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Listenpanik 04/​08

Nächs­te Woche ist ja fast schon wie­der Juni, da soll­te ich so lang­sam aber sicher doch mal alle Ver­öf­fent­li­chun­gen des Monats April durch­ge­hört und geord­net haben. Habe ich natür­lich nicht, wes­we­gen ich die Lis­te tra­di­tio­nell bereits in fünf Minu­ten wie­der umwer­fen wer­de. Aber dann steht sie ja schon hier:

Alben
1. Sir Simon – Batt­le
Man muss sich das immer wie­der erstaunt vor Augen hal­ten: die­ses Album ist wirk­lich in Deutsch­land ent­stan­den, nicht irgend­wo in den brei­ten Prä­rien der USA. „Batt­le“ ist ein ganz wun­der­ba­res Folk­pop-Album, das abwech­selnd an Ryan Adams, Wil­co, Mari­ti­me und die Wea­k­erthans erin­nert. Defi­ni­tiv mein mit-dem-Zug-durch-die-Pro­vinz-juckel-Album des Jah­res.

2. kett­car – Sylt
Vor­her war ich eini­ger­ma­ßen skep­tisch, nach den ers­ten Hör­durch­läu­fen war ich irgend­wie ent­täuscht, aber dann erschloss sich mir „Sylt“ doch noch Stück für Stück. kett­car trau­en sich was mit ihrem drit­ten Album und ihr Mut wird belohnt. Ein Album wie das Debüt wird ihnen wohl nie mehr gelin­gen, aber die Band ist klug genug, es auch nicht mehr zu ver­su­chen. [mehr dazu]

3. Rogue Wave – Asleep At Heaven’s Gate
Muss auch mal sein: grad­li­ni­ger ame­ri­ka­ni­scher Indie­rock ohne all­zu gro­ße Mätz­chen. Halt ein­fach: schön. So wie Nada Surf und Death Cab For Cutie, mit denen Rogue Wave auch schon des öfte­ren unter­wegs waren. Noch ein, zwei Ein­sät­ze in den rich­ti­gen TV-Seri­en, und die Band geht auch in Deutsch­land durch die Decke.

4. Port­is­head – Third
Port­is­head sind einer der wei­ßen Fle­cken auf mei­ner musi­ka­li­schen Land­kar­te: mei­ne Musik­so­zia­li­sa­ti­on begann zu einer ande­ren Zeit und in einer ande­ren Ecke, und wäh­rend ich die stets im glei­chen Atem­zug genann­ten Mas­si­ve Attack noch für mich erschlos­sen habe, blie­ben Port­is­head (auch in Erman­ge­lung aktu­el­len Mate­ri­als) immer außen vor. An ihrem drit­ten Album in 15 Jah­ren führ­te aber kein Weg dran vor­bei und so habe ich mich der Her­aus­for­de­rung auch mal gestellt: „Third“ ist eines die­ser Alben, bei denen man sich fragt, war­um es eigent­lich als „Unter­hal­tungs­mu­sik“ bezeich­net wird, wäh­rend das Gefie­del von André Rieu „ernst­haf­te Musik“ sein soll. Kunst­pop durch und durch, der sich mir nur teil­wei­se erschlie­ßen und mich auch nur teil­wei­se begeis­tern will. Wie auch schon beim letz­ten Radio­head-Album gilt aber: zwei­fels­oh­ne gro­ße Kunst.

5. Kai­zers Orches­tra – Mas­ki­ne­ri
Als Kai­zers Orches­tra vor fünf Jah­ren auf dem Hald­ern Open Air auf­tauch­ten, hin­ter­lie­ßen sie glei­cher­ma­ßen fas­sungs­lo­se wie begeis­ter­te Mas­sen. Ihr nor­we­gi­scher Gyp­sie-Rock war anders als das meis­te, was man bis dahin gehört hat­te. Auf ihrem vier­ten Album klingt die Band nicht mehr so exo­tisch wie frü­her, hat aber ganz klar immer noch eine musi­ka­li­sche Son­der­stel­lung. Es rum­pelt, es pumpt, es sägt und es macht ein­fach Freu­de.

