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Leben

Another Decade Under The Influence: 2013

This ent­ry is part 4 of 10 in the series Ano­ther Deca­de Under The Influence

2013. Ein Anfang zu zweit. Und mit Hund. „Im Schnee­fall auf der Stra­ße knut­schen“ auf der bucket list abha­ken. Eine Grim­me-Preis-Nomi­nie­rung fürs Dschun­gel­camp. Eine Dienst­rei­se nach Buda­pest: In Ungarn über Pres­se­frei­heit spre­chen fühlt sich selt­sam an. Par­tys, Knei­pen, Wochen­en­den. Ein her­ren­lo­ser Ein­kaufs­wa­gen. We’­re up all night ‚til the sun /​ We’­re up all night to get some /​ We’­re up all night for good fun /​ We’­re up all night to get lucky. Reno­vie­run­gen und Umzü­ge ande­rer Leu­te. Ein neu­er Job beim ESC: Plötz­lich sit­ze ich tat­säch­lich an der Sei­te von Peter Urban! Noch ein neu­er Job: Plötz­lich bin ich Social-Media-Han­sel bei „Tages­schaum“ mit Fried­rich Küp­pers­busch, den ich noch aus mei­ner Kind­heit aus dem Fern­se­hen ken­ne. Ein Som­mer­ur­laub, wie man halt Som­mer­ur­lau­be macht: in Hol­land am Meer. Das war die schöns­te Zeit /​ Weil alles dort begann. Die Hoch­zeit mei­ner klei­nen Schwes­ter inkl. Auto­cor­so (schon geil, wenn man Teil davon ist!) und kaum auf­wen­di­gem Hoch­zeits­film. Mein 30. Geburts­tag auf dem Mack­lem­ore-Kon­zert und eine Par­ty, die sich nach Abschied anfühlt. I don’t care /​ I love it. Mit dem Hund im Fern­se­hen. Ein im letz­ten Moment abge­sag­tes Tra­vis-Kon­zert. Eigent­lich soll­ten wir erwach­sen wer­den: Die Kili­ans auf Abschieds­tour­nee. Gemein­sam auf Woh­nungs­su­che. Ein posi­ti­ver Schwan­ger­schafts­test. Mit Ansa­ge: Zum letz­ten Mal Hei­lig­abend fei­ern in Dins­la­ken.

Ein Jahr zwi­schen „gro­wing up“ und „being grown up“, das sich eigent­lich schon wie­der nach so viel mehr anfühlt. Jede Men­ge Sze­nen für den Super­cut mei­nes Lebens. Die Erkennt­nis, dass alles zu zweit noch bun­ter, lau­ter, schö­ner sein kann — aber auch anstren­gen­der. Ein Tag in Ams­ter­dam mit einer Grach­ten­rund­fahrt in der Abend­däm­me­rung und die Ansa­ge der Rei­se­lei­te­rin, dass man, wenn man sich unter der Mage­re Brug küsst, für immer zusam­men­bleibt. (Spoi­ler alert: Dies gilt offen­bar nicht immer.) Und wir ste­hen auf unse­ren Brü­cken /​ Unter uns der Strom /​ Die Aus­sicht schein­bar end­los /​ Unser Thron.

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Digital Politik Gesellschaft

Lucky & Fred, Episode 33

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Am Vor­abend des 9. Novem­ber tra­fen sich Lucky und Fred auf der Büh­ne des Thea­ter Fletch Biz­zel, um über Gott und die Welt zu spre­chen. Oder, in die­sem Fall: über die AfD, die Gro­ße Koali­ti­on und den anste­hen­den „Schick­sals­tag der Deut­schen“.

Wir erfah­ren, wie man ein Inter­view pro­fes­sio­nell been­det, wie man zur Geburts­tags­fei­er der „FAZ“ ein­ge­la­den wird, und war­um Donald Trump wie­der­ge­wählt wer­den wird.

Was es mit dem Olym­pi­schen Gruß, dem Mar­ti­ni-Sofa­kis­sen und ver­wir­ren­den Mei­nungs­um­fra­gen zur Mei­nungs­frei­heit auf sich hat, hört Ihr Euch am bes­ten selbst an!

