Nicht erfah­ren hät­te ich es hin­ge­gen (Stand 14.55 Uhr) auf den „News“-Seiten der Musik­zeit­schrif­ten „Visi­ons“, „Musik­ex­press“ und „Rol­ling Stone“. Aber was hät­te ich auch da gewollt?

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Before

Um mei­ne ohne­hin schon vor­herr­schen­de Som­mer­stim­mung noch etwas zu befeu­ern, habe ich gera­de „Bilin­gu­al“ von den Pet Shop Boys auf­ge­legt, eine sehr gute Som­mer­plat­te aus dem Jahr 1996.

Das Alter merkt man der Musik – wie bei den Pet Shop Boys üblich – kaum an, aber ein­zel­ne Text­zei­len aus „Sin­gle“ schei­nen einem ande­ren Zeit­al­ter zu ent­stam­men:

Arri­ving at my hotel the­re are faxes gree­ting me

Als Bonus gibt es noch die ein­zi­ge mir bekann­te Erwäh­nung „mei­ner“ Bun­des­haupt­stadt in einem Pop­song:

In Brussels, Bonn and Bar­ce­lo­na

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Endlich: Das große Comeback!

Hier in Oslo erhal­te ich täg­lich neue Ein­bli­cke ins TV- und Musik­ge­schäft. Eine beson­de­re Erkennt­nis ver­dan­ke ich aller­dings einer Mel­dung aus der Hei­mat:

Nach einer lan­gen Pau­se mel­den sich die Kili­ans zurück.

preist das Label den Arbeits­be­ginn am drit­ten Album an.

Eine „lan­ge Pau­se“ ent­spricht im schnell­le­bi­gen Musik­biz von heu­te also wahl­wei­se vier­zehn oder gleich vier­ein­halb Mona­ten.

Wie Ver­ti­go FM das ange­deu­te­te neue Album von Public Image Ltd. ankün­di­gen wür­de, mag man sich ange­sichts einer 18-jäh­ri­gen Pau­se kaum aus­ma­len.

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Gesammelte Platten April 2010

This ent­ry is part 4 of 8 in the series Gesam­mel­te Plat­ten

Blunt Mecha­nic – World Record
Man soll ja Plat­ten nicht nur auf­grund ihrer Cover beur­tei­len, aber: Gott, ist das nied­lich! Ähem … Das ist also das Ein-Mann-Pro­jekt von Ben Bar­nett, der neue US-Import auf Grand Hotel van Cleef. Wobei es schon ein biss­chen über­ra­schend ist, dass das Album von 2009 ist – vom Sound her könn­te es auch bereits 15 Jah­re alt sein und der Hoch­zeit von Pave­ment, Lemon­heads, Weezer und They Might Be Giants ent­stam­men. Unauf­ge­reg­ter ame­ri­ka­ni­scher Indie­rock eben. Alles schep­pert und rauscht ein biss­chen, aber genau die­ses etwas Schrä­ge macht das Album so sym­pa­thisch. (LH, Rezen­si­ons­exem­plar)

Bro­ken Social Sce­ne – For­gi­ve­ness Rock Record
Wie erklärt man das jetzt? Die­se Band war da, als mir etwas abhan­den kam. Wie beschreibt man jetzt die­ses Musi­ker­kol­lek­tiv aus Kana­da, das Feist, Emi­ly Hai­nes und Wahn­sinn­s­al­ben und Sound­tracks her­vor­ge­bracht hat?
Und was sagt man dann über die­ses neue Album „For­gi­ve­ness Rock Record“?
Ein Ver­such. Man ist ja vie­les gewöhnt bei den Bro­ken Social Sce­n­es­ters, es gibt da Alben von Ihnen, die rein Instru­men­tal sind und einen weg­bla­sen, dann kom­men Alben, bei denen die Lyrics allei­ne einen umhau­en, und dann fängt die neue Plat­te mit „World Sick“ an und dann passiert’s: Alles fließt zusam­men – Melo­die, Text, Arran­ge­ment und Gesang und man ist mit­ten­drin, in der Bro­ken Social Sce­ne, die bei die­sem Album alle ihre Sub­kul­tu­ren zum bes­ten ver­schmol­zen haben. Sieb­zi­ger­jah­re-Tau­mel­rock und Waber­syn­thie­or­gel­parts, Strei­cher und Key­boards – fast jeder Song ist eine klei­ne Hym­ne für sich allein. Und wer hät­te nach „You For­get It In Peo­p­le“ gedacht, dass die Bro­ken Social Sce­ne nicht in ihre Ein­zel­tei­le zer­springt, son­dern im Kol­lek­tiv so ein Album raus­bringt?
Jeden­falls bin ich mir sicher, dass die­ses mal bei die­sem Alben auch eini­ge noch nicht gewuss­te Lücken ihre Bro­ken-Socia- Sce­ne-Fül­lung erhal­ten.
High­lights: Kann ich jeden Song hier hin schrei­ben? Wenn ich dann doch aus­wäh­len muss: World Sick, Art House Direc­tor und Me In The Base­ment. (AK)

