Ich wollte was schreiben.
The Rumours have it
Vor vier Jahren sagte ich zum „Visions“-Redakteur Oliver Uschmann: „In fünf Jahren bringt Ihr eine Titelstory über die Musikszene in Dinslaken.“ Wie auch bei anderen Prognosen kann ich im Nachhinein nicht sagen, ob ich das eigentlich ernst gemeint habe, oder mich von einer Mischung aus Optimismus und Größenwahn leiten ließ. Aber: Das könnte hinkommen.
Die nächste Rasselbande, die sich anschickt, Dinslakens Ruf vom deutschen Omaha (oder wenigstens: vom deutschen Borlänge) in die Welt zu tragen, sind The Rumours. Rezensenten schreiben gern, die Musiker sähen aus und klängen, als kämen sie aus England oder den USA, aber das ist natürlich Quatsch. Inzwischen sollte klar sein, dass sie aussehen und klingen wie junge Menschen aus Dinslaken eben so aussehen und klingen. Außerdem benehmen sie sich natürlich auch so, aber das würde jetzt zu privat.
Als ich die vier jungen Herren vor dreieinhalb Jahren zum ersten Mal live gesehen habe, haben sie mir anschließend auf einem Bierdeckel ihre Seelen verkauft. Wie allgemein üblich habe ich auch dieses Dokument verschlampt, was aber auch ganz gut ist, da mir der „Business“-Teil von „Musikbusiness“ nach wie vor Angst macht. Da reicht es mir, sagen zu können, dass Schlagzeuger Samuel Sanders früher in meiner Band Occident getrommelt hat.
Im Juni erschien jetzt das Debütalbum „From The Corner Into Your Ear“, das nicht schlecht, aber leider auch ein bisschen langweilig geworden ist. Nach dem furiosen Opener, der Single „Like A Cat On A Hot Tin Roof“, fällt das Album ab, was nicht unbedingt an den Songs liegt, sondern eher an der doch etwas biederen Produktion.
Live ansehen sollte man sich The Rumours aber auf alle Fälle – zum Beispiel am morgigen Samstag, wenn die kleinen Strolche, die jungen Hüpfer, die wilden Fohlen beim Bochum Total aufspielen. Für umme!
The Rumours
Samstag, 17. Juli 2010
17 Uhr
Eins-Live-Bühne (Ecke Ring/Viktoriastr.), Bochum
Was eine „Todesgruppe“ bei Fußballturnieren ist, weiß ich ja. Aber das hier?

Eingesandt von Olaf.
Schuhe verkaufen
Okay, es ist Werbung. Aber es ist Werbung für ein Produkt, das das inflationär gebraucht „Kult“-Label mehr als verdient hat: Converse-Schuhe sind Teil unserer Popkultur und sie sind cool. Und dann kriegen sie auch noch einen exklusiven, kostenlos herunterladbaren Werbesong von Kid Cudi (der offenbar nichts falsch machen kann), Bethany Cosentino (Best Coast) und Rostam Batmanglij (Vampire Weekend):
Das Einzige, was mich an dem Video irritiert: Die auffallenden Parallelen zum Musikvideo des diesjährigen Grand-Prix-Beitrags aus Estland:
[via Bambi]
Eine Liebe zur Musik
Es ist eines der schönsten YouTube-Videos, in dem keine Tierbabies vorkommen, und eines der wenigen deutschen Meme: Der DJ der guten Laune.
Ich kann mir das Video immer wieder ansehen, weil es auf wundervolle Weise abbildet, was es bedeutet, Musik zu lieben. Außerdem läuft Kid Cudi. Inzwischen hat selbst Bild.de das Video geklaut gefeatured und berichtet von dem sympathischen Wuschelkopf, der Interviews aber ablehne.
Wobei das nicht so ganz stimmt: YouTube-User grafandraget, der den Clip vor einem Monat online gestellt und den DJ damit weltberühmt gemacht hatte, hat den namenlosen Mann in seinem Garten besucht und sich ein bisschen was über Musik und Tanz erzählen lassen:
That’s When I Reach For My Revolver
Auf der einen Seite: Liberalismus. Die Idee, dass jede Band, deren Musik auch nur einer einzigen Person etwas bedeutet, ihre Existenzberechtigung hat. Die Erinnerung, dass selbst die „Punkband“, in der ich vor zehn Jahren in Dinslaken Schlagzeug gespielt habe, Fans hatte – und wenn es nur dicke Kinder aus dem Nachbardorf waren.