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Show­no­tes:

Nächs­te Live­shows:
20. Dezem­ber 2019, Dort­mund (Tickets bestel­len)
24. Janu­ar 2020, Dort­mund (Tickets bestel­len)
17. Febru­ar 2020, Ber­lin (Tickets bestel­len)

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Musik Leben

Another Decade Under The Influence: 2012

This ent­ry is part 3 of 10 in the series Ano­ther Deca­de Under The Influence

2012. Ein WDR-Kame­ra­team in mei­ner Woh­nung, das mich für eine Repor­ta­ge über „Bild“ inter­viewt. Eine East-17-Auto­gramm­stun­de in einem Köl­ner Ein­kaufs­zen­trum. Viel auf Kon­zer­ten gewe­sen, viel im Schau­spiel­haus Bochum. Berg­werks­be­sich­ti­gung: Nach vier Gene­ra­tio­nen Berg­leu­ten über mir bin ich zum ers­ten und letz­ten Mal unter Tage. Man­che Freund­schaf­ten hal­ten län­ger, als man denkt. Mei­ne klei­ne Schwes­ter ver­lobt sich. Ein ESC in Baku und eine Bewer­bung für neue Auf­ga­ben. Ein Abend auf Ina Mül­lers Küchen­bank mit Ste­fan Nig­ge­mei­er und Mich­a­lis Pan­te­lou­ris. Baby, bit­te mach Dir nie mehr Sor­gen um Geld! Ein blink-182-Kon­zert, auf dem bei „All The Small Things“ die Welt ste­hen bleibt und sich danach in die ande­re Rich­tung wei­ter­dreht. Und wenn Du mich küsst /​ Schreibt Noel wie­der Songs für Liam. Ein toter Opa, den ich nicht kann­te. Ein Som­mer im Stadt­park und ein biss­chen in Ber­lin. Zehn Jah­re Grand Hotel van Cleef in Ham­burg mit allen, die zur Fami­lie gehö­ren. Die ers­te Geburts­tags­par­ty zuhau­se und die Geburts­stun­de des Insti­tuts für Apo­ka­lyp­ti­schen Schla­ger. „The Fault In Our Stars“, eines der beein­dru­ckends­ten Bücher, das ich je gele­sen habe. Ein Tages­aus­flug zum Bewer­bungs­ge­spräch nach Mün­chen. Schon wie­der so vie­le Aben­de in Knei­pen und WG-Küchen. Hearts from hell col­l­i­de /​ On fire’s high­way tonight /​ We drea­med it, now we know. Der Welt­un­ter­gang fällt (vor­erst) aus, aber etwas Neu­es beginnt. Nicht, was man emp­fin­det /​ Es ist das, was man tut.

Ein Jahr, in dem alles gleich­zei­tig statt­fand, und das sich anfühl­te wie ein Leben: lang, laut, bunt, lus­tig, trau­rig, zwi­schen Pau­se­tas­te, Vor- und Zurück­spu­len. I need time to stop moving /​ I need time to stay use­l­ess. Ein Jahr vol­ler Musik, mit der wei­tes­ten Anrei­se zu einem Kon­zert ever: Um das 13 Jah­re alte Trau­ma eines ver­pass­ten Kon­zerts zu über­win­den, flie­ge ich bis nach Man­ches­ter, um Ben Folds Five end­lich live zu sehen. Fresh white snow for miles /​ Every foot­step will be mine.