Songs
1. Mêlée – Built To Last
Ich habe einen soft spot für ame­ri­ka­ni­schen Col­lege Rock. Wenn dann noch ein Kla­vier dazu­kommt, bin ich (s. The Fray, Stray­light Run oder One­Re­pu­blic) sehr schnell über­zeugt. Die Musik von Mêlée fand ich schon auf ihrem letz­ten Album recht hübsch, dies­mal könn­te es einer grö­ße­ren Grup­pe so gehen. Falls Sie nicht wis­sen, wor­um es geht: „Built To Last“ ist der Song, der immer läuft, wenn Sie WDR2 ein­schal­ten. Und mit „immer“ mei­ne ich immer.

2. Soko – I’ll Kill Her
Klar: ohne den fran­zö­si­schen Akzent wäre die­se Stal­ker-Hym­ne (inkl. der titel­ge­ben­den Mord­dro­hung) nur halb so lus­tig. Aber Sté­pha­nie Soko­lin­ski singt eben mit die­sem fran­zö­si­schen Akzent und die­ser mit­leids­hei­schen­den Stim­me und ver­wan­delt die­sen Song so in ein ganz wun­der­ba­res Klein­od.

3. Phan­tom Pla­net – Do The Panic
Nach­dem ihr letz­tes Album, Ent­schul­di­gung: ziem­li­che Grüt­ze war, unter­neh­men Phan­tom Pla­net jetzt einen ernst­zu­neh­men­den Ver­such, den „California“-Fluch des One Hit Won­ders zu bre­chen. Es könn­te klap­pen: „Do The Panic“ ist wie­der groß­ar­ti­ger Pop, vol­ler Chor­ge­sän­ge, tol­ler Har­mo­nien und Six­ties-Anlei­hen. Nur blöd, dass die gan­zen Radio­sen­der grad immer noch „When Did Your Heart Go Miss­ing“ von Roo­ney spie­len …

4. MGMT – Time To Pre­tend
Belie­ve the hype: die New Yor­ker Band MGMT (hie­ßen frü­her The Manage­ment) spie­len moder­nen Indie­rock mit elek­tro­ni­schen Ein­flüs­sen und klin­gen trotz­dem span­nend. Also: span­nen­der als das meis­te, was jetzt noch aus Groß­bri­tan­ni­en kommt. In der viel zitier­ten gerech­ten Welt wäre „Time To Pre­tend“ einer der Som­mer­hits des Jah­res, aber ob es wirk­lich so toll wäre, das Lied stän­dig aus schep­pern­den Mobil­te­le­fo­nen im Regio­nal­ex­press zu hören, ist eine berech­tig­te Fra­ge.

5. Port­is­head – Machi­ne Gun
End­lich mal ein Stück, das sei­nem Titel gerecht wird: sel­ten in der Geschich­te der Musik ist eine voll­au­to­ma­ti­sche Schnell­feu­er­waf­fe anschau­li­cher ver­tont wor­den als in die­sem … äh: Lied. Gut: es hät­te auch „Zahn­arzt­boh­rer“ hei­ßen kön­nen, und öfter als ein­mal am Tag soll­te man sich die­ses Häm­mern auch nicht anhö­ren, aber wenn Kunst wirk­lich weh tun muss, ist „Machi­ne Gun“ sehr gro­ße Kunst.

[Lis­ten­pa­nik – Die Serie]

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Opa skatet wieder

Seit drei Wochen ist das neue, drit­te kett­car-Album „Sylt“ inzwi­schen drau­ßen. Zeit genug, es so oft zu hören, dass man sich ein Urteil erlau­ben kann.

Oder gleich meh­re­re bei der gro­ßen Rück­kehr der Track-by-track-Ana­ly­se:

Grace­land
Hab ich mir das Lied jetzt nur schön­ge­hört oder ist es mit der Zeit doch noch gewach­sen? Musi­ka­lisch ist es für kett­car immer noch eini­ger­ma­ßen sper­rig und eigent­lich sehr viel weni­ger radio­taug­lich als zum Bei­spiel „Dei­che“ vom letz­ten Album, aber dies­mal schien Eins­li­ve sich der Band nicht mehr ver­schlie­ßen zu kön­nen und spielt den Song jetzt mehr­mals am Tag. Nicht unbe­dingt der idea­le Ope­ner, aber der A‑ca­pel­la-Schluss ist schon ziem­lich groß.