Auf der anderen Seite: Revolverheld. Eine Band, die für mich alles verkörpert, was in der Musikindustrie falsch gelaufen ist. Ein Synonym für spießiges Rockbeamtentum, für Musik, die von Leuten gehört wird, die sich nicht für Musik interessieren.
Was macht man also, wenn man einen Rucksack voller Vorurteile spazieren trägt? Man lässt sie sich eins zu eins im Real Life bestätigen. Zum Start der U20-Frauen-Fußball-WM, die zu einem erheblichen Teil im Bochumer Ruhrstadion stattfindet, spielten die Hamburger Chartstürmer ein kostenloses Konzert in der Bochumer Innenstadt – was die Regenerationszeit für Anwohner und Gastronomen zwischen dem Finale der Herren-Fußball-WM und dem Bochum Total (ab Donnerstag) auf ein absolutes Minimum reduziert. Der Konzertort in Wurfweite meiner Wohnung hatte den Vorteil, in direkter Nachbarschaft meiner Stammkneipe zu liegen, so dass ich nach einem kurzen Gang durch das Publikum (keine Menschen mit Hörnern oder Ziegenfüßen gesehen) den Auftritt aus sicherer Entfernung und in bester Gesellschaft verfolgen konnte.
Aber so sehr ich mich auch um Unvoreingenommenheit bemühte: Schon während der ersten zwei Songs hatte Sänger Johannes Strate das ganze Anbiederungs-Arsenal von „Bochum, seid Ihr da?“ und „Ich will Eure Hände sehen!“ abgefeuert, auf das er im Verlauf des Abends aber gerne noch mal zurückgriff. Und das bei Liedern, deren Egalheit munter zwischen Spätneunziger-Dreistreifenmetal und deutschem Schlager oszilliert.
Aus der Ferne war die Demarkationslinie zwischen echten Fans (die – um das noch mal zu betonen – um Himmels Willen ihren Spaß an derlei Musik haben sollen) und Mitnahmementalisten gut zu erkennen: Da, wo die Arme nicht mehr wie beim Banküberfall dauerhaft erhoben waren und im Takt wogten, da begannen die, die sich das einfach nur mal anschauen wollten. Vorne wurde mitgesungen („Und jetzt alle!“) und es kam zum Einsatz von Seifenblasenflüssigkeit.
Es war schlimm. Ungefähr nach einer halben Stunde hätte ich mir eine Lesung vogonischer Dichtkunst herbeigewünscht – oder alternativ irgendjemandes Hände, deren Fingernägel ich auch noch hätte abnagen können. Revolverheld sind eine Band, die mit ihrer naiv-dumpfen Pennälerlyrik und ihrer musikalischen Simplizität selbst Silbermond progressiv erscheinen lassen. Der Umstand, dass sich solche Musik besser verkauft als die von Tomte oder kettcar, könnte dem deutschen Volk dereinst vor irgendeinem internationalen Gerichtshof noch zum Nachteil gereichen. Und dann kamen die ganzen Hits (also der Kram, dem man im Radio nicht ausweichen kann) auch noch geballt zum Schluss.
Als die Band dann auch noch „Was geht“ anstimmten, eine Tribute-Album-erprobte Reminiszenz an die Fantastischen Vier (die ja selbst auf dem besten Weg Richtung Revolverheld sind), war bei uns am Tisch alles vorbei: Hektisch wurde in Mobiltelefonen und Taschenkalendern überprüft, ob wir tatsächlich das Jahr 2010 schrieben. Erinnerungen an Bands wie Such A Surge wurden geweckt wie schlafende Hunde. Dann irgendwann endlich „Freunde bleiben“ und Abgang. Hat man das auch mal erlebt.
Am Sonntag ist es endlich soweit: Die A 40 wird zwischen Duisburg und Dortmund gesperrt, um darauf einen riesigen Tisch zu errichten und ein Volksfest zu feiern. Die Idee kann man charmant finden oder bekloppt, aber es wird hoffentlich tolle Bilder geben, die mithelfen, das Image des Ruhrgebiets zu verbessern.