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Leben

Another Decade Under The Influence: 2011

This ent­ry is part 2 of 10 in the series Ano­ther Deca­de Under The Influence

2011. Wie vie­le Par­tys kann man in die ers­ten Wochen eines Jah­res packen? Wir bekom­men einen Preis fürs Oslog. Flo­ri­an Oster­tag und ich sin­gen „Human“ von den Kil­lers VOR einer Köl­ner Karao­ke-Bar. Ich arbei­te als Autor bei der ECHO-Ver­lei­hung (mit Ina Mül­ler, Joko Win­ter­scheidt, Gary Bar­low und Ste­fan Nig­ge­mei­er). Nein, Omi, die Täto­wie­rung hat nicht weh­ge­tan! Ein ESC in Düs­sel­dorf, einer Stadt, die das möch­te. Ste­fan sagt, wir haben den geils­ten Job der Welt. Zwei Rele­ga­ti­ons­spie­le, die ich am Liebs­ten gar nicht ange­schaut hät­te. So vie­le Aben­de hin­ter den CD-Spie­lern und vor den Boxen. Eine Jah­res­mit­glied­schaft im Fit­ness-Stu­dio (und ich bin tat­säch­lich regel­mä­ßig hin­ge­gan­gen). Ein Hald­ern Pop, bei dem ich irgend­wann gefah­ren bin, weil ich’s nicht mehr ertra­gen habe. Freund­schaf­ten kom­men, Freund­schaf­ten gehen. My pri­va­te life is an insi­de joke /​ No one will explain it to me. Auf drei Hoch­zei­ten gewe­sen, auf kei­ner getanzt. Mein ers­ter rich­ti­ger Urlaub als Erwach­se­ner, so mit Flug und Hotel und so! Eine Rei­se­ta­sche vol­ler CDs. Jour­na­lis­ten möch­ten mit mir über den Bun­des­prä­si­den­ten spre­chen. Eins­li­ve-Kro­ne mit After­show-Par­ty. I wan­na wring it out /​ Every oun­ce /​ I wan­na do the right thing, when the right thing counts. Ein Jahr, das immer noch Voll­gas war, aber in dem ich den Fahrt­wind kaum noch gespürt habe. Alles jud­gen, alles umar­men — manch­mal gleich­zei­tig. Ein Jahr zum Ver­ges­sen (und tat­säch­lich muss­te ich mir das Aller­meis­te erst wie­der anle­sen), aber Ste­fan sag­te: „2011, Lukas, war das Jahr, wo Du Lena end­lich Dein Mix­tape gege­ben hast; wo Du mit Lena und mit Ina Mül­ler gesun­gen hast, …“ — den Rest hab ich dann wie­der ver­ges­sen, aber der Satz hat damals sehr gehol­fen.

Und dann war das natür­lich das Jahr, wo ich im star­ken schot­ti­schen Wind stand, an Tra­vis dach­te und fand: „Das hier gera­de jetzt ist schon ganz schön gut!“

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Musik Leben Gesellschaft

Another Decade Under The Influence: 2010

This ent­ry is part 1 of 10 in the series Ano­ther Deca­de Under The Influence

Heu­te in zehn Wochen ist Sil­ves­ter — und mit dem Jahr endet auch das Jahr­zehnt. Vor zehn Jah­ren habe ich das zum Anlass genom­men, hier im Blog eine zehn­tei­li­ge Serie zu ver­öf­fent­li­chen, in der ich sehr, sehr läng­lich auf jedes ein­zel­ne Jahr, sei­ne pop­kul­tu­rel­len und per­sön­li­chen Momen­te zurück­ge­blickt habe. Ich hab nicht mehr so viel Zeit und Ner­ven, 10.000 Zei­chen zu ver­bal­lern, Ihr nicht mehr die Zeit und Auf­merk­sam­keits­span­ne, das zu kon­su­mie­ren – also gibt’s für jedes Jahr ein Foto und ein paar Stich­wor­te. Say hel­lo to #ano­ther­de­ca­de­un­dertheinfluence!