Null­sum­men­spiel
Das ist dann schon ein sehr viel klas­si­sche­rer kett­car-Song: The-Clash-Gitar­ren, dop­pel­ter Gesang und mit viel Dri­ve nach vor­ne. Dazu der ers­te Poe­sie­al­bum-Spruch der neu­en Plat­te: „Arme aus­brei­ten, Schul­tern aus­ku­geln /​ Beim Nach­na­men goo­geln“. Arme aus­brei­ten, inde­ed.

Am Tisch
Dass ich beim Intro an Annett Loui­san den­ken muss, ist mein Pro­blem, nicht kett­cars. Eine Bal­la­de im Drei­vier­tel­takt über alte Freund­schaf­ten, die über unter­schied­li­che Lebens­ent­wür­fe zer­bro­chen sind, mit dem groß­ar­ti­gen Niels Fre­vert als Gast­sän­ger. Das Lied zieht für kett­car-Ver­hält­nis­se ziem­lich run­ter, ohne gro­ße Hoff­nun­gen auf Erlö­sung zu wecken.

Kein Außen mehr
„Lie­ber pein­lich als authen­tisch /​ Authen­tisch war schon Hit­ler“ – Was auch immer uns Mar­cus Wie­busch damit sagen will. So, wie das Lied nach dem Refrain in ein kur­zes Feed­back aus­bricht, hat man die Band auch noch nicht erlebt. „Kein Außen mehr“ steht in der Tra­di­ti­on von „Genau­er betrach­tet“, „Aus­ge­trun­ken“ oder „Lat­ten­mes­sen“: ohne Halt nach vor­ne und mit direk­tem Druck auf die Endor­phin­drü­sen. Ver­mut­lich der bes­te Song der Plat­te.

Wir müs­sen das nicht tun
Geht da jetzt noch eine Freund­schaft in die Brü­che oder doch mal wie­der eine Bezie­hung? Der stap­fen­de Rhyth­mus ist schon wie­der was neu­es und auch dies­mal ver­wei­gern sich kett­car einem Refrain. Dafür gibt’s wie­der so eine Zei­le, die man für den Rest sei­nes Lebens zitie­ren wird: „Sag zum Abschied lei­se ‚Fick dich‘ “.

Fake For Real
Düs­te­res elek­tro­ni­sches Geschep­per wie bei The Notwist knarzt hin­ter einem eben­so düs­te­ren Text über die Welt, in der wir leben. Von der Pro­duk­ti­on her der span­nends­te Song der Plat­te, text­lich zwi­schen den Extre­men mit eini­gen tol­len Zei­len und dann mit einem Slo­gan, den die Links­par­tei ver­mut­lich schon zum ers­ten Mai geklaut hat: „Für die einen sind es Men­schen mit Augen, Mund, Ohren /​ Für die ande­ren Kos­ten­fak­to­ren“. Sozi­al­kri­tik gut und schön, aber der Satz geht mir echt zu weit.

Gering­fü­gig, befris­tet, raus
Der Titel sagt’s: Es geht gegen das vor­herr­schen­de Wirt­schafts­sys­tem. Sowas kann tie­risch dane­ben gehen (s.o.), hier geht das Kon­zept aber trotz des abschre­cken­den Titels auf. Die Unzu­frie­den­heit und Ver­zweif­lung stei­gert sich zum Zynis­mus: „Wir sind heiß und hung­rig und hoch­mo­ti­viert /​ Fle­xi­bel, spon­tan und qua­li­fi­ziert /​ Wir sind team­fä­hig, unab­hän­gig und belast­bar /​ Uns ist heu­te egal, wo ges­tern noch Hass war“. Die Gene­ra­ti­on Prak­ti­kum singt mit und ver­brennt ihre „Neon“-Hefte in der Tee­kü­che der Wer­be­agen­tur.