Jakob Dylan – Women And Coun­try
Offi­zi­ell lie­gen die Wall­flowers nur auf Eis, aber so rich­tig wür­de es mich nicht stö­ren, wenn Jakob Dylan sei­ne Haupt­band nicht mehr wie­der­auf­er­ste­hen lie­ße – die hat­ten zwar die Hits und die grö­ße­ren Pop­songs, aber seit Dylan solo unter­wegs ist, hat er noch ein­mal einen gro­ßen Sprung als Musi­ker gemacht. Nach der völ­lig redu­zier­ten Rick-Rubin-Pro­duk­ti­on auf „See­ing Things“ sorgt dies­mal T‑Bone Bur­nett für einen vol­le­ren Süd­staa­ten­sound. Neko Case und Kel­ly Hogan sind als Back­ground-Sän­ge­rin mit dabei und ver­lei­hen den düs­ter vor sich hin­stap­fen­den Songs damit noch eine ganz eige­ne Note. In den Tex­ten geht es um apo­ka­lyp­ti­sche Bil­der und Fins­ter­nis, aber drun­ter macht es Jakob Dylan ja seit Jah­ren schon nicht mehr. Man kann die­ses Album kaum hören, ohne vor dem geis­ti­gen Auge die Step­pen­läu­fer in der Abend­son­ne im Staub tan­zen zu sehen. In sei­ner ver­meint­lich stoi­schen Ruhe liegt eine unge­heu­re Kraft, die einen fest­hält und run­ter­zieht – nur damit die Musik einen im nächs­ten Moment sanft über die Din­ge hebt. Groß­ar­ti­ge Auf­trit­te von Dylan und sei­ner Begleit­band auch bei NPR und Day­trot­ter. (LH, Rezen­si­ons­exem­plar)

The Hold Ste­ady – Hea­ven Is When­ever
Jah­re­lang waren The Hold Ste­ady an mir vor­bei­ge­rauscht, dann tra­fen sich mich mit „Stay Posi­ti­ve“ mit vol­ler Wucht und ich muss­te alle Alben haben. Jetzt also der ers­te Album­re­lease als Fan und die­se ganz beson­de­re Mischung aus Vor­freu­de und Angst vor Ent­täu­schung – zumal Key­boar­der Franz Nico­lay die Band ja gera­de erst ver­las­sen hat­te. Der Ope­ner „The Sweet Part Of The City“ beginnt schlep­pend und mit slide gui­tars und lässt mich etwas rat­los zurück. Aber dann: „Soft In The Cen­ter“ mit einem Refrain, der gleich­zei­tig die Arme aus­brei­tet und um einen schlingt (ver­su­chen Sie das mal als Mensch!); „The Weeken­ders“ mit ganz vie­len „Woooo-hoooo“-Chören und U2-mäßi­gen Stro­phen; in der ers­ten Sin­gle „Hur­ri­ca­ne J“ klafft die Sche­re zwi­schen eupho­ri­scher Musik und resi­gnier­tem Text – das Album läuft und es läuft rund. Die Lyrics sind wie­der vol­ler Par­ty-Beschrei­bun­gen und Selbst­zi­ta­te (und eini­ger wun­der­schön wind­schie­fer Lie­bes­er­klä­run­gen), die Musik vol­ler Ener­gie. „Hea­ven Is When­ever“ braucht ein paar Anläu­fe und es ist sicher nicht das bes­te Hold-Ste­ady-Album (das ist „Boys And Girls In Ame­ri­ca“), aber es gibt kei­nen Grund zur Ent­täu­schung. (LH)