2010. Mei­ne ers­te Woh­nung, ganz für mich allein. Eine unglaub­lich auf­wen­di­ge Reno­vie­rung (mein Papa hat mal eben neu­en Est­rich gegos­sen, bevor wir den Fuß­bo­den ver­legt haben) und das Gefühl, end­lich wie­der ein Zuhau­se zu haben. So vie­le neue Freund*innen, so vie­le gute Gesprä­che, so vie­le Aben­de (und Näch­te) im Frei­beu­ter (wo ich nur in die­sem Jahr, grob über­schla­gen, einen vier­stel­li­gen Betrag zurück­ge­las­sen, aber immer­hin meh­re­re Musik­quiz­ze gewon­nen habe). Zwei Win­ter wie auf Hoth und ein con­s­truc­ti­ve sum­mer. Ein legen­dä­res Hald­ern-Fes­ti­val, eine kaum min­der legen­dä­re Geburts­tags­fei­er, bei der die Leu­te auf den Tischen getanzt haben, bevor sie umfie­len. (Die Tische. Und die Leu­te. Natür­lich alles im Frei­beu­ter.) Ein Kul­tur­haupt­stadt­jahr mit gesperr­ter A40 und Love­pa­ra­de-Kata­stro­phe. Knut­schen und Rau­chen. Mei­ne ers­ten Ein­sät­ze als DJ (die Leu­te ham getanzt, die Leu­te ham geschrien). Dienst­rei­sen nach Oslo (mit Ste­fan Nig­ge­mei­er und Lena Mey­er-Land­rut), Lon­don (mit mei­nem Onkel Tho­mas) und Rom. Mein neu­er Job als BILD­blog-Chef­re­dak­teur mit Auf­trit­ten im Fern­se­hen und Radio. Ein Jahr mit durch­ge­tre­te­nem Gas­pe­dal (und das, obwohl ich, haha­ha, ver­mut­lich nicht mehr als 300 Kilo­me­ter mit dem Auto zurück­ge­legt habe) und exqui­si­tem Sound­track. And my head told my heart /​ Let love grow /​ But my heart told my head /​ This time no /​ This time no. You’­re a beau­tiful girl and you’­re a pret­ty good wai­tress /​ But Jes­se I don’t think I’m the guy. Hal­lo, ich bin Lukas, 27, ich kom­me aus Bochum und das ist mein soge­nann­tes Leben. Ein Jahr, in dem selbst die lei­sen Momen­te laut waren. Da ist es gut, wenn man einen Platz hat, an den man sich zurück­zie­hen kann (zum Schla­fen und zum Arbei­ten, denn was hab ich da wohl sonst noch gemacht?), und an dem einen kei­ne Mit­be­woh­ner stö­ren. End­lich wie­der ein Zuhau­se, end­lich ange­kom­men und sofort auf­ge­bro­chen ins Leben.

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Die­se Serie läuft par­al­lel hier im Blog und auf Insta­gram.

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Film Gesellschaft

Cinema And Beer: „Joker“

Joker (Offizielles Filmplakat)

Ein Freak, der sich an der Gesell­schaft rächt, weil er sich schlecht behan­delt fühlt. Klingt wie Face­book, ist aber ein zwei­stün­di­ger Film mit Joa­quin Phoe­nix und Robert de Niro.

Eine gute Gele­gen­heit für unse­re zwei Freaks Tom The­len und Lukas Hein­ser, nach lan­ger Zeit end­lich mal wie­der gemein­sam ins Kino zu gehen und anschlie­ßend bei einem Bier dar­über zu spre­chen.

Cine­ma And Beer: „Joker“

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Musik

Endlich einmal etwas, das länger als vier Jahre hält

In „Almost Famous“ warnt der Musik­jour­na­list Les­ter Bangs sei­nen jun­gen Kol­le­gen Wil­liam Mil­ler davor, sich mit Musi­kern anzu­freun­den. Die woll­ten eh nur, dass man gut über sie schrei­be, und wenn die Distanz weg sei, kön­ne man auch gleich auf­hö­ren.

So gese­hen habe ich mei­ne Musik­jour­na­lis­ten-Kar­rie­re im Früh­jahr 2006 in den Wind geschos­sen, als ich Thees Uhl­mann nicht nur das Demo einer jun­gen Nach­wuchs­band aus mei­ner nie­der­rhei­ni­schen Hei­mat in die Hand gedrückt habe, son­dern acht Wochen spä­ter auch noch als Teil des Tom­te/Ki­li­ans-Tros­ses durch den Süden der Repu­blik getourt bin.

Das ers­te Album, das ich Anfang des Jah­res bei CT das radio aus dem Berg von Bemus­te­rungs­post gefischt hat­te, war die „Buch­sta­ben über der Stadt“ gewe­sen, deren Songs ich dann vier Aben­de hin­ter­ein­an­der live gehört habe, und als ich Anfang Novem­ber im Cen­tral Park am Reser­voir (ja, das aus „New York“) stand, dach­te ich: Von so einem Jahr kann man sich nur erho­len, wenn man beim ESC live vor Ort ist, wenn Deutsch­land gewinnt.