Agnos­tik für Anfän­ger
Steil­vor­la­gen­ge­fahr: „Das alles ist so was von: lang­wei­lig /​ Das Leben, die Welt: lang­wei­lig“. Isses aber gar nicht, denn „Agnos­tik für Anfän­ger“ klingt dem Titel nach wie­der nach …But Ali­ve, musi­ka­lisch aber nach …And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Gott kommt über die Welt und gibt den Men­schen „Sex und Casi­no“ und unheil­ba­re Krank­hei­ten, „Wein und Gesän­ge“ und Son­nen­un­ter­gän­ge. Viel­leicht ist das auch eine Meta­pher, aber fra­gen Sie mich nicht, wofür.

Ver­ra­ten
Ein biss­chen bes­ser hät­te man die wie­der­auf­ge­grif­fe­nen Gitar­ren- und Kla­vier­mo­ti­ve aus „Balu“ schon kaschie­ren kön­nen, aber immer­hin surrt im Hin­ter­grund ganz Beat­les-like eine Kreis­sä­ge. Der Text ist pure Melan­cho­lie und han­delt ver­mut­lich von der Rück­kehr an einen alt­be­kann­ten Ort, an dem jemand gestor­ben ist, von dem man sich nicht mehr ver­ab­schie­den konn­te. „Ver­ra­ten“ ist der ers­te Teil eines Tri­pty­chons …

Dun­kel
der zwei­te Teil des Tri­pty­chons: Wie­der Ver­gan­gen­heit, wie­der Fra­gen. Ein Lied, das mich etwas rat­los zurück­lässt und mir den­noch gefällt.

Wür­de
Tri­pty­chon, Teil 3: Ganz gro­ße Hym­ne mit Key­board-Strei­chern wie bei Fee­der. Die Arbeits­welt von vor­hin hat das ehe­ma­li­ge Kind von eben auf­ge­rie­ben und wie­der aus­ge­spuckt. Am Ende geht es zurück zu den Eltern und ich habe jedes Mal einen Kloß im Hals, wenn Mar­cus Wie­busch singt: „Aber mach dir kei­ne Sor­gen, Mama /​ Papa, ja ich weiß, bleib ruhig /​ Euer Jun­ge kommt nach Hau­se heu­te /​ Gebro­chen, fer­tig, durch“. Und dann knüp­pelt die Band drauf los wie sel­ten zuvor.

Wir wer­den nie ent­täuscht wer­den
Das Album noch mal im Schnell­durch­lauf, alle The­men in 2:11 Minu­ten. Die letz­ten fünf­zig Sekun­den sind dem Head­ban­gen vor­be­hal­ten und wie­der mal: dem Arme aus­brei­ten. Die Fans lesen den Titel und den­ken: „Stimmt.“

Fazit
„Sylt“ ist anders als die bei­den Vor­gän­ger und doch ganz klar kett­car. Musi­ka­lisch war die Band (immer­hin mit drei ver­schie­de­nen Pro­du­zen­ten) noch nie so viel­sei­tig und so gut, text­lich erschließt sich vie­les erst spät oder nie.

Mar­cus Wie­busch hat in so ziem­lich jedem Inter­view erzählt, man habe ein Album machen wol­len, dass „nicht ein­ver­stan­den“ ist. Das merkt man: kett­car sin­gen gegen die Durch­öko­no­mi­sie­rung der Welt, gegen Hartz IV, gegen den gan­zen Zynis­mus, der einem ent­ge­gen­schlägt. Damit müs­sen auch die eige­nen Fans erst mal zurecht­kom­men, poten­ti­el­le Nach­fol­ger für „Lan­dungs­brü­cken raus“, „Bal­kon gegen­über“ und „Trä­nen­gas im High-End-Leben“ sprin­gen einen nicht gera­de an.

„Sylt“ schwebt zwi­schen Eupho­rie und Melan­cho­lie, Wut und Zunei­gung, Drin­nen und Drau­ßen wie eine Nadel zwi­schen zwei Magnet­po­len. Das Album ist schwie­rig, aber es lohnt die Aus­ein­an­der­set­zung.