Der Westdeutsche Rundfunk bringt deshalb mehrere Sondersendungen, die er in mehreren Pressemitteilungen vollmundig ankündigt:
Kein Stau, kein Stress, keine Autos – am 18. Juli geht auf der Autobahn A40 alles. Die RUHR 2010 sperrt den so genannten Pott-Highway.
Den was?!
den so genannten Pott-Highway.
Ach was. Und wer nennt den so?
Der Westdeutsche Rundfunk – und zwar offensichtlich nur der Westdeutsche Rundfunk.
Aua.
Nach der desaströsen letzten Saison und dem Abstieg aus der 1. Bundesliga muss sich einiges ändern beim VfL Bochum. Deshalb kam es zur Gründung der Initiative „Wir sind VfL“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, „die bestehenden Vereinsstrukturen und die sportliche Zukunft des VfL Bochum nicht nur kritisch zu hinterfragen, sondern konstruktiv und offensiv mitzugestalten“.
Zur Unterstützung und Untermalung dieser Aktion hat mein Kumpel Tommy Finke ein Lied über den VfL aufgenommen:
„Wir sind VfL (Jetzt erst recht!)“ kann man sich auf Tommys Website kostenlos herunterladen.
Nach „Das hier ist Fußball“ von Thees Uhlmann über den FC St. Pauli fehlt mir jetzt eigentlich nur noch ein Borussia-Mönchengladbach-Song von Simon den Hartog in meiner Sammlung.
In Sachen Facebook
Bob Dylan hat viele entscheidende Fragen gestellt: Wie viele Straßen muss ein Mann entlanggehen, bis man ihn einen Mann heißen darf? Wie viele Meere muss eine weiße Taube überfliegen, bevor sie im Sand schläft? Wie lang kann ein Berg existieren, bis er ins Meer erodiert ist? Und auch, wenn die Antwort eh irgendwo im Wind weht, fehlt eine entscheidende Frage (die 1963 freilich schwer progressiv bis völlig unverständlich gewesen wäre): Wie oft muss man eine Freundschaftsanfrage bei Facebook ablehnen, bevor der Anfragende endlich versteht?
Facebook ist vermutlich jetzt schon das wichtigste Ding seit Erfindung des World Wide Web. Es ersetzt das eigene Telefonbuch (oder übernimmt es einfach), ist Kontaktverzeichnis und ‑börse zugleich, darüber hinaus Raucherecke, Spielplatz, Veranstaltungskalender und was nicht noch alles. Außerdem hat es eine besorgniserregende Macht und – wie jedes ordentliche Computerunternehmen – einen nicht weniger besorgniserregenden Chef. (David Fincher hat gerade einen Film über Mark Zuckerberg gedreht – das macht er sonst nur bei Serienmördern, Psychopathen und Menschen, die immer jünger werden.)
Nichtsdestotrotz ist Facebook auch ein wichtiger Bestandteil meines Leben, wobei man nie vergessen darf, dass es nicht das Leben ist (zur Unterscheidung: Facebook ist das, wo man sich ein paar Stunden Zeit lassen kann, um schlagfertig zu sein). Und während manche Leute das alte MySpace-Prinzip (für die Jüngeren: MySpace war 2006 halb so wichtig wie Facebook heute) weiterverfolgen, das eigentlich ein Panini- oder Pokemon-Prinzip ist und „Krieg‘ sie alle!“ lautet, dürften die Meisten Facebook doch eher als die Summe aller bisher angehäuften Freundeskreise nutzen, angereichert um einige lose Bekannte und Verwandte und um Leute, die einem noch mal wichtig sein könnten.
Ich achte ziemlich genau darauf, wen ich bei Facebook als „Freund“ hinzufüge, und auch wenn ich mich wohl von meinem Plan verabschieden muss, nie mehr als 222 Kontakte zu haben, ist es doch ein einigermaßen elitärer Haufen. Alle paar Monate gehe ich mit der Heckenschere durch meine Kontaktliste und entrümpel sie von Karteileichen und Leuten, die schlichtweg – Verzeihung! – nerven. Ich halte es nur für höflich, bei Freundschaftsanfragen, die nicht völlig offensichtlich sind („Luke, ich bin Dein Vater!“), kurz hinzuzufügen, woher man sich kennen könnte bzw. sollte. Menschen, die mit einem ähnlich selektiven Namens- und Gesichtsgedächtnis geschlagen sind wie ich, freuen sich über derlei Hinweise. Andererseits gilt es auch zu akzeptieren, wenn eine Freundschaftsanfrage ignoriert oder abschlägig beschieden wird – womit wir wieder bei Bob Dylan wären. Selbst die Funktion „I don’t even know this person“ scheint nicht zu verhindern, Minuten später schon wieder von den gleichen Massenbefreundern angefragt zu werden, deren Verhältnis zu einem selbst sich auch nach minutenlangem Googeln nicht erschließt.