Sophie Hun­ger – 1983
Ein wil­des Kind. Eine wider­spens­ti­ge Frau. Feuil­le­ton­lieb­ling und eine der­je­ni­gen, die man auch wirk­lich als „Künst­le­rin“ bezei­chenen kann. Über­all auf der Welt auf­ge­wach­sen, Enke­lin von Schwei­zer Urvä­tern, eigent­lich nicht kate­go­ri­sier­bar. Am aller­wich­tis­ten aber ist, dass sie eine wahn­sin­nig begab­te Musi­ke­rin ist. Irgend­wo zwi­schen Jazz, Folk­lo­re, Pop. Uni­ver­sal­ta­lent. Uni­ver­sal­mu­sik.
Wer Inter­views mit ihr sieht, sieht einen sehr eigen­wil­li­gen Men­schen. Sophie Hun­ger ist sehr grad­li­nig, was ihre Aus­sa­gen betrifft, was man bei ihr eigent­lich eher nicht erwar­tet. Sie ist schwer greif­bar. Fra­gen in Inter­views wer­den seziert und auf den Punkt gebracht. Die Tex­te sind Mosai­ke oder eher Emo­tio­nen die man dann beim Hören spürt. Und man ver­gisst manch­mal bei all der Ernst­haf­tig­keit, wie viel Spaß ihr die Musik bringt. Viel­leicht ist das ihr Über­ra­schungs­mo­ment.
Das zwei­te Album „1983“ ist ein Wech­sel­bad der Hör­ge­füh­le. Heiß, kalt, laut und lei­se. Aber immer mit­ten ins Herz oder ins Ohr. Ihr wisst schon, das Organ, das Musik als ers­tes fühlt. Schon ihr Debüt­al­bum „Mon­day Ghost“ war ver­zau­bernd. Zumin­dest bin ich dem Zau­ber der Sophie Hun­ger erle­gen gewe­sen und bin es immer noch.
Viel­leicht passt Zau­ber sehr gut zu die­sem Album. Ein wenig exzen­trisch, ein wenig eigen­wil­lig aber eben Sophie Hun­ger pur.
High­lights: „Lea­ve Me With The Mon­keys“, „Your Per­so­nal Reli­gi­on“ und „Invin­ci­b­le“: „Some­whe­re in the Hin­du­kush /​ Lives the grea­test poet /​ Scribb­ling sings into the dust /​ And we will never know it“. (AK)

Jón­si – Go
Noch so ein Band­lea­der mit Solo­al­bum: Wäh­rend Sigur Rós ger­ne mal etwas län­ger brau­chen, nutzt deren Sän­ger die aktu­el­le Krea­tiv- und Baby­pau­se, um ein Album nach dem ande­ren raus­zu­hau­en. Letz­tes Jahr das Pro­jekt „Rice­boy Sleeps“, jetzt also ein offi­zi­el­les Solo­al­bum. Schon wegen Jón Þór Bir­gis­sons cha­rak­te­ris­ti­scher Stim­me erin­nert das natür­lich immer wie­der an die Haupt­band, aber dann klingt es doch wie­der ganz anders. Songs wie „Ani­mal Arith­me­tic“ oder „Boy Lili­koi“ sind zu Musik geron­ne­ne Eupho­rie, aber auch Melan­cho­li­ker bekom­men genug Stoff. Der Span­nungs­bo­gen fällt nach den … äh: Par­ty­songs (auf sol­che Par­ties wür­de ich wirk­lich, wirk­lich ger­ne mal ein­ge­la­den wer­den) am Anfang kon­ti­nu­ier­lich ab, bis man am Ende bei „Hen­gilás“ die Ster­ne auf­ge­hen sieht. Ach ja: Das Wort „Schwe­re­lo­sig­keit“ soll­te auch noch in die­ser Rezen­si­on ste­hen. Tut’s ja jetzt. Toll! (LH)

The Radio Dept. – Clinging To A Sche­me
Wir befin­den uns in einem Land, in dem die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung im Süden des Lan­des lebt, Inte­gra­ti­on eigent­lich Stan­dard ist und seit Jah­ren Musik in die Welt kata­pul­tiert, das man allein beim Wort­as­so­zia­ti­ons­spiel jedes Stadt-Land-Fluss-Spiel gewin­nen könn­te. Hier Euer 10-Punk­te-Bonus für R – The Radio Dept.
Die Her­ren Radio Dept. kom­men aus Lund, bestehen aus drei Mit­glie­dern, haben seit Grün­dung 1995 ihre Beset­zung ein paar mal gewech­selt und schwim­men zwi­schen Dream Pop, Show­ga­ze und dem Indie­o­zan hin und her. Ich kann­te die Her­ren nicht, bin durch glück­li­chen Recher­che­zu­fall drü­ber gestol­pert und beim Hören hän­gen geblie­ben.
Eigen­wil­lig ist ja immer gut. Eigen­wil­lig­keit über­schrei­tet Gen­re­gren­zen. The Radio Dept. haben auf ihrem drit­ten Album für mich als Erst­hör­ling alles rich­tig gemacht. Schlaue Melo­dien, ein wenig schwe­di­sche Melan­cho­lie und Talent für Kom­po­si­ti­on. An den rich­ti­gen Ecken bleibt man hän­gen und auch sonst haben sie ihr Ziel für mei­nen Geheim­tipp erreicht.
High­lights in no par­ti­cu­lar order: „You Stop­ped Making Sen­se“, „Never Fol­low Suit“ und „Heaven’s On Fire“. (AK)

Mit­ar­beit an die­ser Aus­ga­be:
AK: Anni­ka Krü­ger
LH: Lukas Hein­ser