I’d like to thank the Aca­de­my (Aca­de­my, Aca­de­my …)

kettcar - Sylt (Albumcover)

kett­car – Sylt
VÖ: 18.04.2008
Label: Grand Hotel van Cleef
Ver­trieb: Indi­go

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Mal schauen, was so kommt

Die Musik­in­dus­trie ist aktu­ell höchst­pro­duk­tiv, was neue Releases angeht. Alte Hel­den mel­den sich zurück, von denen man ent­we­der lan­ge nichts, oder stel­len­wei­se nichts Gutes gehört hat. Und dazu kom­men Plat­ten von Musi­kern, die ich vor­her nicht kann­te. Und die trotz­dem tau­gen. Die­se Plat­ten habe ich schon­mal pro­be­ge­hört.

dEUS – Van­ta­ge Point (VÖ: 18.4.)
Wenn ich ganz ehr­lich bin: Das Vor­gän­ger­al­bum „Pocket Revo­lu­ti­on“ ist dezent an mir vor­bei­ge­gan­gen, es hat mich gera­de­zu gelang­weilt. „Van­ta­ge Point“ ist da anders. Schon die Sin­gle „The Archi­tect“ hat mich wegen der Tanz­bar­keit gepackt, weil sie eben nicht so typisch dEUS war. Ansons­ten sind sie sich halb­wegs treu geblie­ben. Von „Eter­nal Woman“, das ein wenig an „Not­hing Real­ly Ends“ erin­nert, und dem leicht ver­track­ten „When She Comes Down“ schließt eini­ges an alte Tra­di­tio­nen an. Und endet mit „Popu­lar Cul­tu­re“ in einem herr­li­chen Pop­song inklu­si­ve Kin­der­chor.

Kett­car – Sylt (VÖ: 18.4.)
„Sylt“ ist ein Album, an dem ich schei­te­re. Es hat sei­ne klei­nen Höhe­punk­te im kraft­vol­len „Kein Aus­sen mehr“ und dem eher ruhi­gen, an „Nacht“ erin­ner­den „Ver­ra­ten“, wäh­rend „Grace­land“ war die denk­bar schlech­tes­te ers­te Sin­gle war. Es fehlt der rote Faden, die zum Bei­spiel ihr Erst­ling hat­te, es ist viel­mehr eine Ansamm­lung ver­schie­de­ner Songs, die für sich allei­ne ste­hend sicher schick sind, aber zusam­men­ge­stellt kein stim­mi­ges Gan­zes erge­ben. Viel­leicht miss­ver­ste­he ich die Jungs auch. Wenn das so ist, tut es mir Leid.

Cal­vin Har­ris – I Crea­ted Dis­co (VÖ: 18.4.)
Heu­re­ka, end­lich mal wie­der ein Minis­try Of Sound-Release, der mich wirk­lich begeis­tert. Eini­gen wird der gute Mann viel­leicht aus dem Pro7-Tages­pro­gramm bekannt sein, dank einer gewis­sen Model­sen­dung läuft der Song in jeder Wer­be­pau­se. Er hat aber mehr als nur „Accep­ta­ble In The 80s“. Sehr fun­ky ist „Mer­ry­ma­king At My Place“, all­ge­mein ist der Sound irgend­wie in Rich­tung 80s-Dis­co zu ver­or­ten. Es ist sicher kein Über-Album, aber taugt für die Momen­te des Tages, wo man ein wenig schwung­vol­le Musik und gute Lau­ne brau­chen kann.

Edit: Habe der bes­se­ren Les­bar­keit wegen einen Hau­fen „irgendwie„s raus­ge­nom­men. Auch Joseph zulie­be.

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Und jetzt sind wir wieder schwierig

Heu­te erscheint mit „Grace­land“ die Vor­ab­sin­gle zu „Sylt“, dem neu­en, drit­ten Album von kett­car. Ich hät­te nie gedacht, sowas mal zu schrei­ben, aber der Song macht nicht gera­de Lust auf das Album.