Jah­re­lang tra­fen wir uns immer wie­der in den Back­stage­räu­men nord­rhein-west­fä­li­scher Indie­rock-Ver­an­stal­tungs­or­te, auf Fes­ti­vals und im legen­dä­ren, inzwi­schen natür­lich geschlos­se­nen, Dins­la­ke­ner Jäger­hof, wo Thees mich bei der Kili­ans-Release­par­ty auf die Stirn küss­te. (Die genaue­ren Details sind mir ent­fleucht und ich möch­te dies­be­züg­lich nur Fal­co para­phra­sie­ren.)

Thees Uhlmann und Lukas Heinser, 2009

Wie es sich für eine ordent­li­che Freund­schaft gehört, wur­de unse­re aber auch auf eine har­te Pro­be gestellt: Tom­te lie­fen nach jede Men­ge Line-Up-Wech­seln aus und Thees ver­öf­fent­lich­te 2011 ein selbst­be­ti­tel­tes Solo­al­bum, mit dem ich auch nach gründ­li­chem Hören irgend­wie nicht warm wur­de. Auf „Wal­ter & Gail“ hat­te er 2006 noch gegen das Mit­tel­maß ange­sun­gen, jetzt fei­er­te er „Das Mäd­chen von Kas­se 2“ und das Leben auf dem Dorf, obwohl doch alle Songs, die wir jemals gut gefun­den hat­ten, davon han­del­ten, das Scheiß-Leben auf dem Land end­lich hin­ter sich zu las­sen. Ich fühl­te mich betro­gen.

Thees war damals wei­ter als ich: Vater gewor­den, Bezie­hung zer­bro­chen, dabei, das Glück im Klei­nen zu suchen. Nun wäre es bescheu­ert, zum bes­se­ren Ver­ständ­nis von Pop-Plat­ten die eige­nen Plä­ne vom Fami­li­en­le­ben zu sabo­tie­ren, aber ein paar Jah­re stand ich da in sei­nen Schu­hen und als Thees und sei­ne Band vor zwei Jah­ren in Ham­burg auf dem 15. Geburts­tag sei­nes Labels Grand Hotel van Cleef spiel­ten, stell­te ich fest, dass ich die Songs des ers­ten Solo­al­bums mit gro­ßer Hin­ga­be und Gän­se­haut mit­sang („Mei­ne Wahr­heit in 17 Wor­ten: Ich hab ein Kind zu erzie­hen, Dir einen Brief zu schrei­ben und ein Fuß­ball Team zu sup­port­en“). Dann kam die­se Mil­li­se­kun­de, als inmit­ten die­ses Sets mit Solo-Songs das Schlag­zeug-Intro zu einem Tom­te-Song erklang und noch ehe mein Gehirn exakt erfasst hat­te, wel­cher das eigent­lich war, war ich in der Luft und in mei­ner Erin­ne­rung habe ich für die nächs­ten 4 Minu­ten und 20 Sekun­den den Boden nicht mehr berührt – ich flog, wäh­rend ich mir gemein­sam mit dem Text zu „Schreit den Namen mei­ner Mut­ter“ die See­le aus dem Leib brüll­te, und alles war aus Gold. Fünf Tage zuvor war mei­ne Oma gestor­ben und das hier war genau das, was ich in die­sem Moment brauch­te, die letz­ten drei Jah­re gebraucht hät­te.