Und dann ist da noch etwas: What happens in Facebook stays in Facebook.
Menschen, die via Twitter eine nicht näher definierte Zielgruppe über Abendplanung, Arbeitgeber und Unterleibsbeschwerden informieren, mögen es unverständlich finden, aber bei Facebook spreche ich zu einem klar umrissenen Publikum – für uneingeschränkt öffentliche Verlautbarungen habe ich ja immer noch dieses Blog. In meinem Facebook-Account wird sich nichts finden, was streng privat oder gar intim ist, aber es handelt sich dabei dennoch um classified information. Das ist ein Vertrauensvorschuss an meine Facebook-Kontakte und wer mein Vertrauen missbraucht, wird hart bestraft. (Na ja: So hart, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Ich hab ja auch keine Lust, mich vor dem UNO-Tribunal zu verantworten.)
Gab’s sonst noch was? Ach ja: Bitte denken Sie ein paar Sekunden nach, bevor Sie mich zu irgendwelchen Veranstaltungen oder in irgendwelche Gruppen einladen wollen.
PS: Die Deutschlandfähnchen auf den Benutzerbildern könnten dann auch mal langsam weg. Es ist vorbei!
Erinnern data-epi-spacing Sie data-epi-spacing sich data-epi-spacing noch data-epi-spacing an data-epi-spacing den data-epi-spacing schrecklichen data-epi-spacing dänischen data-epi-spacing Beitrag data-epi-spacing beim data-epi-spacing Eurovision data-epi-spacing Song data-epi-spacing Contest data-epi-spacing in data-epi-spacing Oslo?
Herr data-epi-spacing Niggemeier data-epi-spacing und data-epi-spacing ich data-epi-spacing haben data-epi-spacing – data-epi-spacing während data-epi-spacing wir data-epi-spacing versuchten, data-epi-spacing uns data-epi-spacing diesen data-epi-spacing Ohrwurm data-epi-spacing gegenseitig data-epi-spacing aus data-epi-spacing dem data-epi-spacing Kopf data-epi-spacing zu data-epi-spacing prügeln data-epi-spacing – data-epi-spacing lange data-epi-spacing darüber data-epi-spacing nachgedacht, data-epi-spacing woran data-epi-spacing uns data-epi-spacing dieser data-epi-spacing Song data-epi-spacing alles data-epi-spacing erinnert. data-epi-spacing „Every data-epi-spacing Breath data-epi-spacing You data-epi-spacing Take“ data-epi-spacing (oder, data-epi-spacing für data-epi-spacing die data-epi-spacing Jüngeren: data-epi-spacing „I’ll data-epi-spacing Be data-epi-spacing Missing data-epi-spacing You“) data-epi-spacing war data-epi-spacing natürlich data-epi-spacing dabei, data-epi-spacing mit data-epi-spacing ein data-epi-spacing bisschen data-epi-spacing fremder data-epi-spacing Hilfe data-epi-spacing kamen data-epi-spacing wir data-epi-spacing auch data-epi-spacing auf data-epi-spacing „The data-epi-spacing Best“ data-epi-spacing von data-epi-spacing Tina data-epi-spacing Turner data-epi-spacing und data-epi-spacing einen data-epi-spacing Hauch data-epi-spacing von data-epi-spacing „Dancing data-epi-spacing Queen“ data-epi-spacing kann data-epi-spacing man data-epi-spacing im data-epi-spacing Refrain data-epi-spacing auch data-epi-spacing erkennen.
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Stadtteilpoeten
Wenn Wolfgang Niedecken der Dylan der Südstadt ist, ist Simon den Hartog dann der Adam Green von Ehrenfeld? (Und – was viel wichtiger ist – wird er mich für diesen Vergleich schlagen, wenn wir uns das nächste Mal sehen?)