Musi­ka­lisch ein stol­pern­der Rocker ohne ech­te Struk­tur und Melo­dien, wirkt der Text wie der Ver­such, sich unbe­dingt von den eige­nen Emo-Tex­ten der Ver­gan­gen­heit und der Seicht­heit der gan­zen ande­ren Deutschrock­bands unter­schei­den zu wol­len. Irgend­wie eine Wichs­vor­la­ge für Intro, Spex und Visi­ons – wobei deren Leser die Band sicher schon has­sen, seit sie auf Platz fünf der deut­schen Album­charts war.

Dafür ist das Video recht hübsch gewor­den:

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Ich wer­de mir das Album natür­lich trotz­dem wie­der kau­fen. Auch wenn ich viel­leicht lang­sam zu alt dafür bin.

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Klickbefehl (9)

Frak­ti­ons­ge­mein­schaft à la CDU/​CSU? Regio­nal­ab­spra­chen? Fusi­on? Kampf bis aufs Mes­ser? Lafon­taine ver­teu­feln oder an der Eitel­keit packen? Gysi igno­rie­ren oder respek­tie­ren? Oder ein­fach immer lecker Mit­tag? Was will der???

Im „Wie geht es uns, Herr Küp­pers­busch?“ der taz fragt sich Fried­rich Küp­pers­busch, was Kurt Beck will. Ich fra­ge mich dar­über hin­aus, wann Küp­pers­busch end­lich mal wie­der im Fern­se­hen zu sehen ist.

[via Chat Atkins]

* * *

Doch letzt­lich bleibt Burstorff und Wie­busch die Schi­zo­phre­nie, künst­le­risch und öko­no­misch ver­ant­wort­lich zu sein. Im All­tag bedeu­tet das: Büro statt Büh­ne, kopie­ren statt kom­po­nie­ren, tele­fo­nie­ren statt tex­ten. Das Kli­schee vom guten alten Rock ’n‘ Roll sieht anders aus. Und doch ist die­se selbst­aus­beu­te­ri­sche Vari­an­te längst Rea­li­tät.

Das „Ham­bur­ger Abend­blatt“ berich­tet (zum gefühlt zwei­mil­li­ons­ten Mal) über die vie­len klei­nen Indie-Labels in der Han­se­stadt, dar­un­ter Grand Hotel van Cleef und Tape­te.

* * *

I see Renee Zell­we­ger — or, rather, her back. It’s very muscle‑y. The back of her head looks a litt­le unk­empt … like she slept on it. She ends up making the best-dres­sed list. I guess the front tells a dif­fe­rent sto­ry.

Made­lei­ne Brand, Mode­ra­to­rin bei NPR, schil­dert ihre Ein­drü­cke vom roten Tep­pich bei der Oscar­ver­lei­hung aus der zwei­ten Rei­he.

* * *

Ich kann mich lei­der nicht mehr kon­kret dar­an erin­nern, wie es frü­her geschmeckt hat. Das Geschmacks­er­leb­nis ges­tern konn­te mich aller­dings durch­aus über­zeu­gen.

Kath­rin fei­ert bei polaroidmemories.de die Rück­kehr des Nog­ger Choc.

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Leichen pflastern seinen Weg

Nach den gan­zen uner­freu­li­chen The­men des Tages jetzt mal zu etwas Unter­halt­sa­mem: dem Tod.

HAT MICH JEMAND GERUFEN?

Nun gut, der Tod ist natür­lich für sich genom­men nicht unter­halt­sam. Auch Beer­di­gun­gen sind es nicht per se (auch wenn wir von kett­car gelernt haben, dass es auf jedem Begräb­nis einen guten Lacher gibt, und „Six Feet Under“ eben­falls das Gegen­teil nahe­legt). Das Bestat­ter­web­log von Tom ist es aber.

Das liegt dar­an, dass Tom über sei­nen Berufs­all­tag als Bestat­ter infor­ma­tiv, wür­de­voll, aber vor allem auch unter­halt­sam berich­tet. Er erklärt, wie das so abläuft, wenn jemand gestor­ben ist, was mit dem Ver­stor­be­nen vor und nach der Bestat­tung geschieht und wie man sel­ber für den eige­nen Todes­fall pla­nen kann. Er beant­wor­tet Leser­fra­gen aus­führ­lich, ange­mes­sen und häu­fig mit einem Augen­zwin­kern. Und er berich­tet über kurio­se Sze­nen, die er in sei­nem Beruf erlebt hat, wie zum Bei­spiel die­se hier, von deren Lek­tü­re ich in Gegen­wart ande­rer Per­so­nen aller­dings abra­ten wür­de, weil das sicher­lich ein­set­zen­de Geläch­ter doch auf Dau­er etwas irri­tie­rend sein könn­te.