Anfang August kam nun end­lich das ers­te musi­ka­li­sche Lebens­zei­chen seit sechs Jah­ren: die Sin­gle „Fünf Jah­re nicht gesun­gen“. Mein Sohn und ich waren gera­de zu Besuch in Ber­lin, er schlief neben mir im Bett, als ich um Mit­ter­nacht Spo­ti­fy öff­ne­te und auf „Play“ drück­te:

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Ich wür­de nicht behaup­ten, dass ich kom­plett ver­ste­he, wovon Thees da singt, aber die Stel­len, die ich ver­ste­he, füh­le ich sehr hart. Drei Wochen spä­ter war ich beim Kon­zert in Essen, was auf den Tag zehn Jah­re nach einem der letz­ten Tom­te-Kon­zer­te war, das ich gemein­sam mit den Kili­ans besucht hat­te. Thees und ich sahen uns nach der Show zum ers­ten Mal seit Jah­ren wie­der, ich bestell­te brav Grü­ße von mei­ner Mut­ter („Der Thees hat mir damals beim Kili­ans-Kon­zert den Tipp gege­ben, ein­fach Taschen­tü­cher ins Ohr zu stop­fen, wenn es zu laut ist. Das ist gut!“ – wenn das nicht Rock’n’Roll ist, weiß ich es auch nicht!) und wir sab­bel­ten über The Clash, „Paw Pat­rol“ und Ber­lin, als hät­ten wir uns vor ein paar Wochen zuletzt gese­hen.

Thees Uhlmann und Lukas Heinser, 2019

Eine Woche spä­ter bekam ich vom Grand Hotel das zuge­schickt, was im Jahr 2019 einer gebrann­ten Bemus­te­rungs-CD ent­spricht: Einen per­so­na­li­sier­ten Strea­ming-Link, unter dem ich Thees‘ neu­es Album „Jun­kies und Sci­en­to­lo­gen“ hören konn­te. Ich klick­te drauf, leg­te den Sound mei­nes Mac­Books auf mei­ne Anla­ge und drück­te etwas unsi­cher auf „Play“. Fünf­zig Minu­ten spä­ter saß ich erschöpft (ich hat­te ein paar Mal head­ban­gend durch die Woh­nung hüp­fen müs­sen) und auf­ge­wühlt (ich hat­te ein paar Mal Trä­nen in den Augen gehabt) auf mei­ner Couch und ver­fluch­te mich dafür, dass ich an dem Abend ver­ab­re­det war und das Album jetzt nicht direkt zehn Mal hin­ter­ein­an­der hören konn­te.

Olli Schulz sagt, „Jun­kies und Sci­en­to­lo­gen“ sei das Bes­te, was Thees seit „Hin­ter all die­sen Fens­tern“ gemacht hat, was ich nur des­we­gen nicht unter­schrei­ben kann, weil deren Nach­fol­ger „Buch­sta­ben über der Stadt“ bei mir eben so eine unglaub­li­che Son­der­stel­lung ein­nimmt. Genau­so wie kett­car die lan­ge Pau­se vor „Ich vs. Wir“ so gut getan hat, dass sie mal eben ihr viel­leicht bes­tes Album auf­ge­nom­men haben, ist auch Thees nach so lan­gem War­ten auf dem Höhe­punkt sei­nes Schaf­fens: Auf „Jun­kies und Sci­en­to­lo­gen“ sind er und sei­ne Band musi­ka­lisch so tight wie sel­ten, text­lich ist er noch bes­ser gewor­den.

Thees hat ja schon immer ver­sucht, Denk­mä­ler zu errich­ten, hier beschrif­tet er die Mes­sing­ta­feln teil­wei­se ganz schlicht: „Avicii“ ist tat­säch­lich ein völ­lig uniro­ni­sches Lob­lied auf den ver­stor­be­nen DJ, den er ger­ne geret­tet hät­te; „Katy Gray­son Per­ry“ schon ein Stück kom­ple­xer, weil er sowohl die ame­ri­ka­ni­sche Sän­ge­rin als auch den bri­ti­schen Künst­ler gemein­sam zu sei­nem Label holen will. In „Was wird aus Han­no­ver“ fei­ert er die Stadt, die vor allem für ihre völ­li­ge Egal­heit bekannt ist, und singt über deren bekann­tes­te Band: „Du hast über die Scor­pi­ons gelacht, aber die sind in ‚Stran­ger Things‘ “ – da muss man die Serie nicht mal geguckt haben, um zu ver­ste­hen, wie er das meint.

Die­ses Abkul­ten von Men­schen, berühm­ten wie unbe­kann­ten, erreicht im Titel­track sei­nen Höhe­punkt: Die Stro­phen sind eine ein­zi­ge Anein­an­der­rei­hung von Wid­mun­gen („Für das Mäd­chen im Ramo­nes Shirt“, „Für jeden, der in sei­ner Stra­ße Stol­per­stei­ne poliert“, „Für die Vier­fal­tig­keit der Bobs: Bob Mar­ley, Bob Dylan, Bob Andrews und Bob Ross“), der Refrain ein leuch­ten­der Ben­ga­lo im Mor­gen­grau­en:

Aber die Zukunft ist unge­schrie­ben
Die Zukunft ist so schön vakant
Und ich kom­me dich besu­chen
Egal ob Stamm­heim oder Bun­des­kanz­ler­amt

Da haben wir in vier Zei­len: Ein Joe-Strum­mer-Zitat, ein Fremd­wort, das sonst kaum in Lied­tex­ten auf­taucht, und das Name-Che­cking von zwei zen­tra­len Orten der deut­schen Nach­kriegs­ge­schich­te. Nenn mir einen die­ser jun­gen Deutsch­pop-Clowns, der etwas Ähn­li­ches hin­be­kom­men wür­de!

Natür­lich konn­te man Thees die­ses Pathos sei­ner Tex­te auch schon immer vor­wer­fen. Aber es ist ein ande­res Pathos als das von „Auf uns“ oder „Tage wie die­ser“, denn Thees‘ Lie­der tau­gen nicht zur Unter­ma­lung von Fuß­ball­tur­nier-Super­cuts. Viel­leicht gibt es für Außen­ste­hen­de auf dem Papier auch gar kei­nen Unter­schied, aber für mich ist es auch eine her­me­neu­ti­sche Kate­go­rie, wer da spricht oder singt. Ich weiß noch, wie ich damals erst die Tex­te von Tom­te und dann Thees selbst ken­nen­lern­te und dach­te: Da ist jemand, der packt das in Wor­te, was ich irgend­wo in mir drin gefühlt habe und nie­mals hät­te aus­drü­cken kön­nen. Thees gab mir das Voka­bu­lar für Lie­bes­be­kun­dun­gen, The­ra­pie­sit­zun­gen und Blog-Ein­trä­ge.

Mor­gen erscheint „Jun­kies und Sci­en­to­lo­gen“ dann offi­zi­ell. Für mich endet damit die­se Pha­se, in der man sich wie ein Mit­ver­schwö­rer füh­len kann, weil man Songs kennt, die erst weni­ge Men­schen gehört haben. Aber ich bin mir sicher, dass es da drau­ßen Tau­sen­de gibt, die die­se Lie­der genau­so lie­ben wer­den wie ich und denen sie genau­so viel (und gleich­zei­tig etwas völ­lig ande­res) bedeu­ten wer­den.

Im letz­ten Lied der Plat­te singt Thees:

Ich bin der Letz­te mit einem Bier­glas in einer Welt vol­ler Cham­pa­gner
Die Welt ist von sich selbst besof­fen, aber ich bleib beim Bier

Du Astra, ich Fie­ge! Auf „Jun­kies und Sci­en­to­lo­gen“!

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Digital Politik Gesellschaft

Lucky & Fred, Episode 32

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Die Som­mer­pau­se ist vor­bei, Lucky & Fred sind zurück auf der Büh­ne im Fletch Biz­zel und spre­chen über jun­ge Frau­en, die zei­gen, wo’s lang geht, Gelän­de­wa­gen und den Ten­nis­arm von Ange­la Mer­kel.

In der zwei­ten Hälf­te wird es ernst, denn über­all lau­ern Nazis und ande­re Rechts­extre­mis­ten. Was das jetzt mit Mess­die­nern zu tun hat, wis­sen die bei­den auch nicht, aber es war ja nicht alles schlecht.

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Show­no­tes:

18:10: Wer­be­spot Toyo­ta RAV4
29:25: Inter­view mit Bea­tri­ce Her­bold im „Spie­gel“
30:28: „Der Spie­gel“ über das Früh­stück von Hel­mut Kohl
32:10: Chum­ba­wam­ba – The Day The Nazi Died
36:26: Wiki­pe­dia-Ein­trag „Todes­op­fer rechts­extre­mer Gewalt in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“
58:45: „Chez Krö­mer“ in der RBB-Media­thek
1:00:40: Ben Folds: „A Dream About Light­ning Bugs“

Die nächs­te Live­show im Fletch Biz­zel fin­det am 8. Novem­ber 2019 statt. Jetzt Kar­ten bestel­len!

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Musik

Wer sich erinnert, war nicht dabei (1)

Ich begrü­ße Sie herz­lich zum Auf­takt mei­ner neu­en Serie „Songs, die heu­te außer mir nie­mand mehr kennt – nicht mal die teil­neh­men­den Musi­ker!“ (das geht viel­leicht noch kna­cki­ger):

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Zur Pop­komm 2002 war ganz Köln zuge­kleis­tert mit Auf­kle­bern, auf denen „It’s Just Porn, Mum“ stand und mit denen die­ses Meis­ter­werk des Pop Punk bewor­ben wer­den soll­te. BFBS Radio spiel­te die Sin­gle damals rauf und run­ter – mit über­schau­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf die – Ach­tung, anti­quier­tes Wort – CD-Ver­käu­fe.

„Teenage Dirt­bag“ von Whea­tus ist ein Ever­green des Gen­res, „It’s Just Porn, Mum“ hin­ge­gen völ­lig in Ver­ges­sen­heit gera­ten.

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Digital Politik Gesellschaft

Lucky & Fred: Episode 31

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Video Kil­led The Poli­tik: Vor ihrem fabel­haf­ten Publi­kum im Fletch Biz­zel spre­chen Lucky & Fred über die Skan­dal­vi­de­os der letz­ten Wochen — Stich­wort Ibi­za, Stich­wort Rezo, Stich­wort Madon­na beim ESC. Die Euro­pa­wahl erin­nert Lucky dar­an, dass es in Deutsch­land eine Bun­des­re­gie­rung gibt und die SPD ihr ange­hört, und Fred schickt die Sozi­al­de­mo­kra­ten gleich aufs ver­stopf­te Jung­sklo.

Der Gast der 31. Pod­cast-Fol­ge ist Ser­dar Somun­cu. Er spricht über sei­ne ntv-Sen­dung, die Moti­va­ti­on hin­ter sei­ner Arbeit — und gibt gleich Feed­back zu dem Pod­cast, in dem er zu Gast sein muss.

Links:
11:09: Rezo: „Die Zer­stö­rung der CDU“
14:46: You­Tube-Kanal „Jung & Naiv“
1:08:15: „Under a Rock with Tig Nota­ro“

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Lucky & Fred: Episode 30

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Wäh­rend der FC Bay­ern Mün­chen beim 1. FC Nürn­berg antritt, tre­ten Lucky & Fred im Thea­ter Fletch Biz­zel auf. Die bei­den fal­schen Sech­ser spre­chen wie gewohnt untrai­niert über Kli­ma­streik, Fahr­rad­hel­me, bren­nen­de Kathe­dra­len und Whist­le­b­lower und am Ende erfah­ren end­lich alle, ob Borus­sia Dort­mund doch noch eine Chan­ce auf die Meis­ter­schaft hat.

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Kar­ten für die nächs­te Gala am 16. Juni gibt es hier.

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Lucky & Fred: Episode 29

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Let op! Drem­pels: Ohne Publi­kum, aber mit Hand­wer­kern im Hin­ter­grund bege­hen Lucky & Fred den Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag. Sie dis­ku­tie­ren über Dop­pel- und Fami­li­en­na­men, Kar­ne­val als Teil einer deut­schen Iden­ti­tät und den gan­zen Quatsch, den die SPD so mit sich machen lässt.

Die bei­den plau­dern über ihre Fami­li­en und ihre Arbeit, Fred gibt Chris­ti­an Lind­ner Tipps und dann gilt es Abschied zu neh­men von vie­len, vie­len Pro­mi­nen­ten, dar­un­ter auch ehe­ma­li­gen Kol­le­gen.

Zum Schluss gibt es wie immer Licht­bli­cke – und die Ankün­di­gung gleich zwei neu­er Live­shows!

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