Es ist ein rund­her­um emp­feh­lens­wer­tes Blog, das für vie­le den Umgang mit dem The­ma Tod, das – um mal eine Phra­se zu ver­mei­den – für vie­le Men­schen in unse­rem Kul­tur­kreis immer noch ein Tabu­the­ma ist, erleich­tern könn­te.

Warn­hin­weis für Aber­gläu­bi­sche: Ich habe mich Mon­tag­abend im Bestat­ter­web­log fest­ge­le­sen. Diens­tag­mit­tag erfuhr ich, dass ich am Frei­tag auf eine Beer­di­gung muss.

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Ein halber TV-Tipp

Heu­te Abend zeigt das ZDF „Kei­ne Lie­der über Lie­be“. Wenn ich die Hand­lung noch rich­tig erin­ne­re, geht es um einen Doku­men­tar­fil­mer (der groß­ar­ti­ge Flo­ri­an Lukas), der die Band sei­nes Bru­ders (Jür­gen Vogel) auf Tour beglei­ten will – und irgend­wie ent­spinnt sich dann eine Drei­ecks­ge­schich­te mit Hei­ke Makat­sch.

War­um ich mir einen Film, der aus­schließ­lich mit Hand­ka­me­ra gedreht ist, der eine ver­wor­re­ne und pes­si­mis­ti­sche Hand­lung hat und in dem nicht viel mehr pas­siert, als das Men­schen mit­ein­an­der reden (oder bes­ser noch: sich anschwei­gen), kurz: war­um ich mir einen jun­gen deut­schen Film über­haupt ange­se­hen habe, liegt an der Band, der Jür­gen Vogel vor­steht: Es han­delt sich um die Grand-Hotel-van-Cleef-All­star-Kapel­le Han­sen Band mit Mar­cus Wie­busch (kett­car) und Thees Uhl­mann (Tom­te) an den Gitar­ren, Felix Geb­hardt (Home Of The Lame) am Bass und Max Mar­tin Schrö­der (Tom­te, Olli Schulz & der Hund Marie, Der Hund Marie) am Schlag­zeug. Jür­gen Vogel singt (sehr schön, das muss man ihm las­sen) die Lie­der, die ihm sei­ne Back­ing Band geschrie­ben hat, und das Album der Han­sen Band ist nach wie vor zu emp­feh­len.

Lei­der ist „Kei­ne Lie­der über Lie­be“ weder „This Is Spi­nal Tap“ noch „Almost Famous“ und so die­nen Musik und Band allen­falls als Hin­ter­grund für eine melo­dra­ma­ti­sche Lie­bes­ge­schich­te, die von den Betei­lig­ten zwar gut vor­ge­tra­gen wird (der gan­ze Film ist impro­vi­siert), aber trotz­dem nicht so recht über 101 Minu­ten tra­gen will.

Wer also „Kei­ne Lie­der über Lie­be“ noch nie gese­hen hat, kann ihn sich heu­te Abend um 22:45 Uhr im ZDF anse­hen. Ich bin ganz froh, dass ich schon was bes­se­res vor­hab.

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Fast Times At Dropout High

Da „lied abschluss­fei­er“ (oder Art­ver­wand­tes) in den letz­ten Tagen auf­fal­lend oft in den Such­an­fra­gen auf­ge­taucht ist, sehe ich das als Auf­ruf ori­en­tie­rungs­lo­ser Abitu­ri­en­ten, die drin­gend ein Mot­to­lied für ihren Schul­ab­schluss suchen, das nicht „(I’ve Had) The Time Of My Life“, „Sum­mer Of ‚69“ oder „Gei­le Zeit“ heißt.

Euch kann gehol­fen wer­den mit die­ser Lis­te und zahl­rei­chen iTu­nes-Links: